Jüngerschaft

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Als Jünger (griechisch μαθητάι mathētai, lateinisch discipuli "Lehrlinge", "Schüler") werden die Menschen genannt, die von Jesus Christus in eine besondere Beziehung zu ihm berufen wurden und ihm nachfolgten.

Inhaltsverzeichnis

Jüngerschaft im Neuen Testament

Der Evangelist Lukas (Lk 10,1-16 EU) spricht von 72 Jüngern, die der Herr ausgesandt hat, um ihm vorauszugehen und sein Kommen vorzubereiten. Nach Apg 6,7 EU und Joh 6,66 EU war die Zahl noch größer. Auch Frauen stellt das Neue Testament als Jüngerinnen in der Gefolgschaft Jesu dar, wie Maria Magdalena, Susanna (Lk 8,2-3 EU), Maria von Betanien und Marta von Betanien, Lydia (Apg 16,14 EU) und Tabita, die in der Apostelgeschichte ausdrücklich als "Jüngerin" (μαθήτρια mathétria) bezeichnet wird (Apg 9,36 EU).[1]

Aus dem Kreis der Jünger ragten die zwölf Apostel heraus, die von Jesus besondere Vollmachten verliehen bekamen (Mt 10,1-4 EU).

Als "erste Jüngerin Jesu" bezeichnete Papst Franziskus die Gottesmutter Maria, weil sie ihr Leben Gott hingab und ihm folgte.[2]

Die Evangelien geben Aufschluss über Sendung und Auftrag der Jünger: "Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein." (Lk 14,26-27 EU) Die Jünger erhielten nicht eine Spezialausbildung, sondern sind als Zeugen gesandt worden. Das, was jeder im Glauben erfahren hatte, sollte er weiter bezeugen.

Jüngerschaft ist nach dem Johannesevangelium eine dauerhafte, bleibende Berufung durch Jesus, die den Menschen frei macht: "Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien." (Joh 8,31-32 EU) Der Ausdruck "Bleiben" hat im Johannesevangelium eine Schlüsselbedeutung: "Jünger" ist nur, wer bleibt. (vgl. 6,56 EU, 8,31 EU 15,4-6 EU, 21,22 EU).[3] Jüngerschaft "mündet dem Zeugnis der Evangelien zufolge in eine Existenz, die durch das radikale Ethos einer weitgehenden Heimat-, Familien-, Besitz- und Schutzlosigkeit sowie äußere Anfeindungen geprägt ist."[4]

Die Berufung aller Menschen zur Jüngerschaft ist der Kirche vom auferstandenen Jesus Christus aufgetragen: "Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Mt 28,19-20 EU) "Jüngerschaft" wird hier zu einem ekklesiologischen Grundbegriff.[5] Sie betrifft Laien (Männer und Frauen), Mitglieder der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens und Kleriker, die das Weihesakrament empfangen haben. Das entspricht in der katholischen Terminologie dem Taufpriestertum aller Glieder des Mystischen Leibes.

Bereits in der Urkirche, erstmals in Antiochien, bürgerte sich anstelle des Begriffs "Jünger" die Bezeichnung "Christen" (Χριστιανοί Christianói) ein (Apg 11,26 EU).[6]

Jüngerschaft heute

Heute erfordert besonders die vorrangige Aufgabe der Neuevangelisierung, die das gesamte Volk Gottes, alle Jünger mit den Priestern als "Protagonisten", angeht, die neuerliche und volle Bewusstwerdung des Weltcharakters der Sendung der Laien. Die allgemeine Berufung des Getauften im Gemeinsamen Priestertum lädt besonders durch die Firmung und im Ehesakrament zur Jüngerschaft ein. Das Zweite Vatikanische Konzil sagte in diesem Sinne über die Jüngerschaft:

„Durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist werden die Getauften zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht, damit sie in allen Werken eines christlichen Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat (vgl. 1 Petr 2,4-10 EU). So sollen alle Jünger Christi ausharren im Gebet und gemeinsam Gott loben (vgl. Apg 2,42-47 EU) und sich als lebendige, heilige, Gott wohlgefällige Opfergabe darbringen (vgl. Röm 12,1 EU); überall auf Erden sollen sie für Christus Zeugnis geben und allen, die es fordern, Rechenschaft ablegen von der Hoffnung auf das ewige Leben, die in ihnen ist (vgl. 1 Petr 3,15 EU).“

Dogm. Konst. Lumen gentium, Nr. 10

Literatur

  • Helmut Merklein: Der Jünger-Kreis Jesu in: Karlheinz Müller: Die Aktion Jesu und die Re-Aktion der Kirche. Jesus von Nazareth und die Anfänge der Kirche, Echter Verlag, Würzburg 1972, ISBN 3-429-00263-X, S. 65-110.

Anmerkungen

  1. Silvia Becker: Art. Jünger. II. Jüngerinnen in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 5, Sp. 1090.
  2. Katechese beim Angelus zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, 15. August 2018; vatican.news, 15. August 2018.
  3. Dieter Bauer in: bibelwerk.de - Schweizerisches Katholisches Bibelwerk, Bibelpastorale Arbeitsstelle
  4. Christian Strecker: Art. Berufung (NT) in: evangelisches bibellexikon.de [1], unter Berufung auf Gerd Theißen: Die Jesusbewegung, Gütersloh 2004, S. 64-76 und J.P. Meier, A Marginal Jew. Bd 3: Companions and Competitors, New York 2001, S. 54-73.
  5. Günther Schmahl: Art. Jünger. I. Jünger Jesu in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 5, Sp. 1089.
  6. Günther Schmalhl: Art. Jünger. I. Jünger Jesu in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 5, Sp. 1089.
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