Mi è gradito

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Apostolischer Brief
Mi è gradito

von Papst
Johannes Paul II.
an die Unbeschuhten Karmelitinnen
zur Approbation ihrer Grundregeln
1. Oktober 1991

(Quelle: Der Apostolische Stuhl, S. 1266-1270)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Geliebte Töchter der heiligen Teresa von Jesus!

1. Gern wende ich mich an euch alle in diesem Jahr, da die Kirche den 400. Jahrestag des Todes des heiligen Johannes vom Kreuz begeht. Dies ist eine Zeit besonderer Gnaden für die ganze Familie des Karmel, weil sie ihr die Erneuerung des lebendigen Kontaktes mit der Person und den Schriften des Mystischen Lehrers gestattet, Erbe und Programm des geistlichen Lebens für alle, die ihn als Vater und Meister der Reform Teresas verehren.

Im Verlauf meines Pontifikates hatte ich bereits Gelegenheit, meine Verbundenheit mit allen unbeschuhten Karmelitinnen zum Ausdruck zu bringen und die Bedeutung eures Charismas herauszustellen, sei es bei den Besuchen in einigen Klöstern, sei es bei der Seligsprechung von euren ausgezeichneten Mitschwestern, die ich nach dem Willen des Herrn zur Ehre der Altäre erheben durfte. Gern erwähnte ich unter ihnen die Seligen: Maria von Jesus, dem Gekreuzigten, Elisabeth von der Dreifaltigkeit, die Märtyrer-Karmelitinnen von Guadalajara - Maria Pilar, Teresa, Maria Angeles Theresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein) und Teresa von Jesus [von den Anden]. Mit diesen Seligsprechungen wollte ich der ganzen Kirche das Zeugnis des kontemplativen Lebens vor Augen stellen, euch selbst aber einige Beispiele der Heiligkeit anbieten, die eure Schritte in dieser geschichtlichen Stunde lenken können. Ferner hatte ich bei verschiedenen Ereignissen, vor allem anlässlich der Feiern zum 400. Jahrestag des frommen Heimgangs eurer Gründerin, der heiligen Teresa von Jesus, Gelegenheit, meine Gedanken zu eurem kontemplativen Leben zu bekräftigen, zumal im Brief vom 31. Mai 1982. Darin sprach ich auch erneut meinen Dank für alles aus, was ihr schweigend für die Kirche tut, für "ihre Bischöfe, Priester und Missionare, deren verborgene, schweigende, aber notwendige Helferinnen ihr seid". Gleichzeitig habe ich an euch einen dringenden Aufruf gerichtet, mit immer noch größerer Hochherzigkeit eurer Berufung in Gebet und Buße, in der Einsamkeit der Klausur, unter dem mütterlichen Schutz und nach dem Beispiel der Jungfrau Maria, der Mutter und Patronin des Karmels, zu leben (vgl. AAS 74[1982] 836-841). Kürzlich habe ich euch in meinem Apostolischen Schreiben Lehrer des Glaubens (vom 14. Dezember 1990) zur 400-Jahrfeier des Todes des heiligen Johannes vom Kreuz ermuntert, euer Leben auf das Erlangen der "reinen Liebe" auszurichten, jenes innigen Verhältnisses zu Gott, das nach dem Mystischen Lehrer das kostbare Gut ist, das aus der kontemplativen Einsamkeit heraus die Sendung der Kirche befruchtet (vgl. Nr. 20 und Geistlicher Gesang, Strophe 29, Nr. 2-3).

2. Heute wende ich mich bei Gelegenheit der Approbation eines neuen Textes der Konstitutionen herzlich an alle unbeschuhten Karmelitinnen. Mit dieser Approbation geht nämlich ein langer Prozess zu Ende, in dem der Heilige Stuhl im Bewusstsein der großen Wichtigkeit eurer besonderen Berufung für die Familie des Karmel und für die ganze Kirche eure Gesetzgebung einer besonderen Prüfung unterzogen hat, um das geistliche Erbe der heiligen Teresa zu wahren.

Bekanntlich hat der Heilige Stuhl der Bitte einer Gruppe von Klöstern entsprochen und am 8. Dezember 1990 einen Text der Konstitutionen für die unbeschuhten Karmelitinnen approbiert, der gemäß den Hinweisen des Briefes erarbeitet war, den Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli in meinem Namen am 15. Oktober 1984 geschrieben hatte. Darin wurde Freiheit gelassen, und andere Klöster des Ordens konnten sie als Lebensnorm übernehmen.

Inzwischen hat der Heilige Stuhl dem Wunsch anderer Klöster entsprochen und einen weiteren Text der Konstitutionen für die unbeschuhten Karmelitinnen approbiert. Die Erarbeitung dieses Textes von Seiten der Kongregation für die Institute des gottgeweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens hat auch die Stellungnahmen der Klöster berücksichtigt, die der Generalobere des Ordens gesammelt hatte.

Beide Texte, die in gleicher Weise von der Kirche approbiert sind, wollen eine getreue Auslegung des Charismas der heiligen Teresa sein. Dieses bleibt unverändert wie auch der Lebensstil, den die heilige Mutter in ihren Konstitutionen und in anderen Schriften vorgelegt hat. Die Unterschiede betreffen daher weder die Substanz des kontemplativen Charismas des Karmels Teresas, noch die notwendige und ständige Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Inspiration; sie entsprechen vielmehr unterschiedlichen Weisen, die Anpassung an die gewandelten Verhältnisse der Zeit auszulegen (vgl. Perfectae caritatis, Nr. 2), und die Gesetzgebung für Ordensinstitute zu formulieren, deren Approbation ausschließlich dem Heiligen Stuhl zusteht (cc. 578 und 587). Es handelt sich also um unterschiedliche Bewertungen, die alle aus dem gleichen Willen zur Treue dem Herrn gegenüber entspringen, und die der Heilige Stuhl achten wollte, so wie er auch die Freiheit eines jeden Klosters achtet, sich für den einen oder den anderen approbierten Text der Konstitutionen zu entscheiden.

3. Gestattet mir in dieser besonderen Stunde eurer Geschichte und eurer Gesetzgebung einen Wunsch meines Herzens als Vater und Hirt der universalen Kirche. Ich möchte, dass die Approbation der beiden Texte der Konstitutionen, mit denen ich auf die von verschiedenen Klöstern geäußerten Wünsche zu antworten versucht habe, die geistliche Einheit des ganzen KanneIs der heiligen Teresa innerhalb der rechtmäßigen historischen Überlieferungen und unter Berücksichtigung der neuen Verhältnisse, Orte und Kulturen, in denen sich ihr Charisma inkarniert, aufrechterhält.

Ihr alle bildet als unbeschuhte Karmelitinnen zusammen mit den unbeschuhten Karmeliten innerhalb der Kirche den einen gleichen Orden der unbeschuhten Brüder und der unbeschuhten Schwestern der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel. Ihr habt alle die gleiche Regel gemeinsam, das gleiche Charisma des Karmel und der heiligen Teresa, dazu das gleiche geistliche Erbe, das euch die heiligen Gründer, Teresa von Jesus und Johannes vom Kreuz, hinterlassen haben. Ihr ruft alle die Jungfrau Maria als gemeinsame Mutter an, die wie es schön in der Ikonographie des Ordens zum Ausdruck kommt, unter ihrem Mantel auf bei den Seiten die Söhne und Töchter des Karmels behütet.

Außerdem habt ihr alle, ein jeder nach den eigenen rechtmäßigen von der Kirche gebilligten Lebensformen, an der gleichen Spiritualität und Sendung des Karmels Teresas Anteil, der heute in der Kirche so sehr geschätzt wird und dessen Charisma auf andere Formen des gottgeweihten Lebens und auf Gruppen christlicher Laien ausstrahlt, die es in der Welt leben. Vor Augen habt ihr die leuchtende Schar der Heiligen, die eine Ehre der großen Familie des Karmels sind, und die euch zum Aufstieg zum Gipfel des heiligen Berges Karmel anregen. Daher muss euch eine innige geschwisterliche Liebe in eurer Berufung verbinden. Auf alle Mitglieder des Ordens lassen sich die Worte der heiligen Teresa an die unbeschuhten Karmelitinnen von Sevilla anwenden: "Da ihr also alle, meine Töchter, der heiligen Jungfrau angehört und Schwestern seid, sorgt dafür, dass eine die andere recht von Herzen liebt ... " (Brief, 13.1.1580, Nr. 5).

Im gleichen Geist der Einheit und Gemeinschaft ermuntere ich die unbeschuhten Karmeliten, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit ganzer Kraft jene Fülle des geistlichen Lebens anzustreben, die in den Heiligen des Ordens erstrahlt, und die diese vom Himmel her auf euch alle herab flehen. Richtet euch nach dem, was der ganze Karmel Teresas in den letzten Jahrzehnten unternommen hat, um die eigene Spiritualität innerhalb der Kirche bekannt zu machen, zu vertiefen und zu verbreiten.

Schließlich muss ich auch auf den Dienst zu sprechen kommen, den der Generalobere allen Klöstern des Ordens, sei es direkt oder sei es durch seine Mitarbeiter zu leisten hat. Es soll ein hochherziger und selbstloser Dienst sein, der sich vom gemeinsamen und gleichen Charisma anregen lässt, das die Oberen fördern müssen, um den unbeschuhten Karmelitinnen bei der Erfüllung ihrer Berufung gemäß den Wünschen der heiligen Mutter Teresa von Jesus zu helfen, wobei immer die Autonomie der Klöster zu achten ist, die die eigene Gesetzgebung ihnen zugesteht.

4. Geliebte Töchter der heiligen Teresa, ich ermahne euch alle, "in fester und entschiedener Entschlossenheit" (vgl. Weg der Vollkommenheit, 21,2) eure Gesetze weiter treu zu beobachten, denn die Kirche legt sie euch vor als Norm eines Lebens nach dem Evangelium und des Weges der Heiligkeit, wenn ihr euch nämlich gänzlich Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Bräutigam hinschenkt, auf den ihr immer eure Augen gerichtet halten sollt, wie euch eure Mutter Gründerin unablässig ermuntert hat (vgl. Weg der Vollkommenheit, 2,1; 26,4-6); Seelenburg VII, 4,8).

Eure Klöster sind über die ganze Welt als Oasen des Gebetes und besonderer Weihe an Gott im Schweigen der Klausur verbreitet. Junge Nationen hoffen auf die Präsenz des kontemplativen Lebens, wie ich in der Enzyklika Redemptoris missio (vgl. Nr. 69a) erwähnt habe. Gebt Zeugnis von der Schönheit und missionarischen Fruchtbarkeit eures mit Christus in Gott verborgenen Lebens (vgl. KoI3,3), vom Wert des fürbittenden Gebetes und der schweigenden Hinopferung im Geheimnis der Eucharistie, dem Mittelpunkt der universalen Kirche und der Einzelkirchen, um wie es der Wunsch Thereses von Lisieux war, die Liebe im Herzen des Mystischen Leibes zu sein. Bietet den christlichen Gemeinschaften weiter jenes Beispiel schwesterlichen, einfachen und fröhlichen Lebens, wie es bei den Töchtern der heiligen Teresa sprichwörtlich ist.

Für die neue Evangelisierung und angesichts der gewaltigen geistlichen und materiellen Bedürfnisse der Menschheit braucht die Kirche euer kontemplatives Charisma. In dieser herrlichen und entscheidenden Stunde der Geschichte klingen die Wünsche Teresas von Jesus zu Beginn ihrer Reform, aktuell und dringend. Sie forderte nämlich dazu auf, die Kontemplation im Dienst für das Reich Christi zu leben: "Dazu hat euch der Herr hier versammelt: dies ist eure Berufung, dies sind eure Aufgaben und eure innersten Wünsche, dies das Anliegen eurer Tränen und Gebete H." (Weg der Vollkommenheit, 1,5 und 3,5-10). Ihr sollt als "Vorposten der Kirche auf dem Weg zum Reich" (Ansprache an die klausurierten Nonnen in Avila. 1.11.1982, Nr. 5) für die Welt von heute Zeugen des lebendigen Gottes sein.

Ich empfehle die geistliche Einheit des Ordens und die Treue zu eurer Berufung der Jungfrau Maria, der Mutter des Karmel, aber auch der Fürbitte der heiligen Theresia vom Jesuskind, deren Fest die Kirche heute begeht, und ich erteile von Herzen allen unbeschuhten Karmelitinnen einen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. Oktober, Fest der heiligen Theresia vom Jesuskind, des Jahres 1991,

des 13. meines Pontifikates.

Johannes Paul II. PP.

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