Nova impendet (Wortlaut)

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Enzyklika
Nova impendet

von Papst
Pius XI.
an die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die anderen Oberhirten, doe in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle leben
über die schwere Wirtschaftskrise, die beklagenswerte Arbeitslosigkeit und die Zunahme der militärischen Rüstung
2. Oktober 1931

(Offizieller lateinischer Text: AAS XXIII [1931] 393-397)

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Utz + Birgitta Gräfin von Galen, XV 1-10, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G. Die Nummerierung folgt der englischen Fassung. Die Anmerkungen wurden in Klammer wiedergegeben; Einzelausgabe und in der Sammlung: Rundschreiben Pius' XI., über die gespannte wirtschaftliche Lage, die beklagenswerte Arbeitslosigkeit und die wachsenden militärischen Rüstungen, übersetzt und erläutert von Prof. Dr. Heinrich von Meurers, Paulinusdruckerei Trier)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen !

Inhaltsverzeichnis

Die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit

1 Ein neues Unheil bedroht und bedrängt bereits die Uns anvertraute Herde und trifft mit besonderer Härte ihren schwächsten Teil, dem Wir mit besonderer Liebe zugetan sind, die Kinder, das Proletariat, die Arbeiter und alle, die nur über bescheidene Mittel zum Unterhalt ihrer Familie verfügen. Wir meinen die große Notlage und die schwere Wirtschaftskrise, die die Völker bedrücken und die in allen Ländern viele zu der so gefürchteten und stetig weiter um sich greifenden Arbeitslosigkeit zwingen. Dadurch sieht man eine fast unendliche Zahl redlicher Arbeiter, die nichts so sehr wünschen, wie auf ehrliche Weise das Brot zu verdienen, das sie gemäß dem göttlichen Gebot vom Himmlischen Vater erflehen, zur Untätigkeit gezwungen und zusammen mit ihren Familien in äußerster Not. Ihre Klagen gehen Uns zu Herzen, sie erfüllen Uns mit dem gleichen Erbarmen und lassen Uns die gleiche Frage wiederholen, die aus dem liebevollen Herzen des göttlichen Meisters aufstieg angesichts der von Hunger geschwächten Menge: "Mich erbarmt des Volkes“ (Mk 8, 12)

2 Aber noch größeres Erbarmen erfüllt uns beim Anblick der vielen Kinder, die nach Brot rufen, „während niemand da war, es ihnen zu brechen „ (Klgl 4, 4), und die die Last der traurigen Verhältnisse tragen; die Not leiden und so die ihrem Alter entsprechende Fröhlichkeit dahinwelken sehen und auf ihren zarten Lippen das natürliche Lächeln schwinden und ersterben fühlen, von denen ihr Geist unbewusst umgeben zu sein wünschte.

Das erste und höchste Gesetz: die Liebe

3 Der Winter naht bereits heran und in seinem Gefolge zweifellos Elend und Hunger, wie sie die kalte Jahreszeit den Schwachen und Armen bringt; zudem ist zu befürchten, dass die oben beschriebene Arbeitslosigkeit sich noch soweit verschärft, dass die nicht abwendbare Not viele unbemittelte Familien - was Gott verhüten möge - in die Erbitterung treibt.

4 All dies erfüllt das Herz des gemeinsamen Vaters mit Sorge; daher erheben Wir wie Unsere Vorgänger und vor allem Unser unmittelbarer Vorgänger seligen Angedenkens Benedikt XV. Unsere Stimme und ermahnen inständig alle, die vom Glauben und der christlichen Nächstenliebe zutiefst durchdrungen sind; Unser Aufruf hat zum Ziel, alle zu einem frommen Wettstreit der Liebe und Hilfsbereitschaft zu bewegen. Dieser heilige Wettstreit soll die leiblichen Bedürfnisse befriedigen und die Geister aufrichten, das Vertrauen wiederherstellen und festigen und aus den Seelen jene unseligen Gedanken vertreiben, die die Not, diese schlechte Ratgeberin, einzugeben pflegt. Er soll das Feuer des Neids und der Eifersucht, die die Bürger entzweien, wirksam bekämpfen und jene Flammen der Eintracht und der Liebe entzünden, die das edle Band des Friedens und Gedeihens pflegen und fördern, woraus die Einzelnen wie die Staaten ihren Nutzen ziehen.

5 Zu diesem Wettstreit des Mitleids und der Liebe, der sicher auch eine eifrige Opferbereitschaft zum Wohle der Armen nach sich ziehen wird, rufen Wir alle Kinder des einen Himmlischen Vaters auf, die zahllosen Glieder einer großen Familie und daher Brüder in Christus, mögen sie in Wohlstand und Freude oder Not und Schmerzen leben.

6 Zu diesem Wettstreit des Mitleids rufen Wir alle auf wie zu einem heiligen Dienst, der auf jenem besonderen Gesetz der Lehre des Evangeliums beruht, das Christus der Herr als sein erstes und höchstes Gebot predigte, als die Summe und Zusammenfassung aller übrigen Gesetze, auf dem Gesetz der Liebe. Dies Gesetz hat Unser geliebter unmittelbarer Vorgänger in jener Zeit, da fast überall der Krieg tobte und Feindschaften wüteten, immer wieder und so eindringlich empfohlen, dass er es gleichsam zum Leitmotiv seines gesamten Pontifikats gemacht hat. Auch Wir erinnern alle, vornehmlich jene, die nach Menschlichkeit und christlicher Vollkommenheit streben, an dieses mildeste aller Gesetze, das nicht nur die höchste Pflicht ist, in der das ganze Gesetz des Christentums enthalten ist, sondern auch die höchste Lebensform.

7 Doch halten Wir es für überflüssig, noch mehr darüber zu sagen und weiter zu drängen, da allen offenkundig ist, dass nur Freigebigkeit und Großmut der Seelen, nur das eifrige Streben nach der christlichen Tugend - bei jenen vor allem, die je nach ihren Möglichkeiten sich aktiv dem Wohl der Brüder, besonders den Bedürfnissen der Kinder und Armen, widmen - die großen Schwierigkeiten unserer Zeit rasch und in gemeinsamer Anstrengung überwinden können.

Die Ursache der Krise: das Wettrüsten

8 Da aber die schwere Krise, die Wir beklagen, einerseits die Folge der verschärften Rivalität unter den Völkern ist, andererseits dem Staatshaushalt gewaltige Ausgaben verursacht, und da außerdem zu diesem doppelten Verhängnis jenes täglich wachsende und überhitzte Wettrüsten hinzutritt, können Wir nicht umhin, Unsere diesbezügliche sorgenvolle Ermahnung (Ansprache vom 24. Dezember 1930; Handschreiben Con vivo piacere, 7. April 1922) sowie die Unseres Vorgängers (Benedikt XV., Ansprache Dès le début, 1. August 1917) zu wiederholen im Bedauern, dass sie bis jetzt noch nicht befolgt wurden; Euch, ehrwürdige Brüder, bitten Wir inständig, in der bestmöglichen Weise durch Eure Predigten und durch die Presse die Geister zu erleuchten und ihren Sinn auf die sicheren Normen der menschlichen Vernunft und des christlichen Gesetzes auszurichten.

Praktische Anweisungen

9 Schon hegen Wir begründete Hoffnung, dass bei einem jeden von Euch die erbetenen Spenden der Gläubigen zur Unterstützung der Bedürftigen zusammenströmen und von Euch sogleich zu deren Erleichterung verteilt werden. Wenn es aber in einigen Diözesen ratsamer scheinen sollte, diese Aufgabe dem Metropoliten oder einer wohltätigen Organisation, die wirklich Eures Vertrauens würdig und deren Leistungsfähigkeit erprobt ist, anzuvertrauen, so sei es Eurem klugen Ermessen überlassen, so zu handeln.

Wenn Wir Euch soeben gebeten haben, Unsere Wünsche durch geeignete Veröffentlichungen und Predigten bekannt zu machen und die Sache nach Kräften zu fördern, so wollen Wir nun auch Eure Gläubigen um der Liebe Christi willen ermahnen, Eurer und Unserer Aufforderung weitherzig und großmütig zu folgen und das, was Ihr in Auslegung dieser Enzyklika ihnen vorschlagen werdet, unverzüglich in die Tat umzusetzen.

Schlussermahnung und Segen

10 Da aber alle menschlichen Bemühungen, auch die edelsten, ohne die Hilfe Gottes nicht ausreichen, lasst Uns den Geber alles Guten mit inständigen Gebeten bestürmen, auf dass er in seiner übergroßen Barmherzigkeit bald bessere Zeiten heraufziehen lasse; und lasst uns, auch im Namen der Hungernden, ihn anflehen mit jenem göttlichen, von Christus uns gegebenen Gebet: "Unser tägliches Brot gib uns heute."

11 Alle mögen bedenken, dass der Erlöser des Menschengeschlechts als Ansporn und Trost für uns gesagt hat, dass er das, was wir „einem der geringsten seiner Brüder" tun würden, als ihm selbst getan betrachten werde (Mt 25, 40); auch mögen sie jene göttliche Verheißung nicht vergessen, mit der er versprochen hat, er werde alles, was man aus Liebe zu ihm für die Kinder getan habe, als ihm selbst getan erachten (Mt 18, 5).

12 Das Fest, das die Kirche heute feiert, ruft Uns schließlich jene Worte Jesu Christi in Erinnerung, mit denen Wir Unser Rundschreiben und Unsere Ermahnungen beschließen wollen; nachdem nämlich unser Erlöser, um mit dem heilige Johannes Chrysostomus zu sprechen, einen unbezwingbaren Schutzwall um die Seelen der Kinder errichtet hatte, hat er gesagt: "Hütet euch, eines dieser Kleinen gering zu achten; denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel sehen immerfort das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist.“ (Mt 18, 10) Sicherlich werden diese Engel alles, was immer Ihr bereitwillig und großmütig zur Unterstützung der Kinder und Bedürftigen tun werdet, dem Herrn der Erde und des Himmels darbringen und von ihm überreiche Gnadengaben für alle erlangen, denen eine so heilige Sache am Herzen liegt.

13 Im Hinblick auf das kommende Fest Christi des Königs, dessen Herrschaft und Frieden Wir vom Beginn Unseres Pontifikats an ersehnt und erfleht haben, scheint es Uns angebracht zu sein, dass in allen Kirchen öffentliche Triduen gehalten werden, um vom Herrn aller Erbarmungen die Gedanken und Gaben des Friedens zu erbitten. Als Unterpfand dieser Gaben erteilen Wir Euch, ehrwürdige Brüder, und allen, die Unseren väterlichen Mahnungen Folge leisten, voller Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 2. Oktober,

dem Fest der heiligen Schutzengel, des Jahres 1931,

des zehnten Unseres Pontifikats.
Pius XI. PP.

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