Prämonstratenser

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Abtei Prémontré

Die Ordensgemeinschaft der Prämonstratenser (lat. Candidus et Canonicus Ordo Praemonstratensis, dt. Weißer und Kanonischer Orden von Prémontré, Abkürzung OPraem) ist eine Gemeinschaft von Chorherren und Chorfrauen in augustinischer Tradition, gegründet im Jahr 1121 von Norbert von Xanten.


Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge des Prämonstratenser-Ordens

"Ich bringe mich selbst dar und übereigne mich der Kirche von Prémontré. Ich verspreche Bekehrung meines Lebens und Leben in Gemeinschaft, vor allem in Armut, gottgeweihter Ehelosigkeit und Gehorsam, getreu dem Evangelium Christi, nach Weisung und Art der Apostel und nach der Regel des heiligen Augustinus." Mit diesen oder ähnlichen Worten, die noch bis heute als Professformel des Prämonstratenser-Ordens in Gebrauch sind, legte der heilige Norbert von Xanten zusammen mit seinen etwa 40 Gefährten am Weihnachtsfest des Jahres 1121 im unwirtlichen und abgelegenen Tal von Prémontré in Nordfrankreich, nahe der Stadt Laon, ein feierliches Versprechen vor Gott ab, und dieses Ereignis gilt als Geburtsstunde der Prämonstratenser, deren offizielle Ordensdevise seit dem Generalkapitel von 1914 lautet, "zu jeden guten Werk bereit" zu sein.

Der Ordensgründer selbst hielt sich nur in den Wintermonaten in Prémontré auf, sonst zog er als Wanderprediger und Friedensstifter umher und konnte viele Männer und Frauen so beeindrucken, dass sie sich ihm anschlossen. Er ließ sie aber nicht in ungeordneten Scharen mit sich ziehen, sondern führte sie Klöstern zu, die von ihm neu gegründet oder reformiert worden waren. In allen Teilen Europas entstanden nun Gemeinschaften nach dem Vorbild von Prémontré: 1122 wurde beispielsweise das erste Kloster auf deutschem Boden gegründet, nämlich Cappenberg bei Dortmund.

1126 wurde Norbert zum Erzbischof von Magdeburg gewählt und entdeckte darin völlig neue, ungeahnte Möglichkeiten für seinen Orden: 1129 wandelte er das Stift Unser Lieben Frauen in seiner Bischofsstadt zu einem Kloster seines Ordens um, das zum Zentrum der miteldeutschen Prämonstratenser und ihrer Mission unter den Slawen werden sollte.

Nach Norberts Tod am 6. Juni 1134 sah sein Nachfolger, Hugo von Fosses, seine Aufgabe darin, der bisher relativ lockeren Bewegung eine einheitliche und straffe Organisation zu geben. Während seiner Amtszeit wuchs der Orden auf 120 Klöster an, um 1200 bestanden rund 600 Klöster dieses Ordens, dessen Schwerpunkt in Deutschland und Frankreich lag. Bis heute bilden die Prämonstratenser den größten Chorherren-Orden der katholischen Kirche.


Kurze Geschichte des Prämonstratenser-Ordens

Mit dem Aufkommen der Bettelorden im 13. Jahrhundert war die erste Begeisterung für die Prämonstratenser verflogen. Ihnen fehlte es an Nachwuchs und bald waren sie gezwungen, die Eigenwirtschaft weithin auf Pacht- und Rentenwirtschaft umzustellen. Aus den Männerklöstern wurden so fast reine Priestergemeinschaften ohne Laienbrüder.

Das große Abendländische Schisma, Kriege und der Ausbau der Landeshoheit durch die Fürsten minderten die Kontrollfunktion des Ordens bezüglich der einzelnen Klöster, so dass sich die Disziplin lockterte. Erst Reformbestrebungen des 15. Jahrhunderts, deren Anstoß in Deutschland meist von den Landesherrn ausging, brachten vielerorts einen neuen religiösen Aufschwung, während die neuzeitliche Denkweise in anderen Klöstern zur Umwandlung in weltliche Stifte führte. Die Reformation bereitete zahlreichen Prämonstratenser-Klöstern das Ende. Besonders betroffen waren der Norden und Osten Deutschlands, die Niederlande, Skandinavien, die Britischen Inseln und Teile der Schweiz.

Neuen Aufschwung erlebte der Orden in der Zeit der Gegenreformation, und in der Zeit des Barock und Rokoko entstanden besonders im Süden Deutschlands prächtige Klosteranlagen. Auch die weltberühmte Wieskirche wurde von den Prämonstratensern erbaut; sie gehörte zum Kloster Steingaden.

Obwohl entgegen der weit verbreiteten Meinung gegen Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur verrottete Klöster existiert und verdorbene Ordensleute gelebt hatten, sondern im Prämonstratenser-Orden Ansätze für notwendige und heilsame Reformen vorhanden waren und zukunftsweisende Ideen kursierten, wurden fast alle 250 noch verbliebenen Prämonstratenser-Klöster enteignet, verkauft und zerstört. Dies war eine Folge der Säkularisation im Zeitalter des Josephinismus und im Zuge der Französischen Revolution. Bestehen blieben nur etwa 10 Abteien in der Donaumonarchie und die Abtei Berne in den heutigen Niederlanden.

Ab 1835 konnten fünf Klöster in Belgien wiederbegründet werden, und 1921 kehrte der Orden nach Deutschland, nämlich in die Abtei Speinshart in der Oberpfalz, zurück. Es entstanden auch Niederlassungen in Afrika, Australien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Indien, Irland, Kanada, Südamerika und den USA. Die bald nach dem Zweiten Weltkrieg unterdückten Konvente in Osteuropa können seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder in Freiheit leben und arbeiten.


Der Prämonstratenser-Orden heute

Prämonstratenser-Klöster gibt es heute auf allen Kontinenten. Der Orden zählt zur Zeit weltweit rund 75 Männerklöster mit über 900 Priestern, fast 300 Priesteramtskandidaten und 100 Laienbrüdern sowie rund 30 Frauenklöster mit fast 350 Schwestern. Gegenwärtiger Generalabt ist Thomas Handgrätinger (seit 2003), der seinen Sitz im Generalat auf dem Aventin in Rom hat.

Es sind vier Elemente, welche die Prämonstratenser miteinander zu verbinden suchen: Communio (Gemeinschaft), contemplatio (klösterliche Beschaulichkeit), actio (Seelsorgstätigkeit jeder Art) und stabilitas loci (das Leben mit den Menschen und für die Menschen an einem konkreten Ort). Dies stellt sich an unterschiedlichen Orten ganz unterschiedlich dar, weil unterschiedliche Gegebenheiten vorhanden sind: So ist ein abgelegenes Kloster in Südfrankreich wesentlich beschaulicher als beispielsweise Klöster mitten in einer Großstadt, die häufig zahlreiche Pfarreien zu betreuen haben. In Ungarn gelten die Prämonstratenser besonders als Schul-, in Afrika als Missionsorden. In dieser Flexibilität liegt die Stärke des Ordens. Zugleich ist sie aber auch eine Gefahr, weil es an Einheitlichkeit mangelt und im Alltag der Einzelne immer wieder neu ein Gleichgewicht zwischen klösterlichen Verpflichtungen und Aktivitäten nach außen finden muss. In seinem Bemühen, diese beiden Pole miteinander zu verbinden und als Seelsorge-Team an verschiedenen konkreten Orten "zu jedem guten Werk bereit" zu sein, kann der Prämonstratenser-Orden in einer Zeit der Umstrukturierung der Pfarreien aber auch zu einem Modell der Erneuerung der Pastoral werden, wie dies bereits im 12. Jahrhundert zur Zeit des heiligen Norbert der Fall war.

Niederlassungen

Deutschland

Landkreis Coburg - Oberfanken - Bayern
  • Hausen, Ortsteil von Bad Kissingen (Unterfranken - Bayern)
  • Michelfeld in Marktsteft (Landkreis Kitzingen - Unterfranken - Bayern)
  • Oberzell in Zell am Main (Landkreis Würzburg)
  • Osterhofen auch Altenmarkt oder Damenstift genannt (Landkreis Deggendorf)
  • Rieneck, Kloster St. Elisabeth (Landkreis Main-Spessart)
  • Sankt Salvator in Bad Griesbach im Rottal (Landkreis Passau)
  • Sulz in Dombühl (bei Feuchtwangen, Landkreis Ansbach)
  • Unterzell in Zell am Main (Landkreis Würzburg)

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