Lampridem considerando (Wortlaut)

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Apostolisches Schreiben
Lampridem considerando

von Papst
Leo XIII.
an Kardinal Antonio De Luca
Gründung der Akademie des Heiligen Thomas von Aquin und die Herausgabe seiner Werke
15. Oktober 1879

(Offizieller lateinischer Text: ASS XXVIII [1895-96] 708-739)

(Quelle: Leo XIII., Lumen de coelo - Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten. Buch I [Buch I-III in einem Band], S. 153-157, Wien, Verlag Rudolf Brzezowsky & Söhne 1889)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Längst schon sind Wir bei unseren Erwägungen und Erfahrungen zu der Einsicht gekommen, dass der entsetzliche Krieg, welcher gegen die Kirche und die menschliche Gesellschaft selbst geführt wird, mit Gottes Hilfe am ehesten und glücklichsten beendet werden könne, wenn man die richtigen Prinzipien des Wissens und Handelns durch die philosophischen Wissenschaften überall wiederherstelle. Es ist darum das allgemeine Aufblühen einer gesunden und soliden Philosophie die Hauptsache. Aus diesem Grunde haben Wir unlängst eine Enzyklika an alle Bischöfe der katholischen Welt gerichtet, in welcher Wir ausführlich darlegten, dass die Förderung dieses Zieles nur in der christlichen, von den alten Kirchenvätern hervorgerufenen und ausgebildeten Philosophie zu suchen sei, welche nicht nur den katholischen Glauben vollständig entspricht, sondern auch überaus nützlich zu seiner Verteidigung und Erläuterung ist. Diese Philosophie, die im Laufe der Jahrhunderte so reich an herrlichen Früchten war, haben Wir, wie wir dort erwähnen, gleichsam als Erbe vom heiligen Thomas von Aquin empfangen; denn bei der Sichtung, Erläuterung und Ausbildung derselben hat die Stärke und Kraft seines Geistes so sehr erglänzt, dass er das, was der ihm beigelegte Name „der englische Lehrer“ besagt, in gehäuftem Maße erfüllt hat. In eindringlicherer Weise aber haben Wir die Bischöfe angeeifert, dass sie es sich im Vereine mit Uns angelegen lassen möchten, jene alte Philosophie, die um ihren Rang gebracht und beinahe zerfallen ist, in den katholischen Schulen wieder einzuführen und ihr den gebührenden Ehrenplatz wieder einzuräumen.

Es gereicht Uns nicht zu geringer Freude, dass jene Enzyklika unter Gottes gnädigen Beistande überall williges Entgegenkommen und volle Zustimmung gefunden hat. Einen klaren Beweis dafür bieten Uns die vielen Schreiben von Bischöfen, die Uns, sei es von einzelnen, sei es von mehreren Bischöfen derselben Provinz oder desselben Volkes zukamen und die ausgezeichneten Gesinnungen derselben offenbaren. Auch fehlte es nicht an dem frei und ehrfurchtsvoll abgelegten Zeugnisse gelehrter Männer, da berühmte Akademien von Gelehrten Uns ganz dieselbe Ansicht wie die Bischöfe schriftlich auszudrücken. In all´ diesen Schriftstücken erfreut Uns namentlich der Ausdruck des Gehorsams gegenüber dem apostolischen Stuhle, ebenso aber auch die von dieselben an den Tag gelegte Gesinnung und die dort niedergelegten Urteile. Einstimmig erklären sie nämlich, dass durch jenes Unser Schreiben die Wurzel der gegenwärtigen Übel und die Heilmittel gegen dieselben klar und bestimmt bezeichnet seien. Alle stimmen darin überein, dass die menschliche Vernunft, wenn sie sich von der göttlichen Autorität des Glaubens abgewendet hat, den Wogen des Zweifels und dem schlimmsten Gefahren des Irrtums ausgesetzt sei, dass sie dagegen diesen Gefahren leicht entgehe, wenn die Menschen zu der katholischen Philosophie ihre Zuflucht nehmen.

Deshalb wünschen Wir, Ehrwürdige Brüder, namentlich gar sehr, dass die mit der Glaubenswahrheit besonders in Übereinstimmung stehende Lehre des heiligen Thomas sowohl in allen höheren katholischen Anstalten möglichst bald wieder auflebe, als auch besonders in dieser Stadt, die vor allen anderen den Namen einer katholischen trägt. Da dieselbe der Sitz des obersten Bischofs ist, so muss sie auch vor allen anderen Städten sich hervortun durch den Ruhm, dass in ihr die Wissenschaft am besten gepflegt werde. Hierzu kommt noch, dass nach Rom, dem Mittelpunkt der katholischen Einheit, Jünglinge aus allen Ländern in großer Anzahl herbeiströmen, um gerade bei dem erhabenen Lehrstuhl des heiligen Petrus einer wahren und unverderbten Wissenschaft fleißig obzuliegen. Wenn also die von Uns gemeinte christliche Philosophie hier mächtig pulsiert, so bleibt sie nicht beschränkt auf die Grenzen der Stadt allein, sondern strömt allen Völkern wie ein reichhaltiger Fluss zu.

Wir haben deshalb vor allem dafür gesorgt, dass in dem römischen Seminar, im Gregorianischen und Urbanischen Lyceum und anderen Kollegien, die noch Unserer Autorität unterworfen sind, die philosophischen Disziplinen nach dem Sinne und den Prinzipien des englischen Lehrers deutlich, klar und in ausgiebiger Weise gelehrt und gepredigt werden. Wir wollen nun, dass die gesamte Sorge und der Eifer der Lehrer besonders darauf hinausgehe, dass sie denselben Schatz der Lehre, den sie aus den Büchern des heiligen Thomas mit Fleiß entnommen haben, in ihrem Vortrage ausführlich behandeln und in gewinnender und fruchtbarer Weise ihren Zuhörern beibringen.

Damit aber diese Studien noch mehr blühen und gedeihen, so ist ferner dafür zu sorgen, dass die Anhänger der scholastischen Philosophie dieselbe mit möglichstem Eifer zu verbreiten suchen, dass sie namentlich Gesellschaften bilden und untereinander Versammlungen abhalten, in denen sie einzeln das Resultat ihrer Studien vortragen und zu gemeinsamem Nutzen verwenden. Diese unsere Meinung und Absicht haben Wir Dir, Ehrwürdiger Bruder, der Du dem hohen Studienrat präsidiert, mitteilen wollen, voll der festen Hoffnung, dass Deine Erfahrung und Deine Einsicht Uns unterstützen werde. Dir ist es gewiss nicht unbekannt, dass die Versammlungen oder Gesellschaften gelehrter Männer gewissermaßen die edelsten Ringplätze waren, auf denen Leute von durchdringendem Verstande und hervorragender Wissenschaft sowohl einer für sie selbst nützlichen Übung oblagen, indem sie über die erhabensten Dinge schrieben und disputierten, als auch junge Leute zum großen Nutzen der Wissenschaft unterrichteten. Aus dieser so schönen Site und Einrichtung, die Kräfte zu verbinden und das Licht der Intelligenz anzusammeln, entstanden berühmte Vereine von Gelehrten, von denen die einen mehreren Disziplinen oblagen, die anderen wieder nur einzelnen. Der lebendige Ruf und Ruhm jener Vereinigungen ist geblieben, die unter verschiedenen Gunstbezeugungen römischer Päpste überall blühten, wie in Italien zu Bologna, Salerno und anderswo. Da nun diese freiwilligen Vereinigungen zur Pflege und zum Ausbau der Wissenschaften ein so großes Lob verdienen und so von großem Nutzen gewesen sind; und da außerdem von diesem Nutzen und Ruhm so manches bis auf unsere Tage geblieben ist, so sind Wir überzeugt, dieselben Hilfsmittel anwenden zu sollen, damit Wir unsere Pläne vollständig zur Durchführung kommen sehen. Wir haben deshalb in der Stadt Rom einen akademischen Verein gegründet, der unter dem Namen und dem Schutze des heiligen Thomas von Aquin seine Bestrebungen und seinen Eifer dahin richten soll, dass dessen Werke erklärt und beleuchtet werden, dass er seine Ansichten auseinandersetze und mit den Meinungen anderer Philosophen aus früherer Zeit oder aus der Gegenwart vergleiche, dass er die Bedeutung von Sätzen des heiligen Thomas und deren Begründung darlege eine vernünftige Wissenschaft zu verbreiten und zur Widerlegung grassierender Irrtümer und zur Illustrierung der neuesten Erfindungen anzuwenden bestrebt sei.

Deshalb geben Wir Dir, Ehrwürdiger Bruder, dessen Vorzüge in der Lehre, schnelle Fassungsgabe und eifriges Befassen mit allen auf die Humanität bezüglichen Dingen Wir kennen, es zur Aufgabe, dass Du unsere Absicht verwirklichst. Inzwischen überdenke die Sache noch tiefer; und wenn Du diese Weise ausgedacht haben wirst, welche geeignet ist, Unseren Plänen zu entsprechen, so unterbreite sie schriftlich Uns zur Prüfung, damit Wir sie billigen und mit Unserer Autorität bekräftigen.

Schließlich haben Wir behufs weitester Verbreitung der Weisheit des engelgleichen Lehrers beschlossen, alle seine Werke vollständig herauszugeben, dem Beispiel des heiligen Pius V., Unseres durch seine Taten und Heiligkeit seines Wandels berühmten Vorgängers, folgend; dieser hatte in dieser Hinsicht den großen Erfolg, dass die auf seinen Befehl ausgegebenen Exemplare der Schriften des heiligen Thomas bei den Gelehrten in sehr hohem Ansehen stehen und von ihnen eifrigst zu erwerben gesucht werden. Je seltener aber jene Ausgabe wird, desto lebhafter verlangt man nach einer neuen, die jener von Pius veranstalteten an Güte und Ausstattung an die Seite gestellt werden könnte. Denn alle übrigen Ausgaben, sowohl die älteren wie die neueren, scheinen nicht zu entsprechen, teils weil sie nicht alle Schriften des heiligen Thomas enthalten, teils weil sie der Kommentare seiner besten Erklärer und Ausleger entbehren, teils weil zu wenig Fleiß auf ihre Ausstattung verwendet worden ist. Dagegen ist mit Sicherheit zu hoffen, dass dem Bedürfnisse durch eine solche Ausgabe abgeholfen werden wird, welche alle Schriften des heiligen Lehrers ohne Ausnahme umfasst, mit den möglichst besten Typen gedruckt und sorgfältig von Druckfehlern gesäubert ist; bei deren Herstellung auch alle jene Manuskripte zu Rate gezogen sind, welche zu Unseren Zeiten ans Licht gefördert und publiziert wurden. Damit in Verbindung werden wir die Arbeiten der berühmtesten Erklärer, wie des Thomas de Vio, Kardinals von Gaëta und Ferrara, herausgegeben, durch welche die Lehre des großen Mannes wie durch reichströmende Bäche sich ergießt. Wir sind Uns zwar sowohl der Größe, als auch der Schwierigkeiten des Unternehmens bewusst; doch diese schrecken Uns von der baldigen Inangriffnahme desselben nicht zurück. Wir hegen nämlich die zuversichtliche Hoffnung, dass Uns in dieser so wichtigen Angelegenheit, die das allgemeine Wohl der Kirche fördern soll, die göttliche Hilfe, die einmütige Unterstützung der Bischöfe, sowie Deine schon lange bewährte und erkannte Weisheit und Rastlosigkeit zur Seite stehen wird.

Inzwischen erteilen Wir Dir, Ehrwürdiger Bruder, als Zeichen Unserer besonderen Liebe, von ganzem herzen den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 15. Oktober 1879,

im zweiten Jahre Unseres Pontifikates

Leo XIII. PP.

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