Mi rivolgo di nuovo

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Brief
Mi rivolgo di nuovo

von Papst
Johannes Paul II.
S. Ern. Kardinal László Lékai, Erzbischof von Esztergom, den hochwürdigsten Erzbischöfen und Bischöfen, den Priestern, Ordensmännern und -frauen und allen geliebten ungarischen Gläubigen
zum 750. Todestag der heiligen Elisabeth von Ungarn
12. November 1981

(Quelle: Wort und Weisung 1981, S. 618-622)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Anläßlich der 750. Wiederkehr des Todestages der hl. Elisabeth aus dem Herrschergeschlecht der Arpaden, einer bewundernswürdigen Tochter der ungarischen Nation und Kirche, wende ich mich aufs neue mit großer Freude an euch, geliebte Brüder und Schwestern in Ungarn. Ich möchte gern geistig bei euch sein in Sáros Patak, ihrem wahrscheinlichen Geburtsort, wo in diesen Tagen und in diesem Jahr unzählige Pilger die aus der Dynastie des hl. Stephan hervorgegangene wohlduftende Blume feiern.

Wenn ihr das "Leben der Frau Elisabeth" besingt und ihrer "vielen guten Werke" gedenkt, ruft ihr die Erinnerung an die strahlende Gestalt einer jungen Frau und Mutter wach, die kaum 24 Jahre gelebt hat. Zusammen mit euch betrachte ich das Mädchen Elisabeth mit seinem lebhaften Charakter, das von seiner Mutter mit dem tragischen Schicksal schon früh Jesus und Maria zu lieben gelernt hat. Bald sehen wir sie in Thüringen, auf der durch die Minnesänger berühmten Wartburg, wo sie durch ihr lebendiges Wesen und ihre vorurteilslose Liebe sich die Herzen ihrer ganzen Umgebung gewinnt. Sie wollte nur dem Willen Christi gehorchen, die Liebe von Christus strahlte von ihrer Person aus. Vor dem Gekreuzigten nahm sie ihre Krone ab und sprach: "Wie könnte ich die goldene Krone tragen, wenn der Herr die Dornenkrone trägt? Und er trägt sie für mich!"

Ihr Leben verwirklichte sich in der Liebe zum Landgrafen Ludwig. Elisabeth, kaum 14jährig, und Ludwig, 21jährig, liebten sich in Gott und unterstützten einander, Gott immer mehr zu lieben. Mit tiefer Dankbarkeit nahm sie vom Schöpfer das Geschenk des neuen Lebens an. Wer könnte ungerührt bleiben gegenüber der hinreißenden Freude einer 15jährigen Mutter und der unendlichen Liebe Ludwigs und Elisabeths!

Angespornt von der Liebe Christi, besuchte die junge Mutter die Armen, die Kranken, die verlassenen Kinder. Wenn der hl. Paulus alles für alle geworden ist, damit alle gerettet würden, ist Elisabeth zur Mutter aller geworden, um die Frohbotschaft Christi mitzuteilen. "Am Fuße der Wartburg stand ein großes Haus, in dem sie viele Kranke unterbrachte. Sie tröstete sie und sprach mit ihnen über die Geduld und das Heil der Seele und jedes einzelnen und stillte das Verlangen aller nach Trank und Speise, wobei sie die Almosen für diese Menschen als ihre Ehre betrachtete. In ihrem Haus hatte sie viele arme Kinder, für die sie sorgte und die sich so wohl und liebevoll von ihr betreut fühlten, dass alle sie Mutter nannten und, wenn sie das Haus betrat, zu ihr gelaufen kamen. Unter ihnen schenkte sie den Aussätzigen, Kranken, Schwachen, Heruntergekommenen und Krüppeln besondere Liebe, indem sie deren Kopf nahm und auf ihren Schoß legte" (De dictis quattuor ancillarum, cap. II, 771 ff.).

Das Geheimnis der Freude und des unerschöpflichen Dienstes enthüllt sie selbst ihren Mägden: "Welch großes Glück für uns, dass wir den Herrn waschen und ihm das Bett bereiten dürfen." Wie der hl. Franz von Assisi, ihr Vorbild, keine Angst vor den Aussätzigen hatte, so hielt sie es für ein Privileg, sie pflegen zu können. Mit den Augen der Seele sahen Elisabeth und Ludwig in jedem kranken Menschen Christus.

Mit offenen Augen nahm Elisabeth die Verletzungen wahr, die von sozialen Ungerechtigkeiten verursacht waren. Bei einer Hungersnot öffnete sie, ohne zu zögern, die Vorratsspeicher des Landgrafen, um den Hunger der Armen zu stillen, die von weither kamen, und besorgte ihnen Arbeit. Die Schranken ihrer Zeit überschreitend, arbeitete sie selbst, erzog ihre Kinder und erfüllte ihre Standes pflichten. Niemals erlosch in ihrem Herzen der Frohsinn, sie schenkte in der Freude des Evangeliums: "Alles, was wir besitzen, müssen wir mit Freude und in reichem Maß schenken."

In Elisabeth müssen wir auch die starke Frau der Bibel sehen, die durch das Leid nicht niedergedrückt wird, sondern dadurch am Ostergeheimnis teilhat. Elisabeth, die ein weiteres Kind erwartete, mußte einen harten Kampf ausfechten, um ihren Gemahl beim Kreuzzug ins Heilige Land ziehen zu lassen. Die einander in treuer Liebe verbundenen Eheleute beten und finden im Gebet die Kraft, den Willen Gottes anzunehmen. Als Symbol ihrer ewigen ehelichen Verbundenheit weihen sie in gemeinsamem Willen das Kind, das zur Welt kommen soll, dem Dienst Gottes. Die erst 20jährige junge Mutter dreier Kinder verlor im Laufe weniger Wochen ihren treuen Gemahl, während ihre Verwandten sie um den Genuss ihres Vermögens brachten. Als Elisabeth feststellte, dass sie auf der Wartburg nicht mehr nach ihrem Gewissen leben konnte, verließ sie diese nach freiem Entschluss und vertraute ihre Zukunft und die ihrer Kinder Gott an. Sie wollte Christus nachahmen, der "wie ein Sklave wurde ... Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz" (Phil 2, 7-8). Jetzt entdeckte sie im Lichte der Gnade, dass auch für sie der gesegnete Augenblick der Selbstentäußerung gekommen war. Enterbt und verlassen singt sie ein jubelndes Te Deum. "Denn aller irdischen Dinge entblößt und mehrfach gekreuzigt folgte sie Christus, nicht wie andere Frauen aus der Ferne auf ihn blickend, sondern aus nächster Nähe durchbohrte das Schwert der Drangsal ihr Herz" (De dictis quattuor ancillarum, Prol. 80-84).

Nachdem sie mit Klugheit und Entschlossenheit die Zukunft ihrer Kinder sichergestellt hat, zieht sie die graue Kutte des hl. Franz an; am Karfreitag verzichtet sie feierlich auf den eigenen Willen und lebt als Franziskanertertiarin - die erste in Deutschland - ausschließlich dem Gebet und dem Dienst am Nächsten.

In Massen strömten die Kranken und Verzweifelten zu ihr, und sie gab - da sie unablässig in der Gegenwart Gottes lebte - vielen Gesundheit und den Frieden Gottes zurück, "Seht, ich habe euch gesagt: man muß die Menschen glücklich machen." Nachdem sie vorbehaltlos "ihr Leben für die Freunde hingegeben hat" (Joh 15, 13), bekennt sie auf dem Sterbebett: "Du sollst wissen, dass ich sehr glücklich bin."

Vor 750 Jahren, in der Nacht vom 16. auf den 17. November 1231, ist sie mit einem glücklichen Lächeln dem Bruder Tod entgegengegangen, der sie auf ewig mit Christus und mit den Seinen vereint hat.

Vier Jahre später, 1235, hat Papst Gregor IX. die berühmte Landgräfin heiliggesprochen.

Liebe ungarische Brüder und Schwestern!

Seit damals ist die hl. Elisabeth eine leuchtende Fackel für alle, die im Dienst am Nächsten Christus nachahmen. Vor allem aber ist sie ein strahlendes Vorbild für euch, ungarische Katholiken des 20. Jahrhunderts, für euch Jugendliche, für euch Eheleute, den heutigen Boten der Gottesliebe.

An euch, junge Katholiken, wende ich mich. Blickt auf Elisabeth von Ungarn und versucht, das Geheimnis ihres Lebens zu entdecken. Ihr werdet Christus begegnen, den ihr bereits kennt, aber vielleicht nicht genug liebt. Vernehmt den göttlichen Anruf, der aus der Tiefe eures Herzens kommt, "seid ganz in der Liebe verwurzelt und fest auf sie gegründet" (vgl. Eph 3, 17). Habt den Mut, das Leben Christus und in ihm den Brüdern hinzugeben. "Arme habt ihr immer bei euch" (Joh 12, 8): blickt aufmerksam umher: in eurer nächsten Umgebung, dann in den Krankenhäusern, den zerrütteten Familien, den karitativen Einrichtungen werdet ihr einen Alten, einen chronisch Kranken, einen Körperbehinderten finden, der von seinen Verwandten verlassen wurde, manchen geistig und körperlich Kranken; in diesen Menschen könnt ihr Christus dienen. "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40).

Damit ihr diese apostolische Sendung im Geiste der hl. Elisabeth auf euch nehmen könnt, müßt ihr euren Glauben an Christus vertiefen, indem ihr regelmäßig von den von der Kirche gebotenen Gnadenmitteln Gebrauch macht. "Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen" (Eph 3, 17). Ihr seid Vertreter der erbarmenden Liebe des Vaters, weil ihr zusammen mit euren gläubigen Brüdern und Schwestern und mit allen, die in Gott den Sinn ihres Daseins suchen, "dazu fähig sein sollt, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt" (Eph 3, 18-19).

Betrachtet in diesem Jubiläumsjahr das glückliche Familienleben der hl. Elisabeth, all ihr Eheleute, Familienväter und -mütter! Seid einander in unerschütterlicher Treue nahe! Seid überzeugt davon, dass die Liebe zu Gott und ein entsprechendes christliches Leben absolut kein Hindernis, sondern vielmehr eine unerschöpfliche Quelle der ehelichen Liebe darstellen. Heiligt euch gegenseitig, unterstützt einander in der Nachfolge Christi! Erinnert euch, dass das thüringische Volk außer Elisabeth auch Ludwig als Heiligen betrachtet! Betet auch alle Tage miteinander in dem festen Wissen, dass Christus unter euch ist. In Christus könnt ihr werden, was ihr kraft des Ehesakraments sein sollt: ein Leib und eine Seele. Nehmt voll Dankbarkeit das schönste Geschenk Gottes, des Schöpfers, an: das Geschenk des Lebens, das vom ersten Augenblick der Empfängnis an heilig ist. Verwandelt euer Heim in eine Hauskirche, erzieht eure Kinder zum Glauben. "Das katechetische Wirken der Familie hat seine besondere Eigenart und ist in gewissem Sinn unersetzlich" (Catechesi tradendae, Nr. 68).

Heiligt eure Kinder, lehrt sie Christus und seine Kirche lieben und dem Volk Gottes uneigennützig dienen. Vertieft in euch die Überzeugung, dass ihr durch das Beispiel eures Lebens und die Weitergabe eures Glaubens euren Kindern das Beste gebt. Ihr könnt zu Eltern künftiger Heiliger werden, wie auch die dritte Tochter Elisabeths, Gertrud, von den Prämonstratensern als Selige verehrt wird. Bewahrt die heimische Atmosphäre der "Hauskirche", aber seid gleichzeitig offen für den großen Auftrag, das Reich Gottes zu bauen. Seid ein Ausstrahlungspunkt der weltumspannenden Liebe!

Die moderne Gesellschaft hat vor allem Männer und Frauen nötig, die Christus "anziehen", die sich froh und selbstlos dem Dienst am Nächsten widmen, die als Väter und Mütter die Armen unserer Zeit, die Liebe, Verständnis, Glauben, materielle und geistige Güter brauchen, in die Arme schließen und ihnen helfen. Seid überzeugt, dass ihr damit aktiv an der einzigartigen apostolischen Sendung der Kirche teilnehmt.

Liebe ungarische Brüder und Schwestern, schaut alle auf die hl. Elisabeth! Erkennt in ihr den wunderbaren Anruf der Liebe "Gottes, der voll Erbarmen ist" (Eph 2, 4)! Seid stolz darauf, dass Elisabeth, eine Tochter der ungarischen Erde, zu einer in der ganzen Welt bekannten und geliebten Heiligen geworden ist. Sie hat in Maßstäben gedacht, die über ihre Zeit hinausgingen. Mit genialem Geist und Herzen hat sie die einigende Kraft der Liebe und das tiefe Bedürfnis nach Einheit erfaßt. Die Wahrheit Christi hat sie frei gemacht, so dass sie die Einheit zwischen zwei Völkern herstellen, eine Brücke zwischen gegensätzlichen Gesellschaftsklassen errichten, in sich verschiedene Bilder des Ideals der Heiligkeit vereinen und schließlich die menschlichen Herzen in Einklang bringen konnte.

Bittet daher um die Fürsprache der großen hl. Elisabeth, dieser hochaktuellen Heiligen, für eure geliebte Nation, für das edle ungarische Volk, für die auf die Liebe und gegenseitige Achtung gegründete Einheit unter den Völkern.

"Im Namen Jesu Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen, im Geist seiner messianischen Sendung, die in der Geschichte der Menschheit fortdauert, erheben wir unsere Stimme und bitten, dass sich in diesem Abschnitt der Geschichte jene Liebe, die im Vater ist, noch einmal offenbare und durch das Wirken des Sohnes und des Heiligen Geistes ihre Anwesenheit in der Welt von heute deutlich mache und sich stärker als jedes Übel erweise: stärker als die Sünde und der Tod. Darum bitten wir durch die Fürsprache jener, die das ,Erbarmen von Geschlecht zu Geschlecht' unaufhörlich verkündet, und auch all jener, an denen sich die Worte der Bergpredigt bis zur Vollendung verwirklicht haben: ,Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden'" (Dives in misericordia, Nr. 15).

Auf dass das Jubiläumsjahr der hl. Elisabeth für euch alle ein Jahr der Erneuerung sei, das euer Dasein verwandelt, liebe Brüder und Schwestern in Ungarn, vertraue ich euch dem Schutz der Großen Herrin der Ungarn an und sende euch mit besonderer Liebe meinen Apostolischen Segen.

St. Peter, 12. November 1981.
Joannes Paulus PP. II.
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