József Mindszenty

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Ein Statue von József Kardinal Mindszenty in Zalaegerszeg

József Kardinal Mindszenty (* als József Pehm am 29. März 1892 in Csehimindszent, Komitat Vas ; † 6. Mai 1975, in Wien) war Erzbischof von Esztergom und Primas von Ungarn.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

József Mindszenty wurde am 29. März 1892 als erstes von sechs Kindern geboren. Seine Eltern waren Bauern und hießen János Pehm und Borbála Kovács. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium der Prämonstratenser in Szombathely und trat 1911 in das dortige Priesterseminar ein. Am 12. Juni 1915 wurde er zum Priester geweiht und anschließend Kaplan in der Pfarrei Felsőpaty. In den Folgejahren engagiert er sich für eine Christliche Partei in Ungarn, die kritisch gegenüber der Regierung war. Am 9. Februar 1919 wurde Mindszenty für einige Wochen verhaftet und im bischöflichen Palais festgehalten. Am 2. August 1919 wurde er zum Pfarrer von Zalaegerszeg ernannt.

Für Aufsehen sorgte er 1941. Aus Protest gegen das Nazi-Deutschland legte er seinen ursprünglichen Namen Pehm ab und nannte sich ab sofort Mindszenty. Der Name leitet sich von seinem Geburtsort ab. Am 4. März 1944 wurde er von Papst Pius XII. zum Bischof von Veszprém ernannt, die Priesterweihe folgte am 25. März. Nach der Machtübernahme in Ungarn im Jahre 1944 durch eine nationalsozialistische Regierung übte der Bischof heftige Kritik an der Regierung. Er wurde daraufhin am 26. November verhaftet und in der Strafanstalt Sopronkőhida bei Sopron inhaftiert. Am 20. April 1945 wurde er nach dem Einmarsch der Roten Armee entlassen.

Am 15. September 1945 wurde er zum Erzbischof von Esztergom ernannt und einige Monate später am 18. Februar 1946 in das Kardinalskollegium aufgenommen. Die Konflikte in Ungarn ging aber weiter. Die Kommunisten unterdrückten die Kirche. Im Jahre 1947 verschärfte sich der Konflikt immer mehr. Am 11. März 1947 wurde von den Kommunisten die Abschaffung des Religionsunterrichtes möglich. 1948 wurde ein Gesetz beschlossen, dass die staatliche Übernahme privater Schulen ermöglichte. Betroffen waren in ganz Ungarn mehr als 3000 Schulen, die der Kirche gehörten und plötzlich Eigentum des Staates wurden. Die Kommunisten organisierten immer wieder auch Protest gegen den Kardinal, der nicht schweigen wollte. Am 26. Dezember 1948 wurde er von den Kommunisten verhaftet. Bereits vorher stellt er schriftlich klar, dass er nicht freiwillig abdanken würde. In den folgenden Wochen wurde der Kardinal gefoltert. Durch Drogen wurde er so weit gebracht, dass er ein Schuldeingeständnis unterschrieb. In einem inszenierten Schauprozess der Machthaber wurde Mindszenty 1949 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Kardinal war acht Jahre lang in Haft. Erst nach Beginn des Ungarischen Volksaufstands im Oktober 1956 konnte der Kardinal aus dem Gefängnis befreit werden. Am darauffolgenden Tag zog er in Budapest ein, wo ihm die Bevölkerung einen triumphalen Empfang bereitete, mit Glockengeläut und Blumenregen.

Am 3. November 1956 wurde im ungarischen Rundfunk um acht Uhr abends eine Rede Mindszentys ausgestrahlt, in der es u.a. hieß: "Das gestürzte Regime hat große Fehler begangen. Doch müssen die ‘Schuldigen' auf gesetzlichem Wege und durch unabhängige und unparteiische Gerichtshöfe zur Verantwortung gezogen werden. Individuelle Racheakte müssen vermieden und unmöglich gemacht werden."

In seiner Rundfunkansprache hieß es außerdem: "Wir wollen mit jedem Volk, mit jedem Land in Freundschaft leben (...) Veralteter Nationalismus muß überall umgewertet werden. Das nationale Gefühl darf nicht mehr zu Kämpfen zwischen den Nationen führen, es muß vielmehr auf dem Fundament der Gerechtigkeit zum Pfad eines friedlichen Zusammenlebens werden (...) Wir Ungarn wollen als Bannerträger eines echten Friedens in der europäischen Völkerfamilie leben und handeln (...) Das bisherige Regime, das durch seine eigenen Kinder mit dem heißen Stempel der Verneinung, der Verachtung, des Ekels und der Verurteilung gebrandmarkt ist, wurde 1945 nach einem verlorenen, für uns zweck- und sinnlosen Krieg mit Gewalt aufgebaut. Nun ist es durch die Gesamtheit der ungarischen Nation hinweggefegt worden. Es war ein beispielloser Freiheitskampf, mit der jungen Generation an der Spitze. Der Freiheitskampf wurde geführt, weil die Nation frei über ihr eigenes Leben entscheiden wollte. Sie will frei über ihr Schicksal, über die Verwaltung ihres Staates, über die Verwertung der Früchte ihrer Arbeit entscheiden. (...) Wir brauchen neue, vor jedem Mißbauch gesicherte Wahlen, an denen sich jede Partei beteiligen kann. Die Wahlen sollen unter internationaler Kontrolle durchgeführt werden. (...). Wir leben in einem Rechtsstaat, in einer klassenlosen Gesellschaft; wir sind dabei, uns demokratische Errungenschaften zu eigen zu machen; wir stehen auf der Basis eines durch soziale Interessen richtig und gerecht begrenzten Privateigentums. (...) In kirchlichen Fragen werden wir gegen alle Reste von Gewalt und Tücke als Überbleibsel des gestürzten Regimes Stellung nehmen (...) Wir erwarten mit gutem Recht die Wiederherstellung der Freiheit des christlichen Religionsunterrichtes, die Rückgabe der Institutionen der katholischen Kirche, darunter auch die der katholischen Presse".

Diese Proklamation erließ Mindszenty auf Ersuchen der Regierung Imre Nagy. Während er sie verlas, saß dessen Stellvertreter Zoltán Tildy neben ihm und dankte ihm danach, mit Tränen in den Augen, im Namen des Ministerpräsidenten und seiner Minister.

Es war der vierte Tag Mindszentys in Freiheit - und, was er noch nicht wußte, der letzte. Kurz nach Mitternacht, am 4. November, rief ihn der Sekretär Tildys an, um ihn ins Parlamentgebäude zu bitten. "Die Sowjettruppen hatten das Feuer eröffnet", schreibt Mindszenty in seinen "Memoiren", "Hunderte von Geschützen erdröhnten und beschossen die Stadt. Gespensterhaft flammte und leuchtete es auf am Himmel. Zunächst begab ich mich in den Keller, dann aber fuhr ich, nur vom Chauffeuer begleitet, im Auto zum Parlament. Hier hörte ich, dass Kriegsminister Maléter, Minister Ferenc Erdei, Generalstabschef István Kovács und Oberst Miklós Szücs, die in Tököl, im russischen Generalstabsquartier, über die technische Abwicklung eines Rückzugs der russischen Besatzungsarmee verhandelten, gegen Mitternacht in hinterlistiger Weise verhaftet worden seien. Kein Geringerer als General Serow selbst war aus Moskau hergereist, um diese Angelegenheit zu erledigen."

Imre Nagy war abwesend, Tildy völlig überfordert. Dieser "entließ in der allgemeinen Verwirrung die Militärs ohne Anordnungen und hißte auf dem Parlamentsgebäude die weiße Fahne. Ich konnte diese Kopflosigkeit nicht länger ertragen..."

Das Grab von József Kardinal Mindszenty in Mariazell

Mindszenty flüchtete zur Gesandtschaft der USA, wo er von Minister Edward Thompson Wailes herzlich empfangen wurde. "Nach acht Jahren Gefangenschaft, als Schiffbrüchiger einer dreieinhalbtägigen Freiheit bestieg ich das rettende Schiffsdeck der USA in der Gesandtschaft, um einer Verschleppung in die Sowjetunion zu entgehen und auf den Tag zu warten, der mir erneut ein Wirken für die Heimat gestatten würde" (Memoiren). Einige Tage später erfuhr Mindszenty, dass Imre Nagy schon am Tag zuvor die Amerikaner um Asyl für ihn gebeten hatte.

In den folgenden Tagen der blutigen Wiederbesetzung Ungarns durch die sowjetischen Truppen wurden etwa 2600 Ungarn getötet. Etwa 200000 Ungarn flüchteten, 350 Ungarn wurden zum Tode verurteilt, darunter Imre Nagy am 16. Juni 1958. Die von der Bevölkerung erhoffte Hilfe aus dem Westen blieb aus.

Mindszenty verbrachte 15 Jahre in der amerikanischen Botschaft. 1971 konnte er sie verlassen und kam nach Wien. Der Gipfelpunkt seiner Leiden sollte noch kommen: Papst Paul VI. opferte den Bekenner Mindszenty, der durch die Veröffentlichung seiner "Erinnerungen" den grausamen Charakter des Kommunismus aller Welt offenbarte, seiner Ostpolitik und setzte ihn im Dezember 1973 als Erzbischof und Primas ab, nachdem er ihn vergeblich um freiwilligen Rücktritt gebeten hatte. "Der Papst hat einen großen Kämpfer des Antikommunismus im Stich gelassen", so erklärte triumphierend der ungarische Parteichef János Kádár. Im Namen der in Freiheit lebenden ungarischen Priesterschaft schrieben der europäische Hauptseelsorger Msgr. Dr. Adam György und der Vorsitzende des Priestersenats P. János Szöke einen Brief an Paul VI., in dem es u.a. heißt: "Das ungarische Volk hatte jahrhundertelang nur auf die Hilfe des Papstes rechnen können, und nun ist es dieser moralischen Sicherheit für lange Jahre beraubt worden."

Mindszenty starb am Dienstag, den 6. Mai 1975, in Wien nach einer Operation an Herzversagen. Am 15. Mai wurde er in Mariazell beigesetzt. Am 4. Mai 1991 wurden seine Gebeine nach Esztergom überführt.

Seligsprechungsprozess

Papst Franziskus erkannte im Februar 2019 Mindszenty den Heroischen Tugendgrad an. Damit ist der Weg frei zur Seligsprechung.[1]

Literatur

Weblinks

Ein Teil dieses Artikel ist ursprünglich bei www.kath-info.de entnommen.

Anmerkungen

  1. Kardinal Newman vor Heiligsprechung! Kath.net am 13 Februar 2019
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