Rupert von Deutz

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Chor von St. Maria und St. Clemens in Schwarzrheindorf bei Bonn. Die Theologie des Christuszyklus der romanischen Innenausmalung wurde von Rupert von Deutz inspiriert.

Rupert von Deutz, (* um 1075 bei Lüttich; † 4. März 1129 in Deutz bei Köln) war ein Exeget, Mystiker und Liturgiekommentator.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Im Kindesalter wurde Rupert als Donate an das Benediktinerkloster St. Laurentius in Lüttich übergeben. Aufgrund der Wirren des Investiturstreites und daraus resultierender Probleme empfing er erst mit ca. 35 Jahren die Priesterweihe. Seine vor dieser Zeit entstandenen kleineren Schriften wie Heiligenlegenden und geistliche Dichtungen sind größtenteils nicht überliefert.

Von ca. 1110 bis zu seinem Tod 1129 verfasste er ein immenses literarisches Werk, das viele Theologen des 12. Jahrhunderts vor allem im deutschsprachigen Bereich maßgeblich beeinflusste. Vor den Angriffen seiner dogmatischen Gegner zog sich Rupert ca. 1113 in das Kloster Michaelsberg in Siegburg zurück und wurde 1120 Abt des Klosters St. Heribert in Köln-Deutz, wo er 1129 starb. Rupert kommentierte fast die ganze Bibel und ging auf dogmatische, ordensrechtliche oder hagiographische Themen nur vereinzelt in kleineren Schriften ein. Besondere Popularität erreichte sein heilsgeschichtliches Epos De victoria Verbi dei. Die allegorische und typologische Auslegung der Heiligen Schrift erfuhr mit Rupert ihren Höhepunkt.

Unter seinen Kommentaren stehen diejenigen zur Apokalypse und zum Hohenlied in nächster Beziehung zu seiner Mystik. Weitere wichtige Schriften sind seine Kommentare zum Johannes- und Matthäusevangelium, zu den kleinen Propheten, ein Kommentar zur Liturgie der Messe und des Kirchenjahres sowie seine beiden Trinitätsschriften De sancta trinitate et operibus eius und De glorificatione trinitatis et processione spiritus sancti.

Liturgiedeutung

Rupert von Deutz ist ein bedeutender Zeuge der mittelalterlichen allegorischen Liturgieerklärung (Liber de divinis offiis). Die Allegorie ist in unterschiedlicher Weise auf Christus bezogen, an ausgewählten Stellen wird die Eucharistie ausgelegt. So ist der, bei Rupert "secreta" genannte Canon missae (Hochgebet), eine Erinnerung an das Leiden Christi. Einzelne Teile des Kanons bezieht Rupert auf Begebenheiten der Passion. Das fünffache Kreuzzeichen des Priesters über Brot und Wein weist auf die 5 Wunden des Gekreuzigten hin. Die vom Priester leise gesprochenen Worte "nobis quoque peccatoribus" deutet er als Erinnerung an das Schuldbekenntnis des mit Jesus gekreuzigten Schächers und die Antwort Christi. Das zur Bedeckung des Kelches dienende Korporale wird erhoben, weil der Vorhang im Tempel zerriss. So wird die gesamte Liturgie vergleichbaren Deutungen unterzogen.[1]

Werke

  • Jacques Paul Migne, Patrologia Latina, Bände 167-170.
  • Corpus Christianorum, Continuatio Medievalis (Turnhout : Brepols), Bände 7, 9, 21-24, 26, 29.
  • R.D.D. Rvperti Abbatis Monasterij S. Heriberti Tvitiensis Ordinis D. Benedicti, Viri longe doctissimi, summiq[ue] inter veteres theologi, Opera Quotquot hactenus haberi potuerunt, auctiora quam antea : Cvm Dvobvs Indicibvs: priore rerum et verborum posteriore locorum S. Scripturae. - Mogvntiae : Mylius, 1631. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.

Literatur

  • Walter Berschin: Os meum aperui. Die Autobiographie Ruperts von Deutz. Köln 1985.
  • Anton Leichtfried: Trinitätstheologie als Geschichtstheologie. De sancta Trinitate et operibus eius. Rupert Deutz (ca. 1075-1129). Studien zur systematischen und spirituellen Theologie, Bd. 37 Echter, Würzburg 2003, ISBN 3-429-02375-0.

Anmerkungen

  1. Albert Gerhards, Benedikt Kranemann: Mittelalterliche Liturgieerklärung. In: Einführung in die Liturgiewissenschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 978-3-534-15742-6, S. 28f.
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