Maximilian-Kolbe-Werk

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Das Maximilian-Kolbe-Werk leistet Hilfe für die Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager und Ghettos.

Inhaltsverzeichnis

Aufgabe

Unterstützung von KZ-Überlebenden / Kontakt zum einzelnen Menschen

Verständigung und Versöhnung zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk sowie die Aufgabe, ehemalige KZ- und Ghetto-Häftlinge aus Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas unabhängig von ihrer Religion, Konfession oder Weltanschauung zu unterstützen, sind seit den Anfängen Zweck und Anliegen des Maximilian-Kolbe-Werks.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht der einzelne Mensch, seine persönliche Geschichte und seine leidvollen Erfahrungen zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist eigentliches Kernstück der Arbeit. Das Maximilian-Kolbe-Werk ist für viele Opfer des NS-Regimes ein Vertrauensfaktor geworden und vermittelt vielen eine Geborgenheit, die weit über den Rahmen eines Hilfswerks hinausreicht.

Entstehung und Namensgeber

Vorgeschichte / Gründung / Maximilian Kolbe / Spenden

1964 besuchte eine Gruppe von Christen der deutschen Sektion von Pax Christi das frühere Konzentrationslager Auschwitz. Sie begegneten dort ehemaligen Häftlingen, die am Rande der Armut lebten. Gesten der Wiedergutmachung und finanzielle Entschädigungsleistungen seitens der Bundesregierung waren zu dieser Zeit nicht in Sicht. Im Rahmen der Aktion "Solidaritätsspende" entschloss sich Pax Christi Deutschland zu ersten Hilfsmaßnahmen in Form finanzieller Unterstützung als Ausdruck von Sympathie und Solidarität mit den KZ-Überlebenden.

Trotz schwierigster politischer Beziehungen zwischen Deutschland und Polen entstand daraus 1973, vorangetrieben von Alfons Erb, dem damaligen Vizepräsidenten von Pax Christi, das Maximilian-Kolbe-Werk durch gemeinsamen Beschluss des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und 13 katholischer Verbände.

Mit der Wahl des Namenspatrons wurde ein klares Zeichen gegeben: Pater Maximilian Kolbe war in Polen schon damals sehr bekannt und verehrt. Die KZ-Überlebenden verstanden die Botschaft. Wer sich auf Maximilian Kolbe berief, musste mit lauteren Absichten kommen.

Der 1894 geborene polnische Franziskaner-Minorit Maximilian Kolbe war Begründer der franziskanischen Klosterstadt Niepokalanów und errichtete das größte katholische Pressezentrum Polens. Im Februar 1941 wurde Kolbe verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Als Strafe für die Flucht eines Häftlings wurden dort Ende Juli 1941 zehn KZ-Insassen willkürlich ausgesucht und zu einem qualvollen Tod verurteilt. Maximilian Kolbe bot seinen eigenen Tod gegen das Leben des Familienvaters Franciszek Gajowniczek an. Nach zwei Wochen im Hungerbunker wurde der noch lebende Häftling 16670 am 14. August 1941 durch eine Phenolspritze getötet und im Krematorium von Auschwitz verbrannt. Während seiner Inhaftierung wurde Pater Kolbe trotz unmenschlicher Behandlung nicht müde, seine Mitgefangenen zu trösten und ihnen Liebe zu predigen. Als “Märtyrer der Liebe“ wurde er 1982 heilig gesprochen.

Getragen vor allem durch private Spenden und vereinzelte Kollekten von Kirchengemeinden konnte das Maximilian-Kolbe-Werk bislang Hilfsprojekte für KZ- und Ghettoüberlebende in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro durchführen.

Humanitäre Hilfe in Polen

Allein in Polen leben heute noch etwa 18.000 KZ-Überlebende. Das Maximilian-Kolbe-Werk steht den Betroffenen durch konkrete humanitäre Hilfe bei:

Individuelle finanzielle Beihilfe: Jährlich Zuwendungen zwischen 150,- und 600,- Euro auf Antrag an etwa 1.500 Personen.

Unterstützung bei der häuslichen Pflege: Angebot fachlicher und finanzieller Unterstützung bei der häuslichen Pflege durch Krankenschwestern und sonstige Pflegekräfte.

Medizinische Zentren: In Lodz und Krakau ärztliche Therapie- und Beratungszentren mit Ärzten aller Fachrichtungen.

Ausleihstation für medizinische Hilfsmittel

Kuraufenthalte und Erholungsmaßnahmen in Polen: Jährlich etwa 500 Kurplätze sowie 150 Plätze für Alleinstehende über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel.

Krankenbesuche: Deutsche Ehrenamtliche besuchen jährlich rund 800 bettlägerige KZ-Überlebende in Polen.

Selbsthilfenetz der KZ-Überlebenden in Polen

In fast allen der 49 früheren polnischen Woiwodschaften koordinieren KZ-Überlebende als Vertrauensleute die Hilfsangebote des Maximilian-Kolbe-Werks. Sie sind erste Ansprechpartner für ihre Kamerad/innen und wichtige Multiplikatoren. Sie organisieren z. B. spezielle ärztliche Sprechstunden. In Lodz und Krakau betreuen sie unsere sozialmedizinischen Zentren, die auch als Treffpunkte und Beratungsstellen dienen.

Humanitäre Hilfe in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion

Seit 1992 auch Unterstützung für KZ-Überlebende in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. In die Ukraine, nach Russland, Weißrussland und ins Baltikum wurden 26 Hilfsgütertransporte durchgeführt. Dabei erhielten jeweils 1200 bis 1500 Menschen Geld-und Sachhilfen aus den Händen deutscher ehrenamtlicher Helfer/innen. Seit 2002 sind an die Stelle der Hilfsgütertransporte Hilfs- und Begegnungsprojekte in den osteuropäischen Ländern getreten: Mitarbeiter/innen des Maximilian-Kolbe-Werks begegnen KZ- und Ghettoüberlebenden auf zentralen Treffen und machen Hausbesuche bei Kranken. Alle Überlebenden erhalten eine finanzielle Unterstützung. Seit 2002 wurden solche Projekte in Moldawien, Russland und der Region um Kaliningrad, Weißrussland, Litauen, Lettland, Estland, in der Ukraine und in Kasachstan durchgeführt. Jährlich erfolgen Besuche in weiteren Regionen.

Versöhnung durch Begegnung

Seit 1978 werden Erholungs- und Begegnungsaufenthalte für KZ- und Holocaust-Überlebende in Deutschland organisiert. Über 12.000 Einladungen sind seitdem erfolgt. Jährlich nehmen rund 400 Personen aus Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas an diesen von Ehrenamtlichen betreuten Aufenthalten teil. Oft sind diese Besuche der erste Kontakt nach Kriegsende mit dem "Land der Täter". Die Wiederbegegnung mit Deutschen, der deutschen Sprache und oft auch mit den Stätten des Leidens, führt in vielen Fällen zu einer seelischen Befreiung. Bestandteil fast aller Begegnungsaufenthalte sind Besuche in Gemeinden und Schulen, wo viele der ehemaligen Häftlinge über ihre leidvollen Erfahrungen in den Konzentrationslagern sprechen.

Zeitzeugen begegnen Schülerinnen und Schülern

Menschen, die in Konzentrationslagern unsäglich gelitten haben, geben ihre Erfahrungen an junge Menschen weiter. Neben den Schulbesuchen im Rahmen von Begegnungsaufenthalten lädt das Maximilian-Kolbe-Werk jährlich zahlreiche KZ- und Ghetto-Überlebende nach Deutschland ein, um in qualifizierten Schulprojekten gezielt das Gespräch mit Jugendlichen zu führen.

Ehrenamtliches Engagement in Deutschland

In Deutschland engagieren sich rund 80 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für die Aufgaben des Werkes. Uneigennützig und mit großem Einsatz von Zeit, Geld und Energie sind sie die Träger persönlicher Begegnung und Zuwendung und machen so die verschiedenen Initiativen des Maximilian-Kolbe-Werks erst möglich.

Literatur

  • Gerstner, Wolfgang u. a.; Maximilian-Kolbe-Werk: 30 Jahre im Dienst der Versöhnung; Münster : dialogverlag 2002.
  • Maximilian-Kolbe-Werk (Hg.); Fragt uns, wir sind die letzten... Zeugnisse von Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos. Freiburg ³2003.

Weblink

Webseite des Maximilian-Kolbe-Werks

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