Nel mese de luglio

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Ansprache
Nel mese de luglio

unseres Heiligen Vaters
Pius XII.
an Neuvermählte
das kostbare Blut lehrt uns das Verzeihen und gibt uns die Kraft dazu

10. Juli 1940

(Quelle: Ansprachen Pius XII. an Neuvermählte, Josef Habbel Verlag Regensburg 1950, S. 56-63, Übersetzt und eingeleitet von DDr. Friedrich Zimmermann. Imprimatur Regensburg, den 11. Juli 1949 J. Franz, Generalvikar; Download).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Im Monat Juli verehrt die Kirche besonders, wie ihr wohl wisst, geliebte Söhne und Töchter, das kostbare Blut unseres Herrn Jesus Christus, und in ihrem liturgischen Gebet fleht sie zum himmlischen Vater, "der seinen eingeborenen Sohn zum Erlöser der Welt bestimmt hat und durch sein Blut sich wollte versöhnen lassen" (vgl. Röm Brevier. 1. Juli, Kirchengebet), um uns dessen wohltätige Wirkungen vor Augen zu führen. Das war der Anlass unserer kurzen Ausführungen in der Audienz am vergangenen Mittwoch, und das soll er auch heute sein, nur unter einem anderen Blickpunkt; denn das Geheimnis dieses göttlichen Blutes, das edelmütig für uns vergossen wurde und unerschöpflich ist wie seine Quelle selbst, und die Betrachtung des Erlösungswerkes d. h. der hocltherzigsten Versöhnung ist in der gegenwärtigen Stunde heilsamer und angebrachter denn je.

In der sichtbaren Welt zeigen sich in allen Jahrhunderten unserem erschrockenem Auge nicht bloß Flecken, sondern auch ganze Ströme von Blut, die zerstörte Städte und ganze Landstriche bedecken. Nun lässt das gewaltsam vergossene Blut allzu häufig Hass aufsprossen, und der Hass des Menschenherzens ist tief wie ein Abgrund, der einen neuen Abgrund ruft, so dass eine Welle auf die andere folgt und ein Unglück das andere nach sich zieht (vgl. Ps. 41, 8). Schaut dagegen auf die Welt der Seelen! Auch hier fließen Ströme von Blut, aber dieses aus Liebe vergossene Blut bringt nichts als die Vergebung der Sünden. Das Herz des Gottmenschen, aus dem es fließt, ist auch ein Abgrund: "Herz Jesu, Abgrund aller Tugenden" (Lit. v. Herzen Jesu, nr. 11), aber ein Abgrund der Tugenden, der in der Tiefe der Herzen nur einen Abgrund der Milde und des Erbarmens weckt. Seitdem Christus sein Blut für die Menschen vergossen hat, ist die gläubige Menschheit eingetaucht in ein Meer von Güte und atmet in einer Atmosphäre der Versöhnung.

Habt ihr schon einmal am Abend eines schwülen Sommertages gesehen, wie die Erde von einem Gewitterregen erfrischt wurde? Wasserfluten haben in wenigen Augenblicken den Boden auf Bergen und in Tälern aufgeweicht; wenn der Himmel wieder heiter wird und während der Regenbogen an dem noch grauen Firmament sein siebenfarbiges Band ausspannt, steigt aus dem feuchten Boden ein Dampf auf, schwer vom Pflanzengeruch, man könnte sagen der warme Atem eines großen lebendigen Organismus, der sich recken will. Bei diesem Geruch des Wassers schöpft der Baum, auch wenn er abgehauen ist - wie Job sagt (14, 7-9) -, der tot schien, wieder Hoffnung und gewinnt bald wieder den Haarschmuck seines Blattwerks. Das ist nur ein schwaches Bild für die Wohltaten mit denen die Erde unter den Strömen des Erlöserblutes befruchtet worden ist. Wenn die Schleusen des Himmels die vierzig Tage lang geöffnet waren, genügten, um die Erde unter Wasser zu setzen (Gen 7, 11), wie sollt nicht das göttliche Blut, das seit 1900 Jahren aus den Herzen Jesu auf Tausenden von Altären fließt, die Welt der Seelen überflutet und fast durchdrungen haben? David hatte vielleicht diese gnadenreiche Blutvergießung im Auge, als er von einem reichen Regen sprach, den Gott seinem Erbe aufgespart hat: "Einen Regen von Gaben schüttest du aus, o Gott, deinem Erbe" (Ps. 67, 10). Der Regen, eine wesentliche Vorbedingung der Fruchtbarkeit in Palästina und reicher Lohn Gottes für den Gehorsam gegen seine Gebote (Dtn 11, 11-14), versinnbildete so, wenn auch unvollkommen, die Wiedergeburt des Menschengeschlechtes durch das Blut Christi.

Übrigens würde es nicht der Wahrheit entsprechen zu glauben, der Alte Bund habe nicht die Vergebung der Beleidigungen gelehrt. In ihm finden sich wertvolle und kluge Belehrungen darüber, besonders für euch, liebe Brautleute. "Denk nicht an das Unrecht, das du vom Nächsten erlitten", sagt Jesus Sprach (10, 6); nun, es zu vergessen ist bisweilen noch schwerer als zu verzeihen. Verzeiht denn zu allererst, und Gott wird euch die Gnade geben zu vergessen. Aber vor allem löscht den Wunsch nach Rache aus, den der Herr schon im Alten Gesetz also verurteilte: "Du sollst nicht Rache suchen noch des Unrechts deiner Mitbürger gedenken!" (Num 19, 18). Mit anderen Worten könnte man heute sagen: Hütet euch vor dem Groll gegen eure Nachbarn, gegen die Familie, die über oder unter oder neben euch wohnt, gegen den Eigentümer, der mit euch die Mauer gemeinsam hat, gegen den Geschäftsmann, dessen Handel euch Konkurrenz macht, gegen den Verwandten, dessen Benehmen euch kränkt. Die Heilige Schrift mahnt außerdem: "Sprich nicht: so wie er mir getan, will im ihm wieder tun! Nach seinem Tun will jedem im vergelten!" (Spr. 24, 29). Denn "wer sich rächen will, wird die Rache des Herrn erfahren, der genaue Rechenschaft verlangt von seinen Sünden" (Sir 28, 1). Wie töricht ist in der Tat der Hass in einer sündhaften Seele, die des Erbarmens so sehr bedarf! Die Heilige Schrift unterstreicht diesen schreienden Widerspruch: "Der eine hält fest am Hass gegen den anderen und verlangt Heilung von Gott? Gegen seinesgleichen hat er kein Erbarmen und fleht für die eigenen Sünden um Verzeihung?" (Sir 28, 3-4).

Als nun der Neue Bund zwischen Gott und den Menschen im Blute Jesu Christi besiegelt worden war, wurde gerade allgemein das Gebot unermüdlicher Vergebung und der Umwandlung des Hasses in Liebe: "O Petrus", antwortete Jesus dem Apostel, der ihn gefragt hatte, "nicht nur sieben Mal musst du deinem Bruder verzeihen, sondern sogar siebenundsiebzig Mal" (Mt. 18, 22), d. h. der Christ muss unbegrenzt und bedingungslos bereit sein, die vom Nächsten ihm zugefügten Beleidigungen zu verzeihen.

Weiter lehrte der göttliche Meister: "Wenn ihr euch zum Beten anschickt, verzeiht, wenn ihr etwas gegen einen habt, damit euer Vater, der im Himmel ist, auch euch eure Sünden verzeihe" (Mk. 11, 25). Und es genügt keineswegs, das Böse nicht mit Bösem zu vergelten. "Ihr habt gehört", fügte Jesus hinzu, "dass gesagt worden ist: du sollst deinen Freund lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, tuet Gutes denen, die euch hassen" (Mt. 5, 43-44). Seht! Das ist die christliche Lehre von der Liebe und der Vergebung, eine Lehre, die bisweilen schwere Opfer verlangt.

In der gegenwärtigen Stunde besteht z. B. die Gefahr, dass das edle und berechtigte Gefühl der Vaterlandsliebe in den Herzen nicht weniger ausartet in Rachegelüste, in unersättlichen Hochmut bei den einen, in unheilbaren Hass bei den anderen. Dennoch muss ein Christ, wenn er auch treu und mutig sein Vaterland verteidigt, sich frei halten vom Hass gegen jene, die er bekämpfen muss. Man sieht auf den Schlachtfeldern, wie die Personen im Dienst des Feldlazaretts, die Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen, edelmütig aufgehn in der Sorge um die Kranken und Verwundeten ohne Unterschied der Nationalität. Aber ist es denn eigentlich nötig, dass die Menschen erst bis an die Schwelle des Todes gelangen müssen, um sich als Brüder zu erkennen? Diese bewundernswerte, aber vielleicht zu späte Liebe genügt nicht; es ist notwendig, dass mit der Gesinnung und der Praxis des Evangeliums die Menge der Christen endlich das Bewusstsein der brüderlichen Verbundenheit gewinnt, welche sie verbindet in einer Erlösung, die allen gemeinsam ist durch die Verdienste des Blutes Jesu Christi, und dass die Seelen eben in diesem Blute, das ihr Trank geworden ist, die bisweilen auch heroischte Kraft finden zur gegenseitigen Verzeihung (die die Wiederherstellung der Gerechtigkeit oder des verletzten Rechts nicht ausschließt); sonst wird eine wahre und dauernde Eintracht nicht möglich sein.

Doch Wir wollen mit unseren Gedanken zu euch zurückkehren, geliebte Brautleute. Auf dem Weg, den ihr eingeschlagen habt, werdet ihr vielleicht eines Tages das Vergessen von Beleidigungen praktisch üben müssen in einer Weise, dass einige meinen, es sei zu schwer für menschliche Kraft. Wenn dieser Fall auch zum guten Glück selten ist zwischen wahrhaft christlichen Eheleuten, ist er doch nicht unmöglich, denn der Teufel und die Welt laufen Sturm gegen das Herz, das leicht entzündbar ist, und quälen das Fleisch, das schwach ist (vgl. Mk 14, 38). Aber ohne das Schlimmste anzunehmen, auch im täglichen Leben, wie viele Gelegenheiten gibt es da zu geringfügigen Widersprüchen, zu leichten Zusammenstößen, die unter Eheleuten den Zustand einer heimlichen und beklagenswerten Abneigung hervorrufen, wenn man nicht beizeiten für Heilmittel sorgt. Dann zwischen Eltern und Kindern: wenn die Autorität sich durchsetzen, ihren Rechten Achtung verschaffen und sich zur Geltung bringen muss mit Mahnungen, Tadel und, wenn nötig, mit Strafen, wie beklagenswert wäre doch von seiten eines Vaters oder einer Mutter auch nur der geringste Anschein von Groll oder persönlicher Rache! Er genügt oft, um im Herzen der Kinder das Vertrauen und die kindliche Liebe zu erschüttern oder zu zerstören.

Im Kirchenkalender fällt übermorgen am 12. Juli das Fest eines großen italienischen Heiligen, des Johannes-Gualbertus, der in Florenz am Ende des 12. Jahrhunderts von vornehmer Familie geboren wurde. Seine Geschichte zeigt, wie weit die Verzeihung von Beleidigungen gehen kann und wie Gott sie belohnt. Als junger Ritter ritt er einmal, schwer bewaffnet und von Soldaten begleitet, in einer engen Straße der Stadt, als er sich unversehens vor dem Mörder eines nahen und lieben Verwandten fand. Da dieser, allein und ohne Waffen, sich verloren sah, sank er in die Knie und erwartete, die Arme in Kreuzform ausbreitend, den Tod. Aber Johannes schenkte ihm aus Ehrfurcht vor diesem heiligen Zeichen das Leben, hob ihn auf und ließ ihn frei abziehen. Dann setzte er seinen Weg fort und trat in die Kirche des heiliger Miniatus, um zu beten. Da sah er, wie das Bild des Gekreuzigten das Haupt gegen ihn neigte mit einer Gebärde unendlicher Zärtlichkeit. Tief gerührt, entschloss er sich, fortan nur noch für Gott zu kämpfen; mit eigner Hand schnitt er sich das Haupthaar ab und nahm das Ordenskleid. Der Sieg, den er über sich selbst errang, war das Vorspiel eines langen heiligen Lebens (Acta Sanctorum Boll., Juli, Bd. 3, S. 313 u. 343-344).

Teure Söhne und Töchter, ihr braucht wahrscheinlich nicht einen so außerordentlichen Heroismus zu üben, und ihr werdet wahrscheinlich auch nicht eine so wunderbare Gnade empfangen. Aber wohl werdet ihr täglich bereit sein müssen, die Beleidigungen zu verzeihen, die im Familien- oder gesellschaftlichen Leben euch zugefügt werden; wie ihr auch täglich auf den Knien vor dem Bilde des Gekreuzigten wiederholen werdet: "Vater unser, ...vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern" (Mt. 6, 12). Und wenn ihr dann nicht seht, dass Christus sich sichtbar euch zuneigt mit einem Lächeln, mit dochengekrönter Stirn, so wisst ihr doch und glaubet mit festem Glauben und unbedingtem Vertrauen, dass von jener göttlichen Stirn, von den Händen und Füßen Jesu, des Erlösers, aus seinem Herzen vor allem, das immer offen steht, das erlösende Blut um so reicher seine Gnadenfluten in eure Seele ergießen wird, als ihr selbst edelmütig verziehen habt.

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