In thesauris sapientiae (Wortlaut): Unterschied zwischen den Versionen

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'''6''' Nach seiner Priesterweihe kam er zunächst als Lehrer nach Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Straßburg, um dort von dem hellstrahlenden Lichte seiner Gottesliebe und Wissenschaft anderen mitzuteilen. Weltruf erlangte er, als er auf der berühmten Universität zu Paris mit allgemeinem Erfolg Vorlesungen über die heiligen Wissenschaften hielt und mit der Würde eines "Magisters der heiligen Theologie" ausgezeichnet wurde. Darauf begab er sich zur wissenschaftlichen Ausbildung der Ordensjugend nach Köln, wo er auf Geheiß seines Ordensmeisters ein Generalstudium gründete und leitete.  
 
'''6''' Nach seiner Priesterweihe kam er zunächst als Lehrer nach Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Straßburg, um dort von dem hellstrahlenden Lichte seiner Gottesliebe und Wissenschaft anderen mitzuteilen. Weltruf erlangte er, als er auf der berühmten Universität zu Paris mit allgemeinem Erfolg Vorlesungen über die heiligen Wissenschaften hielt und mit der Würde eines "Magisters der heiligen Theologie" ausgezeichnet wurde. Darauf begab er sich zur wissenschaftlichen Ausbildung der Ordensjugend nach Köln, wo er auf Geheiß seines Ordensmeisters ein Generalstudium gründete und leitete.  
  
'''7''' Damals zählte unter vielen anderen berühmten Männern auch Thomas von Aquin zu seinen Schülern. Albert war der erste, der dessen überragende Geistesgröße erkannte und verkündete. Während seines ganzen Lebens blieb er ihm im Streben nach Heiligkeit und Wissenschaft in innigster Freundschaft verbunden, Und als der Aquinate schon früh dem Leben entrissen wurde, verteidigte er tatkräftig die Unverfälschtheit seiner Lehre und die Größe seines Geistes.  
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'''7''' Damals zählte unter vielen anderen berühmten Männern auch Thomas von Aquin zu seinen Schülern. Albert war der erste, der dessen überragende Geistesgröße erkannte und verkündete. Während seines ganzen Lebens blieb er ihm im Streben nach Heiligkeit und Wissenschaft in innigster Freundschaft verbunden, Und als der [[Aquinate|Thomas von Aquin]] schon früh dem Leben entrissen wurde, verteidigte er tatkräftig die Unverfälschtheit seiner Lehre und die Größe seines Geistes.  
  
 
'''8''' Alberts Klugheit und Gerechtigkeit war weit und breit bekannt. So ist es nicht zu verwundern, dass man ihn häufig als Schiedsrichter heranzog in privaten und öffentlichen Streitfragen und Zwistigkeiten. Daher ließ er sich in seinem feinen Rechtsempfinden und klar gefassten Endurteil durch nichts beirren, und es gelang ihm stets, einen friedlichen Ausgleich zu finden. Seine geradezu staunenswerte Arbeitskraft, mit der er alle Geschäfte erledigte, sein Eifer für die Ordenszucht und sein Streben nach christlicher Vollendung bewogen die Predigerbrüder in Deutschland, ihn auf dem Provinzialkapitel in Worms zum Provinzoberen zu wählen.  
 
'''8''' Alberts Klugheit und Gerechtigkeit war weit und breit bekannt. So ist es nicht zu verwundern, dass man ihn häufig als Schiedsrichter heranzog in privaten und öffentlichen Streitfragen und Zwistigkeiten. Daher ließ er sich in seinem feinen Rechtsempfinden und klar gefassten Endurteil durch nichts beirren, und es gelang ihm stets, einen friedlichen Ausgleich zu finden. Seine geradezu staunenswerte Arbeitskraft, mit der er alle Geschäfte erledigte, sein Eifer für die Ordenszucht und sein Streben nach christlicher Vollendung bewogen die Predigerbrüder in Deutschland, ihn auf dem Provinzialkapitel in Worms zum Provinzoberen zu wählen.  

Version vom 11. August 2015, 12:59 Uhr

Bulle
In thesauris sapientiae

unseres Heiligen Vaters
Pius XI.
an alle Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die anderen Oberhirten, welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen
über die Heiligsprechung Alberts der Großen und dessen Erhebung zum Kirchenlehrer
16. Dezember 1931

(Offizieller lateinischer Text: AAS XXIV [1932] 5-17)

(Quelle: Bulle Papst Pius XI. über die Heiligsprechung Alberts des Großen, Albertus-Magnus-Verlag, Vechta in Oldenburg, S. 1-16; Imprimatur Monasterii, die 4. Juli 1932, Meis, Vicarius Episcopi Generalis)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Pius Bischof

Knecht der Knechte Gottes

Zum ewigen Gedächtnis
Albert der Große
von Fra Angelico

Der Weg der Weisheit Gottes

"In den Schatzkammern der Weisheit ruht Erkenntnis und gottdienende Wissenschaft" (Sir 1, 26).

1 Salomon gibt hier mit klaren Worten den tiefsten Grund an, warum er Gott um Weisheit bat. "Die Weisheit verbindet nämlich den Geist auf innigste Weise mit Gott; sie ist mehr wert als alle Güter dieser Welt" (Weish 8, 2). Wenn sich nun ein vollkommenes Leben mit dem Streben nach Weisheit paart, werden die Herzen der Gläubigen zu überreicher Fülle und Klarheit empor gerissen. Denn sie sind "unterrichtet durch die Liebe, zur ganzen reichen Fülle der Einsicht gelangt, zu der Erkenntnis des Geheimnisses des Vaters und Christi Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft verborgen sind" (Kol 2, 2).

2 Je näher also jemand durch die Weisheit Gott kommt, um so vollkommener steht er unter der Herrschaft des Geistes. Denn die " Weisheit ist die Lehrmeisterin in der Schule Gottes und die Ratgeberin seiner Werke" (Weih 8, 4)! Um so vollkommener nähert sich aber der Mensch dem Urbild der göttlichen Weisheit, je mehr er danach strebt, das Beispiel des göttlichen Heilandes in seinem Leben nachzuahmen, der gesagt hat: "Wer so handelt und andere zu handeln lehrt, der wird groß genannt werden im Himmelreich" (Mt 5, 19).

In der Nachfolge Christi

3 Auf diesem Wege der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus Ieuchtet mit besonderem Glanze Albert hervor, ein Sohn des Predigerordens, Magister der hl. Theologie und Bischof von Regensburg. In wunderbarer Weise vereinigt er in sich das tätige mit dem beschaulichen Leben. Ein wahrhaft Großer nach dem Urteil seiner Zeitgenossen und der späteren Geschlechter! Gar bald erhielt er wegen seiner überragenden Gelehrsamkeit und wegen seines allumfassenden Wissens den Beinamen "der Große".

4 Albert wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts zu Lauingen in Schwaben, in der Diözese Augsburg, geboren als Spross eines Rittergeschlechtes. Zur Vollendung seiner Studien verließ er seine Heimat und begab sich nach Italien, um in Padua die freien Künste, Medizin und Naturwissenschaft zu studieren. Dort lernte er den neugegründeten, aufstrebenden Orden der Predigerbrüder kennen und lieben. Trotz der Schwierigkeiten, die ihm sein Oheim bereitete, trat er auf Anraten des seligen Jordanus von Sachsen, der damals Generalmeister des Ordens war und mit glühender Begeisterung über die Nachfolge Christi predigte, in den Orden ein und wurde ein Sohn des hl. Dominikus. Schon damals zeichnete er sich durch sein gottergebenes Leben und durch seine zarte Andacht zur allerseligsten Jungfrau aus. Bald darauf wurde er zur Vollendung seiner theologischen Studien nach Köln gesandt. Diese Zeit benutzte er, um seine wissenschaftliche und seelische Reife zu fördern. "Gleich einem Riesen, der die Bahn durchläuft", schritt er von Tugend zu Tugend. Niemals studierte er, ohne vorher gebetet zu haben. So schulte er seinen Geist und ordnete sein ganzes Leben darauf hin, ein würdiges Mitglied dieses apostolischen Ordens zu werden in Predigt und Seelsorge.

5 In seinem Wissensdrang übertraf er alle seine Zeitgenossen und erklomm die höchsten Gipfel der weltlichen Wissenschaft. Nach dem Urteil Unseres Vorgängers Alexanders IV. "stillte er seinen Wissensdurst an den heilsamen Quellen der göttlichen Offenbarung in solchem Maße, dass sein Herz von der Weisheit ganz erfüllt ward".

6 Nach seiner Priesterweihe kam er zunächst als Lehrer nach Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Straßburg, um dort von dem hellstrahlenden Lichte seiner Gottesliebe und Wissenschaft anderen mitzuteilen. Weltruf erlangte er, als er auf der berühmten Universität zu Paris mit allgemeinem Erfolg Vorlesungen über die heiligen Wissenschaften hielt und mit der Würde eines "Magisters der heiligen Theologie" ausgezeichnet wurde. Darauf begab er sich zur wissenschaftlichen Ausbildung der Ordensjugend nach Köln, wo er auf Geheiß seines Ordensmeisters ein Generalstudium gründete und leitete.

7 Damals zählte unter vielen anderen berühmten Männern auch Thomas von Aquin zu seinen Schülern. Albert war der erste, der dessen überragende Geistesgröße erkannte und verkündete. Während seines ganzen Lebens blieb er ihm im Streben nach Heiligkeit und Wissenschaft in innigster Freundschaft verbunden, Und als der Thomas von Aquin schon früh dem Leben entrissen wurde, verteidigte er tatkräftig die Unverfälschtheit seiner Lehre und die Größe seines Geistes.

8 Alberts Klugheit und Gerechtigkeit war weit und breit bekannt. So ist es nicht zu verwundern, dass man ihn häufig als Schiedsrichter heranzog in privaten und öffentlichen Streitfragen und Zwistigkeiten. Daher ließ er sich in seinem feinen Rechtsempfinden und klar gefassten Endurteil durch nichts beirren, und es gelang ihm stets, einen friedlichen Ausgleich zu finden. Seine geradezu staunenswerte Arbeitskraft, mit der er alle Geschäfte erledigte, sein Eifer für die Ordenszucht und sein Streben nach christlicher Vollendung bewogen die Predigerbrüder in Deutschland, ihn auf dem Provinzialkapitel in Worms zum Provinzoberen zu wählen.

9 Nur zu gut erkannten die Väter des Kapitels, dass sich der Weltgeist bei der Ungunst der Verhältnisse auch langsam in das klösterliche Leben eingeschlichen hatte, Wollten sie daher ihre Mitbrüder im Streben nach Vollkommenheit wieder neu bestärken, dann bedurften sie dazu eines Mannes, der eine Führerpersönlichkeit war. Es musste ein Führer sein, der sich durch die Heiligkeit seines Lebens, durch seine Klugheit und Weisheit und durch jede andere Tugend auszeichnete. Sie hatten sich in Albert nicht getäuscht. Denn Alberts unermüdliche Tätigkeit als Provinziell der deutschen Ordensprovinz, die sich damals von der Küste Flanderns bis Polen und Ungarn erstreckte, blieben nicht ohne Erfolg, Er visitierte die einzelnen Klöster, hielt Kapitel ab und suchte durch sein Beispiel und sein Wort die Untergebenen anzueifern, auf dem Wege der Tugend und klösterlichen Zucht zu wandeln. So ahmte er das erhabene Beispiel des göttlichen Meisters nach, "der anfing, zu wirken und zu lehren" (Apg 1, 2).

10 Der Ruf von der Klugheit des seligen Albert und von all seinen Unternehmungen, von seiner praktischen Erfahrung und der Führung öffentlicher Angelegenheiten, von seiner Gelehrsamkeit und Heiligkeit drang bis zu den Päpsten nach Rom. Alsbald übertrugen sie ihm schwierige und bedeutungsvolle Aufgaben.

11 Hier wäre die Bitte des Papstes Alexanders IV. an Albert hervorzuheben: er möge mit den Mitbrüdern seiner Ordensprovinz tatkräftige Hilfe leisten zur Verteidigung und Ausbreitung des katholischen Glaubens unter den Heiden in Livland und Preußen. Derselbe Papst übertrug ihm noch andere Aufgaben für das brandenburgische Gebiet.

12 Kurz darauf wurde Albert vom Orden dazu bestellt, die Sache der Bettelorden und die Rechte des Heiligen Stuhles zu vertreten. Deshalb reiste er nach Anagni zur päpstlichen Kurie. Dort schlug er im Konsistorium die Angriffe seiner Gegner nieder und begeisterte alle durch seine glänzende Gelehrsamkeit, so dass der Papst ihm den Auftrag erteilte, die Irrtümer des Averroes in öffentlicher Disputation zurückzuweisen und in der Schule der päpstlichen Kurie das Evangelium des heiligen Johannes zu erklären. Als nun ein neuer Oberhirte für die Diözese Regensburg zu bestellen war, wo die geistlichen und weltlichen Verhältnisse arg zerrüttet waren, besann man sich am päpstlichen Hof wieder auf die hervorragende Weisheit und Tugend Alberts, und Papst Alexander IV. ernannte ihn zum Bischof von Regensburg. In treuer Hirtensorge ordnete er durch seine Weisheit und durch sein vorbildliches Leben in kürzester Zeit die verworrenen Verhältnisse und befreite die Diözese aus der drückenden Verschuldung.

13 Selbst als Bischof lebte Albert ein Leben der Armut, und dies um so mehr, weil er diese Tugend als das wirksamste Mittel ansah, die Kirchenzucht zu erneuern. Unermüdlich war der heilige Oberhirte tätig, Missstände auszurotten, die verfallenden Sitten zu heben, in kluger Weise Streitigkeiten zu schlichten und aufs eifrigste die Sakramente zu spenden. Bei all dieser seelsorglichen Tätigkeit bewahrte er sich seine Liebe zum Studium und zur Beschauung, verfasste sogar hochwissenschaftliche Werke, um in gleicher Weise der Wissenschaft und der ihm anvertrauten Herde zu dienen.

14 Nach dem Verzicht auf das Bistum Regensburg, den er bei Papst Urban IV. durchsetzte, musste er sich dem Papst von neuem zur Verfügung stellen. Er wurde vom Apostolischen Stuhl zum Kreuzzugsprediger ernannt, um Deutschland und Böhmen zur Unterstützung des Heiligen Landes aufzurufen. Sobald er seine Aufgabe gelöst hatte, kehrte er freiwillig zum einfachen Klosterleben seines Ordens zurück. Die noch übrige Zeit seines Lebens war er als Prediger, Lehrer und Schriftsteller tätig. Aber auch während dieser Zeit wurde er in die verschiedensten Diözesen berufen, um bischöfliche Funktionen auszuüben, Auf seinen oft beschwerlichen Reisen kam er in die verschiedensten Länder, suchte viele Städte auf, so Nymwegen, Antwerpen, Basel und viele andere, um dort seines Amtes zu walten. Nachdem er noch vorübergehend in Straßburg und Würzburg geweilt hatte, kehrte er schIießIich nach Köln zurück, Dort fand er 8eine letzte Ruhestätte.

15 Seine besondere Liebe galt den Ordensleuten beiderlei GeschIechtes. Für sie sorgte er mit großer Aufopferung, Auf Bitten der Bischöfe besuchte er öfters ihre Niederlassungen und Klöster, drang auf strenge Beobachtung der Ordenszucht und entflammte überall das Streben nach Heiligkeit und die Sehnsucht nach den lichten Höhen der Beschauung, Aber auch die religiöse Erneuerung des gesamten christIichen Volkes lag ihm am Herzen. Keinem versagte er Rat und Hilfe. Bei dieser Gelegenheit dürfen wir es nicht unterlassen, auf sein Verhältnis zu Ludwig dem Heiligen, dem Könige von Frankreich, hinzuweisen, dem er in aufrichtiger Freundschaft verbunden war.

16 Sehr oft wird Albert in tiefer Verehrung "Herr" genannt. Dennoch zeigte er sich viel lieber allen denen, die sich ihm mit kindlichem Vertrauen näherten, als "Vater", nach dem Beispiel des Apostels Paulus, "der mit Freuden Opfer brachte und sich selbst sogar hinopferte für das Seelenheil der Seinen" (2 Kor 12, 15).

17 Noch im hohen Greisenalter begab sich Albert zum zweiten Lyoner Konzil, auf dem die Griechen zur Einheit der Kirche zurückkehrten. Dank der göttlichen Gnade hatten sie nach vorausgegangenep Disputationen der Theologen das Glaubensbekenntnis abgelegt. Bei dieser Gelegenheit hat auch Unser Vorgänger, der selige Papst Gregor X., auf Bitten Alberts die Wahl Rudolfs von Habsburg zum römischen König anerkannt. Wieder einmal hatte Albert bewiesen, wie er für das Wohl beider Gemeinschaften, der Kirche und des Staates, besorgt war.

Der große Gelehrte

18 Wir haben gesehen, welch ungeheure Fülle von äußeren Geschäften Alberts Leben umschließt. Dennoch aber verblasst diese Tätigkeit im Vergleich zu den zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten und gelehrten Werken, die er verfasste. Alle seine Schriften geben ein lautes Zeugnis von der Schärfe und von der außergewöhnlichen Kraft seines Geistes, von der Fülle und Tiefe seines Wissens, von seiner allseitigen Bildung und von seinem rastlosen Eifer, den Glauben geistvoll zu verteidigen,

19 So können wir denn auch begreifen, dass die Geschichtsschreiber und Biographen mit Recht immer und immer wieder diese einzigartige Universalität seines Geistes rühmen. Albert beherrschte nicht nur die Gebiete der Theologie und Philosophie, - er beschäftigte sich auch mit allen jenen Wissenszweigen, die heute zu den Naturwissenschaften gerechnet werden. Das bestätigt schon sein Zeitgenosse Bartholomäus von Lucca, Bischof von Torcella. Er sagt, Albert habe, was Umfang des Wissens und wissenschaftliche Methode angeht, unter allen damaligen Gelehrten den ersten Platz eingenommen. Und in der Tat: wer nur die Titel von Alberts zahlreichen Werken liest, sieht sogleich, dass Alberts Forschergeist keine einzige Teilwissenschaft übergeht. Mit wissenschaftlicher Klarheit und Gründlichkeit schreibt er seine Abhandlungen über Astronomie, Kosmographie, Meteorologie, Klimatologie, Physik, Mechanik, Architektur, Mineralogie, Anthropologie, Zoologie und Botanik. Dazu kommen noch Werke über das Kunsthandwerk, über die Webkunst, über die Schiffahrt, über den Ackerbau und ähnliche Gegenstände.

20 Albert bleibt aber nicht bei der Betrachtung dieser sinnfälligen Welt stehen, wie es bei den modernen Naturforschern nur allzu oft geschieht. Er geht weiter und zeigt sich gerade hier als ein wahrhaft katholischer Gelehrter. Geradlinig steigt er empor zur Welt des Geistigen und übernatürlichen und stellt so die harmonische Einheit aller Wissenschaften her; ordnet sie nach ihrem Gegenstand und weist in wunderbarer Weise aufwärts, vom Unbelebten zum Belebten, vom Belebten zum Geistwesen, und vom Geistwesen zu Gott.

21 Wahrlich, Gott seIbst, der freigebige Spender alles Guten, hat ihn mit den reichsten Naturanlagen ausgestattet, um solch ein Werk zu vollenden. Der selige Albert besaß einen unersättlichen Drang nach Wahrheit und ein immer waches Auge für die Natur, die ihn umgab; mit einer lebhaften Vorstellungskraft verband sich bei ihm ein sicheres Gedächtnis. Er achtete und schätzte auch die Werke der alten Philosophie. Und dazu kam sein tief religiöses Gemüt, das die Weisheit des Schöpfers in den geschaffenen Dingen überall wahrnimmt. So hatte einst der Psalmist die ganze Schöpfung zum Lobe Gottes eingeladen, und im Buche Job, im Buch der Weisheit und im Prediger fordert der Heilige Geist die Menschen auf, den Spender alles Guten zu loben und zu preisen.

22 Vor allem aber ist es Alberts Verdienst, die Ergebnisse der alten Philosophie mit ganz außerordentIicher Mühe und Umsicht gesammelt zu haben. Er hat sie sorgfältig auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. von Irrtümern befreit und in geschickter Weise zur Begründung und Verteidigung der Glaubenswahrheiten herangezogen. Als vorzüglichstes Hilfsmittel dienten ihm dazu die Werke des Aristoteles, die gerade damals in Europa an Einfluss gewannen. Die falschen Auslegungen der aristotelischen Lehren wies Albert zurück und beseitigte so die Gefahr, die von dieser Seite der katholischen Lehre drohte. Noch mehr! Er entriss gewissermaßen den Händen seiner Feinde die alte Philosophie und schlug so den Feind mit seinen eigenen Waffen. Unter seiner Führung erwarb die Scholastik die natürlichen Schätze des gereinigten Aristotelismus. Und damit beschritt sie einen neuen, sicheren Weg, auf dem die wunderbare Einheit zwischen natürlicher Erkenntnis und geoffenbartem Glaubensgut in hellstem Licht erstrahlte. Hier zeigte er sich als bahnbrechend. Thomas von Aquin, sein geliebter Schüler, folgte ihm und erstieg mit kühnem Wagemut die höchsten Höhen der "Philosophia perennis" und die erhabensten Gipfel der Theologie.

23 So wurde durch Alberts Streben und durch seine fortgesetzte Gelehrtenarbeit die gesamte Philosophie und besonders die des AristoteIes zu einem überaus wirksamen und zuverlässigen Werkzeug der christlichen Theologie im Lichte der übernatürlichen Offenbarung.

24 Das war ja auch das Ideal der gesamten geistigen Lebensarbeit Alberts: Alles Wahre und Schöne, alles Hohe und Gute, das sich in der Wissenschaft der Alten fand, war für ihn ein Gut, das er dem Schöpfer widmete, der die oberste Wahrheit, die vollendetste Schönheit und die wesenhafte Vollkommenheit ist. So sprengte er die Fesseln, mit denen Heiden, Mohammedaner und Juden die natürlichen Wissenschaften in ihrer Gewalt zu halten suchten. Er überwand aber auch die Zurückhaltung vieler zeitgenössischer Gelehrten, die dieser Philosophie misstrauisch gegenüberstanden. Sie erblickten in ihr eine große Gefahr für die Gläubigen, da einige Missbrauch mit ihr getrieben hatten. Aber Albert kannte keine Furcht. Als wahrer Theologe wußte er, dass in den Werken der Natur und der natürlichen Vernunft Gottes Licht zu finden war.

Das staunenswerte Wunder seiner Zeit

25 Unter allen Gelehrten des Mittelalters gebührt Albert der Ruhm, den Schulen seiner Zeit das Wissen und die Kultur der Antike übermittelt zu haben. In seinem alles umfassenden Schrifttum, das in organischem Zusammenhang von den einfachsten Erkenntnissen der Alten zur höchsten Theologie emporsteigt, übermittelt er uns alles Wissenswerte. Kein Wunder also, wenn es bei den Alten hieß: Albert der Große "habe alles Wissensmögliche gewusst, kein Wissensgebiet sei ihm fremd gewesen" (Pius II.) und "deshalb könne er mit Recht das staunenswerte Wunder seiner Zeit genannt werden" (Ulrich won Straßburg), So können wir es auch verstehen, dass die Alten ihm den Titel eines Doctor Universalis gaben, und dass Heinrich von Herford in ihm die glänzendste Sonne unter allen Philosophen der gesamten Christenheit bewunderte.

26 Aber auch in unserer Zeit fehlt es nicht an ähnlichen Zeugnissen. Selbst nichtkatholische Gelehrte feiern ihn als den größten Naturforscher des ganzen Mittelalters. Einer der bedeutendsten unter ihnen nennt Albert "den scharfsinnigsten Vorkämpfer der Naturwissenschaften im Abendland, der als erster die Naturwissenschaft mit der christlichen Religion in Einklang brachte und die reichen Quellen griechischer Weisheit in sie hineinleitete, der als erster die Naturgeschichte der kirchlichen Lehre als ebenbürtig zur Seite stellte, der als erster die Naturgeschichte in Deutschland wissenschaftlich bearbeitete, der als erster die verschiedensten Arten der geschaffenen Dinge auf eine morphologische Struktur zurückzuführen versuchte, der schließlich als erster und einziger eine einheitliche Naturgeschichte mit all ihren Einzelbereichen schuf" (Karl Jessen).

27 Albert nimmt wirklich eine einzigartige Ehrenstellung ein. Weder in der Philosophie, noch in der Theologie, noch in der Auslegung der Heiligen Schrift wird es wohl kaum einen anderen Gelehrten geben, ausgenommen den heiligen Thomas, der ein solches Ansehen besitzt wie er. Es würde zu weit führen, wollte man die Verdienste Alberts des Großen um die Förderung der theologischen Wissenschaft noch weiter ausführen und würdigen.

28 Zum Studium der Theologie drängte ihn sein ganzes Wesen. Sein Ansehen, das er sich bereits auf philosophischem Gebiete errungen hatte, wuchs geradezu ins Wunderbare, als er die Philosophie zur Erklärung der Theologie heranzog, um sie als Werkzeug zum Aufbau der scholastischen Theologie zu benutzen. So wurde er der eigentliche Begründer jener Methode, die bis in unsere Zeit hinein den Theologen die sicherste Regel und Norm geblieben ist.

29 Die umfangreichen theologischen Werke Alberts des Großen und seine herrlichen Kommentare zur Heiligen Schrift verraten nicht nur einen erleuchteten Verstand und eine eingehende Kenntnis der katholischen Lehre, sie atmen auch eine tiefe Frömmigkeit und ein großes Verlangen, Seelen für Christus zu gewinnen. Bei der Lesung seiner Schriften wird es uns klar: So kann nur ein Heiliger über heilige Dinge reden.

30 Hierher gehören vor allem folgende Werke: Seine theologische Summa, die Frömmigkeit und Weisheit atmet; seine Erklärung zum Evangelium des heiligen Lukas, ein Werk, das uns Albert als erfahrenen und zuverlässigen Schrifterklärer zeigt; seine schöne und formvollendete "Abhandlung über die Vorzüge der allerseligsten Jungfrau Maria", aus der eine innige Liebe und Zuneigung zur Gottesmutter hervorIeuchtet; seine unvergleichliche Schrift über das Aller heiligste Altarsakrament, in der er in glänzender Weise seinen tiefen Glauben und seine glühende Verehrung für das Geheimnis der heiligen Menschwerdung kundtut; endlich seine Werke über die Mystik. Diese zeigen uns, dass er dank der Gnade des Heiligen Geistes in den Höhen der eingegossenen Beschauung heimisch war. Gerade diese zuletzt genannten Werke waren der Ursprung und Ausgangspunkt für die ganze deutsche Mystik des 14. Jahrhunderts.

31 Alle diese Werke Alberts sind hervorragende Zeugnisse der theologischen Wissenschaft und werden niemals ihren Wert verlieren. Darum können wir mit vollem Recht die Worte Unseres hochseligen Vorgängers Leos XIII, bestätigen: "Wenn sich auch in den Jahrhunderten nach Albert alle Wissenschaften weiter entwickelt haben, so wird dennoch seine kraftvolle und umfassende Lehrweisheit, die einen Thomas von Aquin herangebildet und unter den Zeitgenossen allgemeines Staunen erregt hat, niemals veralten !"

Alberts Verehrung nach dem Tode

32 Das möge genügen, um Alberts Größe in etwa zu zeigen. Er war groß durch sein außerordentlich heiliges Leben und durch sein staunenswertes Wissen. Nach vielen Mühen und Arbeiten im Weinberg des Herrn beendete er am 15. November 1280 seine irdische Wanderschaft, wohlverdient um die Katholische Kirche, um endlich in die Ewigkeit des Himmels einzugehen.

33 So ging diese Sonne unter; aber ihr alles erhellender Schein ist uns geblieben. Albert der Große strahlt weiter in der Kirche Christi durch den Glanz seines Wissens, durch die Heiligkeit seines Lebens und durch seine Tugenden; er erstrahlt weiter durch die Wunder, die er während seiner irdischen Laufbahn gewirkt und die nach seinem Tode auf seine Fürbitte, hin geschahen. So haben zu aller Zeiten glaubwürdige Schriftsteller von ihm berichtet; so können auch wir mit dem heiligen Kirchenlehrer Petrus Canisius, der Albert "das Licht Deutschlands" nennt, bezeugen: "Er zeichnet sich durch die Reinheit seines Lebens aus, durch seine Weisheit und durch ein gründliches, tiefes Wissen", "Gott der Herr hat seinen Ruhm und seine Heiligkeit durch viele Wunder offenbart."

34 Deshalb braucht sich niemand zu wundern, dass der selige Albert nach seinem Tode öffentliche kirchliche Verehrung fand; und diese zahlreichen Äußerungen und Kultbezeigungen sind von der größten Bedeutung. Wir freuen uns, dass mehrere Unserer Vorgänger "in Anerkennung der hervorragenden Verdienste des Seligen um die Kirche" (Klemens X.) zur Verbreitung seiner Verehrung wirksam beigetragen haben. So gestattete Innozenz VIII. im Jahre, 1484 den Predigerbrüdern von Köln und Regensburg zu Ehren des seligen Albert Altäre zu errichten und sein Fest liturgisch zu feiern, was tatsächlich einer Seligsprechung gleichkommt. Gregor XV, dehnte durch rechtskräftige mündliche Erklärung dies Privileg im Jahre 1622 auf das Domkapitel und den Klerus von Regensburg aus, Urban VIII. gestattete im Jahre, 1631 der Stadt Lauingen, das Fest des seligen Albert liturgisch zu begehen. Später dehnte er diese Erlaubnis auf des Kaisers Fürbitte auf den Dominikanerorden in ganz Deutschland aus. Alexander VII. machte im Jahre 1664 dasselbe Zugeständnis den Dominikanern im venezianischen Gebiet. Endlich erlaubte Klemens X. im Jahre 1670 dem ganzen Predigerorden für alle Zeiten, das Fest des seligen Albert des Großen mit Tagzeiten und Messe alljährlich feierlich zu begehen. Außerdem hat Pius IX., der ganzen Erzdiözese Köln im Jahre 1856 das Fest mit dem Rang eines Semiduplex gestattet; im Jahre 1870 wurde es zum Duplexfest erhoben. Derselbe Papst gestattete drei Jahre später allen Priestern, in der Kirche der heiligen Elisabeth zu Rom die Messe zu Ehren des seligen Albert des Großen zu feiern. Diese Kirche stand früher in der Nähe der päpstlichen Kanzlei und diente der Vereinigung deutscher Katholiken in Rom als Versammlungsort. In der letzten Zeit wurde auch anderen deutschen Diözesen, wie München-Freising, Freiburg, Regensburg, Augsburg, Würzburg und Rottenburg, und in Frankreich der Erzdiözese Paris erlaubt, das Fest des seligen Albert des Großen liturgisch zu begehen. Dabei dürfen Wir nicht vergessen, dass an seinem Feste in allen vorher genannten Diözesen und auch in Rom von Unseren Vorgängern den Gläubigen ein vollkommener Ablass gewährt wurde.

35 Ebenso müssen Wir darauf hinweisen, dass in Riga eine Kirche zu Ehren des heiligen Albert geweiht ist; allen Besuchern dieser Kirche gewährte Papst Leo XIII. für ewige Zeiten einen vollkommenen Ablass.

Eine jahrhundertalte Schuld

36 Daher ist es nicht zu verwundern, wenn man bei der hervorragenden Heiligkeit und Wissenschaft dieses Mannes schon früher daran dachte, beim Apostolischen Stuhl seine Heiligsprechung zu betreiben und ihm den Titel eines KirchenIehrers zu erwirken. Ganz besonders bemühte man sich darum nach der feierlichen Übertragung seiner heiligen Gebeine im Jahre 1483 und noch mehr zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Aber leider gelangten alle diese weitverzweigten kostspieligen Bestrebungen wegen der Kriegswirren und wegen der Schwierigkeiten eines brieflichen Verkehres mit der Römischen Kurie nicht zum Abschluss.

37 Später unternahmen es die höchsten kirchlichen Würdenträger Deutschlands, diese jahrhundertalte Schuld abzutragen. Zur Zeit des Vatikanischen Konzils verlangten sie dringend vom Heiligen Stuhl die Wiederaufnahme des Prozesses um die Heiligsprechung des seligen Albert des Großen. Aber wiederum konnten ihre Bitten nicht erfüllt werden; denn damals hatte die Kirche in Italien und in Deutschland schwere Stürme zu bestehen.

38 Endlich haben in unseren Tagen Kardinäle der heiligen römischen Kirche, Patriarchen, Erzbischöfe, Bischöfe und Prälaten aus allen Erdteilen, Äbte und Obere von Ordensgenossenschaften, besonders auch Universitäten und Fakultäten, Seminarien, Kollegien und wissenschaftliche Verbände immer wieder inständige Bittschriften an Uns gerichtet. Wir möchten doch den seligen Albert den Großen mit der Ehre des Heiligen und mit dem Titel eines Kirchenlehrers auszeichnen. Ähnliche Bittschriften reichten auch viele katholische Männer und Frauen aus ganz Deutschland ein, die durch ihren Adel, ihre Wissenschaft und durch ihre politische Stellung hervorragen.

39 Die ganze Angelegenheit entsprach ganz Unseren eigenen Wünschen. Wir haben alles reiflich prüfen lassen und sind zu der Überzeugung gekommen, dass die Verherrlichung Alberts des Großen gerade heute sehr zeitgemäß ist; denn sie kann mit dazu beitragen, die Seelen leichter unter das süße Joch Christi zu beugen.

Albert der Große, der Heilige unserer Zeit

40 Albert der Große ist tatsächlich der Heilige, wie unsere Zeit ihn braucht, die so heiß nach Frieden verlangt und von dem Fortschritt der Wissenschaft wunder was erhofft. Heute wünschen alle Völker sehnlichst den Frieden herbei; aber über die Art und Weise, wie er zu erreichen ist, gehen ihre Ansichten auseinander; denn sie lassen gerade das außer acht, was die wahre Grundlage des Friedens ist: die Gerechtigkeit und die Liebe. Deshalb mögen alle voll Vertrauen zum heiligen Albert emporschauen. Er verlangte mit der ganzen Glut seines Herzens nach dem großen Gott, der ja "nicht ein Gott der Uneinigkeit ist, sondern ein Gott des Friedens" (1 Kor 14, 33), jenes Friedens, der alles Denken übersteigt und die Gedanken und Herzen der Gläubigen behütet" (Phil 4, 7). So ist Albert das vollkommenste Vorbild eines Friedensstifters. Während seines ganzen Lebens hat er für das Zustandekommen von Friedensverträgen zwischen Städten und Fürsten, zwischen Völkem und einzelnen Menschen eifrig und segensreich gewirkt. Dafür setzte er seine ganze Persönlichkeit ein, sein wissenschaftliches und priesterliches Ansehen. So war er wirklich ein lebendiges Abbild des Erlösers Christus, den die Heilige Schrift den "Friedensfürst" nennt.

41 In ganz besonderer Weise ist ja die Wissenschaft dazu geeignet, den Frieden zu befestigen; allerdings muss sie sich dann von der gesunden Vernunft und vom übernatürlichen Glauben leiten lassen. Das ist durchaus notwendig; denn gerade dadurch gewinnt die Wissenschaft selbst an Würde und Kraft und an innerer Festigkeit in der Wahrheit. Eines aber steht fest: gerade in unseren Tagen wird diese Unterordnung im wissenschaftlichen Forschungsbereich vernachlässigt, wenn nicht gar verachtet. Im Gegenteil, man spielt die Wissenschaft sogar gegen den Glauben und gegen die gesunde Vernunft aus. Im Vertrauen auf ihre eigene Kraft endete sie dann im Materialismus, nachdem sie "Gott, den Herrn der Wissenschaften" verließ. Das können wir niemals genug bedauern; denn jeder von uns weiß, dass der Materialismus die Wurzel des sittlichen Niederganges und die Ursache so vieler wirtschaftlicher Missstände ist, von denen heute die Menschen auf der ganzen Erde so furchtbar bedrückt und so heftig geplagt werden. In Albert dem Großen aber treffen sich wunderbar die Strahlen menschlicher und göttlicher Wissenschaft und umgeben ihn mit einer leuchtenden Krone.

42 Er ist allen ein mahnendes, hell strahlendes Vorbild, dass Wissenschaft und Glauben, Wahrheit und Güte, Heiligkeit und Gelehrsamkeit sich nicht widersprechen, sondern dass zwischen ihnen ein tiefinnerlicher Zusammenhang besteht. So steht Albert der Große, wie ein heiliger Hieronymus in der Wüste, als ein machtvoller Ruf er vor uns, der durch seine herrlichen Werke immer wieder den Beweis erbringt, dass wahre Wissenschaft mit dem Glauben und mit dem Leben aus dem Glauben einträchtig im Menschen zusammengehen kann und muss; denn der übernatürliche Glaube ergänzt und vervollkommnet die Wissenschaft auf die wirksamste Weise. Es ist nicht wahr, was die Gottlosen gerade in unrseren Tagen behaupten: christliches Leben und Streben nach Vollkommenheit vernichte und beeinträchtige die natürlichen Anlagen des Menschen, seine Willensstärke, seine tatkräftige Mitarbeit im öffentlichen Leben und den Adel des menschlichen Geistes; im Gegenteil, die Gnade vollendet die Natur, erhebt und entfaltet sie und adelt sie in ganz wunderbarer Weise.

Die Heiligsprechung und Ehrung zum Kirchenlehrer

43 Dies alles haben wir reiflich überlegt; und täglich wuchs in Uns der Wunsch, Albert der Große, der bereits mit Recht den Titel und die Verehrung eines Heiligen genießt, möge von allen Christgläubigen immer mehr verehrt werden, er möge wie ein Licht auf den Leuchter gestellt werden und so noch stärker die ganze Kirche erleuchten. Deshalb haben Wir daran gedacht, durch ein der Heiligsprechung gleichartiges Verfahren am Ruhme Alberts das zu ergänzen, was noch zu fehlen schien. Unsere Zeit ist reif für die Erledigung dieser großen Angelegenheit. Alle Vorbedingungen, die, von altersher durch Sitte und Recht der Kirche bei ähnlichen Anlässen erfordert werden, sind vorhanden. Deshalb haben Wir uns entschlossen, einen besonderen Weg einzuschlagen, den übrigens auch schon viele Unserer Vorgänger gegangen sind, um die Heiligsprechung anderer Diener Gottes zu vollziehen. Wir übertrugen daher die ganze Angelegenheit der heiligen Ritenkongregation, damit sie den Fall erledige. Am 15. Dezember 1931 hielten Unsere geliebten Söhne, die Kardinäle der heilig römischen Kirche, die dieser Kongregation vorstehen, eine ordentliche Sitzung ab, in der Unser geliebter Sohn, Kardinal Franz Ehrle, der Sachwalter des Prozesses, den Bericht erstattete. Zu gleicher Zeit wurde Bericht eingeholt von der historischen Sektion, die amtlich berufen war, Nachforschungen anzustellen über die Heiligkeit seines Lebens und über die Rechtmäßigkeit der kirchlichen Verehrung, die ihm bisher erwiesen worden war. Über seine Lehre legten zwei Gelehrte, die in Alberts Schriften gut bewandert sind, ein amtliches, schriftliches Gutachten vor. Endlich wurden auch noch die Prälaten der heiligen Ritenkongregation um ihr Gutachten gebeten. Nach sorgfältiger Untersuchung und reiflicher Überlegung fassten alle Mitglieder einmütig und ohne Ausnahme den Entschluss, Uns um Gewährung dieser Gnade zu bitten. Am folgenden Tage, also heute, wurden Wir von Unserem geliebten Sohn Salvatore Natucci, dem Generalpromotor des heiligen Glaubens, über alles eingehend unterrichtet. Wir konnten alles billigen und haben dem Wunsch der Kongregation äußerst gern entsprochen,

44 So verordnen Wir denn kraft Unserer apostolischen Gewalt, dass das Fest des heiligen Albert des Großen mit dem Offizium und der Messe vom Bekenner und Bischof unter Hinzufügung des Titels eines Kirchenlehrers im Rang eines Duplex minus alljährlich an seinem Sterbetage, also am 15. November, in der ganzen Kirche gefeiert werde.

45 Dem allgütigen Gott sei innigster Dank dafür gesagt, dass er sich in dem wunderbaren Ratschluss seiner Vorsehung gewürdigt hat, durch Uns, Seinen Diener, die Verherrlichung Alberts des Großen in der streitenden Kirche zu vollenden, und dass er ihn gerade unserer Zeit vor Augen stellt als "ein hellstrahlendes Licht, das dem Morgensterne gleich durch seine befruchtenden Strahlen den Gesamtorganismus der ganzen Kirche erleuchtet" (Anonymus des Predigerordens aus dem 14. Jahrhundert); denn der heilige Albert hat nicht nur für sich gearbeitet, sondern "für alle, die nach der Wahrheit streben" (Sir 24, 47 [Neo-Vulgata]).

46 So möge denn der heilige Albert der Große unser Fürsprecher sein. Von Jugend auf hat er nach Weisheit und Tugend gestrebt, das Joch des Herrn getreulich getragen und nach dem Beispiel des heiligen Paulus nichts sehnlicher gewünscht, "als jeden Gedanken dem Gehorsam Christi zu unterwerfen" (2 Kor 10, 5).

47 Somit bestätigen Wir also, gestützt auf eine durch sorgfältige Untersuchungen gewonnene, Sachkenntnis, in der Vollgewalt Unserer Apostolischen Autorität alles Vorhergesagte im allgemeinen und im einzelnen, erhärten und bekräftigen es, entscheiden und verkünden es für die gesamte katholische Christenheit. Außerdem befehlen Wir, dass alle von der vorliegenden Urkunde angefertigten Abschriften oder Exemplare, auch die gedruckten, die von der Hand eines Apostolischen Notars unterschrieben und gesiegelt sind, mit der gleichen Ehrfurcht entgegengenommen werden wie dieses Unser gegenwärtiges Schreiben, wenn es herausgegeben und vorgezeigt wird. Wer aber dieses Schreiben, das Unsere Erklärung und Entscheidung, Unseren Befehl und Willen enthält, missachtet oder gar abzulehnen sich erkühnt, der soll wissen, dass er dem Zorne des allmächtigen Gottes und seiner heiligen Apostel Petrus und Paulus anheimfälllt !

Gegeben zu Rom, bei St, Peter,

im Jahre des Herrn 1931, am 16, Dezember,

im zehnten Jahre Unseres Pontifikates.
Pius Bischof der katholischen Kirche