Prädestination

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Unter Prädestination versteht man den ewigen göttlichen Willensratschluss im Hinblick auf die himmlische Seligkeit. Der gegensätzliche Begriff ist die Reprobation.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Im weiteren Sinn ist unter Prädestination jeder göttliche Willensratschluss in Bezug auf alles gemeint. Im engeren Sinn meint man die göttliche "Vorherbestimmung" auf das Endziel der Menschen. Es geht darum, ob jemand die himmlische Seligkeit erreicht oder verdammt wird.

Lehre der Kirche

Die Kirche lehrt, dass Gott durch seinen ewigen Willensratschluss vorherbestimmt hat, wer die ewige Seligkeit erreichen wird und wer nicht. Diese Lehre wird z.B. vom Konzil von Trient vorausgesetzt (vgl. L. Ott, Grundriß der katholischen Dogmatik). In der Bibel findet man dazu im Römerbrief (Kapitel 8,29) einen Hinweis: "Denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei."

Unter anderem hat der heilige Augustinus die Lehre gegen die Pelagianer und Semipelagianer verteidigt: "Den Glauben an diese Vorherbestimmung, der jetzt gegen neue Irrlehrer mit neuem Eifer verteidigt wird, hat die Kirche zu allen Zeiten gehabt." (De Dono persev. 23, 65)

Problem der Prädestinationslehre und Lösungsvorschläge

Die Schwierigkeit der Prädestinationslehre liegt in dem Gedanken, ob der ewige Prädestinationsratschlusses Gottes mit Rücksicht oder ohne Rücksicht auf die Verdienste des Menschen gefasst worden ist.

Zu diesem Denkproblem gab es in der Kirchengeschichte zwei Lösungsansätze, die beide kirchlich zulässig sind:

Absolute Prädestination

Die Thomisten, Augustianer, Skotisten und auch einzelne Molinisten (Francisco Suárez, Robert Bellarmin) lehrten eine absolute Prädestination, das heißt eine Prädestination ante praevisa merita. Inhaltlich wird damit gesagt, dass Gott bereits vorherbestimmmt, wer gerettet wird und dass diejenigen Personen dann auch die Zuteilung der notwendigen Gnaden zur Ausführung dieses göttlichen Willens bekommen.

Bedingte Prädestination

Die Molinisten und der heilige Franz von Sales lehrten eine bedingte Prädestination. Bei diesem Ansatz sieht Gott voraus, wie sich der freie Wille des Menschen in den verschiedensten Gnadenordnungen verhalten würde. Gott weiß mit der scientia visionis unfehlbar voraus, was der Mensch aus den Gnaden macht, und bestimmt ihn daher zur Seligkeit.

Eigenschaften der Prädestination

Die Prädestination hat zwei Grundeigenschaften:

Unabänderlichkeit

Der Prädestinationsratschluss ist unabänderlich. Der Dogmatiker Ludwig Ott meint in diesem Hinblick, dass man im Gegensatz zu der von Thomas von Aquin vertretenen rigoristischen Anschauung, dass die Zahl der Prädestinierten geringer als die Zahl der Reprobierten sei, annehmen darf, dass das Reich Christi nicht kleiner als das Reich Satans ist.

Ungewissheit

Im Konzil von Trient wird gesagt, dass man nur auf Grund einer besonderen Offenbarung Gewissheit erlangen kann, ob tatsächlich jemand prädestiniert ist. Die Kirche lehrt weiters, dass es Zeichen der Vorherbestimmung gibt, die wenigstens mit großer Wahrscheinlichkeit auf die tatsächliche Prädestination schließen lassen. Darunter sind z.B. die Übungen der in den acht Seligkeiten empfohlenen Tugenden, häufiger Empfang der hl. Eucharistie, Nächstenliebe, Liebe zu Christus und zur Kirche, Verehrung der Muttergottes gemeint.

Literatur

  • Ludwig Ott: Grundriß der Dogmatik. Freiburg 1959; Neuauflage Bonn 2005
  • R. Garrigou-Langrage: La prédistination des saints et la grace.
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