Salutaris ille (Wortlaut)

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Apostolischer Brief
Salutaris ille

von Papst
Leo XIII.
über die Einfügung der Anrufung “Königin des heiligen Rosenkranzes, bitte für uns!“ in die Lauretanische Litanei
24. Dezember 1883

(Offizieller lateinischer Text: ASS XVI [1883] 210)

(Quelle: Rudolf Graber: Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste in den letzten hundert Jahren, Echter-Verlag Würzburg 1954 [2. Auflage], S. 9-12; Mit kirchlicher Druckerlaubnis; in deutscher Sprache auch in: Leo XIII., Lumen de coelo II., - Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten, Buch und Verlag Rudolf Brzezowsky & Söhne Wien 1890, S. 169-172, in Fraktur abgedruckt)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Rosenkranz als Herz.jpg

Inhaltsverzeichnis

Das Gebet in Notzeiten der Kirche

1 Einst hatte Gott versprochen, über "das Haus David und die Bewohner von Jerusalem jenen heilbringenden Geist des Gebetes auszugießen“ (Sach 12,10) der sowohl Gabe als auch Pfand des göttlichen Erbarmens ist. Dieser Geist hat niemals in der Kirche gefehlt. Indessen scheint es, als müsste er heute mehr denn je die Herzen erwecken und bewegen, da nach Unserem Gefühl eine entscheidende Zeit für Kirche und Staat gekommen ist oder noch bevorsteht. In solch unruhigen Zeiten muss Glaube und Hingabe an Gott sich festigen; je weniger Schutz in menschlichen Dingen sichtbar wird, um so mehr sollte man die Notwendigkeit der himmlischen Schützermacht einsehen.

2 Diese Gedanken bestimmten Uns erst unlängst zur Abfassung Unseres Rundschreibens, in dem Wir an die Frömmigkeit appellierten. Im Hinblick auf diese für die Kirche so schmerzlichen Zeitumstände und auf die Schwierigkeit der Gesamtlage verordneten Wir für den ganzen Monat Oktober das heilige Rosenkranzgebet, um dadurch die Jungfrau Maria zu verehren und anzurufen. Wir wissen, dass man Unserer Weisung mit solchem Eifer und solcher Bereitwilligkeit nachkam, wie es der Heiligkeit der Sache und ihrer schwerwiegenden Veranlassung entsprach. Es wurde nämlich nicht bloß hier in Italien, sondern allüberall für die Kirche und das öffentliche Wohl eifrig gebetet und so wurde kraft der Autorität der Bischöfe, durch das Beispiel und die Mühewaltung des Klerus der erhabenen Mutter in edlem Wettstreit die gebührende Ehre erwiesen. Mit Freuden vernahmen Wir von den vielfältigen, ans Wunderbare grenzenden Äußerungen der Frömmigkeit, wie Gotteshäuser herrlich geschmückt, feierliche Prozessionen gehalten wurden und wie zum heiligen Opfer und täglichen Rosenkranz überall eine große Volksmenge sich einfand. Es sei auch nicht verschwiegen, was Wir bewegten Herzens von einigen Orten hörten, an denen die Stürme der Zeit besonders heftig toben: Gerade dort zeigte sich eine so glühende Frömmigkeit, dass die einfachen Gläubigen den Priestermangel wettmachten und soweit sie konnten, lieber selbst diesen Dienst übernahmen, als zuzulassen, dass in ihren Kirchen die verordneten Gebete nicht verrichtet wurden.

Das beharrliche Gebet

3 Während also die Hoffnung auf Gottes Güte und Barmherzigkeit Uns über die gegenwärtigen Übel hinwegtröstet, so erkennen Wir es trotzdem als notwendig an, das Herz aller Gutgesinnten anzufeuern zu dem, was die heiligen Schriften auf jeder Seite ganz offen erklären. So wie es in jeder Tugendübung am meisten auf Ausdauer und Beharrlichkeit ankommt, so auch hier in unserem Beten. Erhörung und Versöhnung durch Gott wird uns nur im Gebet geschenkt. Und gerade das will Gott; die Erhörung soll nämlich nicht bloß Zeichen seiner Güte sein, sondern auch die Frucht unserer Beharrlichkeit.

Die schlimmen Zeitverhältnisse

4 Eine solche Ausdauer im Gebet ist mehr denn je in unserer Zeit vonnöten, wo uns, wie gesagt, so viele und so große Gefahren von allen Seiten umlauern, die ohne Gottes hilfreiche Gegenwart nicht überwunden werden können. Zu großes Ausmaß hat der Hass gegen alles, "was Gott heißt und ist" (2 Thess 2, 4) bereits angenommen. Die Angriffe gegen die Kirche erfolgen nicht bloß von privater Seite, sondern gehen sehr oft von staatlichen Stellen aus und sind in Gesetzen verankert; die verderblichsten Ansichten tauchen auf, die der christlichen Weisheit entgegengesetzt sind. So muss nicht nur Heil und Wohlfahrt des einzelnen, sondern auch das der Öffentlichkeit diesen Feinden gegenüber verteidigt werden, die sich unter Aufbietung aller Kräfte zum äußersten verschworen haben. Angesichts eines solchen Kampfes fällt unser Blick nun ganz auf unseren Herrn Jesus Christus, der, um uns zur Nachahmung anzuregen, "in Todesangst fiel und nur noch inständiger betete" (Lk 22, 44).

Das Rosenkranzgebet

5 Unter den vielen Gebetsübungen und -formeln, die in der katholischen Kirche im frommen und heilsamen Gebrauch sind, ist nun jene ganz besonders empfehlenswert, die wir den marianischen Rosenkranz heißen. In Unserem Rundschreiben haben Wir bestätigt und unterstrichen, dass das Rosenkranzgebet gerade dazu eingeführt wurde, um den Schutz der Gottesmutter gegen die Feinde des katholischen Glaubens anzuflehen; und man weiß zur Genüge, wie sehr und wie oft dieses Gebet der Kirche von Nutzen war und ihr über so manche Schicksalsschläge hinweghalf. Es handelt sich also nicht bloß darum, diese Gebetsweise für die private Frömmigkeit zu empfehlen, sondern ihr wieder jenen öffentlichen Ehrenplatz einzuräumen, den sie in der Öffentlichkeit so lange inne hatte, als die christlichen Familien keinen Tag ohne die Verrichtung dieses Gebetes vorübergehen ließen. Deshalb ermahnen und beschwören Wir alle, dass sie dieser täglichen Übung des Rosenkranzes in Hingabe und Ausdauer nachkommen. Desgleichen erklären Wir es als Unseren dringenden Wunsch, dass täglich in der Hauptkirche des Bistums und in den Pfarrkirchen an den Festtagen der Rosenkranz gebetet werde. Viel können zur Förderung und Durchführung dieses Werkes die Ordensfamilien beitragen und hier mit einer besonderen Berechtigung die Mitglieder des Dominikanerordens. Wir geben Uns den sicheren Erwartungen hin, dass hier bei einem so hohen und fruchtversprechenden Werk niemand fehlen wird.

Die Anrufung: Königin des heiligen Rosenkranzes

6 Zu Ehren der erhabenen Gottesgebärerin Maria, zum immerwährenden Gedächtnis ihres Schutzes, den Wir überall während des Monats Oktober von ihrem reinsten Herzen erfleht haben, zum unvergänglichen Zeichen Unserer allumfassenden Hoffnung, die Wir auf die geliebte Mutter setzen, und um ihre gütige Hilfe von Tag zu Tag mehr zu erfahren, bestimmen und verordnen Wir, dass in der Lauretanischen Litanei nach der Anrufung "Königin ohne Makel der Erbsünde empfangen" der Lobspruch eingefügt werde "Königin des heiligen Rosenkranzes, bitte für uns".

Es ist aber Unser Wille, dass dieses Unser Schreiben, so wie es ist, immer in Kraft bleibe. Wir erklären alles für null und nichtig, was etwa in Zukunft dagegen von irgend jemand ins Werk gesetzt werde.

Gegeben zu Rom, unter dem Fischerring, am 24. Dezember 1883,

im 6. Jahre Unseres Pontifikates

Leo XIII. PP.

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