Pallottiner

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Die Pallottiner sind eine Gesellschaft apostolischen Lebens in der katholischen Kirche. Der offizielle Name ist Gesellschaft des Katholischen Apostolates (lateinisch: Societas Apostolatus Catholici, SAC).

Sie wurde 1846 als Bestandteil der sogenannten UNIO oder UAC (Vereinigung des Katholischen Apostolates, in etwa einem Dachverband vergleichbar) von Vincenz Pallotti in Rom gegründet (der weibliche Zweig, die Pallottinerinnen wurden 1843 gegründet).

Die Pallottiner sind kein Orden, sondern eine sogenannte Gesellschaft apostolischen Lebens. Die Mitglieder (Priester und Brüder) kennen keine Gelübde gegenüber Gott (wie bei Ordensgemeinschaften allgemein üblich), sondern versprechen ihrer Gesellschaft Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam, Beharrlichkeit in der Berufung, Gütergemeinschaft und selbstlosen Dienst.

Heute ist die Gemeinschaft auf allen Kontinenten vertreten. Sie zählt um die 2500 Mitglieder. Zu ihrer Hauptaufgabe gehört die Förderung des Laienengagements in der Kirche.

Am 22. Januar 2007 haben sich die beiden deutschen Provinzen und die österreichische Regio zur deutschsprachigen Herz-Jesu-Provinz mit Sitz in Friedberg in Bayern vereinigt. Über 500 Patres und Brüder gehören zur Herz-Jesu-Provinz in Deutschland, Österreich und den von Deutschland aus betreuten Delegaturen (Kamerun, Kanada, Kroatien, Spanien und Südafrika). Sie unterhalten an ungefähr 25 Orten Einrichtungen wie Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, eine philosophisch-theologische Hochschule in Vallendar, Exerzitienhäuser, betreuen Pfarreien und sind in etlichen weiteren Bereichen tätig.

Im Schloss Untermerzbach im Landkreis Haßberge in Unterfranken unterhält die apostolische Gesellschaft ein Noviziat. Am 17. Oktober 2007 berichtete die Coburger Neue Presse auf ihrer Frontseite, dass sich die Pallottiner von diesem Stützpunkt in den nächsten Jahren zurückziehen wollen. Das Noviziat wird auf den Mönchsberg in Salzburg verlegt.

Von Deutschland aus werden Missions-Niederlassungen und Delegaturen in Kanada, Afrika (Kamerun, Ruanda, Südafrika), in Südamerika (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Uruguay), in Indien sowie in Australien unterstützt.

Wichtige Apostolatsfelder: Familienseelsorge, Missionsarbeit, Pfarrseelsorge, Bildungsarbeit, Zeitschriftenapostolat, Urlaubsseelsorge, Fördererpastoral, Seelsorge für Gläubige anderer Muttersprachen, Kirche im sozialen Brennpunkt, Altenseelsorge, Krankenseelsorge, Schule, Schulseelsorge, Internat, Wallfahrtsseelsorge, Jugendbildung, Jugendhilfe, soziale Freiwilligenarbeit, Jugendarbeit, Exerzitien, geistliche Betreuung anderer religiöser Gemeinschaften, Meditation, Behindertenarbeit, Kinderpastoral, Wissenschaft, Studierendenseelsorge, Hochschule, Pilgerfahrten, wissenschaftliche und religiöse Weiterbildung, geistliche Begleitung, Polizeiseelsorge, Soldatenseelsorge, Flughafenseelsorge.

Bekannte Pallottiner

- Bischof Heinrich Vieter (1853-1914) aus Selm-Cappenberg in Westfalen, seit 1886 Mitglied der Pallottiner, 1887 zum Priester geweiht, ging mit der ersten Gruppe von Missionaren in die damalige deutsche Kolonie Kamerun. Er wurde am 22. Januar 1905 zum ersten Bischof von Kamerun geweiht. Er wird in Kamerun bis heute als „Vater des Glaubens“ verehrt. Im Januar 2005 wurde in Yaoundé der Seligsprechungsprozess eröffnet.

- Richard Henkes (1900-1945) aus Ruppach im Westerwald, 1925 zum Priester geweiht, seit 1921 Mitglied der Pallottiner, am 8. April 1943 durch die Gestapo verhaftet und im KZ Dachau inhaftiert. Dort starb er am 22. Februar 1945 nach dem er sich während des freiwilligen Dienstes in der Typhusbaracke selbst infiziert hatte. Er wird als „Märtyrer der Nächstenliebe“ verehrt. Sein Seligsprechungsverfahren wurde 2003 im Bistum Limburg durch Bischof Franz Kamphaus eröffnet. Am 23. Januar 2007 wurde der Diözesaneteil des Seligsprechungsverfahrens abgeschlossen und die Akten an die Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen in Rom übergeben.

- Franz Reinisch (1903-1942) aus Feldkirch (Vorarlberg), 1928 zum Priester geweiht, seit 1930 Mitglied der Pallottiner, am 1. März 1942 zur Wehrmacht einberufen, wegen Verweigerung des Fahneneides am 7. Juli vom Reichsgericht zum Tode verurteilt und am 21. August im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil hingerichtet.

- Pater Józef Jankowski (1910-1941) aus Pommern, 1936 zum Priester geweiht, während der deutschen Besatzung Militärseelsorger und Leiter des Priesterseminars von Ołtarzew, am 16. Mai 1941 von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz gebracht, dort infolge der Entbehrungen und Mißhandlungen am 16. Oktober 1941 verstorben. 1999 von Johannes Paul II. seliggesprochen.

- Józef Stanek (1916-1944) aus Łapsze Niżne in Spisz (Zips), 1941 zum Priester geweiht, während der deutschen Besatzung Student am Institut für Soziologie der Universität Krakau, das damals im Untergrund arbeitete, im August 1944 zum Kaplan der Untergrundarmee ernannt, am 23. September von SS-Einheiten festgenommen und erhängt. 1999 von Johannes Paul II. seliggesprochen.

- Josef Kentenich (1885-1968), Priester, Pädagoge und Gründer der katholischen Schönstatt-Bewegung.

- Hans Buob (*1934), bekannter Fernsehprediger im K-TV.

- Jörg Müller (* 1943), Priester und Psychotherapeut.

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