Philosophia perennis

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:„Soll die Rede von einer ''Philosophia perennis'' besagen, ein bestimmter ‚Status‘ in der Philosophiegeschichte sei zu verewigen, z. B. die aristotelische Gedankenwelt des Thomas von Aquin, so wird philosophische Arbeit zum Ausgraben an Gräberpyramiden einer Gräberstadt und zu einer Art Grabmalpflege und Ahnengedächtnis. Das Ideal einer ''Philosophia perennis'' behält aber seinen rechten Sinn als regulative Idee, nicht als konstitutives Prinzip […]. Dem, der Philosophiegeschichte problemgeschichtlich zu lesen versteht, verbirgt sich in den sich wandelnden Problemstellungen und Problemlösungen nicht ihr dauernder Gehalt; aber dies Bleibende ist ein Ewiges, das sich in einer nie abreißenden geschichtlichen Entwicklung und einer Fülle sich auseinandersetzender und sich begegnender Problem- und Denkergestalten auszeitigt.“<ref>[[Gottlieb Söhngen]], Philosophische Einübung in die Theologie, Erkennen – Wissen – Glauben, Freiburg-München: Alber 2. Aufl. 1964 (1. A. 1955), 40f. Ebenso ders., Die Einheit in der Theologie: gesammelte Abhandlungen, Aufsätze, Vorträge, München: Zink, 12. Aufl. 1952</ref>.
 
:„Soll die Rede von einer ''Philosophia perennis'' besagen, ein bestimmter ‚Status‘ in der Philosophiegeschichte sei zu verewigen, z. B. die aristotelische Gedankenwelt des Thomas von Aquin, so wird philosophische Arbeit zum Ausgraben an Gräberpyramiden einer Gräberstadt und zu einer Art Grabmalpflege und Ahnengedächtnis. Das Ideal einer ''Philosophia perennis'' behält aber seinen rechten Sinn als regulative Idee, nicht als konstitutives Prinzip […]. Dem, der Philosophiegeschichte problemgeschichtlich zu lesen versteht, verbirgt sich in den sich wandelnden Problemstellungen und Problemlösungen nicht ihr dauernder Gehalt; aber dies Bleibende ist ein Ewiges, das sich in einer nie abreißenden geschichtlichen Entwicklung und einer Fülle sich auseinandersetzender und sich begegnender Problem- und Denkergestalten auszeitigt.“<ref>[[Gottlieb Söhngen]], Philosophische Einübung in die Theologie, Erkennen – Wissen – Glauben, Freiburg-München: Alber 2. Aufl. 1964 (1. A. 1955), 40f. Ebenso ders., Die Einheit in der Theologie: gesammelte Abhandlungen, Aufsätze, Vorträge, München: Zink, 12. Aufl. 1952</ref>.
  
Dieses weiterentwickelte Verständnis einer ''Philosophia perennis'' floss in das Dekret ''[[Optatam totius]]'' des [[Zweites Vatikanisches Konzil|Zweiten Vatikanischen Konzils]] ein, wo für die Neugestaltung der Priesterausbildung gefordert wird, dass sich die philosophischen Disziplinen "auf das stets gültige philosophische Erbe stützen. Es sollen aber auch die philosophischen Forschungen der neueren Zeit berücksichtigt werden, zumal jene, die beim eigenen Volk bedeutenderen Einfluss ausüben, und der Fortschritt der modernen Naturwissenschaften."<ref>[[Optatam totius (Wortlaut)|Optatam totius]] Nr. 15.</ref> Papst [[Franziskus (Papst)|Franziskus]] legt in seiner [[Apostolische Konstitution|Apostolischen Konstitution]] ''[[Veritatis gaudium]]'' vom 8. Dezember 2017 über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten ebenfalls diese Definition einer ''Philosophia perennis'' zugrunde, wenn er für Forschung und Lehre der Philosophie an einer kirchlichen Fakultät für Philosophie einerseits fordert, dass diese sich "auf das 'immer gültige philosophische Erbe'<ref>Vgl. can. 251 CIC [http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm] und [[Zweites Vatikanisches Konzil|II. Vatikanisches Konzil]], Dekret [[Optatam totius]]</ref> stützen, wie es sich im Laufe der Geschichte, insbesondere im Werk des heiligen Thomas von Aquin entwickelt hat". Gleichzeitig soll aber die an einer kirchlichen Fakultät gelehrte Philosophie auch "offen sein für die Ergebnisse, die neuere Forschungen erbracht haben und weiterhin erbringen", wobei es  wichtig sei, die weisheitliche und metaphysische Dimension der Philosophie zu betonen.
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== ''Philosophia perennis'' in aktuellen Lehramtstexten ==
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Das weiterentwickelte, auf Entwicklung in die Zukunft offene Verständnis einer ''Philosophia perennis'' floss in das Dekret ''[[Optatam totius]]'' des [[Zweites Vatikanisches Konzil|Zweiten Vatikanischen Konzils]] ein, wo für die Neugestaltung der Priesterausbildung gefordert wird, dass sich die philosophischen Disziplinen "auf das stets gültige philosophische Erbe stützen. Es sollen aber auch die philosophischen Forschungen der neueren Zeit berücksichtigt werden, zumal jene, die beim eigenen Volk bedeutenderen Einfluss ausüben, und der Fortschritt der modernen Naturwissenschaften."<ref>[[Optatam totius (Wortlaut)|Optatam totius]] Nr. 15.</ref>  
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Im Verständnis der [[Apostolische Konstitution|Apostolischen Konstitution]] ''[[Sapientia christiana]]'' Papst [[Paul VI.|Pauls VI.]] (29. April 1979) ist das "bleibend gültige philosophische Erbe" weiterhin die Grundlage, auf der "wissenschaftlich-methodisch die philosophischen Probleme erforscht" werden; auf dieser Grundlage gilt es, "im Lichte der menschlichen Vernunft nach deren Lösungen zu suchen sowie ihren Zusammenhang mit dem christlichen Welt-, Menschen- und Gottesbild aufzuzeigen".<ref>[[Sapientia christiana (Wortlaut)|Sapientia christiana]] Nr. 79.</ref>
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Papst [[Franziskus (Papst)|Franziskus]] legt in seiner [[Apostolische Konstitution|Apostolischen Konstitution]] ''[[Veritatis gaudium]]'' vom 8. Dezember 2017 über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten ebenfalls diese Definition einer ''Philosophia perennis'' zugrunde, wenn er für Forschung und Lehre der Philosophie an einer kirchlichen Fakultät für Philosophie einerseits fordert, dass diese sich "auf das 'immer gültige philosophische Erbe'<ref>Vgl. can. 251 CIC [http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm] und [[Zweites Vatikanisches Konzil|II. Vatikanisches Konzil]], Dekret [[Optatam totius]]</ref> stützen, wie es sich im Laufe der Geschichte, insbesondere im Werk des heiligen Thomas von Aquin entwickelt hat". Gleichzeitig soll aber die an einer kirchlichen Fakultät gelehrte Philosophie auch "offen sein für die Ergebnisse, die neuere Forschungen erbracht haben und weiterhin erbringen", wobei es  wichtig sei, die weisheitliche und metaphysische Dimension der Philosophie zu betonen.
  
 
== Anmerkungen ==
 
== Anmerkungen ==

Version vom 9. Juni 2018, 12:38 Uhr

Die Philosophia perennis (lat., zu deutsch: "immerwährende", d. h. "überzeitliche";[1] dauerhaft gültige Philosophie[2]) steht für die Vorstellung einer kontinuierlichen Tradition in der Philosophie des Abendlandes; der Gedanke geht davon aus, dass durch alle geschichtlichen Veränderungen hindurch "die großen Systeme der Philosophie in den Antworten auf ihre zentralen Fragen übereinstimmten".[3] Sie ist Teil der philosophischen Ausbildung der katholischen Priester.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Begriffes

Der Ausdruck "Philosophla perennls" geht auf den Humanisten und Theologen Bischof Augustinus Steuchus (1496-1548) zurück und war ursprünglich Titel eines Werkes (1540), das die Übereinstimmung der aus Uroffenbarung und Philosophie stammenden Weisheit der alten Völker mit der christlichen Lehre darzulegen suchte. Nachdem Gottfried Wilhelm Leibniz die Geschichte der bei den Orientalen beginnenden und trotz häufiger Beimischung von Irrtümern im ganzen fortschreitenden Wahrheitserkenntnis gelegentlich "Phllosophla perennls" genannt hatte, griff die Neuscholastik dieses Wort auf und rechtfertigte durch den Hinweis auf eine längst gefundene bleibende Wahrheit ihren Rückgriff auf Aristoteles und Thomas von Aquin.[4]

Entwicklung des Begriffs

Traditionelle Vorstellung

Die traditionelle Vorstellung einer Philosophia perennis ging davon aus, dass, so der Philosoph und Theologe Martin Grabmann, die scholastische Philosophie "von ihrer Zeitgebundenheit losgelöste Grundgedanken" besitze, "in denen der überzeitliche Wert des aristotelisch und platonisch-augustinischen Denkens" sich offenbare und "als philosophia perennis dauernd das katholische Geistesleben" befruchte.[5]

Päpstliche Würdigungen

Papst Leo XIII. sah in der scholastischen[6] bzw. Pius XI. in der neuscholastischen Philosophie eine Philosophia perennis. Sie bewahre "wirksam gegen alle Arten moderner Irrtümer": sie befähige den "Geist, das Wahre vom Falschen genau zu unterscheiden", und verleihe "in den verschiedensten Fragen oder späteren Studien eine Klarheit des Denkens", die dem anderer, die diese philosophische Schulung nicht erhalten haben, weit überlegen" sei, "auch wenn diese mit einem ausgedehnteren Einzelwissen ausgerüstet" seien.[7] Papst Pius XII. sagt, dass es z. B. "eine absolut wahre Metaphysik" gebe und die Art des Philosophierens der "Philosophia perennis" der modernen Kultur und deren Bedürfnissen entspreche.[8] Johannes Paul II. mahnt, "dass die Kirche sich nicht an ein beliebiges kurzlebiges philosophisches System binden" könne",[9] sie müsse auf den "großen christlichen Philosophen basieren" (CIC 1983 can. 251).

Papst Pius XII. bestätigt, dass es z. B. "eine absolut wahre Metaphysik" gebe.[10] Papst Johannes Paul II. mahnt, es sei klar, "dass die Kirche sich nicht an ein beliebiges kurzlebiges philosophisches System binden" könne",[11] und müsse auf den "großen christlichen Philosophen basieren" (CIC 1983 can. 251).

Überwindung eines enggeführten Begriffs von Philosophia perennis

Kritiker wandten zunehmend gegen die These eines Fortbestehens desselben Gehalts über Zeiten, philosophische Systeme und Kulturen hinweg ein, dass sie aus hermeneutischen und historischen Gründen nicht haltbar sei; zudem seien in der Philosophia perennis Kriterien wie Alter und Kohärenz philosophischer Gehalte wirksamer als das Kriterium, dass eine philosophische Ansicht wohl begründet sei.[12] Der Philosoph Nicolai Hartmann legte den Akzent der Philosophia perennis nicht auf die Inhalte des Philosophierens, sondern auf Problembereiche.

Der katholische Philosoph und Theologe Gottlieb Söhngen (der Lehrer Joseph Ratzingers und seinerzeit maßgebliche Autorität in der katholischen philosophisch-theologischen Grundlegung) forderte für eine Philosophia perennis eine Wende von neuscholastischen Engführungen zu einer zeitgemäßen Adaption des Problembezugs, die die "Ewigkeit" der Philosophie nicht in "problemlösenden" Inhalten, sondern als "regulative Idee" einer andauernden geschichtlichen Entwicklung sieht:

„Soll die Rede von einer Philosophia perennis besagen, ein bestimmter ‚Status‘ in der Philosophiegeschichte sei zu verewigen, z. B. die aristotelische Gedankenwelt des Thomas von Aquin, so wird philosophische Arbeit zum Ausgraben an Gräberpyramiden einer Gräberstadt und zu einer Art Grabmalpflege und Ahnengedächtnis. Das Ideal einer Philosophia perennis behält aber seinen rechten Sinn als regulative Idee, nicht als konstitutives Prinzip […]. Dem, der Philosophiegeschichte problemgeschichtlich zu lesen versteht, verbirgt sich in den sich wandelnden Problemstellungen und Problemlösungen nicht ihr dauernder Gehalt; aber dies Bleibende ist ein Ewiges, das sich in einer nie abreißenden geschichtlichen Entwicklung und einer Fülle sich auseinandersetzender und sich begegnender Problem- und Denkergestalten auszeitigt.“[13].

Philosophia perennis in aktuellen Lehramtstexten

Das weiterentwickelte, auf Entwicklung in die Zukunft offene Verständnis einer Philosophia perennis floss in das Dekret Optatam totius des Zweiten Vatikanischen Konzils ein, wo für die Neugestaltung der Priesterausbildung gefordert wird, dass sich die philosophischen Disziplinen "auf das stets gültige philosophische Erbe stützen. Es sollen aber auch die philosophischen Forschungen der neueren Zeit berücksichtigt werden, zumal jene, die beim eigenen Volk bedeutenderen Einfluss ausüben, und der Fortschritt der modernen Naturwissenschaften."[14]

Im Verständnis der Apostolischen Konstitution Sapientia christiana Papst Pauls VI. (29. April 1979) ist das "bleibend gültige philosophische Erbe" weiterhin die Grundlage, auf der "wissenschaftlich-methodisch die philosophischen Probleme erforscht" werden; auf dieser Grundlage gilt es, "im Lichte der menschlichen Vernunft nach deren Lösungen zu suchen sowie ihren Zusammenhang mit dem christlichen Welt-, Menschen- und Gottesbild aufzuzeigen".[15]

Papst Franziskus legt in seiner Apostolischen Konstitution Veritatis gaudium vom 8. Dezember 2017 über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten ebenfalls diese Definition einer Philosophia perennis zugrunde, wenn er für Forschung und Lehre der Philosophie an einer kirchlichen Fakultät für Philosophie einerseits fordert, dass diese sich "auf das 'immer gültige philosophische Erbe'[16] stützen, wie es sich im Laufe der Geschichte, insbesondere im Werk des heiligen Thomas von Aquin entwickelt hat". Gleichzeitig soll aber die an einer kirchlichen Fakultät gelehrte Philosophie auch "offen sein für die Ergebnisse, die neuere Forschungen erbracht haben und weiterhin erbringen", wobei es wichtig sei, die weisheitliche und metaphysische Dimension der Philosophie zu betonen.

Anmerkungen

  1. Pius XI.: überzeitliche Philosophie in: Enzyklika Firmissimam constantiam vom 28. März 1937, Nr. 19.
  2. Zweite Vatikanische Konzil: innixi patrimonio philosophico perenniter valido: Dekret Optatam totius vom 28. Oktober 1965, Nr. 15.
  3. Heinrich M. Schmidinger: Art. Philosophia perennis in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band. 8, Sp. 248.
  4. Ludger Oeing-Hanhoff in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 8, Sp. 471+472; Karl Schottenloher in: Band 9, Sp. 1063.
  5. Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 298-299.
  6. auch Pius X. in: Pascendi Dominici gregis Nr. 41.
  7. Enzyklika Ad catholici sacerdotii über die Heiligkeit des Priesterlebens vom 20. Dezember 1935, Nr. 68.
  8. Pius XII.: Enzyklika Humani generis über einige falsche Ansichten, die die Grundlagender katholischen Lehre zu untergraben drohen vom 2. August 1950, Nr. 32.
  9. Enzyklika Fides et ratio über das Verhältnis von Glaube und Vernunft vom 14. September 1998, Nr. 96, Anmerkung 112.
  10. Pius XII.: Enzyklika Humani generis über einige falsche Ansichten, die die Grundlagender katholischen Lehre zu untergraben drohen vom 2. August 1950, Nr. 32
  11. Enzyklika Fides et ratio über das Verhältnis von Glaube und Vernunft vom 14. September 1998, Nr. 96, Anmerkung 112.
  12. Heinrich M. Schmidinger: Art. Philosophia perennis in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band. 8, Sp. 249.
  13. Gottlieb Söhngen, Philosophische Einübung in die Theologie, Erkennen – Wissen – Glauben, Freiburg-München: Alber 2. Aufl. 1964 (1. A. 1955), 40f. Ebenso ders., Die Einheit in der Theologie: gesammelte Abhandlungen, Aufsätze, Vorträge, München: Zink, 12. Aufl. 1952
  14. Optatam totius Nr. 15.
  15. Sapientia christiana Nr. 79.
  16. Vgl. can. 251 CIC [1] und II. Vatikanisches Konzil, Dekret Optatam totius
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