Philothea

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Der Verfasser François de Sales

Unter dem Namen Philothea („Gott liebende Seele“) ist die Anleitung zum frommen Leben (Französischer Originaltitel: Introduction à la vie dévote) des Kirchenlehrers und Patrons der katholischen Schriftsteller Franz von Sales bekannt. Sie wurde erstmals 1608, die endgültige Ausgabe 1619 veröffentlicht.

Franz will mit dieser Schrift eine Laienaszetik für Männer und Frauen in der Welt geben, für Anfänger (aber auch Fortgeschrittene) im geistlichen Leben. Er zeigt, wie Menschen von starkem Charakter in der Welt leben können, ohne weltliche Wesenheit anzunehmen.[1]Das Werk ist nicht direkt für Ordensleute oder Priester gedacht, beinhaltet jedoch auch Wesentliches für ihr Streben nach Vollkommenheit.[2]

Papst Pius XII. fordert am 6. Januar 1941 Brautleute auf, dieses Buch zu lesen, "jene Seiten, die ebenso köstlich wie gründlich geschrieben sind: sie sollten euch zu einer Lieblingslektüre werden."[3]

Inhaltsverzeichnis

Die Entstehung der Schrift

Der Aufenthalt des hl. Franz von Sales zu Paris im Jahre 1602 und zu Dijon im Jahre 1604 bedeuten die Wende des Heiligen vom Apologeten zum Seelenführer. In Paris kam er mit heiligmäßigen Seelen und berühmten Seelenführern zusammen. Er konnte die Früchte seiner Studien und Erfahrungen mit denen anderer messen. Es waren Monate stillen Fragens, Lernens und Reifens, aus denen er mit fertigen Überzeugungen, mit einem vollständig ausgebauten System aszetischer Lehren und Methoden hervorging. Sofort nach diesem Aufenthalt in Paris setzten seine Briefe der Seelenführung ein, und schon in den ersten dieser Briefe tritt die charakteristische Eigenart des Heiligen im System wie in der Methode seiner Führung vollendet hervor.

Bereits in Paris empfand er deutlich den Mangel eines Buches, das die Hauptlehren der Frömmigkeit für Weltleute zusammenfasst. In Dijon lernte er 1604 eine Reihe hervorragender Menschen kennen, die sich unter seine Leitung stellten; ihnen schickte er nicht nur Briefe, sondern auch kleine Abhandlungen, die sie untereinander austauschen sollten. Im gleichen Jahr stellte sich auch Frau von Charmoisy unter seine Seelenleitung. Wie den anderen sandte auch ihr der Heilige nicht nur einzelne Ratschläge, sondern eine Reihe von Abhandlungen über verschiedene wichtige Fragen des geistlichen Lebens.

Man darf wohl annehmen, dass dem Heiligen bei Abfassung dieser ausgedehnten Arbeiten der Gedanke, sie einmal in ein großes Werk zusammenzufassen, vorschwebte. Den unmittelbaren Anstoß dazu gab Frau von Charmoisy; sie zeigte diese Abhandlungen dem Jesuitenpater Jean Fourier, der von ihnen so begeistert war, dass er den Heiligen drängte, sie zu veröffentlichen. Franz von Sales verlangte die Abhandlungen von Frau von Charmoisy zurück, sah sie durch, fügte verschiedenes hinzu und konnte im August 1608 das fertige Werk an den Buchdrucker Thibaut nach Lyon schicken; dort erschien es Ende 1608 oder Anfang 1609. Franz von Sales hat selbst noch weitere vier Auflagen vorbereitet; schon die zweite war bedeutend reichhaltiger. Die 5. Auflage (1619), enthält 16 Kapitel mehr als die erste Auflage, sie war auch sonst in vielen Teilen erweitert.[4]

Vergleiche macht der Heilige Franz in den naturwissenschaftlichen Anschauungen um die Wende des 17. Jahrhunderts, welche der Wissenschaft des 21. Jahrhunderts nicht mehr standhalten. Beispiele und Vergleiche sind jedoch nichts anderes als Bilder, mit denen der Heilige die Wahrheit anschaulich macht wird und vom Übersetzer in die deutsche Sprache Franz Reisinger belassen wurden.[5]

Der Erfolg der Schrift

Dem Buch war ein außerordentlicher Erfolg beschieden. Im Jahre 1620 konnte der Heilige schreiben, dass sie bereits mehr als vierzigmal allein in französischer Sprache gedruckt worden war. In rascher Folge kamen die Übersetzungen; im Jahre 1656 gab es solche bereits in 17 Sprachen. Zeitgenossen bezeugen, dass die Buchhändler kaum die benötigte Zahl von Exemplaren beschaffen konnten. Der hl. Vinzenz von Paul sagt im Heiligsprechungsprozess des hl. Franz von Sales aus, dass man überall auf ihn hinwies mit den Worten: „Das ist der große Bischof Franz von Genf, der die Anleitung zum frommen Leben geschrieben hat.“ Im Jahre 1651 berichtet der Gesandte des Herzogs von Savoyen, dass am kaiserlichen Hof zu Wien alle fürstlichen Persönlichkeiten, Herren und Damen, die Anleitung stets zur Hand hatten.

Die Päpste wetteiferten im Lob der „Anleitung“. Es genüge, hier anzuführen, was Pius IX. im Breve vom 28. Dezember 1877 schreibt: „Franz von Sales hat in seiner Anleitung die Tugend in lebhaften Farben gemalt, hat schlechte Wege gerade gemacht, holprige geebnet, allen getreuen Christi einen so leichten Weg zu Ihm hin gezeigt, dass seither die Frömmigkeit überallhin ihr Licht verbreitet ...“ Pius XI. schreibt in der Enzyklika vom 26. Januar 1923: „Möge dieses Buch, das die Zeitgenossen in jenen Tagen für das vollkommenste in seiner Art hielten, auch heute von allen durchgearbeitet werden, wie es zuvor so lange Zeit hindurch in den Händen aller war; dann würde die christliche Frömmigkeit bei allen Völkern wieder emporkommen und die Kirche Gottes würde sich über die gemeinsame Heiligkeit ihrer Kinder freuen ...“

Vor der Größe dieses Buches beugen sich nicht nur die Wortführer der katholischen Religion. Zur Zeit seines Heiligsprechungsprozesses berichteten Zeugen unter Eid, dass im calvinistischen Genf, das ihn zu seinen Lebzeiten so heftig bekämpft und gehasst hatte, nun die „Anleitung“ in keinem guten Haus fehlte. Der gleiche begeisterte Empfang wurde dem Buch auch im protestantischen England zuteil.[6]

Der Inhalt der Schrift und seine Überschriften

Im ersten Teil bemüht er sich, durch Erwägungen und Übungen den einfachen Wunsch des Menschen in einen festen Entschluss umzuwandeln, den er nach einer Generalbeichte in eine feierliche Erklärung fasst und mit der heiligen Kommunion besiegelt. Damit gibt er sich dem Heiland hin, empfängt ihn und hat dadurch das Glück, in den Bereich seiner heiligen Liebe zu treten.

Um ihn auf diesem Weg weiterzuführen, zeigt er ihm zwei Hauptmittel, die ihn immer mehr mit der göttlichen Majestät vereinigen: Durch die heiligen Sakramente steigt Gott in seiner Güte zu uns herab, durch das Gebet zieht er uns zu sich empor. Darauf verwendet er den zweiten Teil seines Buches.

Im dritten Teil zeigt er ihm, wie er sich in den verschiedenen Tugenden üben soll, die seinem inneren Fortschritt besonders förderlich sind. Hier hält er sich länger nur bei einigen Ratschlägen auf, die er nicht leicht anderswo oder von selbst finden könnte.

Im vierten Teil deckt er einige Fallstricke der Feinde auf und zeige ihm, wie er ihnen entgehen und sie überwinden kann.

Im fünften Teil schließlich lädt er den Menschen ein, ein wenig in die Einsamkeit zu gehen. Hier soll er sich wieder auffrischen, Atem schöpfen und seine Kräfte erneuern. Dann vermag er um so kräftiger auszuholen und in der Frömmigkeit voranzukommen.[7]

Erster Teil: Anweisungen und Übungen, um den ersten Wunsch nach einem frommen Leben in einen festen Entschluss umzuwandeln

  • 1. Was ist wahre Frömmigkeit?
  • 2. Eigenart und Wert der Frömmigkeit.
  • 3. Die Frömmigkeit passt zu jedem Stand und Beruf.
  • 4. Zum frommen Leben ist ein Seelenführer notwendig.
  • 5. Die Läuterung der Seele ist das erste.
  • 6. Erste Reinigung: von der Todsünde.
  • 7. Zweite Reinigung: von der Anhänglichkeit an die Sünde.
  • 8. Wie geschieht diese Reinigung?
  • 9. Erste Betrachtung: Die Schöpfung.
  • 10. Zweite Betrachtung: Unser Ziel.
  • 11. Dritte Betrachtung: Gottes Wohltaten.
  • 12. Vierte Betrachtung: Die Sünde.
  • 13. Fünfte Betrachtung: Der Tod.
  • 14. Sechste Betrachtung: Das Gericht.
  • 15. Siebente Betrachtung: Die Hölle.
  • 16. Achte Betrachtung: Der Himmel.
  • 17. Neunte Betrachtung: Wahl des Himmels.
  • 18. Zehnte Betrachtung: Wahl des frommen Lebens.
  • 19. Wie ist die Generalbeichte abzulegen?
  • 20. Feierliche Erklärung als Abschluss der verschiedenen Bußübungen. Sie will der Seele den Entschluss einprägen, Gott zu dienen.
  • 21. Abschluss dieser ersten Seelenläuterung.
  • 22. Wir müssen uns von der Anhänglichkeit an lässliche Sünden reinigen.
  • 23. Wir müssen uns von der Anhänglichkeit an Unnützes und Gefährliches reinigen.
  • 24. Wir müssen uns von Charakterfehlern läutern.

Zweiter Teil: Verschiedene Ratschläge, um die Seele durch das Gebet und die Sakramente zu Gott zu erheben

  • 1. Notwendigkeit des Gebetes.
  • 2. Kurze Betrachtungsmethode. Erster Teil der Vorbereitung: sich in Gottes Gegenwart versetzen.
  • 3. Zweiter Teil der Vorbereitung: die Anrufung.
  • 4. Dritter Teil der Vorbereitung: die Vorstellung des Geheimnisses.
  • 5. Zweiter Teil der Betrachtung: die Erwägungen.
  • 6. Dritter Teil der Betrachtung: Affekte und Entschlüsse.
  • 7. Schluss und geistlicher Blumenstrauß.
  • 8. Nützliche Ratschläge für die Betrachtung.
  • 9. Trockenheit bei der Betrachtung.
  • 10. Die Morgenübung.
  • 11. Die Abendübung und die Gewissenserforschung.
  • 12. Die geistliche Einkehr.
  • 13. Stoßgebete und fromme Gedanken.
  • 14. Die heilige Messe.
  • 15. Andere öffentliche und gemeinsame Übungen.
  • 16. Verehrung und Anrufung der Heiligen.
  • 17. Wie sollen wir das Wort Gottes aufnehmen?
  • 18. Die Einsprechungen.
  • 19. Die heilige Beichte.
  • 20. Die häufige Kommunion.
  • 21. Wie soll man kommunizieren?

Dritter Teil: Verschiedene Weisungen über die Übung der Tugenden

  • 1. Geordnetes Tugendstreben (I).
  • 2. Geordnetes Tugendstreben (II).
  • 3. Vom Ertragen.
  • 4. Demut in der äußeren Haltung.
  • 5. Die innere Demut.
  • 6. Demut lässt uns die Erniedrigung lieben.
  • 7. Wie man bei der Übung der Demut den guten Ruf wahrt.
  • 8. Sanftmut – Mittel gegen den Zorn.
  • 9. Sanftmut gegen sich selbst.
  • 10. Gewissenhafte Arbeit mit Gott ohne Unruhe und Hast.
  • 11. Vom Gehorsam.
  • 12. Die Notwendigkeit der Keuschheit.
  • 13. Ratschläge zur Bewahrung der Keuschheit.
  • 14. Von der Armut im Geiste, wenn man reich ist.
  • 15. Wie man wirkliche Armut übt, wenn man reich ist.
  • 16. Wie ist man reich im Geist bei wirklicher Armut?
  • 17. Schlechte und leichtfertige Freundschaften.
  • 18. Liebeleien und Flirt.
  • 19. Die echten Freundschaften.
  • 20. Der Unterschied zwischen echter und eitler Freundschaft.
  • 21. Weisungen und Heilmittel gegen schlechte Freundschaften.
  • 22. Weitere Ratschläge über die Freundschaft.
  • 23. Die Übung der äußeren Abtötung.
  • 24. Gesellschaft und Einsamkeit.
  • 25. Von der geziemenden Kleidung.
  • 26. Vom Reden – Wie man von Gott sprechen soll.
  • 27. Anstand im Reden – Achtung vor dem Mitmenschen.
  • 28. Das freventliche Urteil.
  • 29. Das lieblose Reden.
  • 30. Weitere Ratschläge über das Reden.
  • 31. Gute Erholungen.
  • 32. Verbotene Spiele.
  • 33. Bälle und andere erlaubte aber gefährliche Unterhaltungen.
  • 34. Wann darf man spielen und tanzen?
  • 35. Treu sein im Großen und im Kleinen.
  • 36. Gerecht und vernünftig sein.
  • 37. Von den Wünschen.
  • 38. Weisungen für Eheleute.
  • 39. Von der ehelichen Keuschheit.
  • 40. Ratschläge für die Witwen.
  • 41. Ein Wort an die Jungfrauen.

Vierter Teil: Die wichtigsten Weisungen gegen die gewöhnlichen Versuchungen

  • 1. Man darf sich nicht um das Gerede der Kinder dieser Welt kümmern.
  • 2. Guten Mut haben!
  • 3. Die Natur der Versuchung.
  • 4. Der Unterschied zwischen Versuchung und Zustimmung.
  • 5. Zwei anschauliche Beispiele. Mut in der Versuchung! Ermunterung für die Zeit der Prüfung.
  • 6. Wie können Versuchung und Lust Sünde sein?
  • 7. Mittel gegen schwere Versuchungen.
  • 8. Widerstand gegen kleine Versuchungen.
  • 9. Mittel gegen kleine Versuchungen.
  • 10. Wie man sein Herz gegen Versuchungen stark macht.
  • 11. Von der Unruhe.
  • 12. Von der Traurigkeit.
  • 13. Vom Verhalten in fühlbaren geistlichen Freuden.
  • 14. Von geistlicher Dürre und Unfruchtbarkeit.
  • 15. Ein treffliches Beispiel.

Fünfter Teil: Übungen und Ratschläge, um die Seele zu erneuern und in der Frömmigkeit zu festigen

  • 1. Alljährliche Erneuerung der guten Vorsätze.
  • 2. Erwägungen über die Gnade der Berufung.
  • 3. Prüfung der Seele über ihren Fortschritt.
  • 4. Prüfung unserer Seelenhaltung gegen Gott.
  • 5. Prüfung der Haltung gegen dich selbst.
  • 6. Prüfung der Seelenhaltung gegen den Nächsten.
  • 7. Prüfung der Seele über die Affekte.
  • 8. Affekte am Schluss dieser Prüfung.
  • 9. Erwägungen zur Erneuerung unserer guten Entschlüsse.
  • 10. Erste Erwägung: Die Vortrefflichkeit unserer Seele.
  • 11. Zweite Erwägung: Die Erhabenheit der Tugenden.
  • 12. Dritte Erwägung: Das Beispiel der Heiligen.
  • 13. Vierte Erwägung: Die Liebe Jesu zu uns.
  • 14. Fünfte Erwägung: Gottes ewige Liebe zu uns.
  • 15. Affekte über diese Erwägungen als Abschluss der Übung.
  • 16. Bleibende Eindrücke dieser Erneuerung.
  • 17. Einwände gegen diese Anleitung.
  • 18. Drei letzte wichtige Ratschläge.

Literatur

Geistliche Gespräche. Theotimus.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Franz von Sales: Anleitung zum frommen Leben, Vorwort des hl. Franz von Sales, Annecy, am Fest der hl. Magdalena 1609, 2002, S. 26.
  2. Franz von Sales: Anleitung zum frommen Leben (Philothea), Aus dem Französischen übertragen und erläutert hat es P. Dr. Franz Reisinger OSFS, Franz-Sales-Verlag Eichstätt 2002 (pdf-Datei), Einleitung, S. 21+22 (276 Seiten; ISBN 3-7721-0147-X).
  3. Pius XII., Ideal der christlichen Ehe, S. 127, Rex Verlag Luzern 1946 2. Auflage; Druckerlaubnis des bischöflichen Ordinariates Basel vom 17. September 1943 Dr. Lisibach, Generalvikar, Download auf Kathtube.
  4. Franz von Sales: Anleitung zum frommen Leben, Zur Einführung, 2002, S. 19.
  5. vgl. Franz von Sales: Anleitung zum frommen Leben, Zur Einführung, 2002, 4. Die neue Übersetzung, S. 22.
  6. Franz von Sales: Anleitung zum frommen Leben, Zur Einführung, 2002, S. 20.
  7. vgl. Franz von Sales: Anleitung zum frommen Leben, Vorwort des hl. Franz von Sales, Annecy, am Fest der hl. Magdalena 1609, 2002, S. 20.
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