Soliloquium

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Der Verfasser: Kirchenlehrer Bonaventura

Soliloquium (Untertitel:) De quatuor mentalibus exercitiis (lat.; dt.: Alleingespräch Über die vier geistlichen Übungen) nennt sich ein kleines lateinisch verfasstes Buch des Kirchenlehrers Bonaventura, das von vier geistlichen Übungen handelt, in denen die gottesfürchtige Seele, durch die geistliche Übung, im das Licht der Beschauung auf natürliches und übernatürliches sehen soll.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Bonaventuras ganzes Denken in diesem Buch ist durchglüht von mystischer Hingerissenheit und Entflammtheit.[1] Sein Denken entzündet sich wie in der Regel an der Heiligen Schrift (vgl. Eph 3,14-19 EU). An einem Wort des heiligen Paulus spiegelt und bricht sich hier seine Gedankenwelt über die vierfache geistliche Übung, welche die Seele zugleich reinigen, erleuchten und ihr zur Vollendung helfen soll. In völlig freier Beherrschung bedient sich Bonaventura der Worte der Heiligen, um seinen Lesern, auch den einfachen Seelen, die Rückwendung zum Licht und die Heimkehr in das Himmlische Jerusalem aus seiner Gesamtschau ans Herz zu legen. Man spürt hier förmlich, wie fest er in der Lehre der Kirchenväter, vor allem des heiligen Augustinus, verwurzelt ist. Wie allenthalben in seiner Lehre, erweist er sich hier in seiner brennenden Sorge um das Heil der Seelen als getreuer Jünger des Heiligen von Assisi. Wie er selbst über das Verlangen nach Christus und das innige Versenken ins Gebet auf dem Umweg über die spekulative Wissenschaft den Weg zur Weisheit in Richtung auf die ekstatische Liebe gesucht und gefunden hat, will er seine Leser die stetig fortschreitende Verähnlichung mit Christus und die Umgestaltung in ihn lehren, anders gesagt, er will in die Weisheit und den Frieden als in die universale Erkenntnis des Gottessohnes heimführen. Seine hohen exegetischen Fähigkeiten machen es ihm leicht, das seraphische Leben des um Christi willen Armen von Assisi in seiner Wissenschaft und Weisheit auszudeuten, so dass er mit Recht der seraphische Lehrer genannt wird. Er bedient sich dabei weniger der systematisierenden Formel als vielmehr der Ordnung des Herzens..

Es durchweht eine glühende Gewalt unerhörter Dynamik sein metaphysisch-mystisches Denken. Durch die in ihr waltende Liebe ist die bonaventurianische Welt auf dem Weg heim zu Gott. Weisheit, Schönheit, Gerechtigkeit sind die Mitte, der Logos, durch den der Heilige Geist, die Gnade, heimführt in die Einheit des Vaters, die Liebe. Und so ist die Diesseitigkeit ein Transparent von Symbolen, eine auf die eine Mitte hindeutende und auf die trinitarische Einheit zurückweisende Fülle von Sinnbildern. Die Welt ist eine Vorstadt des Himmlischen Jerusalems. Die Gesamtwirklichkeit aus Ewigkeit des Himmels und Zeitlichkeit der Welt steht nicht stückweise da und ohne Bezug. Darum ist der Aufbau seiner Lehre nur in der Gesamtheit recht zu begreifen und zu werten. Ihre Folgerichtigkeit erkennt, wer rein menschliches Denken in weltimmanenten Bahnen ausschließt und gläubig in diesen überwältigenden Dombau auf der Gipfelhöhe christlicher Mystik eintritt.[2]

Bei der Lektüre begreift der Leser, dass das rein menschliche Forschen und Erkennen Grenzen hat, die nur durch die Liebe gesprengt werden können. Es zeigt ihm, wie die Synthese mystischer Glut und spekulative Scharfsinns verwirklicht wird.[3]

Inhaltsübersicht

  • Prolog

I. Übung

Die gottesfürchtige Seele soll durch die geistliche Übung das Licht der Beschauung in ihr Inneres leuchten lassen, damit sie sieht, wie sie von Natur gestaltet, durch die Schuld entstellt und durch die Gnade wiederhergestellt sei

Präambel

  • Wie herzlich der höchste Künstler die Seele von Natur aus gebildet hat
  • Wie hässlich die Seele durch den Willen in der Schuld entstellt worden ist
  • Wie liebevoll die Seele von der göttlichen Güte durch die Gnade neugestaltet ist

II. Übung

Die gottesfürchtige Seele soll durch die geistliche Übung das Licht der Beschauung auf die äußeren Dinge hinlenken, damit sie erkenne, wie unbeständig der irdische Reichtum, wie wandelbar die irdische Erhabenheit und wie erbärmlich irdisches Großtun sei

  • Über die dreifache Eitelkeit der irdischen Dinge
  • Über den Grund, warum viele auf Erden mit Blindheit geschlagen sind
  • Über den göttlichen Trost und über die rechte Haltung, ihn zu erlangen

III. Übung

Die gottesfürchtige Seele soll durch die geistliche Übung das Licht der Beschauung auf die letzten niederen Dinge richten, damit sie die unausweichliche Notwendigkeit des menschlichen Todes, die furchtbare Strenge des Endgerichts und die unerträgliche Härte der Höllenstrafe einsehe

  • Über die unausweichliche Notwendigkeit des Todes
  • Über die unaussprechliche Gerechtigkeit des Endgerichts
  • Über die unerträgliche Härte der Höllenstrafen

IV. Übung

Die gottesfürchtige Seele soll durch die geistliche Übung das Licht der Beschauung zu den himmlischen Dingen emporwenden, damit sie die Freuden des Himmels erkenne, die aus der Beschauung der letzten niederen, der äußeren, der inneren, der letzten hohen Dinge des Menschen hervorgehen

  • Über die himmlische Freude
  • Die Seligen wenden das Licht der Beschauung auf jene Dinge, die unter ihnen sind
  • Die Seligen richten das Licht der Beschauung auf jene Dinge, die über ihnen sind und erfreuen sich vollkommen im höchsten Gut

Literatur

  • Bonaventura: Soliloquium De quatuor mentalibus exercitiis. Alleingespräch Über die vier geistlichen Übungen, lateinisch-deutsch, herausgegeben und übersetzt von Josef Hosse; Kösel Verlag München 1958 (2. Auflage; 263 Seiten; geb; ISBN 3-466-20018-0).
  • Selbstgespräch der Seele. Übertragen von Josef Hosse. Verlag Jakob Hegner Leipzig 1939 (1. Auflage; 159 Seiten; geb. deutsch).

Anmerkungen

  1. Schutzumschlag, Kösel Verlag München 1958, siehe Literatur.
  2. Kösel Verlag München 1958, Nachwort S. 253-254, siehe Literatur.
  3. Schutzumschlag bzw. Nachwort S. 254, Kösel Verlag München 1958, siehe Literatur.
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