Natürliche Empfängnisregelung

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Unter Natürlicher Empfängnisregelung (NER) versteht man alle Techniken, die darauf abzielen ohne künstliche Verhütungsmittel, welche die Fruchtbarkeit unterdrücken, die Empfängnis zu regeln und somit Geburtenrelgung möglich zu machen. Sie hat nur positive Nebenwirkungen. Während die Katholische Kirche die Verhütung als unmoralisch ablehnt, ist die Geburtenregelung durch NER erlaubt, wenn „aus berechtigten Gründen keine weiteren Kinder mehr wünschenswert sind.“[1]

Inhaltsverzeichnis

Definition und Funktionsweise

Grundlage der gesamten NER ist die Beobachtung, dass es im Zyklus der Frau fruchtbare und unfruchtbare Tage gibt. Die NER nutzt die unfruchtbaren Tage für den Geschlechtsverkehr und vermeidet somit eine Schwangerschaft. Weder die Beobachtung des Zyklus zur Steigerung der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, noch die Praxis die Techniken zwar aktiv zu nutzen, aber in den fruchtbaren Perioden auf Empfängnisverhütung zurückzugreifen, fallen unter den Begriff der NER.

Auch der Sprachgebrauch ist Rötzer sehr wichtig. So redet er nie von Natürlicher Empfängnisverhütung, sondern von -regelung. Er gebraucht nicht das Wort Planung oder Versagerquote. Durch den lebensbejahenden Sprachgebrauch und die Akzentuierung auf die sprachlichen Nuancen wird die Methode selber gepägt, bzw. der Umgang miteinander.

Methoden und Sicherheit

Die Natürliche Empfängnisregelung weißt eine Fülle an Methoden auf, die auch in ihrer Sicherheit variieren:

Manchmal wird der NER unterstellt, sie wäre „vatikanisches Roulette“, also nicht als sicher zu betrachten. Korrekt angewendet hat sie aber statistisch gesehen eine Sicherheit, die allen anderen Wegen zur Vermeidung einer Schwangerschaft sogar überlegen ist (Pearl-Index von weniger als 0.2). In gewissen Phasen des Zyklus erreicht die Methode sogar eine absolute Sicherheit der Unfruchtbarkeit von 100 Prozent.

Bekannt ist vor allem die symptotermale Methode von Prof. Josef Rötzer. Sie erlangte eine solche Popularität, dass sie oft mit NER als solcher gleichgesetzt wurde. Diese Methode gehört zu den sichersten und kann bei richtiger Anwendung einen Pearl-Index von bis zu 0,2 erreichen, was deutlich besser ist als das Kondom (5-15) oder die Pille (0.2-0.8)

Geschichte der NER

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war es in der Wissenschaft unbekannt, dass es einen Wechsel von fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen im Zyklus der Frau geben könnte. Dr. Kapellmann vermutete erstmals in diese Richtung, und bereits am 16. Juni 1880 äußerte sich die Kirche positiv dazu. Kyusaku Ogino (Japan) und Herrmann Knaus (Österreich) gelang es dann unabhängig voneinander, die fruchtbaren Tage im Zyklus zu lokalisieren, und sie entwickelten Rechenregeln, die heute jedoch als veraltet zu betrachten sind. Für Wilhelm Hildebrand, einem Priester aus der Diözese Aachen, war die Not der Ehepaare in der Weltwirtschaftskrise 1929/1930 ein Ansporn zu helfen. Er wusste lediglich, dass eine Temperatur-Hochlage die fruchtbaren Tage anzeigt. Mithilfe der Beobachtungen seiner drei leiblichen Schwestern erarbeitete er, wie und wann die Messung der Temperatur durchzuführen sei, nämlich morgens nach dem Aufwachen, rektal, oral oder vaginal. 1951 begann Prof. Dr. Rötzer mit der Arbeit an dieser Methode. Er hatte durch seinen Priesterfreund Pater Dr. Felix Löwe von einem „Frauenthermometer“ erfahren, das dieser bei einem Besuch auf der "Messe" gesehen hatte. Ausgehend von dem Leitsatz „Wenn die Lehre der Kirche wahr ist, muss sie auch lebbar sein“ entwickelte das Ehepaar Rötzer die heute gängige Methode, die auf der kombinierten Beobachtung der Aufwach-Temperatur und der Körpersymptome (Zervixschleim, Muttermund, Mittelschmerz und andere) basiert. Wichtigste Grundlage für die NER-Arbeit war die Zusammenarbeit mit vielen Frauen/Ehepaaren, die (im Jahre 2010) eine Archivierung von mehr als 300.000 Zyklen von mehr als 8000 Frauen ermöglicht hat. INER wuchs längst über den deutschen Sprachraum hinaus mit INER Italia, INER Polen, INER Paraguay, INER Georgien. Im Jahre 2010 sind im Aufbau begriffen: INER Kroatien, INER Rumänien und INER Ukraine. INER-Mitglieder arbeiten in mehr als 20 weiteren Ländern weltweit.

Vorteile

Körperlich

Sozial

Die Methode der Beobachtung von fruchtbaren und unfruchtbaren Zyklustagen setzt einiges an Reife in der Beziehung voraus – Partnerschaftlichkeit, Beherrschung und Enthaltsamkeit werden vom Ehepaar eingefordert. Allerdings kann das zeitweilige Verzichten und aufeinander Warten zu einer enormen Vertiefung der Liebe führen. Manche Ehepaare erleben es wie eine Erinnerung an die Brautzeit, wo die letzte Erfüllung eben noch aussteht. Grundsätzlich ist sie von einer großen Offenheit für das Leben getragen, und nimmt den Ehepartner als Geschenk an, das eben nicht immer auf Knopfdruck verfügbar ist.

Organisationen

Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, NER bekannter zu machen, da viele Frauenärtze kaum etwas davon wissen, gibt es nur wenige. Prinzipiell kann man sich sicher an die Referate für Ehe und Familie der Diözesen wenden, die weiterhelfen können (ganz sicher in Salzburg).

Dann gibt es eine Reihe von Instituten, Ableger der Organisation von Prof. Dr. med. Rötzer mit dem Namen INER (= Institut N.E.R.); siehe Links, unten), wo man Beratung, Kurse usw. bekommen kann. Diese bilden auch Multiplikatoren aus. Auch gibt es Zusammenschlüsse von Ärzten, die sich zur Förderung von NFP oder NER zusammengeschlossen haben.
Eine spezielle Organisation ist "TeenStar", die es sich zur Aufgabe machen, Teenagern den Weg zu dieser Methode oder besser Lebensweise so früh als möglich zu ermöglichen, damit das Wissen und die Urteilsfähigkeit zunimmt und nicht einfach Pillen verabreicht werden.

Unterscheidung zwischen NER und NFP

NER und NFP (Natürliche Familienplanung) werden selten synonym gebraucht. Wichtig ist aber in erster Linie die Bezeichnung der Herkunft der Methode, also NER-Rötzer, oder eben NFP-Rötzer, damit sicher ist, was man meint. Bei der NFP nach Malteser ist die Verwendung der Kondome während der fruchtbaren Zeit erlaubt, was nicht im Sinne der Kirche ist.

Ethische Bewertung

Die Zeitweise und natürliche Sterilisierung, also die natürliche Unfruchtbarkeit (die so genannten Perioden der Empfängnisunfähigkeit der Frau zu beachten ist erlaubt. Man verhindert oder vereitelt in keiner Weise den Vollzug des natürlichen Aktes und seine weiteren natürlichen Folgen. „Derselbe Schöpfer, der sich in seiner Güte und Weisheit zur Erhaltung des Menschengeschlechtes des Zusammenwirkens von Mann und Frau bedient, die er zur Ehe verbindet, hat es auch so eingerichtet, dass die Ehegatten in der geschlechtlichen Funktion eine Lust und Glückseligkeit in Körper und Geist empfinden. Die Ehegatten tun nichts Schlechtes, wenn sie diese Lust suchen und genießen. Sie nehmen nur entgegen, was ihnen der Schöpfer selbst bestimmt hat.“

Geht man indessen weiter, indem man nämlich den ehelichen Akt ausschließlich an jenen Tagen zulässt, dann muss das Verhalten der Eheleute genauer geprüft werden. Je nachdem die Absicht, ständig sich an jene Zeiten zu halten, muss auf ausreichenden und zuverlässigen sittlichen Gründen beruhen. Die Tatsache allein, dass die Gatten sich nicht gegen die Natur des Aktes verfehlen und auch bereit sind, das Kind anzunehmen und aufzuziehen, das trotz ihrer Vorsichtsmaßregeln zur Welt käme, würde für sich allein nicht genügen, die Rechtlichkeit der Absicht und die unbedingte Sittengemäßheit der Beweggründe zu gewährleisten. ... Ernste Beweggründe jedoch, auch auf lange Zeit, ja für die ganze Dauer der Ehe können entpflichten, wie solche nicht selten bei der so genannten medizinischen, eugenischen, wirtschaftlichen und sozialen Indikation vorliegen.[2]

In einer weiteren Ansprache vom 27. November 1951 führte Papst Pius XII. „über die Heiligkeit keimenden Lebens“ weiter aus: „… andererseits fühlt die Kirche Teilnahme und Verständnis für die wirklichen Schwierigkeiten des Ehelebens in unserer heutigen Zeit. Deswegen haben wir in unserer letzten Ansprache über die Ehemoral die Berechtigung und die tatsächlich weit gesteckten Grenzen für eine Regulierung der Nachkommenschaft herausgestellt, die – im Gegensatz zur sogenannten Geburtenkontrolle – mit dem Gesetz Gottes vereinbar ist.“ Die Österreichische Bischofskonferenz weist in der Herbstvollversammlung 2007 in überaus positiver Weise auf die natürliche Empfängnisregelung hin.[3] Im Jahr 2008 spricht Papst Benedikt XVI. von der Familie als eine für das "Leben offene Liebesgemeinschaft".

NER ist die bestmögliche Methode für alle Ehepaare mit nur positiven Nebenwirkungen. NER ist aber nicht nur eine Methode der Regelung sondern vielmehr eine Lebensweise, die gegenseitige Rücksichtnahme, Enthaltsamkeit, tiefe Kenntnisse voneinander verlangt (und noch vieles mehr). Daher ist NER auch für Ehepaare z.B. nach einer Krebsoperation sicher geeignet.

Ist die Natürliche Empfängnisregelung überhaupt möglich zu leben?

"Die Verwirklichung der Lehre über die rechte Geburtenregelung, die die Kirche als Gottes Gebot selbst verkündet, erscheint zweifellos vielen schwer, ja sogar ganz unmöglich. Aber wie jedes besonders hohe und wertvolle Gut verlangt dieses Gesetz vom einzelnen Menschen, von der Familie und von der menschlichen Gesellschaft feste Entschlüsse und viele Anstrengungen. Ja, seine Befolgung ist nicht möglich ohne die helfende Gnade Gottes, die den guten Willen des Menschen stützt und stärkt. Wer aber tiefer nachdenkt, wird erkennen, dass diese Anstrengungen die Würde des Menschen erhöhen und beitragen zum Wohl der menschlichen Gesellschaft" (25. Juli 1968 Enzyklika Humanae vitae, Nr. 20). Und in Nr. 25 sagt Papst Paul VI.: "Dass für das Leben christlicher Eheleute bisweilen ernste Schwierigkeiten auftreten, leugnen Wir keineswegs: denn wie für jeden von uns ist auch für sie "die Pforte eng und schmal der Weg, der zum Leben führt[4]". Dennoch wird die Hoffnung auf dieses Leben wie ein hellstrahlendes Licht ihren Weg erleuchten, wenn sie tapferen Sinnes bemüht sind, "nüchtern, gerecht und gottesfürchtig in dieser Welt zu leben"[5]", wohl wissend, dass "die Gestalt dieser Welt vergeht[6]".

"Deshalb sollen die Eheleute die ihnen auferlegten Opfer bereitwillig auf sich nehmen, gestärkt durch den Glauben und die Hoffnung, die "nicht zuschanden werden lässt: denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ward[7]". Sie sollen ferner in inständigem Gebet die Hilfe Gottes erflehen und vor allem aus der immer strömenden Quelle der Eucharistie Gnade und Liebe schöpfen. Sollten aber Sünden ihren Weg hemmen, dann mögen sie nicht den Mut verlieren, sondern demütig und beharrlich zur Barmherzigkeit Gottes ihre Zuflucht nehmen, die ihnen im Bußsakrament in reichem Maße geschenkt wird. So können die Eheleute zu der ihnen als Gatten eigenen Vollkommenheit kommen, wie der Apostel sie kennzeichnet: "Ihr Männer, liebet eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt hat ... So sollen die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Hat doch niemand je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er hegt und pflegt es wie Christus seine Kirche ... Dieses Geheimnis ist groß: ich meine im Hinblick auf Christus und die Kirche. Wohlan, so liebe jeder von euch seine Frau ebenso wie sich selbst; die Frau aber stehe in Ehrfurcht zum Manne"[8]"

Päpstliche Schreiben

Pius XI.

  • 31. Dezember 1930 Enzyklika Casti connubii über die christliche Ehe, in Hinsicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse, Bedrängnisse, Irrtümer und Verfehlungen in Familie und Gesellschaft.

Pius XII.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Literatur

siehe auch: Theologie des Leibes, Teenstar, Künstliche Befruchtung.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Paul VI. Humanae vitae 16, Pius XII., Ansprache Vegliare con sollecitudine, Nr. 27 vom 29. Oktober 1951.
  2. 29. Oktober 1951 Ansprache Vegliare con sollecitudine an die katholische Vereinigung der Hebammen Italiens]], Die Sterilisierung, Nr. 29+31+33+34+36.
  3. Österreichische Bischöfe loben Natürliche Empfängnisregelung Kath.net am 10 Mai 2008]
  4. Mt 7,14 EU; vgl. Hebr 12,11 EU.
  5. Vgl. Tit 2,12 EU.
  6. Vgl. 1 Kor 7,31 EU.
  7. Vgl. Röm 5,5 EU.
  8. Eph 5,25.28-29.32-33 EU.
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