La festività natalizia

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Weihnachtsrundfunkbotschaft
La festività natalizia

unseres Heiligen Vaters
Pius XII.
24. Dezember 1947

(Offizielle italienische Fassung AAS 40 [1948] 8-18)

(Quelle: Herder-Korrespondenz, Herder Verlag, 2. Jahrgang 1947/48; Januar 1948, Viertes Heft, S. S. 179-183)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens. (Lk 2,14 EU)

Das Weihnachtsfest und das bevorstehende neue Jahr künden sich mit Warnungszeichen an, mit Richtung auf die Zukunft.

Die herkömmlichen Segenswünsche, die man bei diesem Anlass wechselt und die in einer Wolke von Weihrauch und Gebet zum Himmel emporsteigen, können und wollen trotz der Aufrichtigkeit und Innigkeit, von denen sie eingegeben sind, den Blick nicht verschleiern gegenüber der Lage der gegenwärtigen Stunde, einer Schicksalswende für Europa und die ganze Welt, deren Schwere unzweifelhaft, deren Entwicklung zum Guten oder Bösen unberechenbar ist, deren Folgen nicht abzusehen sind. Als Wir im vergangenen Jahr bei der gleichen Gelegenheit Unsere Weihnachtsbotschaft an alle Katholiken und zugleich an alle Menschen mit Einsicht und gutem Willen richteten, wer hätte da den Mut gehabt, der kriegsmüden und friedenshungrigen Menschheit das zu prophezeien, was heute harte und unleugbare Wirklichkeit ist? Die Weihnachtsglocken werden wieder zum Feste läuten wie seit Jahrhunderten; aber für viele verschlossene, verbitterte und verwirrte Herzen läuten sie ins Leere, wo sie kein lebendiges Echo mehr wecken.

Ein weiteres Nachkriegsjahr, angefüllt mit Elend und Leiden, mit Enttäuschungen und Entbehrungen ist abgelaufen. Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, muss vor folgender schmerzlichen und bedrückenden Tatsache haltmachen: Europa und die Welt bis zu dem fernen und gepeinigten China sind heute mehr als je fern von einem wahren Frieden, von einer vollen und durch, greifenden Heilung ihrer Schäden, von der Aufrichtung einer neuen Ordnung mit richtigen Verhältnissen, in Gleichmaß und Gerechtigkeit.

Die Anstifter der Verneinung und Zwietracht jubeln mit der ganzen Schar der Nutznießer, die sie hinter sich herziehen, bei dem Gedanken oder der Einbildung, dass ihre Stunde gekommen ist.

Den Friedensfreunden dagegen und den Begünstigern einer dauerhaften Völkerversöhnung schnürt es das Herz zusammen vor innerer Not angesichts des Zwiespalts zwischen dem seelischen und sozialen Reichtum der Frohbotschaft von Bethlehem und dem Elend einer Christus entfremdeten Welt.

Die wahren Christen jedoch, für die das ganze Leben, sein Licht und sein Wert im "sentire cum Ecclesia", im "Fühlen mit der Kirche" liegt, erkennen und verstehen besser als jeder andere den Sinn und Gehalt von Zeiten wie der unseren; Zeiten dichter Finsternis und ebenso strahlenden Lichtes, wo der Feind Christi einne erschütternd reiche Seelenernte hält, wo aber auch viele Gute besser werden; wo die hochgemuten Herzen sich bis zum Gipfel eines sieghaften Heldentums erheben, wo indes auch viel Laue und Kleinmütige, Sklaven der Menschenfurcht, aus Opferscheu der Mittelmäßigkeit verfallen und in Erbärmlichkeit verkommen, ähnlich jenen, die nicht Empörer waren - und nicht treu ihrem Gott, sondern für sich blieben im Streit (Dante, Hölle 3,38-39).

Wenn in dem titanenhaften Ringen der zwei entgegengesetzten Geister, die sich die Welt streitig machen, der Hass genügt, dass um den Geist des Bösen sich Menschen scharen, denen es nur darum zu tun ist, die einen von den anderen zu trennen - was vermöchte dann nicht die Liebe, um in einem weltweiten Bund alle jene zu einen, um die die Erhabenheit des Denkens, der Adel der Gesinnung, die Gemeinsamkeit der Leiden Bande geflochten haben, stärker und inniger als die abweichenden und auseinandergehenden Meinungen, die sie trennen könnten?

An die Millionen zu diesem Weltbund bereiten Menschen, einem Bund, dessen Grundgesetz die Botschaft von Bethlehem, dessen unsichtbares Haupt der in der Krippe erschienene Friedenskönig ist, richten wir in dieser Stunde Unsere von Herzen kommenden Worte der Ermahnung.

I.

Das Brandmal, das unsere Zeit an der Stirn trägt und das eine Ursache ist von Auflösung und Niedergang, ist die immer offener zutage tretende Tendenz zur "Unaufrichtigkeit", Mangel an Wahrhaftigkeit, nicht als gelegentliches Auskunftsmittel, als Ausweg, um sich in Fällen plötzlicher Schwierigkeiten oder unvorhergesehener Hindernisse aus der Verlegenheit zu helfen. Nein. Der Mangel an Wahrhaftigkeit erscheint gegenwärtig gleichsam zum System erhoben, zum Rang einer politischen Kampfmethode erhöht, in der die Lüge, die Tarnung der Worte und Taten und die Täuschung klassische Angriffswaffen geworden sind, die manche meisterhaft handhaben, stolz auf ihre Fertigkeit; so sehr ist das Vergessen auf jedes sittliche Empfinden in ihren Augen ein unerlässlicher Bestandteil der heutigen Technik geworden in der Kunst, die öffentliche Meinung zu bilden, zu leiten und dem Dienst ihrer Politik anzupassen, entschlossen wie sie sind, in den Kämpfen um wirtschaftliche Interessen, um Ideen und um die Vormacht auf alle Fälle den Sieg davonzutragen.

Es ist nicht Unsere Absicht, die von diesem Kampfspiel der "Unaufrichtigkeit" im öffentlichen Leben angerichteten Zerstörungen im einzelnen aufzuzeigen. Wir haben aber die Pflicht, den Katholiken der ganzen Welt - und auch allen, die mit Uns den Glauben an Christus und an einen überweltlichen Gott gemein haben - die Augen zu öffnen bezüglich der Gefahren, die von der Übermacht der Falschheit der Kirche, der christlichen Kultur, dem ganzen religiösen und auch rein menschlichen Erbe drohen, das seit zwei Jahrtausenden den Völkern die Substanz ihres Geisteslebens und ihrer wirklichen Größe gegeben hat.

Wie schon Herodes, darauf bedacht, das Kind von Bethlehem aus dem Weg zu räumen, sein Vorhaben hinter der Maske der Religiosität verbarg und aus den Weisen mit ihrem geraden Sinn nichtsahnende Spione zu machen versuchte, so setzen nunmehr seine heutigen Nachahmer alles daran, den Bevölkerungen ihre wahren Absichten zu verbergen und aus ihnen die unbewussten Werkzeuge ihrer Pläne zu formen.

Haben sie aber einmal die Macht erobert, so lassen sie, sobald sie merken, dass sie deren Zügel fest in der Hand halten, allmählich den Schleier fallen und gehen schrittweise von der Knebelung der menschlichen Würde und Freiheit über zur Unterdrückung jeder gesunden und unabhängigen religiösen Betätigung.

Nun fragen wir alle Rechtschaffenen: Wie kann die Menschheit gesunden; wie kann aus den Irrungen und Unruhen der gegenwärtigen trüben Stunde eine "Neue Ordnung" erstehen, die dieses Namens würdig wäre, wenn die Grenzen zwischen Freund und Feind, zwischen ja und nein, zwischen Glaube und Glaubenslosigkeit ausgetilgt oder verschoben werden?

Die Kirche, immer voll Liebe und Güte gegen den Menschen in den Verirrten, aber auch getreu den Worten ihres göttlichen Stifters, der erklärt: "Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich" (Matth. 12,30), kann nicht ihre Pflicht versäumen, den Irrtum aufzuzeigen, den "Lügenschmieden" (Job 13,3), die als Wölfe im Schafskleid, (vgl. Matth. 7, 15), als Vorläufer und Bahnbrecher einer neuen glücklichen Zeit auftreten, die Maske abzunehmen und ihre Gläubigen zu mahnen, sich nicht vom rechten Pfade abwendig machen und nicht von falschen Versprechungen täuschen zu lassen.

Unsere Stellungnahme zwischen den beiden entgegengesetzten Lagern ist frei von jedem Vorurteil, von jeder Bevorzugung des einen oder anderen Volkes, des einen oder anderen Völkerblocks, wie sie frei ist von jeglicher Erwägung rein irdischer Ordnung. Mit Christus oder gegen Christus sein: das ist die ganze Frage.

Ihr werdet daher wohl verstehen, wie schmerzvoll es für Uns ist, zu sehen, dass eine feindselige Propaganda Unsere Worte entstellt, die Gemüter erbittert, den friedlichen Austausch von Ideen verhindert und den Graben noch vertieft, der so viele durch das Blut und die Liebe des gleichen göttlichen Heilandes erlöste Seelen von Uns trennt. Auf dem Grund von alledem erkennt man immer dieselbe Doppelzüngigkeit, gewollt und kaltblütig angewandt als die wirksamste Waffe gegen die Gerechtigkeit und Wahrheit, um die Wiederannäherung, die Versöhnung und den Frieden zu verhindern.

Die unvermeidliche Folge einer solchen Lage der Dinge ist die Zerreißung der Menschheit in mächtige und einander entgegenstehende Gruppen, deren oberstes Gesetz für Leben und Handeln ein tiefeingewurzeltes und unüberwindliches Misstrauen ist, ein Misstrauen, das gleichzeitig den verhängnisvollen Widersinn und den Fluch unserer Zeit bildet.

Eine jede der feindlichen Parteien glaubt sich zu diesem Misstrauen verpflichtet wie zu einer notwendigen, selbstverständlichen Sicherung. So türmt sich zwangsweise ein gewaltiges Mauerwerk auf und vereitelt jegliches Bemühen, der in Verwirrung gebrachten menschlichen Familie die Wohltaten eines wahren Friedens wieder zukommen zu lassen.

Haben wir vielleicht nicht auch im Verlauf der letzten Wochen die Wirkungen dieses gegenseitigen Misstrallens mit Händen greifen müssen, wo wir eine so bedeutsame Konferenz der Großmächte zu Ende gehen sahen, ohne dass sie jene wesentlichen und endgültigen Fortschritte zum Frieden gemacht hätte, die man sehnlichst von ihr erwartete?

Um herauszukommen aus dieser Enge, in die der Kult der "Unaufrichtigkeit" die Welt geführt hat, ist nur ein Ausweg möglich: die Rückkehr zum Geist und zur Praxis einer gradlinigen Wahrhaftigkeit.

Es hat heute keiner - welchem Lager oder welcher sozialen oder politischen Partei er immer angehören mag -, der beabsichtigt, auf der Schicksalswaage der Völker für die Gegenwart oder die Zukunft das Gewicht seiner Überzeugungen und seiner Handlungen zum Ausschlag zu bringen, das Recht, sein Gesicht zu maskieren und als das erscheinen zu wollen, was er nicht ist, zur Strategie der Lüge, des Zwangs, der Drohung zu greifen, um die rechtschaffenen Bürger aller Länder in der Handhabung ihrer rechtmäßigen Freiheit und in der Ausübung ihrer bürgerlichen Rechte zu beschränken.

Deshalb sagen Wir euch, geliebte Söhne und Töchter: Morgen werden wir die Geburt dessen feiern, von dessen Lippen eines Tages der Ruf erging: "Veritas liberabit vos" (Joh. 8, 32); die Wahrheit (das ist seine Lehre) wird euch frei machen! Niemals vielleicht hat dieser Ruf mächtigeren Widerhall gefunden als heute in einer nach Frieden hungrigen Welt, die das Joch der Lüge auf sich lasten fühlt.

Und Ihm, der Mensch geworden ist, um allen "Weg, Wahrheit und Leben" zu sein, antworte das flehentliche Gebet der ganzen Christenheit, damit die Wahrheit wieder den Weg finde zum Herzen der Lenker der Völker, deren Ja oder Nein das Schicksal der Welt bestimmen kann, und damit auf der Erde mit der Wahrheit nicht eine trügerische Fata Morgana aufleuchte, sondern der helle Stern des göttlichen Friedens von Bethlehem.

II.

Jene, die unbedingt den Krieg gewinnen wollten, waren bereit zu allen Opfern, auch zu dem des Lebens. Wer ernsthaft den Frieden gewinnen will, muss zu nicht minder großmütigen Opfern bereit sein, denn für eine zerschlagene, verbitterte Menschheit ist nichts so schwer, wie auf Vergeltung und unversöhnlichen Groll zu verzichten.

Die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, begangen von denen, die den zweiten Weltkrieg entfesselten, riefen ganze Fluten gerechter Entrüstung wach, gleichzeitig aber ließen sie die Keime eines naturhaften Triebes zur Rache reifen.

Der gesündere Teil der Menschheit - auch in den im Konflikt stärker belasteten Nationen - verurteilte einmütig die Ausschreitungen und Grausamkeiten, die, eine dem sittlichen Nihilismus verfallene Politik nicht nur in dem von ihr selbst hervorgerufenen Krieg beging, sondern auch theoretisch zu rechtfertigen sich unterstand. Die diesbezüglich ans Licht gekommenen Tatsachen und Dokumente haben nur bestätigen können, dass die Urheber und Handhaber jener Politik die Hauptverantwortlichen sind für das Elend, an dem die Welt heute leidet.

Die Männer der Nachkriegszeit hätten jenem Verfall leicht die eigene sittliche Überlegenheit entgegenstellen können; sie haben sich leider in nicht wenigen Fällen eine so günstige Gelegenheit entgehen lassen. Man muss gestehen, dass die Geschichte der Menschheit in den auf das Ende des Krieges gefolgten Tagen, Wochen und Monaten nichts weniger als in allem ruhmreich war. Die den Hauptschuldigen auferlegten verdienten Strafen hätten der Feder eines Dante Höllenblider entlocken können; aber der große Dichter wäre den an Schulden verübten Vergeltungsmaßnahmen nicht gewachsen gewesen,

Die zwangsweisen Deportationen, die Nötigung zu Schwerarbeit galten damals als eine Herausforderung der elementarsten Gesetze der Menschheit, des Buchstabens wie des Geistes des Völkerrechts. Wen könnte es dann wundernehmen, wenn dasselbe Gewissen, das sich berechtigt entrüstet hatte, aIs es derartige Handlungen von den einen vollziehen sah, in gleicher Weise empfindet, wenn es sie von den anderen begehen sieht?

Wer vermöchte zu ermessen, welch neues Elend sittlicher wie sozialer Art und in der Familie, welchen Schaden für das kulturelle und wirtschaftliche Gleichgewicht Europas und nicht nur Europas, die zwangsweisen und unterschiedslosen Umsiedlungen der Bevölkerungen verursachen werden? Welche Bitternisse für die Gegenwart! Welche Besorgnis, denkt man an die Zukunft! Nur eine umfassendere Weite des Blickes, eine weisere und umsichtigere Politik vonseiten jener Männer, die das Schicksal der Welt in ihren Händen tragen, werden für ein sonst unlösbares Problem eine erträgliche Lösung bringen können,

Ehre also jenen, die, in allen Nationen, keine Entbehrung und Mühe scheuen, um die Erreichung eines so edlen Zieles zu beschleunigen! Sie mögen sich nicht von Einwendungen und Widerständen beinen lassen, die werden ihnen nicht fehlen und scheinen gerade in diesen Tagen an Stärke zuzunehmen, um einen neuen Nervenkrieg heraufzubeschwören, die Zwietracht zu schüren und die Anstrengungen der Vorkämpfer für Einheit und Befriedung zunichte zu machen! Sie mögen die Hoffnung hegen, dass die Stunde ganz nahe ist, in der - wie wir vertrauen und in Unseren Gebeten erflehen - der König des Friedens jenen den Sieg verleihen wird, die in reiner Absicht und mit friedlichen Waffen für seine Sache kämpfen.


III.

Die Menschheit wird also aus der gegenwärtigen Krise und Hoffnungslosigkeit nicht herausfinden können, um den Weg in eine friedlichere Zukunft einzuschlagen, wenn sie nicht die Kräfte der Spaltung und Zwietracht eindämmt und bezwingt kraft eines aufrichtigen Geistes der Brüderlichkeit, der in gleicher Liebe alle Klassen, Rassen und Nationen umfasse.

Wenn Wir heute, am Heiligen Abend, einen derartigen Aufruf an die ganze Welt richten, so tun Wir es, weil Wir diesen Brudergeist Gefahr laufen sehen zu erlöschen und abzusterben; Wir sehen, wie die selbstsüchtigen Leidenschaften die Oberhand gewinnen über die gesunde Vernunft, die harten Methoden der Unterdrückung und Gewalt über wohlmeinendes Verstehen und gegenseitige Rücksichtnahme, verächtliche Unbekümmertheit um die daraus sich ergebenden Schäden über die anhaltende Sorge für das öffentliche Wohl.

Die Kirche, deren mütterliches Herz alle Völker mit gleicher Besorgtheit umfasst, verfolgt mit banger Sorge diese Entwicklung in den nationalen und internationalen Konflikten.

Wenn der Glaube an Gott, den Vater aller Menschen, zu schwinden beginnt, verliert auch der Geist brüderlicher Einheit seine sittliche Grundlage und seine Einigungskraft; und wenn der Sinn für eine von Gott gewollte Gemeinschaft, die durch bestimmte Normen geregelte gegenseitige Rechte und Pflichten einschließt, abzusterben beginnt, tritt an deren Stelle eine krankhafte Überempfindlichkeit für das Trennende, eine instinktive Neigung zu übertriebener Behauptung der eigenen wahren oder vermeintlichen Rechte, eine manchmal unbewusste, aber deshalb nicht weniger gefährliche Vernachlässigung der Lebensnotwendigkeiten der anderen.

Dann ist der Weg offen zum Kampf aller gegen alle, einem Kampf, der nur das Recht des Stärkeren kennt. Unsere Zeit hat nur zu schmerzliche Beispiele von Bruderkriegen gegeben, die mit unerbittlicher Logik aus dem Absinken des Brudergeistes entstanden sind, Sogar das Land, das den Engelsgesang vernommen hatte, der den Menschen den Frieden verkündete, das den Stern des Erlösers hatte auferstrahlen sehen, wo der göttliche Heiland zu unserer Rettung am Kreuze starb, jenes Heilige Land mit seinen jedem Christenherzen überaus teuren Erinnerungen und heiligen Stätten, ist, nunmehr zerrissen, der Schauplatz blutiger Kämpfe geworden. Und ist nicht vielleicht Europa selbst, der Mittelpunkt der großen katholischen Familie heute ein Mahnzeichen und ein Beispiel für den Zustand, in den das Schwinden des Brudergeistes einen ehemals so schönen und blühenden Teil der Welt zu bringen vermag?

Es trägt an sich, noch nicht vernarbt, die im letzten Krieg erhaltenen Wunden, und schon beginnt das unheimliche Licht neuer Konflikte wetterleuchtend aufzublitzen.

Wenn doch alle Rechtschaffenen sich zusammenschließen wollten, wie nahe wäre der Sieg der menschlichen Brüderlichkeit und damit zugleich die Wiedergenesung der Welt! Sie bilden bereits einen beträchtlichen Teil der öffentlichen Meinung und liefern den Beweis wahrhaft menschlichen Empfindens und auch politischer Weisheit. Andere dagegen, nicht weniger zahlreich, deren Ja oder Nein einen bedeutenden Einfluss auf die Beschleunigung oder Verzögerung der Befriedung Europas hat - erste Bedingung für weitere Schritte zur allgemeinen Befriedung - verfolgen den entgegengesetzten Weg. Fürchten sie wohl, dass ein wiedergenesenes, wiedererstarktes, seiner Sendung sich neubewußtes christlich eingestelltes Europa aus seinem Organismus die Giftkeime der Gottlosigkeit und Auflehnung ausstoßen, ein eigenes, von ungesunden ausländischen Einflüssen freies Leben führen wolle?

Es ist freilich klar, dass ein von den Fieberschauern wirtschaftlicher Schwierigkeiten und sozialer Wirren geschütteltes Europa sich leichter von den Illusionen eines nicht zu verwirklichenden Idealstaates verführen ließe, als ein gesundes und klarblickendes Europa.

Inzwischen bemühen sich die Verbreiter solch trügerischer Pläne, unter den Überspannten und Einfältigen Anhänger zu gewinnen, um auch ihre Völker auf den Weg in den Untergang zu ziehen, den andere bereits durchlaufen haben, weniger aus eigener Wahl, denn unter der systematischen Unterdrückung der bürgerlichen und religösen Freiheit.

Sahen wir nicht etwa auf dem geheiligten Boden der Ewigen Stadt, wo der göttliche Wille den Lehrstuhl Petri aufgerichtet hat, die Boten einer auf Unglauben und Gewalt fußenden Weltanschauung und menschlichen Gesellschaftsauffassung Unkraut in die Erde Roms säen und sich bemühen, seine Söhne zu überzeugen, dass sie eine neue Kultur erdacht und ins Werk gesetzt haben, eine menschenunwürdigere als die alte und ewig junge christliche Kultur?

Wo die Dinge soweit gekommen sind, ist es wirklich an der Zeit, dass jeder, dem die menschliche und geistige Erbschaft seiner Väter teuer und heilig ist, den Schlaf aus den Augen schüttle und die Waffen des Glaubens und Mutes ergreife, um zu verhindern, dass die Ewige Stadt, die Mutter der Kultur, einer religiösen, sittlichen und sozialen Lage verfalle, die zu Unserem größten Bedauern die feierliche Abhaltung des nunmehr nahen Heiligen Jahres, das die Katholiken der ganzen Welt erhoffen, sehr erschweren würde.

Wenn übrigens bei der heutigen Feier Unsere klaren Worte über die Grenzen hinüber dringen, so gehen sie nur auf den Glauben an Gott und Christus verneinenden Lehren und keineswegs auf die Völker oder Gruppen von Völkern, die deren Opfer sind. Für diese hegt die Kirche stets unwandelbare Liebe, ja um so zärtlichere, je mehr sie leiden: Mehr als in den Stunden des Glücks sollen die Menschen aller Nationen sich in den Tagen der Prüfung als Brüder fühlen - jener Brüderschaft, deren tiefen Sinn, hohe Sendung und versöhnende Macht niemand je mit solcher Kraft gepriesen hat, noch preisen wird, wie "der Erstgeborene unter den Brüdern" (Röm, 8,29), der von Bethlehem bis Golgatha mehr durch sein Beispiel als durch seine Worte die große und allgemeine Brüderlichkeit gepredigt hat.

Über der heutigen Weihnacht zieht sich eine dunkle Wolke zusammen. Während der brennende Wunsch nach Frieden in den Völkern immer stärker wird, zeigt sich in nicht geringerem Grade bei ihren Lenkern die Unmöglichkeit, diesen Wunsch mit rein irdischen Mitteln zu befriedigen.

Rufen die ehrlichen Bemühungen der einen, einen gerechten Frieden zu schaffen, und der systematische Plan der andern, sein Kommen zu verhindern, nicht etwa das Bild eines gefährlichen Glückspiels in uns wach, von dem Gedeih oder Verderb abhängen?

In die Tagungen der Menschen mischt sich unbeobachtet der Geist des Bösen ein, "der Engel des Abgrunds" (Offb 9. 11), der Feind der Wahrheit, der Schürer des Hasses, der Verneiner und Zerstörer jeglicher Brudergesinnung. Vermeinend, dass seine Stunde nahe sei, setzt er alles ins Werk, um ihr Kommen zu beschleunigen.

Dessen ungeachtet wollen Wir Unsere Weihnachtsbotschaft beschließen mit einer unbezwingbaren Ermunterung zu Hoffnung und Vertrauen.

Wenn der Glaube an den göttlichen Erlöser die Christen veranlasst, alle Dinge im Lichte der ewig alten und ewig jungen Wahrheit zu sehen, die aus den Worten des greisen Simeon bei der Darstellung des Jesuskindes im Tempel spricht: "Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zur Auferstehung vieler", und zum Zeichen des Widerspruchs" (Lk, 2, 34), so wissen wir, dass die Zahl derer, die sich nicht durch Unglauben Christus entfremden, die ihm anhangen, die bereit sind, für ihn das Leben zu opfern, die auf ihn und die Auferstehung ihre unerschütterliche Hoffnung setzen - dass ihre Zahl groß ist, dass sie wächst und sich verstärkt. Wir sehen, dass sie ihre Kraft und ihren wohltuenden Einfluss auf alle Lebensgebiete ausstrahlen lassen und dass andere Menschen guten Willens sich ihnen anschließen.

Euch allen also, geliebte Söhne und Töchter, rufen Wir zu: Eure Stunde ist gekommen!

Auf den Tagungen der Staatsmänner führt ein anderer unsichtbarer Geist als souveräner Herr den Vorsitz, der allmächtige Gott, dessen Blick nichts entgeht, der die Gedanken und Herzen in seinen Händen hält, um sie nach seinem Wohlgefallen und zu der von ihm bestimmten Stunde zu beugen, jener Gott, dessen allerforschliche Ratschlüsse alle von seiner Vaterliebe eingegeben sind. Um sie jedoch zur Wirkung zu bringen, will Er sich eurer Mitarbeit bedienen, In den Tagen des Kampfes ist euer Platz in vorderster Reihe, in der Kampffront. Die Furchtsamen und die sich drücken sind ganz nahe daran, Überläufer und Verräter zu werden.

Überläufer und Verräter wäre jeder, der seine materielle Mitarbeit, seine Dienste, seine Fähigkeiten, seine Hilfe, seine Stimme Parteien und Mächten leihen wollte, die Gott leugnen, Gewalt an Stelle des Rechts, Drohung und Terror an Stelle der Freiheit setzen, die aus der Lüge, dem Zwist, dem Aufruhr der Massen ebenso viele Waffen für ihre Politik schmieden, den inneren und äußeren Frieden unmöglich machen.,

Gehen wir drei Jahrhunderte zurück. Dem durch den Dreißigjährigen Krieg erschütterten Europa brachte endlich das Jahr 1648 die Friedensbotschaft, das Morgenrot des Wiederaufbaus.

Betet und arbeitet, um von Gott zu erlangen, dass das Jahr 1948 dem todwunden Europa, den von Zwietracht zerfleischten Völkern das Jahr der Wiedergeburt und des Friedens werde, und dass nach Vertreibung des Geistes der Finsternis, des Engels des Abgrundes, über der Welt die Sonne der Gerechtigkeit aufgehe, Jesus Christus unser Herr, dem Ehre und Ruhm sei in, Zeit und Ewigkeit. -

Und nun gehe als Zeichen von Gnade und göttlicher Hilfe Unser Apostolischer Segen zu allen Unseren geliebten Söhnen und Töchtern sowohl in dieser Unserer Bischofsstadt wie in der ganzen Welt, vor allem zu denen, die von der Last des Elends und des Leids härter betroffen sind, zu den Kranken, Armen, Arbeits- und Obdachlosen, zu allen Hungernden und Frierenden, zu jenen, die durch die tragischen Schicksalsschläge des grausamen Konflikts, durch Unrecht vonseiten der Menschen oder auch durch eigene Verirrung und Schuld in der Vergangenheit - Freiheit, Familie und Heimat verloren haben und in dieser heiligen Weihnachtswiederkehr fühlbarer von Mutlosigkeit und Angst gequält werden; es gehe unser Segen zu den Kriegsgefangenen, die ihren Lieben noch nicht wiedergegeben sind, zu den Flüchtlingen und Verschollenen; in besonderer Weise zu allen, vornehmlich den Priestern, die um der Treue zu Gott, Christus, der Kirche und ihrer Pflichterfüllung willen unter Verfolgung, Kerker, Verbannung, Marter- und Todesdrohungen leiden.

Pius XI. PP.
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