Meditantibus nobis (Wortlaut)

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Apostolisches Schreibens
Meditantibus nobis

von Papst
Pius XI.
an P. Wladimir Ledochowski, General der Gesellschaft Jesu
zum dreihundertsten Jubiläum der Kanonisation des heiligen Ignatius von Loyola und des heiligen Franz Xaver
3. Dezember 1922[1]

(Offizieller lateinischer Text: AAS XIV [1922] 627-634)

(Quelle: Heilslehre der Kirche, Dokumente von Pius IX. bis Pius XII. Deutsche Ausgabe des französischen Originals von P. Cattin O.P. und H. Th. Conus O.P. besorgt von Anton Rohrbasser, Paulus Verlag Freiburg/Schweiz 1953, S. 1199-1208; Imprimatur Friburgi Helv., die 22. maii 1953 L. Weber V. G.)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder !
Gruß und apostolischen Segen

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Ignatius und Franz Xaver in der Kirche Gottes

1 Auf der Schwelle Unseres Pontifikates haben Wir Mittel und Wege. erwogen, um die innere Lage der Kirche Gottes zu heben und ihr äußeres Wachstum zu fördern. Da war es eine glückliche Fügung, dass das dritte Zentenar der Kanonisation mehrerer Heiligen ihr Gedächtnis in feierlicher Weise erneuerte. Wir denken dabei besonders an Ignatius von Loyola und Franz Xaver. Der eine wurde durch Gottes gütige Vorsehung als mächtige Stütze in der Kirche Christi erweckt, als sie an einem Wendepunkt ihrer Geschichte stand und in eine Periode gefahrvoller Kämpfe eintrat. Der andere, ein überaus eifriger und unerschrockener Fackelträger des Christentums, war offensichtlich mit so reichen und großartigen Gaben des Heiligen Geistes ausgestattet, dass er tatsächlich ein Erbe jener Leistungskraft und Einsatzbereitschaft zu sein schien, die den Aposteln in unvergleichlichem Maße verliehen waren.

2 Nun aber ist die bedrohliche Lage, in der Ignatius der Kirche seinen Beistand lieh, noch keineswegs überwunden, gehen doch fast alle Missstände der Gegenwart auf die gleiche Ursache zurück. Und heute mehr denn je steht verheißungsvoll das Tor weit offen[2] für die Verbreitung der Frohbotschaft Christi, der sich Franz Xaver vor allem unermüdlich gewidmet hat. Daher schien es Uns angezeigt, liebe Söhne, zum Wohl eurer Gesellschaft wie der Allgemeinheit euch diese Lobschrift über euren Gründer und den größten seiner Ordenssöhne zukommen zu lassen; ist es doch dringend notwendig, dass vermöge der Werke des einen das Christentum stets tiefere Wurzeln schlage und dass unter dem Beistand des andern die Glaubensverbreitung ihre Vollkraft wiedergewinne. Das gemeinsame Merkmal aller Heiligen ist ein heroischer Grad der Vollkommenheit in den verschiedensten Tugenden. Wie jedoch ein Stern sich vom andern durch seinen Glanz unter scheidet,[3] so zeichnet sich auch jeder Heilige durch eine besondere Tugend aus, so dass sie in wunderbarer Mannigfaltigkeit voneinander verschieden sind.

Der heilige Ignatius: Ordensgründer und Patron der Exerzitien

Seine Haupttugenden

Hochherzigkeit im Dienste Gottes

3 Wer das Leben des heiligen Ignatius betrachtet, wird zunächst staunen über seinen hochherzigen Einsatz und sein nie erlahmendes Wirken für die größere Ehre Gottes. Nicht zufrieden damit, selber den verschiedensten Verpflichtungen der Seelsorge zu obliegen und alle Lasten der christlichen Caritas zum Heil der Seelen auf sich zu nehmen, gesellte er sich entschlossene und tatkräftige Jünger bei, die eine wohlausgerüstete Truppe bildeten für die Ausbreitung des Gottesreiches bei Christen und Heiden.

Vorbehaltloser Gehorsam gegen Gott

4 Bei näherem Zusehen wird man jedoch bald erkennen, dass Ignatius in außergewöhnlichem Maß vom Geiste des Gehorsams beseelt war und dass Gott ihn offenbar eigens dazu ausersehen hat, die Menschen zur gewissenhafteren Pflege dieser Tugend anzuhalten.

Blick auf das Zeitalter des heiligen Ignatius

5 Bekanntlich hatte die Kirche zur Zeit des heiligen Ignatius unter schweren Prüfungen zu leiden. Das Hauptübel bestand damals darin, dass die Menschen zu einem großen Teil Gott den schuldigen Gehorsam verweigerten. Die ersten, die sich dieser pflichtmäßigen Unterordnung entzogen, waren jene Reformatoren, die das persönliche Urteil jedes einzelnen zur Glaubensregel erhoben und sich der Lehrgewalt der katholischen Kirche hartnäckig widersetzten. Außerdem gab es aber allzu viele Christen, die - wenn nicht öffentlich, so doch tatsächlich - dem Gottmenschen Jesus Christus den Gehorsam aufgesagt hatten und eher wie Heiden denn als Christen lebten. Es hatte den Anschein, als ob Renaissance und Humanismus den antiken Aberglauben wenigstens teilweise wiedererweckt hätten.

6 Man darf sogar die Behauptung aufstellen: Hätte eine es schrankenlose Denkfreiheit damals nicht wie ein schleichendes Gift die Christenheit weitgehend angesteckt, so wäre diese neue Irrlehre nie am Leib der Kirche ausgebrochen. Nicht nur unter den Gläubigen, sondern sogar in den Reihen des Klerus war die Achtung vor den Geboten Gottes fast vollständig geschwunden. Zahlreiche Völker, die in bedenkliche Pflichtvergessenheit abgesunken waren, ließen sich durch die Glaubensneuerer aufwiegeln und rissen sich los vom Mutterschoß der Kirche. Daher wandten sich alle Gutgesinnten mit dem flehentlichen Notruf an den Gründer der Kirche, er möchte seiner Verheißungen eingedenk sein und in dieser beängstigenden Lage seiner Braut zu Hilfe eilen.

7 Zur gegebenen Zeit gewährte er ihr tatsächlich auf wunderbare Weise seinen Beistand, indem er das Konzil von Trient Ignatius von Loyola und Franz Xaver Zustandekommen ließ. '

8' Ferner erweckte er der Kirche zum Trost eine Reihe herrlicher Tugendvorbilder: Karl Borromäus, Kajetan von Thiene, Antonius Zaccaria, Philipp Neri, Theresia von Avila und andere mehr, die durch ihr eigenes Leben die immerwährende Heiligkeit der katholischen Kirche bezeugen und mittels ihrer Worte, Schriften und Beispiele einen Damm aufrichten sollten gegen die verheerende Sturzflut der Gottentfremdung und der Sittenverderbnis.

Das Aufbauwerk des heiligen Ignatius durch die Exerzitien

Seine Berufurig und Sendung

9 Die Leistung all dieser Heiligen war gewiss bedeutsam und äußerst nützlich. Es galt jedoch, den geheimsten Quellgrund der Zeitübel aufzudecken und sie an ihren tiefsten Wurzeln zu fassen. Zu dieser Aufgabe scheint die göttliche Vorsehung den heiligen Ignatius ganz besonders bestimmt zu haben.

10 Schon von Natur aus schien er ebenso viel Eignung zu besitzen zum Befehlen wie zum Gehorchen. Von Kindheit an stählte er seinen Charakter durch militärische Zucht. Dank dieser Seelenhaltung, die das Ergebnis seiner natürlichen Veranlagung und der Erziehung war, folgte er mit ungestümer Begeisterung dem Werberuf des Königs der himmlischen Heerscharen, sobald er durch übernatürliche Erleuchtung erkannt hatte, dass er berufen war, die Ehre Gottes zu mehren durch die Arbeit am Heil der Seelen.

11 Um sich gemäß der Rittersitte auf den Eintritt in diesen neuen Heerbann vorzubereiten, wachte er eine ganze Nacht unter den Waffen vor dem Muttergottesaltar. In der Abgeschiedenheit von Manresa erfuhr er bald darauf von der Gottesmutter selber, wie er für seinen Dienstherrn kämpfen sollte. Sozusagen aus ihrer Hand empfing er jene ausgezeichnete Dienstordnung - so kann man es wirklich nennen -, deren sich jeder gute Soldate Jesu Christi[4] bedienen muss.

12 Wir meinen die „Geistlichen Übungen“, die Ignatius nach der Überlieferung vom Himmel selbst bekommen hat. Ohne den Wert anderer Übungen dieser Art irgendwie herabzusetzen, muss man anerkennen, dass die Ignatianischen Exerzitien sich durch ihren methodischen Aufbau und ihre harmonische Gliederung auszeichnen. Wer dabei der Gnade Gottes keinen Widerstand entgegensetzt, geht wie neugeschaffen aus ihnen hervor und wird sich vorbehaltlos der Autorität Gottes unterwerfen.

13 Nach dieser persönlichen Vorbereitung auf sein Wirken ließ Ignatius auch seinen Gefährten die gleiche Ausbildung angedeihen. Sie sollten durch ihren Gehorsam gegen Gott und seinen Stellvertreter, den Heiligen Vater, jedermann ein Vorbild sein und diese Tugend als hervorragendes Merkmal ihrer Gesellschaft pflegen. Er bestimmte, dass seine Ordensgenossen sich vor allem regelmäßig dieser Exerzitien bedienen sollten, um ihren Seeleneifer zu erhalten. Und er vermachte ihnen auf immer dieses Seelsorgemittel, das dazu bestimmt war, die widerspenstigen Geister zur Kirche zurückzuführen und sie dem Willen Christi vollständig zu unterwerfen.

14 Tatsächlich bezeugt die Geschichte, und selbst die Feinde der Kirche müssen es zugeben, dass die katholische Welt dank dem höchst zeitgemäßen Aufbauwerk des heiligen Ignatius bald wieder zu neuem Leben erwachte. Es würde zu weit führen, wollte man die zahllosen und großartigen Leistungen auf allen Gebieten erwähnen, welche die Gesellschaft Jesu im Geiste und gemäß den Weisungen des heiligen Ignatius zur größeren Ehre Gottes vollbracht hat. Diese unentwegten Ordensmänner brechen den Widerstand der Irrgläubigen, werken allenthalben an der Säuberung der öffentlichen Sittlichkeit und führen eine Unzahl von Seelen bis auf den höchsten Gipfel der christlichen Vollkommenheit. Viele von ihnen wirken als Seelsorger und Lehrer in der Jugenderziehung, um wahrhaft christliche Generationen heranzubilden. Desgleichen leisten sie hervorragende Arbeit in den Heidenmissionen zum ständigen Wachstum des Gottesreiches.

Abhilfe für das Grundübel unserer Zeit

Die Auflehnung gegen Gott

15 Mit Genugtuung verweilt Unsere Feder bei der Aufzählung all dieser Tatsachen, sind sie doch ein Beweis für die göttliche Güte der Kirche gegenüber. Zudem sind sie äußerst lehrreich für die schlimmen Zeiten, in denen Wir das oberste Hirtenamt zu verwalten haben. Versucht man, die entferntesten Ursachen der Missstände zu ergründen, unter denen die Menschheit heute leidet, so stellt man fest, dass sie insgesamt auf den Abfall von der Autorität der Kirche zurückgehen, dem die Neuerungsbewegungen Vorschub leisten. Diese Lostrennung machte zur Zeit der allgemeinen Revolution im 18. Jahrhundert gewaltige Fortschritte, als die „Menschenrechte“ mit unglaublicher Anmaßung verkündet wurden; und heute wird sie bis in ihre letzten Auswirkungen durchgeführt. Wir erleben nun die maßlose Verherrlichung der menschlichen Vernunft. Alles, was die Kräfte und das Fassungsvermögen des Menschen übersteigt oder den Rahmen des natürlichen Bereiches sprengt, wird kurzerhand geleugnet und der Verachtung preisgegeben.

16 Sogar die hochheiligen Rechte Gottes über Familie und Staat werden nicht mehr anerkannt. Und da Gott, der einzige Urheber und Quellgrund jeder Gewalt, missachtet wird, gibt es folgerichtig auch keine einzige menschliche Gewalt mehr, deren Autorität als unverletzlich gilt.

17 Die Geringschätzung der gottgesetzten Autorität der Kirche zieht über kurz oder lang die Erschütterung und den Sturz der staatlichen Autorität nach sich. Denn durch das tolle Treiben der Leidenschaften, die sich stets ausgelassener gebärden, werden alle Gesetze der menschlichen Gemeinschaft unweigerlich zuschanden.

Der Gehorsam als Heilmittel

18 In dieser schrecklichen und verzweifelten Lage der Menschheit gibt es nur ein einziges wirksames Heilmittel zur Besserung, deren dringende Notwendigkeit alle Gutgesinnten einsehen: die allgemeine Anerkennung der Autorität Gottes und die Wiederherstellung des Gehorsams seinem Willen gegenüber. Inmitten der unzähligen Wechselfälle der Zeiten und Schicksale wird es stets die erste und hauptsächlichste Pflicht der Menschen sein, dem hochheiligen Schöpfer, Erhalter und Lenker aller Dinge zu gehorchen. Sooft diese Pflicht vernachlässigt wird, vermag nur eine ehrliche Reue die gestörte Ordnung wiederherzustellen und die Befreiung aus der Verstrickung des Lasters und des Elendes zu erwirken.

19 Das ist einzig und allein der Inbegriff des christlichen Lebens, wie es der Apostel Paulus klar ausspricht, wenn er das Leben unseres göttlichen Erlösers in die herrlichen Worte fasst: Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze4. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern wurden, so sollen durch den Gehorsam des Einen die Vielen gerechtfertigt werden.[5]

Ignatius: Patron der Exerzitien

20 Für diese Rückführung der Menschen zum Gehorsam sind die Exerzitien ein wunderbares Hilfsmittel. Besonders wenn sie nach der ignatianischen Methode gemacht werden, leiten sie unfehlbar an zur vorbehaltlosen Unterwerfung unter Gottes Gesetz, gestützt auf die ewigen Prinzipien der Vernunft und des Glaubens. Es ist daher Unser Wunsch, dass die Exerzitien stets weitere Verbreitung finden. Nach dem Beispiel vieler Unserer Vorgänger haben Wir sie durch die Apostolische Konstitution Summorum Pontiftcum [6] den Gläubigen erneut empfohlen, und zudem haben Wir den heiligen Ignatius von Loyola zum Patron aller geistlichen Übungen erklärt.

Aktualität und Empfehlung der Exerzitien

21 Gewiss gibt es, wie schon gesagt, noch andere Exerzitienmethoden; es ist jedoch unbestreitbar, dass jene des heiligen Ignatius sich durch ihren Vorrang auszeichnet. Und da sie größere Gewähr bietet für einen gesicherten und dauerhaften Erfolg, wurde ihr auch von seiten des Heiligen Stuhles besondere Anerkennung zuteil. Wenn die Mehrzahl der Gläubigen sich eifrig dieses Heiligungsmittels bedient, so dürfen Wir vertrauensvoll hoffen, dass die Gier nach schrankenloser Freiheit sich allgemach mäßigt und dass man Wesen und Erfüllung der Pflicht wieder richtig begreift, so dass die Menschheit endlich des heißersehnten Friedens teilhaftig wird.

Der heilige Franz Xaver: Apostel des Fernen Ostens

Innere Wandlung dank den Exerzitien

22 Was Wir soeben dargelegt haben, betrifft im eigentlichen Sinne das innerste Wesen des Christentums. Auf sein äußeres Wachstum hingegen beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen über Franz Xaver. Und dennoch stehen sie in engster Beziehung zur ignatianischen Methode, der Wir soeben Unser Lob gezollt haben. Xaver trachtete nur nach eitlem irdischem Ruhm, als er mit Ignatius zusammentraf. Ignatius nahm ihn in strenge Zucht und verwandelte ihn innerhalb kurzer Frist zu einem wackeren Herold des Evangeliums für den Fernen Osten und somit zu einem Apostel.

23 Ohne Zweifel ist dieser Gesinnungswandel dem Einfluss der Exerzitien zuzuschreiben. Wenn Franz Xaver zu wiederholten Malen gewaltige Reisen durch Länder und Meere unternommen hat; wenn er als erster das Christentum in Japan gepredigt hat, das man mit Recht die Insel der Märtyrer nennen könnte; wenn er große Gefahren bestanden und erstaunliche Leistungen vollbracht hat; wenn er unzähligen Scharen die heilige Taufe gespendet hat; wenn ihm ferner zahllose Wundertaten der verschiedensten Art zuzuschreiben sind, so schuldete er dies nach seinem eigenen Geständnis außer Gott dem Vater seiner Seele, wie er den heiligen Ignatius nannte: dem heiligen Ignatius, der, wie er schreibt, ihm in der geistlichen Abgeschiedenheit der Exerzitien eine gründliche Kenntnis Christi und eine tiefe Liebe zu ihm vermittelt hatte.

Sein Wirken als Glaubensbote im Orient

24 Der Güte und Weisheit der göttlichen Vorsehung gebührt hier Preis und Dank. Zu einer Zeit, da die Kirche nach innen und nach außen heftigen Anfechtungen ausgesetzt war und in vielen Ländern zahllose Verluste erlitt, hat sie ihr einzig durch die Exerzitien im richtigen Augenblick zwei mächtige Stützen geschenkt: Ignatius, der die innere Zucht wiederherstellte, und Franz Xaver, der als Apostel des christlichen Glaubens unter den fremden Völkern auch die Verluste der Kirche wettmachen sollte.

25 Franz Xaver war nach langer Zeit offenbar der erste, der dem Beispiel der Apostel folgte. Tatsächlich hat er um den Preis unsäglicher Strapazen viele heidnische Völkerschaften bekehrt und durch seine Staunen erregenden Tugenden im Glaubenseifer bestärkt. Indem er allenthalben blühende Christengemeinden gründete, hat er unseren Missionaren weite Gebiete erschlossen, die bis dahin dem Christentum unzugänglich waren. Wie es sich geziemte, hat er sein Geisteserbe vor allem seinen Ordensgenossen vermacht, die bekanntlich dieser Erbschaft nie untreu geworden sind und sie stetsfort gewissenhaft verwalten.

Patron des Werkes der Glaubensverbreitung

26 Aber auch für alle anderen Glaubensboten war das Andenken an Franz Xaver zu allen Zeiten eine Aufmunterung und Ermahnung. Darum ist er durch ein feierliches Dekret des Heiligen Stuhles zum Schutzpatron des Werkes für die Glaubensverbreitung proklamiert worden.[7]

Heutiger Stand der Missionsarbeit

27 Unser Zeitalter ist übrigens mit demjenigen Franz Xavers auch insofern verwandt, als der Glaube der Ahnen von vielen unserer Zeitgenossen mit hochmütiger Verachtung abgelehnt wird und anscheinend zur Auswanderung unter fremde Völker gezwungen ist, die sehnsüchtig danach verlangen. Die Berichte der Missionare tun uns immer wieder kund, dass die Ernte des Christentums in den fernen Gebieten Afrikas und Asiens schon der Reife entgegenharrt,[8] um die in Europa erlittenen Verluste der Kirche wieder gutzumachen.

Ferner nehmen die Gläubigen heute mehr denn je aktiven Anteil an der Glaubensverbreitung. Es ist Unser lebhafter Wunsch, dass dieses Interesse, das gewiss durch Gottes Gnade geweckt wurde, durch das Beispiel und unter dem Patronat des heiligen Franz Xaver überall noch gesteigert wird, damit auf unsere Bitten hin der Herr Arbeiter auf sein ErntefeId sende[9] und damit jeder gute Christ sie durch Gebet und materielle Hilfe unterstütze.

Schluss: Doppelter Wunsch an die Gesellschaft Jesu

28 Am Schluss dieses Schreibens zum feierlichen Andenken an euren Gründer und euren älteren Bruder ermahnen Wir euch alle, liebe Söhne aus der Gesellschaft Jesu, durch neue Leistungen im Dienste der Kirche gemäß ihrem Beispiel eure Ordensgesellschaft stetsfort zu entfalten, die vom Heiligen Stuhl schon öfters mit hohem Lob bedacht wurde.

Diese Feierlichkeiten mögen für euch eine doppelte Frucht zeitigen. In erster Linie wünschen Wir, dass ihr die Exerzitien immer voller auswertet zu eurem eigenen Vorteil und zum Nutzen eurer Mitmenschen. Wir wissen, dass ihr in dieser Hinsicht zugunsten der Arbeiterschaft bereits erfreuliche Anfänge zu verzeichnen habt. Ein ähnlicher Erfolg unter den übrigen Volks schichten wäre sehr zu wünschen.

29 Ein zweiter Punkt betrifft die katholische Missionsarbeit. Euer Eifer und eure hervorragende Tätigkeit auf diesem Gebiet sind Uns wohlbekannt. Leben doch, auf ungefähr vierzig Missionen verteilt, zweitausend eurer Ordensmitglieder in den Heidenländern! Immerhin bitten Wir Gott inständig, er möge in euch diesen ausgezeichneten Opfergeist noch steigern und weiterentfalten.

Damit all dies zur größeren Ehre Gottes, zum Vorteil der Kirche und zum Heil der Seelen sich auswirke, sowie als Unterpfand der göttlichen Gnaden und als Erweis Unseres väterlichen Wohlwollens erteilen Wir dir, geliebter Sohn, und allen derzeitigen Mitgliedern der Gesellschaft Jesu den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am Fest des heiligen Franz Xaver,

den 3. Dezember 1922, im ersten Jahre Unseres Pontifikates

Papst Pius XI.

Anmerkungen

  1. Pius XI., Apostolisches Schreiben an P. Wladimir Ledochowski, General der Gesellschaft Jesu, zum dreihundertsten Jubiläum der Kanonisation des heiligen Ignatius und des heiligen Franz Xaver AAS XIV (1922) 627-634.
  2. 1 Kor 16,9 EU.
  3. 1 Kor 15,41 EU.
  4. Phil 2,8 EU.
  5. Röm 5,19 EU.
  6. Vgl. Pius XI., Apostolische Konstitution Summorum pontificum vom 25. Juli 1922. AAS XIV (1922) 420-422. - Deutsche Übersetzung in Mescbler-Sierp, Das Exerzitienbuch des heiligen Ignatius von Loyola, Freiburg i. Br. 1928, 2. Aufl., I. Bd. S. 1-4.
  7. Vgl. Pius X., Apostolisches Schreiben „In Apostolicum" vom 25. März 1904. ASS XXXVI (1903-1904) 380-382.
  8. Vgl. Joh 4,35 EU.
  9. Mt 9,38 EU; Lk 10,2 EU.

Weblinks

Meine Werkzeuge