Münster

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St.-Paulus-Dom im Stadtzentrum
Stadtschloss, heute Universität

Die Stadt Münster (lateinisch Monasterium) ist eine kreisfreie Stadt mit etwa 297.000 Einwohnern[1] im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, gelegen zwischen Dortmund und Osnabrück.

Münster ist Bischofsstadt, derzeitiger Bischof ist Felix Genn. Mit etwa 49.000 Studenten, die in der Stadt leben, gehört Münster zu den größten Universitätsstädten in Deutschland. Münster ist Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirks und ein Oberzentrum des die Stadt umgebenden Münsterlandes.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits im 6. Jahrhundert gab es auf dem Gelände des heutigen Domplatzes eine kleine germanische Siedlung mit dem Namen Mimigernaford. 799 gründete Papst Leo III. bei seinem Treffen mit Kaiser Karl dem Großen das Bistum Münster sowie die Diözesen Osnabrück, Minden und Paderborn. 805 wurde der heilige Ludgerus im Kölner Dom zum ersten Bischof von Münster geweiht. Im Auftrag Karls des Großen hatte sich sein Missionsgebiet von der Nordsee bis ins Rheinland erstreckt, dem heutigen Niederstift des Bistums Münster (nordwestliches Niedersachsen mit der Nordseeinsel Wangerooge, nördlich vom Bistum Osnabrück) und dem Hochstift (nordwestliches Nordrhein-Westfalen). Auf Ludgerus geht auch die Gründung der Stadt Münster (793), zunächst als benediktinische Niederlassung (Monasterium = Kloster) und die Gründung des heutigen St.-Paulus-Doms zurück.

Käfige an der Lambertikirche

1170 erhielt Münster die Stadtrechte. Der mittelalterliche Stadtadel, aus dem sich auch der Stadtrat zusammensetzte, waren Familien wie Bischopinck, Droste zu Hülshoff oder Kerckerinck. Zwischen 1358 und 1494 erlangte Münster als Mitglied der Hanse Bedeutung. Von 1534 bis 1535 herrschten in Münster die Wiedertäufer. Bekannt sind die drei Käfige, die noch heute an der Lambertikirche hängen und in die 1535 die drei Wiedertäufer Johann Bockelson, Bernd Knipperdolling und Jan van Leyden gesperrt wurden.

Friedenssaal in Münster.

Im Oktober 1648 wurde in Münster der Westfälische Friede geschlossen. Von 1815 bis 1946 war Münster die Hauptstadt der damaligen preußischen Provinz Westfalen, seit 1915 hat es den Status einer Großstadt.

In der Zeit des Nationalsozialismus erlangte der spätere Kardinal Clemens August Graf von Galen als Widerstandskämpfer unter dem Namen Löwe von Münster Bekanntheit, seine Predigten gegen die Euthanasie Behinderter wurden in ganz Deutschland verbreitet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom durch Bombentreffer schwer beschädigt. Beim Einsturz der Gewölbe und Wände wurden insbesondere die Wand- und Deckenmalereien von Hermann tom Ring aus der Mitte des 16. Jahrhunderts sowie das bedeutende Westportal aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zerstört. Das Inventar war rechtzeitig ausgelagert worden und blieb verschont. In den Jahren 1946 bis 1956 wurde der Dom wieder aufgebaut.

Das ehemalige Münstersche Schloss ist heute das Hauptgebäude der Westfälischen Wilhelms-Universität. Die Fakultäten sind über die gesamte Innenstadt verteilt. Die Universität hat auch eine bedeutende katholisch-theologische Fakultät. Das evangelische Institut für Neutestamentliche Textforschung erforscht die Textgeschichte des Neuen Testaments und ist mit der Herausgabe des unter dem Namen Nestle-Aland bekannt gewordenen Novum Testamentum Graece weltweit bekannt. Seit 1979 besteht beim Institut ein Bibelmuseum.

Münster ist Dienstleistungs- und Verwaltungsstandort und neben der Universität Sitz mehrerer Hochschulen, darunter die Philosophisch-Theologische Hochschule Münster in Trägerschaft der deutschen Kapuzinerprovinz. Wichtige Gerichte und Verwaltungseinrichtungen für das Land Nordrhein-Westfalen sind in Münster ansässig, darunter der Verfassungsgerichtshof und das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen. Die frühere westfälische Provinzhauptstadt ist Sitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Bekannt ist Münster als Fahrradstadt, als Studentenstadt sowie für seine nach dem 2. Weltkrieg exemplarisch wiederhergestellte historische Altstadt, die auch den Namen Norddeutsches Venedig trägt. Das Naherholungsgebiet ist der Münstersche Aa-See, an den sich ein großes modernes Zoogelände anschließt. Mediale Bekanntheit erlangte Münster durch die Fernsehserien Wilsberg (ZDF, Darsteller Leonard Lansink) mit dem Antiquariat-Wilsberg direkt neben der Überwasserkirche unterhalb des Domes und durch die Serie Tatort-Münster (ARD, mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers).

Die Stadt gliedert sich in fünf Bezirke: Mitte, Nord, Ost, Hiltrup und West. Sie grenzt an die Landkreise Warendorf (im Osten), Steinfurt (im Norden)sowie Coesfeld (im Südwesten). In der östlichen Nachbarschaft liegt der Marien-Wallfahrtsort Telgte.[2]

Klima und Geologie

Über Münster wurde der Spruch geprägt: „Entweder es regnet oder es läuten die Glocken. Und wenn beides zusammenfällt, dann ist Sonntag“. Die tatsächliche Niederschlagsmenge entspricht jedoch mit rund 764 mm pro Jahr etwa dem deutschen Mittelwert. Die Winter in Münster sind vergleichsweise mild, sodass es relativ selten schneit, während die Sommertemperaturen dem Bundesdurchschnitt entsprechen. Durch Münster fließt die Aa, ein kleiner Fluss, der in die Ems mündet. Saaleeiszeitliche Sedimentgesteine durchziehen die Stadt. Der höchste Punkt ist der Vorbergshügel mit einer Höhe von 98,8 m., der niedrigste Punkt mit 38,6 m. ist im Norden des Stadtgebiets an der Ems gelegen.

Persönlichkeiten (Auswahl)

Söhne und Töchter der Stadt Münster

  • Ludger tom Ring (1496-1547), Maler
  • Ferdinand Oesterhoff (1671-1748), Abt des Klosters Marienfeld, Weihbischof in Münster
  • Christoph Bernhard Verspoell (1743-1818), Pfarrer und Kirchenlieddichter
  • Anton Bernhard Fürstenau (1797-1852), Musiker und Komponist
  • Jenny von Droste zu Hülshoff (1795-1859), Dichterin
  • Paulus Melchers (1813-1895), Bischof von Osnabrück, Erzbischof von Köln
  • Franz Wüllner (1832-1902), Komponist und Dirigent
  • Wilhelm Rincklake (1851-1927), Bedeutender Architek der Neugotik
  • Selige Maria Droste zu Vischering (1863-1899), Ordensfrau
  • Hermann Josef Spital (1925-2007), Bischof von Trier
  • Friedrich Ostermann (* 1932), emeritierter Weihbischof und Regionalbischof der Kreisdekanate Münster und Warendorf
  • Götz Alsmann (* 1957), Musiker und TV Entertainer
  • Günther Jauch (* 1965), TV-Moderator

Mit Münster in Verbindung

  • Hl. Liudger (742-809), Missionar und erster Bischof von Münster
  • Niels Stensen 1638-1686), Weihbischof in Münster
  • Clemens August Graf von Galen (1878-1946), Bischof von Münster
  • Joseph Höffner (1906-1987), Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (1951-1960), Bischof von Münster (1962-1969)
  • Josef Pieper (1904-1997), Philosoph an der Westfälischen Wilhelms-Universität
  • Karl Rahner (1904-1984), Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität (1967-1971)
  • Kurt Aland (1915-1994), Professor für Neutestamentliche Einleitungswissenschaft und Kirchengeschichte, Gründer des Instituts für Neutestamentliche Textforschung
  • Joseph Ratzinger (* 1927), Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität (1963-1966)
  • Walter Kasper (* 1933), Professor für Dogmatik an der Westfälischen Wilhelms-Universität (1964-1970)
  • Selige Sr. Maria Euthymia Üffing (1914-1955), Clemensschwester
  • Reinhard Lettmann (1933-2013), Bischof von Münster

Weblinks

Anmerkungen

  1. Einwohnerzahl nach dem Statistischen Landesamt 2013
  2. Telgter Wallfahrt
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