Itinerarium mentis in Deum

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Der Verfasser: Kirchenlehrer Bonaventura

Das Itinerarium mentis in Deum (lat.; dt.: "Pilgerbuch der Seele zu Gott") ist eine in lateinischer Sprache auf dem Berg Alverna in Italien im Herbst 1269 verfasste Schrift des Kirchenlehrers Bonaventura, worin er die Reisebeschreibung oder den Aufstieg der Seele zur mystischen Gottvereinigung schildert. Dabei wendet er sich an solche, denen das reiche philosophisch-theologische Wissen seiner Zeit zum wirklichen Lebensinhalt geworden ist.[1] Durch die speculationes soll die Seele zum Lobpreis, zur Bewunderung und zum Verkosten Gottes erhoben werden.[2]

Keiner der Schriften Bonaventuras, sind die Züge seiner geistigen Persönlichkeit deutlicher aufgeprägt als dem Itinerarium (Weg). Das Werk ist eine der edelsten Blüten franziskanischer Geistigkeit, worin Bonaventura, die zur höchsten Beschauung gesteigerte Frömmigkeit des heiligen Franz von Assisi und den ganzen Reichtum einer hohen wissenschaftlichen Kultur, dienstbar macht.[3]

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Das Itinerarium bietet sechs speculationes,[4] stellt sechs Betrachtungsgegenstände vor Augen, die sechs Seelenkräften entsprechen. Ausgehend von der Betrachtung der Spuren und der Gegenwart Gottes in der Schöpfung über die Gegenwart in der Seele als dem Abbild des dreifaltigen Gottes und Wohnstätte seiner Gnade bis zur Betrachtung des absoluten Seins Gottes, der drei Personen und des Geheimnisses der Entäußerung des Sohnes Gottes in Menschwerdung und Kreuzestod soll der Betrachtende zur Gottesliebe geführt, ja hingerissen werden, die im 7. Kapitel als ecstasis bezeichnet wird. Es wird dabei eine "Gleichgestaltung mit dem Gekreuzigten", die als Spannungsbogen vom Prolog bis zur ecstasis über dem ganzen "Weg" betont.[5]

Inhaltsübersicht

1. Kapitel: Die Stufen des Aufstieges zu Gott und die Betrachtung Gottes durch seine Spuren im All.

2. Kapitel: Die Betrachtung Gottes in seinen Spuren in dieser sinnenfälligen Welt.

3. Kapitel: Die Betrachtung Gottes durch sein den natürlichen Vermögen eingeprägtes Bild.

4. Kapitel: Die Betrachtung Gottes in seinem gnadenhaft erneuerten Bilde.

5. Kapitel: Die Betrachtung der göttlichen Einheit durch ihren ersten Namen: Das Sein.

6. Kapitel: Die Betrachtung der Heiligsten Dreifaltigkeit in ihrem Namen: Die Gutheit.

7. Kapitel: Die mystische Entrückung der Seele, in der die Verstandestätigkeit zur Ruhe kommt, während das Gemüt ganz in Gott aufgeht.

Literatur

  • Itinerarium mentis in Deum - Pilgerbuch der Seele zu Gott (S. 9-214) und De reductione artium ad theologiam - Die Zurückführung der Künste auf die Theologie (S. 215-271), lateinisch-deutsch, Kösel Verlag München 1962, eingeleitet, übersetzt und erläutert von Julian Kauf OFM (271 Seiten; Mit kirchlicher Druckerlaubnis München den 14. September 1961, GV Nr. 7815 Dr. Johannes Neuhäussler, Weihbischof und Generalvikar).
  • Itinerarium mentis in Deum: Der Pilgerweg des Menschen zu Gott, hrsg., kommentiert und übersetzt von Marianne Schlosser, EOS Verlag St. Ottilien 2003/2010 (1./2. überarbeitete Auflage; 256 Seiten; ISBN 978-3-8306-7425-2).

Anmerkungen

  1. Bonaventura: De triplici via - Über den dreifachen Weg, lateinisch-deutsch, eingeleitet, kommentiert und übersetzt von Marianne Schlosser (Fontes Christiani 14), Herder Verlag Freiburg u.a. 1993, S. 9 (229 S.; ISBN 3-451-22118-7 kart.; ISBN 3-451-22218-3 geb.); Itinerarium mentis in Deum, siehe Literatur 1962, S. 37.
  2. Itinerarium mentis in Deum, siehe Literatur 1962, S. 38.
  3. Itinerarium mentis in Deum, siehe Literatur 1962, S. 34.
  4. Wie sich aus den Collationes in Hexaemeron ergibt, ist die speculatio und ebenso die consideratio der contemplatio gleichzusetzen. Das Wort "contemplatio", das bei Bonaventura vieles besagen kann, ist im Itinerarium in seinen zwei Hauptbedeutungen zu nehmen: einmal als philosophische, intellektuelle, aktive, erworbene, unvollständige contemplatio, dann als weisheitsvolle, affektive, passive, eingegossene, vollkommene contemplatio. Jene ist das Mittel, diese das Ziel, zu dem jene hinführt: der ekstatische Friede. in: Itinerarium mentis in Deum, siehe Literatur 1962, S. 36.
  5. Bonaventura: De triplici via, S. 14; Itinerarium mentis in Deum, siehe Literatur 1962, S. 38.
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