Karmeliten

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Der Begriff Karmel ist, abgeleitet vom Berg Karmel im Heiligen Land, sowohl der Name jedes einzelnen Ordenshauses der Karmeliter und Karmelitinnen als auch Gesamtname der karmelitischen Spiritualität überhaupt.

Die Ordensgemeinschaft der Karmeliten (OCarm; unbeschuhte Karmeliten: OCD), genannt "Orden der Brüder der Seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel", hat im Unterschied zu den meisten anderen Ordensgemeinschaften keinen Ordensgründer.

Er ist am Ende des 12. und am Beginn des 13. Jahrhunderts aus einer Gruppe von Männern entstanden - ehemalige Kreuzritter, Pilger, Einsiedler -, die von den heiligen Stätten des Evangeliums angezogen wurden und sich in einem Leben der Buße und des Gebetes "dem weihten, der für euch sein Blut vergossen hat" (Urban IV., Bulle "Ex vestrae religionis", 5. August 1262). Sie ließen sich auf dem Berg Karmel, nahe der Quelle des Elija, nieder und erhielten vom hl. Patriarchen Albert von Jerusalem (1206-1214) auf ihre Bitte hin eine Lebensregel. Er schloß sie zu einer einzigen Eremitengemeinschaft zusammen, versammelt um eine Kapelle, die der hl. Jungfrau und Gottesmutter Maria geweiht war.

Nach der Bestätigung durch Honorius III. (1226) und Gregor IX. (1229) schloß Innozenz IV. (1247) ihren Gründungsprozeß ab und fügte sie, mit einigen Anpassungen ihrer Lebensregel, in die neuen Orden der Apostolischen Brüderlichkeit (Mendikanten/ Bettelorden) ein. Er berief sie, das kontemplative Leben mit dem apostolischen Leben, der Sorge für das Heil des Nächsten, zu vereinen.

Etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts kehrten viele der Eremiten nach Europa zurück. Die Besetzung des Heiligen Landes durch die Muslime machte das Leben der Christen zunehmend schwieriger, so dass sie sich entschieden, das karmelitanische Leben in ihren Heimatländern weiterzuführen. Sie gingen zuerst nach Zypern, Sizilien, Frankreich und England und gründeten dort erste Niederlassungen.

Der karmelitischen Tradition zufolge war der Mann, der für die Hinführung der Brüder zu ihrem spezifischen Kennzeichen verantwortlich war, der hl. Simon Stock, damaliger Generalprior. Auf seine Bitte erschien ihm Unsere Liebe Frau und sagte ihm, das Braune Skapulier, welches Teil der Ordenskleidung war, sei für ihn und für alle Karmeliten ein Unterpfand der Rettung.

Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila reformierten den Orden im 16. Jh. gegen innere und äußere Widerstände und führten in zurück zu einem Leben in Gebet und Strenge gegen sich selbst "Jeder soll Tag und Nacht im Gesetz des Herrn betrachten und im Gebet wachen." Nach diesem Ideal lebten Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz, Therese von Lisieux und Edith Stein. Eine solche radikale Ausrichtung auf Gott kann nur im Dienst an den Mitmenschen gelebt werden.

Der Orden sieht sein Ideal verwirklicht in Maria, Mutter und Königin des Karmel. Die Gemeinschaft der Karmeliten will wie die Gottesmutter und der Prophet Elija auf das Wort Gottes hören und es mit Leben füllen. Gottes Wort soll der Mittelpunkt des gemeinsamen Lebens und Handeln sein. Die Marienverehrung spielt bei den Karmeliten von Beginn an eine grosse Rolle.

Der Erste Orden (der männliche Zweig) bemüht sich noch heute, ganz für Gott da zu sein und grundsätzlich offen zu sein für jede Art des Apostolats in der Kirche.

Der Zweite Orden (der weibliche Zweig) lebt in der Zurückgezogenheit der Klausur ganz dem Apostolat des Gebets und des Opfers für die Mitmenschen.

Der Dritte Orden des Karmel. Nachdem die Brüder in Europa Fuß gefaßt hatten, nahmen sie in ihre Konvente Laien auf, die auch gewissermaßen als Karmeliten betrachtet wurden. Sie wurden "Oblaten" oder "Donaten" genannt, wenn sie ihre eigenen Güter den Konventen schenkten. Der größte Teil von ihnen waren Frauen, die eigene Häuser benötigten. Sie nannten sich auch "Mantellaten", da sie ein Gewand ähnlich dem der Brüder trugen.

Mit der Zeit wurden diese Laien in gleichartigen Gruppen organisiert mit Verpflichtungen entsprechend denen der Brüder. Die erste kirchenrechtliche Approbation trat mit der Bulle "Cum nulla" Papst Nikolaus' V. am 7. Okt. 1452 in Kraft. Sie lieferte die Grundlage für den II. und III. Orden. Die Bulle bevollmächtigte die Ordensoberen, verschiedene Gruppen von Frauen zu leiten und deren Lebensform zu bestimmen. Die in der Bulle "Cum nulla" enthaltene Bewilligung wurde deutlicher in der Bulle "Dum attenta" von Papst Sixtus IV. vom 28. Nov. 1476 ausgeführt. Beide Dokumente bilden die Grundlage für die heutige Struktur der Karmelitanischen Familie.

Die Bulle "Cum nulla" erkennt das Bestehen unterschiedlicher Gruppen mit feierlichen oder einfachen Gelübden an. Allmählich haben einige dieser Frauen, die auch allein außerhalb eines Konventes leben konnten, sich als dritte Gruppe der Karmelitanischen Familie gesehen. Deshalb begann man, sie "Terziaren" zu nennen. 1476 gestattete Papst Sixtus IV. dem Karmelitenorden, die verschiedenen Laiengruppen so zu organisieren wie die Dritten Orden der anderen Bettelorden. Zur gleichen Zeit kamen Bruderschaften auf, die die Privilegien des Skapuliers zu genießen wünschten. Der Generalprior Theodor Stratius (1632-1642) suchte die Situation zu klären, indem er einen Dritten Orden von "continentes" (Enthaltsamen) einrichtete, in welchem die Brüder und Schwestern die Gelübde des Gehorsams und der standesgemäßen Keuschheit ablegten, während die übrigen Laien den Skapulierbruderschaften zugeordnet wurden.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde versucht, den Aspekt zu fördern, dass die Terziaren ein Leben in der Welt führen. Diese Dimension erreichte ihre Spitze in der Regel, die nach dem 2. Vatikanischen Konzil approbiert wurde. Heute sind die Terziaren gerufen, die ganze zeitliche Wirklichkeit mit den Werten des Evangeliums Jesu Christi zu erleuchten. Sie sind da zum Lob des Schöpfers, des Erlösers und des sie heiligenden Geistes, in einer Welt, die so zu leben und zu handeln scheint, als ob Gott nicht existierte. Von den Laien im Karmel wird die Mitarbeit an der Neuevangelisation erwartet, die die ganze Kirche durchdringt. Deshalb suchen sie in sich selbst den Bruch zwischen dem Evangelium und dem Leben zu überwinden. Sie bemühen sich, in ihren vielfältigen Aktivitäten in Familie, Arbeit und Gesellschaft die Einheit des Lebens wiederherzustellen, das im Evangelium die Inspiration und die Kraft findet, um in Fülle verwirklicht zu werden. (Vgl. Die Regel des Dritten Ordens des Karmel, Rom 2003 (Deutsche Ausgabe Bamberg/ Hamminkeln-Marienthal 2004), Nr. 5 - 10)

Die Karmelitanische Familie im deutschsprachigen Raum setzt sich wie folgt zusammen: I. Karmeliten (OCarm) mit der Oberdeutschen Provinz in Bamberg und der Niederdeutschen Provinz in Mainz. II. Teresianischer Karmel (OCD) mit der Bayerischen Provinz in München und der Österreichischen Semiprovinz in Linz. III. Karmelitinnen (OCarm u nd OCD). IV. Karmelitanische Gemeinschaft mit dem Dritten Orden der Karmeliten, der Teresianischen Karmel-Gemeinschaft, dem Karmel in der Welt und der Jungen Karmel-Gemeinde JKG. V. Karmel-Kongregationen mit den Marienschwestern vom Karmel (SMC), den Schwestern Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel (Tertiarkarmelitinnen) und den Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu (Karmel DCJ). VI. Säkularinstitut "Notre-Dame de Vie". (vgl. Günter Benker (Hg.), Die Gemeinschaften des Karmel, Mainz 1994, S. 207-214).

Päpstliches

Literatur

  • Die Regel des Dritten Ordens des Karmel, Bamberg/ Hamminkeln-Marienthal 2004
  • Jantsch-Butterweck, Die Regel des Karmel, Geschichte und Gegenwart einer Lebensnorm, Kaffke-Verlag Aschaffenburg 1986 (1. Auflage) ISBN 3-87391-101-9
  • Im Anfang war das Herz. Vom Geheimnis des Karmel, Salzburg 1951.

Siehe auch: Niederlassungen der Karmeliten in Bamberg

Weblinks

Allgemein:

Karmeliten-Stammorden:

Unbeschuhte Karmeliten:

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