Unfehlbarkeit

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Unfehlbarkeit (lat.: infallibilitas, Infallibilität) bezeichnet das Dogma, dass durch ein besonderes Charisma die Offenbarungswahrheiten im Glauben und in der Verkündigung der Kirche unverfälscht zu bewahren.[1] Sie bezeichnet:

  • formal den erkenntnistlehrenden Aspekt des Glaubens an die Unzerstörbarkeit (indefectibilitas) der vom Heiligen Geist zur Verkündigung des Evangeliums geleiteten Kirche Jesu Christi,
  • material das Charisma, das unter den festgelegten Bedingungen Papst und Bischöfe (mit dem Papst) gegeben ist, irrtumsfrei Lehraussagen so zu machen, dass diese unveränderlich (irreformabel), weil wahr, sind (inerrantia, Irrtumslosigkeit).[2] Die Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes bezieht sich auf die Glaubenshinterlage ("obiectum primarium") und auch auf die Gegenstände, ohne die dieses Glaubensgut nicht in rechter Weise bewahrt und entfaltet werden kann ("obiectum secundarium")[3] z.B. philosophische Voraussetzungen, theologische Folgerungen oder eine Heiligsprechung.

Inhaltsverzeichnis

Erklärung

Wenn die Kirche kraft ihrer höchsten Lehrautorität in Sachen des Glaubens oder der Sitten von ihren Gliedern absoluten und unwiderruflichen Glaubensgehorsam verlangt, muss sie unfehlbar sein. Dieser Fall liegt vor bei den feierlichen Lehrentscheidungen auf allgemeinen Konzilien und bei feierlichen dogmatischen Definitionen der Päpste (Kathedralentscheidungen vgl. Pastor aeternus, Nr. 21; vgl. auch: KKK, 88), aber auch, wenn die gesamte Kirche, d. h. moralisch alle Bischöfe in Übereinstimmung mit dem Papste, auf der ganzen Welt durch die gewöhnliche Glaubensverkündigung lehrt.

Dagegen sind der einzelne Bischof oder ein Provinzial- und Plenarkonzil nicht unfehlbar, ebenso der Papst nicht, solange er nicht seine höchste Lehrautorität einsetzen will. Andere Bestimmungen der Päpste, sowie Erlasse der römischen Kongregationen sind nicht unfehlbar. Da es sich aber auch in diesen Fällen um authentische, d. h. kraft einer von Christus verliehenen Vollmacht getane Äußerungen der Kirche handelt, ist auch damit die Pflicht gegeben, das persönliche Urteil dem der Kirche zu unterwerfen, solange nicht das Gegenteil sicher feststeht. Im letzteren Falle ist wenigstens medialer Druck zu unterlassen; es ist jedoch nicht verboten, die entgegenstehenden Gründe den betreffenden kirchlichen Stellen vorzulegen mit der inneren Bereitschaft, ihnen die letzte Entscheidung zu überlassen. Damit ist nicht gesagt, dass der Katholik unter Umständen verpflichtet sein könnte, einen Irrtum zu glauben; denn bei den nur authentischen, nicht unfehlbaren kirchlichen Lehräußerungen wird der Natur der Sache entsprechend keine absolute unwiderrufliche Glaubenszustimmung verlangt, sondern nur eine bedingte. Wenn die Kirche mehr verlangte, würde sie ihre unfehlbare Autorität einsetzen.[4]

Das Zeugnis der Bibel

Das Neue Testament lässt keinen Zweifel daran, dass Christus eine sichtbare Kirche mit einer Rangfolge gründete. Diese sind der Papst, die Bischöfe, die Priester und die Diakone. Auch die kirchliche Tradition belegt einen hierarchischen Aufbau der frühen Kirche. So schreibt Ignatius von Antiochien im zweiten Jahrhundert an die Kirche in Smyrna: "Wo immer der Bischof erscheint, da sei auch das Volk; so wie die Katholische Kirche überall dort ist, wo immer Jesus Christus ist." (Brief an die Smyrnäer, 8, 1 [110 n. Chr.]).

Christus wies seine Kirche an, alles zu verkündigen, was er selbst gelehrt hatte (Mt 28,19-20 EU). Er versprach ihr den Beistand des Heiligen Geistes, der die Kirche "in die ganze Wahrheit führen" werde (Joh 16,13 EU). Dieser Auftrag und dieses Versprechen garantieren, dass die Kirche als ganze niemals aus dieser Wahrheit fallen wird (Mt 16,18 EU, 1 Tim 3,15 EU).

Im Neuen Testament finden sich mehrfach Aussagen Jesu, mit denen er den Apostel Simon Petrus mit dem Leitungsamt beauftragte:

1. Christus nannte Simon den "Fels", auf den er seine Kirche baute, welche die Pforten der Hölle nicht überwältigen würden (Mt 16,18-19 EU).

2. Christus verlieh dem Petrus eine umfassende Binde- und Lösegewalt; was er auf Erden binde, das solle auch im Himmel gebunden sein (Mt 16,19 EU). Im rabbinischen Sprachgebrauch verstand man unter "Binden und Lösen" auch die authentische Gesetzeserklärung; der Papst hat damit auch die Gewalt, das Gesetz des Neuen Bundes auszulegen.

3. Christus setzte Petrus (und seine Nachfolger) zum obersten Hirten über seine Herde ein (Joh 21,15-17 EU). In dieser Funktion hat der Papst die Gläubigen zu führen.

4. Christus erteilte Petrus den Auftrag, seine Brüder zu stärken (Lk 22,31-32 EU). Das Wort ist zwar zunächst an Petrus persönlich gerichtet, und zwar in dem Moment, wo Jesus den Petrus mit dessen bevorstehendem Verrat konfrontiert. In Verbindung mit Mt 16,18-19 EU ist es jedoch auch auf diejenigen zu beziehen, die Petrus in seinem Amt nachfolgten.
Die Stärkung im Glauben ist immer eine vordringliche Aufgabe des Leiters der Kirche. Es schließt nicht aus, dass dieser Leiter Momente des Zweifels und des Unglaubens erlebt. Von Petrus selber berichten die Evangelien, dass er Jesus in der Nacht vor dessen Kreuzigung dreimal verleugnete, es aber dann sofort unter Tränen bereute (Mk 14,66-92 EU). Auch hatte Petrus Jesus zurechtweisen wollen, was dieser als Eingebung Satans heftig zurückwies (Mk 8,32-33 EU).
Die Stärkung nimmt der Papst in Ansprachen und Predigten und in verbindlichen Schreiben (Enzykliken) wahr. Diese Aussagen sind vor Gott und der Kirche bindend, wenn auch nicht im strengen Sinne unfehlbar.

Petrus nahm dieses ihm von Christus verliehene Charisma richtungsweisend für die Kirche wahr. So taufte er den römischen Hauptmann Kornelius (Apg 10,23-48 EU) und öffnete damit die Kirche für Nichtjuden. Auch sprach er über Hananias und Saphira das verbindliche Urteil (Apg 5,1-11 EU). Er behielt sich selbst die letztinstanzliche Schriftauslegung vor ("Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden", 2 Petr 1,20 EU). Und schließlich war auch er es, der zunächst zögernd gegen Widerstände in der Jerusalemer Gemeinde - und nachdem ihm Paulus in Antiochia "ins Angesicht widerstanden" hatte (Gal 2,11 EU) - bestimmte, dass die Schriften des Paulus und dessen Loslösung des christlichen Glaubens von jüdischen Ritualvorschriften verbindlich seien (2 Petr 3,15-16 EU).

Das Zeugnis der Tradition

Die Kirchenväter setzen - wenn auch noch nicht unter der Bezeichnung "Unfehlbarkeit" - in ihren Schriften die maßgebende Lehrautorität der römischen Kirche und ihres Bischofs voraus.

Irenäus von Lyon (um 140 – um 200) betrachtet bereits den Glauben der römischen Kirche als normgebend für die ganze Kirche: "Mit dieser Kirche muss wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen. ... In ihr ist die apostolische Überlieferung stets rein bewahrt worden ' (Adv. haer. III 3,2).

Cyprian (nach 200 – 258) bezeichnet die römische Kirche als "Lehrstuhl des Petrus" (cathedra Petri), als "Ausgangspunkt der bischöflichen Einheit" und rühmt die Reinheit ihres Glaubens. Er betont, "dass es die Römer sind, deren Glaube durch das rühmende Zeugnis des Apostels gelobt worden ist (Röm 1,8 EU), zu denen der Irrglaube keinen Zutritt finden kann" (Ep. 59,14).

Hieronymus (um 347 – 419) schreibt über Papst Damasus: "Bei euch allein wird das Erbe der Väter unversehrt bewahrt" (Ep. 15,1).

Aurelius Augustinus (354 – 430) betrachtet im pelagianischen Streit das Urteil von Papst Innozenz I. als maßgebend: "In dieser Angelegenheit wurden die Beschlüsse zweier Konzilien an den Apostolischen Stuhl gesandt. Von dort sind auch Rückäußerungen eingetroffen. Die Sache ist damit erledigt (causa finita est). Möchte doch auch der Irrtum ein Ende nehmen!' (Sermo 131, 10, 10)

Petrus Chrysologus (um 380 – 450) schreibt an Eutyches: "... der selige Petrus, der auf seinem Bischofssitz fortlebt und den Vorsitz führt, bietet den Suchenden den wahren Glauben dar" (bei Leo I., Ep. 25,2).

Papst Hormisdas (519) formuliert: "Auf dem Apostolischen Stuhl wurde die katholische Religion stets unbefleckt bewahrt."

Thomas von Aquin (um 1225 - 1254) betrachtet es als legitime Aufgabe des Papstes, "die Fragen des Glaubens endgültig zu entscheiden, so dass sie von allen mit unerschütterlichem Glauben festgehalten werden".

Dass das Erste Vatikanische Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes nicht erfunden hat, zeigen auch die Entscheidungen der Unionskonzilien zu Konstantinopel (869/70), zu Lyon (1274) und zu Florenz (1438/45), die übereinstimmend den Lehrprimat des Papstes verkündet hatten. Dieser Primat aber schließt die Unfehlbarkeit sachlich mit ein.

Kirche: Papst, Bischöfe und das Volk Gottes

Das Konzil von Trient

Das Konzil von Trient lehrt, dass die Bischöfe die Nachfolger der Apostel sind (D 960). Als Nachfolger der Apostel sind sie ebenso wie diese die Hirten und Lehrer der Gläubigen (D 1821). Als amtliche Glaubenslehrer sind sie Träger einer Unfehlbarkeit, die die Offenbarung zu bestätigen hat.

Erstes Vatikanisches Konzil: Unfehlbarkeit des Papstes

Das Erste Vatikanische Konzil, das die päpstliche Unfehlbarkeit mit dem Konzilsdekret Pastor aeternus 1870 dogmatisch feststellte, definiert sie wie folgt:

Wenn der römische Bischof ex cathedra spricht, d.h. wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirt und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten apostolischen Amtsgewalt endgültig entscheidet, dass eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, so besitzt er auf Grund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche in der endgültigen Entscheidung über eine Glaubens- oder Sittenlehre ausgestattet wissen wollte. Daher sind solche endgültige Entscheidungen des römischen Bischofs aus sich selbst, nicht auf Grund der Zustimmung der Kirche, unabänderlich. (Dogma)

Das bedeutet:

  1. Jeder rechtmäßige Papst ist Träger der Unfehlbarkeit - was ausschließt, dass er zuerst die Erlaubnis eines Konzils, das er selbst einberuft, einzuholen hätte. Denn, wie das I. Vatikanische Konzil sagt, ist ein Konzil keine dem Papste übergeordnete Behörde (Pastor aeternus 14).
  2. Der Papst kann nichts unfehlbar verkünden, was im Widerspruch zur Heiligen Schrift und zur apostolischen Tradition steht.
  3. Nicht alle Worte, die ein Papst äußert, sind unfehlbar. Unfehlbar sind die Entscheidungen eines Papstes nur dann, wenn er "ex cathedra" (Dogma) - als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen - spricht.
  4. Es ist der übernatürliche Beistand des Heiligen Geistes, der den Papst vor einem Irrtum in Glaubens- und Sittenfragen bewahrt. Das Charisma der Unfehlbarkeit besitzt der Papst geschenkhaft, nicht aufgrund natürlich menschlicher Eignung und Fähigkeit, moralischem oder intellektuellem Status.[5]
  1. Der besondere Beistand, der dem Papst gegeben wird, hebt ihn nicht von der Kirche ab und schließt Konsultation und Kooperation nicht aus.[6]

Zweites Vatikanisches Konzil: Irrtumslosigkeit der Gesamtheit der Bischöfe und des Volkes Gottes

Das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil in der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium (Nr. 12 +18+25) abermals bekräftigt. Der Unfehlbarkeit erfreut sich der Bischof von Rom, das Haupt des Bischofskollegiums, kraft seines Amtes, wenn er als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen, der seine Brüder im Glauben stärkt (vgl. Lk 22,32 EU), eine Glaubens- oder Sittenlehre in einem endgültigen Akt verkündet [7]. Daher heißen seine Definitionen mit Recht aus sich und nicht erst aufgrund der Zustimmung der Kirche unanfechtbar, da sie ja unter dem Beistand des Heiligen Geistes vorgebracht sind, der ihm im heiligen Petrus verheißen wurde. Sie bedürfen daher keiner Bestätigung durch andere und dulden keine Berufung an ein anderes Urteil. In diesem Falle trägt nämlich der Bischof von Rom seine Entscheidung nicht als Privatperson vor, sondern legt die katholische Glaubenslehre aus und schützt sie in seiner Eigenschaft als oberster Lehrer der Gesamtkirche, in dem als einzelnem das Charisma der Unfehlbarkeit der Kirche selbst gegeben ist (LG, Nr. 25).

Wenn der Bischof von Rom oder die Körperschaft der Bischöfe, mit ihm einen Satz der Glaubens- oder Sittenlehre definieren, legen sie ihn vor gemäß der Offenbarung selbst, zu der zu stehen und nach der sich zu richten alle gehalten sind. In Schrift oder Überlieferung wird sie durch die rechtmäßige Nachfolge der Bischöfe und insbesondere auch durch die Sorge des Bischofs von Rom unversehrt weitergegeben und im Licht des Geistes der Wahrheit in der Kirche rein bewahrt und getreu ausgelegt. Um ihre rechte Erhellung und angemessene Darstellung mühen sich eifrig mit geeigneten Mitteln der Bischof von Rom und die Bischöfe, entsprechend ihrer Pflicht und dem Gewicht der Sache. Diesen Definitionen kann die Beistimmung der Kirche niemals fehlen vermöge der Wirksamkeit desselben Heiligen Geistes, kraft deren die gesamte Herde Christi in der Einheit des Glaubens bewahrt wird und voranschreitet (LG, Nr. 25).

Die einzelnen Bischöfe besitzen zwar nicht den Vorzug der Unfehlbarkeit; wenn sie aber, in der Welt räumlich getrennt, jedoch in Wahrung des Gemeinschaftsbandes untereinander und mit dem Nachfolger Petri, authentisch in Glaubens- und Sittensachen lehren und eine bestimmte Lehre übereinstimmend als endgültig verpflichtend vortragen, so verkündigen sie auf unfehlbare Weise die Lehre Christi (LG, Nr. 25).

Das Zweite Vatikanische Konzil stellte die Unfehlbarkeit auch in den größeren ekklesiologischen Zusammenhang des Volkes Gottes:

"Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie "von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien"[8] ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert. Durch jenen Glaubenssinn nämlich, der vom Geist der Wahrheit geweckt und genährt wird, hält das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes, in dessen treuer Gefolgschaft es nicht mehr das Wort von Menschen, sondern wirklich das Wort Gottes empfängt (vgl. 1 Thess 2,13 EU), den einmal den Heiligen übergebenen Glauben (vgl. Jud 3) unverlierbar fest. Durch ihn dringt es mit rechtem Urteil immer tiefer in den Glauben ein und wendet ihn im Leben voller an."[9]

Anwendung der Unfehlbarkeit

Die zwei jüngsten dogmatischen Definitionen seitens der päpstlichen Lehrautorität handelten von Maria (und zwar ohne dass ein theologischer Streit entschieden werden musste). Papst Pius IX. hat 1854 (also vor Verkündung des Unfehlbarkeitsdogmas) das Dogma der „unbefleckten Empfängnis Mariens“ definiert. Pius XII. verkündete 1950 das Dogma der leiblichen Aufnahme der Jungfrau und Gottesmutter Maria in die himmlische Herrlichkeit.

Entgegen mancher Vorstellungen ist die Unfehlbarkeit seit 1870 erst ein einziges Mal zur Anwendung gekommen. Über die Zahl päpstlicher Entscheidungen, die vor 1854 (Definition der Immakulata) als ex cathedra gelten, besteht kein Konsens.

Einwand der antiochenischen Zwischenfalls

Um die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit zu widerlegen, wird als Beispiel gern das Verhalten des Petrus in Antiochien angeführt, wo er sich weigerte, mit Heidenchristen zu essen, um nicht Anstoß bei bestimmten Juden aus Palästina zu erregen (Gal 2,11-16 EU). Dafür wurde er von Paulus zurechtgewiesen. War Petrus also nicht unfehlbar?

Dieser Zwischenfall kann nicht als Gegenargument gegen die Unfehlbarkeit dienen. Denn in diesem Beispiel ging es um eine Frage der Disziplin. Das Problem lag hier in Petri Handeln, nicht in dem, was er lehrte. Auch Paulus erkannte ja an, dass Petrus die rechte Lehre sehr wohl kannte (Gal 2,15-16 EU). Wofür er Petrus zurechtwies, war, dass er nicht nach seiner eigenen Lehre lebte. Petrus lehrte hier, genau genommen, überhaupt nichts; und noch weniger definierte er feierlich eine Frage des Glaubens oder der Sitten.

Protestantische Kritiker der Unfehlbarkeit des Papstes, welche den antiochenischen Zwischenfall vor allem zitieren, anerkennen trotzdem, dass Petrus Unfehlbarkeit zumindest in einem damals gültigen Sinne besaß, insofern er nämlich zwei unfehlbare Briefe des Neuen Testaments schrieb.

Zitat

  • Wie "zählt" das, was der Papst ins Blaue hinein redet? Gut zu wissen ist, dass das Lehramt unterschiedliche Stufen der Verbindlichkeit päpstlicher Aussagen kennt. Franziskus zeigt uns ja ziemlich klar, was päpstliche Unfehlbarkeit alles nicht ist. (Gudrun Sailer)[10]

Päpstliche Schreiben

Pius IX.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Literatur

  • Peter Knauer, Was bedeutet Unfehlbarkeit?, in: Theologie und Glaube 105. Jahrgang (2015) Heft 3.
  • Ludwig Ott, Grundriss der katholischen Dogmatik, 10. Auflage, Freiburg u.a. 1981, S. 344-349; 359-362 (Imprimatur Freiburg im Breisgau den 2.12.1969, Der Generalvikar: Dr. Schlund).
  • Klaus Schatz: Welche bisherigen päpstlichen Lehrentscheidungen sind "ex cathedra"? Historische und theologische Überlegungen, in: Dogmengeschichte und Theologie (Hg.: W. Löser u.a.), Würzburg 1985, S. 404-422.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Albert Lang in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 10, Artikel Unfehlbarkeit der Kirche, Sp. 482.
  2. vgl. Wolfgang Beinert in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band 10, Artikel Unfehlbarkeit, Sp. 389.
  3. Kongregation des Heiligen Offizium: Mysterium ecclesiae am 24. Juni 1973: Nr. 3.
  4. vgl. Giovanni Sala SJ: Das kirchliche Lehramt. Außerordentliches und ordentliches Lehramt unter dem Beistand des Heiligen Geistes. Schriften des Initiativkreises katholischer Priester in der Diözese Augsburg, (Heft 13).
  5. vgl. Wolfgang Beinert in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band 10, Artikel Unfehlbarkeit, Sp. 392.
  6. Internationale Theologische Kommission: "Sensus fidei im Leben der Kirche", 5. März 2014, Nr. 40.
  7. Vgl. I. Vat. Konzil, Const. Dogm. Pastor aeternus: Denz. 1839 (3074).
  8. Vgl. Augustinus, De Præd. Sanct. 14, 27: PL 44, 980.
  9. Hinsichtlich einiger Einzelprobleme erläutert das Dokument der Glaubenskongregation Mysterium ecclesiae von 1973 die Unfehlbarkeit der Kirche ausführlich. Das Schreiben der Internationalen Theologische Kommission "Sensus fidei im Leben der Kirche" vom 5. März 2014 erläutert in Nr. 23-46 die Entwicklung des Unfehlbarkeitsgedankens.
  10. Franziskus und die freie Rede: Der abweichende Papst Katholisch.de am 26. November 2019
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