In dulci jubilo

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
In dulci jubilo im Klug’schen Gesangbuch

In dulci jubilo, lat.: In süßer Freude, ist ein im 14. Jahrhundert entstandenes geistliches Weihnachtslied.

Es steht im Gotteslob unter der Nummer 253.

Inhaltsverzeichnis

Texter und Komponist

Der Liedtext, eine makkaronische Dichtung (eine Mischung aus zwei Sprachen), wird dem Dominikanerpater und Mystiker Heinrich Seuse (1295-1366) zugeschrieben. Heinrich Seuse, auch Heinrich von Berg wirkte in Konstanz und Ulm, am Oberrhein und in der Schweiz. Er wird als Seliger verehrt.

Entstehung

Das Lied ist eine Tropierung des lateinischen Textes aus dem Mittelalter. Die Melodie entstand im 15. Jahrhundert. Zum ersten Mal soll das Lied in einer Sammlung um 1400 und (gesichert) bei Peter von Dresden im Jahre 1440 erschienen sein. Je nach Version enthielt das Lied zwischen vier und sechs, später zehnzeilige, heute jedoch achtzeilige Strophen. Im Klugschen Gesangbuch von 1529 (siehe Abb.: Mensuralnotation/C-Schlüssel/Tonart F-dur) erschien es ohne die Marienstrophe (4. Str.).

Die alternierend lateinisch-deutsche Version steht im katholischen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob unter der Nummer 253 sowie eine vollständig deutsche Fassung Nun singet und seid froh, die erstmals 1646 in einem Gesangbuch aus Hannover erschien, ist heute im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 35 abgedruckt.[1]

Rezeption

  • Eine bekannte Chorfassung veröffentlichte der im ostdeutschen Torgau wirkende Komponist Johann Walter (16. Jh.) in seinem Geistlichen Gesangbüchlein von 1624.
  • Der Lübecker Marienorganist und Komponist Dieterich Buxtehude schrieb eine Kantate zu diesem Choral (BuxWV 52), erschienen bei Bärenreiter Kassel 1977/2003, ISMN M-006-40397-4, sowie MDH Nördlingen 2000 und im Carus-Verlag Stuttgart 1968/1991.
  • Der Thomaskantor Johann Sebastian Bach verfasste mehrere Chorsätze und Choralvariation für Orgel (BWV 608 und 729) zum Choral In dulci jubilo, erschienen u.a. in den Editionen bei Breitkopf, Bärenreiter und Peters.
  • 1976 veröffentlichte Mike Oldfield eine Pop-Version dieses Weihnachtsliedes.
  • Ludger Stühlmeyer komponierte ein Stück für Querflöte, In dulci jubilo. Aus-Flüge für Querflöte, erschienen im Sonat-Verlag Kleinmachnov 2015, ISMN 979-0-50254-034-0, in dem er die abendländiche dur-moll-Tonalität des Liedes um aschkenasische Modus-Phrasen erweitert.

Literatur

  • Clytus Gottwald: In dulci jubilo. Morphogenese eines Weihnachtsliedes. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 9, 1964, S. 133–143.
  • Konrad Ameln: Die Cantio „In dulci jubilo“. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 29, 1985, S. 23–78.
  • Hermann Kurzke: In dulci jubilo. In: Hansjakob Becker u. a. (Hrsg.): Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48094-2, S. 51–59.
  • Anne-Dore Harzer: In dulci jubilo. Fassungen und Rezeptionsgeschichte des Liedes vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Francke, Tübingen 2006, ISBN 3-7720-8128-2.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Gisela Kornrumpf: In dulci jubilo. Neue Aspekte der Überlieferungsgeschichte beider Fassungen des Weihnachtsliedes. In: Johannes Spicker (Hrsg.): Edition und Interpretation. Neue Forschungsparadigmen zur mittelhochdeutschen Lyrik. Festschrift für Helmut Tervooren. Hirzel, Stuttgart 2000, ISBN 3-7776-1038-0, S. 159–190.
Meine Werkzeuge