Kopten

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Allgemeines

Kopten sind Angehörige des koptischen Christentums, der Name geht über das arabische "al.qipt", auf das griechische "Aigyptioi" zurück und ist gleichbedeutend mit "Ägypter". Sie verehren den Evangelisten und Apostel Markus als Gründer ihrer Kirche. In Ägypten leben 200 000 koptisch-katholische Christen und rund acht Millionen koptisch-orthodoxe Christen. Weltweit wird ihre Zahl zwischen 10 bis 17 Millionen geschätzt und davon leben etwa 200 000 im Sudan.

Die Kopten gehören zu den so genannten altorientalischen Kirchen. Diese vollzogen bestimmte Lehrentscheidungen des Konzils von Chalkedon im Jahre 451 nicht mit, das eine Klärung des Verhältnisses von Göttlichkeit und Menschlichkeit in Christus sucht. Kopten benutzen einen eigenen, auf die pharaonische Zeit zurückgehenden Kalender, der wie der Julianische Kalender am Sonnenjahr orientiert ist. Oberhaupt der koptische-orthodoxen Kirche war Papst und Patriarch Schenuda III., er galt als der 117. Nachfolger des heilgen Markus. Neben den orthodoxen Kopten gibt es eine mit Rom verbundene koptische-katholische Kirche. Der Vatikan gibt ihre Mitgliederzahl mit 210 000 an; ihr Oberhaupt ist Patriarch Antonios Naguib. Im Zuge der ökumenischen Öffnung und des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) nahmen Katholiken und Kopten einen theologischen Dialog auf. 1973 unterzeichneten die Päpste Paul VI. und Schenuda III. in Rom eine Übereinkunft, in der beide Kirchen den gleichen Glauben, trotz unterschiedlicher Formulierungen, bekennen. Schenuda III., Papst und Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche, ist am 17. März 2012 im Alter von 88 Jahren gestorben.

Schenuda III.

Die koptisch-orthodoxe Kirche hat per Loswahl aus drei Kandidaten ihr neues Oberhaupt nach dem Ableben von Schenuda III. bestimmt. Ein Bub zog am Sonntag den 4. November 2012 in Kairo mit verbundenen Augen den Zettel mit dem Namen von Bischof Tawadros. Am 18. November 2012 wurde der neue Papst in sein Amt eingeführt. Bischof Tawadros (60), bislang Weihbischof im ägyptischen El-Beheira, ist neuer Papst-Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche. Am Sonntag hatten sich tausende Kopten unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in der Markus-Kathedrale in Kairo sowie auf Freiflächen um das Gotteshaus herum versammelt, um der Papst-Wahl beizuwohnen. Ausgewählt wurde zunächst ein Kind, das in einem Losverfahren „Gottes Willen“ umsetzen und den neuen Papst bestimmen sollte. Der Junge, Bischoi Girgis Musaad, zog schließlich den Namen Tawadros aus der Urne, einem gläsernen Kelch, der mit rotem Wachs versiegelt und mit weißen Bändern zugebunden war.

Kopten in Deutschland

In Deutschland leben zwischen 6000 und 7000 Kopten. Oberster Repräsentant der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland ist Generalbischof Anba Damian. Sie treffen sich in acht Gemeinden und zwei Klöstern. Sitz des Bischofs ist Kloster Brenkhausen bei Höxter in Ostwestfalen. Im Kloster Brenkhausen läuft ein Jahrhundertprojekt. Bis 2018 sollen die Kopten die erste vollständige Bibel in ihrer Sprache in den Händen halten. Das Kloster, um 1245 von Zisterziensern gegründet, 1601 von Benediktinern übernommen und nach der Säkularisation 1803 aufgegeben, war zunehmend verfallen und stand in großen Teilen jahrzehntelang leer. Für eine symbolische Mark übernahmen es die Kopten 1993 vom Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Verfolgung koptischer Christen in Ägypten

Seit dem 7. Jahrhundert unter der Herrschaft des Islam, gab es für die ägyptischen Christen Kopfsteuer, Zerstörung von Kirchen und stigmatisierende Kleidervorschriften. Die koptische Sprache wurde verboten. Heute sind Kopten in Ägypten benachteiligt und bedrängt. Zwar enthält die ägyptische Verfassung ein Bekenntnis zu den Menschenrechten, aber in Artikel 2 wird der Koran als Hauptquelle allen Rechtes bezeichnet. Hieraus ergibt sich, dass Christen keine vollen Rechte haben. Zum Beispiel sind für den Bau und die Reparatur von Kirchen besondere Genehmigungen nötig, die in der Praxis über Jahrzehnte verschleppt oder auch nie erteilt werden. Obwohl die Kopten Steuerzahler sind, gibt es keine öffentlichen Gelder für koptische Schulen oder Kirchen. Anfang März 2011 wurde eine koptische Kirche in Brand gesetzt, zwei Christen in Sol wurden ermordet. Als Kopten daraufhin in Kairo demonstrierten, wurden sie von mohammedanischen Anwohnern attackiert. 13 Menschen kamen dabei ums Leben, 110 wurden verletzt. Die seit Monaten von radikalen Gruppen gestreuten Gerüchte, Christen würden zwei zum Islam konvertierte Frauen gegen ihren Willen festhalten, führten Anfang Mai 2011 zu Straßenkämpfen in Kairo, bei denen zwölf Menschen getötet und 230 verletzt wurden. Anfang Oktober überfielen radikale Islamisten die noch im Bau befindlichen koptischen Dorfkirchen in Mirinab und Madmar. Hunderte Kopten demonstrierten daraufhin vor der Residenz des Provinzgouverneurs von Assuan. Diese Zwischenfälle hatten schließlich zu dem Protestzug am Sonntag, den 9. Oktober 2011 von rund 2 000 Gläubigen in Kairo geführt, bei dem es dann zu Angriffen des Militärs mit bis zu 35 Toten und vielen hundert Verletzten kam. [1] Seit dem Sturz Muhammad Husni Mubaraks am 11. Februar 2011 sollen bereits 100 000 Kopten Ägypten verlassen haben.

Literatur

  • Wolfgang Boochs: Die Kopten - Kirche der Märtyrer, Bernardus, Heimbach, 2015.
  • Michael Hesemann: Jesus in Ägypten. Das Geheimnis der Kopten, Herbig, München, 2015.
  • Mahmoud Zibawi: Koptische Kunst, Schnell und Steiner, Regensburg, 2007

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. Angst, Wut und Trauer unter den Kopten Die Tagespost, Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, 12. Oktober 2011
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