Sozialismus

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Sozialismus ist eine politische Ideenlehre, deren moderne Ursprünge auf "Frühsozialisten" wie Graf Henri de Saint-Simon (z.B. De l'organisation sociale, 1824; dt. Von der Gesellschaftsorganisation) in der Folgezeit der französischen Revolution, zurückgehen. Im Zentrum jedes Sozialismus im eigentlichen Sinn steht der Gedanke, durch die Enteignung des Privateigentums und Aneignung aller Güter durch alle, eine "gerechte" Gesellschaft zu schaffen. Unproduktive, "kulturelle" Arbeit ist zu vermeiden; niemand darf nur von Kapital und Renten leben.

Die sozialistische Bewegung spaltete sich in einen sozialdemokratischen Teil, der dieses Ziel mit Hilfe des allgemeinen Wahlrechts erreichen wollte (Ferdinand Lassalle (1825-1864); also: die Parlamente erobern und damit die Gesetzgebung) und einen radikaleren Zweig, der den Sozialismus als Ergebnis der (für historisch notwendig gehalteten, nächsten:) proletarischen Revolution erstrebte (Karl Marx, Friedrich Engels). Der Marxismus-Lenismus dann, als das Eintreten der Revolution mit Beginn des 1. Weltkriegs fragwürdig geworden war, sah sich berufen, gewissermaßen als "vorauseilender Vollstrecker" der zukünftigen Geschichte, die Revolution durch die kommunistische Partei (und ihre Polizeikräfte und Armeen) gewalttätig durchzusetzen (d.i. Kommunismus).

Da aber das sozialistische Gedankengut immer davon ausgeht, dass durch den Umsturz des Privateigentums die "Gerechtigkeit" kommen werde, ist das Ausbleiben derselben in den kommunistischen Staaten als endgültige (und nicht umkehrbare) Widerlegung der sozialistischen Ideologie insgesamt zu begreifen. Wer es anders sieht, der begreift den Sozialismus nicht. Der "demokratische Sozialismus" hat sein Funktionieren tatsächlich auf diesem Planeten noch nirgendwo unter Beweis gestellt. Von weiteren "Experimenten", die schon ungezählte Menschenleben kosteten, wäre dringend abzuraten.

Inhaltsverzeichnis

Abweichender Wortgebrauch

In einem weniger strengen, eher romantischen Sinn wird unter "Sozialismus" bisweilen auch verstanden, innerhalb der politischen Arbeit mehr Augenmerk auf Sozialgesetzgebung, die Rechte von Schwachen und Minderheiten und auch Aspekte der Caritas zu richten. Allerdings predigt auch dieser milde "Sozialismus" keinen Verzicht, kein Hergeben oder Opfern, sondern Ansprüche, ein Nehmen und Zugreifen.

Sozialismus und Soziallehre

In den Ergebnissen können Projekte "geläuterter" Sozialisten und Forderungen der christlichen Gesellschaftslehre einander sehr ähnlich sehen. Die Motive sind jedoch oft verschieden. Da aber keine politische Partei oder Strömung die "Wahrheit" für sich beanspruchen kann (auch nicht der Integralismus), können Christen in unterschiedlichen parteipolitischen Formationen mitarbeiten.

Hier gilt eine relative Autonomie der Laien. Überall gilt aber auch, dass sich der Christ (die Christin) gewissenhaft Rechenschaft ablegen muss über die "Hierarchie der Werteordnung". Die Mitarbeit in eher sozialdemokratischen oder eher liberalen oder eher konservativen Gruppen setzt also immer voraus, dass der Blick für wesentliche (vorrangige) Anforderungen der Religion nicht verlorengeht.

Insofern kann der aufrichtige Katholik auch heute das sozialistische Programm (wie auch jedes andere, das "totale" Ansprüche formuliert) nur sehr eingeschränkt unterstützen. Eine davon völlig unabhängige Frage ist die, ob große Probleme der Menschheit (wahrscheinlich; siehe die Finanzkrise von 2008) doch nur dann gelöst werden können, wenn auch eine fundierte, aber eben nicht ideologisch motivierte Kapitalismuskritik zu echten Ergebnissen kommt.

Zitat

"Es ist unmöglich, gleichzeitig guter Katholik und wirklicher Sozialist zu sein." (Enzyklika Quadragesimo anno Nr. 120).

Dies ist ein "zeitbedingtes Urteil, das [...] nicht auf die gegenwärtige Sozialdemokratie bezogen werden kann." (Arno Anzenbacher: Art. "Sozialismus" in Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl. Bd. 9, Sp. 782f.)

Literatur

Siehe auch: Kommunismus

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