Libenter tuas (Wortlaut)

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Apostolischer Brief
Libenter tuas

unsers Heiligen Vaters
Benedikt XV.
an P. Matthäus Crawley Boevey, Priester der Kongregation der Heiligsten Herzen Jesu und Mariä
über die Familienweihe ans Heiligste Herz Jesu
27. April 1915

(Offizieller lateinischer Text AAS 7 [1915] 203-205)

(Quelle: Religiöse Monatszeitschrift „MARIA heute“ Parvis-Verlag, Mai 2005)</center>

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Heiligstes HERZ JESU, erbarme Dich unser
Geliebter Sohn,
Heil und Apostolischen Segen.

Mit Interesse haben Wir deinen Brief und die beigefugten Dokumente gelesen. Sie haben uns den Eifer und die Aktivität gezeigt, mit denen du dich seit mehreren Jahren der Weihe an das heiligste Herz Jesu widmest und wie sehr du darauf bedacht bist, sein Bild am würdigsten Platz im Haus wie auf einem Thron aufzuhängen, so dass Unser Herr Jesus Christus auf sichtbare Weise in den katholischen Familien herrscht. Bereits Unser Vorgänger seligen Andenkens Leo XIII. hat die ganze Menschheit diesem göttlichen Herzen geweiht und wir kennen seine bemerkenswerte Enzyklika „Annum Sacrum“ zu dem Thema. Dennoch scheint die Verehrung durch die einzelnen Familien im Anschluss an diese allgemeine Weihe nicht unnütz zu sein, ja, noch mehr: sie entspricht ganz dieser anderen Weihe und trägt zu den frommen Absichten des Papstes bei. Was für jeden einzelnen besonders ist, berührt uns mehr als allgemeine Interessen. Daher freuen Wir uns über den Gedanken, dass Unsere Arbeiten an diesem Punkt überreiche Früchte zeitigt und Wir ermuntern dich, das begonnene Apostolat aktiv weiterzuführen.

In der Tat kommt der gegenwärtigen Zeit nichts so gelegen wie dein Wirken. Leider träumen heutzutage allzu viele Menschen davon, im privaten wie im öffentlichen Leben die von der Kirche hervorgebrachte und verfeinerte Moral zu pervertieren. Wenn dann fast alle Spuren der christlichen Weisheit und Redlichkeit getilgt sind, soll die menschliche Gesellschaft auf die elenden Vorstellungen des Heidentums zurückgeführt werden. Gebe Gott, dass dies nicht gelingt! Vor allem richten sich diese Übeltäter jedoch gegen das häusliche Leben. Dies enthält Keimkraft die Prinzipien der Zivilgesellschaft und daher ist ihnen klar, dass auf die von ihnen erhoffte Veränderung, beziehungsweise Korruption der Gesellschaft notwendigerweise ein Niedergang der Familie folgt, sobald sie die Fundamente angegriffen haben. Daher stimmt man für das Scheidungsgesetz, um die Beständigkeit der Ehe zu erschüttern. Man zwingt die Jugend, einer staatlichen Lehre zu folgen, die oft weit entfernt von der Religion ist in Bereichen, die von allergrößter Bedeutung sind, nimmt man den Eltern die Autorität. Durch die Förderung . schamloser Kunst, die unter Missachtung der Naturrechte der Lustbefriedung dient, läßt die Ruchlosigkeit selbst die Quelle der Menschheit versiegen und beschmutzt durch ihre infamen Sitten die Heiligkeit der ehelichen Vereinigung. Lieber Sohn, du tust daher gut daran, das Anliegen der menschlichen Gesellschaft in die Hand zu nehmen und in den Familien vor allem den christlichen Geist zu verbreiten, indem du in unseren Familien die Liebe Christi hochhältst, damit sie als Königin herrsche. Durch solches Handeln gehorchst du Jesus Christus selbst, der versprochen hat, seine Wohltaten über alle Familien auszubreiten, m denen das Bild seines Herzens aufgehängt und verehrt wird.

Wer unserem liebenswürdigen Erlöser diese Verehrung erweist, tut ein heiliges und heilbringendes Werk, aber das ist noch nicht alles. Es ist auch sehr wichtig, Christus zu kennen, seine Lehre, sein Leben, sein Leiden, seine Herrlichkeit zu kennen: Ihm nachfolgen heißt nicht, sich von einem oberflächlichen Gefühl von Religiosität leiten zu lassen, das weiche Herzen leicht berührt und ihnen schnell Tränen entlockt, aber die Laster nicht bekämpft. Christus nachfolgen heißt, Ihm mit einem lebendigen und beharrlichen Glauben zu folgen, mit einem Glauben, der sowohl den Geist als auch - das Herz beeinflusst und das sittliche Verhalten prägt. Der wahre Grund, warum Jesus von vielen außer acht gelassen und nur von wenigen geliebt wird, ist darin zu suchen, dass er bei den ersten fast unbekannt und von den zweiten nicht genug gekannt ist. Lieber Sohn, setze daher deine Anstrengungen und dein Apostolat fort, um durch die katholischen Familien Flammen der Liebe für das heilige Herz Jesu zu entfachen. Bemühe dich- das ist Unser Wille -, dass diese in allen Familien, die du besuchst, ihren größten und höchsten Punkt erreicht: die Kenntnis Jesu Christi und die Kenntnis seiner Wahrheit und seines Gesetzes, die er uns selbst gebracht hat.

Wir wollen, um Unsere Anregung zur allgemeinen Frömmigkeit zu verstärken, dass alle Gunsterweise, die Unser Vorgänger seligen Andenkens Pius X. mit seiner päpstlichen Freiheit 1913 auf Bitten der chilenischen Bischöfe allen Familien in Chile, die sich dem heiligsten Herzen Jesu weihten, gewährte, auf alle Familien der katholischen Welt, die diese Weihe vornehmen, ausgedehnt werden.

Geliebter Sohn, empfange als Unterpfand der himmlischen Güter und als Zeugnis Unseres väterlichen Wohlwollens den Apostolischen Segen, den Wir dir von ganzem Herzen gewähren.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 27. April 1915,
im ersten Jahr Unseres Pontifikates
Benedikt XV. PP.