Päpstliche Schweizergarde

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Schweizer Gardist, Rom Pfingsten 2006

Die Päpstliche Schweizergarde (italienisch Guardia Svizzera Pontificia, lateinisch Pontificia Cohors Helvetica) besteht seit dem 22. Januar 1506. Sie wurde als päpstliches Armeekorps gegründet und versieht heute als "Hauspolizei" des Vatikanstaates Sicherheits- und Ehrendienste.

Inhaltsverzeichnis

Patrone

Geschichte

Am 21. Juni 1505 wurde der Luzerner Kleriker Peter von Hertenstein in Rom von Papst Julius II. beauftragt, in der Eidgenossenschaft eine Leibgarde von 200 Mann für seinen persönlichen Schutz anzuwerben. Am 22. Januar 1506 zogen die ersten päpstlichen Schweizergardisten, 150 Mann unter der Führung von Kaspar von Silenen, in Rom ein. Sie wurde durch die Fuggerei finanziert.

Im Januar 1527 versuchte der Stand Zürich vergeblich, seine Gardisten zurückzurufen, um der Reformation zu wehren.

Der grösste Ernstfall in der Geschichte der Garde war der "Sacco di Roma", die Plünderung Roms durch meuternde deutsche und spanische Söldnertruppen Kaiser Karls V. Die Schweizergarde unter der Führung von Herkules Göldli brachte am 6. Mai 1527 Papst Klemens VII. auf der Engelsburg in Sicherheit. Von 189 Schweizern überlebten nur 42 Gardisten in hartem Kampf gegen eine grosse Übermacht. Dies bedeutete vorübergehend den Untergang der Schweizergarde.

Im Jahr 1548 wurde die Schweizergarde durch Papst Paul III. wieder eingesetzt.

Im Jahr 1571 nahmen 13 Gardisten teil an der Seeschlacht von Lepanto gegen die Türken.

1798 wurde Papst Pius VI. von Napoléon nach Frankreich deportiert und starb dort 1799. Oberst Franz A. Pfyffer begleitete ihn ins Exil. Nach dem Tod des Papstes wurde die Schweizergarde entlassen, aber schon 1801 von Papst Pius VII. wieder eingesetzt.

1808 wurde Rom durch die Franzosen besetzt und die Garde wieder aufgelöst. Papst Pius VII. wurde nach Fontainebleau bei Paris verbannt. Als der Papst 1814 wieder nach Rom zurückkehrte, wurde die Garde wieder eingesetzt.

Im Jahr 1848 kam es erneut zu Revolutionswirren und Papst Pius IX. flüchtete nach Gaeta. Dies bedeutete erneut die Auflösung der Garde bis zur Rückkehr des Papstes im Jahr 1849.

Am 20. September 1870 wurde Rom durch die Truppen Garibaldis erobert und Italien geeint: der Papst zog sich in den Vatikan zurück.

1914 /1915 wurde durch Oberst Repond die Uniform der Garde reformiert.

1927 wurde ein Gardedenkmal errichtet zur Erinnerung an das 400-Jahr Jubiläum des Sacco di Roma.

1970 wurden alle militärischen Korps des Vatikans abgeschafft, ausser der "altehrwürdigen" Schweizergarde.

Am 13. Mai 1981 wurde auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz ein Attentat verübt.

Der 4. Mai 1998 ist ein tragischer Tag für die Garde: Der frischernannte Oberst Alois Estermann wird zusammen mit seiner Frau von einem Gardisten im Gardequartier ermordet. Der Gardist begeht nach der Tat Selbstmord.

Im Jahr 2006 begeht die Schweizergarde ein Jubiläum: Seit 500 Jahren schützt nun die Schweizergarde das Leben des Papstes.

Kommandanten

  1. Von Silenen, Kaspar UR (1506 - 1517)
  2. Röist, Markus ZH (1518 - 1524)
  3. Röist, Kaspar ZH (1518 - 1527)
    vakant (1527 - 1548)
  4. Von Meggen, Jost LU (1548 - 1559)
  5. Von Silenen, Kaspar Leo LU (1559 - 1564)
  6. Segesser von Brunegg, Jost LU (1566 - 1592)
  7. Segesser von Brunegg, Stephan Alexander LU (1592 - 1629)
  8. Fleckenstein, Nikolaus LU (1629 - 1640)
  9. Fleckenstein, Jost LU (1640 - 1652)
  10. Pfyffer von Altishofen, Johann Rudolf LU (1652 - 1657)
  11. Pfyffer von Altishofen, Ludwig LU (1658 - 1686)
  12. Pfyffer von Altishofen, Franz LU (1686 - 1696)
  13. Mayr von Baldegg, Johann Kaspar LU (1696 - 1704)
    vakant (1704 - 1712)
  14. Pfyffer von Altishofen, Johann Konrad LU (1712 - 1727)
  15. Pfyffer von Altishofen, Franz Ludwig LU (1727 - 1754)
  16. Pfyffer von Altishofen, Jost Ignaz LU (1754 - 1782)
  17. Pfyffer von Altishofen, Franz Alois LU (1783 - 1798)
    vakant (1798 - 1800)
  18. Pfyffer von Altishofen, Karl Leodegar LU (1800 - 1834)
  19. Pfyffer von Altishofen, Martin LU (1835 - 1847)
  20. Meyer von Schauensee, Franz Xaver Leopold LU (1848 - 1860)
  21. von Sonnenberg, Alfred LU (1860 - 1878)
  22. de Courten, Louis-Martin VS (1878 - 1901)
  23. Meyer von Schauensee, Leopold LU (1901 - 1910)
  24. Repond, Jules FR (1910 - 1921)
  25. Hirschbühl, Alois GR (1921 - 1935)
  26. von Sury d’Aspremont, Georg SO (1935 - 1942)
  27. Pfyffer von Altishofen, Heinrich LU (1942 - 1957)
  28. Nünlist, Robert LU (1957 - 1972)
  29. Pfyffer von Altishofen,Franz LU (1972 - 1982)
  30. Buchs, Roland FR (1982 - 1998)
  31. Estermann, Alois LU (1998 - 1998)
  32. Segmüller, Pius SG (1998 - 2002)
  33. Mäder, Elmar Theodor SG (2002-2008)
  34. Anrig, Daniel Rolf SG (1. Dezember 2008-)

Literatur

  • Paul M. Krieg: Die Schweizergarde in Rom, Verlag Räber, Luzern, 1960 (pdf)

Weblinks

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