Sollemni hac liturgia (Wortlaut)

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Motu proprio
Sollemni hac liturgia

unseres Heiligen Vaters
Paul VI.
anlässlich der 1900-Jahr-Feier des Martyriums der Apostel Petrus und Paulus und der Beendigung des „Jahr des Glaubens“
in welchem er ein feierliches Glaubensbekenntnis im Namen aller Gläubigen ablegt
30. Juni 1968

(Offizieller lateinischer Text: AAS LX [1968] 433-445)

(Quelle: Kirchliches Amtsblatt für die Erzdiözese Paderborn, Herausgegeben von erzbischöflichen Generalvikariat, 111. Jahrgang, Stück 14, 24.7.1968, S. 95-98, Nr. 209. Die Abschnittseinteilung, Nummerierung und Anmerkungen folgen der lateinischen Fassung)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Ehrwürdige Brüder!
Geliebte Söhne und Töchter!

Einleitung

1 Mit dieser eindrucksvollen Liturgie beschließen Wir die Feier des 1900-jährigen Jubiläums des Martyriums der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus und beendigen so das „Jahr des Glaubens". Wir hatten es dem Gedächtnis der heiligen Apostel geweiht, um so Unseren unerschütterlichen Willen der Treue zum Glaubensgut[1] zu bezeugen, zum Glauben, den sie uns überlieferten, und um Unseren Wunsch zu bestärken, nach dem Glauben zu leben in der geschichtlichen Situation, in der sich die pilgernde Kirche inmitten der Welt befindet.

2 Wir fühlen die Pflicht, öffentlich all jenen zu danken, die Unserer Einladung entsprochen haben und so dem „Jahr des Glaubens" seinen wunderbaren Reichtum schenkten durch ihre persönliche, tiefempfundene Bejahung des Wortes Gottes, durch die Erneuerung im Bekenntnis des Glaubens in den verschiedenen Gemeinschaften und durch das Zeugnis eines christlichen Lebens. In ganz besonderer Weise bringen Wir Unseren Brüdern im Bischofsamt Unseren Dank zum Ausdruck wie auch allen Gläubigen der heiligen Katholischen Kirche, und erteilen ihnen allen Unseren Segen.

3 In gleicher Weise will es Uns scheinen, dass Wir den Auftrag erfüllen müssen, den Christus Petrus anvertraute, dessen geringster Nachfolger Wir sind, in der Lage zu sein, unsere Brüder im Glauben zu bestärken.[2] Im Bewusstsein unserer menschlichen Schwäche freilich, aber mit der ganzen Kraft, die ein solcher Auftrag Unserer Person auferlegt, sind Wir jetzt im Begriff, ein Glaubensbekenntnis abzulegen. Wir wollen ein Credo sprechen, das - ohne eine dogmatische Definition im eigentlichen Sinne des Wortes sein zu wollen - in der Substanz mit einigen Erweiterungen, die durch die geistige Situation unserer Zeit geboten sind, das Credo von Nicäa zusammenfasst, das Credo der unsterblichen Überlieferung der Heiligen Kirche Gottes.

4 Wenn Wir dies tun, sind Wir Uns dabei der Unruhe bewusst, die gewisse moderne Kreise im Hinblick auf den Glauben ergriffen hat. Sie können sich nicht dem Einfluss der Welt entziehen, die sich in einer tiefgehenden Wandlung befindet, und in der so viele Dinge, die als sicher galten, bestritten oder zur Diskussion gestellt werden. Wir sehen sogar Katholiken, die sich von einer Art Veränderungs- und Erneuerungssucht erfassen lassen. Die Kirche hat freilich immer die Pflicht, sich ständig zu bemühen, tiefer einzudringen in die unergründlichen Geheimnisse Gottes, die so reich sind an Segnungen des Heiles, und diese Geheimnisse in einer Weise darzulegen, die sich immer besser anpasst dem Verständnis der Menschen, die ihr folgen. Aber gleichzeitig muss man auch die größte Sorge tragen, wenn man sich ganz der unerlässlichen Pflicht der Forschung hingibt, dass an den Wahrheiten der christlichen Lehre keine Abstriche gemacht werden. Denn das würde sonst bedeuten, wie man es heute leider wahrnehmen muss, dass bei vielen gläubigen Seelen Verwirrung und Bestürzung hervorgerufen werden.

5 Dabei ist der Hinweis von Bedeutung, dass der Verstand, den Gott uns gegeben hat, vor allem wissenschaftlich Feststellbaren bis zur Realität der Dinge an sich und nicht nur bis zu den subjektiven Bewusstseinsabläufen vordringen kann. Andererseits muss man darauf hinweisen, dass es die Aufgabe der Schrifterklärung ist - der Hermeneutik - in Ehrfurcht jenen Sinn zu verstehen und zu deuten, den ein Text ausspricht, aber in gar keiner Weise diesen Sinn umzudeuten nach dem Belieben willkürlicher Hypothesen.

6 Vor allem aber setzen Wir Unser unerschütterliches Vertrauen auf den Heiligen Geist, die Seele der Kirche, und den theologischen Glauben, auf den sich das Leben des mystischen Leibes gründet. Wir wissen, dass die Seelen auf das Wort des Statthalters Christi warten, und Wir entsprechen dieser Erwartung durch die Unterweisungen, die Wir regelmäßig geben. Aber heute ist Uns die Gelegenheit geboten, ein besonders feierliches Wort zu sprechen.

7 An diesem Tag, den Wir bestimmten, um das Jahr des Glaubens zu beschließen, heute am Feste der heiligen Apostel Petrus und Paulus, wollten Wir dem lebendigen Gott die Huldigung eines Glaubensbekenntnisses darbringen. Wie einst zu Cäsarea Philippi der Apostel Petrus im Namen der Zwölfe das Wort ergriff, um im Gegensatz zu allen menschlichen Meinungen Christus in aller Wahrheit als Sohn des lebendigen Gottes zu bekennen, so erhebt heute sein demütiger Nachfolger als Hirte der gesamten Kirche seine Stimme, um im Namen des ganzen Volkes Gottes ein festes Zeugnis für die göttliche Wahrheit abzulegen, die der Kirche anvertraut ist, auf dass sie diese allen Nationen verkünde.

Es war Unser Wille, dass Unser Glaubensbekenntnis vollständig und klar genug sei, um in einer Weise Antwort zu geben, die dem drängenden Wunsch nach Erleuchtung angepasst ist, der von so vielen gläubigen Seelen und von allen Menschen in der Welt empfunden wird, die - ganz gleich, welcher geistigen Gemeinschaft sie angehören - auf der Suche nach der Wahrheit sind.

Zur Ehre Gottes und unseres Herrn Jesu Christi, im Vertrauen auf die Hilfe der Allerseligsten Jungfrau Maria und der heiligen Apostel Petrus und Paulus, zum Nutzen und zur Erbauung der Kirche, im Namen aller Oberhirten und aller Gläubigen sprechen Wir jetzt dieses Glaubensbekenntnis, in voller geistlicher Gemeinschaft mit Euch allen, geliebte Brüder und Söhne.

Glaubensbekenntnis

8 Wir glauben an den einen Gott: Vater, Sohn und Heiligen Geist, Schöpfer der sichtbaren Dinge, wie es diese Welt ist, auf der unser flüchtiges Leben sich abspielt, Schöpfer der unsichtbaren Dinge, wie es die reinen Geister sind, die man auch Engel nennt[3] und Schöpfer der unsterblichen Geistseele eines jeden Menschen.[4]

9 Wir glauben, dass dieser einzige Gott Seiner Wesenheit nach absolut einer ist, unendlich heilig, wie Er in allen Seinen Eigenschaften unendlich vollkommen ist: in Seiner Allmacht, in Seinem unbegrenzten Wissen, in Seiner Vorsehung, in Seinem Willen und in Seiner Liebe. Er ist der, der da ist, wie Er es Moses geoffenbart hat;[5] Er ist Liebe, wie der Apostel Johannes es uns lehrt.[6] Diese beiden Worte also, Sein und Liebe, bezeichnen in unaussprechlicher Weise die gleiche göttliche Wirklichkeit dessen, der sich uns zu erkennen geben wollte und der, da Er "in einem unzugänglichen Lichte wohnt",[7] in sich selbst jenseits jeglicher Bezeichnung, über allen Dingen steht und alles geschaffene Denken übersteigt. Gott allein kann uns von sich eine angemessene und volle Erkenntnis mitteilen, indem Er sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. Durch die Gnade sind wir berufen, an Ihrem ewigen Leben teilzuhaben: hier auf Erden im Dunkel des Glaubens und nach dem Tode im ewigen Lichte. Die gegenseitigen Bande, die von der Ewigkeit her die drei Personen wesentlich verbinden, deren jede das eine und selbe göttliche Sein ist, sind das beseligende innerste Leben des dreimalheiligen Gottes, das unendlich all das überragt, was wir auf menschliche Weise begreifen können.[8] Wir sagen indessen der göttlichen Güte Dank für die Tatsache, dass sehr viele gläubige Menschen mit uns vor der Welt die Einzigkeit Gottes bezeugen können, obwohl sie das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit nicht kennen.

10 Wir glauben also an den Vater, der von Ewigkeit her den Sohn zeugt; an den Sohn, das Wort Gottes, das von Ewigkeit her gezeugt ist; an den Heiligen Geist, die unerschaffene Person, die vom Vater und vom Sohne ausgeht als Ihre ewige Liebe. In den drei göttlichen Personen also - untereinander gleich ewig und gleichen Wesens[9] sind das Leben und die Seligkeit Gottes, der vollkommen eins ist, in überreicher Fülle vorhanden und vollenden sich in der Vollkommenheit und in der Glorie, die dem unerschaffenen Wesen eigen sind. Immer "muss also die Einheit in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehrt werden."[10]

11 Wir glauben an unseren Herrn Jesus Christus, der der Sohn Gottes ist. Er ist das ewige Wort, gezeugt vom Vater vor aller Zeit und wesensgleich dem Vater, homousios to Patri. Durch Ihn ist alles erschaffen worden. Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat Er im Schoße der Jungfrau Maria Fleisch angenommen und ist Mensch geworden: dem Vater also Seiner Gottheit nach gleich, der Menschheit nach aber ist Er geringer als der Vater.[11] Er ist in sich selbst einer, nicht durch eine unmögliche Vermischung der Naturen, sondern durch die Einheit der Person.[12]

12 Er hat unter uns gewohnt, voll der Gnade und Wahrheit. Er verkündete das Reich Gottes und richtete es wieder auf und ließ uns den Vater durch sich erkennen. Er hat uns ein neues Gebot gegeben, einander zu lieben, wie Er uns geliebt hat. Er lehrte uns den Weg der Seligkeiten des Evangeliums: Armut im Geiste, Milde, Geduld im Leiden, Durst nach der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Reinheit des Herzens, Wille zum Frieden, Verfolgung erdulden um der Gerechtigkeit willen. Er litt unter Pontius Pilatus. Als Lamm Gottes nahm Er die Sünden der Welt auf sich. Er ist für uns am Kreuze gestorben und rettete uns durch Sein erlösendes Blut. Er ist begraben worden und am dritten Tage aus eigener Kraft wiederauferstanden. Durch Seine Auferstehung berief Er uns zur Teilnahme am göttlichen Leben, welches das Leben der Gnade ist. Er ist aufgefahren in den Himmel und wird wiederkommen aufs neue, und zwar dieses Mal in Herrlichkeit, um die Lebenden und die Toten zu richten: einen jeden nach seinen Verdiensten - jene, die der Liebe und dem Erbarmen Gottes entsprochen haben, werden eingehen zum ewigen Leben. Jene aber, die bis zum Ende ihres Lebens die Liebe und das Erbarmen Gottes ablehnten, werden dem Feuer überantwortet, das niemals erlischt. Und Seines Reiches wird kein Ende sein.

13 Wir glauben an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der mit dem Vater und dem Sohne angebetet und verherrlicht wird. Durch die Propheten hat Er zu uns gesprochen und ist von Christus, nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt zum Vater, gesandt worden. Der Heilige Geist erleuchtet, belebt, beschützt und führt die Kirche. Er läutert ihre Glieder, wenn sie der Gnade nicht widerstehen. Sein gnadenvolles Wirken, das bis in das Innerste der Seele eindringt, macht den Menschen fähig, zu antworten auf den Anruf Christi: "Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!"[13]

14 Wir glauben, dass Maria, die allzeit Jungfrau blieb, die Mutter des menschgewordenen Wortes ist, unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus,[14] und dass sie, im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf eine besonders erhabene Weise erlöst,[15] von jeglichem Makel der Erbsünde bewahrt worden ist[16] und an Gnade alle übrigen Geschöpfe überragt.[17]

15 Verbunden in einer ganz innigen und unauflöslichen Weise mit dem Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung,[18] wurde die allerseligste Jungfrau, die unbefleckt Empfangene, am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen[19] und - in Vorausnahme des künftigen Loses aller Gerechten - ihrem auferstandenen Sohne in der Verklärung angeglichen. Wir glauben, dass die heiligste Muttergottes, die neue Eva, die Mutter der Kirche,[20] im Himmel ihre Mutterschaft an den Gliedern Christi fortsetzt, indem sie mitwirkt bei der Erweckung und Entfaltung des göttlichen Lebens in den Seelen der Erlösten.[21]

16 Wir glauben, dass in Adam alle gesündigt haben, was besagen will, dass die Erbschuld, die Adam beging, die menschliche Natur, die allen Menschen gemeinsam ist, in einen Zustand fallen ließ, in dem sie die Folgen dieser Schuld zu tragen hat. Und - dass dieser Zustand nicht jener ist, in dem unsere Stammeltern sich zuerst befanden, da sie in Heiligkeit und Gerechtigkeit geschaffen waren und der Mensch weder das Böse noch den Tod kannte. Die menschliche Natur ist also eine gefallene Natur: beraubt der Gnade, die sie bekleidete, verwundet in ihren eigenen natürlichen Kräften und dem Reich des Todes unterworfen, der auf alle Menschen übergegangen ist. In diesem Sinne wird ein jeder Mensch "in Sünde geboren". Wir halten, dem Konzil von Trient folgend, daran fest, dass die Erbsünde zusammen mit der menschlichen Natur durch Fortpflanzung übertragen wird und nicht etwa bloß durch Nachahmung, und dass sie jedem Menschen als ihm eigen innewohnt.[22]

17 Wir glauben, dass unser Herr Jesus Christus uns durch Sein Opfer am Kreuze von der Erbsünde und von allen persönlichen Sünden, die wir begangen haben, erlöst hat, so dass nach den Worten des Apostels dort, "wo die Sünde zugenommen hat, die Gnade überreich geworden ist".[23]

18 Gläubig bekennen wir, dass es nur eine Taufe gibt, die von unserem Herrn Jesus Christus zur Nachlassung der Sünden eingesetzt worden ist. Die Taufe soll auch schon Kindern im frühen Alter gespendet werden, die sich noch keiner persönlichen Sündenschuld bewusst sind, damit sie nicht der übernatürlichen Gnade verlustig gehen und "wiedergeboren werden aus dem Wasser und dem Heiligen Geist" zum göttlichen Leben in Jesus Christus.[24]

19 Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die von Jesus Christus auf dem Felsen gegründet wurde, der Petrus ist. Sie ist der mystische Leib Christi, von Ihm sowohl als sichtbare Gemeinschaft mit hierarchischem Aufbau wie auch als geistige Gemeinschaft eingesetzt. Sie ist die Kirche hier auf Erden, das pilgernde Gottesvolk. Und sie ist die Kirche, die beschenkt ist mit himmlischen Gütern - der Same und keimhafte Anfang des Reiches Gottes, durch das sich Werk und Leiden der Erlösung in der Geschichte fortsetzen und das seine Vollendung finden wird nach dem Ende der Zeiten, in der ewigen Herrlichkeit.[25] Der Herr Jesus Christus lässt Seine Kirche in der Zeit Gestalt annehmen durch die Sakramente, die aus Seiner göttlichen Fülle hervorgehen.[26] Durch sie haben die Glieder der Kirche Anteil am Geheimnis Seines Todes und Seiner Auferstehung in der Gnade des Heiligen Geistes, der Leben und Tun verleiht.[27] Die Kirche ist heilig, auch wenn sich in ihrer Mitte Sünder befinden; denn sie lebt kein anderes Leben als das der Gnade. Wo die Glieder der Kirche an diesem Leben teilhaben, werden sie geheiligt, wo sie aber dieses Leben preisgeben, verfallen sie der Sünde und Unordnung. Das aber behindert dann die Strahlkraft der Heiligkeit der Kirche. Darunter leidet sie und tut Buße für diese Sünden. Sie hat dabei aus dem Blute Christi und aus der Gabe des Heiligen Geistes die Gewalt, ihre Söhne und Töchter von der Sündenschuld wieder zu befreien.

20 Sie ist dem Geiste nach Erbin der göttlichen Verheißungen und Tochter Abrahams, durch jenes Israel, dessen heilige Schriften sie in Liebe bewahrt und dessen Patriarchen und Propheten sie in Ehrfurcht gedenkt. Sie ist auf die Apostel gegründet und gibt im Nachfolger des heiligen Petrus und in den Bischöfen, die sich in Gemeinschaft mit ihm befinden, deren immerdar lebendiges Wort und deren Hirtengewalt durch die Jahrhunderte weiter. Unter dem immerwährenden Beistand des Heiligen Geistes hat die Kirche die Aufgabe, jene Wahrheit zu bewahren, zu lehren, auszulegen und in der Welt zu verkündigen, die Gott in verhüllter Weise durch die Propheten und in ihrer ganzen Fülle durch unseren Herrn Jesus Christus endgültig geoffenbart hat. Wir glauben alles, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und was die Kirche als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben vorlegt: entweder durch eine feierliche Glaubensentscheidung oder durch das ordentliche und allgemeine Lehramt.[28] Wir glauben an die Unfehlbarkeit, die dem Nachfolger des heiligen Petrus zukommt, wenn er ex cathedra als Hirte und Lehrer aller Gläubigen spricht,[29] und die auch die Gesamtheit der Bischöfe besitzt, wenn sie in Verbindung mit dem Papst ihr Lehramt ausübt.[30]

21 Wir glauben, dass die von Christus gegründete Kirche, für die Er gebetet hat, unfehlbar eine ist: im Glauben, im Kult und in der hierarchischen Gemeinschaft.[31] Die reiche Vielfalt in der Liturgie, die zu Recht bestehende Verschiedenheit im theologischen und geistlichen Erbe sowie in den eigenen Rechtsordnungen im Innern der Kirche tun ihrer Einheit keinen Abbruch, sondern fördern sie.[32]

22 Wir anerkennen das Vorhandensein zahlreicher Elemente der Wahrheit und Heiligung außerhalb der Gemeinschaft der Kirche Christi, welche ihr zugehören und eigentlich auf die katholische Einheit hindrängen.[33] Und wir glauben an das Wirken des Heiligen Geistes, der in den Herzen der Jünger Christi die Liebe zu dieser Einheit entflammt.[34] Wir haben aber die Hoffnung, dass auch die Gläubigen, die noch nicht voll und ganz der Gemeinschaft der einen Kirche angehören, sich eines Tages in der einen Herde mit dem einen Hirten zusammenfinden werden.

23 Wir glauben, dass die Kirche heilsnotwendig ist; denn Christus, der alleinige Mittler und Weg zum Heil, ist für uns gegenwärtig in Seinem Leib, der die Kirche ist.[35] Aber der göttliche Heilsplan umfasst alle Menschen. Diejenigen, die ohne ihre Schuld die Frohbotschaft Christi und Seine Kirche nicht kennen, aber aufrichtig Gott suchen und sich mit Hilfe der Gnade um die Erfüllung Seines Willens bemühen, den sie aus den Forderungen ihres Gewissens klar erkannt haben - ihre Zahl ist freilich Gott allein bekannt - können das Heil erlangen.[36]

24 Wir glauben, dass die heilige Messe, wenn sie vom Priester, der die Person Christi darstellt, kraft der durch das Weihesakrament empfangenen Gewalt gefeiert und im Namen Jesu Christi und der Glieder Seines mystischen Leibes dargebracht wird, das Opfer von Calvaria ist, das auf unseren Altären sakramental vergegenwärtigt wird. Wir glauben, dass in der Weise, wie Brot und Wein vom Herrn beim letzten Abendmahl konsekriert und in Seinen Leib und Sein Blut verwandelt worden sind, die Er für uns am Kreuze geopfert hat, auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden, in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, der glorreich in den Himmel aufgefahren ist. Und wir glauben, dass die geheimnisvolle Gegenwart des Herrn unter den äußeren Gestalten, die für unsere Sinne in derselben Weise wie vorher fortzubestehen scheinen, eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist.[37]

25 Christus kann in diesem Sakrament nicht anders gegenwärtig sein als durch Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in Seinen Leib und die Verwandlung der ganzen Substanz des Weines in Sein Blut. Dabei bleiben nur die Gestalten von Brot und Wein, wie sie unsere Sinne wahrnehmen, unverändert erhalten. Diese geheimnisvolle Verwandlung nennt die Kirche auf sehr treffende Weise Transsubstanziation (Wesensverwandlung). Jede theologische Erklärung, die sich um das Verständnis dieses Geheimnisses bemüht, muss, um mit unserem Glauben übereinstimmen zu können, daran festhalten, dass Brot und Wein der Substanz nach, in der objektiven von unserem Denken unabhängigen Wirklichkeit, nach der Konsekration zu bestehen aufgehört haben, so dass nunmehr der anbetungswürdige Leib und das anbetungswürdige Blut unseres Herrn vor uns gegenwärtig sind - unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein.[38] So hat es der Herr gewollt, um sich uns zur Speise zu geben und uns einzugliedern in die Einheit Seines mystischen Leibes.[39]

26 Das eine und unteilbare Dasein des verklärten Herrn im Himmel wird damit keineswegs vervielfältigt. Es ist durch das Sakrament vergegenwärtigt an den vielen Orten der Erde, wo das Messopfer dargebracht wird. Diese gleiche Gegenwart bleibt auch nach der Feier des heiligen Opfers im allerheiligsten Sakrament fortbestehen, das im Tabernakel aufbewahrt wird, der die Herzmitte unserer Kirchen ist. Es ist uns eine heilige Pflicht, das fleischgewordene Wort, das unsere Augen nicht erblicken können und das, ohne den Himmel zu verlassen, sich uns vergegenwärtigt, in der heiligen Hostie, die unsere Augen sehen können, anzubeten und zu verehren.

27 Wir bekennen, dass Gottes Reich hier auf Erden in der Kirche Christi seinen Anfang nimmt, die nicht von dieser Welt ist,[40] deren Antlitz ja vergeht.[41] Und dass das Wachstum der Kirche nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation, der Wissenschaft und der Technik des Menschen gleichgesetzt werden darf. Dass vielmehr die Kirche nur aus dem einen Grunde besteht, um immer tiefer den unergründlichen Reichtum Christi zu erkennen, immer zuversichtlicher auf die ewigen Güter zu hoffen, immer besser der Liebe Gottes zu antworten und den Menschen immer freigebiger die Güter der Gnade und Heiligkeit mitzuteilen. Ebenso ist es die Liebe, welche die Kirche bewegt, sich stets um das wahre zeitlich Wohl der Menschen zu sorgen. Unablässig erinnert sie ihre Kinder daran, dass ihnen hier auf Erden keine bleibende Wohnung[42] beschieden ist. Sie drängt sie dazu, dass jeder von ihnen, entsprechend seiner Berufung und seinen Möglichkeiten, zum Wohle seiner Gemeinschaft beiträgt, dass er Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit unter den Menschen fördert und seinen Brüdern, vor allem den Armen und Unglücklichen, hilft. Die stete Sorge der Kirche, der Braut Christi, für die Not der Menschen, für ihre Freuden und Hoffnungen, für ihre Arbeiten und Mühen ist demnach nichts anderes als die große Sehnsucht, ihnen nahe zu sein, um sie zu erleuchten mit dem Lichte Christi und sie alle in Ihm, ihrem alleinigen Heiland, zu vereinen. Diese Sorge kann niemals bedeuten, dass sich die Kirche den Dingen dieser Welt gleichförmig macht, noch kann sie die brennende Sehnsucht mindern, mit der die Kirche ihren Herrn und Sein ewiges Reich erwartet.

28 Wir glauben an das ewige Leben. Wir glauben, dass die Seelen aller, die in der Gnade Christi sterben, sei es, dass sie noch im Reinigungsort (Fegefeuer) geläutert werden müssen oder dass sie Jesus im Augenblick, da sie ihren Leib verlassen, in das Paradies aufnimmt, wie Er es mit dem guten Schächer am Kreuz getan hat, das Volk Gottes bilden nach dem Tod, der am Tag der Auferstehung, da die Seelen mit ihren Leibern wieder vereinigt werden, endgültig besiegt wird.

29 Wir glauben, dass die große Schar derer, die mit Jesus und Maria im Paradies vereinigt sind, die himmlische Kirche bildet. Dort schauen sie in ewiger Glückseligkeit Gott so, wie er ist.[43] Dort sind sie auch, verschieden dem Grad und der Art nach, Teilhaber jener göttlichen Herrschaft, die der verherrlichte Christus ausübt, zusammen mit den heiligen Engeln. Sie legen für uns Fürsprache ein und helfen uns in unserer Schwachheit durch ihre brüderliche Sorge.[44]

30 Wir glauben an die Gemeinschaft aller Christgläubigen: derer, die hier auf Erden pilgern; derer, die nach Abschluss des Erdenlebens geläutert werden; und derer, die die himmlische Seligkeit genießen; sie alle bilden zusammen die eine Kirche. Wir glauben desgleichen, dass in dieser Gemeinschaft die barmherzige Liebe Gottes und seiner Heiligen stets unseren Gebeten Gehör schenkt, wie uns Jesus gesagt hat: "Bittet und ihre werdet empfangen."[45] Mit ebendiesem Glauben und ebendieser Hoffnung erwarten wir die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Gepriesen sei der dreimalheilige Gott. Amen.

Aus der St. Peterskirche, 30. Juni 1968

Paul VI. PP.

Anmerkungen

  1. Vgl. 1 Tim 6,20 EU.
  2. Vgl. Lk 22,32 EU.
  3. Vgl. Konz. Vat. I, Dogmatische Konstitution Dei filius, Dz. Sch. 3002.
  4. Vgl. Enzyklika Humani generis, AAS 42 (1950) p. 575; V. Konzil vom Lateran, Dz. Sch. 1440-1441.
  5. Vgl. Ex 3,14] EU.
  6. Vgl. 1 Joh 4,8 EU.
  7. Vgl. 1 Tim 6,16 EU.
  8. Vgl. Konz. Vat. I, Dogmatische Konstitution Dei filius, Dz. Sch. 3016.
  9. Symbolum Quicumque, Dz. Sch. 75.
  10. Ebd.
  11. Ebd., n. 76.
  12. Ebd.
  13. Vgl. Mt 5,48 EU.
  14. Vgl. Konzil von Ephesus, Dz. Sch. 251-252.
  15. Vgl. Konz. Vat. II, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, n. 53.
  16. Vgl. Pius IX., Bulle Ineffabilis deus, Acta, pars I, vol. I, p. 616.
  17. Vgl. Lumen gentium, n. 53.
  18. Vgl. Ebd., nn. 53, 58, 61.
  19. Vgl. Apostolische Konstitution Munificentissimus Deus, AAS 42 (1950) p. 770.
  20. Lumen gentium, nn. 53, 56, 61, 63; Paul VI. Ansprache. in conclusione III Sessionis Concilii Vat. II, AAS, 56 (1964) p. 1016; Exhort. Apost. Signum magnum, AAS 59 (1967) pp. 465 et 467.
  21. Vgl. Lumen gentium, n. 62; Paul VI. Exhort. Apost. Signum magnum, AAS 59 (1967) p. 468.
  22. Vgl. Konz. Trid. Sess. V, Decret. De pecc. orig., Dz. Sch. 1513.
  23. Röm 5,20 EU.
  24. Vgl. Konz. Trid., ebd., Dz. Sch. 1514.
  25. Vgl. Lumen gentium, nn. 8 et 5.
  26. Vgl. Ebd., nn. 7, 11.
  27. Vgl. Konz. Vat. II, Konst. Sacrosanctum concilium, nn. 5, 6; Lumen gentium, nn. 7, 12, 50.
  28. Vgl. Konz. Vat. I, Konst. Dei filius, Dz. Sch. 3011.
  29. Vgl. Ebd., Konst. Pastor aeternus, Dz. Sch. 3074.
  30. Vgl. Lumen gentium, n. 25.
  31. Vgl. Ebd., nn. 8, 18-23; Dekret Unitatis redintegratio, n. 2.
  32. Vgl. Lumen gentium, n. 23; Dekret Orientalium ecclesiarum, nn. 2, 3, 5, 6.
  33. Vgl. Lumen gentium, n. 8.
  34. Vgl. Ebd., n. 15.
  35. Vgl. Ebd., n. 14.
  36. Vgl. Ebd., n. 16.
  37. Vgl. Konz. Trid., Sess. XIII, Decret. De Eucharistia, Dz. Sch. 1651.
  38. Vgl. Ebd., Dz. Sch. 1642, 1651; Paul VI. Enzyklika Mysterium fidei, AAS 57 (1965) p. 766.
  39. Vgl. Summa Theologica, III, 73, 3.
  40. Vgl. Joh 18,36 EU.
  41. Vgl. 1 Kor 1,31 EU.
  42. Vgl. Hebr 13,14 EU.
  43. 1 Joh 3,2 EU; Benedikt XII., Konst. Benedictus deus, Dz. Sch. 1000.
  44. Vgl. Lumen gentium, n. 49.
  45. Vgl. Lk 10,9-10 EU; Joh 16,24 EU.
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