Kreuzweg am Kolosseum 2010

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Der Kreuzweg am Kolosseum wurde unter dem Vorsitz von Papst Benedikt XVI. am Karfreitag dem 2. April 2010 meditiert bzw. gebetet. Der Kreuzweg wurde von Kardinal Camillo Ruini, dem Generalvikar Emeritus Seiner Heiligkeit für die Diözese Rom verfasst.

(Quelle: Vorstellung auf der Vatikanseite, Text der Meditationen auf der Vatikanseite; Video auf Kathtube).

Inhaltsverzeichnis

EINFÜHRUNG

GESANG

V. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi,

quia per Crucem tuam redemisti mundum.

1. Per lignum servi facti sumus, et per sanctam Crucem liberati sumus. R.

2. Fructus arboris seduxit nos, Filius Dei redemit nos. R.

BETRACHTUNG

Als der Apostel Philippus ihn bat: „Herr, zeig uns den Vater“, antwortete Jesus: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt …? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14, 8-9). Vergessen wir diese Worte nicht, wenn wir heute abend Jesus in Gedanken begleiten, der unter dem Kreuz vorangeht. Auch wenn er das Kreuz trägt, auch wenn er am Kreuz stirbt, ist Jesus der Sohn, der eins ist mit Gott Vater. Wenn wir sein durch Schläge, Anstrengung und inneres Leiden verunstaltetes Antlitz betrachten, sehen wir das Antlitz des Vaters. Ja, gerade in diesem Augenblick wird die Herrlichkeit Gottes, sein für jedes menschliche Auge zu starkes Licht, eher sichtbar auf dem Antlitz Jesu. Hier, in dieser elenden Gestalt, den Pilatus den Juden mit den Worten „Seht, da ist der Mensch!“ vorgeführt hat (vgl. Joh 19, 5), in der Hoffnung, sie zum Erbarmen zu bewegen, offenbart sich die wahre Größe Gottes, jene geheimnisvolle Größe, die kein Mensch sich vorstellen konnte.

Doch im gekreuzigten Jesus zeigt sich auch eine andere Größe, unsere Größe, die Größe, die jedem Menschen eigen ist, einfach deswegen, weil er ein menschliches Antlitz und ein menschliches Herz besitzt. Der heilige Antonius von Padua schreibt: „Christus, der dein Leben ist, hängt vor dir, damit du auf das Kreuz wie in einen Spiegel schaust … Wenn du ihn ansiehst, kannst du gewahr werden, wie groß deine Würde, dein Wert ist … Nirgendwo anders kann der Mensch sich seines Wertes besser bewußt werden, als wenn er sich im Spiegel des Kreuzes betrachtet“ (Sermones Dominicales et Festivi III, pp. 213-214). Ja, Jesus, der Sohn Gottes, ist für dich, für mich, für einen jeden von uns gestorben, und damit hat er uns den konkreten Beweis dafür geliefert, wie groß und kostbar wir in den Augen Gottes sind – den einzigen Augen, die allen Anschein überwinden und die Wirklichkeit der Dinge bis auf ihren Grund durchschauen.

Gehen wir den Kreuzweg mit, und bitten wir Gott, daß er auch uns diesen Blick der Wahrheit und der Liebe gebe, um vereint mit ihm, frei und gut zu werden.

Der Heilige Vater:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

R. Amen.

Der Heilige Vater:

Laßt uns beten.

Kurzes Schweigen.

Herr, Gott allmächtiger Vater, du weißt alles, du siehst das enorme Verlangen nach dir, das sich in unserem Herzen verbirgt. Schenke jedem von uns die Demut, dieses Verlangen einzugestehen. Befreie unseren Intellekt von dem irrigen und etwas lächerlichen Anspruch, das Geheimnis, das uns von allen Seiten umgibt, beherrschen zu können. Befreie unseren Willen von der ebenso einfältigen und haltlosen Anmaßung, unser Glück und den Sinn unseres Lebens selber schaffen zu können. Gib unserem inneren Auge eine klaren Blick und Wahrhaftigkeit, damit es ohne Heuchelei das Böse erkennt, das in uns steckt. Aber schenke uns auch im Licht des Kreuzes und der Auferstehung deines einzigen Sohnes die Gewißheit, daß auch wir, vereint mit ihm und von ihm gestützt, das Böse durch das Gute überwinden können. Herr Jesus, hilf uns, in dieser Gesinnung deinem Kreuz zu folgen.

R. Amen.

ERSTE STATION: Jesus wird zum Tode verurteilt

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. 19, 6-7. 12. 16

Als die Hohenpriester und ihre Diener Jesus sahen, schrien sie: „Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm!“ Pilatus sagte zu ihnen: „Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.“ Die Juden entgegneten ihm: „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muß er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat.“ … Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: „Wenn du ihn freiläßt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf.“ … Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.

BETRACHTUNG

Warum wurde Jesus zum Tod verurteilt, er, der „umherzog und Gutes tat“ (Apg 10, 38)? Diese Frage wird uns auf dem Kreuzweg begleiten wie sie uns unser ganzes Leben hindurch begleitet.

In den Evangelien finden wir eine wahre Antwort: Die Anführer der Juden wollten seinen Tod, weil sie begriffen haben, daß Jesus von sich als dem Sohn Gottes sprach. Und wir finden auch eine Antwort, die die Juden als Vorwand benutzten, um von Pilatus seine Verurteilung zu erhalten: Jesus habe behauptet, ein König dieser Welt, der König der Juden zu sein.

Aber hinter diesen Antworten tut sich ein Abgrund auf, für den die Evangelien selbst und die ganze Heilige Schrift uns die Augen öffnen: Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Und noch tiefer gesehen, ist er für uns gestorben; er ist gestorben, weil Gott uns liebt – so sehr liebt, daß er seinen eingeborenen Sohn hingegeben hat, damit wir durch ihn das Leben haben (vgl. Joh 3, 16-17).

Auf uns selbst müssen wir also schauen: auf das Böse und die Sünde, die in uns wohnen und von denen wir allzu oft vorgeben, sie nicht zu kennen. Aber mehr noch müssen wir unseren Blick auf Gott richten, der reich an Barmherzigkeit ist und uns Freunde genannt hat (vgl. Joh 15, 15). So wird der Kreuzweg und der ganze Lebensweg ein Weg der Reue, des Schmerzes und der Umkehr, aber auch ein Weg der Dankbarkeit, des Glaubens und der Freude.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis: sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Stabat Mater dolorosa, iuxta crucem lacrimosa, dum pendebat Filius.

ZWEITE STATION: Jesus nimmt das Kreuz auf sich

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus. 27, 27-31

Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: »Heil dir, König der Juden!« Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. 19, 17

Jesus trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt.

BETRACHTUNG

Nach der Verurteilung kommt die Demütigung. Was die Soldaten Jesus antun, erscheint uns unmenschlich. Aber sicher ist es unmenschlich! Es sind Gesten der Verhöhnung und Verachtung, Ausdruck einer tiefen Grausamkeit, unbekümmert um das auch körperliche Leiden, das ohne Grund einem Menschen zugefügt wird, der ohnehin schon zur entsetzlichen Hinrichtung am Kreuz verurteilt worden ist. Und doch ist dieses Verhalten der Soldaten traurigerweise auch allzu menschlich. Tausend Seiten der Menschheitsgeschichte und der täglichen Nachrichten bestätigen, daß derartige Handlungen dem Menschen keineswegs fremd sind. Der Apostel Paulus hat dieses Paradox klar dargestellt: „Ich weiß, daß in mir, in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt: … Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will“ (Röm 7, 18-19).

Genauso ist es: In unserem Gewissen ist das Licht des Guten entzündet, ein Licht, das in vielen Fällen sichtbar wird und von dem wir uns glücklicherweise in unseren Entscheidungen leiten lassen. Doch oft geschieht das Gegenteil: Dieses Licht wird verdunkelt durch Groll, durch schändliche Begierden, durch Perversion des Herzens. Und dann werden wir grausam, zu Schlimmstem fähig, sogar zu Unvorstellbarem.

Herr Jesus, auch ich bin unter denen, die dich verlacht und geschlagen haben. Denn du hast gesagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (vgl. Mt 25, 40). Jesus, Herr, verzeihe mir!

Alle:

Pater noster, qui es in caelis: sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Cuius animam gementem, contristatam et dolentem pertransivit gladius.

DRITTE STATION: Jesus fällt zum ersten Male unter dem Kreuz

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem Buch Jesaja. 53, 4-6

Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.

BETRACHTUNG

Die Evangelien berichten uns nicht, daß Jesus unter dem Kreuz gefallen sei, doch diese alte Überlieferung ist höchst wahrscheinlich. Erinnern wir uns nur daran, daß Jesus, bevor ihm das Kreuz aufgeladen wurde, auf Befehl von Pilatus gegeißelt worden war. Nach allem, was ihm seit der Nacht am Ölberg zugestoßen war, mußten seine Kräfte praktisch erschöpft sein.

Bevor wir auf die tieferen, inneren Aspekte der Passion Jesu eingehen, wollen wir uns nur des physischen Schmerzes bewußt werden, den er ertragen mußte. Ungeheure, schreckliche Schmerzen, bis zum letzten Atemzug am Kreuz, Schmerzen, die unweigerlich Angst einflößen müssen.

Mit unseren heutigen Techniken und Methoden, mit Anästhesien und den anderen Schmerztherapien ist das physische Leiden am einfachsten zu überwinden oder zumindest zu lindern, auch wenn aus vielen natürlichen oder vom Verhalten des Menschen abhängigen Gründen eine riesige Menge physischer Leiden in der Welt fortbesteht.

Jesus hat sich jedenfalls dem physischen Schmerz nicht verweigert und sich so mit der Menschheitsfamilie solidarisiert, besonders mit jenem Großteil der Menschen, deren Leben auch heute von dieser Form des Schmerzes gezeichnet ist. Während wir Jesus unter dem Kreuz stürzen sehen, erbitten wir von ihm demütig den Mut, die allzu engen Räume unseres Herzens durch eine Solidarität zu weiten, die nicht nur aus Worten besteht.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis: sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

O quam tristis et afflicta fuit illa benedicta mater Unigeniti

VIERTE STATION: Jesus begegnet seiner Mutter

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. 19, 25-27

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Dann sagte er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

BETRACHTUNG

In den Evangelien wird nicht direkt von einer Begegnung Jesu mit seiner Mutter während des Kreuzweges berichtet, aber von der Anwesenheit Marias unter dem Kreuz. Und hier wendet sich Jesus an sie und an den Lieblingsjünger, den Evangelisten Johannes. Jesu Worte haben einen unmittelbaren Sinn: Maria dem Johannes anzuvertrauen, damit er sich um sie kümmere. Und sie haben einen sehr viel umfassenderen und tieferen Sinn: Unter dem Kreuz wird Maria ein zweites Ja abverlangt, nach dem Ja der Verkündigung, mit dem sie zur Mutter Jesu wurde und so die Tür zu unserem Heil öffnete.

Mit diesem zweiten Ja wird Maria Mutter von uns allen, von jedem Mann und jeder Frau, für die Jesus sein Blut vergossen hat. Eine Mutterschaft, die ein lebendiges Zeichen der Liebe und Barmherzigkeit ist, die Gott für uns hegt. Darum ist das christliche Volk in Liebe und Vertrauen so tief und fest mit Maria verbunden, darum wenden wir uns spontan an sie, vor allem in den schwierigsten Lebenslagen.

Maria jedoch hat diese ihre universale Mutterschaft teuer bezahlt. Wie Simeon im Tempel zu Jerusalem über sie geweissagt hat: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2, 35).

Maria, Mutter Jesu und unsere Mutter, hilf uns, heute abend und immer in unserer Seele jenes von Liebe erfüllte Leid zu verspüren, das dich mit dem Kreuz deines Sohnes verbunden hat.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis: sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Quae maerebat et dolebat pia mater, cum videbat Nati poenas incliti.

FÜNFTE STATION: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas. 23, 26

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.

BETRACHTUNG

Jesus mußte wirklich erschöpft sein, und so finden die Soldaten Abhilfe, indem sie den ersten Unglückseligen, den sie treffen, ergreifen und ihm das Kreuz aufladen. Auch im Alltagsleben bricht das Kreuz unter vielen verschiedenen Formen – von einer Krankheit bis zu einem schweren Unfall, zum Verlust eines geliebten Menschen oder der Arbeit – oft ganz plötzlich über uns herein. Und wir sehen in ihm nur ein Mißgeschick oder in den schlimmsten Fällen ein Unglück.

Jesus aber hat zu seinen Jüngern gesagt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16, 24). Das sind keine einfachen Worte; im Gegenteil, im konkreten Leben sind es die schwierigsten Worte des Evangeliums. Unser ganzes Sein, alles, was in uns ist, lehnt sich gegen solche Worte auf.

Doch Jesus fährt fort und sagt: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“ (Mt 16, 25). Halten wir einen Moment inne bei diesem „um meinetwillen“: Darin liegt der ganze Anspruch Jesu, das Bewußtsein, das er von sich selber hatte, und die Forderung, die er an uns richtet. Er steht im Zentrum von allem, er ist der Sohn Gottes, der eins ist mit Gott Vater (vgl. Joh 10, 30), er ist unser einziger Retter (vgl. Apg 4, 12).

Tatsächlich erweist sich das, was anfangs nur als ein Mißgeschick oder ein Unglück erschien, nicht selten später als eine Tür, die sich in unserem Leben geöffnet hat und uns ein größeres Gut eingebracht hat. Doch nicht immer ist es so: Oftmals bleiben in dieser Welt die Unglücksfälle nur ein schmerzlicher Verlust. Dazu hat Jesus uns wiederum etwas zu sagen. Oder besser, es ist etwas mit ihm geschehen: Nach dem Kreuz ist er von den Toten auferstanden, und er ist auferstanden als der Erstgeborene von vielen Brüdern (vgl. Röm 8, 29; 1 Kor 15, 20). Ja, sein Kreuz kann nicht von seiner Auferstehung getrennt werden. Allein im Glauben an die Auferstehung können wir den Kreuzweg sinnvoll gehen.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis: sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Quis est homo qui non fleret, matrem Christi si videret in tanto supplicio?

SECHSTE STATION: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem Buch des Propheten Jesaja. 53, 2-3

Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so daß wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, daß wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.

BETRACHTUNG

Als Veronika das Antlitz Jesu mit einem Tuch abtrocknete, konnte dieses Antlitz sicher nicht anziehend sein: es war ein entstelltes Gesicht. Doch dieses Gesicht konnte einen nicht gleichgültig lassen, dieses Gesicht rüttelte auf. Es konnte Spott und Verachtung provozieren, aber auch Mitleid und sogar Liebe wecken, den Wunsch, zu helfen. Veronika ist das Symbol dieser Gefühle.

So entstellt es auch sein mag, bleibt das Gesicht Jesu doch immer das Antlitz des Sohnes Gottes. Es ist ein von uns entstelltes Gesicht, von der Unmenge menschlicher Niedertracht. Doch es ist auch ein für uns entstelltes Gesicht, das die Liebe und Hingabe Jesu ausdrückt und ein Spiegel der unendlichen Barmherzigkeit Gottes des Vaters ist.

Im leidenden Antlitz Jesu sehen wir außerdem noch eine andere riesige Menge, die der menschlichen Leiden. Und so wird die Geste der Veronika für uns eine Provokation, ein dringender Aufruf: Sie wird zur sanften aber zwingenden Aufforderung, uns nicht abzuwenden, auch selbst auf die zu schauen, die leiden, auf Nahe und Ferne. Und nicht nur zu schauen, sondern zu helfen. Der Kreuzweg dieses Abends wird nicht vergebens gewesen sein, wenn er uns zu konkreten Taten der Liebe und der aktiven Solidarität bewegt.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis: sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Quis non posset contristari, piam matrem contemplari dolentem cum Filio?

SIEBTE STATION: Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuz

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem Buch der Psalmen. 41, 6-10

Meine Feinde reden böse über mich: „Wann stirbt er endlich und wann vergeht sein Name?“ Besucht mich jemand, so kommen seine Worte aus falschem Herzen. Er häuft in sich Bosheit an, dann geht er hinaus und redet. Im Haß gegen mich sind sich alle einig; sie tuscheln über mich und sinnen auf Unheil: „Verderben hat sich über ihn ergossen; wer einmal daliegt, steht nicht mehr auf.“ Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat gegen mich geprahlt.

BETRACHTUNG

Jesus fällt erneut unter dem Kreuz. Natürlich war er physisch erschöpft, aber er war auch tödlich verletzt in seinem Herzen. Schwer lag auf ihm die Ablehnung derer, die sich von Anfang an hartnäckig seiner Mission widersetzt hatten. Es bedrückte ihn die Ablehnung, die ihm zuletzt jenes Volk entgegengebracht hatte, das voller Bewunderung und auch Begeisterung für ihn gewesen zu sein schien. Darum hatte Jesus beim Anblick der Heiligen Stadt, die er so sehr liebte, ausgerufen: „Jerusalem, Jerusalem, … Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt!“ (Mt 23, 37). Schrecklich lastete auf ihm der Verrat des Judas, das Verlassenwerden von seinen Jüngern im Moment der äußersten Prüfung, und besonders lastete auf ihm die dreifache Verleugnung durch Petrus.

Wir wissen sehr wohl, daß auch die unzählige Menge unserer Sünden ihn belastete, die Masse der Schuld, welche die Jahrtausende hindurch das menschliche Treiben begleitet.

Darum bitten wir Gott in Demut aber auch voll Vertrauen: Vater, reich an Barmherzigkeit, hilf uns, das Kreuz Jesu nicht noch schwerer zu machen. Denn es ist so, wie Johannes Paul II., der heute vor fünf Jahren gestorben ist, geschrieben hat: „daß das Böse, dessen Urheber und Opfer der Mensch ist, an eine ihm gesetzte Grenze stößt und daß diese Grenze letztendlich die göttliche Barmherzigkeit ist“ (Erinnerung und Identität, S. 75).

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Pro peccatis suae gentis vidit Iesum in tormentis et flagellis subditum.

ACHTE STATION: Jesus begegnet den Frauen von Jerusalem

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L/. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem Evangelium nach Lukas. 23, 27-29.31

Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: „Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben… Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?“

BETRACHTUNG

Es ist also Jesus, der Mitleid mit den Frauen von Jerusalem und mit uns allen hat. Sogar während er das Kreuz trägt, bleibt Jesus der Mensch, der Mitleid mit der Menge hat (vgl. Mk 8, 2), der vor dem Grab des Lazarus in Weinen ausbricht (vgl. Joh 11, 35), der die Weinenden selig preist, denn sie werden getröstet werden (vgl. Mt 5, 4).

Gerade so erweist sich Jesus als der einzige, der das Herz Gott Vaters wirklich kennt und der es auch uns bekannt machen kann: „Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11, 27).

Seit ältesten Zeiten hat sich die Menschheit, häufig mit Angst, gefragt, welches wohl wirklich die Haltung Gottes uns gegenüber sei: vorsehende Fürsorge oder aber souveräne Gleichgültigkeit oder sogar Verachtung und Haß? Auf eine solche Frage können wir mit den alleinigen Möglichkeiten unserer Intelligenz, unserer Erfahrung und sogar unseres Herzens keine sichere Antwort geben.

Darum ist Jesus – sein Leben und sein Wort, sein Kreuz und seine Auferstehung – die weitaus wichtigste Wirklichkeit von allem, was den Menschen betrifft; er ist das Licht, das über unserem Schicksal leuchtet.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Eia mater, fons amoris, me sentire vim doloris fac, ut tecum lugeam.

NEUNTE STATION: Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuz

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther. 5, 19-21 Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung anvertraute …Wir bitten an Christi statt: Laßt euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

BETRACHTUNG

Das ist der innerste Grund des wiederholten Fallens Jesu: nicht nur die physischen Leiden, nicht allein der menschliche Verrat, sondern der Wille des Vaters. Jener geheimnisvolle und menschlich unbegreifliche aber unendlich gute und großherzige Wille, dem zufolge Jesus sich „für uns zur Sünde gemacht“ hat, auf ihn die gesamte Schuld der Menschheit übertragen wurde und sich jener geheimnisvolle Tausch vollzieht, der uns Sünder zur „Gerechtigkeit Gottes“ werden läßt.

Während wir versuchen, uns in Jesu Lage zu versetzen, der vorangeht und unter dem Kreuz zu Boden stürzt, ist es nur recht, wenn wir in unserm Innern Reue und Schmerz empfinden. Doch noch stärker muß das Gefühl der Dankbarkeit sein, das unsere Seele überflutet.

Ja, Herr, du hast uns losgekauft, du hast uns befreit, mit deinem Kreuz hast du uns vor Gott gerecht gemacht. Mehr noch: Du hast uns so innig mit dir verbunden, daß du in dir auch uns zu Kindern Gottes, zu seinen Familienangehörigen und Freunden gemacht hast. Danke, Herr, gib, daß die Dankbarkeit dir gegenüber die Dominante unseres Lebens sei.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Fac ut ardeat cor meum in amando Christum Deum, ut sibi complaceam.

ZEHNTE STATION: Jesus wird seiner Kleider beraubt

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L/. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem Evangelium nach Johannes. 19, 23-24

Die Soldaten … nahmen Jesu Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: „Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll.“ So sollte sich das Schriftwort erfüllen: „Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand.“

BETRACHTUNG

Jesus wird seiner Kleider beraubt: Wir befinden uns im Schlußakt jenes Dramas, das mit der Verhaftung am Ölberg begann und durch das Jesus nicht nur seine Würde als Sohn Gottes, sondern bereits seine Menschenwürde genommen wurde.

Jesus wird also entblößt dem Blick der Leute von Jerusalem und dem Blick der ganzen Menschheit preisgegeben. In einem tiefen Sinn ist das auch recht so: Er hat sich nämlich völlig seiner selbst entäußert, um sich für uns zu opfern. Darum ist die Handlung, ihn seiner Kleider zu berauben, auch die Erfüllung eines Schriftwortes.

Wenn wir Jesus nackt am Kreuz betrachten, spüren wir in unserm Innern eine dringende Notwendigkeit, ohne Verschleierungen in uns selbst hineinzublicken; uns geistig vor uns selbst zu entblößen, aber noch zuvor Gott gegenüber und auch vor unseren Mitmenschen. Den Anspruch abzulegen, besser zu erscheinen als wir sind, um statt dessen zu versuchen, wahrhaftig und offen zu sein.

Die Haltung, die vielleicht mehr als alles andere die Empörung Jesu hervorrief, war tatsächlich die Heuchelei. Wie oft hat er zu seinen Jüngern gesagt: „Macht es nicht wie die Heuchler“ (vgl Mt 6, 2.5.16), oder zu denen, die seine guten Handlungen beanstandeten: „Weh euch, ihr Heuchler!“ (vgl. Mt 23, 13.15.23.25.27.29).

Herr Jesus, der du nackt am Kreuz hängst, hilf mir, selber nackt zu sein vor dir.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Sancta mater, istud agas, Crucifixi fige plagas cordi meo valide.

ELFTE STATION: Jesus wird ans Kreuz genagelt

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L/. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus. 15, 25-27

Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. Und eine Aufschrift (auf einer Tafel) gab seine Schuld an: Der König der Juden. Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den einen rechts von ihm, den andern links.

BETRACHTUNG

Jesus wird ans Kreuz genagelt. Eine entsetzliche Tortur. Und während er am Kreuz hängt, gibt es viele, die ihn verlachen und auch provozieren: „Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen … Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: ‚Ich bin Gottes Sohn‘“ (Mt 27, 42-43). So wird nicht nur seine Person, sondern auch seine Heilssendung verhöhnt, jene Sendung, die Jesus gerade am Kreuz zur Vollendung führte.

Doch in seinem Innern macht Jesus ein unvergleichlich viel größeres Leiden durch, das ihn in einen Schrei ausbrechen läßt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15, 34). Es handelt sich zwar um die Anfangsworte eines Psalms, der mit der erneuten Bekräftigung des vollen Vertrauens auf Gott schließt. Und doch sind es Worte, die ganz ernst genommen werden müssen, Worte, die die größte Prüfung zum Ausdruck bringen, der Jesus unterworfen wurde.

Wie oft meinen wir angesichts einer Prüfung, Gott habe uns vergessen oder verlassen. Oder wir sind sogar versucht, den Schluß zu ziehen, daß es Gott nicht gibt.

Der Sohn Gottes, der seinen bitteren Kelch bis zum Grund ausgetrunken hat und dann von den Toten auferstanden ist, sagt uns hingegen mit all seinem Sein, mit seinem Leben und seinem Sterben, daß wir auf Gott vertrauen sollen. Ihm können wir glauben.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Tui Nati vulnerati, tam dignati pro me pati poenas mecum divide.

ZWÖLFTE STATION: Jesus stirbt am Kreuz

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L/. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. 19, 28-30

Als Jesus wußte, daß nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: „Mich dürstet.“ Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: „Es ist vollbracht!“ Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

BETRACHTUNG

Wenn der Tod nach einer schmerzhaften Krankheit eintritt, sagt man gewöhnlich mit Erleichterung: „Er hat aufgehört zu leiden.“ In gewissem Sinn gelten diese Worte auch für Jesus. Angesichts des Todes irgend eines beliebigen Menschen und weit mehr angesichts des Todes jenes Menschen, der der Sohn Gottes ist, sind es jedoch zu beschränkte und oberflächliche Worte.

Denn als Jesus stirbt, reißt der Vorhang im Tempel von Jerusalem entzwei, und es geschehen noch andere Zeichen, die den römischen Hauptmann, der als Wache beim Kreuz steht, ausrufen lassen: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“ (vgl. Mt 27, 51-54).

Wirklich, nichts ist so dunkel und geheimnisvoll wie der Tod des Sohnes Gottes, der gemeinsam mit dem Vater die Quelle und die Fülle des Lebens ist. Aber nichts ist auch so leuchtend, denn hier strahlt die Herrlichkeit Gottes, die Herrlichkeit der allmächtigen und barmherzigen Liebe.

Angesichts des Todes Jesu ist unsere Antwort das Schweigen der Anbetung. So vertrauen wir uns ihm an, legen uns in seine Hände und bitten ihn, daß nichts in unserem Leben wie in unserem Tod uns jemals von ihm zu trennen vermöge (vgl. Röm 8, 38-39).

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Vidit suum dulcem Natum morientem desolatum, cum emisit spiritum.

DREIZEHNTE STATION: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L/. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. 2, 1-5

Es fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus erwiderte ihr: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Seine Mutter sagte zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut!“

BETRACHTUNG

Jetzt hat sich die Stunde Jesu erfüllt, und Jesus ist vom Kreuz abgenommen. Die Arme seiner Mutter sind schon bereit, ihn aufzunehmen. Nachdem er die Einsamkeit des Todes bis zum Grund ausgekostet hat, findet Jesus – in seinem leblosen Leib – unverzüglich die stärkste und zärtlichste seiner menschlichen Bindungen wieder, die Wärme der Liebe seiner Mutter. Die größten Künstler – denken wir an die Pietà von Michelangelo – haben es verstanden, die Tiefe und die unzerstörbare Widerstandskraft dieser Bindung auszudrücken.

Indem wir uns daran erinnern, daß Maria zu Füßen des Kreuzes auch die Mutter eines jeden von uns geworden ist, bitten wir sie, in unser Herz jene Gefühle zu legen, die sie mit Jesus verbinden. Um wirklich Christen zu sein, um Jesus wirklich nachfolgen zu können, müssen wir nämlich mit allem, was in uns ist, an ihn gebunden sein: mit Geist, Willen, Herz, mit unseren kleinen und großen täglichen Entscheidungen.

Nur so kann Gott im Zentrum unseres Lebens stehen und nicht reduziert sein auf eine Tröstung, die immer verfügbar sein sollte, ohne sich jedoch in die konkreten Belange einzumischen, aufgrund derer wir handeln.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Fac me vere tecum flere, Crucifixo condolere, donec ego vixero.

VIERZEHNTE STATION: Jesus wird ins Grab gelegt

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V/. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.

L/. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem Evangelium nach Matthäus. 27, 57-60

Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen. Josef nahm ihn und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg.

BETRACHTUNG

Mit dem Stein, der den Eingang des Grabes verschließt, scheint wirklich alles beendet zu sein. Aber konnte denn der Urheber des Lebens ein Gefangener des Todes bleiben? Darum ist das Grab Jesu von damals an bis heute nicht nur Gegenstand innigster Verehrung, sondern es hat auch die tiefste Spaltung der Intelligenzen und der Herzen provoziert: Hier teilen sich die Wege zwischen Christgläubigen und denen, die nicht an ihn glauben, auch wenn sie ihn oft für einen wunderbaren Menschen halten.

Dieses Grab war nämlich bald darauf leer, und nie hat man eine überzeugende Erklärung dafür finden können, warum es leer war, außer der, welche die Zeugen des von den Toten erstandenen Jesus gegeben haben – angefangen von Maria Magdalena bis zu Petrus und den anderen Aposteln.

Vor dem Grab Jesu halten wir inne im Gebet und bitten Gott um die Augen des Glaubens, die uns ermöglichen, uns den Zeugen der Auferstehung anzuschließen. So wird auch für uns der Weg des Kreuzes zur Quelle des Lebens.

Alle:

Pater noster, qui es in caelis sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo.

Quando corpus morietur, fac ut anime donetur paradisi gloria. Amen.

ANSPRACHE DES HL. VATERS UND APOSTOLISCHER SEGEN

Der Heilige Vater richtet das Wort an die Anwesenden.

Am Ende der Rede erteilt der Heilige Vater den Apostolischen Segen:

V/. Dominus vobiscum.

R/. Et cum spiritu tuo.

V/. Sit nomen Domini benedictum.

R/. Ex hoc nunc et usque in sæculum.

V/. Adiutorium nostrum in nomine Domini.

R/. Qui fecit cælum et terram.

V/. Benedicat vos omnipotens Deus, Pater, et Filius, et Spiritus Sanctus.

R/. Amen.

CANTO

R. Crux fidelis, inter omnes arbor una nobilis, Nulla talem silva profert, flore, fronde, germine! Dulce lignum dulci clavo dulce pondus sustinens.

1. Pange, lingua, gloriosi prœlium certaminis, Et super Crucis trophæo dic triumphum nobilem, Qualiter Redemptor orbis immolatus vicerit. R.

2. De parentis protoplasti fraude factor condolens, Quando pomi noxialis morte morsu corruit, Ipse lignum tunc notavit, damna ligni ut solveret. R.

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