Mirabile illud (Wortlaut)

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Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens. (Lk 2,14 EU)
Enzyklika
Mirabile illud

von Papst
Pius XII.
an den Weltespiskopat
Erneuter Aufruf zum Gebet um den Völkerfrieden
6. Dezember 1950

(Offizieller lateinischer Text AAS 42 [1950] 797-800)

(Quelle: Herder-Korrespondenz, Herder Verlag, Fünfter Jahrgang 1950/51; Viertes und fünftes Heft, Januar/Februar 1951, S. 188-189; AAS 42 [1950] 797-800)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Einleitend

Das wunderbare Schauspiel brüderlicher Eintracht, das die zahllosen Scharen der Gläubigen boten, die während des Heiligen Jahres in frommer Pilgerschaft aus fast allen Nationen nach Rom gekommen sind, scheint Uns eine mahnende Stimme zu besitzen und vor der Welt feierlich zu bezeugen, dass alle Völker nicht Krieg, nicht Zwietracht, nicht Hass wollen, sondern sich inbrünstig nach Frieden, Eintracht der Herzen und jener christlichen Liebe sehnen, aus der allein eine bessere und friedlichere Zeit hervorgehen kann.

Wir wünschen inbrünstig, dass alle diese mahnende Stimme hören möchten, während Wir zugleich voller Sorge sehen, wie die Völker sich in der furchtbaren Drohung von Kriegen ängstigen und in manchen Gegenden die Kriegsfurie schon die Blüte der Jugend dahinmäht. Ist es nicht vollkommen klar, dass diese blutigen Kämpfe Zerstörungen, Gemetzel und Elend aller Art mit sich bringen? Die Kampfmittel und Kriegsrüstungen, Erfindungen des zu ganz anderen Zielen bestimmten menschlichen Geistes, sind heute so ungeheuer, dass es jedem mit Herz begabten Menschen Entsetzen einflößen muss, vor allem, weil sie nicht nur die Heere treffen, sondern auch die Zivilpersonen, Kinder, Frauen, alte Leute und Kranke, und zugleich mit ihnen die heiligen Bauten und die herrlichsten Kunstwerke! Wer wird nicht von Entsetzen gepackt im Gedanken, dass neue Friedhöfe sich an die zahllosen des letzten Krieges anschließen, neue rauchende Trümmer von Dörfern und Städten neue trostlose Schutthaufen bilden sollten? Wer zittert schließlich nicht im Gedanken daran, dass die Vernichtung neuer Reichtümer, die unvermeidliche Folge eines Krieges, die Wirtschaftskrise noch schwerer gestalten könnte, unter der fast alle Völker und besonders die ärmeren Schichten leiden?

Wir, der Wir Unsern Geist über die Fluten der menschlichen Leidenschaften erheben und väterliche Gefühle gegenüber den Völkern und Nationen jeder Rasse hegen, der Wir die Unversehrtheit und ruhige Sicherheit aller und die tägliche Zunahme des Wohlstandes wünschen: Wir, ehrwürdige Brüder, können Uns, immer wenn Wir sehen, wie der heitere Himmel von drohenden Wolken verdunkelt wird und neue Kriegsgefahren die Menschheit bedrohen, nicht enthalten, Unser Wort zu erheben, um alle zu mahnen, die Zwietracht zu begraben, die Streitigkeiten beizulegen und jenen wahren Frieden zu errichten, der die Rechte der Religion, der Völker und der einzelnen Bürger sichert, indem er sie öffentlich und aufrichtig anerkennt, wie es notwendig ist.

Jedoch wissen Wir wohl, dass menschliche Mittel nicht ausreichen, ein so hohes Ziel zu erreichen; es kommt zuerst darauf an, die Herzen zu erneuern, die Leidenschaften zu unterdrücken, den Hass zu beschwichtigen, die Normen der Gerechtigkeit wirklich in die Praxis zu überführen, eine gerechtere Verteilung der Reichtümer durchzuführen, die gegenseitige Liebe zu nähren und aller Tugend anzufeuern. Zur Erreichung eines so großen Zieles kann nichts besser dienen und geeigneter sein als der christliche Glaube. Seine göttliche Lehre besagt, dass die Menschen Brüder sind und eine einzige Familie bilden, deren Vater Gott, deren Erlöser und Lebenspender Christus mit seiner himmlischen Gnade, deren unvergängliches Vaterland der Himmel ist. Wenn diese Lehren wirklich in die Tat umgesetzt würden, dann würden gewiss keine Kriege, keine Aufstände und Unruhen, keine Vergewaltigung der bürgerlichen und religiösen Freiheiten das öffentliche und private Leben bedrohen, sondern eine auf Gerechtigkeit gegründete ruhige Heiterkeit würde die Herzen überfluten, und der Weg stünde offen, eine immer größere Wohlfahrt zu erreichen.

Das ist eine schwere, jedoch eine notwendige Arbeit. Wenn sie aber notwendig ist, soll man nicht zögern, sondern sie sofort in Angriff nehmen. Und wenn sie schwer ist und die menschlichen Kräfte übersteigt, müssen wir uns mit Gebet und Flehen an den himmlischen Vater wenden, wie es in den vergangenen Jahrhunderten unsere Väter in all ihren Schwierigkeiten getan haben, nicht ohne glücklichen und heilsamen Ausgang. Aus diesem Grunde ermahnen Wir euch aufs neue lebhaft, ehrwürdige Brüder, öffentliche Gebete anzusagen und die euch anvertraute Herde einzuladen, von Gott den Frieden und die Eintracht der Völker zu erflehen, so dass sich im Zeichen des Glaubens ein neuer Kreuzzug erhebt, der sich jenen Kämpfen entgegenwirft, von denen der menschlichen Gesellschaft so große Gefahr droht. Sicher wisst ihr, dass Wir in der Nacht vor dem Fest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria das heilige Messopfer feiern und über den Rundfunk Unsere flehende Stimme zu allen Hörern gelangen lassen wollen. In dieser heiligen Nacht, so wünschen Wir, mögen alle Gläubigen ganz besonders mit dem Stellvertreter Christi vereint und unter dem wirksamsten Schutz der allzeit reinen Jungfrau und Gottesgebärerin den Vater der Barmherzigkeit anflehen, damit der Hass aufhört, alle Dinge nach Gerechtigkeit und Billigkeit geordnet werden und so endlich über alle Völker und Nationen ein voller und sicherer Friede aufleuchtet.

Außerdem ist es Unser Wunsch, dass während der üblichen Novene zur Vorbereitung auf das hochheilige Weihnachtsfest nochmals mit der gleichen Glut des Herzens Gebete zum göttlichen Knaben erhoben werden, damit er uns gewähre, dass jener Friede, den die Engel den Menschen guten Willens über der heiligen Krippe verkündet haben, aufleuchte und sich auf Erden befestige.

Auch soll nicht versäumt werden, den neugeborenen Erlöser und seine göttliche Mutter inbrünstig darum zu bitten, dass der katholische Glaube, der die sicherste Grundlage der menschlichen Gesellschaft und des bürgerlichen Lebens bildet, bei allen Völkern die ihm geschuldete Freiheit genießen möge und dass diejenigen, die" Verfolgung um der Gerechtigkeit willen leiden", die im Kerker sind, weil sie die heiligen Rechte der Kirche unbeugsam verteidigt haben, oder die von ihrem Sitz entfernt wurden, und auch jene, die im Elend fern von ihrem Vaterland und ihren Familien leben oder die noch in Gefangenschaft festgehalten werden, himmlischen Trost erhalten und endlich das erlangen mögen, was das Ziel ihrer glühendsten Gebete und sehnsüchtigsten Wünsche ist.

Wir sind gewiss, ehrwürdige Brüder, dass ihr mit dem Hirteneifer, den Wir bei euch gewohnt sind, diese Unsere väterlichen Ermahnungen eurem Klerus und Volk in der geeignetsten Weise mitteilen werdet; und ebenso sind Wir gewiss, dass alle Unsere geliebten Söhne in Christus in allen Gegenden der Welt mit spontaner Zustimmung dieser Unserer Aufforderung nachkommen werden.

Inzwischen sei Unterpfand der göttlichen Gnaden und Zeugnis Unserer väterlichen Liebe der apostolische Segen, den Wir euch allen und jedem einzeln von euch, ehrwürdige Brüder, euren Gläubigen und besonders denen, die nach dieser Unserer Meinung beten, in innigster Liebe im Herrn erteilen.

Pius XII. PP.

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