Todsünde

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Eine Todsünde (lat. Peccatum mortiferum) ist ein bewusster und willentlich begangener schwerer Verstoß gegen das Gesetz Gottes in schwerwiegender Sache. Diese macht zu einem toten Glied am Leibe Christi oder zu einem verdorrten Zweig am göttlichen Weinstock.

Todsünden werden entsprechend ihrer objektiven Gewichtigkeit auch als schwere Sünden bezeichnet. Die Todsünde zerstört (im Unterschied zur lässlichen Sünde) die Liebe im Herzen des Menschen (geistliches Leben Gnadenleben, göttliches Leben); in ihr wendet sich der Sünder von Gott als letztem Ziel des Menschen ab und zieht ihm, meist aus Stolz, ein minderes Gut vor (vgl. KKK 1855). Eine Todsünde soll bald gebeichtet werden.[1]

Der Apostel Paulus erklärt: "Wer sieht, dass sein Bruder eine Sünde begeht, die nicht zum Tod führt, soll (für ihn) bitten; und Gott wird ihm Leben geben. Denn es gibt Sünde, die zum Tod führt." (1 Joh 5,16 EU; vgl auch: Lk 15, 24.32)

Die sogenannten Hauptsünden werden manchmal unzutreffend mit den Todsünden identifiziert, sind aber eigentlich Hauptlaster bzw. Wurzelsünden, da sie die Voraussetzung für andere Sünden schaffen, wobei diese dann sowohl schwer als auch lässlich sein können.

Inhaltsverzeichnis

Bedingungen für eine Todsünde

Damit eine Sünde zur Todsünde wird, müssen folgende drei Bedingungen alle zugleich erfüllt sein:

  • Wissen: Der Sünder muss sich der Falschheit seines Handels vollkommen bewusst sein. Schuldhafte Blindheit für die Tatsachen (ignorantia facti) befreit davon jedoch nicht.
  • Wollen: Die Sünde muss mit voller Absicht geschehen und bewusst, wobei der Sünder sich dabei im Klaren sein muss, dass er der Versuchung auch widerstehen könnte.
  • Wichtig: Die Sünde muss schwer (schwerwiegende Materie) sein: Es handelt sich um ein schwere Übertretung der göttlichen Ordnung.

Sogenannte lässliche Sünden sind dann gegeben, wenn ein oder mehrere Wesenselemente der Todsünde fehlen: z. B. eine Sünde in einer weniger wichtigen Angelegenheit oder zwar in einer schweren Sache, aber nicht mit ausreichendem Bewußtsein oder voller Freiheit. An für sich Schwere Sünden, werden manchmal durch Unkenntnis oder sinnverwirrender Leidenschaft zu lässlichen Sünden.

Man muss hinzufügen, dass einige Sünden, was ihre Materie betrifft, von innen her schwer und todbringend sind. Das heißt, es gibt Handlungen, die durch sich selbst und in sich, unabhängig von den Umständen, immer schwerwiegend unerlaubt sind wegen ihres objektiven Inhaltes. Wenn solche Handlungen mit hinreichender Bewusstheit und Freiheit begangen werden, stellen sie immer eine schwere Schuld dar." (Reconciliatio et paenitentia, 2. Dezember 1984, Nr. 17)

Der Begriff der Todsünde wäre unzulässig verharmlost, würde man nur in der bewussten Revolte gegen Gott eine solche sehen oder auch nur solche schweren Sünden, die zugleich in religionsfeindlicher Absicht begangen werden. Gar nicht so selten werden schwere Sünden aber tatsächlich begangen, um Gott mehr damit zu "strafen" als das Opfer. Hier liegen regelmäßig schwerste Sünden vor.

Was eine schwere Übertretung der göttlichen Ordnung ist, wird überdies durch die Zehn Gebote und die fünf Gebote der Kirche verdeutlicht. Eine willentliche Übertretung eines der Zehn Gebote in einer schweren Sache, kann also eindeutig als Todsünde bestimmt werden.

An anderer Stelle werden als schwere Sünden Glaubensabfall (Apostasie), Mord, Ehebruch, schwere Verleumdung, Verweigerung von Hilfe in Lebensgefahr usw. aufgeführt.

Das echte Gewissensurteil des Büßers darüber, ob eine Missetat oder ein Zustand schwer wiegt oder nicht, ist auch dann zu achten, wenn ein (unvermeidbarer) Irrtum vorliegt. Denn nur aufrichtig erkannte und bereute Sünden können Gegenstand eines ehrlichen Bekenntnisses in der Beichte sein. Eine bewusst manipulative Fehlzuordnung einer schweren Sünde zu den "lässlichen" (um sie dann in der Beichte zu verschweigen) ist nicht statthaft. Im Zweifel darf der Büßer den "lässlichen" Umstand zwar weglassen (da es in der Beichte nicht um ein möglichst exaktes Gesamt-Sittengemälde gehen kann), aber es ist sehr zu empfehlen, solche Probleme im Gewissensurteil offen zu benennen.

Welche Folgen haben Todsünden?

Der Gläubige, der sich bewusst und aus freien Stücken der schweren Sünde überlässt, schließt sich selbst von der Heiligkeit im Himmel aus, zu der er berufen ist.[2]

Todsünden ziehen den Verlust der göttlichen Gnade (heiligmachende Gnade) nach sich, den ewigen Tod (Todsünde). Dieser geistliche Begriff des Todes besagt aber auch, dass, wer sich von Gott trennt, schon jetzt vor Gott "tot"[3] ist (auch ohne Rücksicht auf das ewige Verdammungsurteil[4]). Die Seele des Todsünders ist wie ein erbrochener Tabernakel aus dem das Allerheiligsten geraubt ist.[5] Vorrangig muss diese Lage jetzt beseitigt werden: Das ist nur durch Reue und Beichte (das Sakrament der Buße) und fortgesetzte Buße in Gebet und Tat abzuwenden. Die Todsünde zerbricht den Bund mit Gott und dadurch verdienen wir die ewige Strafe der Hölle. Durch die lässliche Sünde hingegen verdienen wir nur zeitliche Strafe, die wir hier auf Erden oder im Fegefeuer erdulden (abbüßen) müssen.

Wer durch eine Todsünde die heiligmachende Gnade verliert, wird auch der eingegossenen Tugenden und der göttlichen Tugend der Liebe beraubt. Er ist nicht mehr imstande, Verdienste für den Himmel zu erwerben.[6]

In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man "Hölle" (KKK 1033, 1861)

Die guten Handlungen eines Todsünders haben keinen bleibenden ewigen Wert vor Gott (ohne Satisfaktionsfähigkeit). Der Sünder verdient vor Gott nichts und er büßt nichts ab. Er hat nicht die Möglichkeit für andere vor Gott Gutes zu tun. Jedoch sind seinen guten Werke eine Tatbitte an Gott, um die Gnade der Bekehrung. Darum soll der Todsünder es nie unterlassen Gutes zu tun.

"Bekannt ist das Wort des hl. Hieronymus (In Isai 3, 8), das in der Folge die volle Zustimmung aller Gottesgelehrten fand: die Buße ist die zweite Rettungsplanke. Denn wie es beim Schiffbruch nur eine Möglichkeit gibt, sein Leben zu retten, dass man nämlich durch einen glücklichen Zufall irgend eine Planke des Wracks an sich zu bringen vermag, so ist einer nach Verlust der Taufunschuld ganz sicher verloren, wenn er sich nicht an die Rettungsplanke der Buße anklammert. [7]

Da sich der Schwere Sünder von Gott und dem ewigen Leben getrennt hat, indem er seine Taufgnade verleugnete, steht es ihm nicht zu, in der Eucharistie durch Teilnahme an der Sakramentalen Kommunion vorzutäuschen, er sei mit Gott, der Kirche und den Menschen ausgesöhnt. (Dies ist nicht mit der Exkommunikation zu verwechseln). Wer das Unglück hatte, ein Schwere Sünde zu begehen, sollte baldmöglichst beichten.

Welche Sakramente befreien von der Todsünde?

"Tilge alle Schuld, mit der ich beladen bin! Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!" (Ps 51,12 EU)

Von der Todsünde können drei Sakramente befreien:

Die Taufe befreit in jedem Fall von der Todsünde, auch die Bluttaufe: das Martyrium;

ein getaufter Christ ist verpflichtet, alle seine Todsünden (soweit er sich erinnern kann) in der Beichte zu bekennen, da ansonsten die Beichte ungültig und die Absolution unwirksam ist. Ein Christ, der (momentan) keine Möglichkeit zur Beichte hat, erfährt Vergebung durch Gott, wenn er die Reue (Liebesreue) erweckt, d.h. seine Sünden aus Liebe zu Gott bereut. Er muss den festen Vorsatz haben, sobald sich die Möglichkeit bietet, seine Todsünden in der Beichte zu bekennen. Wird die Beichte verschmäht, so ist der Gebrauch der übrigen Heilmittel vergebens.[8]

sie vergibt die Sünden in Todesgefahr, auch wenn der Kranke keine Möglichkeit mehr zur Beichte hatte (z.B., wenn er bei der Ankunft des Priesters nicht mehr sprechen kann). Erholt sich der Kranke, muss er seine Todsünden dennoch so bald wie möglich in der Beichte bekennen.

Es ist zu hoffen, dass nur ganz wenige Menschen bis zu ihrem Ende in einer Haltung verstockter Todsünde verharren wollen. Kein Mensch muss in diesem Leben verzweifeln, wenn er die Allmacht und die Barmherzigkeit Gottes betrachtet (vgl. Nr. 17).

Päpstliche Schreiben

Johannes Paul II.

Tabellarischer Überblick zur Heilung des Einzelmenschen

Wertung Zustand der Leibessäfte Ausdünstender
leiblicher -
Geruch
materielles
Universalheilmittel[9]
Leibliche
natürliche Folge
Wille Zustand der Seele Ausstrahlender seelischer -
Geruch
geistliches Universal- heilmittel[10] seelische
übernatürliche Folge
👍
Positiv
gute
Freude
Duft (wie
Weihrauch)
Tägl. Brot [11]+
Wein, Öl
Gesundheit 😍
Gedeihen
Gottes
Freude
Heiligmachende Gnade - GdH
Tugend
Vergebung
Liebe
Tägl. BROT[12] + Leid, Gebet
Gottnähe
Ewiges Leben
😇
Negativ
👎
schlechte (üble)
Traurigkeit
Gestank (wie Schwefel)
⬆︎ Reinigung, Ausleitung ⬆︎[13]
Krankheit 🤒
(Schwarzgalle)
Tod
des Teufels -
Eigenwille
Traurigkeit
Todsünde bis Verstocktheit
Laster
Unversöhnlichkeit
Hass
⬆︎ Reue - Taufe -
Beichte
⬆︎
Gottferne
Ewiger Tod
☠️
Gebet: Komm herab, o Heil'ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Vater aller Armen Du, Aller Herzen Licht und Ruh, Komm mit Deiner Gaben Zahl ! Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, Komm, Du süßer Seelenfreund! In Ermüdung schenke Ruh, In der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der Tränen weint. O Du Licht der Seligkeit, mach Dir unser Herz bereit, dring in unsre Seelen ein! Ohne Dein lebendig Wehn, kann im Menschen nichts bestehn. Wasche, was beflecket ist; heile, was verwundet ist; tränke, was da dürre steht; beuge, was verhärtet ist; wärme, was erkaltet ist; lenke, was den Weg verfehlt ! Heil'ger Geist, wir bitten Dich: Gib den gläubig Schauenden, Den auf dich vertrauenden, Deiner sieben Gaben Kraft ! Gib den Lohn der Tugend ganz, Gib' des Heiles vollen Glanz, und dereinst die Seligkeit. Amen. Halleluja (Pfingstsequenz).


Anmerkungen

  1. Österreichische Bischofskonferenz: WIR EMPFANGEN DAS SAKRAMENT DER BUSSE.
  2. vgl. Ankündigungsbulle Incarnationis mysterium des großen Jubiläums des Jahres 2000 vom 29. November 1998 , Nr. 9.
  3. gleichsam eine "excommunicatio latae sententiae" aus der Gemeinschaft der Heiligen. Die Sünde kann durch das im Gericht der Barmherzigkeit Gottes (Taufe, Beichte) restauriert werden. Die Sünde ist zwar vorhanden, aber [noch] nicht in Erscheinung getreten, nicht unmittelbar sichtbar oder zu erfassen.
  4. gleichsam eine "excommunicatio ferendae sententiae" im Einzelgericht für die Seele oder Allgemeinen Gericht für den Leib.
  5. Basler Katholischer Katechismus (1947)#Achter Glaubenssatz: Ich glaube an den Heiligen Geist.
  6. Basler Katholischer Katechismus (1947), Nr. 436.
  7. 1566 Catechismus Romanus, II. Teil: Fünftes Kapitel: Vom Bußsakrament."; vgl. Thomas von Aquin - Summa Theologiae, IIIª q. 84 a. 6 arg. 1, IIIª q. 90 a. 4 arg. 1.
  8. Petrus Canisius: Catechismus maior#Von der Reinigung der Sünden.
  9. Gib uns heute unser tägliches Brot. Gib uns alles, was wir nötig haben für den Leib: Nahrung, Kleidung, Wohnung. - Basler Katholischer Katechismus (1947)#Die wichtigsten Gebete.
  10. Gib uns heute unser tägliches Brot. Gib uns alles, was wir nötig haben für die Seele: Wahrheit, Gnade, heilige Kommunion. - Basler Katholischer Katechismus (1947)#Die wichtigsten Gebete; X. Was enthält die vierte Bitte in sich: Gib uns heute unser tägliches Brot? (Jak 1, 5.17; Ps 39, 18; Dtn 10, 17-18; Gen 28, 20; 1 Tim 6, 8; Spr 30, 8; Ps 144, 15). Wir begehren als Arme und Bettler von dem Urheber und Quell alles Guten das, was hier zum Lebensunterhalt des Leibes täglich genug ist, nämlich Nahrung und Kleidung; überdies (begehren wir auch) was zum Leben der Seele förderlich ist, nämlich (Mt 4, 4; Am 8, 11-12; Sir 15, 3; Spr 9, 5). das Wort Gottes, die geistige Nahrung der Seele, das hochheiligste Sakrament (Mt 26, 26; 6, 11; Joh 6, 51; Hieron. in 6 cap. Mt; Cyprian serm. de orat. Dom.; Ambr. lib. 2 de sacram. cap. 4; Aug. lib 2 de serm. Domin. in monte cap. 7.), jenes Himmelsbrot, und die übrigen heilsamen Sakramente der Kirche und Gaben Gottes, welche den innern Menschen nähren, heilen und stärken, um heilig und selig zu leben. : Petrus Canisius: Catechismus maior#Von der Hoffnung.
  11. Mit gutem Grund erbittet man (im Vater unser) das Brot, das das Leben erhält, nachdem man die Gnade erbeten hat, die das Leben selbst ist. Denn das erste, wonach jemand verlangt, der zu leben beginnt, ist nichts anderes als die Speise, mit der man sich am Leben erhält. Ihr müsst aber wissen, dass man in diesem Gebet hauptsächlich das geistliche Brot erbittet, das die Speise für die Seele ist, und erst in zweiter Linie das materielle Brot, das die Speise für den Leib ist. Unter geistlichem Brot versteht man aber das allerheiligste Altarsakrament, das göttliche Brot des Himmels, das auf wunderbare Weise das Leben der Seele nährt. … Unter leiblichem Brot versteht man all das, was nötig ist, um das Leben des Leibes zu erhalten, der für die Seele das Werkzeug ist, mit dem sie ihre guten Werke verrichtet. … Es heißt täglich, d. h. Brot für jeden Tag, damit wir keine übertriebenen oder außergewöhnlichen Dinge wünschen, sondern nur das, was als einfache tägliche Nahrung ausreicht, und zwar für die Seele ebenso wie für den Leib, vor allem weil wir ja wissen, dass wir in diesem Leben Pilger und Fremde sind.- aus: Robert Bellarmin: Großer Katechismus#Erklärung des zwölften Artikels.
  12. griech.: "τον αρτον ημων τον επιουσιον δος ημιν σημερον", lat.: "Panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie" (Mt 5, 11); Robert Bellarmin: Auslegung des Vater unser#BROT (ff); Die Kirche ladet uns ein, täglich zum Tisch des Herrn zu gehen. - Catechismus Romanus II. Teil, Nr. 58; Konzilskongregation 1905, Dekret Sacra tridentina synodus über die tägliche Kommunion; Codex Iuris Canonici 1917 can. 863; II. Vatikanum: OE 15; KKK 1389.
  13. Weinessig, Hirschzungentrank (hilft der Entgiftungsstation Leber und auch der Lunge), Aderlass, Schröpfen
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