Reise nach Köln von Papst Benedikt XVI. anlässlich des XX. Weltjugendtages im August 2005

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Worte bei der
Reise nach Köln anlässlich des XX. Weltjugendtages vom 11. bis 21. August

von Papst
Benedikt XVI.
mit dem Weltjugendtagsmotto: „Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten“
18. bis 21. August 2005

(Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 169, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz Bonn 2005, 129 S.)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Die Bedeutung der Apostolischen Reise

Der Ort des XX. Weltjugendtags

Der XX. Weltjugendtag ist der letzte Weltjugendtag, zu dem unser unvergessener Papst Johannes Paul II. eingeladen hat, und der erste, den unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. mit der Jugend der Welt feiert.

Nachdem in den vergangenen Jahren immer mehr deutsche Jugendliche an Weltjugendtagen teilgenommen haben, dürfen die Deutschen jetzt selber Gastgeber der Jugend der Welt sein.

Deutschland ist von Alters her christlich geprägt, in den Grenzen des Römischen Reiches seit dem 4. Jahrhundert, darüber hinaus durch die Missionierung der iro-schottische Wandermönche seit dem 6./7. Jahrhundert.

Deutschland ist aber auch bis heute geprägt durch die Kirchenspaltung der Reformation im 16. Jahrhundert. Die christliche Bevölkerung ist etwa zur Hälfte katholisch und zur Hälfte evangelisch.

Zwei Weltkriege gingen im 20. Jahrhundert von Deutschland aus. Die Diktatur des Nationalsozialismus beherrschte das Land von 1933 bis 1945. 1949 wurde der Westen Deutschlands als Bundesrepublik Deutschland ein demokratisches Land, während der Ostteil als Deutsche Demokratische Republik unter kommunistischer Herrschaft stand.

Die politische Wende im Osten mit dem Fall der Berliner Mauer brachte im Jahre 1990 die staatliche Einheit des demokratischen Landes. Durch den Zustrom so genannter Gastarbeiter in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts kamen viele Süd- und Südosteuropäer nach Deutschland, die heute bereits in der dritten Generation hier leben. Neben den katholischen Südeuropäern zogen auch viele türkische Mitbürger nach Deutschland, so dass es heute auch einen beachtlichen muslimischen Anteil in der städtischen Bevölkerung gibt. Hinzu kommen Einwanderer aus Osteuropa sowie asiatischen und afrikanischen Staaten in jüngerer Zeit.

Auf diesem Hintergrund der gesamtgesellschaftlichen Situation sind die Ökumene und der Dialog mit anderen Religionen und Kulturen, die Integration und das Bemühen um ein sozialverträgliches Miteinander wichtige Herausforderungen für die Kirche in Deutschland.

Wenn auch die Verfassung, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, christlichen Geist atmet, stellen wir heute einen fortschreitenden Prozess der Säkularisierung fest. Im Osten Deutschlands liegt auf Grund der kommunistischen Vergangenheit der Prozentsatz der Christen unter 20%. Die große Mehrheit ist nicht getauft und hat die christliche Botschaft nie vernommen. Die Verkündigung der Botschaft des Evangeliums ist daher eine weitere wichtige Herausforderung.

Umso bedeutsamer ist das Motto des XX. Weltjugendtags »Wir sind gekommen, um IHN anzubeten«, das gegen den Trend der Zeit, gegen die Verabsolutierung des Menschen Gott in den Mittelpunkt stellt und zum Ziel des menschlichen Strebens macht. Der Weltjugendtag wird so zu einem Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Fels, auf dem die jungen Menschen ihre »Zukunft und eine gerechtere und solidarischere Welt« aufbauen (Botschaft zum XX. Weltjugendtag, Nr. 5). Hier deutet sich auch die Herausforderung der gemeinsamen Bemühungen von katholischen, evangelischen und orthodoxen Christen an, als Zeugen des Evangeliums von Deutschland aus als Teil der Europäischen Union Europa eine christliche Prägung zu geben. Der XX. Weltjugendtag kann hier ein wichtiger Impulsgeber der jungen Generation sein.

Köln, das seit 50 nach Christus römisches Stadtrecht hatte, lag am Nordrand des Römischen Reiches und war Hauptstadt der Provinz Germania Inferior.

Das Erzbistum Köln ist nach Trier die zweitälteste Diözese Deutschlands. Der erste, 313 urkundlich erwähnte Bischof von Köln ist der heilige Maternus. Schon vorher sind Martyrien christlicher römischer Soldaten in Köln und Bonn bezeugt, deren Gräber bis heute verehrt werden. Im 12. Jahrhundert wurde Köln durch die Übertragung der Reliquien der Heiligen Drei Könige zu einer der bedeutendsten christlichen Pilgerstätten des Mittelalters. Die Weisen aus dem Morgenland, deren Gebeine heute im goldenen Schrein in der Kathedrale von Köln ruhen, haben daher dem XX. Weltjugendtag auch das Motto gegeben.

Der sprichwörtliche rheinische Frohsinn verbunden mit einer herzlichen Gastfreundschaft machen das Erzbistum Köln und seine Bewohner zu frohen Gastgebern der Jugendlichen, die zum XX. Weltjugendtag gekommen sind.

Das Motto

Im Motto des XX. Weltjugendtags »Wir sind gekommen, um IHN anzubeten« scheint die ganze Erzählung der Weisen aus dem Morgenland auf und wird zum Sinnbild für die zum Weltjugendtag versammelten jungen Leute.

Die Heiligen Drei Könige werden zu geistigen Wegbegleitern auf dem Pilgerweg der Jugendlichen. Wie die Weisen, vom Stern gerufen und von der Sehnsucht geleitet, haben auch die Jugendlichen sich auf den Weg gemacht, um Christus zu suchen und zu finden. Wie die Weisen, die den Stern verloren haben, kennen auch die Jugendlichen Zeiten der Orientierungslosigkeit.

Die Weisen finden im Kind von Bethlehem den König, den sie suchen. Beim Weltjugendtag können die Jugendlichen Christus, den König ihres Lebens, entdecken.

Die Weisen fallen vor Jesus nieder und beten ihn an. Die Jugendlichen sind eingeladen zur Haltung der Anbetung in Wallfahrt, Gebet und Gottesdienst. Hierin findet der Mensch seine wahre Identität und wird frei von allen falschen Ansprüchen und Abhängigkeiten dieser Welt. Aus der Begegnung in der Anbetung erwächst die Ehrfurcht gegenüber dem Menschen. »Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben« (1 Joh 4, 11).

»Seid Anbeter des einzigen und wahren Gottes, indem ihr ihm den ersten Platz in euerem Leben zuerkennt!« fordert Papst Johannes Paul II. die Jugendlichen in seiner Botschaft zum XX. Weltjugendtag auf und fährt fort: »Die Anbetung des wahren Gottes stellt einen wahren Akt des Widerstandes gegen jegliche Form des Götzendienstes dar. Betet Christus an« (Nr. 5). Und Papst Benedikt XVI. fährt fort: »Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Ja, öffnet, reißt die Türen weit auf für Christus —dann findet ihr das wirkliche Leben.« (Predigt zur Amtseinführung am 24.04.2005)

Wie die Weisen auf einem anderen Weg heim in ihr Land ziehen, kehren die Jugendlichen verändert in ihre Heimatländer zurück.

»Diese Kursänderung kann die Bekehrung symbolisieren, zu der diejenigen gerufen sind, die Jesus begegnet sind, um zu den wahren Anbetern zu werden, die er sich wünscht.« (Botschaft zum XX. Weltjugendtag, Nr. 6)[1]

Donnerstag, den 18. August 2005

Ansprache bei der Ankunft auf dem Konrad-Adenauer-Flughafen Köln-Bonn

Sehr verehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Vertreter des politischen und öffentlichen Lebens, verehrte Kardinäle,
liebe Mitbrüder im Bischofsamt,
liebe Bürger der Bundesrepublik,
liebe junge Menschen!

Zum ersten Mal nach meiner Wahl auf den Stuhl Petri stehe ich voll Freude auf dem Boden meines lieben Vaterlandes Deutschland. Ich kann nur wiederholen, was ich in einem Interview mit Radio Vatikan gesagt habe: Ich sehe es als eine liebevolle Geste der Vorsehung an, dass sie es eingerichtet hat – ich hatte es nicht gewollt –, dass sie es eingerichtet hat, dass mein erster Besuch außerhalb Italiens in meinem Vaterland stattfindet. Hier in Köln und damit zu einem Zeitpunkt, an einem Ort und zu einem Anlass, wo sich junge Menschen aus aller Welt, aus allen Kontinenten treffen, wo die Grenzen zwischen Kontinenten, zwischen Kulturen, zwischen Rassen und Nationen verschwinden, weil wir alle eins sind durch den Stern, der uns erschienen ist – den Stern des Glaubens, Jesus Christus, der uns eint und der uns gemeinsam den Weg zeigt, so dass wir hier alle miteinander eine große Kraft des Friedens über alle Grenzen und Trennungen hinweg sind. So sage ich Gott von Herzen Dank für diese Fügung, dass ich hier in meiner Heimat und mit einem solchen friedensstiftenden Anlass beginnen darf und so auch nach Köln komme in einer tiefen Kontinuität, wie Sie, Herr Bundespräsident, schon gesagt haben, mit meinem großen und geliebten Vorgänger Johannes Paul II., der diese Intuition der Weltjugendtage – ich würde sagen diese Inspiration – gehabt hat und damit nicht nur einen Anlass von überragender religiöser und kirchlicher Bedeutung schuf, sondern von menschlicher Qualität, der die Menschen über die Grenzen hin zueinander bringt und gemeinsam Zukunft bauen hilft.

Ihnen allen, die Sie hier anwesend sind, bin ich aufrichtig dankbar für den herzlichen Empfang, den Sie mir bereitet haben. Mein hochachtungsvoller Gruß gilt vor allem Ihnen, Herr Bundespräsident Köhler. Ich danke Ihnen für Ihre freundlichen Worte, mit denen Sie mir aus dem Herzen gesprochen haben. Ich wusste gar nicht, dass jemand, der in der Wirtschaft lebt, auch so viel Philosoph und Theologe sein kann. Herzlichen Dank dafür.

In Achtung und Dankbarkeit denke ich auch an die Regierungsvertreter, die Mitglieder des Diplomatischen Korps und die zivilen und militärischen Autoritäten, den Herrn Bundeskanzler, den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, alle hier anwesenden Autoritäten. In brüderlicher Wertschätzung grüße ich den Hirten der Erzdiözese Köln, Kardinal Joachim Meisner. Gemeinsam mit ihm grüße ich die anderen Bischöfe mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, die Priester und Ordensleute und alle, die in den verschiedenen seelsorglichen Aktivitäten der deutschsprachigen Diözesen ihre wertvolle Mitarbeit leisten. Allen Bürgern der verschiedenen Bundesländer gilt in diesem Augenblick mein herzliches Gedenken.

In diesen Tagen der intensivsten Vorbereitung auf den Weltjugendtag haben sich die Diözesen Deutschlands, und im Besonderen die Diözese und die Stadt Köln, durch die Anwesenheit so vieler Jugendlicher aus aller Welt mit Leben erfüllt. Da möchte ich von Herzen allen danken, die durch ihre kompetente und großzügige Mitarbeit zur Organisation dieses kirchlichen Ereignisses von weltweiter Bedeutung beigetragen haben. Voller Dankbarkeit denke ich an die Pfarreien, die Ordensinstitute, die Vereine, die zivilen Organisationen und die Privatleute, die Einfühlsamkeit bewiesen haben in der Art, wie sie den Tausenden von Pilgern aus den verschiedenen Kontinenten eine herzliche und angemessene Gastfreundschaft bereitet haben. Ich finde es schön, dass bei solchen Anlässen die fast verschwindende Tugend der Gastfreundschaft, die zu den Urtugenden des Menschen gehört, neu auflebt und so Menschen aus allen Schichten zueinander kommen.

Die Kirche in Deutschland und die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik können sich gottlob einer verbreiteten und gefestigten Tradition der Weltoffenheit rühmen, wie unter anderem die vielen Initiativen der Solidarität, besonders zugunsten der Entwicklungsländer, beweisen. In diesem Geist der Aufnahmebereitschaft gegenüber denen, die aus anderen Traditionen und Kulturen stammen, schicken wir uns an, in Köln den Weltjugendtag zu erleben. Die Begegnung so vieler Jugendlicher mit dem Nachfolger Petri ist ein Zeichen für die Vitalität der Kirche.

Ich bin glücklich, mitten unter jungen Menschen zu sein, ihren Glauben, so Gott es will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben. Und dabei bin ich zugleich sicher, dass ich mindestens ebenso der Empfangende bin, dass die Begeisterung, die Einfühlsamkeit, die Bereitschaft, der Mut und die Hoffnung der jungen Menschen mich anstecken werden und mir Mut geben werden, meinen Weg im Dienst der Kirche als Nachfolger des Petrus weiterzugehen und den Herausforderungen der Zeit zu entsprechen.

Euch allen, den Anwesenden und denen, die in diesen ereignisreichen Tagen Menschen aus anderen Teilen der Welt aufgenommen haben, gilt schon jetzt mein herzlichster Gruß. Neben den eindringlichen Zeiten des Gebetes, der Reflexion und des Feierns mit den jungen Menschen und mit allen, die an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen, werde ich Gelegenheit zu einer Begegnung mit den Bischöfen haben, an die ich schon jetzt meinen brüderlichen Gruß richte. Dann werde ich Vertreter der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sehen, worauf ich mich freue, einen Besuch in der Synagoge machen, der mir sehr am Herzen liegt, um die jüdische Gemeinde zu treffen, und auch die Vertreter einiger islamischer Gemeinden empfangen. Es handelt sich um wichtige Begegnungen, um den Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit im gemeinsamen Einsatz für die Errichtung einer gerechten und brüderlichen, dem Menschen wirklich angemessenen Zukunft noch intensiver zu beschreiten, und wir alle wissen, wie sehr es nötig ist, diesen Weg zu suchen, wie sehr wir dieses Dialoges und dieser Zusammenarbeit bedürfen.

Im Laufe dieses Weltjugendtags werden wir gemeinsam nachdenken über das Thema „Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“ (Mt 2,2). Das ist eine nicht zu versäumende Gelegenheit, die Bedeutung des menschlichen Daseins als „Pilgerschaft“, als Unterwegssein unter der Führung des „Sterns“ auf der Suche nach dem Herrn, zu vertiefen. Wir werden gemeinsam auf die Gestalten der Heiligen Drei Könige hinschauen, die auch nach ihrem Tode noch Pilgernde werden mussten, nicht ahnen konnten, dass sie eines Tages mit ihren Gebeinen nach Köln pilgern würden. Wir werden auf diese Gestalten hinschauen, die aus verschiedenen Ländern kamen und zu den ersten gehörten, die in Jesus Christus, dem Sohn der Jungfrau Maria, den verheißenen Messias erkannten und sich vor ihm niederwarfen (vgl. Mt 2,1-12). Dem Gedenken an diese beispielhaften Gestalten sind die Kirchengemeinden Kölns sowie die Stadt selbst in besonderer Weise verbunden. Ebenso wie die Heiligen Drei Könige sind alle Gläubigen, und besonders die jungen Menschen, dazu berufen, ihren Lebensweg als Pilgerweg zu gehen als Offene und Suchende auf der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe.

Dieser Stern ist es, den wir suchen müssen, dem wir nachgehen müssen. Es ist dies ein Weg, dessen endgültiges Ziel nur durch die Begegnung mit Christus zu finden ist, eine Begegnung, die sich ohne den Glauben nicht verwirklichen kann. Auf diesem inneren Weg dieser inwendigen Pilgerschaft können die vielgestaltigen Zeichen hilfreich sein, die lange und reiche christliche Tradition unauslöschlich auf deutschem Boden hinterlassen hat: von den großen historischen Monumenten bis zu den zahllosen Kunstwerken überall im Land, von den in den Bibliotheken verwahrten Dokumenten bis zu den mit intensiver Teilnahme des Volkes gelebten Traditionen, vom philosophischen Gedankengut bis zur theologischen Reflexion vieler deutscher Denker, vom geistigen Erbe bis zur mystischen Erfahrung einer ganzen Schar von Heiligen. Es handelt sich um ein äußerst reiches kulturelles und geistiges Erbe, das noch heute im Herzen Europas die Fruchtbarkeit des Glaubens und der christlichen Überlieferung bezeugt und das wir neu lebendig machen müssen, weil es neue Kraft für die Zukunft in sich trägt.

Die Diözese und insbesondere die Region Köln bewahren die lebendige Erinnerung an große Zeugen, die sozusagen in der Prozession der Wanderer stehen, die mit den Drei Königen begonnen hat. Ich denke an Bonifatius, ich denke an die hl. Ursula, den hl. Albertus Magnus und – in neueren Zeiten – an die hl. Teresia Benedicta a Cruce (Edith Stein) und den sel. Adolph Kolping. Diese unsere Glaubensbrüder und -schwestern haben im Laufe der Jahrhunderte die Fackel der Heiligkeit leuchten lassen, sind Menschen gewesen, die den Stern gesehen und anderen den Stern gezeigt haben. Solche Gestalten sollen heute für uns Vorbilder und Patrone unseres Zusammenseins, unseres Weltjugendtages werden.

Während ich Ihnen allen, die Sie hier anwesend sind, noch einmal meinen herzlichsten Dank ausspreche für den freundlichen Empfang, bete ich zum Herrn für den zukünftigen Weg der Kirche und der gesamten Gesellschaft dieser mir so lieben Bundesrepublik Deutschland. Ihre Geschichte und die großen sozialen, ökonomischen und kulturellen Ziele, die sie erreicht hat, mögen ihr Ansporn sein, in einer Stunde neuer kritischer Fragen und Probleme auch für die anderen Völker des Kontinents mit weiterem erneutem Engagement ihren Weg zu verfolgen. Die Jungfrau Maria, die den Heiligen Drei Königen, als sie nach Betlehem gekommen waren, um den Retter anzubeten, das Jesuskind zeigte, möge weiterhin so für uns eintreten, wie sie schon seit Jahrhunderten von den vielen in den Bundesländern verstreuten Wallfahrtsorten aus über das Deutsche Volk wacht. Der Herr segne alle, die hier zugegen sind, sowie auch alle Pilger und die Bewohner des Landes. Gott schütze die Bundesrepublik Deutschland!

Ansprache auf dem Rheinschiff bei der Willkommensfeier mit Jugendlichen

Liebe Jugendliche!

Ich freue mich, Euch hier in Köln am Rheinufer zu treffen! Als Pilger in der Gefolgschaft der Heiligen Drei Könige seid Ihr aus verschiedenen Teilen Deutschlands, Europas und der Welt gekommen. Indem Ihr ihren Spuren folgt, wollt Ihr Jesus entdecken. Ihr wart bereit, Euch auf den Weg zu machen, um selber ebenfalls dahin zu gelangen, persönlich und zugleich gemeinschaftlich das Angesicht Gottes zu betrachten, das sich in dem Kind in der Krippe offenbart. Wie Ihr habe auch ich mich auf den Weg gemacht, um zusammen mit Euch niederzuknien vor der weißen Hostie, in der die Augen des Glaubens die reale Gegenwart des Erlösers der Welt erkennen. Gemeinsam werden wir dann über das Thema dieses Weltjugendtags „Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten“ (Mt 2,2) meditieren.

Mit sehr großer Freude begrüße und empfange ich Euch, liebe Jugendliche, die Ihr von nah oder fern auf den Straßen der Welt und Eures Lebens hierher gepilgert seid. Einen besonderen Gruß richte ich an diejenigen, die wie die Sterndeuter aus dem „Orient“ gekommen sind. Ihr seid die Vertreter der zahllosen Menge unserer Brüder und Schwestern in der Menschheit, die, ohne es zu wissen, das Aufgehen des Sternes an ihrem Himmel erwarten, um zu Christus, dem Licht für die Völker, geführt zu werden und in ihm die befriedigende Antwort auf den Durst ihres Herzens zu finden. Herzlich begrüße ich auch diejenigen unter Euch, die nicht getauft sind, die Christus noch nicht kennen oder in der Kirche nicht zu Hause sind. Gerade an Euch hat Papst Johannes Paul II. eine besondere Einladung zu diesem Treffen gerichtet. Ich danke Euch, dass Ihr Euch entschlossen habt, nach Köln zu kommen. Einige unter Euch könnten vielleicht die Aussage auf sich beziehen, die Edith Stein über ihre Jugend machte – sie, die später im Karmel in Köln lebte: „Ich hatte die Gewohnheit zu beten bewusst und freiwillig aufgegeben.“ In diesen Tagen werdet Ihr das Gebet wieder in bewegender Weise als ein Zwiegespräch mit Gott erfahren können – mit dem Gott, von dem wir uns geliebt wissen und den wir unsererseits lieben wollen. Allen möchte ich mit Nachdruck sagen: „Reißt Euer Herz weit auf für Gott, lasst Euch von Christus überraschen!“ Gewährt ihm in diesen Tagen das „Recht, zu Euch zu sprechen“! Öffnet die Türen Eurer Freiheit für seine barmherzige Liebe! Breitet Eure Freuden und Eure Leiden vor Christus aus und lasst zu, dass er Euren Geist mit seinem Licht erleuchtet und Euer Herz mit seiner Gnade berührt! Erfahrt in diesen gesegneten Tagen des Miteinander und der Freude die Kirche als einen Ort der Barmherzigkeit und der Zärtlichkeit Gottes gegenüber den Menschen. In der Kirche und durch sie werdet Ihr zu Christus gelangen, der Euch erwartet.

Da ich heute nach Köln komme, um mit Euch am XX. Weltjugendtag teilzunehmen, denke ich spontan mit Dankbarkeit und innerlich bewegt an den von uns allen so geliebten Diener Gottes, Johannes Paul II., der die glänzende Idee hatte, die Jugendlichen der ganzen Welt zusammenzurufen, um gemeinsam Christus, den einzigen Retter des Menschengeschlechts, zu feiern. Dank des tiefen Dialogs, der sich in über zwanzig Jahren zwischen dem Papst und den Jugendlichen entwickelt hat, konnten viele von ihnen den Glauben vertiefen, enge Bande der Gemeinschaft knüpfen sowie sich für die Gute Nachricht vom Heil in Christus begeistern und sie in vielen Teilen der Welt verkünden. Dieser große Papst hat es verstanden, die Herausforderungen zu begreifen, die sich den jungen Menschen von heute stellen, und als Bekräftigung seines Vertrauens auf sie hat er nicht gezögert, sie anzuspornen, mutige Verkünder des Evangeliums und unerschrockene Entwickler der Kultur der Wahrheit, der Liebe und des Friedens zu sein.

Heute ist es meine Aufgabe, dieses außerordentliche spirituelle Erbe, das Papst Johannes Paul II. uns hinterlassen hat, aufzugreifen. Er hat Euch geliebt, Ihr habt es begriffen und diese Liebe mit dem Elan Eurer Jugend erwidert. Nun haben wir alle zusammen die Aufgabe, seine Lehre in die Tat umzusetzen. Mit dieser Verpflichtung sind wir hier in Köln, als Pilger auf den Spuren der Heiligen Drei Könige. Nach der Überlieferung lauteten ihre Namen auf griechisch Caspar, Melchior und Balthasar. In seinem Evangelium gibt Matthäus die Frage wieder, die ihnen im Herzen brannte: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ (Mt 2,2).

Die Suche nach ihm war der Grund, warum sie die lange Reise nach Jerusalem unternommen hatten. Dafür hatten sie Mühen und Entbehrungen ertragen, ohne den Mut zu verlieren und der Versuchung zu erliegen, umzukehren. Nun, da sie dem Ziel nahe waren, hatten sie keine andere Frage zu stellen als diese. Auch wir sind nach Köln gekommen, weil wir im Herzen – wenn auch in anderer Form – dieselbe drängende Frage spürten, die die Männer aus dem Orient auf den Weg trieb. Wir fragen heute zwar nicht nach einem König; aber wir sind unruhig über den Zustand der Welt, und wir fragen: Wo finde ich die Maßstäbe für mein Leben – wo die Maßstäbe, um an der Gestaltung von Gegenwart und Zukunft der Welt verantwortlich mitzuwirken? Wem darf ich vertrauen – wem mich anvertrauen? Wo ist derjenige, der mir die befriedigende Antwort geben kann auf die Erwartungen meines Herzens?

Solche Fragen zu stellen, bedeutet vor allem anzuerkennen, dass der Weg nicht vollendet ist, so lange man nicht dem begegnet ist, der die Macht hat, jenes universale Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu begründen, nach dem die Menschen streben, das zu errichten sie aber allein nicht imstande sind. Diese Fragen zu stellen bedeutet weiter, jemanden zu suchen, der sich nicht täuscht und andere nicht täuschen kann und der darum fähig ist, eine Sicherheit zu bieten, die so unerschütterlich ist, dass man von ihr leben und gegebenenfalls sogar für sie sterben kann.

Wenn sich am Horizont des Lebens diese Antwort abzeichnet, dann, liebe Freunde, muss man die nötigen Entscheidungen treffen. Es ist, wie wenn man sich an einem Scheideweg befindet: Welchen Weg soll man einschlagen? Den, zu dem die Leidenschaften anregen, oder den, welchen der Stern weist, der im Gewissen leuchtet? Als die Sterndeuter die Antwort hörten: „In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten“ (Mt 2,5), entschieden sie sich, von diesem Wort erleuchtet, den Weg fortzusetzen bis zum Ziel. Von Jerusalem gingen sie nach Betlehem, das heißt von dem Wort, das ihnen anzeigte, wo der König war, den sie suchten, bis zur Begegnung mit diesem König, der zugleich das Lamm Gottes war, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Dieses Wort ist auch an uns gerichtet. Auch wir müssen unsere Wahl treffen.

In Wirklichkeit ist es, recht bedacht, genau dasselbe, was wir bei der Teilnahme an jeder Eucharistiefeier erfahren. In jeder Messe führt uns nämlich die Begegnung mit dem Wort Gottes zur Teilnahme am Geheimnis von Kreuz und Auferstehung Christi und so zum eucharistischen Mahl, zur Vereinigung mit Christus hin. Auf dem Altar ist der gegenwärtig, den die Sterndeuter im Stroh liegen sahen: Christus, das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, um der Welt das Leben zu geben, das wahre Lamm, das sein Leben hingibt für das Heil der Menschheit. Vom Wort erleuchtet, können wir – wiederum in Betlehem, dem „Haus des Brotes“ – die Erfahrung der überwältigenden Begegnung mit der unfassbaren Größe eines Gottes machen, der sich so weit erniedrigt hat, sich in einer Krippe zu zeigen und sich auf dem Altar als Speise zu verschenken.

Wir können uns das Staunen der Sterndeuter vor dem Kind in Windeln vorstellen! Nur der Glaube ermöglichte ihnen, in der Gestalt dieses Kindes den König zu erkennen, den sie suchten, den Gott, zu dem sie der Stern geführt hatte. In ihm ist der Ewige in die Zeit eingetreten, indem er den Abgrund überbrückte, der zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren besteht; in ihm hat sich das Geheimnis zu erkennen gegeben, indem es sich in den zarten Gliedern eines kleinen Kindes an uns auslieferte. „Voller Staunen stehen die Sterndeuter vor dem, was sie sehen: den Himmel auf Erden und die Erde im Himmel; den Menschen in Gott und Gott im Menschen. In einem winzigen Leib sehen sie den eingeschlossen, den die ganze Welt nicht enthalten kann“ (Petrus Chrysologus, Sermo 160,2). Mit demselben Staunen wollen wir uns während dieser Tage in diesem „Jahr der Eucharistie“ Christus zuwenden, der im Tabernakel der Barmherzigkeit, im Altarssakrament, gegenwärtig ist.

Liebe Jugendliche, das Glück, das Ihr sucht, das Glück, auf das Ihr ein Anrecht habt, hat einen Namen, ein Gesicht: Es ist Jesus von Nazaret, verborgen in der Eucharistie. Er allein schenkt der Menschheit Leben in Fülle! Sagt gemeinsam mit Maria Euer „Ja“ zu dem Gott, der sich Euch schenken will. Ich wiederhole Euch heute, was ich zu Beginn meines Pontifikats gesagt habe: „Wer Christus [in sein Leben] eintreten lässt, verliert nichts, gar nichts – absolut nichts von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, nur in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens weit. Nur in dieser Freundschaft erschließen sich wirklich die großen Möglichkeiten des Menschseins. Nur in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön ist und was frei macht“ (Homilie zur Amtseinführung des Papstes, 24. April 2005 in: O.R. dt., Nr. 17, 29.4.2005, S. 2 f.). Seid völlig überzeugt davon: Christus nimmt nichts weg von dem, was Ihr an Schönem und Großem in Euch habt, sondern zur Ehre Gottes, zum Glück der Menschen und zum Heil der Welt führt er alles zur Vollendung.

In diesen Tagen lade ich Euch ein, Euch rückhaltlos dem Dienst Christi zu widmen, koste es, was es wolle. Die Begegnung mit Jesus Christus wird Euch ermöglichen, innerlich die Freude über seine lebendige und lebenspendende Gegenwart zu genießen, um sie dann in Eurer Umgebung zu bezeugen.

Möge Eure Anwesenheit in dieser Stadt schon das erste Zeichen einer Verkündigung des Evangeliums sein durch das Zeugnis Eures Verhaltens und Eurer Lebensfreude. Lassen wir aus unserem Herzen Dankund Lobgesänge zum Vater aufsteigen für die vielen Wohltaten, die er uns erwiesen hat und für das Geschenk des Glaubens, den wir gemeinsam feiern wollen, indem wir ihn der Welt von diesem Land aus kundtun, das in der Mitte Europas liegt – eines Europas, das dem Evangelium und seinen Zeugen im Laufe der Jahrhunderte viel verdankt.

Ich werde mich nun als Pilger zum Kölner Dom begeben, um dort die Reliquien der Heiligen Drei Könige zu verehren, die bereit waren, alles zu verlassen, um dem Stern zu folgen, der sie zum Retter des Menschengeschlechts führte. Auch Ihr, liebe Jugendliche, hattet schon die Gelegenheit oder werdet sie noch haben, dieselbe Wallfahrt zu machen. Diese Reliquien sind nur das hinfällige und ärmliche Zeichen dessen, was die Sterndeuter waren und was sie vor schon so vielen Jahrhunderten erlebten. Die Reliquien führen uns zu Gott selbst: Er ist es nämlich, der mit der Kraft seiner Gnade schwachen Menschen den Mut verleiht, ihn vor der Welt zu bezeugen.

Wenn die Kirche uns einlädt, die sterblichen Reste der Märtyrer und der Heiligen zu verehren, vergisst sie nicht, dass es sich letztlich zwar um armselige menschliche Gebeine handelt; aber diese Gebeine gehörten Menschen, die von der lebendigen Macht Gottes durchdrungen worden sind.

Die Reliquien der Heiligen sind Spuren jener unsichtbaren aber wirklichen Gegenwart, welche die Finsternis der Welt erhellt, indem sie das Reich Gottes sichtbar macht, das in uns ist. Mit uns und für uns rufen sie: „Maranatha!“ – „Komm, Herr Jesus!“ Meine Freunde, mit diesen Worten verabschiede ich mich von Euch und sage Euch allen ein herzliches „Auf Wiedersehen“ in der Vigilfeier am Samstagabend!

Ansprache an die Jugendlichen aus aller Welt auf dem Roncalliplatz

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich freue mich, dass ich heute Abend bei Ihnen sein kann in dieser Stadt Köln, an die mich so viele schöne Erinnerungen binden. Ich habe ja die ersten Jahre meines akademischen Lehramts in Bonn verbracht, unvergessene Jahre des Aufbruchs, der Jugend, der Hoffnung vor dem Konzil, Jahre, in denen ich immer wieder nach Köln gekommen bin und dieses Rom des Nordens lieben gelernt habe. Hier spürt man die große Geschichte, und der Strom gibt Weltoffenheit. Es ist ein Ort der Begegnung, der Kulturen. Ich habe immer den Witz, den Humor, die Fröhlichkeit und die Intelligenz der Kölner geliebt. Aber ebenso muss ich sagen, die Katholizität, die den Kölnern tief im Blut steckt, denn hier gibt es seit ungefähr zweitausend Jahren Christen, und so hat sich das Katholische tief in den Charakter der Kölner eingetragen im Sinne einer fröhlichen Gläubigkeit. Darüber freuen wir uns heute. Köln kann auch den jungen Menschen etwas von seiner fröhlichen Katholizität vermitteln, die alt und zugleich ganz jung ist.

Besonders schön war es für mich, dass mir der damalige Erzbischof Kardinal Frings von Anfang an sein ganzes Vertrauen geschenkt und eine wirklich väterliche Freundschaft mit mir entwickelt hat. Er hat mir dann das große Geschenk gemacht, obwohl ich jung und unerfahren war, mich zu seinem Konzilstheologen zu ernennen und mit nach Rom zu nehmen, so dass ich an seiner Seite am Zweiten Vatikanischen Konzil teilnehmen und dieses ungewöhnliche große historische Ereignis aus nächster Nähe miterleben, ja sogar ein klein wenig mitgestalten durfte.

Damals habe ich dann auch Kardinal Höffner kennen gelernt, der zu der Zeit Bischof von Münster war und mit dem mich gleichfalls eine große, lebendige Freundschaft verbunden hat. Gottlob ist diese Kette der Freundschaften nicht abgerissen. Kardinal Meisner ist mir seit langem ein Freund, so dass ich immerfort von Kardinal Frings an, über Höffner bis Meisner mich in Köln zu Hause fühlen durfte.

Jetzt, glaube ich, ist der Augenblick, sehr laut und aus tiefem Herzen vielen Dank zu sagen. Wir danken zuerst dem Lieben Gott, der uns den schönen blauen Himmel geschenkt hat und diese Tage fühlbar segnet. Wir danken der Muttergottes, die die Regie des Weltjugendtags in die Hand genommen hat. Ich danke Kardinal Meisner und allen seinen Helfern, Kardinal Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, mit ihm all den Bischöfen der deutschen Diözesen, im Besonderen dem Organisationskomitee von Köln, doch auch den Diözesen und den örtlichen Gemeinden, die in diesen letzten Tagen die Jugendlichen aufgenommen haben.

Ich kann mir vorstellen, wie viel Einsatz das alles gekostet hat und wie viele Opfer zu bringen waren, und ich wünsche mir, dass es Frucht bringen möge für das geistliche Gelingen dieses Weltjugendtages. Endlich ist es mir ein Anliegen, den zivilen und militärischen Autoritäten, den Verantwortlichen auf kommunaler und regionaler Ebene, den Polizeikorps und den Sicherheitsbeamten Deutschlands und des Landes Nordrhein-Westfalen meinen tief empfundenen Dank auszusprechen. In der Person des Bürgermeisters dieser Stadt danke ich der ganzen Bevölkerung von Köln für das Verständnis, das sie angesichts der „Invasion“ so vieler Jugendlicher aus aller Welt bewiesen hat.

Ohne die Heiligen Drei Könige, welche die Geschichte, die Kultur und den Glauben Kölns so sehr beeinflusst haben, wäre die Stadt nicht das, was sie ist. Hier feiert die Kirche in gewisser Weise das ganze Jahr hindurch das Fest der Erscheinung des Herrn! Deswegen wollte ich, bevor ich die lieben Kölner begrüße, zuallererst beim Reliquiar der Heiligen Drei Könige sein, dort mich im Gebet sammeln und Gott danken für ihr Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Sie wissen, dass im Jahr 1164 die Reliquien dieser Weisen aus dem Orient in Begleitung des Erzbischofs von Köln, Reinald von Dassel, von Mailand kommend die Alpen überquert haben, um nach Köln zu gelangen, wo sie mit großem Jubel empfangen worden sind.

Sie haben bei ihrer Reise durch Europa deutliche Spuren hinterlassen, die noch heute in den Ortsnamen und in der Volksfrömmigkeit fortbestehen. Köln hat für die Heiligen Drei Könige das kostbarste Reliquiar der gesamten christlichen Welt anfertigen lassen und darüber gleichsam ein noch größeres Reliquiar errichtet, den Kölner Dom. Mit Jerusalem, der „Heiligen Stadt“, mit Rom, der „Ewigen Stadt“, und mit Santiago de Compostela in Spanien ist Köln dank der Heiligen Drei Könige im Laufe der Jahrhunderte zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des christlichen Westens geworden.

Ich möchte jetzt nicht sozusagen ein allumfassendes Ruhmlied auf Köln anstimmen, obwohl dies eigentlich sinnvoll und möglich wäre. Es würde zu lange dauern, weil zu viel Großes und Schönes über Köln zu sagen ist. Dennoch möchte ich daran erinnern, dass wir hier die heilige Ursula mit ihren Gefährtinnen verehren, dass im Jahr 745 der Heilige Vater den heiligen Bonifatius zum Erzbischof von Köln ernannt hat, dass in dieser Stadt Albertus Magnus, einer der größten Gelehrten des Mittelalters, gewirkt hat und seine Gebeine in der St.Andreas-Kirche hier ganz in der Nähe ruhen, dass Thomas von Aquin, der größte Theologe des Abendlandes, hier gelernt und gelehrt hat, dass in dieser Stadt Adolph Kolping im 19. Jahrhundert ein wichtiges soziales Werk gegründet hat, dass Edith Stein, die jüdische Konvertitin, hier in Köln im Karmel war, bevor sie in den Echter Karmel fliehen musste, von wo aus sie nach Auschwitz deportiert wurde und dort den Märtyrertod erlitt.

Mit diesen und all den anderen bekannten und unbekannten Gesichtern hat Köln ein großes Erbe der Heiligen. Ich möchte wenigstens noch erwähnen, dass – soweit mir bekannt ist – hier in Köln einer der Drei Könige als ein Schwarzer, als ein König aus Afrika identifiziert und somit ein Vertreter des afrikanischen Kontinents als einer der ersten Zeugen Jesu Christi angesehen worden ist. Und schließlich ist noch zu betonen, dass hier in Köln die großen weltumspannenden beispielhaften karitativen Initiativen „Misereor“, „Adveniat“ und „Renovabis“ geboren worden sind.

Und jetzt seid Ihr, liebe junge Leute aus der ganzen Welt, Vertreter jener fernen Völker, die Christus durch die Sterndeuter kennen lernten und im neuen Gottesvolk vereinigt wurden in der Kirche, die Menschen aller Kulturen versammelt. Euch, liebe junge Menschen, kommt die Aufgabe zu, den universalen Atem der Kirche zu leben. Lasst Euch vom Feuer des Geistes entflammen, damit ein neues Pfingsten bei uns einkehren und die Kirche erneuern kann. Mögen durch Euch und Eure Altersgenossen in allen Teilen der Welt viele junge Menschen dahin gelangen, in Christus die wahre Antwort auf ihre Erwartungen zu finden und sich zu öffnen, um Ihn, das menschgewordene Wort Gottes, das gestorben und auferstanden ist, aufzunehmen, damit Gott in unserer Mitte ist und uns die Wahrheit, die Liebe und damit die Freude schenkt, auf die wir alle zugehen wollen. Der Herr segne diese Tage.

Freitag, den 19. August 2005

Ansprache anlässlich des Besuches in der Kölner Synagoge

Verehrte jüdische Autoritäten,
verehrte Damen und Herren,

ich darf die Anreden, die wir vorhin hörten, alle auch von mir gesagt voraussetzen. Schalom lêchém! Es war mir ein tiefes Anliegen, anlässlich meines ersten Besuches in Deutschland nach der Wahl zum Nachfolger Petri der jüdischen Gemeinde von Köln und den Vertretern des deutschen Judentums zu begegnen. Ich möchte mit diesem Besuch an das Ereignis des 17. November 1980 anknüpfen, als mein verehrter Vorgänger, Papst Johannes Paul II., auf seiner ersten Deutschland-Reise in Mainz dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Rabbinerkonferenz begegnete.

Auch bei dieser Gelegenheit möchte ich versichern, dass ich beabsichtige, den Weg der Verbesserung der Beziehungen und der Freundschaft mit dem jüdischen Volk, auf dem Papst Johannes Paul II. entscheidende Schritte getan hat, mit voller Kraft weiterzuführen (vgl. Ansprache an die Delegation des International Jewish Committee on Interreligious Consultations, in: O.R. dt., Nr. 24, 17.6.2005, S. 7).

Die jüdische Gemeinde von Köln darf sich in dieser Stadt wirklich „zu Hause“ fühlen. Tatsächlich ist dies der älteste Sitz einer jüdischen Gemeinde auf deutschem Boden: Sie reicht zurück – wir haben es genauer gehört – bis in das Köln der Römerzeit. Die Geschichte der Beziehungen zwischen jüdischer und christlicher Gemeinde ist komplex und oft schmerzlich. Es gab gottlob Perioden guter Nachbarschaft, doch es gab auch die Vertreibung der Juden aus Köln im Jahr 1424.

Im 20. Jahrhundert hat dann in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie zu dem staatlich geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums geführt, zu dem, was als die Schoah in die Geschichte eingegangen ist. Diesem unerhörten und bis dahin auch unvorstellbaren Verbrechen sind allein in Köln 11.000 namentlich bekannte – in Wirklichkeit sicher erheblich mehr – Juden zum Opfer gefallen. Weil man die Heiligkeit Gottes nicht mehr anerkannte, wurde auch die Heiligkeit menschlichen Lebens mit Füßen getreten.

In diesem Jahr 2005 gedenken wir des 60. Jahrestags der Befreiung aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, in deren Gaskammern Millionen von Juden – Männer, Frauen und Kinder – umgebracht und in den Krematorien verbrannt worden sind. Ich mache mir zu eigen, was mein verehrter Vorgänger zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz geschrieben hat und sage ebenfalls: „Ich neige mein Haupt vor all denen, die diese Manifestation des ,mysterium iniquitatis‘ erfahren haben.“ Die fürchterlichen Geschehnisse von damals müssen „unablässig die Gewissen wecken, Konflikte beenden und zum Frieden ermahnen“ (Botschaft zur Befreiung von Auschwitz, 15. Januar 2005, in: O.R. dt., Nr. 5, 4.2.2005, S. 7). Gemeinsam müssen wir uns auf Gott und seinen weisen Plan für die von ihm erschaffene Welt besinnen: Er ist – wie das Buch der Weisheit mahnt – „ein Freund des Lebens“ (11,26).

Ebenfalls in diesem Jahr – wir hörten es – sind es vierzig Jahre her, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Erklärung Nostra aetate promulgiert und damit neue Perspektiven in den jüdisch-christlichen Beziehungen eröffnet hat, die durch Dialog und Partnerschaft gekennzeichnet sind. Im vierten Kapitel erinnert diese Erklärung an unsere gemeinsamen Wurzeln und an das äußerst reiche geistliche Erbe, das Juden und Christen miteinander teilen. Sowohl die Juden als auch die Christen erkennen in Abraham ihren Vater im Glauben (vgl. Gal 3,7; Röm 4,11 f.) und berufen sich auf die Lehren Moses’ und der Propheten. Die Spiritualität der Juden wird wie die der Christen aus den Psalmen gespeist. Mit dem Apostel Paulus sind wir Christen überzeugt, dass „Gnade und Berufung, die Gott gewährt, unwiderruflich sind“ (Röm 11,29; vgl. 9,6.11; 11,1 f.). In Anbetracht der jüdischen Wurzeln des Christentums (vgl. Röm 11,16-24) hat mein verehrter Vorgänger in Bestätigung eines Urteils der deutschen Bischöfe gesagt: „Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum“ (Insegnamenti, Bd. III/2, 1980, S. 1272; deutsche Übersetzung in: Die Kirchen und das Judentum. Dokumente von 1945-1985, Paderborn/München 1989, S. 74).

Deshalb beklagt die Konzilserklärung Nostra aetate „alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von wem auch immer gegen das Judentum gerichtet haben“ (Nr. 4). Gott hat uns alle – wir hörten es am Anfang im Schöpfungsbericht – „als sein Abbild“ (Gen 1,27) geschaffen und uns alle dadurch mit einer transzendenten Würde ausgezeichnet. Vor Gott besitzen alle Menschen die gleiche Würde, unabhängig davon, welchem Volk, welcher Kultur oder Religion sie angehören. Aus diesem Grund spricht die Erklärung Nostra aetate auch mit großer Hochachtung von den Muslimen (vgl. Nr. 3) und den Angehörigen anderer Religionen (vgl. Nr. 2). Aufgrund der allen gemeinsamen Menschenwürde – so heißt es dort – „verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen“ als einen Akt, der im Widerspruch zum Willen Christi steht (vgl. ebd., Nr. 5).

Die Kirche, so sagt das Dokument weiter, weiß sich verpflichtet, diese Lehre in der Katechese für die jungen Menschen und in jedem Aspekt ihres Lebens an die nachwachsenden Generationen, die selbst nicht mehr Zeugen der schrecklichen Ereignisse vor und während des Zweiten Weltkriegs waren, weiterzugeben. Das ist insofern eine Aufgabe von besonderer Bedeutung, als heute leider erneut Zeichen des Antisemitismus und Formen allgemeiner Fremdenfeindlichkeit auftauchen. Sie müssen uns Grund zur Sorge und zur Wachsamkeit sein. Die katholische Kirche – das möchte ich auch bei dieser Gelegenheit wieder betonen – tritt ein für Toleranz, Respekt, Freundschaft und Frieden unter allen Völkern, Kulturen und Religionen.

In den vierzig Jahren seit der Erklärung Nostra aetate ist in Deutschland und auf internationaler Ebene vieles zur Verbesserung und Vertiefung des Verhältnisses zwischen Juden und Christen getan worden. Neben den offiziellen Beziehungen sind besonders dank der Zusammenarbeit unter den Bibelwissenschaftlern viele Freundschaften entstanden. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die verschiedenen Erklärungen der Deutschen Bischofskonferenz und an die segensreiche Tätigkeit der „Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit“, die dazu beigetragen haben, dass sich die jüdische Gemeinde seit 1945 hier in Köln wirklich wieder „zu Hause“ fühlen kann und zu einem guten nachbarschaftlichen Zusammenleben mit den christlichen Gemeinden gefunden hat. Vieles bleibt freilich noch zu tun. Wir müssen uns noch viel mehr und viel besser gegenseitig kennen lernen. Deshalb möchte ich ausdrücklich ermutigen zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen. Nur so wird es möglich sein, zu einer beiderseits akzeptierten Interpretation noch strittiger historischer Fragen zu gelangen und vor allem Fortschritte in der theologischen Einschätzung der Beziehung zwischen Judentum und Christentum zu machen. Ehrlicherweise kann es in diesem Dialog nicht darum gehen, die bestehenden Unterschiede zu übergehen oder zu verharmlosen: Auch und gerade in dem, was uns aufgrund unserer tiefsten Glaubensüberzeugung voneinander unterscheidet, müssen wir uns gegenseitig respektieren und lieben.

Schließlich sollte unser Blick nicht nur zurück in die Geschichte gehen, er sollte ebenso vorwärts auf die heutigen und morgigen Aufgaben gerichtet sein. Unser reiches gemeinsames Erbe und unsere an wachsendem Vertrauen orientierten geschwisterlichen Beziehungen verpflichten uns, gemeinsam ein noch einhelligeres Zeugnis zu geben und praktisch zusammenzuarbeiten in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für Frieden in der Welt. Der Dekalog (vgl. Ex 20; Dtn 5) ist für uns gemeinsames Erbe und gemeinsame Verpflichtung. Die „Zehn Gebote“ sind nicht Last, sondern Wegweiser zu einem geglückten Leben. Sie sind es besonders für die jungen Menschen, die ich in diesen Tagen treffe und die mir so sehr am Herzen liegen. Ich wünsche mir, dass sie den Dekalog, diese unsere gemeinsame Grundlage, als die Leuchte für ihre Schritte und als Licht für ihre Pfade erkennen, wie es der Psalm 119 sagt (vgl. Ps 119,105).

Die Erwachsenen tragen die Verantwortung, den jungen Menschen die Fackel der Hoffnung weiterzureichen, die Juden wie Christen von Gott geschenkt worden ist, damit die Mächte des Bösen „nie wieder“ die Herrschaft erlangen und die künftigen Generationen mit Gottes Hilfe eine gerechtere und friedvollere Welt errichten können, in der alle Menschen das gleiche Bürgerrecht besitzen.

Ich schließe mit den Worten aus Psalm 29, die ein Glückwunsch und zugleich ein Gebet sind: „Der Herr gebe Kraft seinem Volk. Der Herr segne sein Volk mit Frieden.“

Möge er uns erhören!

Ansprache beim Treffen mit Seminaristen in der Kirche Sankt Pantaleon

Liebe Mitbrüder im Bischofsund Priesteramt,
liebe Seminaristen!

Ich begrüße Euch alle sehr herzlich und danke Euch für Euren freudigen Empfang und vor allem dafür, dass Ihr zu diesem Treffen aus zahlreichen Ländern der fünf Kontinente gekommen seid, so dass wir hier wirklich ein Spiegelbild der weltweiten katholischen Kirche sind. Ich danke vor allem dem Seminaristen, dem Priester und dem Bischof, die uns ihr persönliches Zeugnis geschenkt haben, und ich muss sagen, es ist mir zu Herzen gegangen, diese Wege zu sehen, auf denen der Herr Menschen unerwartet und gegen ihr eigenes Vorhaben zum Priestertum geführt hat. Ganz herzlichen Dank! Ich freue mich über diese Begegnung.

Ich wollte – das ist ja auch gesagt worden –, dass in das Programm dieser Kölner Tage ein spezielles Treffen mit den jungen Seminaristen eingeplant werde, damit die Dimension der Berufung, die in den Weltjugendtagen eine immer größere Rolle spielt, auch wirklich hier in ihrer ganzen Bedeutung sichtbar wird. Der Regen von oben zeigt uns doch auch Segen an, denke ich. Ihr seid Seminaristen, das heißt junge Männer, die sich im Hinblick auf eine wichtige Aufgabe in der Kirche in einer intensiven Zeit der Suche nach persönlicher Beziehung zu Christus, nach der Begegnung mit ihm befinden. Denn das ist das Seminar: weniger ein Ort als ein bedeutsamer Abschnitt im Weg, im Leben eines Jüngers Jesu. Ich stelle mir vor, welche Resonanz die Worte des Themas dieses XX. Weltjugendtags – „Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“ – und die ganze bewegende Geschichte von diesen suchenden Weisen und von ihrem Finden in Euren Herzen auslöst. Jeder auf seine Weise – denken wir an die drei Zeugnisse, die wir gehört haben – ist so einer, der einen Stern sieht, der sich auf den Weg macht, der auch Dunkel erleben muss und der mit den Führungen Gottes dann an das Ziel kommen kann.

Dieser Evangelien-Abschnitt über das Suchen und Finden der Weisen hat eine einzigartige Bedeutung gerade für Euch, liebe Seminaristen, weil ihr ja im Begriff seid, den Weg der Unterscheidung – es ist ein wirklicher Weg – und der Prüfung der Berufung zum Priestertum zu vollenden. Darüber möchte ich noch ein paar Gedanken vorlegen.

Warum gingen die Sterndeuter aus fernen Ländern nach Betlehem? Die Antwort ist mit dem Geheimnis der „Sterns“ verbunden, den sie „aufgehen“ sahen und den sie als den Stern des „Königs der Juden“ identifizierten, das heißt als Zeichen der Geburt des Messias (vgl. Mt 2,2). Ihre Reise war also durch eine Kraft der Hoffnung ausgelöst, die nun im Stern ihre Bestätigung und Wegweisung erhielt – hin zum „König der Juden“, zum Königtum Gottes selbst. Denn das ist der Sinn unseres Weges, dem Königtum Gottes in der Welt zu dienen. Die Sterndeuter brachen auf, weil sie ein tiefes Sehnen in sich verspürten, das sie drängte, alles zu verlassen und sich auf den Weg zu machen. Es war, als hätten sie diesen Stern schon immer erwartet, als sei diese Reise schon von Ewigkeit her in ihr Schicksal eingeschrieben gewesen und käme jetzt endlich zur Verwirklichung.

Liebe Freunde, das ist das Geheimnis des Rufes, der Berufung – ein Geheimnis, welches das Leben jedes Christen angeht, das aber bei denen deutlicher hervortritt, die Christus einlädt, alles zu verlassen, um ihm in engerer Verbindung nachzufolgen. Der Seminarist erlebt die Schönheit der Berufung in dem Moment, den wir als die Zeit des „Verliebtseins“ bezeichnen könnten. Sein Inneres ist erfüllt von einem Staunen, das ihn betend sagen lässt: „Herr, warum gerade ich?“ Doch die Liebe kennt kein „Warum“, sie ist ungeschuldetes Geschenk, auf das man mit dem Geschenk seiner selbst antwortet.

Das Seminar ist eine Zeit, die zur Ausbildung und zur Unterscheidung bestimmt ist. Die Ausbildung hat, wie Ihr wisst, verschiedene Dimensionen, die in der Einheit der Person zusammenlaufen: Sie umfasst den menschlichen, den geistig-geistlichen und den kulturellen Bereich. Ihr tiefstes Ziel ist es, den Gott von innen her kennen zu lernen, der uns in Jesus Christus sein Gesicht gezeigt hat. Darum ist ein gründliches Studium der Heiligen Schrift sowie des Glaubens und des Lebens der Kirche notwendig, in der diese Schrift lebendiges Wort bleibt. All dies muss in Zusammenhang stehen mit dem Fragen unserer Vernunft und so mit dem Kontext unseres menschlichen Lebens heute. Dieses Studium mag manchmal mühsam erscheinen, aber es ist ein unersetzlicher Teil unserer Begegnung mit Christus und unserer Berufung, ihn zu verkündigen. Alles soll dazu dienen, eine kohärente und ausgeglichene Persönlichkeit zu entfalten, die imstande ist, die priesterliche Aufgabe gültig zu übernehmen und dann verantwortlich zu erfüllen. Entscheidend ist die Rolle der Ausbildenden: Die Qualität des Priesterkollegiums in einer Teilkirche hängt zum guten Teil von der des Seminars ab und damit von der Qualität derjenigen, die für die Ausbildung verantwortlich sind.

Liebe Seminaristen, gerade aus diesem Grund beten wir heute mit herzlicher Dankbarkeit für all Eure Oberen, Professoren und Erzieher, deren geistige Anwesenheit hier bei unserem Treffen wir spüren. Bitten wir den Herrn, dass sie die ihnen anvertraute so wichtige Aufgabe auf beste Weise erfüllen können. Das Seminar ist eine Zeit des Weges, der Suche, vor allem aber der Entdeckung Christi. Tatsächlich kann der junge Mensch nur in dem Maße, wie er Christus persönlich erfährt, dessen Willen und damit die eigene Berufung in Wahrheit erkennen. Je besser Du Jesus kennst, umso mehr zieht Dich sein Geheimnis an; je tiefer Du ihm begegnest, um so mehr drängt es Dich, ihn zu suchen. Das ist eine Bewegung des Geistes, die das ganze Leben hindurch fortdauert und die im Seminar eine Zeit voller Verheißungen erfährt, sozusagen ihren „Frühling“.

In Betlehem angekommen – so sagt die Heilige Schrift –, gingen die Sterndeuter „in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und beteten es an“ (Mt 2,11). Das ist endlich der so sehr erwartete Augenblick: die Begegnung mit Jesus. „Sie gingen in das Haus“: Dieses Haus stellt in gewisser Weise die Kirche dar. Um dem Retter zu begegnen, muss man in das Haus eintreten, das die Kirche ist.

Während der Seminarzeit vollzieht sich im Bewusstsein des jungen Seminaristen ein ganz bedeutender Reifungsprozess: Er sieht die Kirche nicht mehr „von außen“, sondern empfindet sie sozusagen „von innen“, als sein „Haus“, weil sie das Haus Christi ist, wo „Maria, seine Mutter“ wohnt. Und gerade die Mutter ist es, die ihm Jesus, ihren Sohn zeigt, ihn ihm vorstellt und ihm ermöglicht, ihn gewissermaßen zu sehen, zu berühren und in die Arme zu nehmen. Maria lehrt ihn, Jesus mit den Augen des Herzens zu betrachten und von ihm zu leben. In jedem Augenblick des Seminarlebens kann man diese liebevolle Gegenwart der Mutter des Herrn spüren, die jeden in die Begegnung mit Christus einführt, im Schweigen der Meditation, im Gebet und in der Brüderlichkeit. Maria hilft, dem Herrn vor allem in der Eucharistiefeier zu begegnen, wenn er im Wort und im verwandelten Brot zu unserer täglichen geistigen Nahrung wird.

„Da fielen sie nieder und beteten es an... Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar“ (Mt 2,11-12). Das ist der Höhepunkt des ganzen Weges: Die Begegnung wird zur Anbetung, mündet in einen Akt des Glaubens und der Liebe, der in dem von Maria geborenen Jesus den menschgewordenen Sohn Gottes erkennt. Ist nicht in der Geste der Sterndeuter bereits der Glaube des Simon Petrus und der anderen Jünger, der Glaube des Paulus und aller anderen Heiligen, insbesondere der heiligen Seminaristen und Priester vorgebildet, die die zweitausend Jahre der Geschichte der Kirche gekennzeichnet haben? Das Geheimnis der Heiligkeit ist die Freundschaft mit Christus und die treue Zustimmung zu seinem Willen. „Christus ist für uns alles“, sagte der hl. Ambrosius, und der hl. Benedikt ermahnte, der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen. Möge Christus für Euch alles sein. Vor allem Ihr, liebe Seminaristen, bringt ihm das Kostbarste dar, was Ihr besitzt, wie der verehrte Johannes Paul II. in seiner Botschaft für diesen Weltjugendtag vorschlug: das Gold Eurer Freiheit, den Weihrauch Eures Gebets, die Myrrhe Eurer tiefsten Liebe (vgl. Nr. 4).

Das Seminar ist die Zeit der Vorbereitung auf die Sendung. Die Weisen aus dem Orient „kehrten zurück“ in ihr Land, und sicher legten sie Zeugnis ab von ihrer Begegnung mit dem König der Juden. Auch Ihr werdet nach dem langen und notwendigen Ausbildungsgang des Seminars ausgesendet werden, um geweihte Diener Christi zu sein; jeder von Euch wird als ein „alter Christus“ zu den Menschen zurückkehren. Auf ihrer Heimreise mussten die Sterndeuter sich sicher mit Gefahren, Mühen, Verirrungen und Zweifeln auseinandersetzen... Der Stern, der sie geführt hatte, war nicht mehr da! Inzwischen trugen sie das Licht in sich. Ihnen oblag es nun, es zu hüten und zu nähren in der ständigen Erinnerung an Christus, an sein heiliges Angesicht, an seine unbeschreibliche Liebe.

Liebe Seminaristen! So Gott will, werdet auch Ihr eines Tages, vom Heiligen Geist geweiht, Eure Sendung beginnen. Erinnert Euch immer an die Worte Jesu: „Bleibt in meiner Liebe“ (Joh 15,9). Wenn Ihr bei Christus, mit Christus und in Christus bleibt, werdet Ihr, wie er verheißen hat, reiche Frucht bringen. Nicht Ihr habt ihn erwählt – das haben wir gerade in den Zeugnissen gehört –, sondern er hat Euch erwählt (vgl. Joh 15,16): Das ist das Geheimnis Eurer Berufung und Eurer Sendung! Es ist im unbefleckten Herzen Marias bewahrt; sie wacht mit mütterlicher Liebe über jeden von Euch. Wendet Euch oft und vertrauensvoll an Maria.

Ich versichere Euch allen meine Liebe und mein tägliches Gebet und erteile Euch von Herzen den Segen.

Ansprache beim Ökumenischen Treffen im erzbischöflichen Palais in Köln

Liebe Brüder und Schwestern in Christus, unserem gemeinsamen Herrn!

Sie gestatten mir, nach einem anstrengenden Tag sitzen zu bleiben. Das bedeutet nicht, daß ich »ex cathedra« reden will. Und ich muß auch um Entschuldigung bitten für meine Verspätung. Die Vesper hat leider länger gedauert als gedacht, und der Verkehr läuft auch langsamer, als man sich vorstellte. Um so mehr möchte ich jetzt meine Freude ausdrücken, daß ich bei meinem Besuch in Deutschland Ihnen, den Vertretern der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, begegnen und Sie sehr herzlich begrüßen darf.

Da ich selbst aus diesem Land komme, weiß ich um die Tragik, welche die Glaubensspaltung über viele Menschen und über viele Familien gebracht hat. Auch deshalb habe ich gleich nach meiner Wahl zum Bischof von Rom als Nachfolger des Apostels Petrus den festen Vorsatz geäußert, die Wiedererlangung der vollen und sichtbaren Einheit der Christen zu einer Priorität meines Pontifikats zu erheben. Ich wollte damit bewußt in die Fußstapfen zweier meiner großen Vorgänger treten: Papst Pauls VI., der vor nunmehr über vierzig Jahren das Konzilsdekret über den Ökumenismus, Unitatis redintegratio, unterzeichnete, und Johannes Pauls II., der dann dieses Dokument zur Richtschnur seines Handelns machte.

Deutschland kommt ganz ohne Zweifel im ökumenischen Dialog eine besondere Bedeutung zu. Wir sind das Ursprungsland der Reformation; Deutschland ist aber auch eines der Länder, von denen die ökumenische Bewegung des 20. Jahrhunderts ausging. Infolge der Wanderungsbewegungen des vergangenen Jahrhunderts haben auch orthodoxe und altorientalische Christen in diesem Land eine neue Heimat gefunden. Das hat zweifellos die Gegenüberstellung und den Austausch gefördert, daß wir gleichsam nun im »Trialog« miteinander stehen. Gemeinsam freuen wir uns festzustellen, daß der Dialog im Laufe der Zeit zu einer Wiederentdeckung unserer Geschwisterlichkeit geführt und unter den Christen der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften ein offeneres und vertrauensvolleres Klima geschaffen hat. Mein verehrter Vorgänger hat in seiner Enzyklika Ut unum sint (1995) gerade das als ein besonders bedeutendes Ergebnis des Dialogs bezeichnet (vgl. 41f.; 64). Und ich finde, es ist gar nicht so selbstverständlich, daß wir uns wirklich als Geschwister sehen, daß wir sozusagen einander mögen, in dem Wissen, daß wir gemeinsam Zeugen Jesu Christi sind. Diese Geschwisterlichkeit ist, wie ich glaube, in sich ein ganz wichtiges Ergebnis des Dialogs, dessen wir froh sein und den wir immer weiter pflegen und praktizieren sollten.

Die Geschwisterlichkeit unter den Christen ist nicht einfach ein vages Gefühl, und ebensowenig entspringt sie aus einer Art Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit. Sie ist – wie Sie, Herr Bischof, schon sagten – in der übernatürlichen Wirklichkeit der einen Taufe begründet, die uns alle in den einen Leib Christi einfügt (vgl. 1 Kor 12,13; Gal 3,28; Kol 2,12). Gemeinsam bekennen wir Jesus Christus als Gott und Herrn; gemeinsam erkennen wir ihn als einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen an (vgl. 1 Tim 2,5) und unterstreichen unser aller Zugehörigkeit zu ihm (vgl. Unitatis redintegratio, 22; Ut unum sint, 42). Auf dieser wesentlichen Grundlage der Taufe, die eine Realität von ihm her ist – eine Realität im Sein und dann im Bekennen, im Glauben und im Tun –, auf dieser entscheidenden Grundlage hat der Dialog seine Früchte gebracht und wird sie weiter bringen.

Ich erinnere nur an die Untersuchungen der beiderseitigen Verwerfungen, die von Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Deutschlandbesuch angestoßen worden sind. Ein wenig nostalgisch denke ich an diesen ersten Besuch zurück. Ich durfte dabei sein, als wir in Mainz in einer relativ kleinen, wirklich brüderlichen Runde beisammen saßen, wo dann auch Fragen gestellt wurden und der Papst eine große theologische Vision entwickelte, in der das Miteinander seinen Raum hatte. Aus diesem Gespräch ist dann die Kommission hervorgegangen, die auf bischöflicher, also kirchlicher Ebene und unter kirchlicher Verantwortung mit Hilfe der Theologen schließlich zu diesem ganz wichtigen Ergebnis der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 kam und eine Einigung in einer Grundfrage brachte, die im Kern des Streites steht, der im 16. Jahrhundert entstanden war.

Dankbar anzuerkennen sind auch die Ergebnisse, die in einer Reihe von gemeinsamen Stellungnahmen zu wichtigen Themen wie den Grundfragen zum Schutz des Lebens und zur Förderung von Gerechtigkeit und Frieden bestehen. Ich weiß sehr wohl, daß viele Christen in Deutschland – und nicht nur hier – sich weitere konkrete Schritte der Annäherung erwarten, und auch ich erwarte sie. In der Tat, es ist das Gebot des Herrn, aber auch ein Gebot der Stunde, den Dialog auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens entschieden weiterzuführen. Das muß – darüber sind wir uns ja einig – in Wahrhaftigkeit und Realismus geschehen, mit Geduld und Ausdauer, in Treue zur Stimme des eigenen Gewissens, in dem Wissen, daß es der Herr ist, der dann die Einheit gibt, daß nicht wir sie machen, sondern er sie gibt, daß wir ihm aber entgegengehen müssen.

Ich möchte hier kein Programm für die nun anstehenden Themen des Dialogs entwickeln – das müssen die Theologen in Verbindung mit den Bischöfen tun: die Theologen aus ihrer Kenntnis des Problemstandes, die Bischöfe aus ihrer Kenntnis der konkreten Situation der Kirchen in unserem Land und in der Welt. Ich erlaube mir trotzdem eine kleine Anmerkung: Man sagt, wir sind jetzt, nachdem die Rechtfertigungslehre geklärt ist, dabei angelangt, die ekklesiologischen Fragen, die Amtsfrage, als das noch bleibende Haupthindernis zu bearbeiten. Das ist natürlich im letzten wahr, aber ich muß auch sagen, daß ich diese Terminologie und in gewisser Hinsicht diese Einengung des Problems nicht liebe, denn es sieht so aus, als ob wir nun um die Institutionen streiten müßten und nicht mehr eigentlich um das Wort Gottes; als ob wir nun unsere gebauten Institutionen beleuchten und um sie streiten müßten. Ich denke, damit ist das ekklesiologische Problem wie das Problem des kirchlichen Ministeriums nicht ganz richtig benannt. Die eigentliche Frage ist doch die der Weise der Gegenwart des Wortes Gottes in der Welt. Die alte Kirche hat etwa im 2. Jahrhundert einen dreifachen Entscheid gefällt: den Kanon festzulegen und damit die Souveränität des Gotteswortes herauszustellen; klarzustellen, daß nicht nur das Alte Testament »hai graphai« ist, sondern daß das Neue Testament mit ihm die eine Schrift bildet und so als unser wahrer Souverän für uns steht.

Gleichzeitig aber hat sie die apostolische Sukzession, das Bischofsamt, formuliert in dem Wissen darüber, daß Wort und Zeuge zueinandergehören, daß also das Wort nur durch den Zeugen lebendig gegenwärtig ist und auch sozusagen seine Auslegung empfängt, daß aber wiederum der Zeuge nur Zeuge ist, wenn er Zeuge für das Wort ist.

Und als drittes hat sie dem schließlich als Auslegungsschlüssel die »regula fidei« hinzugefügt. Ich glaube, dieses Ineinander ist zwischen uns – so sehr wir vielleicht über Grundlegendes einig sind – strittig. Wenn wir also von Ekklesiologie und Amt sprechen, sollten wir – denke ich – lieber über diese Verflechtung von Wort und Zeuge und Glaubensregel sprechen und sie als die ekklesiologische Frage und damit zugleich als die Frage des Gotteswortes, seiner Souveränität und seiner Demut ansehen, in der der Herr es auch den Zeugen anvertraut und Auslegung gewährt, die sich freilich immer an der »regula fidei« und am Ernst des Wortes selbst zu messen hat. Entschuldigen Sie, wenn ich da ein bißchen eine private Idee ausdrücke, aber mir schien, es sei doch recht, das zu tun.

Eine dringende Priorität im ökumenischen Dialog bilden die großen ethischen Fragen, die unsere Zeit stellt; hier erwarten die fragenden Menschen von heute mit Recht eine gemeinsame Antwort der Christen. Gottlob gelingt sie in vielen Fällen. Es gibt so viele gemeinsame Erklärungen der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland, daß man da nur dankbar sein kann. Aber – Gott sei es geklagt – nicht immer gelingt das. Durch Widersprüche in diesem Bereich verlieren das Zeugnis für das Evangelium und die ethische Orientierung, die wir den Menschen und der Gesellschaft geben müßten, an Kraft und nehmen oft vage Formen an, so daß wir unserer Zeit das nötige Zeugnis schuldig bleiben. Unsere Spaltungen stehen im Kontrast zum Willen Jesu und machen uns vor den Menschen unglaubwürdig. Ich denke, daß wir uns darum mit ganz neuer Energie und Anstrengung bemühen sollten, in diesen großen ethischen Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam Zeugnis zu geben.

Und nun die Frage: Worum geht es bei der Wiederherstellung der Einheit aller Christen? Wir alle wissen, es gibt viele Modelle von Einheit. Sie wissen auch, daß die katholische Kirche das Erreichen der vollen sichtbaren Einheit der Jünger Jesu Christi will, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil in verschiedenen Dokumenten definiert hat (vgl. Lumen gentium, 8; 13; Unitatis redintegratio 2; 4 u.a.). Diese Einheit besteht zum einen nach unserer Überzeugung unverlierbar in der katholischen Kirche (vgl. Unitatis redintegratio, 4); die Kirche ist ja nicht überhaupt verschwunden aus der Welt. Andererseits aber bedeutet diese Einheit dann doch auch nicht das, was man sozusagen »Rückkehr-Ökumenismus« nennen könnte: die eigene Glaubensgeschichte leugnen und ablegen zu müssen. Keineswegs! Sie bedeutet nicht Uniformität in allen Ausdrucksformen der Theologie und der Spiritualität, in den liturgischen Formen und in der Disziplin. Einheit in der Vielfalt und Vielfalt in der Einheit: In der Predigt am Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus am vergangenen 29. Juni habe ich hervorgehoben, daß volle Einheit und wahre Katholizität im ursprünglichsten Sinn des Wortes zusammengehen. Die notwendige Bedingung, damit dieses Miteinander sich verwirklichen kann, ist, daß der Einsatz für die Einheit ständig geläutert und erneuert wird, daß er beständig wächst und reift. Dazu kann der Dialog beitragen. Er ist mehr als ein Gedankenaustausch, ein akademisches Unterfangen: Er ist ein Austausch von Gaben (vgl. Ut unum sint, 28), in dem die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften die ihnen eigenen Reichtümer einbringen können (vgl. Lumen gentium, 8; 15; Unitatis redintegratio, 3; 14f.; Ut unum sint 10–14).

Dank diesem Einsatz kann der Weg Schritt für Schritt fortgesetzt werden bis zu dem Augenblick, wenn schließlich, wie der Epheserbrief sagt, »wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen« (Eph 4,13).

Es ist ganz offenkundig, daß ein solcher Dialog sich nur in einer Atmosphäre wahrhaftiger und angemessener Spiritualität entfalten kann. Allein mit unseren eigenen Kräften können wir die Einheit nicht »machen«. Wir können sie nur empfangen als Geschenk des Heiligen Geistes. Darum bildet der geistliche Ökumenismus, das heißt das Gebet, die Umkehr und die Heiligung des Lebens das Herz der ökumenischen Begegnung und Bewegung (vgl. Unitatis redintegratio, 8; Ut unum sint, 15f.; 21 u.a.). Man könnte auch sagen: Die beste Form des Ökumenismus besteht darin, nach dem Evangelium zu leben.

Ich möchte an dieser Stelle auch meinerseits des großen Wegbereiters der Einheit, Frère Roger Schutz, gedenken, der auf so tragische Weise aus dem Leben gerissen wurde. Ich habe ihn seit langer Zeit persönlich in herzlicher Freundschaft gekannt. Er hat mich oft besucht, und – wie ich schon in Rom sagen konnte – am Tag seiner Ermordung habe ich einen Brief von ihm erhalten, der mir zu Herzen gegangen ist, weil er seine Weggemeinschaft mit mir betont und mir ankündigt, daß er bald zu Besuch kommen will. Nun besucht er uns von oben her und redet uns zu. Ich denke, wir sollten ihm, seinem geistlich gelebten Ökumenismus von innen her zuhören und uns jetzt erst recht von diesem Zuspruch zu einem wahrhaft verinnerlichten und vergeistigten Ökumenismus führen lassen.

Ich sehe einen tröstlichen Grund zu Optimismus in der Tatsache, daß sich gegenwärtig eine Art geistliches »Netzwerk« bildet zwischen Katholiken und Christen der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften: Jeder einzelne setzt sich ein durch Gebet, Überprüfung des eigenen Lebens, Reinigung des Gedächtnisses und Öffnung in der Nächstenliebe. Der Vater des geistlichen Ökumenismus, Paul Couturier, hat in diesem Zusammenhang von einem »unsichtbaren Kloster« gesprochen, das in seinen Mauern diese für Christus und seine Kirche begeisterten Menschen versammelt.

Ich bin überzeugt: Wenn sich eine wachsende Anzahl von Menschen von innen her zutiefst dem Gebet des Herrn, »daß alle eins seien« (Joh 17,21), anschließt, dann wird ein solches Gebet in Jesu Namen nicht ins Leere gehen (vgl. Joh 14,13; 15,7.16 u.a.).

Mit der Hilfe von oben werden wir in den verschiedenen noch offenen Fragen durchführbare Lösungen finden, und die Sehnsucht nach Einheit wird schließlich ihre Erfüllung finden, wann und wie Er will. Jetzt gehen wir gemeinsam diesen Weg und wissen, daß gerade das gemeinsame Auf-dem-Weg-Sein eine Weise der Einheit ist. Wir danken dem Herrn dafür, und wir bitten ihn, daß er uns alle weiter führen möge.[2]

Samstag, den 20. August 2005

Ansprache bei der Begegnung mit Vertretern einiger muslimischer Gemeinschaften im Erzbischöflichen Haus

Liebe muslimische Freunde!

Es bereitet mir große Freude, Sie zu empfangen und herzlich zu begrüßen. Sie wissen, ich bin hier in Köln, um die Jugendlichen zu treffen, die aus allen Teilen Europas und der Welt gekommen sind. Die Jugendlichen sind die Zukunft der Menschheit und die Hoffnung der Nationen. Mein geliebter Vorgänger, Papst Johannes Paul II., sagte einmal zu den jungen Muslimen, die im Stadion von Casablanca in Marokko versammelt waren: „Die Jugendlichen können eine bessere Zukunft bauen, wenn sie sich vor allem im Glauben auf Gott ausrichten und sich dann bemühen, diese neue Welt nach dem Plan Gottes zu errichten, mit Weisheit und Vertrauen“ (Insegnamenti, VIII/2, 1985, S. 500). Aus dieser Blickrichtung wende ich mich an Sie, verehrte und liebe muslimische Freunde, um mit Ihnen meine Hoffnungen zu teilen und Sie in diesen besonders schwierigen Zeiten unserer aktuellen Geschichte auch an meinen Sorgen teilhaben zu lassen.

Ich bin sicher, auch Ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen, wenn ich unter allen Sorgen diejenige hervorhebe, die aus dem sich immer weiter ausbreitenden Phänomen des Terrorismus entspringt. Ich weiß, dass sehr viele von Ihnen auch öffentlich besonders jede Verknüpfung Ihres Glaubens mit dem Terrorismus entschieden zurückgewiesen und ihn eindeutig verurteilt haben. Dafür danke ich Ihnen, denn das fördert das Klima des Vertrauens, das wir brauchen.

In verschiedenen Teilen der Welt wiederholen sich fortlaufend terroristische Aktionen, die Menschen in Kummer und Verzweiflung stürzen. Die Ersinner und Planer dieser Attentate zeigen, dass sie unsere Beziehungen vergiften, das Vertrauen zerstören wollen. Sie bedienen sich aller Mittel, sogar der Religion, um jedem Bemühen um ein friedliches, entspanntes Zusammenleben entgegenzuwirken. Wir sind uns gottlob darüber einig, dass Terrorismus, welcher Herkunft er auch sei, eine perverse und grausame Entscheidung ist, die das unantastbare Recht auf Leben mit Füßen tritt und die Fundamente jedes geordneten Zusammenlebens untergräbt. Wenn es uns gemeinsam gelingt, das Hassgefühl aus den Herzen auszurotten, uns gegen jede Form von Intoleranz zu verwahren und uns jeder Manifestation von Gewalt zu widersetzen, dann werden wir gemeinsam die Welle des grausamen Fanatismus aufhalten, die das Leben so vieler Menschen aufs Spiel setzt und den Fortschritt des Friedens in der Welt behindert. Die Aufgabe ist schwer, aber nicht unmöglich. Der gläubige Mensch – und wir alle als Christen und als Muslime sind gläubige Menschen – weiß, dass er sich trotz der eigenen Schwäche auf die geistige Kraft des Gebetes verlassen kann.

Liebe Freunde, ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir, ohne dem negativen Druck der Umgebung zu weichen, die Werte der gegenseitigen Achtung, der Solidarität und des Friedens bekräftigen müssen. Das Leben jedes Menschen ist heilig, für die Christen wie für die Muslime. Wir haben ein großes Aktionsfeld, in dem wir uns im Dienst an den moralischen Grundwerten vereint fühlen dürfen. Die Würde der Person und die Verteidigung der Rechte, die sich aus dieser Würde ergeben, müssen Ziel und Zweck jedes sozialen Planes und jedes Bemühens zu dessen Durchsetzung sein.

Das ist eine Botschaft, welche die leise, aber deutliche Stimme des Gewissens in unverwechselbarer Weise skandiert. Es ist eine Botschaft, die man hören und zu Gehör bringen muss: Würde ihr Widerhall in den Herzen verstummen, wäre die Welt der Finsternis einer neuen Barbarei ausgesetzt. Nur über die Anerkennung der Zentralität der Person kann man eine gemeinsame Verständigungs-Grundlage finden, eventuelle kulturelle Gegensätze überwinden und die explosive Kraft der Ideologien neutralisieren.

In der Begegnung, die ich im April mit den Delegierten der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften und mit den Vertretern verschiedener religiöser Traditionen hatte, habe ich gesagt: „Ich versichere Ihnen, dass die Kirche fortfahren will, Brücken der Freundschaft mit den Anhängern aller Religionen zu bauen, mit dem Ziel, das echte Wohl jedes Menschen und der Gesellschaft im Ganzen zu suchen“ (vgl. L’Osservatore Romano, 25. April 2005, S. 4).

Die Erfahrung der Vergangenheit lehrt uns, dass sich die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen leider nicht immer durch gegenseitige Achtung und durch Verständnis ausgezeichnet haben. Wie viele Seiten der Geschichte verzeichnen Schlachten und Kriege, die auf der einen wie auf der anderen Seite unter Anrufung des Namens Gottes begonnen wurden, als ob die Bekämpfung des Feindes und die Tötung des Gegners etwas sein könnte, das Gott gefällt!

Die Erinnerung an diese traurigen Ereignisse müsste uns mit Scham erfüllen, denn wir wissen sehr wohl, was für Grausamkeiten im Namen der Religionen begangen worden sind. Die Lektionen der Vergangenheit müssen uns davor bewahren, die gleichen Fehler zu wiederholen. Wir wollen Wege der Versöhnung suchen und lernen, so zu leben, dass jeder die Identität des anderen respektiert. Die Verteidigung der Religionsfreiheit ist in diesem Sinne ein ständiger Imperativ und die Achtung der Minderheiten ein unanfechtbares Zeichen wahrer Zivilisation.

In diesem Zusammenhang ist es immer angebracht, an das zu erinnern, was die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils in Bezug auf die Beziehungen zu den Muslimen gesagt haben: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie bemühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft ... Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam, ermahnt die Heilige Synode [das Zweite Vatikanische Konzil] alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen“ (Erklärung Nostra aetate, 3). Diese Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils bleiben für uns die Magna Charta des Dialogs mit Ihnen, liebe muslimische Freunde, und ich freue mich, dass Sie aus dem gleichen Geist heraus zu uns gesprochen und diese Intentionen bestätigt haben.

Sie, verehrte Freunde, vertreten einige muslimische Gemeinschaften, die in diesem Land existieren, in dem ich geboren bin, studiert und einen Gutteil meines Lebens verbracht habe. Gerade darum war es mein Wunsch, Sie zu treffen. Sie führen die Gläubigen des Islam und erziehen sie im muslimischen Glauben. Die Lehre ist das Mittel zur Weitergabe von Vorstellungen und Überzeugungen. Das Wort ist der Hauptweg in der Erziehung des Geistes. Sie tragen deshalb eine große Verantwortung in der Erziehung der nachwachsenden Generationen. Ich bin dankbar zu hören, in welchem Geist Sie diese Verantwortung wahren. Gemeinsam müssen wir – Christen und Muslime – uns den zahlreichen Herausforderungen stellen, die unsere Zeit uns aufgibt. Für Apathie und Untätigkeit ist kein Platz und noch weniger für Parteilichkeit und Sektentum.

Wir dürfen der Angst und dem Pessimismus keinen Raum geben. Wir müssen vielmehr Optimismus und Hoffnung pflegen. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden.

Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt. Die Jugendlichen aus vielen Teilen der Erde sind hier in Köln als lebendige Zeugen für Solidarität, Brüderlichkeit und Liebe. Ich wünsche Ihnen, verehrte und liebe muslimische Freunde, von ganzem Herzen, dass der barmherzige und mitleidige Gott Sie beschütze, Sie segne und Sie immer erleuchte. Der Gott des Friedens erhebe unsere Herzen, nähre unsere Hoffnung und leite unsere Schritte auf den Straßen der Welt. Ich danke Ihnen.

Predigt bei der Vigil mit den Jugendlichen auf dem Marienfeld

Liebe Jugendliche!

Auf unserem Pilgerweg mit den geheimnisvollen Weisen aus dem Orient sind wir jetzt an der Stelle angelangt, die uns Matthäus in seinem Evangelium so beschreibt: „Und sie gingen in das Haus (über dem der Stern stehen geblieben war) und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und beteten es an“ (Mt 2,11). Der äußere Weg dieser Männer war zu Ende. Sie waren an ihrem Ziel. Aber an dieser Stelle beginnt für sie ein neuer Weg, eine innere Pilgerschaft, die ihr ganzes Leben ändert. Denn sie hatten sich diesen neugeborenen König gewiss anders vorgestellt. Sie hatten ja in Jerusalem Halt gemacht und beim dortigen König nach dem verheißenen Königskind gefragt. Sie wussten, dass die Welt in Unordnung war, und deswegen war ihr Herz unruhig geblieben. Sie waren gewiss, dass es Gott gebe, einen gerechten und gütigen Gott. Und sie hatten wohl auch von den großen Prophezeiungen gehört, in denen die Propheten Israels einen König vorhersagten, der im innersten Einklang mit Gott stehen und von ihm her die Welt in Ordnung bringen würde. Diesen König waren sie suchen gegangen: Sie waren im tiefsten auf der Suche nach dem Recht, nach der Gerechtigkeit, die von Gott kommen musste, und wollten diesem König zu Diensten sein, sich ihm zu Füßen werfen und so selbst der Erneuerung der Welt dienen. Sie gehörten zu denen, die „Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit“ (Mt 5,6). Diesem Hunger und Durst waren sie mit ihrer Pilgerschaft gefolgt – sie waren Pilger zur Gerechtigkeit, die sie von Gott erwarteten und in deren Dienst sie selber treten wollten.

Auch wenn die anderen Menschen, die zu Hause Gebliebenen, sie für Phantasten und Träumer halten mochten – sie waren durchaus Realisten und wussten, dass zur Änderung der Welt Macht gehört. Deshalb konnten sie das Kind der Verheißung zunächst nur im Königspalast suchen. Aber nun beugen sie sich vor einem Kind armer Leute, und sehr bald erfuhren sie, dass Herodes – der König, den sie aufgesucht hatten – mit seiner Macht ihm nachstellen würde und dass der Familie nur die Flucht und das Exil verblieben. Der neue König, den sie anbeteten, war ganz anders, als sie erwartet hatten. So mussten sie lernen, dass Gott anders ist, als wir ihn gewöhnlich uns vorstellen. Nun begann ihre innere Wanderung. Sie begann in dem Augenblick, in dem sie sich vor diesem Kind niederwarfen und es als den verheißenen König anerkannten. Aber diese freudigen Gesten mussten sie erst innerlich einholen.

Sie mussten ihren Begriff von Macht, von Gott und vom Menschen ändern und darin sich selbst ändern. Sie sahen nun: Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen der Welt. Die Art, wie Gott wirkt, ist anders, als wir es uns ausdenken und ihm gerne vorschreiben möchten. Gott tritt in dieser Welt nicht in Konkurrenz zu den weltlichen Formen der Macht. Er stellt nicht seine Divisionen anderen Divisionen gegenüber. Er schickt Jesus auf dem Ölberg nicht zwölf Legionen Engel zu Hilfe (vgl. Mt 26,53). Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüber, die am Kreuz – und dann in der Geschichte immer wieder – unterliegt und doch das Neue, das Göttliche ist, das nun dem Unrecht entgegentritt und Gottes Reich heraufführt. Gott ist anders – das erkennen sie nun. Und das bedeutet, dass sie nun selbst anders werden, Gottes Art erlernen müssen.

Sie waren gekommen, sich in den Dienst dieses Königs zu stellen, ihr Königtum nach dem Seinen auszurichten. Das war der Sinn ihrer Huldigungsgebärde, ihrer Anbetung. Zu ihr gehörten auch die Geschenke – Gold, Weihrauch, Myrrhe – Gaben, die man einem für göttlich angesehenen König spendete. Anbetung hat einen Inhalt, und zu ihr gehört auch eine Gabe. Die Männer aus dem Orient waren durchaus auf der richtigen Spur, als sie mit der Gebärde der Anbetung dieses Kind als ihren König anerkennen wollten, in dessen Dienst sie ihre Macht und ihre Möglichkeiten zu stellen gedachten. Sie wollten durch den Dienst für ihn und die Gefolgschaft mit ihm der Sache der Gerechtigkeit, des Guten in der Welt dienen. Und da hatten sie Recht. Aber nun lernen sie, dass das nicht einfach durch Befehle und von Thronen herunter geschehen konnte. Nun lernen sie, dass sie sich selber geben müssen – kein geringeres Geschenk verlangt dieser König. Nun lernen sie, dass ihr Leben von der Weise geprägt sein muss, wie Gott Macht ausübt und wie Gott selber ist: Sie müssen Menschen der Wahrheit, des Rechts, der Güte, des Verzeihens, der Barmherzigkeit werden. Sie werden nicht mehr fragen: Was bringt das für mich, sondern sie müssen nun fragen: Womit diene ich der Gegenwart Gottes in der Welt. Sie müssen lernen, sich zu verlieren und gerade so sich zu finden. Indem sie weggehen von Betlehem, müssen sie auf der Spur des wahren Königs bleiben, in der Nachfolge Jesu.

Liebe Freunde, fragen wir uns, was das alles für uns bedeutet. Denn was wir eben über die andere Art Gottes gesagt haben, die unsere Lebensart bestimmen soll, klingt uns schön, aber es bleibt doch blass und unbestimmt. Deswegen hat Gott uns Beispiele geschenkt. Die Weisen aus dem Morgenland sind nur die ersten einer langen Prozession von Menschen, die nach dem Stern Gottes mit ihrem Leben Ausschau gehalten, den Gott gesucht haben, der uns Menschen nahe ist und uns den Weg zeigt. Es ist die große Schar der Heiligen, der bekannten und der unbekannten, in denen der Herr das Evangelium die Geschichte hindurch aufgeblättert hat und aufblättert. In ihrem Leben kommt wie in einem großen Bilderbogen der Reichtum des Evangeliums zum Vorschein. Sie sind die Lichtspur Gottes, die er selbst durch die Geschichte gezogen hat und zieht.

Mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. hat eine große Schar von Menschen vergangener und naher Zeiten seligund heilig gesprochen. Er wollte uns in diesen Gestalten zeigen, wie es geht, ein Christ zu sein; wie es geht, das Leben recht zu machen – nach der Weise Gottes zu leben. Die Seligen und Heiligen waren Menschen, die nicht verzweifelt nach ihrem eigenen Glück Ausschau hielten, sondern einfach sich geben wollten, weil sie vom Licht Jesu Christi getroffen waren. Und so zeigen sie uns den Weg, wie man glücklich wird, wie man das macht, ein Mensch zu sein. Im Auf und Ab der Geschichte waren sie die wirklichen Erneuerer, die immer wieder die Geschichte aus den dunklen Tälern herausgeholt haben, in denen sie immer neu zu versinken droht, und immer wieder so viel Licht in sie brachten, dass man dem Wort Gottes, wenn vielleicht auch unter Schmerzen, zustimmen kann, der am Ende des Schöpfungswerkes gesagt hatte: Es ist gut.

Denken wir nur an Gestalten wie Sankt Benedikt, wie Franz von Assisi, wie Teresa von Avila, Ignatius von Loyola, Karl Borromäus, an die Ordensgründer des 19. Jahrhunderts, die der Sozialen Bewegung ihr Herz gegeben haben oder an Heilige unserer Zeit – Maximilian Kolbe, Edith Stein, Mutter Teresa, Pater Pio. Wenn wir diese Gestalten ansehen, dann lernen wir, was „anbeten“ heißt und was es heißt, nach den Maßstäben des Kindes von Betlehem, den Maßstäben Jesu Christi und Gottes selbst zu leben.

Die Heiligen sind die wahren Reformer, hatten wir gesagt. Ich möchte es nun noch radikaler ausdrücken: Nur von den Heiligen, nur von Gott her kommt die wirkliche Revolution, die grundlegende Änderung der Welt. Wir haben im abgelaufenen Jahrhundert die Revolutionen erlebt, deren gemeinsames Programm es war, nicht mehr auf Gott zu warten, sondern die Sache der Verfassung der Welt ganz selbst in die Hände zu nehmen. Und wir haben gesehen, dass damit immer ein menschlicher, ein parteilicher Standpunkt zum absoluten Maßstab genommen wurde. Das Absolutsetzen dessen, was nicht absolut, sondern relativ ist, heißt Totalitarismus. Es macht den Menschen nicht frei, sondern entehrt ihn und versklavt ihn. Nicht die Ideologien retten die Welt, sondern allein die Hinwendung zum lebendigen Gott, der unser Schöpfer, der Garant unserer Freiheit, der Garant des wirklich Guten und Wahren ist. Die wirkliche Revolution besteht allein in der radikalen Hinwendung zu Gott, der das Maß des Gerechten und zugleich die ewige Liebe ist. Und was könnte uns denn retten, wenn nicht die Liebe?

Liebe Freunde! Lasst mich nur noch zwei kurze Gedanken anfügen. Von Gott reden viele; im Namen Gottes wird auch Hass gepredigt und Gewalt ausgeübt. Deswegen kommt es darauf an, das wahre Antlitz Gottes zu finden. Die Weisen aus dem Orient haben es gefunden, als sie sich vor dem Kind in Betlehem beugten. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, hat Jesus zu Philippus gesagt (Joh 14,9). In Jesus Christus, der sich für uns das Herz hat durchbohren lassen, ist uns das wahre Gesicht Gottes erschienen. Ihm folgen wir mit der großen Schar derer, die uns da vorangegangen sind. Dann gehen wir recht.

Das bedeutet, dass wir uns nicht einen privaten Gott und nicht einen privaten Jesus zurechtmachen, sondern dem Jesus glauben, vor dem Jesus uns beugen, den uns die Heiligen Schriften zeigen und der sich in der großen Prozession der Gläubigen, die wir Kirche nennen, als lebendig, als immer gleichzeitig mit uns und zugleich immer uns voraus zeigt. An der Kirche kann man sehr viel Kritik üben. Wir wissen es, und der Herr hat es uns gesagt: Sie ist ein Netz mit guten und schlechten Fischen, ein Acker mit Weizen und Unkraut. Papst Johannes Paul II., der uns in den vielen Seligen und Heiligen das wahre Gesicht der Kirche gezeigt hat, hat auch um Verzeihung gebeten für das, was durch das Handeln und Reden von Menschen der Kirche an Bösem in der Geschichte geschehen ist.

So hält er auch uns selber den Spiegel vor und ruft uns auf, mit all unseren Fehlern und Schwächen in die Prozession der Heiligen einzutreten, die mit den Weisen aus dem Orient begonnen hat. Im Grund ist es doch tröstlich, dass es Unkraut in der Kirche gibt: In all unseren Fehlern dürfen wir hoffen, doch noch in der Nachfolge Jesu zu sein, der gerade die Sünder berufen hat. Die Kirche ist wie eine menschliche Familie, und sie ist doch zugleich die große Familie Gottes, durch die er einen Raum der Gemeinschaft und der Einheit quer durch die Kontinente, durch die Kulturen und Nationen legt. Deswegen freuen wir uns, dass wir zu dieser großen Familie gehören; dass wir Geschwister und Freunde haben in aller Welt. Wir erleben es hier in Köln, wie schön es ist, einer weltweiten Familie anzugehören, die Himmel und Erde, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und alle Teile der Erde umspannt. In dieser großen Weggemeinschaft gehen wir mit Christus, gehen wir mit dem Stern, der die Geschichte erleuchtet.

„Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und beteten es an“ (Mt 2,11). Liebe Freunde – das ist nicht eine weit entfernte, lang vergangene Geschichte. Das ist Gegenwart. Hier in der heiligen Hostie ist ER vor uns und unter uns. Wie damals verhüllt er sich geheimnisvoll in heiligem Schweigen, und wie damals offenbart er gerade so Gottes wahres Gesicht. Er ist für uns Weizenkorn geworden, das in die Erde fällt und stirbt und Frucht bringt bis zum Ende der Zeiten (vgl. Joh 12,24). Er ist da wie damals in Betlehem. Er lädt uns ein zu der inneren Wanderschaft, die Anbetung heißt. Machen wir uns jetzt auf diesen inneren Weg, und bitten wir ihn, dass er uns führe. Amen.

Sonntag, den 21. August 2005

Predigt bei der Eucharistiefeier zum Abschluss des XX. Weltjugendtages auf dem Marienfeld

Liebe Jugendliche!

Vor der heiligen Hostie, in der Jesus sich für uns zum Brot gemacht hat, das unser Leben von innen her trägt und nährt, haben wir gestern Abend den inneren Weg der Anbetung begonnen. In der Eucharistie soll Anbetung Vereinigung werden. Mit der Eucharistiefeier stehen wir in der „Stunde“ Jesu, von der das Johannes-Evangelium spricht. Durch die Eucharistie wird diese seine „Stunde“ unsere Stunde, Gegenwart unter uns. Mit den Jüngern feierte er das Paschamahl Israels, das Gedächtnis der befreienden Tat Gottes, die Israel aus der Knechtschaft ins Freie führte. Jesus folgt den Riten Israels. Er spricht das Preisund Segensgebet über das Brot. Aber nun geschieht Neues. Er dankt Gott nicht nur für die großen Taten der Vergangenheit, er dankt ihm für seine Erhöhung, die im Kreuz und in der Auferstehung geschieht. Dabei spricht er auch zu den Jüngern mit Worten, die die Summe von Gesetz und Propheten in sich tragen: „Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ Und so teilt er Brot und Kelch aus und trägt ihnen zugleich auf, das, was er jetzt sagt und tut, immer neu zu sagen und zu tun zu seinem Gedächtnis.

Was geschieht da? Wie kann Jesus seinen Leib austeilen und sein Blut? Indem er Brot zu seinem Leib und Wein zu seinem Blut macht und austeilt, nimmt er seinen Tod vorweg, nimmt er ihn von innen her an und verwandelt ihn in eine Tat der Liebe. Was von außen her brutale Gewalt ist – die Kreuzigung –, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt, ganz und gar. Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlssaal geschah und die dazu bestimmt war, einen Prozess der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt dahin ist, dass Gott alles in allem sei (vgl. 1 Kor 15,28). Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt. Dies nun ist der zentrale Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben. Weil er den Tod in Liebe umformt, darum ist der Tod als solcher schon von innen her überwunden und Auferstehung schon in ihm da. Der Tod ist gleichsam von innen verwundet und kann nicht mehr das letzte Wort sein. Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten des Seins – der Sieg der Liebe über den Hass, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, die das Böse überwindet, kann dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. Alle anderen Veränderungen bleiben oberflächlich und retten nicht. Darum sprechen wir von Erlösung: Das zuinnerst Notwendige ist geschehen, und wir können in diesen Vorgang hineintreten. Jesus kann seinen Leib austeilen, weil er wirklich sich selber gibt.

Diese erste grundlegende Verwandlung von Gewalt in Liebe, von Tod in Leben zieht dann die weiteren Verwandlungen nach sich. Brot und Wein werden sein Leib und sein Blut. Aber an dieser Stelle darf die Verwandlung nicht Halt machen, hier muss sie erst vollends beginnen. Leib und Blut Jesu Christi werden uns gegeben, damit wir verwandelt werden. Wir selber sollen Leib Christi werden, blutsverwandt mit ihm. Wir essen alle das eine Brot. Das aber heißt: Wir werden untereinander eins gemacht. Anbetung wird, so sagten wir, Vereinigung. Gott ist nicht mehr bloß uns gegenüber der ganz Andere. Er ist in uns selbst und wir in ihm. Seine Dynamik durchdringt uns und will von uns auf die anderen und auf die Welt im Ganzen übergreifen, dass seine Liebe wirklich das beherrschende Maß der Welt werde. Ich finde diesen neuen Schritt, den das Abendmahl uns geschenkt hat, sehr schön angedeutet im Unterschied zwischen dem griechischen und dem lateinischen Wort für Anbetung. Das griechische Wort heißt „proskynesis“. Es bedeutet den Gestus der Unterwerfung, die Anerkennung Gottes als unseren wahren Maßstab, dessen Weisung wir folgen. Es bedeutet, dass Freiheit nicht bedeutet, sich auszuleben und für autonom zu halten, sondern sich nach dem Maß der Wahrheit und des Guten zu richten und so selbst wahr und gut zu werden. Dieser Gestus ist notwendig, auch wenn unser Freiheitsstreben ihm zunächst entgegensteht. Aber uns zueignen können wir ihn erst ganz in der zweiten Stufe, die sich im Abendmahl eröffnet. Das lateinische Wort für Anbetung heißt „ad-oratio“ – Berührung von Mund zu Mund, Kuss, Umarmung und so im Tiefsten Liebe. Aus Unterwerfung wird Einung, weil der, dem wir uns unterwerfen, die Liebe ist. So wird Unterwerfung sinnvoll, weil sie uns nicht Fremdes auferlegt, sondern uns freimacht zum Innersten unserer selbst.

Kehren wir noch einmal zum Letzten Abendmahl zurück. Das Neue, das da geschah, lag in der neuen Tiefe des alten Segensgebetes Israels, das nun zum Wort der Verwandlung wird und uns die Teilhabe an der „Stunde“ Christi schenkt. Nicht das Paschamahl zu wiederholen, hat Jesus uns aufgetragen; es ist ja auch ein Jahresfest, das man nicht beliebig wiederholen kann. Er hat uns aufgetragen, in „seine Stunde“ einzutreten. In sie treten wir ein durch das Wort der heiligen Macht der Verwandlung, die durch das Preisgebet geschieht, das uns in die Kontinuität mit Israel und der ganzen Heilsgeschichte Gottes stellt und uns zugleich das Neue schenkt, auf das dieses Gebet von innen her wartete. Dieses Gebet – die Kirche nennt es Hochgebet – konstituiert Eucharistie. Es ist Wort der Macht, das die Gaben der Erde auf ganz neue Weise in die Selbstgabe Gottes verwandelt und uns in diesen Prozess der Verwandlung hineinzieht.

Deswegen nennen wir dieses Geschehen Eucharistie, was die Übersetzung des hebräischen Wortes „beracha“ ist – Dank, Preisung, Segen und so vom Herrn her Verwandlung: Gegenwart seiner „Stunde“. Die „Stunde“ Jesu ist die Stunde, in der die Liebe siegt. Das heißt: Gott hat gesiegt, denn er ist die Liebe. Die „Stunde“ Jesu will unsere Stunde werden und wird es, wenn wir uns durch die Feier der heiligen Eucharistie in den Prozess der Verwandlungen hineinziehen lassen, um die es dem Herrn geht. Eucharistie muss Mitte unseres Lebens werden. Es ist nicht Positivismus oder Machtwille, wenn die Kirche uns sagt, dass zum Sonntag die Eucharistie gehört. Am Ostermorgen haben zuerst die Frauen, dann die Jünger den Auferstandenen sehen dürfen. So wussten sie von da an, dass nun der erste Wochentag, der Sonntag, sein Tag ist, der Tag Christi. Der Tag des Schöpfungsbeginns wird zum Tag der Erneuerung der Schöpfung. Schöpfung und Erlösung gehören zusammen.

Deswegen ist der Sonntag so wichtig. Es ist schön, dass in vielen Kulturen heute der Sonntag ein freier Tag ist oder gar mit dem Samstag ein so genanntes freies Wochenende bildet. Aber diese freie Zeit bleibt leer, wenn Gott nicht darin vorkommt. Liebe Freunde! Manchmal ist es vielleicht im ersten Augenblick unbequem, am Sonntag auch die heilige Messe einzuplanen. Aber Ihr werdet sehen, dass gerade das der Freizeit erst die rechte Mitte gibt. Lasst Euch nicht abbringen von der sonntäglichen Eucharistie, und helft auch den anderen, dass sie sie entdecken. Damit von ihr die Freude kommt, die wir brauchen, müssen wir sie natürlich auch immer mehr von innen verstehen und lieben lernen. Mühen wir uns darum – es lohnt sich. Entdecken wir den inneren Reichtum des Gottesdienstes der Kirche und seine wahre Größe: dass da nicht wir selber uns allein ein Fest machen, sondern dass der lebendige Gott selbst uns ein Fest gibt. Mit der Liebe zur Eucharistie werdet Ihr auch das Sakrament der Versöhnung neu entdecken, in der Gottes verzeihende Güte immer wieder einen Neubeginn in unserem Leben möglich macht.

Wer Christus entdeckt hat, muss andere zu ihm führen. Eine große Freude kann man nicht für sich selbst behalten. Man muss sie weitergeben. Heute gibt es in großen Teilen der Welt eine merkwürdige Gottvergessenheit. Es scheint auch ohne ihn zu gehen. Aber zugleich gibt es auch ein Gefühl der Frustration, der Unzufriedenheit an allem und mit allem: Das kann doch nicht das Leben sein! In der Tat nicht. Und so gibt es zugleich mit der Gottvergessenheit auch so etwas wie einen Boom des Religiösen. Ich will nicht alles schlecht machen, was da vorkommt. Es kann auch ehrliche Freude des Gefundenhabens dabei sein. Aber – um die Wahrheit zu sagen – weithin wird doch Religion geradezu zum Marktprodukt. Man sucht sich heraus, was einem gefällt, und manche wissen, Gewinn daraus zu ziehen. Aber die selbst gesuchte Religion hilft uns im Letzten nicht weiter. Sie ist bequem, aber in der Stunde der Krise lässt sie uns allein. Helft den Menschen, den wirklichen Stern zu entdecken, der uns den Weg zeigt: Jesus Christus. Versuchen wir selber, ihn immer besser kennen zu lernen, damit wir überzeugend auch andere zu ihm führen können. Deswegen ist die Liebe zur Heiligen Schrift so wichtig, und deswegen ist es wichtig, den Glauben der Kirche zu kennen, in dem uns die Schrift aufgeschlüsselt wird: Es ist der Heilige Geist, der die Kirche in ihrem wachsenden Glauben immer weiter in die Tiefe der Wahrheit eingeführt hat und einführt (vgl. Joh 16,13). Papst Johannes Paul II. hat uns ein wunderbares Werk geschenkt, in dem der Glaube der Jahrhunderte zusammenfassend dargelegt ist: den Katechismus der Katholischen Kirche. Ich selber konnte vor kurzem das Kompendium dieses Katechismus der Öffentlichkeit vorstellen, das auch auf Wunsch des heimgegangenen Papstes erstellt wurde. Es sind zwei Grundbücher, die ich Euch allen ans Herz legen möchte.

Natürlich reichen Bücher allein nicht aus. Bildet Gemeinschaften aus dem Glauben heraus. In den letzten Jahrzehnten sind Bewegungen und Gemeinschaften entstanden, in denen die Kraft des Evangeliums sich lebendig zu Worte meldet. Sucht Gemeinschaft im Glauben, Weggefährten, die gemeinsam die große Pilgerstraße weitergehen, die uns die Weisen aus dem Orient zuerst gezeigt haben. Das Spontane der neuen Gemeinschaften ist wichtig; aber wichtig ist auch, dabei die Gemeinschaft mit dem Papst und den Bischöfen zu halten, die uns garantieren, dass wir nicht Privatwege suchen, sondern wirklich in der großen Familie Gottes leben, die der Herr mit den zwölf Aposteln begründet hat.

Noch einmal muss ich zur Eucharistie zurückkommen. „Weil wir ein Brot sind, sind wir viele auch ein Leib“, sagt der heilige Paulus (1 Kor 10,17). Er will damit sagen: Weil wir den gleichen Herrn empfangen und er uns aufnimmt, in sich hineinzieht, sind wir auch untereinander eins. Aber das muss sich im Leben zeigen. Es muss sich zeigen in der Fähigkeit des Vergebens. Es muss sich zeigen in der Sensibilität für die Nöte des anderen. Es muss sich zeigen in der Bereitschaft zu teilen. Es muss sich zeigen im Einsatz für den Nächsten, den nahen wie den äußerlich fernen, der uns angeht. Heute gibt es Formen des Volontariats, Gestalten des gegenseitigen Dienens, die gerade unsere Gesellschaft dringend braucht. Wir dürfen zum Beispiel die alten Menschen nicht ihrer Einsamkeit überlassen, an den Leidenden nicht vorbeigehen. Wenn wir von Christus her denken und leben, dann gehen uns die Augen auf, und dann leben wir nicht mehr für uns selber dahin, sondern dann sehen wir, wo und wie wir gebraucht werden. Wenn wir so leben und handeln, merken wir alsbald, dass es viel schöner ist, gebraucht zu werden und für die anderen da zu sein, als nur nach den Bequemlichkeiten zu fragen, die uns angeboten werden. Ich weiß, dass Ihr als junge Menschen das Große wollt, dass Ihr Euch einsetzen wollt für eine bessere Welt. Zeigt es den Menschen, zeigt es der Welt, die gerade auf dieses Zeugnis der Jünger Jesu Christi wartet und zuallererst durch das Zeichen Eurer Liebe den Stern entdecken kann, dem wir folgen. Gehen wir vorwärts mit Christus und leben wir unser Leben als wirkliche Anbeter Gottes. Amen.

Angelus Domini zum Abschluss der Eucharistiefeier auf dem Marienfeld

Liebe Freunde,

unsere schöne Feier geht nun zu Ende und ebenso der XX. Weltjugendtag. In meinem Herzen erklingt ein deutliches „Danke!“ Ich bin sicher – und ich höre es –, dass es in jedem von Euch ein einhelliges Echo findet. Gott selbst hat es in unsere Herzen gelegt, und er hat es mit dieser Eucharistiefeier besiegelt: Das Wort „Eucharistie“ bedeutet nämlich „Danksagung“. Ja, liebe junge Freunde, das Wort des Dankes, das aus dem Glauben entspringt, findet seinen Ausdruck im Lobgesang auf Ihn – Vater, Sohn und Heiligen Geist –, der uns ein großes Zeugnis seiner unendlichen Liebe geschenkt hat.

Unser „Danke“, das zuallererst zu Gott aufsteigt – nur er konnte uns das so schenken, wie es gewesen ist –, dieses unser „Danke“ erstreckt sich auf alle, die für die Organisation und die Durchführung gearbeitet haben. Der Weltjugendtag war ein Geschenk, aber so, wie er geworden ist, doch auch Frucht vieler Arbeit. Deswegen möchte ich erneut meinen herzlichen Dank besonders dem Päpstlichen Laienrat unter dem Vorsitz von Erzbischof Stanislaw Rylko aussprechen, der im Sekretär des Rates, meinem langjährigen Sekretär Msgr. Josef Clemens, wertvolle Unterstützung fand, und ebenso gilt mein Dank meinen Mitbrüdern des deutschen Episkopats, an erster Stelle natürlich dem Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner. Ich danke den Vertretern von Politik und Verwaltung, die viel dazu beigetragen haben, großzügig geholfen und in diesen Tagen einen reibungslosen Ablauf aller Veranstaltungen ermöglicht haben; ich danke den zahlreichen Freiwilligen aus allen deutschen Diözesen und aus allen Nationen. Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ auch den vielen kontemplativen Klöstern, die den Weltjugendtag mit ihrem Gebet begleitet haben.

In diesem Moment, da die lebendige Gegenwart des auferstandenen Christus mitten unter uns den Glauben und die Hoffnung nährt, kündige ich mit Freude an, dass der nächste Weltjugendtag im Jahr 2008 in Sydney, in Australien, stattfinden wird. Vertrauen wir den zukünftigen Weg der Jugendlichen aus der ganzen Welt der mütterlichen und aufmerksamen Führung Marias an!

Jetzt beten wir den Angelus. (...)

Nach dem Angelusgebet begrüßte der Papst die anwesenden Jugendlichen in verschiedenen Sprachen:

In Französisch:

Herzlich grüße ich die Jugendlichen französischer Sprache. Ich danke Euch, liebe Freunde, für Eure Teilnahme und wünsche Euch, dass Ihr, wenn Ihr nun in Eure Länder zurückkehrt, wie die Heiligen Drei Könige die Freude in Euch tragt, Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, begegnet zu sein.

In Englisch:

An die Jugendlichen englischer Sprache aus allen Teilen der Welt richte ich am Ende dieser unvergesslichen Tage einen herzlichen Gruß. Das Licht Christi, dem Ihr gefolgt seid, um nach Köln zu kommen, möge nun noch klarer und stärker in Eurem Leben leuchten!

In Spanisch:

Liebe Jugendliche spanischer Sprache! Ihr seid gekommen, um Christus anzubeten. Nun, da Ihr ihm begegnet seid, betet ihn weiter an in Eurem Herzen, stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die Euch erfüllt (1 Petr 3,15). Gute Heimkehr in Eure Länder!

In Italienisch:

Liebe Freunde italienischer Sprache! Der XX. Weltjugendtag geht nun seinem Ende zu, aber diese Eucharistiefeier setzt sich im Leben fort: Bringt allen die Freude Christi, dem Ihr hier begegnet seid!

In Polnisch:

Eine herzliche Umarmung Euch allen, Ihr polnischen Jugendlichen! Wie der große Papst Johannes Paul II. zu Euch sagen würde: Haltet die Flamme des Glaubens in Eurem Leben und im Leben Eures Volkes lebendig! Möge die Muttergottes stets Eure Schritte lenken!

In Portugiesisch:

Herzlich begrüße ich die Jugendlichen portugiesischer Sprache. Ich wünsche Euch, liebe Jugendliche, immer in der Freundschaft mit Jesus zu leben, um die wahre Freude zu erfahren und sie allen mitzuteilen, besonders denjenigen Eurer Altersgenossen, die sich am meisten in Schwierigkeiten befinden.

In Philippinisch:

Liebe Freunde philippinischer Sprache und all Ihr Jugendlichen aus Asien! Wie die Heiligen Drei Könige seid Ihr aus dem Osten gekommen, um Christus anzubeten. Nun, da Ihr ihm begegnet seid, kehrt in Eure Länder zurück und tragt das Licht seiner Liebe in Euren Herzen!

In Swaheli:

Ein lieber Gruß auch an Euch, liebe afrikanische Jugendliche! Tragt in Euren großen und geliebten Kontinent die Hoffnung, die Christus Euch geschenkt hat! Seid überall Verbreiter von Frieden und Brüderlichkeit!

In Deutsch:

Liebe Freunde, die Ihr mich in meiner eigenen Sprache versteht, ich danke Euch von Herzen für die Sympathie, mit der Ihr mich in diesen Tagen unterstützt habt. Bleibt mir nah im Gebet! Ich bitte Euch darum. Geht Eure Wege in Einigkeit! Bleibt Christus und der Kirche immer treu! Der Friede und die Freude Christi seien immer mit Euch!

Ansprache bei der Begegnung mit den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz im Erzbischöflichen Priesterseminar Köln

Verehrte und liebe Mitbrüder!

Ich möchte zunächst einfach meine große Freude darüber ausdrücken, dass es noch möglich geworden ist, dass wir uns hier untereinander sehen, dass nach schönen, aber auch anspruchsvollen Tagen wir sozusagen unter uns sind und einfach die Freude haben, uns zu begegnen. Denn ich bin zwar in der Tat nur ein ehemaliges Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz, aber fühle mich doch immer noch mit Ihnen allen zusammengehörig in einer brüderlichen Verbundenheit, die nicht aufhören kann.

Dann möchte ich, was Kardinal Lehmann eben gesagt hat, dem ich für seine warmherzigen Worte sehr herzlich danke, auch noch im Geist dessen unterstreichen, was ich heute am Ende des Gottesdienstes sagen durfte: noch einmal das große „Danke“ betonen, das wir alle in der Seele tragen. Wir sind uns alle bewusst, dass alle Vorbereitungsarbeit, alles Große, was getan worden ist, nicht ausreicht, um so etwas zu ermöglichen, sondern dass es am Ende dann doch geschenkt werden muss. Denn niemand kann den Enthusiasmus der jungen Menschen einfach schaffen, niemand das Zusammenhalten über die Tage hin im Glauben und in der Freude des Glaubens. Und bis hin zum Wetter war doch alles wirklich ein Geschenk, für das wir dem Herrn danken und das wir nun auch als Verpflichtung auffassen, das Unsere zu tun, damit diese Zündung weitergeht und Kraft wird für das Leben der Kirche in unserem Land.

Danken möchte ich, wie es auch schon geschehen ist, Kardinal Meisner und seinen Mitarbeitern für die große Vorbereitungsarbeit, die geleistet worden ist – danken Kardinal Lehmann, seinen Mitarbeitern und Ihnen allen, denn alle Diözesen haben ja zusammengewirkt. Ganz Deutschland hat die Gäste aufgenommen, ist mit dem Kreuz und der Madonna unterwegs gewesen und hat so auch dieses Geschenk empfangen dürfen. Und herzlich „Vergelt’s Gott“ für diese Statue; die braucht noch ein bisschen Zeit, bis sie sozusagen ihre Endgestalt erreicht. Aber ich finde es sehr schön, dass nun der heilige Bonifatius auch bei mir zu Hause sein wird und damit das, was ihm so sehr am Herzen lag, die Verbindung zwischen der Kirche in Deutschland und Rom, sich für mich auch sichtbar ausdrückt. So wie er die Kirche in Deutschland auf die Einheit mit dem Nachfolger Petri orientierte, hat er mich auch orientiert auf die bleibende brüderliche Gemeinschaft mit den Bischöfen in Deutschland, mit der Kirche in Deutschland.

Der Heilige Vater Johannes Paul II., der ja der geniale Initiator dieser Weltjugendtage ist – eine Intuition, die ich als eine Inspiration ansehe –, hat aber darauf hingewiesen, dass beide Seiten geben und empfangen. Nicht nur wir haben das Unsrige gegeben, so gut wir es konnten, sondern dass auch die jungen Menschen mit ihrem Fragen, mit ihrem Hoffen, mit ihrer Freude am Glauben und mit ihrem Enthusiasmus, Kirche jung neu zu schaffen, uns etwas gegeben haben. Für diese Gegenseitigkeit danken wir und hoffen, dass sie weitergehen wird, dass die jungen Menschen mit ihren Fragen wie mit ihrem Glauben und ihrer Freude des Glaubens für uns eine Provokation sind, Kleinmut und Müdigkeit zu überwinden, und dass wir umgekehrt mit der Erfahrung des Glaubens, die uns geschenkt ist, mit der Erfahrung des Hirtenamtes, mit der Gnade des Sakramentes, in der wir stehen, ihnen den Weg geben können, damit der Enthusiasmus dann auch die richtige Ordnung findet: So wie eine Quelle gefasst werden muss, damit sie ihr Wasser fruchtbar geben kann, so muss auch dieser Enthusiasmus gleichsam immer wieder in seine kirchliche Form hineingestaltet werden.

Wir sind in Deutschland gewöhnt, und ich als Professor auch ganz besonders, dass man vor allem Probleme sieht. Aber zunächst, glaube ich, sollten wir uns doch auch sagen, dieses Ganze ist nur möglich geworden, weil es in Deutschland trotz aller Nöte der Kirche, trotz alles Fragwürdigen, was auch bestehen mag, doch wirklich eine lebendige Kirche gibt, eine Kirche, in der so viel Positives da ist, so viele Menschen, die bereit sind, sich für ihren Glauben einzusetzen,

ihre Freizeit dafür herzugeben, auch Geld oder sonst etwas von ihren Dingen beizusteuern, einfach mit ihrer lebendigen Existenz beizutragen. Das, glaube ich, ist uns wieder sichtbar geworden, wie viele Menschen in Deutschland trotz allen Rückgangs, über den wir klagen, auch heute Glaubende sind, lebendige Kirche sind und so möglich machen, dass ein solches Ereignis wie der Weltjugendtag seinen Kontext, gleichsam seinen Humus hat, in dem es wachsen und seine Gestalt finden kann.

Ich glaube, wir sollen uns jetzt daran erinnern, dass viele Priester, Ordensleute und Laien treu ihren Dienst in oft schwierigen pastoralen Situationen erfüllen. Und ich brauche nicht eigens die wirklich in der ganzen Welt bekannte Großzügigkeit der deutschen Katholiken hervorzuheben – nicht nur materiell: Es gibt viele deutsche „Donum fidei“-Priester. Ich sehe es jetzt in den „ad limina“-Besuchen, dass bis hin nach Papua Neuguinea, den Salomoninseln und in Gegenden, wo man gar nicht daran denkt, Priester aus Deutschland wirken und den Samen des Wortes ausstreuen, sich mit den Menschen identifizieren und dadurch nun in diese bedrohte Welt hinein, in die so viel Negatives auch vom Westen kommt, große Kraft des Glaubens und damit auch das Positive dessen, was uns geschenkt ist, einsenken.

Bemerkenswert ist die Arbeit von Misereor, Adveniat, Missio, Renovabis bis zur Caritas auf Diözesanund Pfarreiebene, weitläufig das erzieherische Wirken der katholischen Schulen und anderer katholischer Einrichtungen und Organisationen zugunsten der Jugend. Ich möchte damit nicht erschöpfen, was es an Positivem zu sagen gäbe, nur andeuten, dass wir es doch auch nicht vergessen und dass es uns selber immer wieder Freude und Mut machen soll.

Das Positive gesagt – und ich glaube, das ist sehr wichtig, dass wir das sehen und dafür dankbar bleiben –, müssen wir zugeben, dass es auf dem Gesicht der Kirche in der Welt und eben auch in Deutschland leider auch Falten gibt, Schatten, die ihren Glanz verdunkeln. Aus Liebe und mit Liebe wollen wir uns auch sie in diesem Augenblick des Feierns und Dankens vergegenwärtigen. Wir wissen, dass Säkularisierung und Entchristlichung vorangehen, dass der Relativismus wächst, dass der Einfluss der katholischen Ethik und Moral immer geringer wird.

Nicht wenige Menschen verlassen die Kirche, oder, wenn sie bleiben, akzeptieren sie doch nur ein Auswahlchristentum, einen Teil der katholischen Lehre. Besorgniserregend bleibt die religiöse Situation im Osten, wo ja, wie wir wissen, die Mehrheit der Bevölkerung nicht getauft ist und keinerlei Kontakt zur Kirche hat, oft überhaupt nichts von Christus und von der Kirche weiß. Solche Dinge sind Herausforderungen. Ihr selbst, liebe Mitbrüder, habt ja in dem Pastoralbrief vom 21. September 2004 aus Anlass des Bonifatiusjubiläums das Wort von Pater Delp wiederholt: „Wir sind zum Missionsland geworden“, und für große Teile Deutschlands trifft das ja wirklich zu. Und so denke ich, müssen wir ganz ernstlich – in ganz Europa, nicht weniger in Frankreich oder auch in Spanien und anderswo – darüber nachdenken, wie wir heute wirklich Evangelisierung, nicht nur Neuevangelisierung, sondern oft eben auch Erstevangelisierung leisten können. Die Menschen kennen Gott nicht, kennen Christus nicht. Ein neues Heidentum ist da, und es genügt nicht, dass wir versuchen, die bestehende Herde zu erhalten – das ist sehr wichtig –; aber es drängt sich die große Frage auf: Was ist eigentlich das Leben? Und wir müssen, denke ich, alle miteinander versuchen, neue Weisen zu finden, wie wir in diese heutige Welt hinein wieder das Evangelium tragen, dort wieder Christus verkünden und den Glauben aufrichten können.

Das Situationsbild, das der Weltjugendtag uns gibt und von dem ich nur ein paar dürftige Striche angedeutet habe, lädt uns ein, unseren Blick auf die Zukunft zu richten. Die Jugendlichen sind für die Kirche und insbesondere für uns Hirten, für die Eltern und Erzieher ein lebendiger Aufruf zum Glauben. Ich möchte noch einmal sagen, mir scheint, dass auch dies eine große Inspiration von Papst Johannes Paul II. war, dass er uns für diesen Weltjugendtag das Motto gegeben hat: „Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten.“ Wir sind oft so bedrängt, begreiflicherweise so bedrängt von den ungeheuren sozialen Nöten in der Welt, von den ganzen organisatorischen, strukturellen Problemen, die es gibt, dass die Anbetung gleichsam als etwas später zu Tuendes an die Seite rücken kann.

Pater Delp hat auch darüber einmal gesprochen, dass nichts wichtiger ist als die unverlorene Anbetung. Er hat es in dem Kontext von damals gesagt, wo sichtbar war, wie die zerstörte Anbetung den Menschen zerstört. Aber es geht uns in unserem neuen Kontext mit der verlorenen Anbetung und damit dem verlorenen Gesicht der Menschenwürde wieder ganz neu an, die Priorität der Anbetung zu sehen und es auch den jungen Menschen und uns selber, unseren ganzen Gemeinden ins Bewusstsein zu rücken, dass dies nicht ein Luxus in verworrener Zeit ist, den man sich vielleicht gar nicht leisten kann, sondern Priorität. Wo nicht mehr angebetet wird, wo nicht Gott zuerst die Ehre gegeben wird, da können auch die Dinge des Menschen nicht wachsen.

Wir müssen daher versuchen, eben das Gesicht Christi, das Gesicht des lebendigen Gottes sichtbar zu machen, so dass es uns dann von selber geht wie den Weisen, dass wir niederfallen und ihn anbeten. Natürlich gehört zu den Weisen zweierlei: Sie waren zuerst Suchende und dann Findende und Anbetende. Viele Menschen heute sind Suchende. Wir selber sind es auch. Im Grunde muss in unterschiedlicher Dialektik immer beides da sein. Wir müssen Ehrfurcht haben vor dem Suchen der Menschen, dieses Suchen unterstützen, sie fühlen lassen, dass der Glaube nicht einfach ein fertiger Dogmatismus ist, der das Suchen, den großen Durst des Menschen auslöscht, sondern dass er erst die große Pilgerschaft ins Unendliche bringt, dass wir gerade als Glaubende immer Suchende und Findende zugleich sind.

Der hl. Augustinus hat in seinem Psalmenkommentar dieses Wort: „Quaerite faciem eius semper – Sucht immer sein Angesicht“ so schön ausgelegt, dass es mir schon damals als Student zu Herzen gegangen ist, wo er sagt: Das gilt nicht nur in diesem Leben, es gilt in Ewigkeit, immer wird dieses Angesicht neu zu entdecken sein, je weiter wir hineinschreiten in den Glanz der göttlichen Liebe, desto größer werden die Entdeckungen sein, desto schöner ist es, voranzugehen und zu wissen, dass das Suchen ohne Ende ist und darum das Finden ohne Ende und daher Ewigkeit Freude des Suchens und Findens zugleich ist. Menschen im Suchen stützen als Mitsuchende und ihnen zugleich doch auch geben, dass Er uns gefunden hat und dass wir Ihn daher finden können.

Zukunftsoffene Kirche wollen wir sein, reich an Verheißungen für nachwachsende Generationen. Nicht um eine gespielte Jugendlichkeit geht es, sie macht sich im Grunde lächerlich, sondern um jene echte Jugendlichkeit, die aus dem Quell der Ewigkeit kommt, die immer neu ist, die davon kommt, dass Christus durchleuchtet in seiner Kirche und so uns das Licht gibt, um weiterzugehen. In diesem Licht können wir den Mut finden, die schwierigsten Fragen, die sich heute der Kirche in Deutschland stellen, zuversichtlich aufzugreifen. Wir müssen einerseits, wie ich schon sagte, die Provokation der Jugend annehmen, aber wir müssen unsererseits die Jugend zur Geduld erziehen – ohne Geduld gibt es kein Finden –, zu Unterscheidungsvermögen, zu einem gesunden Realismus, zur Fähigkeit der Endgültigkeit. Mir hat einer der Staatspräsidenten, die mich in letzter Zeit besucht haben, gesagt, was ihn am meisten beunruhige, sei die verbreitete Unfähigkeit, endgültige Entscheidungen zu treffen, in der Meinung, man gebe dann seine Freiheit preis. In Wirklichkeit wird der Mensch erst frei, wenn er sich gebunden hat, wenn er eine Wurzel gefunden hat, dann kann Reifen und Wachstum geschehen. Erziehen zu Geduld, Unterscheidungsvermögen, Realismus, jedoch ohne falsche Kompromisse, um das Evangelium nicht zu verwässern.

Die Erfahrung dieser letzten 20 Jahre hat uns gezeigt, dass jeder Weltjugendtag in gewissem Sinn ein Neuanfang für die Jugendpastoral des jeweiligen Gastgeberlandes darstellt. Schon die Vorbereitung des Ereignisses des Weltjugendtages mobilisiert Menschen und Kräfte. Das haben wir gerade auch in Deutschland gesehen, wie eine regelrechte Mobilisierung durch unser Land gegangen ist und Kräfte freigesetzt hat. Schließlich bringt dann die Feier selbst eine Welle der Begeisterung, die man unterstützen und sozusagen verendgültigen muss. Es ist ein enormes Potential an Energie, das noch weiter wachsen kann, wenn es sich im Land ausbreitet. Ich denke an die Pfarreien, die Vereinigungen, die Bewegungen. Ich denke an die Priester, die Ordensleute, die Katecheten und an die in der Jugendseelsorge Tätigen. Ich nehme an, dass man in Deutschland weiß, wie viele in dieses Geschehen einbezogen waren, und bete darum, dass für jeden von denen, die da mitgewirkt haben, damit ein Wachsen in der Liebe zu Christus und zur Kirche verbunden sein möge, und ermutige alle, gemeinsam die pastorale Arbeit unter den jungen Generationen mit einem erneuerten Geist des Dienens voranzutreiben. Die Fähigkeit des Dienens müssen wir selber neu erlernen und weitergeben.

Der größte Teil der deutschen Jugendlichen lebt in guten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Aber wir wissen sehr genau, dass es auch sehr viele schwierige Situationen gibt. In allen sozialen Schichten, gerade auch unter den Wohlhabenden, nimmt die Zahl der Jugendlichen aus zerbrochenen Familien zu. Leider hat in Deutschland die Jugendarbeitslosigkeit zugenommen. Außerdem sind viele junge Männer und Mädchen orientierungslos, ohne gültige Antworten auf die Frage nach dem Sinn von Leben und Tod, auf die Fragen in Bezug auf ihre Gegenwart und Zukunft. Viele Angebote der modernen Gesellschaft führen ins Leere, und leider viele junge Menschen enden im Fließsand des Alkohols und der Droge oder in den Spiralen extremistischer Gruppierungen. Ein Teil der deutschen Jugendlichen, vor allem im Osten, hat die Frohbotschaft Jesu Christi nie persönlich kennen gelernt. Selbst in den traditionell katholischen Gebieten gelingt es dem Religionsunterricht und der Katechese nicht immer, dauerhafte Bindungen der Jugendlichen an die kirchliche Gemeinschaft herzustellen. Deswegen sind Sie alle miteinander bemüht – ich weiß es –, neue Wege zu finden, wie man die jungen Menschen erreichen kann, und der Weltjugendtag war dafür, wie wiederum Papst Johannes Paul II. es ausgedrückt hat, eine Art „Laboratorium“. Ich glaube, wir alle denken darüber nach – in den anderen Ländern des Westens ist es nicht anders –, wie Katechese wirksamer werden kann. Ich habe in der Herder-Korrespondenz gelesen, dass Sie ein neues Katechesepapier veröffentlicht haben, das ich leider noch nicht sehen konnte, bin aber dankbar festzustellen, wie sehr diese Sorge Sie drängt. Denn es ist ja für uns alle beunruhigend, dass trotz jahrelangen Religionsunterrichts das religiöse Wissen gering ist und viele Menschen oft elementare und einfache Dinge nicht wissen. Was können wir tun? Ich weiß es nicht. Vielleicht muss es einerseits so eine Art Vorhof der Heiden geben mit einer Prä-Katechese, die überhaupt auftut für den Glauben – und das ist ja auch der Inhalt vieler katechetischer Versuche –, aber andererseits braucht es doch auch immer wieder den Mut, das Mysterium selbst zu vermitteln in seiner Schönheit und in seiner Größe und den Sprung möglich zu machen, es anzuschauen, es lieben zu lernen, und dann zu erkennen: Ja, das ist es! Ich habe heute in der Predigt ja darauf hingewiesen, dass uns Papst Johannes Paul II. zwei großartige Instrumente geschenkt hat: den Katechismus der Katholischen Kirche und dessen ebenfalls noch von ihm angeordnetes Kompendium. Wir haben darauf geachtet, dass die deutsche Übersetzung für den Weltjugendtag fertig geworden ist. In Italien ist schon eine halbe Million Exemplare verkauft, dort wird es an den Zeitungskiosken angeboten, und dann wird doch die Neugier der Menschen geweckt: Was steht da eigentlich drinnen, was sagt die katholische Kirche? Ich glaube, wir sollen den Mut haben, auch diese Neugier zu unterstützen und zu versuchen, dass eben wirklich diese Bücher, die den Inhalt des Mysteriums darstellen, in die Katechese einfließen, damit wieder das Wissen um unseren Glauben und damit auch die Freude daran wächst. Zwei andere Punkte liegen mir sehr am Herzen. Zum einen die Berufungspastoral. Ich glaube, dass uns die Vesper in St. Pantaleon auch da wirklich Mut gemacht hat, jungen Menschen zu helfen, und das in rechter Weise zu tun, so dass sie mit dem Ruf des Herrn konfrontiert werden und fragen können: „Will er mich?“, und dass die Bereitschaft, sich rufen zu lassen und einen Ruf zu hören, wieder neu wachsen kann. Das andere ist die Familienpastoral. Wir sehen die Gefährdung der Familien. Inzwischen sehen auch weltliche Instanzen, wie wichtig es ist, dass die Familie als Grundzelle der Gesellschaft lebt, dass darin Kinder im Konnex der Generationen aufwachsen können, damit die Kontinuität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gewahrt bleibt und auch die Kontinuität der Werte besteht; damit eben diese Fähigkeit des Beieinanderbleibens und so des Miteinanderlebens wächst, die dann ermöglicht, im Miteinander ein Land aufzubauen. Diese drei Dinge – Katechese, Berufungspastoral, Familienpastoral – wollte ich doch eigens ansprechen.

Eine wichtige Rolle in der Welt der jungen Menschen spielen – wir haben das wieder gesehen – die Vereinigungen und Bewegungen, die zweifellos einen Reichtum darstellen. Die Kirche muss diese Realitäten nutzbar machen und zugleich mit pastoraler Weisheit leiten, damit sie mit ihren verschiedenen, sehr unterschiedlichen Gaben auf beste Weise zum Aufbau der Gemeinden beitragen und nicht in Konkurrenz zueinander treten, jeder sozusagen sein eigenes Kirchlein baut, sondern in gegenseitiger Achtung zusammenarbeiten an der einen Kirche, in der einen Pfarrei als Kirche am Ort, um in den jungen Leuten die Freude am Glauben, die Liebe zur Kirche und die Leidenschaft für das Reich Gottes zu wecken. Ich denke, gerade das ist auch ein wichtiger Punkt: dieses echte Miteinander zum einen der verschiedenen Bewegungen, deren Exklusivismen aufgebrochen werden müssen, zum anderen das Miteinander der Ortskirche mit diesen Bewegungen, dass die Ortskirche eben dieses Besondere und vielen manchmal Fremde anerkennt, als einen Reichtum in sich aufnimmt und sieht, dass es viele Wege in der einen Kirche gibt und dass sie alle zusammen dann eine Symphonie des Glaubens bilden: dass Ortskirchen und Bewegungen nicht gegeneinander stehen, sondern miteinander das lebendige Gefüge der Kirche sind.

Liebe Mitbrüder, so Gott will, werden sich noch weitere Gelegenheiten bieten, um die Fragen zu vertiefen, die unsere gemeinsame pastorale Sorge betreffen. Dieses Mal wollte ich einfach kurz – und gewiss unzulänglich – die Botschaft aufgreifen, die uns die große Wallfahrt der jungen Menschen hinterlassen hat. Mir scheint, dass am Ende dieses Ereignisses die Bitte der jungen Leute an uns im Wesentlichen so lauten könnte: „Ja, wir sind gekommen, ihn anzubeten. Wir sind ihm begegnet. Helft uns jetzt, seine Jünger und Zeugen zu werden.“ Das ist ein anspruchsvoller Anruf, aber für das Herz eines Seelsorgers tröstlich. Möge die Erinnerung an die in Köln unter dem Zeichen der Hoffnung verbrachten Tage unseren gemeinsamen Dienst unterstützen. Ich hinterlasse Euch meine liebevolle Ermutigung, die zugleich eine herzliche und brüderliche Bitte ist: immer einmütig voranzuschreiten und zu wirken, auf dem Fundament einer Gemeinsamkeit, die in der Eucharistie ihren Höhepunkt und ihre unerschöpfliche Quelle besitzt. Ich vertraue Euch alle Maria an, der Mutter Christi und der Kirche, während ich jedem einzelnen von Euch und Euren jeweiligen Gemeinschaften aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen erteile. Vielen Dank.

Ansprache zum Abschied auf dem Flughafen Köln-Bonn

Verehrter Herr Bundespräsident,
liebe junge Freunde,
verehrte Damen und Herren!

Am Ende meines ersten Deutschland-Besuchs als Bischof von Rom und Nachfolger Petri ist es mir noch einmal ein Bedürfnis, meinen herzlichen Dank auszudrücken für die freundliche Aufnahme, die ich selbst und meine Mitarbeiter und besonders die zahlreichen jungen Menschen erfahren durften, die anlässlich des Weltjugendtages aus allen Kontinenten in Köln zusammengekommen sind. Der Herr hat mich berufen, die Nachfolge des geliebten Papstes Johannes Paul II. anzutreten, des genialen Initiators der Weltjugendtage. Ich habe dieses Erbe mit Scheu, aber doch auch mit Freude aufgegriffen und danke Gott, dass er mir diese Gelegenheit gegeben hat, gemeinsam mit so vielen Jugendlichen diese weitere Etappe ihres geistlichen Pilgerweges zu erleben, der sie von Kontinent zu Kontinent dem Kreuz Christi folgen lässt.

Ich danke allen, die sich tatkräftig dafür eingesetzt haben, dass jede Phase und jeder Moment dieses außerordentlichen Treffens geordnet und entspannt ablaufen konnte. Die gemeinsam verbrachten Tage haben vielen jungen Leuten aus aller Welt ermöglicht, Deutschland besser kennen zu lernen: Wir wissen alle um das Böse, das im 20. Jahrhundert von unserem Vaterland ausgegangen ist, und bekennen es mit Scham und Trauer. Aber in diesen Tagen ist gottlob weithin sichtbar geworden, dass es auch das andere Deutschland gab und gibt – ein Land einzigartiger menschlicher, kultureller und spiritueller Werte. Ich wünsche mir, dass diese Werte auch dank des Ereignisses dieser Tage neu in die Welt ausstrahlen mögen. Nun können die jungen Menschen aus aller Welt bereichert durch die Kontakte und durch die Erfahrung des Dialogs und der Geschwisterlichkeit, die sie in verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes gemacht haben, wieder in ihre Heimat zurückkehren. Ich bin gewiss, dass ihr von dem für ihre Altersstufe typischen Enthusiasmus gekennzeichneter Aufenthalt bei den Menschen, die sie großzügig beherbergt haben, eine gute Erinnerung zurücklässt und so auch für Deutschland ein Zeichen der Hoffnung ist. Man kann nämlich sagen, dass Deutschland in diesen Tagen der Mittelpunkt der katholischen Welt war. Die Jugendlichen aller Kontinente und Kulturen haben, indem sie sich voller Glauben um ihre Hirten und um den Nachfolger Petri scharten, eine junge Kirche sichtbar gemacht, die mit Phantasie und Mut das Gesicht einer gerechteren und solidarischeren Menschheit entwerfen will. Nach dem Beispiel der Heiligen Drei Könige haben sich die jungen Menschen auf den Weg gemacht, um Christus zu begegnen. Nun reisen sie wieder zurück in ihre Regionen und Städte, um das Licht, die Schönheit und die Kraft des Evangeliums zu bezeugen, die sie hier erfahren haben.

Es ist mir vor meiner Abreise ein Bedürfnis, all denen zu danken, die diesen zahlreichen jugendlichen Pilgern ihre Herzen und ihre Häuser geöffnet haben. Ich danke den Regierungsvertretern, den Verantwortlichen aus der Politik und den verschiedenen Zivilund Militärverwaltungen sowie den Sicherheitsdiensten und den vielen Organisationen des Volontariats, die mit großer Hingabe für die Vorbereitung und für den positiven Verlauf aller Initiativen und Kundgebungen dieses Weltjugendtages gearbeitet haben. Ich danke denen, die die Meditationsund Gebetstreffen betreut und die liturgischen Feiern gestaltet haben, in denen uns aussagekräftige Beispiele der freudigen Vitalität des Glaubens dargeboten wurden, die die Jugendlichen unserer Zeit beseelt. Außerdem möchte ich in meinen Dank auch die Verantwortlichen der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sowie die Vertreter der anderen Religionen einbeziehen, die bei diesem wichtigen Treffen zugegen sein wollten. Ich wünsche mir, dass sich der gemeinsame Einsatz verstärkt, die jungen Generationen in jenen menschlichen und geistigen Werten zu erziehen, die zur Gestaltung einer Zukunft in wahrer Freiheit und in Frieden unverzichtbar sind.

Mein tief empfundener Dank gilt Kardinal Joachim Meisner, dem Erzbischof von Köln, der Diözese, die dieses weltweite Treffen beherbergt hat, ferner dem deutschen Episkopat mit seinem Vorsitzenden, Kardinal Karl Lehmann, sowie den Priestern und Ordensleuten, den Pfarrgemeinden, den Laienverbänden und den Bewegungen, die sich darum bemüht haben, den Aufenthalt der Jugendlichen so zu gestalten, dass er für sie ein geistlicher Gewinn sein konnte. Einen von Herzen kommenden Dank richte ich an die deutschen Jugendlichen, die sich auf verschiedene Weise zur Aufnahme ihrer Altersgenossen bereitgefunden und gemeinsam mit ihnen Augenblicke des Glaubens erlebt haben, die wir als unvergesslich bezeichnen können. Mein Wunsch ist, dass dieses kirchliche Ereignis in das Leben der Katholiken Deutschlands eingeschrieben bleibe und sie zu neuem geistlichen und apostolischen Schwung motiviere! Möge das Evangelium von allen Jüngern Christi unverkürzt aufgenommen sowie mit aller Kraft bezeugt werden und sich so als ein Ferment echter Erneuerung der gesamten Gesellschaft in Deutschland erweisen, auch dank des Dialogs mit den verschiedenen christlichen Gemeinschaften und den Anhängern anderer Religionen!

Mein ehrerbietiger und dankbarer Gruß richtet sich schließlich an die politischen, zivilen und diplomatischen Vertreter, die bei dieser Verabschiedung zugegen sein wollten. Im Besonderen danke ich Ihnen, Herr Bundespräsident, für Ihre Geste der Aufmerksamkeit, mich zu Beginn meines Besuches persönlich zu empfangen und auch noch an dieser Abschiedszeremonie teilzunehmen. Herzlichen Dank! In Ihrer Person danke ich den Regierungsmitgliedern und dem ganzen deutschen Volk, dessen zahlreiche Vertreter mir in diesen intensiven Stunden der Gemeinsamkeit so große Sympathie entgegengebracht haben. Das Herz erfüllt von den Erlebnissen und Erinnerungen dieser Tage, trete ich die Rückreise nach Rom an und rufe auf alle die Fülle des göttlichen Segens herab für eine Zukunft sorgenfreien Wohlstands in Frieden und Eintracht.

Anmerkungen

  1. auf der Vatikanseite
  2. Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite

Weblinks

Meine Werkzeuge