Paterna sane (Wortlaut)

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Apostolischer Brief
Paterna sane

von Papst
Pius XI.
an Joseph Mora y del Rio, Erzbischof von Mexiko und die übrigen Erzbischöfe Mexikos
über die schwierige Lage der Kirche in Mexiko und die Richtlinien zur Einführung der Katholischen Aktion in diesem Lande
2. Februar 1926

(Offizieller lateinischer Text: AAS 28 [1926] 175-179)

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Utz + Birgitta Gräfin von Galen, XXIII 135, S. 2329-2335; Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die väterliche Sorge, mit der Wir aufgrund des von Gott empfangenen höchsten Amtes alle Christgläubigen auf dem ganzen Erdkreis umgeben, verlangt, dass Wir alle diejenigen mit ganz besonderer Zuneigung lieben, die am meisten in Not sind und daher der Fürsorge des gemeinsamen Vaters am meisten bedürfen. Seitdem Wir auf den Stuhl des hl. Petrus erhoben wurden, haben Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, die aufmerksamste Fürsorge zuteil werden lassen, da Wir erfuhren, dass Ihr einer so unwürdigen Behandlung ausgesetzt seid, wie sie einem von Kultur und höherer Bildung geprägten und zudem noch fast ausschließlich katholischen Volk nicht ansteht.

Protest des Hl. Stuhles gegen ungerechte Gesetze

2 Wie ungerecht die Gesetze und Verordnungen sind, die von Eurer der Kirche feindlich gesinnten Regierung gegen die katholischen Bürger Mexikos erlassen wurden, brauchen Wir Euch kaum zu sagen, da ihr Druck täglich auf Euch lastet und da Ihr sehr wohl wisst, dass sie, weit entfernt davon, der "Ordnung der Vernunft" zu folgen und dem Gemeinwohl zu dienen, wie es angebracht wäre, den Namen Gesetze nicht mehr zu verdienen scheinen. Deshalb hat auch Unser Vorgänger seligen Angedenkens Benedikt XV. Euch mit verdientem Lob ausgezeichnet, als Ihr jene Gesetze nach Recht und Gewissen ablehntet und feierlich dagegen Protest erhobt. Diesen Protest wollen Wir mit diesem Unserem Schreiben unterstützen und zu Unserem eigenen machen. Protest und Missbilligung drängen sich Uns umso mehr auf, als der von Eurer Regierung gegen die katholische Religion geführte Kampf täglich erbitterter und wahrlich in einer Weise geführt wird, dass alles, was Wir getan haben und tun, um zu versuchen, dem mexikanischen Volk den Frieden zu sichern, vergeblich und unwirksam wird, sehr zum Schaden für Euer geliebtes Land. Jeder weiß nämlich, dass Unser Delegat, den Ihr vor nunmehr zwei Jahren mit aller Ergebenheit und mit Freuden empfangen habt, entgegen allen Begriffen von Recht und Redlichkeit, als eine die Sicherheit der Republik gefährdende Person, aus dem Staat ausgewiesen wurde, was sowohl für Uns als auch für die Bischöfe und das ganze Volk Mexikos eine schwere Beleidigung bedeutet.

3 Wenn Wir damals davon abgesehen haben, öffentlich dagegen zu protestieren - wie es die Sache von Rechts wegen und verdientermaßen erfordert hätte -, und lange Zeit geduldig das Unrecht ertragen und auch Euch angefleht haben, im gleichen Sinne zu handeln, so war dies nicht nur dem Wunsch nach Frieden, der Uns beseelte, zuzuschreiben, sondern auch der glühenden Hoffnung, die Wir aus väterlicher Liebe in Uns wachhielten, dass die Regierung der Republik schließlich doch noch die legitimen und unbezweifelbaren Rechte Unseres Delegaten erkennen und öffentlich anerkennen werde.

4 Und in der Tat haben Unser guter Wille und Unsere Mäßigung einigen Erfolg gehabt, denn die Regierung dieses Landes hat öffentlich zugesagt, Unseren Delegaten seiner Würde und seinem hohen Amt entsprechend zu empfangen. Ihr könnt daher leicht verstehen, wie schwer Uns die neue und völlig unerwartete Nachricht getroffen hat, dass dieselbe Regierung in so unüblicher Weise ihre eingegangenen Verpflichtungen missachtet und Unserem Ehrwürdigen Bruder Serafino Cimino, Unserem Apostolischen Delegaten in Mexiko, der aus Gesundheitsgründen außer Landes war, ohne irgendeinen legitimen Grund oder Anlass die Rückkehr verweigert hat.

5 Dadurch, dass die Regierung der Republik Unseren Delegaten zurückwies, hat sie zugleich Unsere eigenen Dienstleistungen, die fast alle Staatsoberhäupter als Dienst am Frieden angenommen haben, endgültig zurückgewiesen. Sie hat sich einer falschen und ungerechten Regierungsweise verschrieben, wie es auch alles, was bei Euch zum Nachteil der katholischen Bürger geschehen ist, beweist.

6 Von Tag zu Tag werden die verhängnisvollen Gesetze und Verordnungen härter, die, wenn sie befolgt würden, die katholischen Bürger daran hindern würden, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen und ihre religiösen Pflichten zu erfüllen. Während die Regierung der Katholischen Kirche die Freiheit verweigert, gewährt sie sie aus freien Stücken jener schismatischen Sekte, die "Nationalkirche" genannt wird. Deren Entstehen und Fortschritt fördert sie, weil sie den heiligen Rechten der Römischen Kirche Abbruch tut, während sie Euch als Staatsfeinde betrachtet, nur weil Ihr das überkommene Glaubensgut ungeschmälert und unverletzt bewahrt. Wenn auch diese Ereignisse Uns mit Schmerz erfüllen, so bleibt Uns doch ein nicht geringer Trost, da Wir sehen, wie das mexikanische Volk den Machenschaften der Schismatiker kraftvoll widersteht. Wir danken dafür der göttlichen Vorsehung. Euch aber, Ehrwürdige Brüder, und allen Gläubigen Mexikos spenden Wir Unser höchstes Lob und ermahnen Euch aufs inständigste, dass ihr starkmütig fortfahrt, die katholische Religion zu verteidigen. Was Wir am 14. Dezember vergangenen Jahres im Hl. Konsistorium vor einer großen Schar von Kardinälen, tief bewegt von den Drangsalen, denen Ihr ausgesetzt seid, gesagt haben, wollen Wir Euch hier wiederholen: "Es will Uns kaum gelingen, die Hoffnung auf bessere Zeiten im Geiste zu bewahren, wenn Wir nicht auf eine unmittelbare Hilfe des barmherzigen Gottes, die Wir täglich inständig erflehen, und auf eine einmütige Zusammenfassung aller Kräfte zur Förderung der Katholischen Aktion im Volke vertrauen würden".

Vermeiden, Verwirrung zu stiften: Religion und politische Partei

7 Unser Rat und Unsere Mahnung sind daher einzig darauf gerichtet, Euch in väterlicher Liebe dazu zu bewegen, in der einem jeden von Euch anvertrauten Herde in Einigkeit untereinander und mit höchstem Einsatz die "Katholische Aktion" immer mehr zu verbreiten. Wir sagen Katholische Aktion; denn wegen der gegenwärtigen äußerst schwierigen Situation ist es absolut notwendig, Ehrwürdige Brüder, dass Ihr, der gesamte Klerus und alle katholischen Verbände Euch von jeder politischen Partei auf das strikteste fernhaltet, damit Ihr den Gegnern des katholischen Glaubens keinen Anlass gebt, Eure Religion als politische Partei oder Gruppe zu betrachten. Die Katholiken Mexikos sollen daher als solche keine politische Partei, die die Bezeichnung "katholisch" trägt, gründen. Die Bischöfe vor allem und die Priester sollen, wie sie es übrigens bereits in anerkannter Weise beschlossen haben, keiner politischen Partei angehören, noch sich damit befassen, für die Zeitungen irgendeiner politischen Gruppe zu schreiben, denn ihr Auftrag erstreckt sich notwendigerweise auf alle Gläubigen, ja sogar auf alle Bürger.

Das Interesse der Katholiken an öffentlichen und politischen Angelegenheiten

8 Diese Unsere Ratschläge und Vorschriften, Ehrwürdige Brüder, hindern jedoch die Gläubigen, die sie pflichtgemäß treu befolgen und verwirklichen, nicht daran, ihre allen Bürgern gemeinsamen bürgerlichen Rechte und Pflichten wahrzunehmen. Im Gegenteil verlangen sowohl ihr Glaube als auch das gemeinsame Wohl der Religion und des Vaterlandes, dass sie jene Rechte und Pflichten in der bestmöglichen Weise ausüben. Darum soll sich auch der Klerus nicht vollständig vom Staatsleben zurückziehen und das Interesse an der Politik gänzlich aufgeben. Er soll im Gegenteil, auch wenn ihm jedwede Parteilichkeit fremd ist, im Interesse seines priesterlichen Amtes und sofern es die Erfüllung seiner heiligen Aufgabe nicht beeinträchtigt, zum Wohl des Staates beitragen, das heißt, nicht nur seine bürgerlichen Rechte und Pflichten treu und gewissenhaft ausüben, sondern auch durch sein Beispiel die Gläubigen richtig beeinflussen, damit jeder einzelne seine Bürgerpflicht gewissenhaft erfüllt, wie es die Gebote Gottes und der Kirche fordern.

Ermahnungen an den Klerus und Segen

9 Um dieses große Ziel zu erreichen, bleibt Eurem Klerus, auch wenn er, wie Wir gesagt haben und immer wieder fordern, vom Streit der Parteien frei und unabhängig bleiben muss, ein weites Betätigungsfeld, auf dem er sich so für Religion und Sitten, Bildung und sozial wirtschaftliche Probleme einzusetzen vermag, dass er die Bürger und vor allem die studentische und die Arbeiterjugend zum Denken und Handeln aus katholischer Gesinnung anleiten und ausbilden kann. Wenn Ihr Unseren Ermahnungen entsprecht und für ihre eifrige und gewissenhafte Verwirklichung sorgt, woran Wir nicht zweifeln, so werden die schweren Bedrängnisse, die das edle mexikanische Volk nun schon seit langem bedrücken, mit Gottes Hilfe bald abnehmen und aufhören. Ein Unterpfand himmlischer Gnadengaben und ein Zeichen Unseres Wohlwollens sei Unser Apostolischer Segen, den Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, dem Klerus und den Gläubigen eines jeden von Euch sowie dem ganzen mexikanischen Volk liebevoll spenden.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 2. Februar 1926,
im vierten Jahr Unseres Pontifikats.
Pius XI. PP.
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