Kirchenstaat

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Kirchenstaat (auch: Patrimonium Petri) war der politische Machtbereich des Papstes im Mittelalter und der Neuzeit.

Gegründet wurde er aus dem päpstlichen Grundbesitz durch die Pippinische Schenkung im Jahr 754. Er entwickelte sich als ein Staatenbund unter Oberherrschaft des heiligen Vaters und erreichte, nachdem Alexander VI. seinen Bestand gefährdet hatte, unter Papst Julius II. im 16. Jahrhundert seine größte Ausdehnung.

Über Jahrhunderte war das Papsttum auf einen eigenen Staat angewiesen, um überhaupt eine relative Unabhängigkeit von den erstarkenden Fürsten in Europa zu bewahren. Mit der Eroberung Roms durch napoleonische Truppen wurde der Kirchenstaat 1798 bzw. 1809 aufgehoben und Papst Pius VI. gefangengenommen. Auf dem Wiener Kongress wurde er jedoch wieder restauriert. Weil die Päpste des frühen 19. Jahrhunderts dem technischen Fortschritt und der politischen Liberalisierung sehr ablehnend gegenüber standen, entwickelte sich der Kirchenstaat in dieser Zeit zum rückständigsten Land Europas. Die Eroberung Roms durch Garibaldi setzte dem Kirchenstaat ein Ende, Papst Pius IX. zog sich auf die Engelsburg zurück, sich als "Gefangener im Vatikan" bezeichnend.

Erst durch die römischen Verträge zwischen dem heiligen Stuhl und Italien im Pontifikat Pius XI. 1923 konnte die Situation geklärt werden, der moderne Staat der Vatikanstadt wurde geschaffen.

Literatur

  • Ulrich Nersinger: Im Kampf um das weltliche Herrschaftsgebiet des Papstes: in Osservatore Romano:
    Nr. 39, 1. Oktober 2010, S. 16 - 1. Teil: Das Ende des alten Kirchenstaates (1860-1870)
    Nr. 40, 8. Oktober 2010, S. 6 - 2. Teil: Der Kirchenstaat hisst die weiße Flagge
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