Seelenführung

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Seelenführung oder auch geistliche Anleitung, Seelenbegleitung bezeichnet die stetige, dialogische Hilfe eines (erfahrenen) Priesters oder Laien in der Mühe eines Christen um Fortschritte in der tätigen Nachfolge Christi und im Wachstum des inneren Lebens.

Die Seelenführung ist die seelsorgliche Beratung und Führung durch den Beichtvater oder Seelsorger (Seelenführer) im Streben nach Vollkommenheit (Heiligkeit). Sie setzt voraus, dass der Betreffende nicht nur seine Sünden und Fehler, sondern sein ganzes Innenleben (Anregungen, Neigungen, Vorsätze, Tugendübungen, Versuchungen, Schwierigkeiten und Versagen) im Glaubensgeist dem Seelenführer offenbart, um von ihm richtig beraten und geleitet zu werden. Die Seelenführung ist ein vortreffliches Mittel zur Vollkommenheit und vor allem in den Ordensgenossenschaften in Übung. [1]

Von der Nachfrage der Ratsuchenden bei den altkirchlichen Wüstenvätern und den Weisungsbefugnissen im abendländischen Mönchtum, über die Praxis der Andachtsbeichte seit dem Mittelalter her, haben sich in der Neuzeit u.a. mit den Exerzitien des Hl. Ignatius von Loyola oder auch den Lehren des Hl. Franz von Sales weitere Formen der Seelenführung etabliert, bis hin zur modernen Einbeziehung pastoralpsychologischer Methoden.

Bei der Seelenführung im engeren Sinne räumt der Fragende dem "Meister", dem rector spiritualis vitae allerdings bewusst eine Autorität in geistlichen Dingen ein. Die Weisungen müssen selbstverständlich a) einsichtig und b) durchführbar sein. Schwierigkeiten ergeben sich sowohl bei Übertreibung wie bei Unterschreitung des Gehorsamsanspruchs. Nahezu unmöglich wird die Seelenführung dann, wenn der "Führer" überwiegend oder nur noch persönliche, demütigende Kritik übt, da diese nicht "umsetzbar" ist; oder perplexe, in sich widersprüchliche Weisungen erteilt. Solche Entgleisungen sind regelmäßig ein Indiz dafür, dass der geistliche Leiter seinerseits den christlichen Gehorsam seiner Berufung gegenüber nicht (mehr) praktiziert. Denn im christlichen Gehorsam geht es nicht um das Kommandieren "an sich", sondern um das gemeinsame Hören auf Gottes Weisung.

Inhaltsverzeichnis

Konfliktfelder

Wo ein Gläubiger sich an eine besondere, auch seine 'weltliche' Existenz umfassende Gehorsamsordnung gebunden hat, etwa im Orden, sind Vermischungen der geistlichen Fragen (forum internum) von den äußeren Belangen (forum externum) zu meiden. Das gilt analog aber auch in der "weltlichen" (insb. diözesanen) Pastoral, was eine häufige Problemzone in kirchlichen Beschäftigungsverhältnissen sein kann. Der rechtlich Vorgesetzte (sozusagen "Dienstherr") darf keine Offenbarungen des Innenlebens verlangen, auch nicht indirekt. Nur dadurch ist gewährleistet, dass der Gehorsam in der Seelenführung immer ein Akt des freien Willens bleibt. Das ist aber Voraussetzung für jeden echt christlichen Lebensweg. Die geistliche Begleitung darf ihrerseits keine Weisungen im Bereich der Privatautonomie erteilen ("Du musst investieren!", "Kündige den Job!", "Wähl diesmal ÖVP!" etc.). Wer in zeitlichen Dingen befehlen wollte, müsste übrigens auch die Mittel zum Ziel bereitstellen. (Die Missachtung dieser Balance ist nicht selten ein Anzeichen, dass kein echt christliches Charisma vorliegt.)

Daher bedeutet Seelenführung zuerst Beistand, Hilfe und Trost; im Fall eines Konflikts der geistlichen Beurteilung folgt der "Schüler" aber bewusst dem "Lehrer" und nicht eigenem Gutdünken. Scheitert die Seelenführung an Fehlern oder Sünden beider (oft; oder eines der beiden, seltener), steht es insbesondere dem "Schüler" frei, einen anderen geistlichen Begleiter zu wählen.

Zweck

Sinn und Zweck der geistlichen Anleitung ist es, in der Gotteskindschaft eine ernsthaft christliche Lebenspraxis, in Gebet und Arbeit, zu erreichen; und so das Mitsein mit der Kirche nicht nur als "Gesinnung" aufzufassen, sondern dem Wort Gottes, bis in den Alltag hinein, eine "Chance" zu geben, das Leben im Blick auf das ewige Ziel der Seele zu bestimmen.

Diese Verwirklichung einer "freiwilligen Fremdbestimmung" ist, je nach den Lebensumständen des Einzelnen, der gemeinsame, wesentliche Kern des vitalen Katholizismus. Sie wird, nach den Kirchengeboten, im absoluten Mindestmaß, durch jährliche Beichte und Kommunion und die regelmäßige Teilnahme, zumindest sonntags, an der Liturgie praktiziert.

Zitate

  • Ich gebe zu, es kostet Mühe, einzelne Seelen zu führen; aber es ist eine Mühe, die erquickt. Sie gleicht jener der Schnitter und Winzer, die nie zufriedener sind, als wenn sie sehr viel Arbeit haben. Es ist eine Arbeit, die durch ihre Schönheit das Herz derer stärkt und erquickt, die sie unternehmen. (Franz von Sales, Philothea, Vorwort).
  • "Die Kunst aller Künste ist die Seelenführung" (Gregor der Große in seiner "Regula pastoralis").

Anmerkungen

  1. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 236 (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
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