Spiritualität

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Das geistliche Leben, die Spiritualität ist die Antwort eines jeden Christen auf seinem Lebensweg im Herrn. Die Nachfolge Christi bewährt sich darin, den göttlichen Tugenden entsprechend zu leben. Diese sind der wahre Glaube an Gott, die feste Hoffnung auf Jesus Christus und vor allem die Liebe. Diese drückt sich aus im Gebet, in Taten ("gerechte Werke") und Haltungen des Tugendlebens (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß), um die Sünde zu meiden, Gott und den Menschen zu dienen und so die ewige Bestimmung des Menschen zu erreichen, also den Himmel. Das II. Vatikanum hat den Aufruf an alle Christen bekräftigt, den Weg der Nachfolge Christi zu gehen.

Inhaltsverzeichnis

Heiligkeit

Im II. Vatikanum, in der Dogmatischen Konstituiton Lumen gentium, befasst sich ein ganzes Kapitel mit der Allgemeinen Berufung zur Heiligkeit im: Kapitel V. In Nr. 42 steht:

"Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1 Joh 4,16). Gott aber gießt seine Liebe in unseren Herzen aus durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (vgl. Röm 5,5). Daher ist die erste und notwendigste Gabe die Liebe, durch die wir Gott über alles und den Nächsten um Gottes willen lieben. Damit aber die Liebe wie ein guter Same in der Seele wachse und Frucht bringe, muß jeder Gläubige das Wort Gottes bereitwillig hören und seinen Willen mit Hilfe seiner Gnade in der Tat erfüllen, an den Sakramenten, vor allem der Eucharistie, und an den gottesdienstlichen Handlungen häufig teilnehmen und sich standhaft dem Gebet, der Selbstverleugnung, dem tatkräftigen Bruderdienst und der Übung aller Tugenden widmen. Denn die Liebe als Band der Vollkommenheit und Fülle des Gesetzes (vgl. Kol 3,14; Röm 13,10) leitet und beseelt alle Mittel der Heiligung und führt sie zum Ziel. Daher ist die Liebe zu Gott wie zum Nächsten das Siegel des wahren Jüngers Christi.

Da Jesus, der Sohn Gottes, seine Liebe durch die Hingabe seines Lebens für uns bekundet hat, hat keiner eine größere Liebe, als wer sein Leben für ihn und die Brüder hingibt (vgl. 1 Joh 3,16; Joh 15,13). Dieses höchste Zeugnis der Liebe vor allen, besonders den Verfolgern, zu geben war die Berufung einiger Christen schon in den ersten Zeiten und wird es immer sein. Das Martyrium, das den Jünger dem Meister in der freien Annahme des Todes für das Heil der Welt ähnlich macht und im Vergießen des Blutes gleichgestaltet, wertet die Kirche als hervorragendes Geschenk und als höchsten Erweis der Liebe. Wenn es auch wenigen gegeben wird, so müssen doch alle bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen.

Ferner wird die Heiligkeit der Kirche in besonderer Weise gefördert durch die vielfachen Räte, deren Beobachtung der Herr im Evangelium seinen Jüngern vorlegt. Darunter ragt die kostbare göttliche Gnadengabe hervor, die der Vater einigen gibt (vgl. Mt 19,11; 1 Kor 7,7), die Jungfräulichkeit oder der Zölibat, in dem man sich leichter ungeteilten Herzens (vgl. 1 Kor 7,32-34) Gott allein hingibt. Diese vollkommene Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wurde von der Kirche immer besonders in Ehren gehalten als Zeichen und Antrieb für die Liebe und als eine besondere Quelle geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt.

Die Kirche bedenkt auch die Mahnung des Apostels, der die Gläubigen zur Liebe aufruft und sie ermahnt, die Gesinnung in sich zu tragen, die auch in Christus Jesus war, der "sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm ... und gehorsam wurde bis in den Tod" (Phil 2,7-8) und der um unseretwillen "arm wurde, da er reich war" (2 Kor 8,9). Diese Nachahmung und Bezeugung der Liebe und Demut Christi müssen die Jünger immer leisten. Deshalb freut sich die Mutter Kirche darüber, dass sich in ihrem Schoß viele Männer und Frauen finden, die die Entäußerung des Erlösers nachdrücklicher befolgen und deutlicher erweisen, indem sie die Armut in der Freiheit der Kinder Gottes übernehmen und auf den Eigenwillen verzichten, das heißt, sie unterwerfen sich einem Menschen um Gottes willen hinsichtlich der Vollkommenheit über das Maß des Gebotes hinaus, um sich dem gehorsamen Christus mehr gleichzugestalten.

Alle Christgläubigen sind also zum Streben nach Heiligkeit und ihrem Stand entsprechender Vollkommenheit eingeladen und verpflichtet. Alle sollen deshalb ihre Willensantriebe richtig leiten, um nicht im Umgang mit Dingen der Welt und durch die Anhänglichkeit an die Reichtümer wider den Geist der evangelischen Armut im Streben nach vollkommener Liebe gehindert zu werden. Mahnt doch der Apostel: Die mit dieser Welt umgehen, sollen sich in ihr nicht festsetzen; denn die Gestalt dieser Welt vergeht (vgl. 1 Kor 7,31)."


Somit ist ein gottgefälliges Leben ist kein Privileg weniger Auserwählter. Gerufen sind alle. Das Wort Jesu aus der Bergpredigt: "Seid vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist", zeigt uns den Weg zu einer persönlichen Antwort auf die Liebe Gottes. Diese Antwort soll sich im ganzen Leben eines Christen ausdrücken und es auf allen Ebenen durchdringen.

Frank Duff, einer der Begründer der Legio Mariae, führt als Wege zur persönlichen Heiligung an:

  • Vollkommenheit in der Verrichtung der täglichen Arbeit (pünktlich, sorgfältig)
  • Vollkommenheit in der Nächstenliebe (in Freundlichkeit das Gute tun, das wir selber uns wünschen würden)
  • Vollkommenheit im Gebet (mit Treue und Andacht, gesammelt)

Alle Lebensumstände sind uns von Gott geschenkt, um genau darin zur Heiligkeit zu finden. Die Liebe zu unserer ganz konkreten Pflicht gibt uns die Möglichkeit, uns darin mit Gott zu vereinen.

Eine enge Verbundenheit mit Maria führt uns in diese Haltung der Pflichterfüllung ein, und Gebet und Hl. Messe stärkt uns auf diesem Weg.

"Nach den Worten des Apostels Paulus ... ist die Heiligkeit ein Geschenk, das uns der Vater durch Jesus Christus zukommen lässt, denn der Glaube an Ihn ist die Grundlage der Heiligung. Durch den Glauben hat der Mensch Zugang zum Gnadenstand; durch den Glauben hofft er, Anteil an der Herrlichkeit Gottes zu bekommen. Diese Hoffnung ist keine leere Illusion, sondern das sichere Ergebnis eines asketischen Weges, der durch viel Leid führt, das mit Geduld und unter Beweis gestellten Tugenden angenommen wird (Papst Johannes Paul II. sagte bei bei Heiligsprechungsfeier Luigi Scrosoppis am 10. Juni 2001in Rom).

Evangelische Räte

Die Evangelischen Räte

Armut, Keuschheit, Gehorsam

Eine besonders intensive Weise, der Lebensform Jesu Christi nachzufolgen, ist der Ruf zu Armut, Keuschheit und Gehorsam. Eine spirituelle Haltung der Armut und Keuschheit und geistlicher Gehorsam gegenüber der Kirche ist für jeden Getauften eine Weise, auf die Liebe Gottes zu antworten (vgl. Lumen gentium, Nr. 42). In einem strengen Sinne diese evangelische Räte als eine verpflichtende Wegweisung Christi zu befolgen, ist das Kennzeichen einer besonderen geistlichen Berufung, im Stande des geweihten Lebens.

Armut

Das hebräische Wort für "arm" ist ganz ähnlich dem Wort für "elend". Der Unterschied liegt im ersten Buchstaben: das Wort "arm" beginnt mit Alef, dem Buchstaben, der für Gott steht. Nur wo Gott wirklich voransteht, ist die Armut selig; andernfalls ist es Elend.

Arm im biblischen Sinne ist, wer sein Herz nicht an die Dinge dieser Welt hängt, sondern jederzeit frei ist für den Anruf Gottes - und ihm daher ohne hinderliches "Marschgepäck" folgen kann. Gemeint sind nicht nur materielle Dinge, sondern auch Positionen in Beruf und Gesellschaft, oder auch geistliche Positionen, die man sich erarbeitet hat und wo man sich gleichsam fest eingerichtet hat.

Diese Grundhaltung einer Bereitschaft, dem Ruf Gottes zu folgen, finden wir im Alten Testament vielfach unter dem Bild des Nomaden - und auch wir sollten bereit sein wie Abraham, in jeder Lebenslage alles auszulassen, wenn Gott uns weiterführen will in das Land das wir noch nicht kennen.

Das Maß, in dem Gott zu einem opferbereiten Herzen ruft, ist je nach dem persönlichen Lebensweg unterschiedlich. Jesus Christus hat aber jedenfalls die Armen selig gepriesen, nicht die Reichen. Allerdings gehört es auch zur Tugend geistlicher Armut, sich nicht von Neid und Gier überwältigen zu lassen. In der Geschichte der Orden war oft Art und Ausmaß der konkreten Verwirklichung der Armut ein Anlass für kritische Entwicklungen und Reformen. Nur einige wenige Christen und Ordensleute haben die Armut so ernst genommen, dass sie möglichst jegliche Annehmlichkeit im Leben aufopferten.

Keuschheit

Was Keuschheit bedeutet, davon haben die meisten nur einen ungefähren Begriff. Das biblische Verständnis davon greift allerdings noch weiter. Gemeint ist eine Haltung der Mäßigkeit und Selbstbeherrschung, nicht nur auf sexuellem Gebiet, sondern auch z.B. beim Genuß von Speisen oder Alkohol oder Vergnügungen.

Wichtiger als die bloße Beachtung des Maßhaltens ist jedoch die Reinheit des Herzens. Es ist erlaubt, ja sogar gottgefällig, zu den dafür vorgesehenen Zeiten sich an Speisen, Wein, der Gemeinschaft, und [für Eheleute] auch an der Sexualität zu erfreuen, denn sie sind Geschenke Gottes, und der Mensch, zur Freude des Himmels berufen, kann durch ein Zuviel an Askese sich die Kraft nehmen, die er auf dem Weg des irdischen Lebens benötigt. Jedoch soll das Herz stets froh auf Gott schauen, um das rechte Maß der Lebensfreude zu bewahren.

So gesehen kann man auch von einer ehelichen Keuschheit sprechen, einer Theologie des Leibes (Johannes Paul II.), die bereit ist den Anderen und seine Bedürfnisse zu achten, Maß zu halten, in Dankbarkeit dem Ehepartner (und sich selbst) die sexuelle Erfüllung zuzugestehen, aber auch in Zeiten wo das erforderlich ist, enthaltsam zu leben, und keinesfalls dem Egoismus den Sieg zu geben.

Die Berufung zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, ist dazu geeignet, im Vorausblick auf die Herrlichkeit, die Christus seiner Braut, der Kirche, bereitet hat, auch die Treue der in Ehe und Familie lebenden Christen zu stützen. In dem lateinischen, abendländischen Zweig der katholischen Kirche, der allerdings mittlerweile auf allen Kontinenten der stärkste Teil des Christentums überhaupt ist, hat sich in Jahrhunderten die Überzeugung herausgebildet, das Priesteramt nur solchen Männern anzuvertrauen, die bereit sind, nach der Weihe keine Ehe einzugehen (Zölibat).

Gehorsam

Wir erleben in Europa seit dem Ausbruch des I. Weltkriegs, verschärft durch die Nachkriegszeit nach dem II. Weltkrieg und die kulturellen Umbrüche um 1968, in mehreren Schüben ein Zerbrechen von Hierarchien und Ordnungen in Staat, Gesellschaft und Familie - und auch den Versuch, die Autorität in der Kirche aufzubrechen. Zugleich bewahrheitet sich dennoch die Erfahrung, dass ohne eine sinnvolle Ordnung keine Gemeinschaft von Menschen in der Lage ist, auf Dauer zu existieren, ohne sich von innen heraus selbst zu zerstören. Daher betont seit altersher die Kirche den Gehorsam als eine für jeden Christen maßgebliche, unverzichtbare Tugend.

Anders aber als beim bspw. militärischen Gehorsam, der einem schlichten Kommandoprinzip folgt, um aus einer Menschenmasse eine funktionstüchtige "Waffe" zu machen, ist der religiös motivierte Gehorsam auf Vertrauen und Liebe angewiesen. Die christliche Gemeinschaft hört aus freiem Entschluss auf das Wort Gottes. Das Maß des Vertrauens, dass die Kirche letztlich zuverlässig vom Hl. Geist selber geleitet ist, sogar dort, wo man in den Augen der Welt eher das Gegenteil vermuten möchte, hängt sicherlich von den alltäglichen Erfahrungen mit der Religion ab. Schon deshalb kann der kirchlich gebotene Gehorsam nicht schlicht das Befehlswesen in Staat und Gesellschaft imitieren, sondern muss seine geistlich geprägte Motivation gewährleisten. Jedoch nur dann, wenn alle gehorchen, anstatt um das Kommando zu kämpfen, werden dem Hl. Geist die Wege bereitet, der richtigen Haltung zum Durchbruch zu verhelfen und zu zeigen, was zielorientiert das Richtige vor Gott ist.

In einem allgemein Sinn sind alle Getauften aufgefordert, sich in geistlichen Dingen durch den Rat der Seelsorger und die Wegweisung des kirchlichen Amtes leiten zu lassen. In einem strengeren Sinn unterstellen die Mitglieder von Orden und anderen angeleiteten Gemeinschaften, aber auch die Priester in den Diözesen, ihren Eigenwillen einem höheren Urteil. Es ist eine tiefe Weisheit des geistlichen Lebens, dass sich der Sinn der Nachfolge oft erst im gläubigen Tun, im Gehorsam, enthüllt.

Formen

Es gibt verschiedene Formen der Spiritualität. Die Grundformen christlicher Spiritualität sind zum einen die aktive, also die tätige, und zum anderen die kontemplative (innerliche bzw. beschauliche) Form. Darüber hinaus gibt es viele verschiedene Schulen bzw. Richtungen der Spiritualität, von den einige mit bestimmten Orden oder geistlichen Bewegungen verbunden sind. Hierzu zählen der Hesychasmus, die benediktinische, die zisterziensische, die dominikanische, die franziskanische oder die salsianische Spiritualität.

Literatur

  • Directorium Spirituale, Ein geistliches Wort für jeden Tag, Monatsheft (DIN A5) 93047 Regensburg (Tel. 0941/597-1702)
  • Stefan Fleischer: Heiligkeit für Anfänger Stella Maris Verlag Augsburg 2006 (134 Seiten; ISBN 978-3-934225-41-1).
  • Georg Patiß: Das verborgene Leben Jesu Christi als Vorbild für unsere Selbstheiligung. - Erwägungen von P. G. Patiss S.J. Pustet Verlag Regensburg 1891 (860 Seiten).
  • Brian McNeil: Heilig sollt Ihr sein. Grundzüge einer tragfähigen Spiritualität für heute. Bernardus Verlag ISBN 10: 3-934551-20-3
  • Herbert Schneider: Spirituelles Zentrum in dir selbst. Bernardus Verlag ISBN 10: 3-934551-50-5
  • Grossow: Das geistliche Leben. Verlag Ars Sacra München 1952 (894 Seiten).

Siehe auch: Hesychiatherapie

Weblinks