Märtyrer

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Die Seelen der Märtyrer. Illustration in Beatus-Apokalypsen von Meister Pedro (8. Jhd.)

Das Wort Märtyrer (vom griech. martys =Zeuge) bezeichnet im christlichen Sinn einen Menschen, der bereitwillig einen gewaltsamen (aktiven oder passiven) Tod für Christus und dessen Gebote auf sich nimmt, indem er das Leben mit seinem Blut hingibt. Das Verzeichnis der Märtyrer wird im Martyrologium festgehalten.

Das Martyrium ist das "das erhabenste Zeugnis, das man für die Wahrheit des Glaubens ablegen kann"; es ist ein Zeugnis bis zum Tod. (KKK Nr. 2473 ). Märtyrer zeigen, dass sie gegen den Zeitgeist bis zum Tod an den Geboten Christi festhielten.

Als erster der Märtyrer (protomartyr) gilt der Hl. Stephanus, ein Diakon der Urgemeinde, der wegen des Vorwurfs der Blasphemie in Jerusalem gesteinigt wurde.

Unter den Heiligen der Kirche bilden die Märtyrer die eine Gruppe, die Bekenner (confessores) die andere. Die Märtyrer werden traditionell mit einer Palme in der Hand bzw. mit einer Krone auf dem Kopf dargestellt. Ihre Attribute in der Kunst sind meist die Instrumente ihres Martyriums. So wird etwa der heilige Laurentius meist mit einem Rost dargestellt, die heilige Katharina von Alexandrien mit einem Rad, der heilige Paulus mit einem Schwert.

In Seligsprechungsprozessen ist für die Seligsprechung einer als Märtyrer anerkannten Person kein Wunder notwendig, für ihre Heiligsprechung jedoch schon. Auch Menschen, die sich zwar zu Christus bekehrt haben, aber noch ungetauft sind (Katechumenen), werden, falls sie wegen ihres Glaubens getötet werden, von der Kirche als Märtyrer anerkannt. Zudem gilt dieser Tod gleichzeitig als Blut-Taufe, im Sinne der Reinigung von der Erbsünde und von persönlichen Sünden sowie der Hineinnahme in die Kirche Jesu Christi.

Das Blut der Märtyrer gilt von alters her als "Samen" der Kirche. Martyrologien, etwa des Hl. Polykarp oder der Hl. Perpetua und Felicitas, waren von den ersten Jahrzehnten der Kirche an ein fester Teil des christlichen Schrifttums und sollten die Hingabe und Opferbereitschaft der Christen stärken. Das Zeugnis jener, die für Jesus Christus zu sterben bereit sind, ist bis heute oft das stärkste Mittel der Mission.

Auch in späteren Jahrhunderten dienten Geschichten der christlichen Märtyrer öfters als literarische Inspiration für unterdrückte Minderheiten. So bildeten im 19. und frühen 20. Jahrhundert in England die Romane über die Verfolgung der Christen in der Antike und der Katholiken im England des 16. und 17. Jahrhunderts einen festen Bestandteil der Lektüre unter den damals von der protestantischen Mehrheit oft verachteten und misstrauisch beäugten Katholiken (siehe etwa: J. H. Newman: Callista, N. Wiseman: Fabiola, R. H. Benson: Come Rack! Come Rope!, By What Authority?).

Im Roman Quo vadis des polnischen Schriftstellers Henryk Sienkiewicz ist wiederum die Parallele zwischen den verfolgten Christen der Antike und dem von den protestantischen Preußen und den orthodoxen Russen unterdrückten katholischen Polen unübersehbar.

Literatur

  • Hermine Frankenstein: Das Martyrium der Treue Josef Habbel Verlag um 1930.
  • Hannes Gertner (Hrsg.): Geschichte der Märtyrer. Verfolgt für den Glauben. Pattloch Verlag Aschaffenburg 1984 (543 Seiten; ISBN 3-557-91288-4).

Weblinks