St.-Paulus-Dom (Münster)

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St.-Paulus-Dom Südseite

Der St.-Paulus-Dom ist die Kathedrale des Bistums Münster unter dem Patrozinium des Apostels Paulus. Sie zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten in Nordwestdeutschland und ist neben dem historischen Rathaus (Westfälischer Friede) eines der Wahrzeichen der Stadt. Verwaltet wird der Dom vom Domkapitel in Münster.

Der Dom steht im Herzen der Stadt auf einer kleinen Anhöhe, Horsteberg genannt, die halbkreisförmig durch den Straßenzug von Spiekerhof, dem Roggenmarkt, dem Prinzipalmarkt und Rothenburg umgrenzt wird. Dieses Gebiet, samt dem Domplatz und angrenzenden Gebäuden, bildete die alte Domburg und die Domimmunität. Für diesen Bezirk hat der Dom heute die Funktion einer Pfarrkirche. Westlich des Doms liegen das Bischofshaus sowie eines der ehemaligen Kuriengebäude. An der Stelle der weiteren, ehemals um den Domplatz befindlichen Kuriengebäude stehen unter anderem Gebäude der Westfälischen Wilhelms-Universität (Theologische und Philosophische Fakultät), der Bezirksregierung Münster und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.

Im Dom befindet sich die Grabstätte des ehemaligen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, der kurz vor seinem Tod im Jahre 1946 zum Kardinal erhoben worden war und 2005 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen wurde.

Geschichte

Die erste karolingische Domkirche entstand nach der Ernennung des heiligen Liudger zum Bischof von Münster im Jahre 805. Er wird deshalb auch als Dom des heiligen Liudger oder Ludgerus-Dom bezeichnet. Lange wurde angenommen, dass es sich bei dem ersten Dom um eine kleinere Kirche handelte. Erst 1904 vermutete Savels, dass der ursprüngliche Dom eine dreischiffige Basilika war. Die Breite berechnete er anhand der nördlichen Flucht des Domplatzes und kam auf etwa 20 Meter. Nähere Erkenntnisse erbrachten im Jahre 1936 Ausgrabungen. In der nordwestlichen Ecke des ehemaligen Bauwerkes fand man zusätzliche, rechtwinklig angeordnete Mauerfundamente, erheblich dicker als die restlichen Mauern. Hier stand ein quadratischer Turm mit einer Kantenlänge von etwa 8 Metern.

Der Ludgerus-Dom stand nördlich des heutigen Doms, etwa dort, wo sich heute der Kreuzgang samt Domherrenfriedhof, die Marienkapelle und die Sakristei befinden. Er wurde erst im 14. Jahrhundert abgerissen, d. h. weit nach Errichtung des dritten Doms, und überdauerte damit auch den zweiten ottonischen Dom aus dem 10. bzw. 11. Jahrhundert.

Bis zu seinem Abriss blieb der Ludgerus-Dom weitgehend unangetastet. Nach der Weihe des zweiten Doms wurde er zunächst fast 100 Jahre lang nicht genutzt. In dieser Zeit wurde auf Veranlassung des damaligen Bischofs Dodo ein Teil der Südwestecke für den Bau einer Kapelle abgetrennt. Erst mit der Gründung des Kollegiatstifts Alter Dom durch Bischof Burchard erhielt der Ludgerus-Dom wieder eine Funktion: Er wurde vom Kapitel als Chor genutzt.

Am 18. August 1377 bestätigte Bischof Florenz von Wevelinghofen, dass sich die beiden Dombauten (erster und dritter Dom) gegenseitig das Licht nähmen, und gestattete den Abriss des Ludgerus-Doms. Nach dessen Abriss wurde nordwestlich des ersten Doms der sogenannte "Alte Dom" errichtet. Dieser Ersatzbau diente dem Kapitel des Ludgerus-Doms als Chor.

1225 erfolgte die Grundsteinlegung des dritten heutigen Doms. Nach 40-jähriger Bauzeit wurde er am 30. September 1264 eingeweiht. Das mächtige Westwerk mit seinen nahezu identischen Türmen war bereits um das Jahr 1192 an den zweiten Dom angebaut worden, und wurde in den dritten Dom einbezogen. Der St.-Paulus-Dom vereinigt Stilelemente der Romanik mit dem Westwerk, das heißt mit dem Alten Chor und den Westtürmen, und der Gotik im angrenzenden Basilika-Bau, mit den beiden Querschiffen, dem Langhaus, dem Hochchor und dem Kapellenkranz. Um das Jahr 1516 wurde das (vormals hochgotische) Westportal erweitert und im spätgotischen Stil umgestaltet.

Mit der Weihe wurde jeder Dombau zur Bischofskirche des Bistums Münster. Daneben hatten die einzelnen Dombauten, zumindest zeitweise, zusätzliche Funktionen. Der Erste (karolingische) Dom war gleichzeitig auch die Stiftskirche für die nach der Regel des heiligen Chrodegangs lebenden Brüder des des heiligen Liudger gegründeten Klosters. Jeder Dombau hatte zudem die Funktion einer Pfarrkirche. Der Pfarrbezirk umfasste ursprünglich ganz Münster. Nachdem in Münster weitere Pfarrbezirke gegründet worden waren, wurde der Pfarrbezirk des Doms im Jahre 1090 auf die alte Domburg und Domimmunität beschränkt.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, in der der Dritte (heutige) Dom erbaut wurde, wurde auf dem Domplatz die Kirche St. Jacobi errichtet. Mit der Fertigstellung dieser Kirche verlor der im Bau befindliche Dom seine Funktion als Pfarrkirche gänzlich. Seit dem Abriss der Jakobikirche im Jahre 1812 ist der Dom wieder Pfarrkirche für den oben genannten begrenzten Bezirk.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom durch Bombentreffer schwer beschädigt. Beim Einsturz der Gewölbe und Wände wurden insbesondere die Wand- und Deckenmalereien von Hermann tom Ring aus der Mitte des 16. Jahrhunderts sowie das bedeutende Westportal aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zerstört. Das Inventar war rechtzeitig ausgelagert worden und blieb verschont.

In den Jahren 1946 bis 1956 wurde der Dom wieder aufgebaut. Mit Ausnahme der Malereien und des Westportals wurde der Dom weitgehend originalgetreu rekonstruiert. So befinden sich die Altäre und Epitaphien auch weiterhin an ihren ursprünglichen Plätzen.

In den Jahren 1955/56 wurden der Hochchor, der Altarraum und das Ostquerschiff nach Entwürfen von Emil Steffann liturgisch neu geordnet. Der ursprünglich im Hochchor aufgestellte barocke Hochaltar wurde an die Westwand des Alten Chores versetzt. An dessen Stelle befindet sich im Hochchor die Kathedra. Der Hauptaltar (Volksaltar) wurde freistehend und zentral in den Vierungsraum gestellt, die Kirchenbänke sind von drei Seiten um den Altar gruppiert. 1981 wurde die neue Domkammer eröffnet. Sie grenzt an den nördlichen Kreuzgangarm und beherbergt den Domschatz mit Kunst- und Kulturgegenständen aus mehr als 1200 Jahren seit der Gründung des Bistums.

In den Jahren 1985 bis 1990 wurden die Fenster der Seitenwände des Chorumganges und des angrenzenden Kapellenkranzes neu gestaltet. Es handelt sich dabei um einen Zyklus von 17 Glasfenstern, die von dem Glaskünstler Georg Meistermann entworfen wurden. Die Gestaltung der Fenster sind von abstrakt-geometrischen Farbflächen und symbolhaft-biblischen Motiven bestimmt.

Von 2009 bis Anfang 2013 wurde der Dom umfassend saniert. Zunächst erfolgten die Arbeiten an den Fassaden des Westchores, der Westtürme und des Salvatorgiebels sowie der Dachstuhl. Die Dachfläche (5500 Quadratmeter) wurde neu mit Kupfer eingedeckt. Es folgten ab Ende 2011 die Innenarbeiten, u. a. die Erneuerung des Heizungs- und Lüftungssystems sowie der Elektrik samt Beleuchtung und Lautsprecheranlage, Brandschutzvorkehrungen und der Innenanstrich. An der Renovierung waren 15 Büros und 51 Handwerksbetriebe mit 350 Mitarbeitern beteiligt. Während dieser Zeit wurden 10.000 Quadratmeter Wand- und Gewölbeflächen aufgefrischt und 24 Kilometer Kabel verlegt. Decken, Wände und Kunstwerke im Dom wurden gesäubert und farblich neugefasst. Im Zuge der Erneuerung der Technik wurde eine energiesparende Erdwärmeheizung, eine moderne LED-Beleuchtung und eine neue Mikrofonanlage installiert. Die digitale Lautsprecheranlage wurde zudem neu konzipiert und auch für Hörgeschädigte auf den neuesten Stand gebracht. Am Portal zur astronomischen Uhr entstand ein behindertengerechter Zugang. Der Glockenstuhl wurde aus Eichenholz neu gezimmert. Eine aus „Lichtspeiern“ (hier handelt es sich um "kleine, aus der Wand ragende Messingarme, die wie Wasserspeier aussehen und ihr LED-Licht nach unten zu den Gläubigen und nach oben an Wand und Decke werfen, sodass der Dom mit seinem Gewölbe auch indirekt strahlt") und Strahlenkränzen bestehende Beleuchtung sorgt für helles Licht. Die Gesamtkosten dieser Maßnahmen beliefen sich auf rund 14 Millionen Euro.

Domorgeln

Domorgel

Der Dom verfügt über drei Orgeln. Die Hauptorgel, erbaut von Orgelbau Klais (Bonn), steht im Querhaus. Das Pfeifenwerk stammt weitgehend aus der Orgel, die 1956 von Hans Klais erbaut und in einer Orgelnische über dem Kapitelsaal, seitlich des Stephanschores (nördliches Querschiff) aufgestellt wurde. 1987 wurde das Instrument abgebaut und mit geringfügig geänderter Disposition in einem neuen Gehäuse vor dem Südfenster des östlichen Querschiffs aufgestellt. Die Disposition wurde zuletzt im Jahre 2002 leicht verändert.

In der oberen Kapelle des Nordturmes befindet sich seit dem Jahre 2002 ein Auxiliarwerk. Es hat 14 Register und dient dazu, den hinteren Bereich (Westwerk) des Doms zu beschallen. Das Auxiliarwerk hat keine Spielanlage, sondern wird vom Spieltisch der Hauptorgel angesteuert. Das Werk ist ähnlich einem Hauptwerk disponiert, und enthält auch ein Hochdruckregister "Tuba episcopalis" in 8'-Lage, mit Extensionen (16'- und 4'-Lage).

Im Westchor befindet sich das sogenannte Lettner-Positiv. Es handelt sich dabei um ein kleines Orgelpositiv aus dem 17. Jahrhundert, das ursprünglich auf dem Lettner stand. Es wurde im Jahr 2009 umfassend restauriert bzw. erneuert. Das Instrument dient heute der Begleitung der gesungenen Vesper.

Grabstätte Kardinal von Galens

Grab Kardinal von Galens

Die Grabstätte von Clemens August Graf von Galen befindet sich in der südöstlichen Galenschen Seitenkapelle im Chorumgang, der Ludgerus-Kapelle. Es handelt sich dabei um eine Grabplatte, die von dem Südtiroler Bildhauer Siegfried Moroder geschaffen wurde. Sie trägt die Aufschrift "Hic exspectat resurrectionem mortuorum Clemens Augustinus de Galen S.R.E. presbyter cardinalis episcopus Monasteriensis" - "Erwartet die Auferstehung der Toten Clemens August von Galen, der heiligen römischen Kirche Kardinalpriester, Bischof von Münster".

Graf Galen wurde 1933 durch Papst Pius XI. zum Bischof von Münster ernannt. Die Bischofsweihe fand am 28. Oktober 1933 statt. Sein Bischofs-Wahlspruch lautete "Nec laudibus nec timore" (Weder Menschenlob noch -furcht [sollen uns bewegen]). Im Juni und August 1941 fanden die berühmten Predigten gegen "Klostersturm" und Euthanasie der Nazis statt. Bischof von Galen sprach sich mit klaren Worten gegen die Rassenlehre der Nationalsozialisten aus. In Predigten und in Hirtenbriefen demaskierte er früh die gottlosen Ziele der NSDAP, warnte vor deren menschenunwürdiger und neuheidnischer Ideologie und verurteilte die Hinrichtung von Christen ebenso wie die Tötung so genannten »lebensunwerten Lebens«. Von Pius XI. wurde er zur Mitarbeit an der Enzyklika »Mit brennender Sorge« (1937) eingeladen.

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