Ikonoklasmus

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Ikonoklastische Ausschreitungen von Calvinisten in der Liebfrauenkathedrale von Antwerpen am 20. August 1566 (Kupferstich von Frans Hogenberg 1588)

Ikonoklasmus (zu altgriechisch εἰκών eikón „Bild, Abbild“ und κλάειν [contr. κλαῖν] kláein [contr. klaín] „zerbrechen“) ist ein Sammelname für alle bilderfeindliche Bewegungen, in deren Zusammenhang es zur tatsächlich Zerstörung oder Entfernung von Bildern kam. In der Dogmengeschichte bezeichnet Ikonoklasmus besonders die theologische Begründung der Bilderzerstörung und der Ablehnung der Bilderverehrung im byzantinischen Bilderstreit (Synode von Hiereia 754).[1]

Ikonoklasten oder Bilderstürmer (Ikonohorzen) heissen Menschen, die Bildnisse zerstören oder dazu aufrufen. Es gab einen Ikonoklasmus in der byzantinischen Kirche, zur Reformationszeit, einen antiklerikalen Bildersturm der Neuzeit und teilweise nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Die Bewegung der Bilderstürmer, die mit der verbindlichen Überlieferung der Kirche gebrochen hatte, betrachtete die Bilderverehrung als eine Rückkehr zum Götzendienst. Keineswegs widerspruchsfrei und unzweideutig untersagten ihre Anhänger die Darstellung Christi und die Anbringung religiöser Bilder überhaupt; sie erlaubten aber weiterhin Bilder nichtreligiösen Inhalts, insbesondere Bilder des Kaisers mit den ihnen entgegengebrachten Ehrfurchtsbezeigungen. Die Grundlage der Beweisführung der Bilderfeinde war christologischer Natur. Wie soll man Christus malen können, der in seiner Person die göttliche und die menschliche Natur vereint, ohne die beiden Naturen miteinander zu vermischen oder voneinander zu trennen? Seine unbegreifliche göttliche Natur darzustellen, ist unmöglich; ihn aber nur in seiner Menschennatur zu zeigen, bedeute, ihn zu spalten, die göttliche Natur in ihm von seiner menschlichen Natur zu trennen. Die Wahl des einen oder des anderen dieser Wege würde zu den beiden einander entgegengesetzten christologischen Häresien, dem Monophysitismus und dem Nestorianismus, führen. Denn wenn einer vorgäbe, Christus in seiner göttlichen Natur darzustellen, müßte er notgedrungen dessen menschliche Natur verbergen; stellte er aber nur das Bild eines Menschen dar, würde nicht offenbar, dass er auch Gott ist.[2]

Literatur

  • Heidemarie Seblatnig (Hg.): Hetzendorf und der Ikonoklasmus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Facultas Universitätsverlag Wien 2010 (390 Seiten).
  • Thomas Baumann: Moderne Irrtümer und ihre Herkunft. Von Donatisten, Ikonoklasten und anderen Ketzern. Sankt Ulrich Verlag 2011 (160 Seiten; ISBN 978-3-86744-188-9).

siehe: Zweites Konzil von Nizäa

Anmerkungen

  1. Jan Vanneste in: LThK, 2. Auflage, Band 5, Sp. 621, Ikonoklasmus.
  2. Apostolisches Schreiben Duodecimum saeculum an die Bischöfe der Katholische Kirche zur Zwölfhundertjahrfeier des II. Konzils von Nizäa vom 4. Dezember 1987, Nr. 8.
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