Luctuosissimi eventus (Wortlaut)

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Enzyklika
Luctuosissimi eventus

unseres Heiligen Vaters
Pius XII.
Dringliche Gebete um Frieden und Freiheit für das ungarische Volk
28. Oktober 1956
(Offizieller lateinischer Text AAS 48 [1956] 741-744)

(Quelle: Herder-Korrespondenz Herder Verlag Freiburg im Breisgau, 11. Jahrgang, Heft 3, Dezember 1956, S. 119-120)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Die erschütternden Ereignisse, von denen heute die Völker Osteuropas betroffen sind, zumal das Uns so teure Ungarn, das gegenwärtig in furchtbarem Gemetzel mit Blut getränkt wird, bewegen Unser väterliches Herz aufs fliefste; und nicht nur das Unsere, sondern gewiß auch das all derer, denen die Rechte des bürgerlichen Lebens, die Menschenwürde und die Freiheit der einzelnen und der Nationen am Herzen liegen.

Darum drängt Uns das Bewußtsein Unserer apostolischen Sendung, euch alle, Ehrwürdige Brüder, und die euch anvertrauten Herden inständig anzurufen, ihr möchtet, von brüderlicher Liebe getrieben, gemeinsam mit Uns flehentliche Bitten an Gott richten, er, in dessen Hand das Los der Völker und nicht nur die Macht, sondern auch das Leben ihrer Lenker liegen, möge bewirken, dass all das Blutvergießen ein Ende nimmt und dass endlich jener wahre Friede aufleuchtet, der auf Gerechtigkeit, Liebe und der geschuldeten Freiheit beruht. Möge es allen klarwerden, dass die zerstörte Ordnung der Völker sich nicht durch Waffengewalt, die den Menschen Tod bringt, noch durch Zwangsmaßnahmen gegen die Bürger, die deren innersten Sinn ja doch nicht ersticken können, oder durch trügerische Lehren, die die Geister verwirren und das christliche und bürgerliche Gewissen wie die Rechte der Kirche vergewaltigen, wiederherstellen läßt.

In dieser schicksalsschweren Stunde, von der ein Uns teurer Teil der Herde Christi betroffen ist, taucht in Unserem Geist eine liebe Erinnerung auf. Als Wir Uns vor vielen Jahren als Delegat Unseres Vorgängers Pius' XI. nach Budapest begaben, um am Internationalen Eucharistischen Kongreß teilzunehmen, hatten Wir die innige Freude und den Trost, zu sehen, wie die Katholiken Ungarns mit glühender Frömmigkeit und tiefster Verehrung dem Allerheiligsten Sakrament des Altares folgten, das im Triumph durch die Straßen der Stadt getragen wurde. Wir zweifeln nicht, dass immer noch der gleiche Glaube und die gleiche Liebe zum göttlichen Erlöser das Herz des Volkes erfüllen, so sehr sich die Verkünder des gottlosen Kommunismus auch mit allen Kunstgriffen bemüht haben, den ererbten Glauben in den Geistern zu vertilgen. Daher sind Wir voll Vertrauen, dass dieses edle Volk auch in seiner gegenwärtigen Not flehende Gebete zu Gott erheben wird, um den heißersehnten Frieden und zugleich eine gerechte Ordnung zu erlangen. Und Wir hoffen auch zuversichtlich, dass alle wahren Christen auf der ganzen Erde ihre Gebete mit diesen ihren von so großem Leid und so großer Ungerechtigkeit betroffenen Brüdern vereinen werden, als Zeugnis der gleichen Liebe. Namentlich ermahnen Wir zu diesem heiligen Wetteifer im Gebet alle die, die Wir ebenso wie der göttliche Erlöser, dessen Stellvertreter Wir auf Erden sind, mit besonders inniger Liebe umfangen, nämlich die Kinder, die noch in der Unschuld, Anmut und Gnade ihres jugendlichen Alters stehen. Gerade auf ihr Gebet setzen Wir in dieser Zeit große Hoffnung, da sie ja die Engel dieser von so viel Verbrechen und Sünden befleckten Welt genannt werden können.

Mit ihnen zusammen mögen alle Christgläubigen die mächtige Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria anrufen, die so viel für uns bei Gott vermag, da sie dIe Mutter des göttlichen Erlösers und zugleich unsere geliebteste Mutter ist.

Wir zweifeln nicht, dass bei allen Völkern in den Städten, den Dörfern und selbst in den entlegensten Winkeln, wo immer das Licht des Evangeliums leuchtet, alle Christen und insbesondere die Kinder Unserer und eurer Mahnung mit Freuden folgen werden. So möge durch Gottes Eingebung und mit seiner Hilfe, die von so vielen Gläubigen herabgefleht wird, und durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria das teure, so schwer geprüfte ungarische Volk wie aum die andern Völker Osteuropas, die der religiösen und der bürgerlichen Freiheit beraubt sind, jedes seine eigenen Geschicke in Gerechtigkeit, rechter Ordnung, Glück und Frieden bestimmen können, in Achtung der Rechte Gottes und Christi des Königs, dessen Reich nein Reich der Wahrheit und des Lebens ist, ein Reich der Heiligkeit und der Gnade, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens" (Präf. am Christkönigsfest).

Von dieser wunderbaren Hoffnung beseelt, erteilen Wir euch allen, Ehrwürdige Brüder, und den eurer Sorge anvertrauten Herden, besonders aber denen, die sich in Ungarn und bei den anderen osteuropäischen Nationen in einer so gefahrvollen Lage befinden und von so großer Not bedrückt sind, und namentlim ihren Bischöfen, die im Kerker oder unter Hausarrest festgehalten werden oder auch ausgewiesen worden sind, als Unterpfand der himmlischen Gnaden und Zeichen Unseres Wohlwollens von ganzem Herzen den Apostolischen Segen.

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