Quinquagesimo ante anno (Wortlaut)

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Enzyklika
Quinquagesimo ante anno

von Papst
Pius XI.
an die ehrwürdigen Brüder Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und alle anderen Oberhirten, die im Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle leben
zum glücklichen Abschluss seines fünfzigsten Priesterjahres
23. Dezember 1929

(Offizieller lateinischer Text: AAS XXI [1929] 707-722)

(Quelle: Pius XI., Rundschreiben zum glücklichen Abschluß seines fünfzigsten Priesterjahres. Autorisierte Ausgabe, Lateinischer und deutscher Text (in deutscher Sprache mit gebrochenen Buchstaben=Fraktur), Herder & Co. G.m.b.H Verlagsbuchhandlung Freiburg im Breisgau. Die Nummerierung folgt dem englischen Text: [1] meist auch die Überschriften)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Gruß und Apostolischen Segen !

Inhaltsverzeichnis

Außerordentliches Jahr zum 50. Priesterjubiläum

1. Als Wir vor fünfzig Jahren in blühendem Alter in der Lateranbasilika, der Mutter- und Hauptkirche aller Kirchen, die Priesterweihe empfingen - es ist für Uns zumal gerade in diesen Tagen eine ergreifend liebe Erinnerung -, hätte niemand, geschweige Wir selbst, vermutet, der geheimnisvolle Ratschluss Gottes würde gegen Unsere geringfügige Persönlichkeit so weit gehen, dass Wir gerade diese Kirche einmal als Kathedrale Unseres römischen Bischofsamtes bekommen würden.

2. Wenn wir darin die große Güte Unseres obersten Hirten Jesus Christus gegen Uns mit demütiger Bewunderung anerkennen, so werden, so werden Wir sicherlich niemals die Hulderweise genug preisen können, an denen er seinem Statthalter auf Erden ganz ohne Verdienst sich im Verlaufe des Pontifikates erfreuen ließ. Um so weniger, als das fünfzigste Jahr nach Empfang der Priesterweihe, als Krönung göttlicher Liebe, für Uns mit einer Überfülle von Tröstungen und lauter Freunden ablief. Dieses Jahr sollte, soweit es an Uns lag, der besonderen Heilsfrüchte nicht entbehren: es sollte die Gläubigen zu größerer Heiligkeit in der ganzen Lebensführung bringen und die gesamte menschliche Gesellschaft zu höherer Wertschätzung geistiger Güter heilsam erwecken; es sollte auch Gott den Herrn zur Barmherzigkeit gegen seine bedrängte Kirche bewegen. Deshalb verkündeten Wir für die ganze Christenheit aus Vaterliebe an der �Schwelle des Jahres zur Erschließung der Schätze der Vergebung und Gnade ein zweites Heiliges Jahr außerhalb der Reihe in der Form eines großen Jubeljahres.

3. Der Erfolg, den Wir von diesem gemeinsamen Beten erhofften, ist nicht ausgeblieben; im Gegenteil, er hat durch Gottes gnädige Fügung in reichem Maße unsern Wünschen entsprochen. Wenn Wir nämlich bedenken, wie viele Beweise kindlicher Anhänglichkeit und Dankbarkeit Wir erhielten, wir großen Gewinn sich für den Katholizismus ergab und wie viele Unternehmungen und Großtaten im Laufe des einen Jahres durchgeführt wurden, so meinen Wir mit Recht sagen zu dürfen: Der gütige Gott, von dem "jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk" (Jak, 1, 17) stammt, hat diesen kurzen Zeitraum mit einem ganz besonderen Merkmale seiner Vorsehung auszeichnen wollen. Diese Wohltaten nun, die der Himmel zum Segen des christlichen Volkes so freigebig spendete, möchten Wir heute, um gewissermaßen eine Bilanz der letzten zwölf Monate zu ziehen, etwas ausführlicher darlegen, ausschließlich zu dem Zwecke, dass Wir mit Euch, Ehrwürdige Mitbürger und geliebte Söhne, wieder und wieder dem allmächtigen Spender alles Guten gebührend danken, der der Menschen Herz mit Kraft und Milde lenkt und der Zeiten und Geschicke Wechselfälle leitet.

Regelung der Römischen Frage

4. Wir wollen mit dem beginnen, was dem Apostolischen Stuhl und das dem Päpste von Gott gegebene Amt der Leitung der Kirche näher berührt und wichtiger als anderes zu sein scheint. Es ist wohl angebracht, Euch alle an einige Worte zu erinnern, die Wir in Unserem ersten Rundschreiben Ubi arcano niederschrieben: "Wir brauchen kaum davon zu reden", so klagten Wir damals, "mit welchem �Schmerze Wir unter der großen Zahl von Nationen, die mit diesem Apostolischen Stuhle durch die Bande der Freundschaft verbunden sind, Italien fehlen sehen, Italien sagen Wir, Unseres Vaterland, das von Gott selbst, der den Lauf und die Ordnung aller Dinge und Zeiten durch seine Vorsehung regiert, zum Sitz seines Stellvertreters auf Erden ausgewählt wurde, so dass diese hehre Stadt, einst der Sitz eines sehr umfangreichen, aber durch bestimmte Grenzen abgeschlossenen Reiches, nun zur Hauptstadt des ganzen Erdkreises wurde; sie ward ja zum Sitz der göttlichen Herrschaft, welche von Natur die Grenzen abgeschlossenen Reiches, nun zur Hauptstadt des ganzen Erdkreises wurde: sie ward ja zum Sitz der göttlichen Herrschaft, welche von Natur die Grenzen aller Völkerstämme überschreitet und alle Völkerstämme umfassen soll. Allein sowohl die göttliche Herkunft und Natur dieser Herrschaft als das heilige Recht der Gesamtheit aller Christgläubigen, die auf dem ganzen Erdkreis wohnen, verlangt, dass diese heilige Herrschaft keiner menschlichen Gewalt, keinen Gesetzen (mögen sie die Freiheit des römischen Papstes auch durch gewisse Schutzvorkehrungen und Gewährleistungen zu befestigen verheissen) untertan erscheint, sondern ganz und gar eigenen Rechtes und eigener Gewalt sei und offenkundig so erscheine."

5. Nach Erneuerung der Forderungen, die seit der Okkupation Roms Unsere Vorgänger einer nach dem anderen erhoben hatten, um des Apostolischen Stuhles Recht zu schützen und Würde zu wahren, betonen Wir offen, die Wiederherstellung des Friedens sei unmöglich ohne Wahrung der Gerechtigkeit. Und Wir fügten dann hinzu: "Sache des allmächtigen und barmherzigen Gottes wird es sein, zu bewirken, dass dieser Freudentag endlich einmal anbricht, überreich an Alen Gütern sowohl für die Erneuerung des Reiches Christi als auch für die Ordnung der Angelegenheiten Italiens und des ganzen Erdkreises. Dass dies nicht vergeblich geschehe, mögen alle Rechtgesinnten sich dringend bemühen."

6. Nun fürwahr, dieser Freudentag ist aufgeleuchtet, schneller als man es erwartet hatte; dass er schon so nahe war, hätte niemand gedacht, da die Sache selbst, wie man allgemein glaubte, in so vielen großen Schwierigkeiten und Hemmungen verwickelt lag; ist aufgeleuchtet mit jenen Hemmungen verwickelt lag; ist aufgeleuchtet mit jenen mit jenen Verlautbarungen, die der Papst und der König von Italien durch ihre bevollmächtigten Minister im Lateranpalast - daher auch ihr Name - getroffen haben und im Vatikan ratifizierten.

Art der Regelung

7. So sahen Wir endlich einmal glücklicherweise jene untragbare und ungerechte Lage beendet, in der der Apostolische Stuhl bislang war.

Man hatte die Notwendigkeit der geistlichen Herrschaft bekämpft oder hintangesetzt und ihren Bestand tatsächlich so zerrissen, dass der Papst nicht mehr als unabhängig gelten konnte. Wir halten es für unnötig, alles im einzelnen hier genau darzulegen, was Wir selbst Uns zum Ziele gesetzt hatten, als Wir dieses schwierige Werk in Angriff nehmen, fördern und zu Ende führen konnten. Nicht bloß einmal, nicht in dunklen Andeutungen, sondern in ganz deutlichen Worten haben Wir auseinandergesetzt, worauf Unser Streben und Bemühen einzig und allein gerichtet war, worauf bei ständigen und innigem Beten zu Gott Unser Sehnen und Wünschen ging, als Wir alle Kraft des Geistes und Herzens an dieses harte Werk setzten.

8. Das eine aber wollen wir nicht übergehen, wenn Wir es auch nur kurz andeuten: Nachdem die volle Unabhängigkeit der geistlichen Herrschaft sichergestellt, das Recht des Papstes feierlich und unverbrüchlich anerkenne und schließlich Italien der Friede Christi wieder gegeben war, - bezeigen Wir in allem Übrigen eine recht große Milde und Nachgiebigkeit väterlicher Gesinnung, soweit sie Unseres Erachtens mit der Pflicht nicht im Wiederspruch stand. So ist es dann obwohl auch schon vorher kein Zweifel daran möglich war, um so klarer hervorgetreten: In der Wahrnehmung der heiligen Rechte des Apostolischen Stuhles ließen Wir uns, wie Wir es in dem erwähnten Rundschreiben hervorgehoben hatten, niemals von eitler Begierde nach einem irdischen Reiche leiten, sondern es waren "Gedanken des Friedens und nicht des Unheils", die Wir ständig hegten.

9. Was aber das Konkordat angeht, das Wir in gleicher Weise vereinbarten und ratifizierten, so haben Wir schon vorher deutlich bekanntgegeben und tun es heute von neuem: Es ist keineswegs eine Art Kaution des mit dem Königreiche abgeschlossenen Vertrages zur Lösung der so genannten Römischen Frage, sondern das Konkordat mit eben dem Vertrage bildet vielmehr auf Grund eines und desselben Grundprinzips, aus dem sich beide herleiten, ein juridisches Ganze derart, dass eines von dem andern nicht losgelöst werden kann und sie entweder zusammen stehen oder zusammen fallen.

10. So haben auch die Katholiken der ganzen Welt, die um die Freiheit des Papstes so sehr besorgt waren, das wahrlich denkwürdige Ereignis mit wundersamer einstimmiger Begeisterung aufgenommen, die allenthalben Dank gegen Gott auslöste und in allseitigen Glückwünschen an Uns zum Ausdruck kam. Aber eine ganz besondere Freude stellte sich bei den Italienern ein. Nachdem die alte Spaltung beseitigt worden war, legten nun die einen ihre Vorurteile gegen den Apostolischen Stuhl ab und besannen sich auf ihre Pflicht; die anderen freuten sich, dass ihre Vaterlandsliebe jetzt nicht mehr angezweifelt werden konnte, von der sie die Feinde der Kirche sonst gar nicht oder nur sehr schwer hätten überzeugen können, weil sie gleichzeitig treuergebene Söhne des Papstes waren. Aber zudem merkten und ahnten es alle Katholiken in Italien wie im Auslande, dass eine ganz neue Ordnung der Verhältnisse glücklich im Begriffe stehe sich zu entwickeln. Man beachte besonders, dass jene Verträge gerade in das 75. jahr seit der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter fielen und dass sie gerade an dem Tage unterzeichnet wurden, an dem kurz nachher die Unbefleckte Gottesmutter iin der Grote zu Lourdes am Gaffe erschien. So machte es den Eindruck, dass sie von der Gottesmutter selbst unter ihren besonderen Schutz genommen seien. Und da sie am Feste des heiligsten Herzen Jesu ratifiziert wurden, so durfte man darin erkennen, dass sie von ihm feierlich und ausdrücklich Siegel und Sicherheit erhalten hatten. Das ganz mit Recht. Denn wenn alles, was beiderseits abgemacht wurde, treu und gewissenhaft innegehalten wird, wie an es billigerweise erwarten darf, so werden sie ohne Zweifel für die Christenheit, für unser Vaterland und für die Menschliche Gesellschaft den größten Segen bringen.

Regelung anderer Fragen

11. Dieses glückliche Ereignis durften Wir wegen seiner einzigartigen Bedeutung etwas ausführlicher darlegen. Es ist indes der Mühe wert, wenigstens ganz kurz hinzusetzen: die göttliche Vorsehung fügte es so, dass Wir auch mt den Regierungen anderer Nationen die gegenseitigen Beziehungen zwischen dem Apostolischen Stuhle und der bürgerlichen Gewalt im Lauf des Jahres in wohlwollenden Sinne ordnen und bestätigen konnten; das wird der Freiheit der Kirche zugute kommen und gleichzeitig der Wohlfahrt der Staaten selbst dienen. Den abgesehen von einer Vereinbarung, die Wir mit der Republik Portugal trafen und sie sich nur mit der Umschreibung der Grenzen und Rechte der Diözese Meliapur bestätigt, haben Wir mit Rumänien, dann aber mit Preußen das alles festgelegt und ausgeglichen, was nicht nur einen Grund für Konflikte in der Zukunft ausschließen, sondern auch Sicherheit bieten soll, dass beide Gewalten, einerseits die Kirche, anderseits die weltliche Gewalt, zum Segen der christlichen Gesellschaft freundschaftlich zusammenarbeiten.

12. Da es sich darum handelte, dass die Regierung der Kirche gesetzlich anerkannt werde bei den Völkern, die bis zum großen Teile nicht unseres Glaubens sind, so standen der Abschließung solcher Verträge schwere und zahlreiche Schwierigkeiten im Wege. Sie glücklich zu überwinden, haben sich die Obrigkeiten und Leiter dieser Völker in Besonnenheit und Willigkeit aus freien Stücken sorgfältig bemüht. Wenn Wir daher gegen den Abschluss dieses Jahres in der Welt geistigerweise Umschau halten, ist es Uns eine große Freude zu sehen, wie viele Nationen mit dem Apostolischen Stuhle einen Bund des freundschaftlichen Einvernehmens entweder schon abgeschlossen haben oder daran sind, einen solchen abzuschließen oder zu erneuern. Wenn freilich im äußersten Osten Europas zu Unserem Leidwesen ein entsetzlicher Krieg nicht nur gegen die christliche Religion, sondern gegen alles göttliche und menschliche Recht öffentlich angezeigt ist, so ist es anderseits für Uns eine erfreuliche Tröstung, dass sich jene harte Verfolgung des katholischen Klerus und Volkes, die in der Republik Mexiko wütete, so weit gelegt zu haben scheint, dass man nunmehr mit einigem Vertrauen erwarten darf, der ersehnte Friede Werder nicht mehr allzu ferne seien.

Die Ostkirchen rücken näher

13. Nicht weniger hat es Uns ergriffen und erfreut, dass der Unsretwegen mit größerer Feierlichkeit begangene Verlauf dieses Jahres mit dem Apostolischen Stuhle auch die orientalische Kirche noch enger verbunden hat, deren Söhne die sich bietende günstige Gelegenheit sehr gerne benutzten, um ihre Liebe zur kirchlichen Einheit offen und ohne Rückhalt zu bezeigen, gewissermaßen als Gegenleistung dafür, dass Wir selbst, in den Fußstapfen Unserer Vorgänger wandelnd, die orientalischen Völker mit besonders wohlwollender Liebe jederzeit begleiteten. Sie sandten Uns nämlich sehr ergebene Schreiben und veranstalteten öffentliche und feierliche Kundgebungen ihrer Freude und ihres Glückwunsches.

14. Patriarchen und Bischöfe dieser Völkerschaften fanden sich entweder persönlich oder durch ihre Abgesandten ein, um desto ausdrücklicher ihre und ihrer Herden Liebe zum Obersten Seelenhirten zu bezeigen. Nach dem Beispiele der Bischöfe Armeniens, die voriges Jahr in Rom sich versammelt hatten, um zur Gesundung der unglücklichen Verhältnisse ihrer Nation beim Stuhle Petri Rats zu pflegen, haben vor kurzem die ruthenischen Bischöfe, die noch niemals vorher in ihrer Gesamtheit in Rom zusammengekommen waren, hier eine gemeinschaftliche Bischofskonferenz abgehalten, um durch die Wahl des Ortes und der Zeit die Anhänglichkeit der ganzen ruthenischen Kirche an den Nachfolger des Apostelfürsten klar zu zeigen. Der Erfolg dieser Tagungen war derart, dass er Unserer Hoffnungen und Erwartungen wahrhaftig nicht täuschte. In den Sitzungen fassten sie einmütigen Beschluss über den Studiengang der Theologen, die Gründung von Kanbenseminaren, die Einrichtung des Religionsunterrichtes für das ganz Volk, der eine bestimmte Reihe von Jahren umfassen soll und sie überlegten, wie sie sich an der Kodifikation des Kirchenrechts für die orientalische Kirche beteiligen und wie sie auch die Katholische Aktion in ihren Laienkreisen gemäß Unsern Wünschen fördern könnten; und alles das legten sie, wie es billig war, Uns zur Bestätigung vor. Wir mussten erkennen, dass sie heilsamere Beschlüsse für Klerus und Volk nicht hätten fassen können.

15. Es mag sein, dass das Gesagte mehr Eindruck macht und in der Öffentlichkeit durch äußeren Glanz mehr die Aufmerksamkeit und Bewunderung auf sich zieht. Aber zur Hebung des kirchlichen Lebens, so glauben Wir, werden manche andere Einrichtungen wenigstens ebenso wichtig sein, zu denen die göttliche Vorsehung Uns im Laufe des Jahres, gleichsam zu Krönung Unserer Freude, die Möglichkeit bot. Wir könnten sie zur Vollendung führen oder wenigstens unter günstigen Vorbedingungen beginnen. Übergeben Wir, dass Wir eine Reihe von Pfarrhäusern herrichten konnten, um den Seelsorgern eine würdigere Amtsverwaltung zu ermöglichen. Auch das lassen Wir beiseite, dass die Studienhäuser, die die religiösen Genossenschaften der Serviten und des heiligen Franz von Paula zur Heranbildung ihres internationalen Nachwuchses vor einiger Zeit in Rom errichteten, neulich eröffnet werden konnten. Wir sahen wirklich so viele Häuser errichten, die der wissenschaftlichen und asketischen Durchbildung der Kleriker dienen und zwar errichten in so kurzer Zeit, dass man es kaum im Laufe mehrerer Jahre erwartet hätte. Wir nennen das Kolleg für Almumnen aus den verschiedenen der Propaganda unterstehenden fernen Gebieten, das lombardische, das russische und das tschecheslowakische Seminar, die alle eröffnet wurden und vollständig ausgestattet sind. Weshalb sollten Wir es auch unberücksichtigt lassen, dass wir dem äthiopischen Seminar absichtlich hier den �Vatikan einen neuen, geräumigeren Sitz zuwiesen?

16. Dass ferner für zwei neue Kollegien, eines für ruthenische, das andere für brasilianische Kleriker, jüngst der Grundstein gelegt wurde und dass ein neues Gebäude für die Zöglinge des römisch-vatikanischen Seminare unmittelbar vor dem Beginn steht? Bei allem dem handelt es auch ausschließlich um das Seelenheil, das Christus der Herr durch kein kostbares Blut so teuer erkaufen wollte. Weshalb sollten Wir da nicht das Vertrauen haben, die Gnade Gottes werde Unsere Unternehmungen so schützen und schirmen, dass bald noch zahlreicher und noch besser ausgerüstete Scharen junger Leviten ins offene Kampffeld hinausziehen werden? Und weshalb sollten sie, die hier im Mittelpunkte der katholischen Welt mit Christi echter Lehre erfüllt und an die Übung priesterlicher ��Tugend gewöhnt wurden, weshalb sollten sie nicht, wenn sie zu Priestern geweiht sind, nach dem Abschied von Rom den Anschuss ihrer Heimat an den Apostolischen Stuhl noch viel enger gehalten? oder, falls sich ihre Heimat leider von der Einheit mit der römischen Kirche getrennt hat, sie nicht zur ursprünglichen Gemeinschaft mit ihr Schritt für Schritt zurückführen suchen? oder schließlich, wenn ihre Heimat noch in Finsternis und Todesschatten verhüllt liegt, ihr nicht das helle Licht der Wahrheit des Evangeliums bringen und Christi Reich unter ihren Landsleuten täglich weiter ausbreiten? Die Hoffnung auf solche �früchte hat für Uns einen so kostbaren Wert, dass Wir den göttlichen Urheber solcherFreude, der es verliehen hat, dass wir zum Segen der Kirche alles das unternehmen durften, nicht genug preisen können.

17, Aber Ehrwürdige Mitbürger und geliebten Söhne, es sind noch einige anderen Ereignisse mit Euch gemeinschaftlich zu überdenken, die diesem selben Jahres einen gewissen Glanz gaben und nach Gottes Ratschluss seine Denkwürdigkeit erhöhten. Nach Gottes Ratschluss, sagen Wir, denn für den Leiter der Geschichte dieser sichtbaren Welt gibt es keinen Zufall und kein Von-Ungefähr. Die Menschen sind nämlich so von Natur veranlagt, dass sie nach Ablauf bestimmter Zeitabschnitte gewissermaßen etwas haltmachen und die von Gott bisher der christlichen Gesellschaft geschenkten Wohltaten überdenken, um dann den noch vor ihnen liegenden Weg mit frischem Mutevoranzugehen. So musste es denn kommen, dass die Gläubigen sich derartige Anlässe, die sich ihnen in diesen zwölf Monaten boten, aus freien Stücken zu Nutze machten, um Gott dem Herrn, dem Geber alles Guten und damit ihrem gemeinsamen Vater, je den Umständen und der Zeit entsprechend, in Liebe und Dankbarkeit einmütig zu huldigen. Um diese Erweise kindlicher Anhänglichkeit Unserseits in väterlicher Zuneigung zu erwidern, hielten Wir es für entsprechend, dann den feierlichen Festlichkeiten durch eigene Schreiben oder durch Abgesandte teilzunehmen und ihren Glanz dadurch zu erhöhen.

14 Jahrhunderte benediktinische Familie

18. Als die benediktinische Ordensfamilie, der erlauchte Spross ihres Stifters, des heiligen Vaters Beendigt, daranging, die Erinnerung an den Ablauf von vierzehn Jahrhunderten seit der Gründung der Erzabtei Monte Cassino zu begehen, da durfte der �Apostolische Stuhl nicht dabe fehlen, um welchen sich jener "Hauptübungsplatz monastischer Regel" (Nikolaus II., Dekrete Pastoralis sollicitudinis) so Lange Zeit hindurch ausgezeichnete Verdienste erworben hat, wie desgleichen um Kultur und Zivilisation. Wenn Wir das immer wiederholen, so sagen Wir damit nicht etwas, was nur in gelehrten und gebildeten Kreisen offensichtlich und bekannt wäre, sondern was mit richtigem Verständnis solcher Lobeserhebungen auch im Volke allgemein verbreitet ist. Abgesehen nämlich davon, dass dem Volke, zumal bei Uns in Italien, jener Grundsatz des heiligen Patriarchen: "Bete und arbeite", regelmäßig als Vorbild gegeben wird, weiss es ja jedermann: Die Mönche der Erzabtei und sämtliche andere Mitglieder des Benediktinerordens förderten die schönen Künste, bewahrten die Denkmäler der göttlichen und menschlichen Wissenschaft für die ganz Nachwelt und schickten Sendboten des Evangeliums auch in die fernsten Länder. Und das alles mit solchem Segen für Christentum und Zivilisation, dass Unser Vorgänger Pius X. seligen Angedenkens die Verdienste des Klosters Monte Cassino mit vollem Rechte kurz und kernig in dem Worte zusammenfasste, die Chroniken des Klosters seien großenteils die Geschichte der römischen Kirche (Schreiben vom 10. Februar 1913). Deshalb kann es nicht wundernehmen, wenn bei den Feierlichkeiten zu der altehrwürdigen Erzabtei so viele Teilnehmer von allenthalben zusammenströmten, um scharenweise auf jenem heiligen Berg zu pilgern, das Andenken des heiligen Vaters Beendigt zu ehren und ihre Seele in �Buße zu reinigen.

Der heilige Ansgar in Schweden

19. In der Geschichte der Kirche liegt viel weniger weit zurück die Ankunft des heiligen Ansgar in Schweden, der vor elfhundert Jahren dort landete, nachdem er in Dänemark mit allem Eifer den Samen der Lehre des Evangeliums ausgestreut hatte. Das Gedächtnis an die Ankunft des heiligen Ansgar wurde in Stockholm, der Hauptstadt Schwedens, mit einem außergewöhnlichen Glanz begangen, soweit das die kleine Zahl der Katholiken des Landes nur möglich machte.

20. Ein feierliches Triduum wurde gehalten; von vierzehn Nationen waren, wenn man so sagen darf, Abgesandte als Vertreter anwesend, zwei Kardinäle, eine Anzahl Bischöfe sowie Äbte des Benediktinerordens, mehr äls tausend Gläubige; auf der Grundlage neuerer wissenschaftlicher Studien wurden Vorträge gehalten über das Werk des heiligen Ansgar und sein wundersames apostolisches Wirken; das schreiben, das Wir mit Unsern Wünschen gesandt hatten, wurde unter allgemeinen Beifall verlesen; alle Teilnehmer wurden von den städtischen Behörden Stockholms im Rathaus aufs ehrenvollste empfangen; an Uns und an den König von Schweden schickte man �Botschaften als Zeichen der Ergebenheit und des frohen Glückwunsches.

21. Diese Jahrhundertfeier wird keinem bedeutungslos erscheinen, wenn man bedenkt, dass vor siebzig Jahren für den Katholizismus in Schweden die Verhältnisse so schlimm lagen, dass der Übertritt zur Römisch-katholischen Kirche gesetzlich mit der Verbannung und Verlust des Erbrechtes bestraft wurde. Hier möge auch erwähnt werden, dass in jenen Gegenden mehrere Männer und Frauen aus hochgebildeten Kreisen in neuester Zeit zur Katholischen Kirche konvertierten und dass auf Island, das mit Dänemark zusammengehört, eben in diesem Jahre der Kardinalpräfekt der Propaganda so glücklich war, eine Kathedrale einweihen zu können. Zu den göttlichen Wohltaten dieses Jahres rechnen Wir auch die frohe Hoffnung, den mühsamen Arbeiten der Apostolischen Vikare, Priester und Ordensleute beiderlei Geschlechtes werde in diesen weiten Bezirken des Weinberges des Herrn auf die gnädige Fürsprache des heiligen Ansgar für die Zukunft eine noch viel erfreulichere Ernte beschieden sein.

Französische und tschechoslowakische Feierlichkeiten

22. Wie Wir nach Monte Cassino einen Kardinal entsandten, der Uns bei den dort bevorstehenden Feierlichkeiten vertreten sollte, so ließen Wir ebenfalls aus dem Kardinalskollegium einen Legatus a altere nach Frankreich reisen. Dort beging nm den fünfhundertsten Jahrestag des Ereignisses, dass Johanna d´ Ar, jene heilige, um ihr Volk hochverdiente Jungfrau, Triumphierend in der Stadt Orleans ihren Einzug hielt. Dass die lebhafte Erinnerung an diesen Triumphzug für alle Bürger froher und für die Katholiken fruchtbarer wurde, dazu trug sicher Unsere Teilnahme durch den Legaten wesentlich bei.

23. Weiterhin hielten Wir es für Unserem Amte angemessen, durch Unsern Apostolische Nuntius an den Feierlichkeiten teilzunehmen, mit denen die Bürger der tschechoslowakischen Republik das zweite Zentenarium der Heiligsprechung des Johannes von Nepomuk feierten, dann aber ganz besonders an den Feierlichkeiten teilzunehmen, mit denen man das tausendste Jahr beging, seitdem der heilige Wenzeslaus, der berühmte Herzog Böhmens und der himmlische Schutzpatron jenes ganzen Staates, durch Brudermord zu Tode kam. Wie Wir es neulich in Unserer Allokution im Konsistorium sagten, haben Wir zu Unserer großen Herzensfreude erfahren, dass an den Feierlichkeiten zu Ehren des Märtyrers Wenzelaus nicht nur Einheimische und Fremde in großer Zahl teilnahmen, sondern auch die Herren von der Regierung und die Behörden. Wie hätten Wir Uns nicht freuen sollen über eine solche gemeinsame Begeisterung? Nach den allgemeinen Wirren, die nach Erlöschen des Weltkrieges die katholische Einheit und die Katholische Aktion dort in eine äußerst kritische lage gebracht hatten, war in diesen Tagen eine solche Ruhe und Stille gefolgt und zeigte sich eine solche Lage des öffentlichen Lebens, wie Wir es beim Herannahen der Feierlichkeiten von Gott erbeten hatten, dass sie kommen und unter dem Schutze und der Fürbitte des heiligen Wenzelaus ständig bleiben möge. O möchte doch Unser Sehnen sich erfüllen; denn jedermann sieht, wie das einträchtige Zusammenwirken beider Gewalten, der kirchlichen und der bürgerlichen, aufs beste der Wohlfahrt jener Nation zu Nutzen kommen würde.

Ein Jubiläumsjahr zweifach begangen

24. Unsere geliebten Söhne in England, Schottland und Irland, die mit aller Kraft am Glauben festhalten und sich an inniger Kindesliebe von niemand übertreffen lassen, wussten das fünfzigste Jahr Unseres Priestertums gar wunderbar zu verschönern. Denn mit glänzender Aufmachung und unermesslich großer Teilnahme einer von allen Seiten zusammenströmenden Bevölkerung wurde die Vollendung des Jahrhunderts begangen, seit die Katholiken, einstmals verfolgt und hart misshandelt und später, bei besser gewordenen Zeiten, von den bürgerlichen Rechten immer noch ausgeschlossen, endlich, wie in eine alte Heimat und in alte Gerechtsame, wieder eingesetzt wurden in die bürgerlichen Rechte und in die Freiheit des religiösen Bekenntnisses. Und es war Uns eine besondere Freude und Genugtuung, dass man in England, Schottland und Irland diese Feierlichkeiten beging, nicht um alte Erinnerungen aufzufrischen oder irgend jemanden alten Unrechtes anzuklagen. Nein, man erwog nur, wie man von der zunächst überhaupt wiedergewonnenen und nachher in weiterem Ausmaße erlangten Freiheit am besten Gebrauch machen könnte, um Christi Gesetz gewissenhafter zu beobachten und weiter zu verbreiten und sodann die Belange des Staates mit gebührender Ergebenheit gegen die weltliche Gewalt zu wahren.

25. Wir hatten mannigfachen Grund, auch Unserseits an der Jahrhundertfeier teilzunehmen. Dem Statthalter Christi ziemt es jederzeit, sich bei heiliger Freude seiner Söhne gemeinschaftlich mitzufreuen. Um so mehr war es bei dieser Gelegenheit entsprechend, wo die Erinnerung daran gefeiert wurde, dass jetzt die Bitterkeiten zu Ende waren, die dem edlen und hochherzigen Vorfahren der Katholiken standhaft und entschlossen getragen hatten, um ihren Glauben und die Gemeinschaft mit der römischen Kirche zu wahren. Es ist Uns sogar durch göttliche Fügung geschenkt worden, dass Wir die Freude Unserer Söhne aus England, Schottland und Irland durch Feierlichkeiten krönen konnten, di ihren eigenen Feierlichkeiten in nichts nachstanden. Nach ordnungsgemäßiger Prüfung der ganzen Verhältnisse konnten Wir jene mutige Schar der Männer, die zwar nicht zu ein und derselben Zeit, aber für ein und dieselbe Sache Christi und der Kirche in den erwähnten langen Verfolgung mitgestritten hatten, mit derselben päpstlichen Autorität, für die sie selbst in den Tod gingen und ein leuchtendes Martyrium erlitten, jüngst in das Verzeichnis der Seligen aufnehmen. So traf es sich, dass das fünfzigste Jahr Unseres Priestertums, das schon durch die Seligsprechung des Armeniers Gomidas Keumurgian, des begeisterten Blutzeugen für die kirchliche Einheit, einen besondern Glanz bekommen hatte, nun durch diese so zahlreichen Opfern gewährte Zuerkennung der Märtyrerpalme und Märtyrerverehrung mit erhöhtem Glanze zu Ende geht.

Andere Seligsprechungen

26. Doch die Kraft und Stärke des Heiligen Geistes sozusagen die Adern der Kirche ständig durchströmt, erkennt man schon aus dem schließlichen Siege dieser Märtyrer. Wurde da nicht auch deutlich klar, als Wir andere Helden der Heiligkeit den Gläubigen im Monat Juni zur Verehrung und Nachahmung hinstellen?

27. Man braucht kaum ausdrücklich zu sagen, welch große Zahl von hiesigen und Fremden im majestätischen Petersdome die neuen Seligen mit Uns verehrten; einen Claude de La Colombiere, den berühmten Sohn der Gesellschaft Jesu, den Jesus selbst nicht nur als treuen Knecht bezeichnete und der Maria Margarete Alacoque als Berater gab, sondern auch zum Hauptförderer der Herz-Jesu-Andacht im christlichen Volke bestimmte; eine Theresia Margarete Redi, die Karmeliterin aus der florentinischen Ordensfamilie, diese Blüte von Jugend und Unschuld; einen Franz Maria von Camporosso aus dem Kapuzinerorden, der, fast zu unserer Zeit, vierzig Jahre hindurch in Erfüllung seiner Pflicht an den Türen Almosen bettelte und durch das Beispiel seiner Lauterkeit, durch seine frommen und klugen Ratschläge und durch seine milden Anregungen zur Frömmigkeit dem Volke und auch den ersten Kreisen Genuas das Bild des Heiligen von Assisi so nahe brachte, dass die Genüssen ihn nicht nur im Leben ehrten und schätzten, sondern auch nach seinem Tode bis heute in dankbarer und ehrfürchtiger Erinnerung halten.

28. Wie könnte man aber die Herzensfreude schildern, die Wir empfanden, als Wir den seligen Giovanni Bosco, den Wir in die Reihe der Seligen aufnahmen, in derselben vatikanischen Basilika öffentlich verehren durften, in lieber Erinnerung an die Jahre, da Wir als junger Priester an den klugen Gesprächen dieses großen Mannes Uns erfreuen konnten. Da mussten Wir die Barmherzigkeit Gottes, der wunderbar in seinen Heiligen ist, bewundern, Gottes, der den seligen Giovanni Bosco so lange und in weiser Vorsehung gegen die ruchlosen Umtriebe arbeiten ließ, die darauf ausgingen, das Christentum von Grund aus zu zerstören und die Oberhoheit des Papstes zu schmälern und zu verleumden. Als Knabe schon hatte er seine Altersgenossen um sich gesammelt, um gemeinsam mit ihnen zu beten und mit ihnen die Hauptsätze der christlichen Lehren durchzugehen. Zum Priester geweiht, richtete er all sein Sinnen und Sorgen auf das Wohl der Jugend, die der Verführung durch schlechte Menschen am meisten ausgesetzt ist. Er suchte die jungen Menschen von Gefahren fernzuhalten und zu den Geboten und Gesetzen des Evangeliums und zur Sittenreinheit heranzubilden. Zur Erweiterung seines großen Werkes holt er Genossen herbei mit solchem Erfolge, dass er eine neue und zwar sehr zahlreiche Schar von Streitern für die Kirche gewann. Er gründete Schulen und Werkstätten für diejenigen Leute, um sie in der Wissenschaft oder im Handwerk auszubilden; gründete sie in Italien und im Auslande. Schließlich konnte er auch recht viele Missionare zur Ausbreitung des Reiches Christi aussenden.

29. Wie Wir das während der Anwesenheit im Petersdom bei Uns überlegten, kam Uns nicht nur zum Bewusstsein, wie zweckentsprechend Gott der Herr zumal in widrigen Verhältnissen seiner Kirche Halt und Schutz leiht; da schwebte Uns auch der Gedanke vor der Seele, wie es durch besondere Vorsehung des Spenders alles Guten gekommen sei, dass der selige Don Bosco der allererste war, dem Wir nach dem so ersehnten Friedensabschluss mit dem Königreiche Italien die himmlischen Ehren zuerkennen konnten: Bosco, der die Verletzung der Rechte des Apostolischen Stuhles so bitter beklagte und der wiederholt alle kraft darangesetzt hatte, damit die Rechte der Kirche wiederhergestellt und der traurige Zwist friedlich beigelegt werde, der Italien aus der väterlichen Umarmung des Papstes losgerissen hatte.

Große Pilgerströme

30. An dieser Stelle müssen Wir, Ehrwürdige Mitbürger und geliebte Söhne, auch etwas sagen über die gewaltigen Menschenmassen, die im Laufe dieses Jahres als Pilger hier in Rom sich einfanden. Man kann sie zwar kaum als Pilger oder als auswärtige Wallfahrer bezeichnen; denn im Hause des gemeinsamen Vaters kann niemand als "Auswärtiger" gelten. Wir hatten ein Schauspiel vor Augen, das Uns aus mehr mehr als einem Grunde sehr lieb war. Denn schon die Übereinstimmung so vieler Nationen, die an Veranlagung, an Empfinden, an Sitten so verschieden sind: Übereinstimmung in demselben Glauben und in derselben Ehrerbietung gegen den obersten Hirten der Seelen - war das nicht eine laute und offene Predigt für die Einheit und die Allgemeinheit, de der göttliche Stifter als ein besonderes Kennzeichen seiner Kirche aufprägen wollte? Zu gewissen Zeiten des Jahres verging kein Tag, an dem man in Rom nicht ganze Scharen aus den Bistümern Italiens, aus den übrigen Völkern Europas, aus Überseee angekommen und die prächtigen Kirchen fromm besuchen sah. Aber es soll auch nicht verschwiegen werden, dass die Einwohner Roms, die dem römischen Päpste als ihren Bischof besonders nahestehen, in nichts zurückbleiben hinter den Pilgern und Auswärtigen, um in feierlicher Prozession zu den Basiliken zu ziehen und den für die katholische Welt verkündeten Ablass zu gewinnen. Und gar am 1. Dezember war aus Unserer Diözese eine solche Menge Unserer Söhne zur Gewinnung des Ablasses in der Peterskirche versammelt, dass Wir wohl niemals die gewaltigen Hallen so angefüllt gesehen haben.

31. Diesen allen, die so zahlreich baten, zu Uns kommen zu dürfen, haben Wir gerne die Bitte gewährt. Ihre Anwesenheit war Uns eine große Freude. So viele tausend Menschen, Jugendlich zumal, die Wir nacheinander empfingen, haben mit einer solchen Spannung und, Wir möchten sagen, mit solcher Sehnsucht und laut kundgegebener Begeisterung Uns Gehör geschenkt, dass Wir sicher sind, das erreicht zu haben, was wir bei der Ankündigung eines heiligen Jahres Uns vorgesetzt hatten.

32. Wie Wir nämlich zu Anfang sagten, Unser Absehen ging ausschließlich darauf hinaus, Glauben und Frömmigkeit im christlichen Volke neu zu beleben und so den Weg glücklich freizumachen zur Besserung der privaten und öffentlichen Sitte. Denn, um die Worte Unseres hochseligen Vorgängers Leo XIII. zu zitieren, "was der Einzelne an seelischer Vollkommenheit gewinnt, das muss notwendig auch einen Zuwachs an Ehrbarkeit und Tugend in Leben uns Sitte der Öffentlichkeit bedeuten".

33. Wie viele glänzende Beispiele der Frömmigkeit und Tugend haben Wir in diesem Jahre beobachten können, da in der ganzen Welt die Gläubigen die mit väterlicher Freigebigkeit von Uns erschlossenen Schätze unvergänglicher himmlischer Gnadengaben zu gewinnen suchten, wenngleich hie und da einige leichtfertiges Wesen und Streben nach Irdischem an den Tag legten. Und alle, besonders jene, die die Mittel zum Heile zu Hause leichter und bequemer hätten haben können und doch die Unannehmlichkeiten und Kosten der Reise auf sich zu nehmen vorzogen, verkündeten durch die �Tat, dass es Werte gibt, die weit höher stehen als die eilten und wandelbaren Dinge der Welt und die der unsterblichen Seele würdiger sind und deren Gesinnung an erster Stelle von den Menschen anzustreben ist.

34. Hierzu kam noch eine andere trostreiche Erwägung. Bei Unsern fast täglichen Ansprachen mit so vielen Söhnen stellte sich heraus, dass man heute mit viel größerem Interesse alles das verfolgt, was die Stärkung des Reiches Christi bei den katholischen Nationen angeht oder seine Errichtung unter den Völkern, denen Unsere Lehre und Bildung noch fremd ist. Daher ergab sich auch in diesem Jahre ein Wachstum der katholischen Aktion, die das Apostat des Klerus unterstützen und fördern muss und desgleichen nahm die Geldunterstützung für den Unterhalt der Missionen zu. Wir zollen hier hohes Lob der frommen Freigebigkeit derer, die zur Erinnerung an Unser Jubeljahr mannigfache Einrichtungsgegenstände, Geräte zum Gottesdienst und Paramente zum Gebrauch der Missionen Uns reichlich zur Verfügung stellten.

35. Ehrwürdige Mitbrüder und geliebte Söhne. Den Wunsch, den Wir zu Anfang Unseres Schreibens aussprachen, wiederholen Wir jetzt zum Abschluss: Ihr möget mit Uns zusammen Gott dem Herrn herzlichen Dank sagen, der Uns ein ein langes Priesterleben schenkte. Uns so wirksam geholfen hat und in jeder Weise, zumal in diesem Jahre, aufrichtete und erquickte. Aber nachdem Wir, wie es in der Ordnung ist, Gott dem Herrn gedankt haben für ein solches Übermaß von Wohltaten, statten Wir auch in besonderer Weise denen Dank ab, die er als Werkzeuge seiner Güte und Vorsehung benutzte, um Uns mit so reichen Wohltaten zu beschenken: den Führern und Regierungen der Völker, die uns kostbare Geschenke darbrachten und den Angehörigen ihrer Länder Erleichterungen zur Reise nach hier verschafften und die so ihre herzliche Zuneigung zu Uns an den Tag legten; der ganzen katholischen Christenheit, soweit sie den vollkommnen Ablass daheim oder hier in Rom gewonnen und nicht bloß dem gemeinsamen Vater, sondern auch den anderen einen glänzenden Beweis ihres Glaubens und ihrer Frömmigkeit gegeben hat. Weshalb sollte eine solche Gesinnung und Tugend im Laufe der Zeit abnehmen oder gar schwinden? Wir wollen im Gegenteil den göttlichen Schöpfer und Leiter der Menschheit herzlich bitten und wollen hoffen, dass christliche Liebe überall allen Parteihader mildere, dass die Gebote des Evangeliums die private und öffentliche Sitte durchdringen, dass die Bürger unter sich und mit den bürgerlichen Gewalten volle Eintracht wahren und sich vornehmlich im Schmuck der christlichen Tugenden als Vorbild zeigen, auf dass sie den Lauf des Erdenlebens zur himmlischen Heimat glücklich vollenden.

Ausdehnung der Ablasserlangungszeit

36. In den letzten Monaten wurde Uns verschiedentlich und wiederholt die Bitte vortragen, Wir möchten den frohen Genuss der geistigen Früchte, von denen Wir gesprochen haben, erheblich verlängern. Diese Bittsteller haben um etwas gebeten, was vielleicht nicht üblich ist. Aber Unsere Sorge für das gemeinsame Seelenheil und der Wunsch, Unsere Dankbarkeit reichlicher bezeugen, drängen Uns, die Bitte zu erfüllen. Deshalb verlängern Wir durch Unsere Apostolische Autorität den vollkommenen Ablass, den Wir mit Anfange eines außerordentlichen heiligen Jahres in der Apostolischen Konstitution Auspcantibus Nobis verkündigt und am 6. Januar verliehen haben, bis Ende des kommenden Juni 1930 unter den gleichen Bedingungen wie bisher, mit Aufhebung gegenteiliger Bestimmungen.

Inzwischen spenden Wir als Unterpfand jenes Friedens, den Jesus Christus in seiner Geburt den Menschen gebracht hat und zugleich als Erweis Unseres väterlichen Wohlwollens Euch, Ehrwürdige Mitbürger und geliebte Söhne, liebevoll den Apostolischen Segen.

Gegeben in Rom, zu St. Peter, am 23. Dezember 1929,
im achten Jahr Unseres Pontifikates.
Pius PP. XI.

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