Più a volte (Wortlaut)

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Apostolisches Schreiben
Più a volte

Seiner Heiligkeit
Papst
Leo XIII.
an den Herrn Generalvikar von Rom Lucidus M. Parochi
über die Einführung der täglichen Rosenkranzandacht in den Kirchen Roms

31. Oktober 1886

(Quelle: Leo XIII., Lumen de coelo - Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten, Verlag "St. Norbertus" Buch- und Kunstdruckerei Wien 1903, Buch VI, S. 11-13; in Fraktur abgedruckt).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Rosenkranz als Herz.jpg
Herr Kardinal,

Zu wiederholten Malen während Unseres Pontifikates haben Wir Unsere besondere Liebe für die Andacht vom hochheiligen Rosenkranz und das große Vertrauen, welches Wir in den gegenwärtigen schweren Nöten der Kirche in dieselbe setzen, kundgegeben. Wir haben Uns in Unseren Rundschreiben weitläufig über die Motive dieser Unserer Liebe und Unseres Vertrauens ausgesprochen, Motive, die Uns veranlasst haben, diese fromme Übung auch weiterhin für den genannten Monat, bis Wir eine neue Verfügung treffen würden, vorzuschreiben. Es ist wahrhaft tröstlich, für unsere Seele zu erfahren, dass sich die genannte fromme Übung an den zahlreichen Orten sowohl öffentlich als in Privatkreisen einer lebhaften Teilnahme erfreut und in den Seelen kostbare Früchte der Gnade und des Heiles erwirkt.

Wir glauben daher, dem gläubigen Volke die Förderung dieser frommen Andacht, welche Wir allerwärts verbreitet, die Wir überall und für alle Zeit als wahre Volksandacht eingeführt zu sehen wünschen, nicht genug ans Herz legen zu können. Dieses Verlangen ist in Uns umso lebhafter, je trauriger und feindseliger die Zeiten von Tag zu Tag gegen die Kirche werden und je dringender die Not nach einer außergewöhnlichen Hilfe Gottes verlangt. Die Dreistigkeit der Sekten[1], groß geworden durch die Gunst und Nachsicht, die sie allenthalben begegnet, ruht nicht: auf tausenderlei Art sucht sie der Kirche Schimpf und Beleidigungen anzutun, weil diese die einzige Macht ist, die sie bekämpfen kann und auch immer bekämpft hat. Die Kirche, als göttliches Werk, dem die Verheissungen seines Stifters jedwede Sicherheit verleihen, fürchtet nicht für sich. Allein unberechenbar ist der Schaden, den die Seelen erleiden, deren eine große Anzahl elend und zu Grunde geht. Diese Erwägungen drängen Uns zu dem Wunsche, dass die Zuflucht zu Gott und zu der heiligen Jungfrau vom Rosenkranz, jener überaus mächtigen Hilfe der Christen, deren Stärke die Mächte der Unterwelt zitternd empfinden, in der Kirche eine beständige und ununterbrochene sei.

Wir wenden Uns demnach an Sie, Herr Kardinal, als Unseren Stellvertreter in der Leitung der Kirche Roms, um Ihnen bekanntzugeben, dass es Unser Wunsch sei, es möge gerade in den Kirchen und Oratorien von Rom mit der Einführung der täglichen und immerwährenden Rosenkranzandachten begonnen werden. Viele Kirchen dieser Unserer erhabenen Stadt hat die hervorragende Frömmigkeit der Römer der allerseligsten Jungfrau geweiht und Wir wissen, dass in mehreren derselben die tägliche Rosenkranzübung bereits eingeführt ist. Allein es ist Unser Wille, dass die fromme Andacht auch in allen übrigen der Mutter Gottes geweihten Kirchen eingeführt und in jenen Stunden, welche je am passendsten und für die Gläubigen am bequemsten scheinen, abgehalten werde. Wollen Sie daher die diesen Unseren Wünschen entsprechenden Verfügungen treffen, für deren Ausführung Wir, wie Sie wissen, gerne alle möglichen Erleichterungen gewähren.

Nicht ohne Beweggründe ordnen Wir für Rom ganz besondere Gebete an. Es ist nur billig, dass Rom, der Sitz des Statthalters Jesu Christi, von der Vorsehung außergewöhnlich begünstigt und in besonderer Weise der seligsten Jungfrau geweiht, in religiösen Kundgebungen jeder anderen Stadt vorangehe und allen zum Beispiel diene. Überdies leidet die Kirche in der Person ihres Oberhauptes hier mehr als anderswo. Hierher, nach dem Mittelpunkt des Katholizismus, sind mehr als anderwärts die Anstrengungen der Feinde gerichtet. Rom ist vor allem die Zielscheibe des fanatischen Hasses der Sekten. Rom hat daher mehr Ursache und größeres Bedürfnis, sich unter den Schutz der mächtigen Jungfrau zu flüchten und sich ihre Hilfe zu verdienen. Wir zweifeln daher nicht, dass die Frömmigkeit der Römer Uns in diesen Unseren Absichten, welche ebenso wohl den Vorteil der ganzen Kirche, wie auch die Wohlfahrt Roms anstreben, vollkommen beipflichten werden.

In dieser süßen Hoffnung erteilen Wir Ihnen, Herr Kardinal, dem ganzen Klerus und Volke von Rom aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen.

Vom Vatikan, 31. Oktober 1886,
Leo XIII., Papst

Weblinks

Anmerkungen

  1. Gemeint sind offenbar die Freimaurer
Meine Werkzeuge