Inde a primis (Wortlaut)

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Apostolischer Brief
Inde a primis

von Papst
Johannes XXIII.
den Ehrwürdigen Brüdern Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die übrigen Oberhirten, welche in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle leben
über die Verehrung des Kostbarsten Blutes Jesu Christi
30. Juni 1960

(Offizieller lateinischer Text AAS 52 [1960] 545-550)

(Quelle: Herder-Korrespondenz, Herder Verlag, Fünfzehnter Jahrgang 1960/61; Zweites Heft, November 1960, S. 72-74)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Ehrwürdige Brüder,
Heil und Apostolischen Segen !

Inhaltsverzeichnis

Einleitend

Mehr als einmal ist es seit den ersten Monaten Unseres Pontifikats vorgekommen, dass Wir - und häufig war Unsere Stimme der besorgte und schlichte Ausdruck Unserer Vorahnungen - die Gläubigen in bezug auf die täglichen Frömmigkeitsübungen aufgefordert haben, mit glühendem Eifer das zu verehren, was die göttliche Barmherzigkeit so wunderbar jeder Seele, der heiligen Kirche und der ganzen Welt, deren Erlöser und Heiland Jesus Christus ist, schenkt, nämlich das Kostbarste Blut, das besonderer Verehrung würdig ist.

Diese Verehrung ist Uns bereits im Schoße Unserer Familie eingeflößt worden, wo sich Unsere Kindheit entfaltete, und mit lebhafter Rührung erinnern Wir Uns noch heute der Litanei vom Kostbarsten Blute, die Unsere Eltern jeden Tag im Monat Juli laut beteten.

Im Gedenken an die Ermahnung des Apostels: "Habt acht auf euch und auf die gesamte Herde, über die euch der Heilige Geist als Bischöfe gesetzt hat, die Gemeinde Gottes, die er sich durch sein eigenes Blut erworben hat, zu weiden" (Apg. 20, 28), glauben Wir, Ehrwürdige Brüder dass es die wichtigste und eigentümlichste Sorge Unsere Hirtenamtes ist, zunächst über die gesunde Lehre zu wachen, dann aber dafür zu sorgen, dass sowohl die liturgische wie die private Frömmigkeit sich in der richtiger Weise vollzieht und entwickelt. Darum erscheint es Uns ganz besonders angebracht, durch Unsere Ermahnung die Aufmerksamkeit Unserer Kinder auf das unauflösliche Band hinzulenken, das mit zwei anderen, bereits im christlichen Volk weitverbreiteten Andachtsübungen, nämlich der Verehrung des Heiligsten Namens Jesu und der seines Heiligsten Herzens, als dritte die fromme Verehrung des Kostbarsten Blutes des menschgewordenen Wortes verbindet, das "für viele vergossen worden ist zur Vergebung der Sünden" (Matth. 26, 28).

Wenn es in der Tat von höchster Wichtigkeit ist, dass zwischen dem katholischen Glaubensbekenntnis und der liturgischen Handlung der Kirche volle Übereinstimmung besteht, so dass das Gesetz des Glaubens das Gesetz des Betens bestimmt - lex credendi legem statuat orandi (Enz. Mediator Dei, AAS XXXIX, 1947, S. 540) - und dass niemals Frömmigkeitsformen eindringen, die nicht den reinen Quellen des wahren Glaubens entspringen, so ist es ebenso wichtig, dass die verschiedenen Frömmigkeitsausdrücke unter sich übereinstimmen. Jene Frömmigkeitsformen, die überhaupt als die wichtigsten gelten und der Heiligung am besten dienen, dürfen auf keine Weise miteinander in Widerstreit geraten oder sich gegenseitig behindern, und jene, die spezieller und weniger wichtig sind, sei es nach der Wertschätzung, die ihnen zuteil wird, oder nach ihrer Ausbreitung, müssen hinter jene zurücktreten, die besser dem allgemeinen Heil dienen, das der gewirkt hat, der der "Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, der Mensch Christus Jesus, der sich selber als Lösegeld hingegeben hat für alle" (1 Tim. 2, 5-6). Wenn die Gläubigen aus dem wahren Glauben und aus der echten Frömmigkeit ihren Gebetsaufschwung und ihre Lebensdisziplin schöpfen, können sie sicher sein, mit der Kirche zu fühlen und im Gebet und in der Liebe in Christus Jesus zu leben, in Christus Jesus, dem Stifter und Hohenpriester der erhabenen Religion, die von ihm Namen, Würde und Kraft erhält.

Das Wachstum frommer Andachtsübungen

Wenn Wir einen kurzen Blick auf das wunderbare Wachstum werfen, das die katholische Kirche auf dem Gebiet der liturgischen Frömmigkeit erlebt hat - und das übereinstimmt mit den heilbringenden Fortschritten des Glaubens selber, der vollkommeneren Erfassung der göttlichen Wahrheiten -, so ist es tröstlich, festzustellen, dass im Laufe der Jahrhunderte die Ermutigungen und Approbationen der drei oben erwähnten Andachtsübungen durch den den Heiligen Stuhl zahlreich und eindeutig waren: Andachtsübungen, die zwar schon seit dem Mittelalter bei einer großen Zahl frommer Seelen zur Praxis des christlichen Lebens gehörten und dann in einzelnen Diözesen oder in religiösen Orden und Kongregationen verbreitet wurden, jedoch noch der Autorisierung durch den Stuhl Petri bedurften, damit dieser ihre Übereinstimmung mit dem katholischen Glauben erklärte und ihre Gültigkeit auf die gesamte Kirche ausdehnte.

Es genügt, darauf hinzuweisen, dass Unsere Vorgänger seit dem 16. Jahrhundert die Verehrung des Heiligsten Namens Jesu, die der heilige Bernardin von Siena im Jahrhundert vorher unermüdlich in ganz Italien verbreitet hatte, mit geistlichen Vergünstigungen begabt haben. Zu Ehren dieses Heiligsten Namens wurden zunächst das Offizium und die Messe, dann die Litanei approbiert (v gl. AAS XVII, S. 509). Nicht geringer sind die Privilegien gewesen, die die Päpste mit der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu verbunden haben, zu deren allgemeiner Einbürgerung und Verbreitung über die ganze Welt (vgl. Festoffizium v. Heiligen Herzen Jesu, II. Nocturn, 5. Lesung) die Offenbarungen Christi an die hl. Margareta Maria Alacoque, der er sein Heiligstes Herz zeigte, nicht wenig beigetragen haben. Diese Frömmigkeitsübung wurde durch die Päpste so hoch und so einstimmig geschätzt, dass sie nicht nur deren Kraft und deren Natur erläuterten, sondern auch ihre Rechtmäßigkeit betonten, ihre Ausübung förderten und sie schließlich durch viele öffentliche kirchliche Lehrerklärungen feierlich einsetzten, deren wichtigste drei Enzykliken sind: Annum Sacrum, (Acta Leonis XIII., 1899, Bd. XX, S. 71 ff.); Miserentissimus Redemptor, (AAS 1928, Bd. XX, S. 165 ff.); Haurientes aquas, (AAS 1956, Bd. XLVIII, S. 309 ff.).

Auch die Verehrung des Kostbarsten Blutes, deren wunderbarer Vorkämpfer im vorigen Jahrhundert der römische Priester Gaspare del Bufalo war, hat, wie es recht ist, die Bestätigung und Förderung des Apostolischen Stuhles erhalten. Es sei daran erinnert, dass auf Anordnung Benedikts XIV. Offizium und Messe zu Ehren des anbetungswürdigen Blutes des göttlichen Erlösers zusammengestellt worden sind und dass Pius IX. zur Erfüllung eines Gelübdes, das er in Gaeta abgelegt hatte, das liturgische Fest auf die Gesamtkirche ausdehnte (Dekret Redempti sumus, 10. August 1849; vgl. Archiv der Ritenkongregation, Decret 1948-49, fol. 209). Endlich hat Papst Pius XI. seligen Angedenkens zum bleibenden Andenken an die Neunzehnhundert Jahrfeier der Erlösung des Menschengeschlechts das liturgische Fest in den Rang eines Duplexfestes 1. Klasse erhoben, damit dank dieser Steigerung der Feierlichkeit des Ritus die Verehrung des Blutes des Erlösers zunehme und die Früchte des göttlichen Blutes um so reichlicher den Menschen zugute kämen.

In der Nachfolge dieser Unserer Vorgänger haben Wir nun, um die Verehrung des Kostbarsten Blutes des makellosen Lammes Christus immer mehr zu fördern, die Litanei approbiert, die gemäß den Vorschriften der Heiligen Ritenkongregation verfasst worden ist (vgl. AAS 1960, Bd. LII, S. 412-413), und haben deren Rezitation, die mit besonderen Ablässen verbunden ist, der gesamten christlichen Welt empfohlen (Dekret der Apostolischen Poenitentiarie, 3. März 1960, AAS 1960, Bd. LII, S. 420). Möge dieser Unser Akt der "Sorge für alle Kirchen" (vgl. 1 Kor. 11, 28), die dem Obersten Hirtenamt obliegt, bewirken, dass die Gläubigen gerade in diesen Zeiten, die von schwersten religiösen Nöten bedrückt werden, jene drei Formen christlicher Frömmigkeit, von denen die Rede war, ganz besonders als immer und überall heilbringende, das religiöse Leben wirksam stärkende Andachtsformen in Ehren halten.

Mögen daher die Gläubigen beim Herannahen des Festes und des Monats, die der Verehrung des Blutes Christi, des Preises unseres Heils und ewigen Lebens, geweiht sind, dieses zum Gegenstand vertiefter Betrachtung machen und als Frucht davon das Sakrament der Eucharistie häufiger empfangen. Mögen sie, von jenem Licht erleuchtet, das von den Mahnungen der Heiligen Schrift und den Lehren der Kirchenväter und -lehrer ausgeht, darüber nachdenken, welch überströmende und unendliche Kraft von diesem wahrhaft kostbarsten Blut ausgeht, von dem "ein einziger Tropfen schafft die ganze Erde neu" (Hymnus Adoro te devote), wie die Kirche mit dem Doctor Angelicus singt und wie es Unser Vorgänger Clemens VI. weise bestätigt hat (Bulle Unigenitus Dei Filius, 25. Januar 1343; Denz. 550).

Denn wenn der Wert des Blutes des Gottmenschen Jesus Christus unendlich ist und wenn die Liebe unendlich ist, die ihn dazu getrieben hat, es vom achten Tage nach seiner Geburt an bei der Beschneidung und dann im Übermaß "im Todeskampf" (Luk. 22, 43) und in dem langen Gebet im Garten Gethsemane, bei der Geißelung und Dornenkrönung, beim Aufstieg zum Kalvarienberg und bei der Kreuzigung zu vergießen, und wenn schließlich die große Wunde in seiner Seite geöffnet worden ist, damit ein Zeichen jenes göttlichen Blutes existiere, das sich auch in alle Sakramente der Kirche ergießt, so fordert das alles nicht nur als geziemend, sondern als in höchstem Maße notwendig, dass alle Gläubigen, die durch dieses Blut wiedergeboren worden sind, ihm fromme Verehrung, Anbetung und überströmende Liebe entgegenbringen.

Früchte des Kostbaren Blutes

Es ist daher auch wahrhaft heilsam und angebracht, dass dem Kult der Anbetung, der dem Kelch des Blutes des Neuen und Ewigen Bundes zumal bei der Erhebung während des Messopfers dargebracht wird, auch die Speisung mit eben diesem Blute folgt, das wir unlöslich vereint mit dem Leibe Christi im Sakrament der Eucharistie empfangen. In Vereinigung mit dem zelebrierenden Priester können so die Gläubigen in aller Wahrheit innerlich die Worte wiederholen, die er im Augenblick der Kommunion spricht: "Den Kelch des Heiles will ich nehmen und anrufen den Namen des Herrn ... Das Blut unseres Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen." So werden die Gläubigen, sooft sie sich würdig dem Tisch des Herrn nahen, reichere Früchte der Erlösung, der Auferstehung und des ewigen Lebens ernten, denn das Blut, das Christus "unter dem Antrieb des Heiligen Geistes" (Hebr. 9,14) vergossen hat, hat sie für das gesamte Menschengeschlecht erworben. Gespeist mit dem Leib und dem Blut Christi, teilnehmend an seiner göttlichen Kraft, die Legionen von Märtyrern hervorgebracht hat, können sie dann die täglichen Kämpfe, die Opfer leichter ertragen, ja selbst, wenn es nötig ist, ihr Leben hingeben im Dienste der christlichen Tugend und des Reiches Gottes. Sie werden von jener brennenden Liebe erfüllt werden, die den heiligen Johannes Chrysostomus veranlasste, in einer seiner Schriften auszurufen: "Lasst uns von diesem Tisch aufstehen wie flammensprühende Löwen - schrecklich für den Teufel - im Gedanken daran, dass er unser Haupt ist, im Gedanken an die unendliche Liebe, die er für uns gehegt hat ... Wenn dieses Blut würdig empfangen wird, treibt es die Teufel fort, ruft die Engel und den Herrn der Engel selber an unsere Seite ... Dieses vergossene Blut reinigt die ganze Welt ... Es ist der Preis des Universums, durch es hat Christus die Kirche erkauft ... Ein solcher Gedanke müsste unsere Leidenschaften zurückdämmen. Wie lange noch bleiben wir an dieser gegenwärtigen Welt haften? Wie lange noch bleiben wir träge? Wie lange noch säumen wir, an unser Heil zu denken? Denken wir über die Güter nach, die der Herr uns hat gewähren wollen, seien wir dankbar, preisen wir ihn, nicht nur durch den Glauben, sondern ebenso auch durch die Werke" (In Joann. Homil. XLVI; Migne PG LIX, c. 260-261).

Ermahnungen

Ach wenn die Christen doch etwas häufiger über die väterliche Mahnung des ersten Papstes nachdächten: "Wandelt in Furcht in der Zeit eurer Pilgerschaft. Wisst ihr doch, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, Silber und Gold, aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel losgekauft worden seid, sondern mit dem kostbaren Blute Christi als eines fehler- und makellosen Lammes" (1 Petr. 1, 17-19). Ach wenn die Christen sich mehr bemühten, auf die Ermahnung des Völkerapostels zu hören: "Ihr seid um einen hohen Preis erkauft, verherrlicht also auch Gott mit eurem Leibe" (1 Kor. 6,20). Wenn alle auf diese Mahnungen hören wollten, würde zweifellos auch ihr Lebenswandel ehrenhafter und würdiger sein, durch den sie doch den anderen ein Beispiel geben sollen, und durch ihre Tugend würde auch die Kirche Christi ihr Amt auf Erden mit größerem Nutzen für das Menschengeschlecht erfüllen können. Wenn die Menschen den Eingebungen der Gnade Gottes folgen wollten, der doch alle erlösen wollte (vgl. 1 Tim. 2,4), da er alle im Blute seines eingeborenen Sohnes erlösen wollte und alle dazu berief, Glieder jenes mystischen Leibes zu werden, dessen Haupt Christus ist, wie viel brüderlicher würden dann einzelne, Völker und Nationen miteinander verbunden sein, wie viel friedlicher, Gottes und der menschlichen Natur, die ja nach seinem Bild und Ebenbild geschaffen ist (vgl. Gen. 1, 26), würdiger würde sich auch das soziale Zusammenleben gestalten!

Zur Betrachtung dieser erhabenen Würde, zu der wir von Gott berufen sind, ermahnte der heilige Paulus die Christen aus jüdischem Geschlecht, die allzu sehr an den Einrichtungen des Alten Testamentes hingen, obwohl dieses nur ein schwaches Abbild und Vorbild des Neuen Testamentes war: "Ihr aber seid zum Berge Sion und zur Stadt des lebendigen Gottes hinzugetreten, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zur Festversammlung und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zum Mittler des Neuen Bundes Jesus und zum Blute der Besprengung, das besser redet als das Abels" (Hebr. 12, 22-24). Ehrwürdige Brüder! Voll Vertrauen, dass Unsere väterlichen Ermahnungen, die ihr eurem Klerus und dem euch anvertrauten christlichen Volk in der Form, die euch am geeignetsten erscheint, mitteilen werdet, nicht nur bereitwillig, sondern mit glühendem Eifer in die Praxis übertragen werden, erteilen Wir euch als Zeichen himmlischer Gnaden und als Unterpfand Unseres besonderen Wohlwollens aus überströmendem Herzen den Apostolischen Segen, jedem einzelnen von euch und allen euren Herden, besonders aber jenen, die Unserer Aufforderung mit frommem Eifer nachkommen werden.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 30. Juni 1960,

Vigil des Festes des Kostbarsten Blutes unseres Herrn Jesus Christus,
im zweiten Jahr Unseres Pontifikats

Johannes XXIII. PP.

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