Calvinismus

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Calvinismus oder auch Kalvinismus ist die nach dem 1509 geborenen Reformator von Genf, Johannes Calvin (eig. Jean Cauvin) benannte Ausprägung des Protestantismus. Weltweit ist diese Richtung (einschließlich der Presbyteraner) der wohl einflussreichste Zweig des reformatorischen Christentums, da Calvin, anders als Luther, Zwingli u.a., von Anfang an auf eine universale Geltung seiner Interpretation der Offenbarung zielte; und auch eine relative Einheit innerhalb der helvetischen Bekenntnisse der Protestanten erreichte. Die Calvinisten leugnen den freien Willen und beanspruchen die Prädestinationslehre.

Inhaltsverzeichnis

Erfinder: Calvin

Der nüchterne, hochintelligente und arbeitswütige Jurist und Theologe Calvin, der keine Familie hinterließ, bestimmte insbesondere das Verhältnis von Staat und Kirche neu, indem er der Politik auftrug, das Reich Gottes auf Erden zu errichten. Dieses Projekt konnte jedoch nur zeitweilig in Genf größere Bedeutung erlangen, wo eine rücksichtslose Diktatur der Protestanten errichtet wurde. Die Zahl der nur dort innerhalb weniger Jahre vollstreckten Todesurteile und Verbannungen übertrifft die der Römischen Inquisition (1542-1908) in Jahrhunderten. Aber selbst Franz von Sales, der als Bischof von Genf in Annency (Savoyen) amtierte, gelang es nicht, das elitäre calvinistische Bürgertum wieder zu "romanisieren".

Lehre

Heute ist der Calvinismus in erster Linie eine Form privater Frömmigkeit, die sich durch eine sittsam-pädagogisch praktizierte Gottergebenheit auszeichnet; und die feste Überzeugung von der Prädestination der Erwählten durch die göttliche Majestät stramm rechtfertigt. Der Begriff der Sakramente wird abgeschwächt, die Einrichtung der Kirche degeneriert, aus Gründen der "Reinheit" der Doktrin, de facto zum Teil der Staatsverfassung (auch dort, wo diese nicht dem Calvinismus gehorcht, wie z.Zt. fast überall auf der Welt).

Das öffentliche Leben in den Niederlanden und teilweise in den USA wurde prägend vom Calvinismus mitbestimmt, der allerdings den Gedanken religiöser Toleranz nur "hinnimmt", nicht aber offensiv vertreten kann. In der Schweiz wurde z.B. die Wiederanknüpfung diplomatischer Beziehungen zum Vatikan 2004 heftig von reformierter Seite torpediert; orthodoxe Calvinisten lehnen mitunter das Projekt europäischer Integration als "katholische Idee" ab.

Ähnliche Gruppen

untergeordnet

  • Presbyterianer
  • Hugenotten
  • Pluritaner

nahestehend

  • Zwinglianer
  • Reformierte
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