Natürliche Methoden zur Geburtenkontrolle

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Erklärung der Experten beim Päpstlichen Rat für die Familie
zum Abschluss des Treffens vom 9. bis 11. Dezember

unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
Natürliche Methoden zur Geburtenkontrolle: die authentische Alternative
11. Dezember 1992

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1992, S. 1272-1274)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Als eine Gruppe von 45 Experten - Wissenschaftlern, Fachleuten für soziale Fragen und Moraltheologen -, die zusammengekommen sind, um sich mit den neuesten Entwicklungen im Bereich der natürlichen Methoden zur Geburtenregelung zu befassen, wenden wir uns an die Frauen und Männer in aller Welt.

Die Regelung der menschlichen Fruchtbarkeit ist ein schwieriges Argument, das ernsthafte Entscheidungen und Entschlüsse bedingt. In diesem wichtigen Bereich der menschlichen Lebenspraxis sind zahlreiche Probleme entstanden. Mit Zuversicht schlagen wir daher den "authentischen Weg" für eine wahre Humanisierung der Zeugung, dieser wunderbaren Gabe Gottes, vor. Dieser Weg ermöglicht es, eine "natürliche Familienplanung" zu verwirklichen.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die natürlichen Methoden einen bestimmten Lebensstil wie auch eine ethische Verhaltensweise voraussetzen, die an das Verantwortungsbewusstsein der Eheleute appelliert und die auf der uneingeschränkten Achtung der Würde des Menschen, des wahren Wesens der Ehe und des vorrangigen und grundlegenden Wertes des menschlichen Lebens und auf der Hochschätzung der Sexualität als Geschenk Gottes beruht.

Während der sechziger Jahre hat das Studium der Symptome, die den weiblichen Fruchtbarkeitszyklus begleiten, zu neuen Erkenntnissen geführt und uns die Möglichkeit gegeben, auf verantwortungsvolle Weise den natürlichen Abstand zwischen den Geburten zu bestimmen. Die modernen Methoden, die anstelle der "Kalendermethode" getreten sind, sind sichere und präzise Verfahren zur Erzielung oder Verzögerung der Schwangerschaft. Diese natürlichen Methoden haben eine solide wissenschaftliche Grundlage. Die raschen Fortschritte der wissenschaftlichen und technologischen Forschung befürworten heute die Anwendung dieser Methoden. Leider ist die Öffentlichkeit aber hinsichtlich dieser natürlichen Verfahren nur lückenhaft oder gar fälschlich informiert.

Daher unterstreichen wir die Bedeutung der natürlichen Geburtenregelung.

  • Natürliche Methoden sind leicht zu lehren und zu verstehen. Sie können in jeder Gesellschaftsschicht angewendet werden und sind nicht vom Bildungsstand abhängig.
  • Die Gesundheit von Mutter und Kind wird durch die natürliche Distanzierung der Geburten gefördert, die weder für die Mutter noch das Kind schädlich sein kann. Die natürlichen Verfahren haben keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit des Ehepaares.
  • Die Freiheit und die Rechte bei der Ehepartner werden durch diese Methoden, die auf die Frau ausgerichtet sind und von der Achtung der Integrität ihres Körpers ausgehen, gewahrt.
  • Da die natürlichen Methoden die Fruchtbarkeitsperiode anzeigen, können sie den Ehepartnern, die eine Schwangerschaft anstreben, eine große Hilfe sein. Diese Methoden beglückten auch jene Ehepaare, die dem Problem scheinbarer Unfruchtbarkeit gegenüberstanden.
  • Durch die natürlichen Methoden kann sich die zwischenmenschliche Beziehung der bei den Ehepartner zueinander besser entwickeln, die auf Übereinstimmung, auf gemeinsamen Entscheidungen und gegenseitiger Achtung beruht. Die Anwendung dieser Methoden stärkt die Ehe und festigt infolgedessen das Familienleben.
  • Die natürlichen Methoden fördern eine positive Haltung dem Kind gegenüber und bewahren die Achtung vor dem menschlichen Leben in allen seinen Entwicklungsphasen.
  • Die natürlichen Methoden sind mit allen Kulturen und Religionen vereinbar.
  • Das wachsende Verantwortungsbewusstsein im geschlechtlichen Leben, wobei die Enthaltsamkeit vor der Ehe und die Treue in der Ehe gemeint sind, wird durch die Kenntnis der eigenen Fruchbarkeitsphasen gefördert. Das Unterweisen in der natürlichen Familienplanung ist daher von wesentlicher Bedeutung für die Wahrung eines gesunden Sexuallebens, einschließlich der Vorsorgemaßnahmen gegen Aids und anderer übertragbarer Geschlechtskrankheiten.
  • Diese Methoden stellen keine finanziellen Anforderungen an die Familie und sind daher auch für viele Frauen und Männer der Entwicklungsländer eine willkommene Lösung.

Empfehlungen:

Im Hinblick auf die Vorteile der natürlichen Methoden und aufgrund der Überzeugung, dass jede Frau das Recht hat, über die Umstände der eigenen Fruchtbarkeit informiert zu sein, empfehlen wir:

1. dass sich die Kirche noch mehr bemühe, die menschlichen und religiösen Werte zu lehren, die in ihrer Tradition verankert sind und vor allem in Humanae vitae und in Familiaris consortio sowie in den Katechesen von Johannes Paul II. zum Thema "Die menschliche Liebe im Plan Gottes" und in anderen Lehraussagen zum Ausdruck kommen.

2. Wir empfehlen, allen Ehepaaren in der Welt die natürlichen Methoden zugänglich zu machen. Wir appellieren an die Regierungen wie auch an private Organisationen, den Eheleuten auf positive Weise beizustehen und sie in dieser Aufgabe zu unterstützen.

3. Wir empfehlen, die natürlichen Methoden an allen medizinischen Hochschulen zu lehren. Wir rufen die medizinische Fachwelt auf, wissenschaftliche Methoden zur natürlichen Geburtenkontrolle für die Verwirklichung einer verantwortenden Vater- und Mutterschaft zu studieren und zu fördern und sie den Frauen und Männern zugänglich zu machen.

4. Wir empfehlen, auch junge Frauen und Männer, bevor sie in den Ehestand treten, stufenweise über die natürlichen Methoden zu informieren.

5. Wir befürworten das Stillen durch die Mutter zum Wohl der Familie, des Kindes und der Mutter selbst wie auch als Mittel zur Distanzierung der Schwangerschaften; wir treten dafür ein, dass von staatlicher Seite eine Regelung getroffen werden muss, die den Müttern die Möglichkeit gibt, ihre Kinder zu stillen.

6. Wir empfehlen eine verstärkte Forschung in verschiedenen Fachbereichen zur Unterstützung der Eheleute bei ihrem Streben nach einer verantworteten Vater- und Mutterschaft durch natürliche Methoden.

7. Wir empfehlen, für die natürlichen Methoden angemessene finanzielle Mittel zur Erforschung und Förderung der menschlichen Fruchtbarkeitsregelung bereitzustellen.

8. Wir empfehlen die Einrichtung nationaler Verbände in allen Ländern, so dass die Förderer der verschiedenen natürlichen Methoden zusammenarbeiten und sich gegenseitig durch den Austausch von Informationen unterstützen können.

Wir rufen die Oberhirten auf, den pastoralen Leitlinien in Humanae vitae und in Familiaris consortio echte Aufmerksamkeit zu schenken und die Initiativen zur Erforschung und Unterweisung der natürlichen Methoden zu unterstützen.

Obwohl wir den verschiedensten Ländern, Kulturen und religiösen Traditionen angehören, möchten wir der Katholischen Kirche danken, weil sie auf intensive Weise die verantwortete Elternschaft durch die Anwendung natürlicher Methoden zur Geburtenregelung gefördert hat. Die Kirche wird 1993 den 25. Jahrestag der Enzyklika Humanae vitae begehen. In Erinnerung an die prophetische Botschaft Papst Pauls VI. danken wir Papst Johannes Paul II. für seine Leitlinien in Familiaris consortio und seine ständige Hilfe und Ermutigung. Wir danken ebenfalls Kardinal Alfonso López Trujillo und dem Päpstlichen Rat für die Familie, der dieses Treffen hier in Rom ermöglicht hat.

Wir schauen mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft und danken all jenen Ehepaaren in der Welt, die sich für die natürlichen Methoden als authentische Alternative entschieden haben, wie auch all denen, die sie durch ihre eifrige Arbeit unterstützt und angespornt haben.

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