Josef Mayr-Nusser

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Gedenktafel im Haus Lichtenstern 1-7 in Ritten

Josef Mayr-Nusser (* 27. Dezember 1910 in Bozen, Südtirol; † 24. Februar 1945 bei Erlangen) war Diözesanführer der Katholischen Jugend in Südtirol und Kriegsdienstverweigerer in Zeiten des Nationalsozialismus. Seine Seligsprechung wird am 18. März 2017 stattfinden. Der liturgische Gedenktag werde am 3. Oktober gefeiert.[1]

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Gedenktafel am Haus Lichtenstern 1-7 in Ritten

Josef Mayr-Nusser wurde auf dem Nusserhof am Bozner Boden geboren und wuchs einem religiösen Umfeld auf. Mit fünf Jahren starb der Vater. Josef wurde kaufmännischer Angestellter in Bozen. Er schloss sich der Katholischen Jugend an. 1931 musste Josef nach Piemont zum Militär. 1934 wurde er erster Diözesanjugendführer der Katholischen Jugend des deutschen Anteils der Diözese Trient. Er trat der Bozner Vinzenzkonferenz bei, welche 1935 am Bozner Boden eine eigene Vinzenzkonferenz grün­dete, zu deren Präsidenten Josef wurde. Nach dem sogenannten Optionsabkommen zwischen Adolf Hitler und Benito Mussolini im Jahr 1939 entschloss er sich trotz des massiven Drucks der aus Deutschland ferngesteuerten örtlichen Nationalsozialisten zum Verbleib in Südtirol und trat dem Andreas-Hofer-Bund bei.

Am 26. Mai 1942 heiratete er Hildegard Straub und hatte mit ihr einen Sohn, Albert Mayr. Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im Herbst 1943 und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde Mayr-Nusser obwohl Italiener im September 1944 zum deutschen Militär eingezogen. Er wurde dabei der Waffen-SS zugeteilt. Er wäre zwar bereit gewesen den Wehrmachtseid abzulegen, einen Eid auf die SS lehnte er jedoch ab, da dieser auf Adolf Hitler als Person abgelegt werden musste. Nachdem er am 4. Oktober 1944 in Konitz in Ostpreußen aus Gewissensgründen den SS-Eid verweigert hatte, wurde er in Danzig wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Auf dem Weg ins Konzentrationslager starb Josef Mayr-Nusser am 24. Februar 1945 in einem Viehwaggon bei Erlangen an Bronchopneumonie oder/und Hungerödem.[2] Sein Leichnam wurde zunächst dort begraben. 1958 wurden seine sterbliche Hülle nach Südtirol überführt und 1963 an der Außenmauer der Kirche von Lichtenstern am Ritten beigesetzt.

Zitate

  • „Nur wenn der Einzelne, das Individuum, Christus als seinen Herrn anerkennt, wird es auch die Gesellschaft tun, die jeweils so denkt und handelt, wie der überwiegende Teil ihrer Einzelglieder denkt und handelt... Christus soll herrschen nicht nur in den Einzelnen und in den Familien, Christus soll herrschen auch in den Staaten, im öffentlichen Leben!“ (bei einer Sitzung der Katholischen Aktion am 23. Oktober 1935).
  • "Wenn der Herr ein Opfer for­dert, dann gibt er auch die Kraft, es zu tragen."

Ehrungen

In Bozen, Meran, Ritten, Truden, Innsbruck und Erlangen sind Straßen nach ihm benannt. Die Mittelschule von Vintl im Pustertal und die Fachakademie der Caritas in Baiersdorf tragen seinen Namen. 2010 wurde Mayr-Nusser vom Bozner Gemeinderat gemeinsam mit Franz Thaler postum zum Ehrenbürger ernannt.[3]

Seligsprechung

Der Seligsprechungsprozess wurde im Jahre 2005 von der Diözese Bozen-Brixen beantragt. Postulator ist Josef Innerhofer. Papst Franziskus anerkannte das Martyrium von Josef Mayr-Nusser am 9. Juli 2016 an. Die Feier zur Seligsprechung fand am 18. März 2017 im Bozner Dom durch Kardinal Angelo Amato, der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, statt.

Literatur

  • Josef Innenhofer: Josef Mayr-Nusser: 1910 - 1945; Vorträge - Beiträge - Briefe eines Märtyrers unserer Tage. Weger Verlag Brixen 2010 (154 Seiten; ISBN 978-88-656-3006-8 kart.).
  • Alois Maas: Dissertation 2010 Universität Innsbruck: Gewissensentscheidung und Eidesverweigerung Josef Mayr-Nussers : Kon-Texte zur religiösen Erziehung Weger Verlag Brixen 2013 (224 Seiten; ISBN 978-88-6563-078-5 Pp.).
  • Josef Innerhofer: Er blieb sich selber treu. Josef Mayr-Nusser 1910–1945. Verlagsanstalt Athesia Bozen 2005 (207 S.; ISBN 88-8266-338-8).
  • Franz Waldner: Der Griff nach dem Leben: das 20. Jahrhundert in Südtirol; die Jugend ringt um Ideale. Pluristamp Verlag Bozen 2004 (286 Seiten; ISBN 88-87301-08-5 kart.).
  • Josef Innerhofer: Wir sollen Zeugen sein. Josef Mayr-Nusser (1910–1945), in ders.: Südtiroler Blutzeugen zur Zeit des Nationalsozialismus. Verlagsanstalt Athesia Bozen 1985 (178 Seiten; ISBN 88-7014-379-1).
  • Reinhold Iblacker: Keinen Eid auf diesen Führer: Josef Mayr-Nusser, ein Zeuge der Gewissensfreiheit in der NS-Zeit. Tyrolia Verlag Innsbruck 1979 (168 Seiten; ISBN 3-7022-1356-2).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Josef Mayr-Nusser, 'Südtirols Jägerstätter', wird 2017 seliggesprochen Kath.net am 9. Juli 2016
  2. Josef Mayr-Nusser: ein Widerstandskämpfer oder ein Märtyrer des Gewissens? beim Südtiroler Schützenbund vom 27. Dezember 2010.
  3. aus: Wikipedia abgerufen am 9. Juli 2016
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