Sonntag des Wortes Gottes

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Der Sonntag des Wortes Gottes ist der dritte Sonntag im Jahreskreis, an dem in der Liturgie der Betrachtung und der Verbreitung des Wortes Gottes durch die Heilige Schrift gedacht werden soll. Der der Bibel gewidmete Tag soll nicht „einmal im Jahr“, sondern einmal für das ganze Jahr stattfinden. Der erste Sonntag des Wortes Gottes ist der 26. Januar 2020.

Dieser Tag wurde von Papst Franziskus durch das Motu proprio Aperuit illis am 30. September 2019, dem Fest des heiligen Hieronymus, dem Urheber der Vulgata, eingeführt.

An diesem Sonntag ist es besonders nützlich, die Verkündigung des Wortes Gottes hervorzuheben und die Homilie so zu gestalten, dass der Dienst am Wort des Herrn herausgestellt wird. Die Bischöfe können an diesem Sonntag die Beauftragung zum Lektorat oder einem ähnlichen Dienst erteilen, um an die Bedeutung der Verkündigung des Wortes Gottes in der Liturgie zu erinnern.

Der Sonntag des Wortes Gottes fällt passend in den Zeitabschnitt des Jahres, in dem die Beziehungen zu den Juden zu festigen suchen und und für die Einheit der Christen zu beten (18. -25. Januar) eingeladen sind. Es handelt sich dabei nicht um ein bloß zeitliches Zusammentreffen: Die Feier des Sonntags des Wortes Gottes ist von ökumenischer Bedeutung, denn die Heilige Schrift zeigt denen, die auf sie hören, den Weg, der beschritten werden muss, um zu einer authentischen und soliden Einheit zu gelangen (Aperuit illis, 3).

NOTE ZUM SONNTAG DES WORTES GOTTES am 17. Dezember 2020

Der Sonntag des Wortes Gottes, dessen Feier von Papst Franziskus jedes Jahr am dritten Sonntag im Jahreskreis[1] gewünscht wird, erinnert alle, Seelsorger und Gläubige gleichermaßen, an die Bedeutung und den Wert der Heiligen Schrift für das christliche Leben, sowie an die Beziehung zwischen dem Wort Gottes und der Liturgie: „Als Christen sind wir ein Volk, das in der Geschichte unterwegs ist, gestärkt durch die Gegenwart des Herrn in unserer Mitte, der zu uns spricht und uns nährt. Der der Bibel gewidmete Tag soll nicht ‚einmal im Jahr‘, sondern einmal für das ganze Jahr stattfinden. Wir verspüren nämlich die dringende Notwendigkeit, uns mit der Heiligen Schrift und dem Auferstandenen eng vertraut zu machen, der nie aufhört, das Wort und das Brot in der Gemeinschaft der Gläubigen zu brechen. Aus diesem Grund müssen wir zu einer ständigen Vertrautheit mit der Heiligen Schrift gelangen, sonst bleibt das Herz kalt und die Augen verschlossen, da wir, wie wir nun einmal sind, von unzähligen Formen der Blindheit betroffen sind.“[2]

Dieser Sonntag ist daher eine gute Gelegenheit, einige kirchliche Dokumente[3] und besonders die Praenotanda des Ordo Lectionum Missae neu zu lesen, die eine Synthese der theologischen, die Feier betreffenden und seelsorglichen Prinzipien bezüglich der Verkündigung des Wortes Gottes in der Messe darstellen, aber auch in jeder anderen liturgischen Feier (Sakramente, Sakramentalien, Stundengebet) gelten.

1. Durch die biblischen Lesungen, die in der Liturgie verkündet werden, spricht Gott zu seinem Volk und Christus selbst verkündet sein Evangelium;[4] Christus ist die Mitte und die Fülle der ganzen Schrift, des Alten und Neuen Testaments.[5] Das Hören des Evangeliums, der Höhepunkt des Wortgottedienstes,[6] ist von einer besonderen Verehrung geprägt,[7] die nicht nur durch Gesten und Akklamationen, sondern durch das Buch mit den Evangelien selbst zum Ausdruck kommt.[8] Eine der rituellen Gestaltungsformen, die für diesen Sonntag geeignet sind, könnte die Einzugsprozession mit dem Evangeliar[9] sein oder, falls diese wegfällt, seine Platzierung auf dem Altar.[10]

2. Die Ordnung der biblischen Lesungen, die die Kirche im Lektionar zusammengestellt hat, eröffnet den Weg zur Erkenntnis des ganzen Wortes Gottes.[11] Deshalb ist es notwendig, die angegebenen Lesungen zu berücksichtigen, ohne sie zu ersetzen oder zu streichen, und die für den liturgischen Gebrauch zugelassenen Versionen der Bibel zu verwenden.[12] Die Verkündigung der Texte des Lektionars bildet ein Band der Einheit unter allen Gläubigen, die sie hören. Ein Verständnis der Struktur und des Sinns des Wortgottesdienstes hilft der Versammlung der Gläubigen, von Gott das Wort zu empfangen, das rettet.[13]

3. Empfohlen wird das Singen des Antwortpsalms als Antwort der betenden Kirche;[14] deshalb sollte der Dienst des Psalmisten (Kantors) in jeder Gemeinde verstärkt werden.[15]

4. In der Homilie werden, dem Lauf des liturgischen Jahres folgend und ausgehend von den biblischen Lesungen, die Geheimnisse des Glaubens und die Grundsätze des christlichen Lebens dargelegt.[16] „Die Hirten haben in erster Linie die große Verantwortung, die Heilige Schrift zu erklären und jedem zu ermöglichen, sie zu verstehen. Da sie das Buch des Volkes ist, müssen alle, die zum Dienst am Wort Gottes berufen sind, die dringende Notwendigkeit spüren, ihrer Gemeinschaft einen Zugang zur Heiligen Schrift zu eröffnen“.[17] Die Bischöfe, Priester und Diakone müssen sich verpflichtet fühlen, diesen Dienst mit besonderer Hingabe auszuüben und sich dabei der von der Kirche angebotenen Mittel bedienen.[18]

5. Besondere Bedeutung wird der Stille beigemessen, die, indem sie die Meditation begünstigt, es ermöglicht, dass das Wort Gottes vom Zuhörer innerlich angenommen wird.[19]

6. Die Kirche hat immer ein besonderes Augenmerk auf diejenigen gelegt, die das Wort Gottes in der Versammlung verkünden: Priester, Diakone und Lektoren Dieser Dienst erfordert eine besondere innere und äußere Vorbereitung, Vertrautheit mit dem zu verkündenden Text und die notwendige Übung in der Art und Weise der Verkündigung, wobei jede Improvisation zu vermeiden ist.[20] Es besteht die Möglichkeit, den Lesungen kurze und passende Hinweise voranzustellen.[21]

7. Aufgrund der Bedeutung des Wortes Gottes lädt uns die Kirche ein, uns um den Ambo zu kümmern, von dem aus es verkündet wird;[22] er ist kein funktionales Möbelstück, sondern der Ort, der der Würde des Wortes Gottes entspricht, in Übereinstimmung mit dem Altar: In der Tat sprechen wir vom Tisch des Wortes Gottes und des Leibes Christi, in Bezug sowohl auf den Ambo als auch insbesondere auf den Altar.[23] Der Ambo ist für die Lesungen, das Singen des Antwortpsalms und des Osterlobs reserviert; die Homilie und die Intentionen des allgemeinen Gebets (Fürbitten) können von ihm aus vorgetragen werden, während es weniger angebracht ist, für Kommentare, Ankündigungen und die Leitung des Gesangs auf ihn zurückzugreifen.[24]

8. Die Bücher, die die Abschnitte der Heiligen Schrift enthalten, erwecken in denen, die sie hören, eine Verehrung für das Geheimnis Gottes, der zu seinem Volk spricht.[25] Aus diesem Grund wird verlangt, auf ihren materiellen Wert und ihre guten Gebrauch zu achten. Es ist unangemessen, auf Faltblätter, Fotokopien und andere Hilfsmittel als Ersatz für die liturgischen Bücher zurückzugreifen.[26]

9. In den Tagen kurz vor oder nach dem Sonntag des Wortes Gottes bietet es sich an, Bildungsveranstaltungen zu fördern, um auf den Wert der Heiligen Schrift in den liturgischen Feiern aufmerksam zu machen; es kann eine Gelegenheit sein, besser zu erkennen, wie die Kirche im Gebet die Heilige Schrift liest, kontinuierlich, halbkontinuierlich und typologisch; was die Kriterien für die liturgische Aufteilung der verschiedenen biblischen Bücher auf den Jahreskreis und die Jahreszeiten sind, die Struktur der Sonntags- und Wochentagszyklen der Lesungen der Messe.[27]

10. Der Sonntag des Wortes Gottes ist auch eine günstige Gelegenheit, die Verbindung zwischen der Heiligen Schrift und dem Stundengebet, dem Gebet der Psalmen und Gesänge des Offiziums und den biblischen Lesungen zu vertiefen und die gemeinschaftliche Feier von Laudes und Vesper zu fördern.[28]

Unter den vielen Heiligen, die alle Zeugen des Evangeliums Jesu Christi sind, kann als Beispiel der heilige Hieronymus wegen seiner großen Liebe zum Wort Gottes vorgelegt werden. Wie Papst Franziskus kürzlich erinnerte, war er ein „unermüdlicher Gelehrter, Übersetzer, Exeget, profunder Kenner und leidenschaftlicher Verbreiter der Heiligen Schrift. […] Im Hören auf die Heilige Schrift findet Hieronymus sich selbst, das Angesicht Gottes und das der Brüder und Schwestern und vertieft seine Liebe zum Gemeinschaftsleben“.[29]

Diese Note soll dazu beitragen, im Licht des Sonntags des Wortes Gottes das Bewusstsein für die Bedeutung der Heiligen Schrift für unser Leben als Gläubige neu zu wecken, beginnend mit ihrem Widerhall in der Liturgie, die uns in einen lebendigen und ständigen Dialog mit Gott stellt. „Das vernommene und – vor allem in der Eucharistie – gefeierte Wort Gottes nährt und kräftigt die Christen innerlich und befähigt sie zu einem echten Zeugnis des Evangeliums im Alltag.“[30]

Aus der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, 17. Dezember 2020.

Robert Kard. Sarah

Präfekt

Anmerkungen

  1. Vgl. Franziskus, Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio Aperuit illis, 30. September 2019.
  2. Franziskus, Aperuit illis, Nr. 8; II. Vatikanisches Konzil, Konstitution Dei Verbum, Nr. 25: „Darum müssen alle Kleriker, besonders Christi Priester und die anderen, die sich als Diakone oder Katecheten ihrem Auftrag entsprechend dem Dienst des Wortes widmen, in beständiger heiliger Lesung und gründlichem Studium sich mit der Schrift befassen, damit keiner von ihnen werde zu ‚einem hohlen und äußerlichen Prediger des Wortes Gottes, ohne dessen innerer Hörer zu sein‘, wo er doch die unübersehbaren Schätze des göttlichen Wortes, namentlich in der heiligen Liturgie, den ihm anvertrauten Gläubigen mitteilen soll. Ebenso ermahnt die Heilige Synode alle an Christus Glaubenden, zumal die Glieder religiöser Gemeinschaften, besonders eindringlich, durch häufige Lesung der Heiligen Schrift sich die „alles übertreffende Erkenntnis Jesu Christi“ (Phil 3,8) anzueignen. ‚Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen‘.”
  3. II. Vatikanisches Konzil, Konstitution Dei Verbum; Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Verbum Domini.
  4. Vgl. Sacrosanctum Concilium, Nrn. 7, 33; Institutio generalis Missalis Romani (IGMR), Nr. 29; Ordo lectionum Missae(OLM), Nr. 12.
  5. Vgl. OLM, Nr. 5.
  6. Vgl. IGMR, Nr. 60; OLM, Nr. 13.
  7. Vgl. OLM, Nr. 17; Caeremoniale Episcoporum, Nr. 74.
  8. Vgl. OLM, Nrn. 36, 113.
  9. Vgl. IGMR, Nrn. 120, 133.
  10. Vgl. IGMR, Nr. 117.
  11. Vgl. IGMR, Nr. 57; OLM, Nr. 60.
  12. Vgl. OLM, Nrn. 12, 14, 37, 111.
  13. Vgl. OLM, Nr. 45.
  14. Vgl. IGMR, Nr. 61; OLM, Nrn. 19-20.
  15. Vgl. OLM, Nr. 56.
  16. Vgl. OLM, Nr. 24; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Homiletisches Direktorium, Nr. 16.
  17. Vgl. Franziskus, Aperuit illis, Nr. 5; Homiletisches Direktorium, Nr. 26.
  18. Vgl. Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, Nrn. 135-144; Homiletisches Direktorium.
  19. Vgl. IGMR, Nr. 56; OLM, Nr. 28.
  20. Vgl. OLM, Nrn. 14, 49.
  21. Vgl. OLM, Nrn. 15, 42.
  22. Vgl. IGMR, Nr. 309; OLM, Nr. 16.
  23. Vgl. OLM, Nr. 32.
  24. Vgl. OLM, Nr. 33.
  25. Vgl. OLM, Nr. 35; Caeremoniale Episcoporum, Nr. 115.
  26. Vgl. OLM, Nr. 37.
  27. Vgl. OLM, Nrn. 58-110; Homiletisches Direktorium, Nrn. 37-156.
  28. Institutio generalis de Liturgia Horarum, Nr. 140: „Die Lesung der Heiligen Schrift, die in der Liturgie nach alter Überlieferung nicht nur bei der Eucharistiefeier, sondern auch beim Stundengebet öffentlich geschieht, verdient die Hochschätzung aller Christen. Es handelt sich ja nicht um eine private Auswahl oder um eine bestimmte Vorliebe, sondern um eine Vorlage durch die Kirche im Blick auf das Mysterium, das die Braut Christi im Kreislauf des Jahres entfaltet [...]. Außerdem ist die Schriftlesung in der liturgischen Feier immer von Gebet begleitet. Dabei befruchten sich Schriftlesung und Gebet gegenseitig; vor allem die Psalmodie wird durch diese Verbindung spirituell bereichert.“
  29. Franziskus, Apostolisches Schreiben Scripturae sacrae affectus, anlässlich des 1600 Todestages des heiligen Hieronymus, 30. September 2020.
  30. Vgl. Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, Nr.174.

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