Ignatius von Loyola: Geistliche Übungen

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Geistliche Übungen
Ignatius von Loyola (Iñigo López de Loyola), verfasst 1522-1523

Quelle: Ignatius von Loyola, Geistliche Übungen, nach dem spanischen Urtext übertragen, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Alfred Feder SJ, G. J. Manz, Buch- und Kunstdruckerei A.G. Regensburg 1922 (191 Seiten, Zweite, verbesserte und erweiterte Auflage; Imprimatur Ratisbonae, die 26. Augusti 1922 Dr. Scheglmann, Vic. Gen.).
Hier in der Kathpedia wurden Überschriften teils leicht verdeutlicht. Außerdem wurde teilweise auf Seitenzahlen in zwei Klammern - z.B. ((↓ S. 129)) - hingewiesen, um die angegebenen Verweise leicht auffinden zu können. Der Übersetzer fügte einige Wörter kursiv hinzu, um bei der wörtlichen Übersetzung das Verständnis zu erleichtern. Diese sind hier nicht kursiv geschrieben. Der Anhang, der ein "Plan der Lesung während der Exerzitienkurses" ist und die Anmerkungen (mit Abkürzungen) wurden weggelassen, obwohl die Nummern hier in Klammer erscheinen. Das Wort Weib wurde mit Frau getauscht, gleisnerisch mit heuchlerisch wiedergegeben.
Die erste deutsche Übersetzung erschien anonym in Regensburg in der Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz unter dem Titel „Die Geistlichen Übungen des hl. Ignatius von L. (1855, 1892 [2. Auflage). Im Anschluss daran fertigte R. Handmann S. J. eine neue Übertragung an nach der erschienenen spanischen Ausgabe von 1887 (Ausgabe mit Anmerkungen Regensburg 1904, kleine Textausgabe Graz 1905). Eine weitere Übertragung der "die von P. Roothaan … hergestellte lateinische Ausgabe zugrunde gelegt wurde", ließ F. Weinhandl 1921 zu München erscheinen; diese Übersetzung weist eine sehr starke Abhängigkeit von den zwei vorhin genannten Ausgaben (Manz und Handmann) auf. Noch weit mehr gilt dies bezüglich der kleinen Manz'schen Ausgabe von dem Auszug aus den Exerzitien, der 1920 in München im Hyperion-Verlag veröffentlicht wurde. Es folgt die Quelle. Dann: Ignatius von Loyola, Geistliche Übungen, nach der Übersetzung von Alfred Feder SJ, neu herausgegeben von Emmanuel Raitz v. Frentz S. J., Herder Verlag Freiburg 1957, 13. Auflage; Imprimatur Freiburg im Breisgau, 20. November 1951 Burger, Generalvikar.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung (1)

1 . Entstehung des Exerzitienbüchleins

Bei der heldenmütigen Verteidigung der Grenzfeste Pamplona gegen die Franzosen war Don Inigo von Loyola, Offizier der spanischen Truppen, am 21. Mai 1521 schwer verwundet worden. Eine Kugel hatte ihm das rechte Bein zerschmettert. Man verbrachte den Verwundeten in einer Sänfte in sein Heimatschloss. Längere Zeit schwebte der früher so lebensfrohe Ritter, erst 29jährig, zwischen Leben und Tod. Als er wieder auf dem Wege der Besserung war, verlangte er, um die Langeweile des Krankenlagers zu vertreiben, nach Ritterromanen, deren abenteuerliche Gestalten seinen Sinn so oft bestrickt hatten. Da man aber keine solche zur Hand hatte, gab man ihm dafür zwei andere Bücher: eine Heiligenlegende und das Leben Christi. Inigo nahm sie, wenn auch anfangs mit Widerstreben, und las darin. Nun tat sich plötzlich eine ganz neue Welt vor ihm auf. Die Heiligen mit ihren heroischen Taten und Tugenden standen vor seinem Auge und luden ihn zur Nachahmung ein. Daneben erschienen aber, zeitweise wieder die alten Gestalten der Ritterromane, Bilder von Reichtum, Glanz und Ruhm, von Minnedienst und Waffendienst. Während aber die Lektüre der Heiligenlegende in seinem Herzen Friede und Ruhe hinterließ, folgten auf die Welltbilder Ekel und Widerwillen und es. ging ihm jetzt in voller Klarheit der Unterschied zwischen Weltdienst und Gottesdienst auf. Er entschied sich endgültig für den Gottesdienst. Hier will er Großes leisten, es selbst den Heiligen zuvortun.

So verlässt er denn im Frühjahr 1522 Elternschloß und Heimat, um höheren Waffendienst in der Gefolgschaft Christi aufzusuchen. Im Heiligtum auf dem Montserrat in Katalonien schließt er durch eine Generalbeichte mit seinem Weltleben ab. Dann zieht er weiter gegen Barcelona hin, um von dorten eine Wallfahrt in das Heilige Land anzutreten. Die Pest versperrt ihm vorläufig den Weg und er sieht sich gezwungen, fast ein volles Jahr in der kleinen Stadt Manresa zuzubringen. In dieser Zeit ward der neue Streiter Christi zum starken Ritter geschult. Gott selbst führte ihn - der Ausdruck ist von Ignatius - wie ein Lehrer seinen Schüler von Stufe zu Stufe. Äußerlich und innerlich war das Leben zu Manresa ein Leben unablässigen Gebetes und Ringens: Gebet bei Tag und Nacht, harte Wachen und Fasten und andere schwere Bußübungen, in der Seele steter Wechsel von Trost und Trostlosigkeit, Freude und Trauer, Friede und Unruhe. Als einst die Gewissensängste auf das höchste gestiegen waren und ihn zur Verzweiflung treiben wollten, da kam ihm das Andenken an die Erfahrungen, die er auf dem Krankenlager zu Loyola gemacht: alles, was die fromme Seele beunruhigt und quält, kommt vom Bösen her. Wie aus einem langen tiefen Schlafe erwachend, war Inigo plötzlich von seinen qualvollen Skrupeln und Ängsten befreit und die Ruhe kehrte wieder in sein Inneres ein.

Was Ignatius in den Tagen der Krankheit zu Loyola, in den Übungen und Seelenkämpfen auf dem Montserrat und in Manresa innerlich erlebte, das schrieb er sich und anderen gottliebenden Seelen zum Nutzen in Manresa nieder. Das Aufgezeichnete bildet den Grundstock und den Hauptbestandteil der Geistlichen Übungen. Einige Zusätze fügte Ignatius dann noch im Laufe der nächsten Jahre hinzu, wie die Regeln über die Almosenverteilung sowie über die Pflege der wahren kirchlichen Gesinnung und die ausführlichere Zusammenstellung der Geheimnisse aus dem Leben Christi.(2)

2. Sein Aufbau

Nach der Idee des heiligen Ignatius bildet das Büchlein der Exerzitien nicht nur einen Leitfaden für die Zeit der Geistlichen Übungen selbst, sondern auch ein umfassendes praktisches Lehrbuch des ganzen geistlichen Lebens für alle, die entschlossen sind, ihr Leben vernunftgemäß zu ordnen. Entsprechend sind seine Hauptziele: Befreiung von der Sünde, Läuterung und Erneuerung, Vereinigung mit Gott. Kurz können wir die Übungen charakterisieren als eine Zusammentat der wichtigsten christlichen Grundwahrheiten mit dem Zweck, den Menschen von aller Sündenschuld zu befreien, ihn in Zukunft davor zu bewahren und ihn durch stete Selbstläuterung und durch das Gebet mit seinem letzten Ziele zu vereinen.

Treffend und geistreich hat Franz Hettinger(3) das Wesen der Geistlichen Übungen also geschildert: „Es sind die Exerzitien ein wunderbares, bis dahin noch nicht gekanntes, auf unwiderstehlicher Konsequenz gegründetes, in sich getragenes und abgeschlossenes System, ein aus den ewigen Wahrheiten des Glaubens bestehendes, innig verbundenes und innerlich gegliedertes Ganze, das alles enthält, was immer die Seele läutern, reinigen, bilden und retten kann, ganz besonders aber, um sie jener Stufe der Vollkommenheit entgegenzuführen, die sie nach den von Gott in sie gelegten Anlagen und dem Plane der göttlichen Prädestination einzunehmen berufen ist.

Fern vom Lärme des Tages, in Abgeschiedenheit und Stillschweigen werden der Seele des Exerzitanden von erfahrenem Seelenführer die großen Grundwahrheiten und Heilstatsachen der christlichen Religion vorgeführt. Bei der persönlichen Betätigung des einzelnen obliegt dann die Hauptarbeit dem Verstande und dem Willen. Die Wahrheiten sollen vom Verstande in Ruhe durchdacht und erwogen und stetig auf das eigene Leben angewandt werden. Hierauf soll der Wille entsprechende Entschlüsse fassen, wieder in voller Ruhe, aber zugleich in hochherziger Gesinnung gegen den Geber alles Guten. Inniges reichliches Gebet sowie der Geist der Demut und Buße ziehen auf die Seele die für den inneren Wandel nötigen Gnaden in überfließender Weise herab.

Die Exerzitien bestehen aus drei Hauptteilen: der Einführung, den eigentlichen Übungen, verschiedenen Anhängen. Die. Einführung ihrerseits umfasst 20 Bemerkungen, die sich teils an den Exerzitienleiter, teils an den Exerzitanden wenden und nach einer Begriffsbestimmung Ratschläge und Winke für ein gutes Gelingen vorlegen. Dann beginnen die eigentlichen Übungen. Eingeteilt sind diese äußerlich in vier sogenannte Wochen, die je eine entsprechende, aber nicht gleich lange Reihe von Tagen umfassen.

Den Ausgangspunkt der ersten Woche bildet die große Frage, die alle Menschen sich stellen müssen, die Frage nach dem Sinn eines jeden Menschenlebens. Wuchtig und bestimmt lautet die Antwort: Zweck jedes Lebens ist der, dass der Mensch Gott dem Herrn Ehre erweist und dient und auf diese Weise seiner eigenen Seele Heil erwirke. Diese einfache und doch so tief einschneidende Wahrheit, die uns die ursprüngliche Idee Gottes vom Menschen widerspiegelt, bildet die Grundlage, auf der der Bau der. Exerzitien sich erhebt. Sie weist allem menschlichen Denken und Tun Richtung und Weg, sie ist das Grundgesetz aller sittlichen Ordnung und das Unterscheidungsmerkmal für den Wert oder Unwert jedes Menschenlebens.

Der Mensch lebt nicht allein auf dieser Erde. Er ist hineingestellt in eine reiche Naturweit: eine große Mannigfaltigkeit von Geschöpfen und Gütern umgibt ihn, er trägt in sich einen großen Reichtum von Anlagen und Fähigkeiten, sein Leben spielt sich ab unter stetem Wechsel verschiedenartiger Stimmungen. Wiederum erhebt sich für den denkenden Menschen die Frage nach Sinn und Zweck all dieser Geschöpfe und Kräfte. Und klar lautet die Antwort auch hier: alles soll dem einzelnen behilflich sein, das eigene große Ziel, die Mehrung der Ehre Gottes und das Wirken seines Seelenheiles zu erreichen. Deshalb soll er die Geschöpfe insoweit gebrauchen, als sie ihn zu diesem Ziele hinführen, und er muss sich ihrer insoweit entäußern, als sie ihn davon abhalten, in heiligem Gleichmut nur darauf bedacht, das zu wählen, was eher zu jenem Endziele hinführt. Wiederum eine Grundwahrheit, die mit wuchtiger Kraft vor die Seele tritt und schier ein endloses Feld für ernste Erwägung und Betätigung eröffnet.

So ist denn der Vollsinn des Lebens geklärt und zugleich der Weg zum wahren Glück gewiesen: ungeteilte, zum Opfer bereite Hingabe des freien Willens an Gott, von dem wir ausgegangen sind, und endlose Beseligung in Gott, wenn wir einst wieder zu ihm zurückkehren werden.

Die Seele ist vielleicht von der Zielrichtung des Lebens abgeirrt durch die Sünde, die zum ewigen Verderben führt. Aus ihr muss der Mensch befreit oder doch vor ihr nachdrücklich gewarnt werden. Es geschieht dies durch die Betrachtungen über die Sünde. Sie gewähren einen klaren, tiefen Einblick in deren Wesen und Wirkungen. Sie stellen uns die Sündenfolgen zunächst bei anderen Wesen vor, die von Gott abirrten, nämlich bei den gefallenen Engeln, bei den Stammeltern, bei irgend einem Verdammten, sie halten uns dann die eigene Sündhaftigkeit vor Augen und lassen uns schließlich einen Blick tun in den ewigen Strafort der Hölle. Die Sündenbetrachtungen sollen tiefste Beschämung, Reueschmerz und den festen Entschluss, die Sünde zu meiden, erzeugen, nicht aber Verzweiflung. Deshalb führen sie zurück zum Weltheiland, der uns die Sündenvergebung erworben hat: zu Christus am Kreuz, der mit seinen offenen Armen, seinen offenen Wunden, seinem offenen Herzen alle reumütigen aufnimmt. Und am Fuße des Kreuzes gewinnt der erste Entschluss, Gott allein zu dienen und seiner größeren Ehre zu leben, neue Weihe und Kraft. Die Seele ist jetzt fähig geworden, das schönste Vorbild der neuen Gottesverehrung zu schauen, die wesenhafte Verkörperung aller wahren Verherrlichung Gottes: Jesus Christus.

Christus ist unser Führer und unser König. In der möglichst engen Angleichung an sein Beispiel nach dem Maße der uns zugeteilten göttlichen Gnade liegt für jeden die gerade ihm erreichbare Stufe irdischer Vervollkommnung und Heiligung. Eingeleitet werden die Betrachtungen über das Leben Christi, die die zweite Woche bilden, durch die Betrachtung des Königtumes Christi. Der frühere Ritter Ignatius lässt hier Christus als Heerführer und König erscheinen, dessen Reich die geistige Herrschaft über die ganze Welt ist. Er zieht aus, es zu erobern, und jeder, der guten Willens ist, kann in seine Gefolgschaft eintreten. Der Sieg und Enderfolg ist sicher und der Kampfpreis wird an den einzelnen ausgeteilt nach dem Maße der selbstlosen Treue, die er im Kampfe unter solchem Führer bewies.

Die Idee vom Königstum Christi weist den Exerzitanden zugleich auf noch etwas anderes als auf die Sicherstellung des eigenen Heiles und der eigenen Heiligung. Der Kämpfer, der der Fahne des Heilandes folgt, darf sich nämlich nicht nur mit den persönlichen Erfolgen zufrieden geben, sondern es soll ihm stets das hohe Ziel vor Augen schweben, gemäß seinen Kräften und seinem Berufe auch eifrig mitzuwirken am geistigen Wohle und Heile seiner Mitmenschen.

Das Bild vom König und Heerführer Christus ist nicht neu, es entstammt den Heiligen Büchern, die auch des Menschen Leben als einen Kriegsdienst hinstellen. Dem Soldatengeist des heiligen Ignatius sagte dies Bild besonders zu: in seinen Augen ist die Erde ein großer Kampfplatz und die Weltgeschichte der Austrag des Streites; Christus, an der Spitze seiner Getreuen, trägt den glänzenden Sieg davon. Zu Beginn der Betrachtung stellt die Parabel vom irdischen König, dem großen christlichen Heerführer, der im Namen Gottes auszieht zur Eroberung der ungläubigen Länder. Die Parabel ist geboren aus altererbtem spanischem Rittergeist und somit geschichtlich zu erklären; für die Betrachtung selbst ist sie nicht wesentlich.

Hat die Seele ihre Begeisterung am Bilde des Heerkönigs Christi entzündet, so zeigt sich ihr in den folgenden Betrachtungen Christus mehr als liebenswürdiger Menschensohn, als Lehrer und der uns in seinen Worten und Taten sein innerstes Denken und Wollen enthüllt. Das volle Verständnis der Person, des Charakters und der Absichten Jesu sowie der Entschluss engster Nachahmung des Herrn, also innige Heilandserkenntnis und tätige Heilandsliebe, das sollen die unmittelbare Frucht der Erwägungen der zweiten Woche sein.

Zunächst wird das Werk der Menschwerdung als der aus ewiger und unendlicher Gottesliebe entstammte Heilsplan hingestellt. Und damit wir den Grundcharakter des frei gewählten Lebens, das der Gottessohn auf Erden führte, gleich erkennen, nämlich seine Demut und Armut, seinen Gehorsam und seine Opferliebe, darum ziehen Geburt und Krippe, Beschneidung und Opferung im Tempel, die Flucht nach Ägypten und das verborgene Leben zu Nazareth an uns vorüber. Diese Betrachtungen führen die Seele mit sanfter Meister, Gewalt einem bedeutsamen Wendepunkt entgegen, wo gleichsam ein zweites Leben für sie beginnen soll, zur großen entscheidenden Wahl. Das Vorbild des gemeinsamen christlichen Lebens hatte ihr der Gehorsam Jesu zu Nazareth vor Augen gestellt; das Auftreten des göttlichen Knaben im Tempel, der, um Gott zu dienen, Vater und Mutter verließ, hatte sie auf den Stand der christlichen Vollkommenheit hingewiesen. Da taucht vor den Augen der Seele noch einmal ein glänzendes Soldatenbild von Heerbann und Heerfahrt auf: es ist das Bild von zwei Fahnen oder von den zwei Heerlagern vor Babylon und Jerusalem. Die Betrachtung soll der Seele, die schon entschlossen ist, Christus zu folgen, in großen Zügen das Programm enthüllen, das die beiden Heerführer, Satan und Christus, auf ihre Fahne geschrieben haben, auf dass die Seele die verderblichen Grundsätze und Trügereien Satans erkenne und Christus allein anhange. Bei Satan heißt das Programm: durch Reichtum, Ehre, Hochmut zu allen Lastern, bei Christus lautet es : durch Armut, Verachtung, Demut zu allen Tugenden. Besiegt von der Werbekraft des Weltheilandes bietet die Seele sich in innigem Gebete Gott dar zur innigsten Nachfolge Jesu in Armut, geistiger oder wirklicher, in Schmach und Demut, aber in Unterordnung unter Gottes heiligen Willen.

Die Nachfolge Christi verlangt ungeteilte Weihe, einem etwaigen Schwanken der Seele soll die Betrachtung von den drei Menschenpaaren ein Ende bereiten. Sie klingt aus in den Entschluss tatsächlicher Hingabe an Jesus in einem der beiden großen Stände. Die Seele wird nun weiter eingeführt in den Charakter Jesu: sie soll Jesus noch besser erkennen, ihn noch inniger lieben, ihm noch williger nachfolgen. Es reiht sich darum Betrachtung an Betrachtung aus dem Leben des Heilandes. Viele Tage schaut die Seele ihn lehrend, tröstend, Sünden vergebend, heilend, Wunder wirkend, so wie die Evangelien ihn darstellen.

Ehe der Mensch die letzte Entscheidung über sein Leben trifft, muss er noch unverhüllter erkennen, worin denn im Grunde die ganze ungeteilte Hingabe besteht. Dieses innerste Wesen der Nachfolge Jesu wird ihm durch die öfter anzustellende Erwägung über die drei Arten der Demut aufgedeckt: nämlich die freie Wahl alles dessen, was die Seele dem Heiland ähnlich gestaltet, und zwar eine Wahl aus dem Beweggrund reiner selbstloser Liebe. Die Lebenswahl kann vom Exerzitanden jetzt mit Ruhe und Sicherheit beendet werden. Ihr dienen noch die verschiedenen Wahlregeln, die die zweite Woche beschließen.

Zweck der dritten und vierten Woche, der Leidens- und Auferstehungswoche, kann jetzt nur mehr der sein, die Abkehr von Sünde und Welt zu festigen, die Erkenntnis des Herrn zu vertiefen, die begeisterte Liebe zu ihm zu stärken und den Entschluss der Nachfolge zu kräftigen.

Die Exerzitien gingen aus vom Schoße Gottes. Dahin kehren sie schließlich wieder zurück. Die letzte Betrachtung über die Liebe Gottes führt die Seele auf den Stufen der von Gott gespendeten Wohltaten und der Geschöpfe hinauf zum Schöpfer und Geber alles Guten, zur unendlichen Schönheit, Reinheit und Vollkommenheit selbst. Hier ruht die Seele aus und in der Erkenntnis, dass es Gottes Eigenart ist, seinen Freunden in immerwährender und allgegenwärtiger Liebe stets neue Güter und Wohltaten zu spenden und zwar einzig der Liebe wegen, schwingt sie sich auf zum Lobgesang des Suscipe, dem herrlichen Gebet rückhaltloser Liebe und Hingabe an Gott den Herrn.

Zwischen den einzelnen größeren Betrachtungen und Erwägungen finden wir noch eine Reihe von praktischen Regeln und Winken eingeschoben oder ihnen zugefügt. Sie stehen teils mit den Geistlichen Übungen in unmittelbarer Beziehung, wie die verschiedenen Zusätze, die Bemerkungen über Gewissenserforschung, Generalbeichte und Kommunion, teils betreffen sie wichtige Grundstücke des praktischen geistlichen Lebens überhaupt, so die Regeln über die Mäßigkeit, die zur Unterscheidung der Geister, die Ausführungen über die drei Gebetsarten, die Ratschläge über die rechte Almosenverteilung, die Grundsätze über die wahre kirchliche Gesinnung.

3. Seine Überlieferung

Der Text, den Ignatius zu Manresa niedergeschrieben, blieb wesentlich derselbe. So oft er im Jahre 1555 in seinen Lebenserinnerungen die Exerzitien erwähnt, bezeichnet er dieselben immer mit ein und demselben Ausdruck "die Exerzitien", so für die Zeit von Alcala 1526, von Salamanca 1527, von Paris 1528-1535, von Venedig 1536, von Rom 1538. Nur hat Ignatius in den ersten Jahren den Text stellenweise verbessert und einige Zusätze beigefügt (s. oben). Abgeschlossen waren die Verbesserungen von seiner Hand sicher vor dem Jahre 1548 (4).

Leider ist uns keines der von Ignatius' Hand geschriebenen Exemplare erhalten geblieben. Doch hat ein gütiges Geschick uns eine spanische Abschrift überliefert, die Ignatius selbst von Anfang bis zu Ende durchkorrigiert hat. Sie bietet uns somit die Gewähr größter Treue und Zuverlässigkeit, die obendrein auch noch durch die Übereinstimmung mit anderen alten Texteszeugen bestätigt wird. Die Abschrift, das sogenannte Autograph, ist vor das Jahr 1547 anzusetzen (5).

Aus der Zeit des heiligen Ignatius besitzen wir außerdem noch zwei lateinische Übersetzungen, die er selbst veranlasst hat und die unter seinen Augen angefertigt wurden. Es ist die sogenannte Erste Übersetzung (Versio prima), die Ignatius während seines Pariser Aufenthaltes ungefähr im Jahre 1534 wahrscheinlich durch einen seiner spanischen Gefährten herstellen ließ und die uns noch in einer Handschrift vom Jahre 1541 erhalten ist (6), und dann die sogenannte Gewöhnliche Übersetzung (Versio vulgata), welche P. Andreas de Freux im Auftrage des Ordensgenerals in gewandtem Latein zu Rom 1546/47 abfasste. Während erstere sich durchweg strenge an den spanischen Text anschließt, ist letztere nach Art damaliger stilistischer Übertragungen freier gehalten. Beide Übersetzungen wurden Papst Paul III. zur Bestätigung vorgelegt. Diese erfolgte unter großen Lobeserhebungen am 31. Juli 1548. Bereits im selben Jahre wurden die Exerzitien in der Form der Versio vulgata der Öffentlichkeit übergeben. Seither erschien dieser Text noch in mehr denn 100 Neudrucken.

Der spanische Text ward erstmals zu Rom im Jahre 1615 dem Druck übergeben und nachher noch etwa 25 mal neu aufgelegt, zuletzt 1919 in der textkritischen Ausgabe der Monumenta historica Societatis Jesu.

Der Wunsch, seinen Söhnen einen möglichst genauen Wortlaut der Exerzitien zugänglich zu machen, bestimmte den Ordensgeneral Johannes Roothaan (geb. 1785 zu Amsterdam), selbst eine wortgetreue lateinische Übersetzung, die er schon seit Jahren vorbereitet hatte, zu veröffentlichen. Die Übertragung erschien 1835 zu Rom samt der beigedruckten Versio vulgata und mit vielen wertvollen Anmerkungen versehen. Die vierte Auflage von 1852 brachte noch manche Verbesserungen von Roothaans Hand. Sein Text wurde nachher noch etwa fünfzehnmal nachgedruckt, zuletzt im Jahre 1911 bei Pustet zu Regensburg in der Sammlung von F. X. Brehm: Bibliothecä ascetiea.

4. Sein Einfluss

Unaussprechlich groß ist der Segen gewesen, der sich von Anfang an aus dem kleinen Büchlein der Exerzitien über die Seelen ergossen hat, so dass man gestehen muss: Hier hat Gott selber die Hand des Verfassers geleitet. Die Exerzitien haben recht eigentlich die Gesellschaft Jesu ins Leben gerufen, sie mit ihrem Geiste durchtränkt und mit ihrer Lebenskraft erhalten. Aus der Schule der Exerzitien gingen Selige und Heilige hervor, wie Peter Faber, Franz Xavier, Franz Borja, Peter Canisius, Philipp Neri, Franz von Sales, Karl Borromäus, Vinzenz von Paul, Klemens Hofbauer, eine Theresia von Jesus und eine Magdalena von Pazzis. Unzählige haben sie aus der Sünde befreit und ihnen von neuem den Himmelsfrieden gegeben; zahllosen anderen wiesen sie den Weg der christlichen Vollkommenheit. In vielen Herzen weckten sie selbstlosen Apostelgeist und begeisterten sie zu großen Taten im Gottesreich. In zahlreichen Ordensgemeinden haben sie von neuem den ersten Eifer entfacht und in Familien und Gemeinwesen Friede und Ordnung hergestellt oder gefördert, allüberall neues Leben aufblühen lassend.

Woher kam den Geistlichen Übungen diese überwältigende Kraft und diese unwiderstehliche Gewalt über die Menschenherzen, da ihre Sprache doch so einfach, schlicht, zuweilen selbst unbeholfen erscheint? Nächst Gottes Gnade aus der strengen Folgerichtigkeit ihres Aufbaues und aus ihrer meisterhaften psychologischen Anlage. Die ernsten Grundwahrheiten der christlichen Religion werden dem Verstand in solcher Klarheit; Konsequenz und Anpassung an die menschlichen. Seelenkräfte vorgelegt, dass der Geist sich vor ihrer Logik beugt und der Wille sich gefangen gibt, nicht gezwungen unter dem Drucke dunkler Mächte oder dem Einflusse fremden Menschenwillens, sondern sanft, ruhig und mild in voller Freiheit unter dem klaren Lichte der Vernunft und dem mächtigen Beistande der göttlichen Gnade.

ANIMA CHRISTI (1)

Anima Christi, sanctifica me.
Corpus Christi, salva me.
Sanguis Christi, inebria me.
Aqua lateris Christi, lava me.
Passio Christi, conforta me.
O bone Jesu, exaudi me.
Intra tua vulnera absconde me.
Ne permittas me separari a te.
Ab hoste maligno defende me.
In hora mortis meae voca me.
Et jube me venire ad te.
Ut cum sanctis tuis laudem te
In Saecula saeculorum.
Amen.

Seele Christi, heilige mich.
Leib Christi, erlöse mich.
Blut Christi, tränke mich.
Wasser der Seite Christi, wasche mich.
Leiden Christi, stärke mich.
O gütiger Jesus, erhöre mich.
Verbirg in deine Wunden mich.
Von Dir lass nimmer scheiden mich.
Vor dem bösen Feind beschütze mich.
In meiner Todesstunde rufe mich.
Und lass zu Dir dann kommen mich,
Damit mit deinen Heiligen Dich
Ich loben möge ewiglich.
Amen.

Die geistlichen Übungen

IHS

In Kursivlettern sind solche Wörter und Satzteile gedruckt, die vom Übersetzer zum Verständnis des deutschen Textes als notwendige Ergänzungen zugefügt wurden (hier in der Kathpedia nicht beachtet).

Vorbemerkungen (2)

Bemerkungen, die einiges Verständnis der hier folgenden geistlichen Übungen bieten und sowohl dem behilflich sein sollen, der sie zu geben, als dem, der sie zu empfangen hat. (3)

1. Unter diesem Namen der geistlichen Übungen versteht man jede Art, das Gewissen zu erforschen, zu betrachten, zu beschauen, mündlich und geistig zu beten, und anderer geistlicher Tätigkeiten (4), wie später noch gesagt wird. Denn gleichwie Umherwandeln, auf ein Ziel Zugehen und Laufen (5) körperliche Übungen sind, so nennt man geistliche Übungen jede Art, die Seele, vorzubereiten und in Stand zu setzen, damit sie alle ungeordneten Neigungen von sich entferne und nach ihrer Entfernung den göttlichen Willen suche und finde in der Regelung des eigenen Lebens zum Heile der Seele.

2. Derjenige, der einem anderen Art und Anordnung für das Betrachten oder Beschauen vorlegt, soll getreu die der Beschauung oder Betrachtung zugrunde liegende geschichtliche Tatsache erzählen, während er nur die Punkte kurz und der Hauptsache nach durchgeht; denn nimmt der Beschauende die wahre Grundlage der Geschichte (5) hin, überdenkt und zieht er seine Schlüsse selber und findet er dabei etwas, was den Sinn der Geschichte auch nur ein wenig mehr aufhellt oder kosten lässt, sei dies nun infolge der eigenen Vernunfttätigkeit oder deshalb, weil der Verstand durch göttliche Kraft erleuchtet wird, so gewährt das mehr Genuss und geistliche Frucht, als wenn der Exerzitienmeister den Sinn der Geschichte viel erklärt und weit ausgeführt hätte; denn nicht das Vielwissen sättigt die Seele und leistet ihr Genüge, sondern das innere Fühlen und Verkosten der Dinge.

3. Da wir in allen nachfolgenden geistlichen Übungen den Verstand beim Nachdenken und den Willen bei den Gemütsbewegungen betätigen, so müssen wir beachten, dass bei den Betätigungen des Willens, wenn wir mündlich oder geistig mit Gott unserem Herrn oder mit seinen Heiligen sprechen, größere Ehrfurcht von unserer Seite erfordert wird, als wenn wir unseren Verstand zum Einsehen gebrauchen.

4. Es werden zwar für die folgenden Übungen vier Wochen angesetzt, die den vier Teilen entsprechen sollen, in die die Übungen sich scheiden, nämlich dem ersten Teil, der in der Erwägung und Betrachtung über die Sünden besteht, dem zweiten, d. h. dem Leben Christi unseres Herrn bis zum Palmsonntag einschließlich, dem dritten oder dem Leiden Christi unseres Herrn, dem vierten oder der Auferstehung und Himmelfahrt mit Anschluss dreier Gebetsweisen. Dennoch ist damit nicht gemeint, jede Woche müsse notwendig sieben oder acht Tage umfassen. Denn da es vorkommt, dass in der ersten Woche einige langsamer das erlangen, was sie suchen, nämlich Zerknirschung, Reueschmerz, Tränen (7) über ihre Sünden, da ferner einige eifriger sind als andere und auch mehr von den verschiedenen Geistern bewegt oder geprüft werden, so ist es notwendig, dass die Woche bisweilen abgekürzt, bisweilen aber verlängert werde. Dasselbe gilt auch für alle übrigen folgenden Wochen, indem man alles einzurichten sucht nach den Forderungen der vorliegenden Verhältnisse. (8) Jedoch soll man die Übungen in beiläufig dreißig Tagen beenden.

5. Für den Exerzitanden ist es von großem Nutzen, in die Übungen mit Großmut und Freigebigkeit gegen seinen Schöpfer und Herrn einzutreten und all sein Wollen und seine Freiheit ihm darzubringen, damit die göttliche Majestät sowohl über seine Person als über alles, was er besitzt, nach ihrem heiligsten Willen verfüge.

6. Wenn der Exerzitienleiter gewahrt, dass in der Seele des Exerzitanden keinerlei geistige Bewegungen, wie z.B. Tröstungen oder Trostlosigkeiten, entstehen und dass er auch nicht durch verschiedene Geister erregt wird, so muss er ihn betreffs der Übungen eindringlich fragen, ob er sie zu den angesetzten Zeiten und wie er sie austeile; desgleichen bezüglich der Zusätze, ob er sie sorgfältig beobachte; über all diese Dinge soll er im einzelnen Auskunft verlangen.

7. Wenn der Exerzitienleiter sieht, dass der Exerzitand sich in Trostlosigkeit befindet oder versucht wird, so benehme er sich gegen ihn nicht hart und rau, sondern mild und sanft, indem er ihm Mut und Kraft für die Zukunft einflößt, ihm die Trugwerke des Feindes der menschlichen Natur aufdeckt und ihm zuredet, dass er sich für die künftige Tröstung vorbereite und empfänglich mache.

8. Der Exerzitienleiter kann je nach dem Bedürfnis, das er beim Exerzitanden wahrnimmt - handle es sich nun um Trostlosigkeit und die Trugwerke des bösen Feindes oder auch um die Tröstungen - demselben die Regeln der ersten und zweiten Woche vorlegen, die zur Unterscheidung der verschiedenen Geister dienen.

9. Es ist folgendes zu beachten: Befindet sich der Exerzitand in den Übungen der ersten Woche und ist er eine Person, die in geistlichen Dingen nicht bewandert ist, und wird er in handgreiflieher und offener Weise versucht, z. B. wenn der böse Feind ihm Dinge vorhält, die ihn hindern sollen, im Dienste Gottes unseres Herrn voranzuschreiten, als da sind Mühseligkeiten, Beschämung und Furcht für die weltliche Ehre und so fort, so soll der Exerzitienleiter ihm nicht die Regeln der zweiten Woche über die verschiedenen Geister vorlegen. Denn so sehr ihm die Regeln der ersten Woche nützen können, ebenso sehr werden ihm die der zweiten Woche schaden, weil ihr Gegenstand zu fein und zu hoch ist, als dass er es verstehen könnte.

10. Wenn der Exerzitienleiter gewahr wird, dass der Exerzitand unter dem Scheine des Guten angefochten und versucht wird, dann ist es tunlich, ihm über die Regeln der bereits erwähnten zweiten Woche zu reden. Denn gemeiniglich versucht der Feind der menschlichen Natur mehr unter dem Scheine des Guten, wenn der Mensch sich auf dem Wege der Erleuchtung befindet, der den Übungen der zweiten Woche entspricht, aber nicht so sehr auf dem Reinigungswege (9), der den Übungen der ersten Woche entspricht.

11. Für den Exerzitanden ist es in der ersten Woche ersprießlich, dass er nichts von dem erfährt, was er in der zweiten Woche zu tun hat, sondern dass er sich in der ersten um die Erlangung dessen, was er sucht, derart bemühe, als ob er in der zweiten Woche nichts Gutes mehr zu finden hoffte (10).

12. Der Exerzitienmeister soll den Exerzitaiiden ernstlich mahnen, er möge, da er in jeder der fünf täglichen Übungen oder Beschauungen eine Stunde lang ausharren soll, auch immer dafür sorgen, dass seine Seele zufrieden bleiben könne im Bewusstsein, eine ganze Stunde lang bei jener Übung verharrt zu haben und eher noch etwas länger als weniger. Denn der böse Feind pflegt nicht wenig dahin zu wirken, dass die Stunde einer solchen Beschauung, Betrachtung oder eines solchen Gebetes abgekürzt werde.

13. Desgleichen ist folgendes zu beachten. Wie es zur Zeit der Tröstung leicht ist und wenig Mühe kostet, eine ganze Stunde in der Beschauung auszuharren, so ist es zur Zeit der Trostlosigkeit sehr schwierig, sie auszufüllen. Deshalb soll der Exerzitand, um gegen die Trostlosigkeit anzugehen und die Versuchungen zu überwinden, immer ein wenig über die volle Stunde aushalten, damit er sich nicht nur daran gewöhne, dem Feind, zu widerstehen, sondern auch ihn niederzuwerfen.

14. Wenn der Exerzitienmeister sieht, dass der Exerzitand sich im Zustand des Trostes befindet und mit viel Eifer vorangeht, so muss er ihn im voraus warnen, dass er kein Versprechen und auch nicht unüberlegt und übereilt irgend ein Gelübde ablege. Und je mehr er erkennt, dass derselbe unbeständigen Charakters sei, desto mehr muss er ihn im voraus warnen und mahnen. Denn obschon man einen anderen mit Recht zum Eintritt in einen Orden bewegen kann, in dem man, wie sich versteht, das Gelübde des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit ablegt, und obschon ein gutes Werk, das kraft eines Gelübdes verrichtet wird, verdienstlicher ist als ein solches, das man ohne Gelübde vollbringt, so muss man doch sehr auf die eigentümlichen Lebensverhältnisse und die Veranlagung (11) des Betreffenden Rücksicht nehmen und auch darauf, wie viel Hilfe oder Hemmung er bei der Erfüllung dessen, was er versprechen möchte, finden kann.

15. Der Exerzitienleiter darf den Exerzitanden nicht mehr zur Armut oder zu einem Versprechen zu bewegen suchen, als zu deren Gegenteil noch auch mehr zu einem Stande oder einer Lebensweise als zu einer anderen. Denn obgleich wir außerhalb der Übungen erlaubter- und verdienstlicherweise alle, die dazu wahrscheinlich befähigt sind, bewegen können, die Enthaltsamkeit, die Jungfräulichkeit, den Ordensstand und jede Art von evangelischer Vollkommenheit zu erwählen, so ist es doch während solcher geistlicher Übungen angemessener und viel besser, dass man den göttlichen Willen suche und dass der Schöpfer und Herr selbst sich der ihm ergebenen Seele mitteile, sie zu seiner Liebe und zu seinem Lobpreise an sich ziehe (12) und sie auf jenem Wege leite, auf dem sie ihm fürderhin besser dienen kann (13). Deshalb soll der Exerzitienmeister sich weder zur einen noch zur anderen Seite wenden oder hinneigen, sondern, einer Waage gleich (14), sich in der Mitte halten und den Schöpfer mit dem Geschöpf und das Geschöpf mit seinem Schöpfer und Herrn unmittelbar verkehren lassen.

16. Dazu, d. h. damit der Schöpfer und Herr um so sicherer in seinem Geschöpfe wirke, ist es, falls etwa eine solche Seele in ungeordneter Weise an einer Sache hängt oder zu ihr hinneigt, sehr angemessen, dass sie mit Aufbietung aller Kräfte sich bestrebe, zum Gegenteil dessen, wozu sie eine ungeordnete Neigung hat, zu gelangen. Wenn sie z. B. das Verlangen hat, sich um ein Amt oder eine kirchliche Pfründe zu bewerben oder dieselbe zu behalten - nicht wegen der Ehre und Verherrlichung Gottes unseres Herrn, noch wegen des geistlichen Wohles der Seelen, sondern lediglich der eigenen Vorteile und zeitlicher Interessen willen -, so muss sie das Verlangen nach dem Gegenteil in sich zu wecken suchen, eifrig dem Gebete und anderen geistlichen Übungen obliegen und Gott unseren Herrn um dasGegenteil bitten, dass sie nämlich nicht ein solches Amt oder eine solche Pfründe oder irgend ein anderes Gut verlange, es sei denn, seine göttliche Majestät regele ihre Begierden und wandle ihre erste Neigung derart um, dass der Grund, das eine oder andere zu verlangen oder zu behalten, einzig der Dienst, die Ehre und die Verherrlichung seiner göttlichen Majestät ist.

17. Zwar soll der Exerzitienleiter nicht beabsichtigen, die eigenen Gedanken oder Sünden des Exerzitanden auszuforschen und kennen zu lernen; wohl aber ist es ersprießlich, dass er eine getreue Kenntnis von den mannigfachen Regungen und Gedanken erlange, welche die verschiedenen Geister jenem eingeben (15). Denn so kann er demselben je nach dessen größerem oder geringerem Fortschritt gewisse geistliche Übungen vorlegen, die dem Bedürfnis einer solchen derartig bewegten Seele entsprechen und angemessen sind.

18. Die Vorliegenden geistlichen Übungen müssen sich in ihrer Anwendung nach der Beschaffenheit derer richten, welche sich denselben unterziehen wollen, d. h. nach ihrem Alter, ihrer Bildung oder ihren geistigen Anlagen, damit nicht einem, der ungebildet ist oder schwache Körperkräfte hat, Dinge vorgelegt werden, die er nicht leicht tragen und aus denen er keinen Nutzen gewinnen kann. Desgleichen soll einem jeden je nach der Stufe, die er erreichen will, das vorgelegt werden,' woraus er mehr Nutzen und Fortschritt erlangen kann.

Wer deshalb nur verlangt, dass man ihm behilflich sei, sich hinreichend zu unterrichten und bis zu einem gewissen Grade der Beruhigung seiner Seele zu gelangen, den kann man unterweisen über die besondere und dann über die allgemeine Gewissenserforschung und zugleich über die Art und Weise, des Morgens eine halbe Stunde lang betrachtendes Gebet über die zehn Gebote Gottes, die Todsünden usw. anzustellen. Man empfehle ihm dabei auch, alle acht Tage seine Sünden zu beichten, und, wenn er kann, alle vierzehn Tage oder noch besser, falls er sich angeregt fühlt, alle acht Tage das hochheilige Sakrament zu empfangen. Diese Art eignet sich mehr gegenüber minder Gebildeten oder Ungelehrten, wobei man ihnen jedes einzelne Gebot erklären soll. Dasselbe gilt betreff der Todsünden, der Kirchengebote, des Gehrauches der fünf Sinne und der Werke der Barmherzigkeit.

Desgleichen ist es für den Fall, da der Exerzitienleiter bemerkt, dass der Exerzitand schwächlich oder nur geringe natürliche Auffassungsgabe besitzt und dass deshalb von ihm nicht viele Frucht zu erwarten ist, angemessener, ihm nur einige von jenen leichteren Übungen vorzulegen, bis er die Beichte über seine Sünden ablegt, und ihm dann einige Arten der Gewissenserforschung mitzuteilen sowie ihn anzuleiten, öfters als er bisher pflegte, zur Beichte zu gehen, damit er in dem erreichten Guten sich auch erhalte. Man gehe aber nicht weiter und trete nicht in das Gebiet der „Wahl" ein oder in irgend welche andere Übungen, die außerhalb der ersten Woche liegen, und dies namentlich, wenn bei anderen ein größerer Fortschritt erzielt werden kann und die Zeit für alles nicht ausreicht.

19. Sollte jemand durch ein öffentliches Amt oder durch Berufsgeschäfte in Anspruch genommen sein, so verwende er - möge er wissenschaftliche Bildung haben oder gute Geistesanlagen besitzen -, auf die geistlichen Übungen täglich eine und eine halbe Stunde. Ihm soll vorerst erklärt werden, wozu der Mensch erschaffen ist, hierauf kann ihm ebenfalls während einer halben Stunde die besondere und nachher die allgemeine Gewissenserforschung sowie die Art und Weise, eine Beichte abzulegen und das hochheilige Sakrament zu empfangen, vorgelegt werden. Er soll dann an drei Tagen jeden Morgen eine Stunde lang die Betrachtung über die „erste, zweite und dritte Sünde" anstellen (s. S. 42), dann an drei weiteren Tagen um dieselbe Stunde die Betrachtung über die „Reihe der eigenen Sünden" (16) (s. S. 47), hierauf an drei folgenden Tagen wieder um die gleiche Stunde die Betrachtung über die Sündenstrafen (s. S. 50). Bei allen drei Betrachtungen teile man ihm die zehn Zusätze mit (s. S. 52). Hinsichtlich der Geheimnisse unseres Herrn Jesus Christus ist die nämliche Ordnung zu befolgen, die unten und zwar ausführlich bei den betreffenden Übungen selbst festgelegt ist.

20. Wer unbehinderter ist und das Verlangen hegt, in allem den größtmöglichen Fortschritt zu machen, dem gebe man alle geistlichen Übungen in derselben Ordnung, in der sie hier folgen. Dabei wird er nach dem gewöhnlichen Gang um so größere Fortschritte machen, je mehr er sich von allen Freunden und Bekannten und von jeder irdischen Sorge abgesondert hat, indem er z. B. sein bisheriges Wohnhaus verlässt und sich ein anderes Haus oder Zimmer wählt, um daselbst so zurückgezogen als möglich zu leben, so dass es ihm freisteht, jeden Tag zur Messe und zur Vesper zu gehen, ohne befürchten zu müssen, dass seine Bekannten ihm ein Hindernis bereiten. Aus dieser Absonderung folgen außer vielen anderen drei Hauptvorteile:

Erstens. Sondert sich jemand ab von vielen Freunden und Bekannten und ebenso von vielen nicht recht geordneten Geschäften, um Gott unserem Herrn zu dienen und ihn zu loben, so erwirbt er sich ein nicht geringes Verdienst vor dessen göttlicher Majestät.

Zweitens. Indem er infolge solcher Absonderung sein Denken nicht auf viele Dinge verteilt, sondern alle Sorge einem einzigen Gegenstand zuwendet, nämlich dem Dienste seines Schöpfers und dem Fortschritt der eigenen Seele, benützt er seine natürlichen Kräfte in größerer Freiheit, um mit Fleiß das zu suchen, was er so sehr verlangt.

Drittens. Je mehr unsere Seele sich in Einsamkeit und Abgeschlossenheit befindet, desto geeigneter macht sie sich, um ihrem Schöpfer und Herrn zu nahen und ihn zu erreichen, und je mehr sie ihn auf diese Weise erreicht, desto besser bereitet sie sich vor, um von seiner göttlichen und höchsten Güte Gnaden und Gaben zu empfangen.

Geistliche Übungen

mit dem Zweck, dass man sich selbst überwinde und sein Leben ordne, ohne sich dabei durch irgend eine Neigung, die ungeordnet wäre, bestimmen zu lassen.

' Vorbemerkung (1)

Damit sowohl der Exerzitienmeister als der Exerzitand sich gegenseitig besser helfen und fördern, muss vorausgesetzt werden, dass jeder gute Christ bereitwilliger sein soll, die Behauptung des Nebenmenschen im richtigen Sinne zu deuten, als sie zu verurteilen. Vermag man sie aber nicht zu retten, so frage man, wie er sie verstehe, und versteht er sie in üblem Sinne, so weise man ihn mit Liebe zurecht. Und reicht dies, nicht aus, so wende man alle angemessenen Mittel an, auf dass er sie richtig verstehe und gerechtfertigt werde.(2)

Erste Woche: Grundwahrheit und Grundlage (3)

Der Mensch ist geschaffen, um Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht: zu erweisen und ihm zu dienen und so sein Seelenheil zu wirken. Die übrigen Dinge auf Erden aber sind des Menschen wegen erschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Zieles, für das er geschaffen ist, behilflich seien. Hieraus folgt, dass der Mensch dieselben insoweit zu gebrauchen hat, als sie ihm zur Erreichung seines Zieles dienen, und dass er sich von ihnen insoweit freimachen muss, als sie ihn daran hindern.

Deshalb ist es notwendig, uns gegen alle geschaffenen Dinge gleichmütig zu stimmen, insoweit es dem eigenen Ermessen unseres freien Willens anheimgestellt und nicht verboten ist, so dass wir unserseits die Gesundheit nicht mehr als die Krankheit wollen, den Reichtum nicht mehr als die Armut, die Ehre nicht mehr als die Schmach, ein langes Leben nicht mehr als ein kurzes und so weiter in allen übrigen Dingen, indem wir einzig das verlangen und wählen, was uns mehr fördert zum Ziele, für das wir geschaffen sind.

Die besondere und tägliche Gewissenserforschung

Sie umfasst drei Zeitpunkte und eine zweimalige Selbstprüfuug,

Der erste Zeitpunkt. Morgens gleich beim Aufstehen soll man den Vorsatz fassen, sich sorgfältig vor der besonderen Sünde oder dem besonderen Fehler zu hüten, wovon man sich freimachen und bessern will.

Der zweite Zeitpunkt. Nach dem Mittagstisch (4) soll man von Gott unserem Herrn das erbitten, was man erstrebt, nämlich die Gnade, sich zu erinnern, wie oft man in die besondere Sünde oder den besonderen Fehler gefallen ist, und sich in Zukunft zu bessern. Danach stelle man die erste Gewissenserforschung an und fordere von seiner Seele Rechenschaft in Bezug auf die ins Auge gefasste besondere Untugend, die man ablegen und bessern will. Dabei durchgehe man die einzelnen Stunden oder Tageszeiten, angefangen von der Stunde des Aufstehens bis zur Stunde und zum Augenblick der gegenwärtigen Gewissenserforschung und merke sodann auf der ersten Linie der mit g bezeichneten Zweilinienfigur (5) ebenso viele Punkte an, als die Zahl der Rückfälle in jene besondere Sünde oder jenen besonderen Fehler beträgt. Hierauf fasse man von neuem den Vorsatz, sich bis zur zweiten Gewissenserforschung, die man anstellen wird, zu bessern.

Der dritte Zeitpunkt. Nach dem Abendessen soll man die zweite Gewissenserforschung anstellen, und zwar auf dieselbe Weise nach den einzelnen Stunden, angefangen von der ersten Gewissenserforschung bis zur gegenwärtigen zweiten. Dann merke man auf der zweiten Linie derselben mit g bezeichneten Zweilinienfigur ebenso viele Punkte, als die Zahl der Rückfälle in jene besondere Sünde oder jenen besonderen Fehler beträgt.

Vier Zusätze

Es folgen vier Zusätze mit dem Zweck, schneller jene besondere Sünde oder jenen besonderen Fehler zu beseitigen.

Zusatz 1. So oft man in jene besondere Sünde oder jenen besonderen Fehler fällt, lege man die Hand an die Brust und bereue den Fall, was auch in Gegenwart vieler geschehen kann, ohne dass sie merken, was man tut.

2. Da die erste Linie der mit g bezeichneten Zweilinienfigur die erste und die zweite Linie die zweite Gewissenserforschung bezeichnet, so sehe man am Abend, ob von der ersten Linie bis zur zweiten, das ist von der ersten Gewissenserforschung bis zur zweiten, eine Besserung vorliegt.

3. Man vergleiche den zweiten Tag mit dem ersten, das ist die beiden Gewissenserforschungen des gegenwärtigen Tages mit den beiden anderen Gewissenserforschungen des vergangenen Tages, und sehe, ob man sich von einem Tage zum anderen gebessert hat.

4. Man vergleiche eine Woche mit der anderen und sehe, ob man sich in der gegenwärtigen Woche im Vergleich zur ersten vergangenen gebessert hat.

Es ist zu bemerken, dass das erste große untenstehende G der Zweilinienfiguren (6) den Sonntag bedeutet, das zweite kleine den Montag, das dritte den Dienstag und so fort.(7)

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Die allgemeine Gewissenserforschung

Die allgemeine Gewissenserforschung mit dem Zweck, sich zu läutern und besser zu beichten.

Ich setze voraus, dass es drei Arten von Gedanken in mir gibt, nämlich eine, die ganz mein eigen ist und allein aus meinem freien Ermessen und Wollen entspringt, und zwei andere, die von außen her kommen: die eine die vom guten Geist herrührt, und die andere, die vom bösen.

Von dem Gedanken

Auf zweierlei Art kann man bei einem bösen Gedanken, der von außen her kommt, sich Verdienste erwerben.

Erste Art. Es kommt z. B. der Gedanke, eine Todsünde zu begehen; diesem Gedanken widerstehe ich augenblicklich und er bleibt überwunden.

Die zweite Art des Verdienstes bietet sich, wenn der gleiche böse Gedanke mir kommt und ich ihm widerstehe, er aber nochmals und abermals zu mir zurückkehrt und ich stetig widerstehe, bis endlich jener Gedanke besiegt davon weicht. Diese zweite Art ist verdienstlicher als die erste.

Lässlich sündigt man, wenn derselbe Gedanke eine Todsünde zu begehen, herantritt und der Mensch ihm Gehör schenkt, indem er ein klein wenig dabei verweilt oder einiges sinnliches Wohlgefallen hinnimmt (8) oder wenn einige Nächlässigkeit beim Ausschlagen eines derartigen Gedankens vorhanden ist.

Schwer sündigt man auf zweierlei Art: Die erste tritt ein, wenn man dem bösen Gedanken seine Zustimmung erteilt, um dann gemäß dieser Zustimmung auch zu handeln oder um ihn auszuführen, falls man könnte.

Die zweite Art, schwer zu sündigen, tritt ein, wenn jene Sünde im Werke vollbracht wird; in diesem Falle ist sie größer aus drei Gründen: erstens wegen der längeren Dauer, zweitens wegen der stärkeren Willensbetätigung, drittens wegen des größeren Schadens beider Personen.(9)

Von dem Worte

Man soll nicht schwören weder beim Schöpfer noch bei einem Geschöpfe, es sei denn mit Wahrheit, aus Notwendigkeit und mit Ehrfurcht. Eine Notwendigkeit ersehe ich, nicht wenn irgend welche beliebige Wahrheit unter einem Eide bekräftigt wird, sondern wenn sie von irgend einer Bedeutung ist für das Wohlergehen der Seele oder des Leibes oder hinsichtlich der zeitlichen Güter. Als Ehrfurcht bezeichne ich es, wenn man bei Nennung seines Schöpfers und Herrn die demselben gebührende Ehre und Achtung erwägt und diese ihm auch erweist.(10)

Dabei ist zu beachten: Obgleich wir bei einem vermessenen Eide schwerer sündigen, wenn wir beim Schöpfer als wenn wir bei einem Geschöpfe schwören, so ist es doch schwieriger, auf gebührende Weise mit Wahrheit, aus Notwendigkeit und mit Ehrfurcht beim Geschöpfe als beim Schöpfer zu schwören, und dies aus folgenden Gründen:

Erstens. Wenn wir bei irgend einem Geschöpfe schwören wollen, so macht uns das Vorhaben, das Geschöpf zu nennen, nicht so aufmerksam und behutsam, um die Wahrheit zu sagen oder um sie im Falle der Notwendigkeit zu bekräftigen, als wenn wir beabsichtigen, den Herrn und Schöpfer aller Dinge zu nennen.

Zweitens. Wenn man bei einem Geschöpfe schwört, so ist es nicht so leicht, dem Schöpfer Ehrfurcht und Ehrerbietung zu erweisen, als wenn man beim Schöpfer und Herrn selbst schwört und ihn nennt. Denn schon das Vorhaben Gott, unseren Herrn zu nennen, bringt eine größere Ehrerbietung und Ehrfurcht mit sich, als das Vorhaben, das Geschaffene zu nennen. Deshalb ist es den Vollkommenen eher erlaubt, bei einem Geschöpfe zu schwören als den Unvollkommenen. Denn die Vollkommenen pflegen vermöge der beständigen Betrachtung und Erleuchtung des Geistes mehr zu erwägen, zu überdenken und zu betrachten, dass Gott unser Herr seinem eigenen Wesen, seiner Gegenwart und seiner Macht nach in jedem Geschöpfe ist. Und daher sind sie, wenn sie beim Geschöpfe schwören, eher als die Unvollkommenen geeignet und vorbereitet, ihrem Schöpfer und Herrn Ehrerbietung und Ehrfurcht zu erweisen.

Drittens. Im Falle eines ständigen Schwörens beim Geschöpfe ist Abgötterei bei den Unvollkommenen eher zu befürchten als bei den Vollkommenen.

Man soll kein müßiges Wort reden' (Mt 12, 36). Darunter verstehe ich ein Wort, das weder mir noch einem anderen nützt und auch nicht einer solchen Absicht untergeordnet ist. Wenn daher jemand über Dinge redet, die Nutzen bringen, oder wenn die Absicht herrscht, der eigenen oder einer fremden Seele oder auch dem Leibe oder den zeitlichen Gütern zu nützen, so ist das Wort niemals müßig, auch dann nicht, wenn jemand von Dingen redet, die nicht zu seinem Stande gehören, z. B. wenn ein Ordensmann von Krieg oder von Handelsgeschäften spricht. Vielmehr liegt in jeder Rede, die geführt wird, ein Verdienst, wenn sie auf einen guten Zweck hingeordnet ist, hingegen eine Sünde, wenn sie einen schlechten Zweck verfolgt oder eitel geführt wird.

Man darf nichts sagen, was den guten Ruf eines anderen schädigt oder was ihn ins Gerede bringt. Denn wenn ich eine Todsünde aufdecke, die nicht öffentlich ist, so begehe ich eine schwere Sünde; wenn aber eine lässliche Sünde, so eine lässliche Sünde, und wenn ich einen Fehler offenbare, so bekunde ich dadurch den eigenen Fehler. Ist hingegen die Absicht gut, so kann man auf zweierlei Weise von der Sünde oder dem Fehler des Nächsten reden:

Erstens, wenn, die Sünde öffentlich ist, wie z. B. bei einer öffentlichen Buhlerin, und über ein Urteil, das vom Gerichte ausgesprochen wird, oder von einem allgemein bekannten Irrtum, der auf die Seelen, mit denen man verkehrt, ansteckend wirkt.

Zweitens, wenn man die verborgene Sünde einem offenbart, damit er dem, der sich in der Sünde befindet, behilflich sei, um ihn wieder aufzurichten, vorausgesetzt jedoch, dass man einigermaßen vermuten oder mit guten Gründen annehmen kann, jener werde auch imstande sein, ihm zu helfen.

Von dem Werke

Man stelle sich vor Augen die zehn Gebote Gottes, die Vorschriften der Kirche und die Anordnungen der Obern. Was immer man gegen eine von diesen drei Klassen ins Werk setzte ist eine Sünde, größer oder geringer, je nach der größeren oder geringeren Wichtigkeit. Unter Anordnungen der Obern verstehe ich z. B. die Kreuzzugsbullen (11) und andere päpstliche Gnadenerlasse, wie die zur Erlangung des Friedens (12) nach Empfang des heiligen Buß- und Altarssakramentes gewährten. Denn nicht wenig sündigt man, wenn man Ursache wird, dass etwas gegen die so frommen Anordnungen und Aufforderungen unserer Obern geschieht, oder wenn man selbst dagegen handelt.

Art und Weise, die allgemeine Gewissenserforschung anzustellen

Sie umfasst fünf Punkte.

Punkt 1. Man sage Gott unserem Herrn Dank für die erhaltenen Wohltaten.

2. Man bitte um die Gnade, die Sünden zu erkennen und sich von ihnen freizumachen.

3. Man fordere Rechenschaft von seiner Seele, indem man von der Stunde des Aufstehens an bis zur gegenwärtigen Gewissenserforschung die einzelnen Stunden oder Tageszeiten durchgeht und zwar erst in Bezug auf die Gedanken, dann in Betreff der Worte und hierauf in Bezug auf die Werke in der gleichen Ordnung, wie es bei der besonderen Gewissenserforschung dargelegt wurde.

4. Man bitte Gott unseren Herrn um Verzeihung wegen der Fehltritte.

5. Man fasse den Vorsatz, sich mit seiner Gnade zu bessern. Vater unser.

Die Generalbeichte und die heilige Kommunion

Aus der Generalbeichte ergeben sich für den, der sie freiwillig ablegen will, unter vielen anderen besonders drei Vorteile zu dieser Zeit der geistlichen Übungen.

Erstens. Obschon derjenige, der jedes Jahr beichtet, nicht zur Ablegung einer Generalbeichte verpflichtet ist, so hat er doch, falls er sie ablegt, mehr Gewinn und Verdienst wegen des größeren Reueschmerzes, den er dabei über alle Sünden und Verkehrtheiten seines ganzen Lebens bekundet.

Zweitens. Da bei solchen geistlichen Übungen die Sünden und deren Bosheit mehr ihrer innersten Natur nach erkannt werden, als zu der Zeit, wo man sich nicht so sehr mit den Angelegenheiten seines Innern beschäftigte, und da man jetzt mehr Kenntnis von ihnen und mehr Reueschmerz über sie erlangt, so wird einem auch mehr Nutzen und Verdienst zuteil, als man sonst gehabt hätte.

Drittens. Infolge der besseren Beicht- und Seelenverfassung ist man auch würdiger und besser vorbereitet zum Empfang des heiligsten Sakramentes, dessen Genuss nicht nur Stärke verleiht, um nicht wieder in die Sünde zu fallen, sondern auch, um sich im Zuwachs der Gnade zu erhalten.

Diese Generalbeichte wird am besten unmittelbar nach den Übungen der ersten Woche abgelegt.

Erste Übung (13): Betrachtung über die dreifache Sünde (Vorbereitungsgebet)

Sie besteht in einer Betrachtung über die erste, zweite und dritte Sünde unter Anwendung der drei Seelenkräfte(14); sie enthält nach einem Vorbereitungsgebet und zwei Vorübungen drei Hauptpunkte und ein Zwiegespräch.

Vorbereitungsgebet:
Ich erbitte von Gott unserem Herrn die Gnade, dass alle meine Absichten, Handlungen und Betätigungen (15) rein auf den Dienst und das Lob seiner göttlichen Majestät hingeordnet seien.

Vorübung 1. Sie besteht in einer anschaulichen Vorstellung des Ortes. Hier ist zu bemerken, dass bei einer Beschauung oder Betrachtung über einen, sichtbaren Gegenstand, wie z. B. bei einer Betrachtung über Christus unseren Herrn, der anschaubar ist, diese Vorstellung darin besteht, dass ich mit den Augen der Einbildungskraft den körperlichen Ort sehe, wo der zu betrachtende Gegenstand sich befindet. Ich nenne körperlichen Ort z. B. den Tempel oder den Berg, wo Jesus Christus oder U. L. Frau sich befindet, je nach dem Stoff, den ich betrachten will.

Bei der Betrachtung über einen unsichtbaren Stoff, wie z. B. hier über die Sünden, besteht die Vorstellung des Ortes darin, dass ich mit den Augen der Einbildungskraft schaue und betrachte, wie meine Seele in diesem verweslichen Körper eingekerkert (vgl. Ps 141, 8; Rom 7, 24) ist und der ganze Mensch in diesem Erdentale wie ein Verbannter unter unvernünftigen Tieren (vgl. Ps 31, 9; 48, 13) lebt; ich meine den ganzen Menschen, wie er zusammengesetzt ist aus Leib und Seele.

2. Ich erbitte von Gott unserem Herrn, was ich wünsche und begehre. (16) Die Bitte soll dem vorliegenden Gegenstand entsprechen. Handelt also die Betrachtung von der Auferstehung, so muss ich um Freude mit dem sich freuenden Christus bitten; handelt sie vom Leiden, so muss ich um Schmerz, Tränen und Pein mit dem von Peinen erfüllten Christus bitten. Hier in dieser Betrachtung muss ich bitten um tiefste Beschämung (17) meiner selbst, da ich sehe, wie viele wegen einer einzigen Todsünde verdammt sind und wie oft ich verdient habe, wegen meiner so vielen Sünden für immer verdammt zu werden.

Allen Beschauungen oder Betrachtungen muss stets das Vorbereitungsgebet vorangehen, das nie geändert wird, und die beiden bereits erwähnten Vorübungen, die zuweilen je nach dem vorliegenden Gegenstand geändert werden.

Punkt 1. Ich soll das Gedächtnis auf die erste Sünde, die Sünde der Engel (vgl. Joh 8, 44; 2 Petr 2, 4; 1 Joh 3, 8), hinwenden und dann den Verstand, indem ich darüber nachdenke, und hierauf den Willen, indem ich mir das Ganze in die Erinnerung zu rufen und zu verstehen suche, damit ich durch den Vergleich dieser einen Sünde der Engel mit meinen so zahlreichen Sünden um so mehr mit tiefster Beschämung erfüllt werde: wenn nämlich jene wegen einer einzigen Sünde in die Hölle kamen, wie häufig habe dann ich wegen so vieler dasselbe verdient ! Ich sage, man soll sich die Sünde der Engel vor das Gedächtnis führen: wie diese, da sie in der Gnade erschaffen waren, sich ihrer Freiheit nicht zu ihrem Heile bedienen wollten, um nämlich ihrem Schöpfer und Herrn, Ehrfurcht und Gehorsam zu erweisen, sondern wie sie in Hochmut gerieten, aus der Gnade in Bosheit verkehrt und vom Himmel in die Hölle hinabgeschleudert wurden (vgl. Mt 25, 41; Jud 6; vgl auch Lk 10,18; Offb 12, 7-9). Und auf gleiche Weise soll man hierauf dasselbe mehr im einzelnen mit dem Verstände überdenken und danach mit dem Willen mehr im einzelnen die Anmutungen erwecken.

2. Man tue das gleiche in Bezug auf die Sünde Adams und Evas, d. h. man wende die drei Seelenkräfte darauf an, indem man sich ins Gedächtnis ruft, wie sie wegen dieser Sünde solange Zeit Buße getan haben und welch großes Verderben dadurch über das Menschengeschlecht gekommen ist, indem so viele Menschen zur Hölle wandern.

Ich sage, man solle die zweite Sünde, die unserer Stammeltern, sich vors Gedächtnis führen : wie nämlich - nachdem Adam auf dem Gefilde von Damaskus (18) erschaffen (vgl. Gen 1, 26-27; 2, 7; Tob 8, 8; Sir 17, 1; 33, 10) und in das irdische Paradies gesetzt (vgl. Gen 2, 8. 15) - und Eva aus seiner Rippe gebildet war (vgl. Gen 2, 20-23; 1 Kor 11, 8) - beide gegen das Verbot, von dem Baume der Erkenntnis zu essen (vgl. Gen 2, 17; 3, 2-3) dennoch davon aßen (vgl. Gen 2, 6) und auf diese Weise sündigten (vgl. Gen 2, 16-17), wie sie dann mit Gewändern aus Tierfellen bekleidet und aus dem Paradiese verstoßen (vgl. Gen 3, 21-24) ihr ganzes Leben ohne die ursprüngliche Gerechtigkeit (19), die sie verloren hatten, unter vielen Mühsalen und in vieler Buße (vgl. Gen 3, 16-19) zubrachten. Hierauf durchgehe man dasselbe mit dem Verstände mehr im einzelnen und wende dabei seine Willenskräfte (20) an, wie vorhin dargelegt wurde.

3. Man tue das gleiche auf die nämliche Weise in Bezug auf die dritte besondere Sünde irgend eines Menschen, der wegen einer einzigen Todsünde in die Hölle kam, während viele andere ohne Zahl wegen weniger Sünden, als ich begangen habe, verdammt wurden. Ich sage, man solle dasselbe tun in Bezug auf die dritte, die besondere Sünde, indem man die Schwere und Bosheit der Sünde gegen seinen Schöpfer und Herrn sich ins Gedächtnis ruft, dann mit dem Verstande erwägt, wie ein solcher, da er gegen die unendliche Güte sündigte und handelte (21), gerechter Weise auf immer verdammt wurde. Dann schließe man mit Willensakten, wie oben bemerkt wurde.

Zwiegespräch: Ich stelle mir Christus unseren Herrn gegenwärtig und am Kreuze hängend vor und beginne dann ein Zwiegespräch: wie er als Schöpfer dazu kam, sich zum Menschen zu machen und vom ewigen Leben zum zeitlichen Tode herniederzusteigen mich so für meine Sünden zu sterben. Ebenso soll ich dann den Blick auf mich selbst richten und mich fragen, was ich für Christus getan habe, was ich für Christus tue, was ich für Christus tun soll. Und indem ich ihn so zugerichtet und so an das Kreuz geheftet sehe, will ich in jenen Gedanken und Anmutungen, die sich darbieten, mich ergehen. Beim Zwiegespräch redet man so recht eigentlich, wie ein Freund zum anderen spricht oder wie ein Diener zu seinem Herrn, indem man bald um irgend eine Gnade bittet, bald sich wegen einer begangenen Schuld anklagt, bald seine Anliegen mitteilt und in denselben Rat erfleht. Und man bete ein Vaterunser.

Zweite Übung: Betrachtung über die eigenen Sünden

((↓ S. 47))

Sie enthält nach dem Vorbereitungsgebet und zwei Vorübungen fünf Punkte und ein Zwiegespräch.

Das Vorbereitungsgebet sei dasselbe wie immer.

Vorübung 1. Sie besteht aus derselben Vorstellung wie in der ersten Übung.

2. Ich bitte um das, was ich begehre; hier soll ich Gott um einen gewaltigen und heftigen Schmerz und um Reuetränen über meine Sünden bitten.

Punkt 1. Die Reihe meiner Sünden (22): ich rufe mir nämlich alle Sünden meines Lebens ins Gedächtnis und überschaue dabei Jahr für Jahr und Zeitabschnitt für Zeitabschnitt. Hierzu ist dreierlei behilflich: erstens, dass ich den Ort und das Haus betrachte, wo ich gewohnt, zweitens den Verkehr, den ich mit anderen gepflogen, drittens die Stellung, in der ich gelebt habe.

2. Ich wäge die Schwere meiner Sünden ab, indem ich die Hässlichkeit und Bosheit betrachte, die jede begangene Todsünde in sich schließt, auch wenn sie nicht verboten wäre.

3. Ich betrachte, wer ich bin, indem ich mich mit Hilfe von Beispielen immer kleiner zu machen suche: erstens erwäge ich, wie gering ich bin im Vergleich mit allen Menschen, zweitens, was die Menschen sind im Vergleich mit allen Engeln und Heiligen des Paradieses; drittens betrachte ich, was alles Geschaffene ist im Vergleich mit Gott; was kann ich dann allein noch sein? viertens betrachte ich alle Verderbnis und Hässlichkeit ((↓ S. 48)) meines Leibes; fünftens sehe ich mich an als eine eiternde Wunde und ein Geschwür, woraus so viele Sünden und so viele Schlechtigkeiten und ein so überaus hässliches Gift hervörgebrochen sind.

4. Ich betrachte, wer Gott ist, gegen den ich gesündigt habe, nach seinen Eigenschaften, indem ich diese mit ihren Gegensätzen in mir vergleiche: seine Weisheit mit meiner Unwissenheit, seine Allmacht mit meiner Schwachheit, seine Gerechtigkeit mit meiner Ungerechtigkeit, seine Güte mit meiner Bosheit.

Punkt 5 ist ein staunender Ausruf, verbunden mit steigender Gemütserregung, indem ich alle Geschöpfe durchgehe, wie sie mir das Leben ließen und mich darin erhalten haben: die Engel, wie sie das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit (vgl. Gen 3, 24; 2 Makk 3, 25-27; Lk 1, 20 ; Offb 14, 18-19; 16, 1-21 usw.) sind und wie sie mich doch ertrugen und behüteten und für mich beteten; die Heiligen, wie sie bedacht waren, für mich Fürsprache einzulegen und für mich zu bitten; die Himmel, Sonne, Mond, Sterne und die Elemente, Früchte, Vögel, Fische und die übrigen Tiere wie sie mir dienten, und die Erde (vgl. Weish 5, 18-24) wie sie sich nicht geöffnet hat, um mich zu verschlingen und nicht neue Höllen schuf, um mich für immer darin zu peinigen.

Man schließe mit einem Zwiegespräch der ((↓ S. 49)) Barmlierzigkeit, wobei icli mich ausspreche (22) und Gott unserem Herrn Dank sage, dass er mir bis zur heutigen Stunde das Leben geschenkt hat, und wobei ich für die Zukunft mit seiner Gnade mir Besserung vornehme. Vaterunser.

Dritte Übung: Übungswiederholung mit Zwiegesprächen

Sie besteht in einer Wiederholung der ersten und zweiten Übung, wobei drei Zwiegespräche gehalten werden.

Nach dem Vorbereitungsgebet und den zwei Vorübungen, ist die erste und zweite Übung zu wiederholen, indem ich besonders bei den Punkten acht habe und verweile, bei denen ich größeren Trost oder größere Trostlosigkeit oder auch mehr geistliche Anregung empfunden habe.

Hierauf werde ich drei Zwiegespräche (24) in folgender Weise anstellen:

das erste Zwiegespräch mit ,U..L. Frau, auf dass sie mir von ihrem Sohne und Herrn Gnade zu drei Dingen erlange: erstens, dass ich eine tief innerliche Erkenntnis meiner Sünden und einen Abscheu davor in mir wahrnehme, zweitens, dass ich der Unordnung meiner Handlungen innewerde, damit ich dieselbe verabscheuend mich bessere und mein Leben neu ordne, drittens soll ich um Erkenntnis der Welt bitten, auf dass ich mit Abscheu das Weltliche und Eitle von mir entferne (25).- Hierauf ein Ave Maria.

Das zweite Zwiegespräch halte ich auf gleiche Weise mit dem göttlichen Söhne, damit er mir ((↓ S. 50)) dasselbe vom Vater erwirke. Danach das Anima Christi.

Das dritte Zwiegespräch stelle ich auf gleiche Weise mit dem Vater an, auf dass er selbst, der ewige Herr, mir dies gewähre. Darauf ein Vaterunser.

Vierte Übung: Zusammenfassung der dritten Übung

Sie besteht in einer Zusammenfassung der vorigen dritten Übung (26).

Ich sagte „in einer Zusammenfassung", damit der Verstand dabei ohne Abschweifung sich ständig an das erinnert und das überdenkt, was er in den Vorausgehenden.Übungen betrachtet hat. Dann soll man dieselben drei Zwiegespräche anstellen wie vorhin.

Fünfte Übung: Betrachtung über die Hölle (27)

Sie enthält nach dem Vorbereitungsgebet und zwei Vorübungen fünf Punkte und ein Zwiegespräch.

Das Vorbereitungsgebet sei das gewöhnliche.

Vorübung 1. Sie besteht in einer Vorstellung des Ortes; hier soll ich mit den Augen der Einbildungskraft die Länge, Breite und Tiefe der Hölle schauen.

2. Ich bitte um das, was ich begehre ; hier soll ich um ein tiefgehendes Gefühl der Strafe bitten, welche die Verdammten erleiden, auf dass, wenn ich je wegen meiner Fehler (28) der Liebe meines ((↓ S. 51)) ewigen Herrn vergessen sollte, doch wenigstens die Furcht vor den Strafen mir dazu verhelfe, nicht in eine Sünde zu fallen.

Punkt 1. Ich schaue mit den Augen der Einbildungskraft jene gewaltigen Feuergluten (vgl. Jud 16, 21; Is 66, 24; Mt 25, 41 usw.) und die Seelen wie in brennenden Leibern eingeschlossen (vgl. 2 Per 24; Jud 6).

2. Ich höre mit den Ohren Weinen, Geheul, Geschrei (vgl. Mt 8, 12; 13, 42; 22, 13; 25, 30), Lästerungen gegen Christus unseren Herrn und gegen alle Heiligen (vgl. Off 13, 6).

3. Ich rieche mit dem Geruchsinn Rauch (vgl. Off 14, 11; Is 34, 10), Schwefel (vgl. vgl. Offb 19, 20; Is 34, 9; Ps 10. 7), Unrat und faulende Dinge.

4. Ich koste mit dem Geschmacksinn bittere Dinge, wie Tränen, Traurigkeit (vgl. Lk 6, 25; 16, 23-24; Job 10, 21-22; Jak 4,9 usw.) und den Wurm des Gewissens (vgl. Mk 9, 43-45 Is 66, 24 usw.).

5. Ich fühle mit dem Tastsinn, wie nämlich die Feuergluten die Seelen erfassen und brennen (29).

Indem ich ein Zwiegespräch mit Christus unserem Herrn anstelle, soll ich mir die Seelen vors Gedächtnis führen, die in der Hölle sind: die einen, weil sie nicht an seine Ankunft glaubten, die anderen, weil sie, obschon gläubig, nicht nach seinen Geboten handelten, wobei ich drei Klassen unterscheide: die erste vor der Ankunft des ((↓ S. 52)) Herrn, die zweite während seines irdischen Lebens, die dritte nach seinem Leben in dieser Welt. Zugleich soll ich ihm Dank sagen, dass er meinem Leben nicht ein Ende setzte und mich nicht in eine dieser Klassen fallen ließ; ebenso dafür, dass er mir bis auf diese Stunde stets eine so große Milde und Barmherzigkeit widerfahren ließ; dann schließe ich mit einem Vaterunser (30).

Bemerkung: Die erste Übung soll um Mitternacht stattfinden; die zweite morgens gleich nach dem Aufstehen, die dritte vor oder nach der Heiligen Messe, jedenfalls vor dem Mittagessen, die vierte um die Zeit der Vesper, die fünfte eine Stunde vor dem Abendtisch. Diese Stundeneinteilung soll nach meiner Meinung stets mehr oder weniger für alle vier Wochen bleiben, je nachdem das Alter, der Gesundheitszustand, die Körperbeschaffenheit dem Exefzitanden es ratsam erscheinen lassen, fünf oder auch weniger Übungen zu verrichten.

Zusätze

um die Übungen besser zu verrichten und um besser das zu finden, was man begehrt (31).

Zusatz 1.. Nach dem Schlafengehen soll ich, wenn ich bereits einschlummern will, während der Dauer eines Ave Maria darüber rnachdenken, zu welcher Stunde und , wozu ich aufstehen muss, wobei ich die Übung, die ich zu verrichten habe, kurz durchgehe.

2. Wenn ich erwache, soll ich weder diesen noch jenen Gedanken Zutritt gestatten, sondern gleich meine Aufmerksamkeit auf das lenken, was ich in der ersten Übung um Mitternacht betrachten werde, indem ich mich zur Beschämung über meine so zahlreichen Sünden anrege und mir deshalb verschiedene Bilder vorhalte, z. B. wie wenn ein Ritter vor seinem König und dessen ganzem Hofstaat dastehen müsste, von Scham und Bestürzung ergriffen, weil er den, von dem er früher so viele Gnaden und so viele Gunstbezeugungen empfangen, schwer beleidigt hat. Ebenso soll ich bei der zweiten Übung verfahren, indem ich mich als großen Sünder und einen mit Ketten Beladenen ansehe, d. h. mir vorstelle, als gehe ich mit Fesseln beladen einher, um vor dem höchsten ewigen Richter zu erscheinen; dabei führe ich mir als Beispiel vor, wie die eingekerkerten und mit Ketten gefesselten, bereits todeswürdigen Verbrecher vor ihrem irdischen Richter erscheinen. Unter solchen und anderen ähnlichen, dem jeweiligen Gegenstand entsprechenden Gedanken will ich mich ankleiden.

3. Ein öder zwei Schritte vor dem Platze, wo ich die Beschauung oder die Betrachtung verrichten werde, will ich während der Dauer eines Vaterunsers stehen bleiben und, den Geist nach oben gerichtet, mir vorstellen, wie Gott unser Herr auf mich herabschaut usw, und dann will ich einen Akt der Ehrfurcht oder der Verdemütigung erwecken.

4. Hierauf beginne ich die Betrachtung, sei es kniend oder zur Erde hingeworfen oder, das Gesicht nach oben, auf dem Rücken liegend oder sitzend oder stehend, immer mit der Absicht, das zu suchen, was ich wünsohe. Dabei sollen wir auf zweierlei achten: erstens, wenn ich knieend das finde, was ich begehre, soll ich nicht eine andere Lage aufsuchen, desgleichen nicht, wenn ich, auf dem Boden ausgestreckt, das Gewünschte finde und so fort. Zweitens, bei dem Punkte, bei dem ich das finden sollte, was ich wünsche, werde ich ruhig verweilen - ohne ängstlich zu besorgen, ich müsse weiter gehen, bis ich mir Genüge getan habe.

5. Ist die Übung beendet, so soll ich eine Viertelstunde lang sitzend oder auf- und abgehend darüber nachdenken, wie es mir in der Beschauung oder der Betrachtung gegangen hat. Und wenn schlecht, so werde ich nach der Ursache forschen, woher das kommt, und habe ich sie erkannt, so will ich Reue erwecken, auf dass ich mich in Zukunft bessere. Wenn aber gut, so werde ich Gott unserem Herrn Dank sagen und es das andere Mal ebenso machen.

6. Ich will nicht an Dinge denken, die Wohlgefallen und Freude erregen, wie an die Herrlichkeit des Himmels, die Auferstehung und der gleichen, denn für inneres Leid, Schmerz und Reuetränen über unsere Sünden ist jedweder Gedanke der Freude und der Fröhlichkeit hinderlich. Ich muss vielmehr im Auge behalten, dass ich Reueschmerz und Leid empfinden will, und daher werde ich eher den Tod, das Gericht mir ins Gedächtnis rufen.

7. Ich soll mich zum selben Zwecke, jeder Lichthelle berauben, indem ich für die Zeit, wo ich mich im Zimmer aufhalte, die Fenster und Türen schließe, ausgenommen, um Brevier zu beten, zu lesen und zu speisen.

8. Ich soll nicht lachen und auch nichts sagen, was zum Lachen reizt.

9. Ich soll meine Augen im Zaume halten, um niemand anzublicken, außer wenn ich eine Person empfange oder verabschiede, mit der ich zu sprechen habe.

Zusatz 10 betrifft die Buße, die in eine innere und eine äußere eingeteilt wird. Die innere besteht darin, dass man über seine Sünden Schmerz empfindet mit dem festen Vorsatz, dieselben nicht wieder und auch keine anderen mehr zu begehen. Die äußere aber, eine Frucht der ersteren, besteht in einer Züchtigung wegen der begangenen Sünden und wird vorzugsweise auf dreierlei Art vorgenommen:

Die erste betrifft die Nahrung. Wenn wir hierbei uns das Überflüssige entziehen, so ist dies keine Buße, sondern Mäßigkeit. Buße ist es, wenn wir etwas vom Zukömmlichen wegnehmen und je mehr und mehr, desto größer und besser ist sie, sofern nur dadurch die Natur keinen Schaden leidet und keine erhebliche" Schwäche folgt.

Die zweite betrifft die Weise des Schlafens; Auch hier ist es noch keine Buße, wenn man sich das überflüssige an Verzärtelndem oder Weichlichem entzieht. Buße ist es vielmehr, wenn man bezüglich der Art und Weise des Schlafens sich etwas vom Zukömmlichen entzieht und je mehr und mehr, desto besser, wofern nur die Natur keinen Schaden leidet und keine erhebliche Schwäche folgt. Auch soll man sich nichts vom gebührenden Maße des Schlafes entziehen, wenn man nicht gerade die fehlerhafte Gewohnheit hat, zu viel zu schlafen, damit man so zum richtigen Mittelmaß kommt.

Die dritte besteht in der Kasteiung des Fleisches, indem man ihm nämlich einen empfindlichen Schmerz bereitet; diesen bringt man ihm bei, indem man Bußhemde oder Stricke oder eiserne Gürtel am Leibe trägt und wenn man sich geißelt oder verwundet und andere Arten von Strengheiten übt.

Die zuträglichste und sicherste dieser Art von Buße scheint aber darin zu bestehen, dass der Schmerz im Fleische gefühlt werde und nicht in das Gebein eindringe, so dass er wehe tut, aber keine Schwäche verursacht. Darum dünkt es angemessener, sich mit dünnen Stricken zu geißeln, die außen Schmerz bereiten, als auf andere Weise, die innerlich eine erhebliche Schwäche veranlasst.

Bemerkung 1. Die äußeren Bußübungen werden hauptsächlich zu einem dreifachen Zwecke verrichtet: erstens zur Genugtuung für die früheren Sünden, zweitens, um sich selbst zu überwinden, damit nämlich die Sinnlichkeit der Vernunft: gehorche und alle niederen Teile den höheren, mehr unterworfen seien, drittens, um irgend eine Gnade oder eine Gabe, die man erwünscht und ersehnt, zu suchen und zu erhalten, wie z, B. wenn man wünscht, eine innerliche Reue über seine Sünden zu empfinden oder die Gnade reichlicher Tränen über sie oder über die Peinen und Schmerzen, die Christus unser Herr während seines Leidens erduldete, oder um die Lösung irgend eines Zweifels, in dem man sich befindet, zu erlangen.

2. Es ist zu bemerken, dass der erste und zweite Zusatz für die Übungen um Mitternacht und am frühen Morgen anzuwenden sind, nicht aber für jene, welche zu anderen Zeiten statthaben. Der vierte Zusatz soll nie in der Kirche in Gegenwart von anderen Anwendung finden, sondern nur im Verborgenen wie zu Hause usw.

3. Wenn der Exerzitand noch nicht das findet, was er begehrt, wie z. B. Tränen, Tröstungen und so weiter, so ist es häufig von Nutzen, bezüglich des Essens, des Schlafens und der anderen Gelegenheiten zu Bußübungen eine Veränderung vorzunehmen, derart, dass wir abwechselnd zwei oder drei Tage Bußwerke verrichten und dann zwei oder drei andere Tage lang nicht; denn für einige ist es gut, mehr Bußwerke zu verrichten, und für andere weniger; auch unterlassen wir vielmals die Bußübungen infolge einer sinnlichen Eigenliebe und infolge der irrigen Ansieht, die menschliche Natur könne sie ohne eine erhebliche Schwächung nicht aushalten, und dann wieder verrichten wir im Gegenteil zu viel Buße, in der Meinung, der Körper könne solches aushalten. Da Gott unser Herr unsere Natur unendlich besser kennt, so gibt er häufig bei dergleichem Wechsel jedem einzelnen zu erkennen, was ihm frommt.

4. Die besondere Gewissenserforschung stelle man darüber an, dass man die Fehler und Nachlässigkeiten in Bezug auf die Übungen und Zusätze wegräumt; ebenso in der zweiten, dritten und vierten Woche.

Zweite Woche: Betrachtung vom Reiche Christi

Einleitung (1)

Der Aufruf eines irdischen Königs, der dazu dient, um das Leben des ewigen Königs zu betrachten.

Das Vorbereitungsgebet sei das gewöhnliche.

Vorübung 1. Sie besteht in einer anschaulichen Vorstellung des Ortes; hier soll ich mit den Augen der Einbildungskraft schauen die Synagogen, die Städte und Flecken, die Christus unser Herr predigend, durchzog (vgl. Mt 9, 35; 10, 11; 21, 2; Joh 7, 42; 11, 1 usw.).

2. Ich bitte um die Gnade, die ich begehre. Hier soll ich unseren Herrn um die Gnade anflehen, dass ich nicht taub sei für seinen Ruf, sondern bereit und beflissen, seinen heiligsten Willen zu erfüllen.

Erster Teil

Punkt 1. Ich stelle mir einen irdischen König vor Augen, von Gott unserem Herrn selbst auserwählt, dem alle Fürsten und alle Christen Ehrfurcht und Gehorsam erweisen.

2. Ich habe acht, wie dieser König alle die Seinigen anredet und also spricht: „Mein Wille ist es, das ganze Land der Ungläubigen zu unterwerfen. Wer deshalb mit mir ziehen will, muss mit derselben Speise zufrieden sein, wie ich, und ebenso mit demselben Trank und mit derselben Kleidung usw. Ebenso muss er gleich mir bei Tag sich anstrengen und bei Nacht wachen und so fort, damit er so später mit mir am Siege Anteil habe (2), wie er an den Mühen Anteil hatte."

3. Ich erwäge, was die guten Untertanen einem so edelmütigen und so leutseligen König antworten müssen; und folglich auch, wie sehr jemand, der die Aufforderung eines solchen Königs nicht annehmen sollte, verdienen würde, von der ganzen Welt getadelt und als schlechter Soldat (3) angesehen zu werden.

Zweiter Teil

Der zweite Teil dieser Übung besteht in der Anwendung des vorhin erwähnten Gleichnisses vom irdischen König auf Christus unseren Herrn gemäß den drei angeführten Punkten.

Punkt 1. Wenn wir schon eine derartige Aufforderung des irdischen Königs an seine Untertanen für beachtenswert ansehen, um wie viel mehr ist es dann der Betrachtung würdig, Christus unseren Herrn, den ewigen König (vgl. 2 Kön 7, 12-13, 16; Ps 2, 6-12; 88, 28-38; Mk 16, 19; Joh 18, 36-37 usw.), zu sehen und vor ihm die gesamte Welt, wie er diese insgesamt und jeden einzelnen im besonderen beruft und spricht: „Mein Wille ist es, die ganze Welt (vgl. Ps 21, 28-29; Dan 7, 13-14; Mt 28, 1-8-20; Mk 16, 15-16) und alle Feinde (vgl. Ps 109, 1-2; 5-6) zu unterwerfen und so in die Herrlichkeit meines Vaters einzugehen. Wer deshalb mit mir kommen will, muss mit mir sich abmühen (vgl. Mt 10, 24-25.38; 16, 24; Mk 8, 31; Lk 6,40; 9, 23; 14, 27; Joh 13, 15; 15, 20 usw.) damit er wie er mir in der Mühsal folgte, so auch in der Herrlichkeit folge.(vgl. Mt 16, 27; Lk 22, 28-30; Röm 2,6; 8,17 usw.)

2. Ich erwäge, wie alle, die Urteil und Vernunft haben, sich gänzlich zu jenen Mühen anbieten werden.

3. Jene, die von Verlangen beseelt sind, eine noch größere Hingabe zu bekunden und sich in jeglichem Dienste ihres ewigen Königs und allerhöchsten Herrn auszuzeichnen, werden nicht nur sich ganz zu jenen Mühen anbieten, sondern auch gegen ihre eigene Sinnlichkeit und gegen ihre Liebe zum Fleisch und zur Welt (4) angehen und so Anerbieten von höherem Werte und größerem Gewicht (vgl. Lk 18, 28-30; Apg 4, 34-37; 1 Kor 7, 32-38; Phil 3, 7-8 usw.) darbringen, indem sie sprechen:

„Ewiger Herr aller Dinge, ich bringe mich selbst zum Opfer dar mit deiner Gunst und Hilfe, vor deiner unendlichen Güte und in Gegenwart deiner glorreichen Mutter und aller Heiligen des himmlisclien Hofes und beteure, dass ich wünsche und danach verlange und dass es mein wohl überlegter Entschluss ist, wofern es nur zu deinem größeren Dienste und Lob gereicht, dich nachzuahmen in Ertragung jeglicher Unbilden, jeglicher Schmach und jeglicher Armut, der wirklichen sowohl wie der geistlichen, wenn deine heiligste Majestät mich zu solchem Leben und Stande erwählen und aufnehmen will."

Diese Übung finde zweimal am Tage statt, nämlich morgens nach dem Aufstehen und eine Stunde vor dem Mittag- oder vor dem Abendessen.

Für die zweite Woche und die folgenden ist es sehr förderlich, zuweilen aus den Büchern der Nachfolge Christi oder der Evangelien und der Leben der Heiligen zu lesen.

Erster Tag

Erste Beschauung: Die Menschwerdung

Dieselbe enthält das Vorbereitungsgebet, drei Vorübungen und drei Punkte sowie ein Zwiegespräch.

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Ich führe mir die Geschichte des Vorganges vor, den ich betrachten soll, d. h. hier: wie die drei göttlichen Personen die ganze Fläche oder den ganzen Umkreis der gesamten Welt voll von Menschen sehen und wie sie in ihrer Ewigkeit beim Anblick, dass alle zu Hölle hinabsteigen (6), den Beschluss fassen, dass die zweite Person Mensch werde, um das Menschengeschlecht zu erlösen, und wie sie, als die Fülle der Zeiten kam (Gal 4, 4), den heiligen Engel Gabriel zu U. L. Frau senden (vgl. Lk 1, 26-38). (siehe unten S. 116).

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier soll ich schauen den weiten Raum und Umkreis der Welt, wo so viele und so verschiedene Völker wohnen, desgleichen weiter im besonderen das Haus und die Gemächer U. L. Frau in der Stadt Nazareth in der Landschaft Galiläa.

3. Ich bitte um das, was ich begehre; hier soll ich flehen um eine tiefinnerliche Erkenntnis des Herrn, der für mich Mensch geworden ist, auf dass ich immer mehr ihn liebe und ihm nachfolge.

Es verdient hier bemerkt zu werden, dass das gleiche Vorbereitungsgebet ohne Änderung, wie es schon zu Anfang bemerkt wurde, und auch dieselben drei Vorübungen in dieser Woche und den übrigen nachfolgenden zu verrichten sind; jedoch mit Veränderung ihrer Form nach dem vorliegenden Stoff.

Punkt 1. Ich schaue auf die Personen (7), die einen und die anderen, und zwar zuerst jene, die auf dem Angesicht der Erde leben in so großer Verschiedenheit hinsichtlich der Trachten und hinsichtlich des Benehmens: die einen weiß und die anderen schwarz, die einen im Frieden und die anderen im Kriege, die einen weinend und die anderen lachend, die einen gesund, die anderen krank, die einen, wie sie geboren werden, und die anderen, wie sie sterben, und so fort.

Zweitens. Ich sehe und betrachte die drei göttlichen Personen gleichsam auf ihrem Königsstuhl oder dem Throne der göttlichen Majestät, wie sie die ganze Oberfläche und den ganzen Umkreis der Erde überschauen und alle Völker in so großer Blindheit leben und dahinsterben und zur Hölle hinabfahren sehen.

Drittens. Ich schaue. U. L. Frau und den Engel, der sie grüßt, und denke darüber nach, um aus diesem Anblick Nutzen zu ziehen.

2. Ich höre, was die Personen auf der Erdoberfläche sprechen, wie sie nämlich miteinander reden, wie sie schwören und lästern und so weiter; ebenso, was die göttlichen Personen sagen: „Lasst uns die Erlösung des menschlichen Geschlechtes ins Werk setzen", und so weiter; ferner, was der Engel und U. L. Frau sprechen, darüber soll ich dann nachsinnen, um aus den Worten all dieser Personen Frucht zu gewinnen.

3. Hierauf betrachte ich, was die Personen auf der Oberfläche der Erde tun, wie sie sich nämlich schlagen, töten, zur Hölle fahren und so weiter; ebenso, was die drei göttlichen Personen tun, nämlich die heiligste Menschwerdung ausführen und so weiter; und desgleichen, was der Engel und U. L. Frau tun, indem nämlich der Engel sein Amt als Gesandter ausübt und U.L.Frau sich verdemütigt und der göttlichen Majestät Dank sagt. Und dann sinne ich darüber nach, um aus allem dem irgend einen Gewinn zu ziehen.

Zum Schluss ist ein Zwiegespräch anzustellen, wobei ich überlege, was ich zu den drei göttlichen Personen oder zum fleischgewordenen ewigen Wort oder zur Mutter und U. L. Frau sagen soll. Und dann bitte man, je nachdem man sich gedrungen fühlt, um Gnade zur besseren Nachfolge und Nachahmung unseres Herrn, der soeben Mensch geworden. Dann bete man ein Vaterunser.

Zweite Beschauung: Die Geburt des Herrn

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen Vorgang (vgl. Lk 2, 1-14; Mt, 1, 24-25), und zwar hier: wie U. L. Frau im neunten Monate ihrer Schwangerschaft, auf einer Eselin sitzend, wie man sich frommer Weise vorstellen kann, und Joseph und eine Magd, ein Rind mit sich führend (8), von Nazareth auszogen, um nach Bethlehem zu reisen zur Entrichtung der Abgabe, die der Kaiser allen jenen Ländern auferlegt hatte. (s. unten S. 117).

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier soll ich mit den Augen der Einbildungskraft den Weg von Nazareth nach Bethlehem sehen, und dabei die Länge und Breite betrachten, und ob dieser Weg eben ist oder ob er über Täler oder Höhen geht. Desgleichen soll ich den Ort oder die Höhle der Geburt (9) schauen, wie groß, wie klein, wie niedrig, wie hoch und wie sie eingerichtet war.

Vorübung 3 ist die nämliche und von gleicher Art, wie in der vorhergehenden Beschauung.

Punkt 1. Ich schaue die Personen, ich erblicke also U.L.Frau und Joseph und die Magd sowie das Jesuskind, nachdem es geboren ist,, und dabei sehe ich mich als kleinen armen Menschen und unwürdigen Diener an, indem ich auf sie schaue, sie betrachte und ihnen bei ihrer Hilfsbedürftigkeit Dienste leiste, gleich als wäre ich zugegen, mit aller möglichen Ehrerbietung und Ehrfurcht; und dann richte ich die Gedanken auf mich selbst, um irgend einen Nutzen daraus zu ziehen.

2. Ich schaue, beachte und betrachte, was die Personen reden, und indem ich das Augenmerk auf mich selbst lenke, suche ich irgend eine Frucht daraus zu gewinnen.

3. Ich schaue und betrachte, was sie tun, z.B. wie sie die Reise machen und Mühen auf sich nehmen, damit, der Herr in größter Armut geboren werde und nach so vielen Mühsalen, nach Hunger und Durst, nach Hitze und Kälte, nach Unbilden und Schmähungen am Kreuze sterbe und alles das um meinetwillen. Dann soll ich darüber nachdenken und irgend einen geistlichen Nutzen daraus ziehen.

Man schließe mit einem Zwiegespräch, wie in der vorhergehenden Beschauung, und mit einem Vaterunser.

Dritte Beschauung: Wiederholung der ersten und zweiten Übung

Nach dem Vorbereitungsgebet und den drei Vorübungen soll eine Wiederholung der ersten und zweiten Übung stattfinden, wobei man immer einige vorzüglichere Teile, bei denen man irgend eine besondere Erleuchtung, Tröstung oder Trostlosigkeit gefunden hat, vor allem beachtet. Ebenso soll man am Schluss ein Zwiegespräch halten und ein Vaterunser beten.

Bei dieser Wiederholung und bei allen folgenden wird dieselbe Ordnung des Verfahrens eingehalten, die bei den Wiederholungen der ersten Woche beobachtet wurde, so dass zwar der Gegenstand geändert, die Form aber beibehalten wird.

Vierte Beschauung: Wiederholung der ersten und zweiten Beschauung

Sie soll in einer Wiederholung der ersten und zweiten Beschauung bestehen und zwar in derselben Weise, wie es bei der oben genannten Wiederholung geschah.

Fünfte Beschauung: Anwendung der fünf Sinne auf die erste und zweite Beschauung

Sie soll in der Anwendung der fünf Sinne (10) auf die erste und zweite Beschauung bestehen.

Nach dem Vorbereitungsgehet und den drei Vorübungen ist es von Nutzen, die fünf Sinne der Einbildungskraft auf die erste und zweite Beschauung in folgender Weise anzuwenden.

Punkt 1. Man schaue die Personen mit den Augen der Einbildungskraft, wobei man alle Umstände derselben im besonderen betrachtet und überdenkt, und man suche aus dem Anblick irgend einen Gewinn zu ziehen.

2. Man vernehme mit dem Gehör, was die Personen reden oder reden können, lenke dann die Gedanken auf sich selbst und suche irgend einen Nutzen daraus zu gewinnen.

3. Man rieche und koste mit dem Geruchsinn und dem Geschmacksinn die unendliche Süßigkeit und Lieblichkeit der Gottheit, der Seele und ihrer Tugenden und der übrigen Dinge je nach der Beschaffenheit der Person, die man betrachtet; dann kehre man in sich, selbst ein und suche irgend einen Gewinn daraus zu ziehen.

4. Man berühre mit dem Taistsinn, z. B. man umfange und küsse die Plätze, wo solche Personen ihren Fuß hinsetzen und wo sie ruhen, und dabei bemühe man sich immer einen Nutzen daraus zu ziehen.

Man schließe mit einem Zwiegespräch, wie in der ersten und zweiten Beschauung, und mit einem Vaterunser.

Bemerkungen

Bemerkung 1. Für diese ganze Woche und die übrigen folgenden ist zu beachten, dass ich nur das Geheimnis der Betrachtung lesen soll, die ich unmittelbar anstellen werde, so dass ich dann kein Geheimnis lese, das ich an jenem Tage oder zu jener Stunde nicht zu betrachten habe, damit nicht die Erwägung eines Geheimnisses auf die Erwägung des anderen störend einwirke.

2. Die erste Übung über die Menschwerdung soll um Mitternacht vorgenommen werden, die zweite früh am Morgen, die dritte um die Zeit der Heiligen Messe, die vierte zur Stunde der Vesper, die fünfte vor der Zeit des Abendtisches, und zwar so, dass man in jeder von diesen fünf Übungen während der Dauer einer Stunde verweilt. Die nämliche Ordnung soll bei allen folgenden beobachtet werden.

3. Für den Fall, dass der Exerzitand schon bejahrt oder schwach ist oder, wiewohl an sich stark, doch von der ersten Woche her etwas geschwächt blieb, ist zu beachten, dass es besser ist, Wenn er in dieser zweiten Woche, wenigstens einige Male, nicht um Mitternacht aufsteht, sondern eine Beschauung in der Frühe anstellt, die zweite zur Zeit der Heiligen Messe, eine andere vor dem Mittagstisch und dann über dieselben zur Stunde der Vesper eine Wiederholung und später vor dem Abendtisch die Anwendung der Sinne vornimmt.

4. In dieser zweiten Woche müssen von den sämtlichen zehn Zusätzen, die in der ersten Woche angeführt wurden, der zweite, der sechste, der siebente und zum Teil der zehnte geändert werden.

Beim zweiten ändere man so: Sobald ich erwache, soll ich mir gleich die Beschauung vor Augen führen, die ich anzustellen habe, und dabei das Verlangen hegen, das menschgewordene ewige Wort mehr zu erkennen, damit ich ihm besser diene und nachfolge.

Der sechste wird lauten: Ich soll mir häufig das Leben und die Geheimnisse Christi unseres Herrn ins Gedächtnis rufen, von seiner Menschwerdung an bis zu dem Abschnitt oder dem Geheimnis, bei. dessen Betrachtung ich verweile.

Der siebente soll sein: Der Exerzitand muss insoweit Sorge tragen, Dunkelheit oder Helle zuzulassen und die angenehmen oder widrigen Witterungsverhältnisse zu benützen, als er merken sollte, dass solches ihm nützen und behilflich sein kann, um das zu finden, was er anstrebt.

Was den zehnten Zusatz betrifft, so soll der Exerzitand sein Verhalten einrichten je nach den Geheimnissen, die er betrachtet; denn einige heischen Bußübungen, andere hingegen nicht.

So sollen alle zehn Zusätze mit viel Umsicht beobachtet werden.

Bemerkung 5. Bei allen Übungen, ausgienommen die um Mitternacht und die am frühen Morgen, soll man den zweiten Zusatz durch einen gleichwertigen auf folgende Weise ersetzen. Sobald ich mich erinnere, dass die Stunde für die Übung, die ich anzustellen habe, gekommen ist, will ich mir, ehe ich zu derselben hinzutrete, vor Augen stellen, wohin ich mich begebe, und vor wem ich erscheine, und dabei will ich die Übung, die ich vorzunehmen habe, kurz zusammenfassen. Dann werde ich den dritten Zusatz beobachten und in die Übung eintreten.

Zweiter Tag

Für die erste und zweite Beschauung nehme man die Darstellung im Tempel (vgl. Lk 2, 22-38) (s. unten S. 119) und die Flucht nach Ägypten (vgl. Mt 2, 13-23) wie in ein Land der Verbannung (s. unten S. 119). Über diese beiden Beschauungen sollen dann zwei Wiederholungen und ebenso eine Anwendung der fünf Sinne auf sie in der gleichen Weise stattfinden, wie es am vorhergehenden Tage geschah.

Zuweilen ist es zweckdienlich, selbst dann, wenn der Exerzitand kräftig und bereitwillig ist, von diesem zweiten Tage an bis zum vierten einschließlich einiges zu ändern, um besser das zu finden, was man anstrebt, indem man nämlich nur eine Betrachtung am frühen Morgen anstellt, dann die zweite zur Zeit der Heiligen Messe, hierauf eine Wiederholung über dieselben um die Stunde der Vesper und vor dem Abendessen eine Anwendung der Sinne.

Dritter Tag

Man betrachte, wie der Jesusknabe seinen Eltern in Nazareth untertan war (vgl. Lk 2, 39-40. 51-52) (s. unten S. 120) und wie sie ihn dann im Tempel fanden (s. unten S. 121) (11). Und hierauf stelle man entsprechend die beiden Wiederholungen an und nehme die Anweisung der fünf Sinne vor.

Einführung zur Erwägung über die verschiedenen Stände

Wir haben bereits das Beispiel betrachtet, das Christus unser Herr uns für den ersten Stand gab, der in Beobachtung der Gebote besteht, indem er seinen Eltern gehorsam war, und ebenso das für den zweiten Stand, der in der evangelischen Vollkommenheit besteht, als er im Tempel zurückblieb und seinen Nährväter und seine leibliche Mutter verließ, um rein nur dem: Dienste seines ewigen Vaters obzuliegen. Nunmehr wollen wir im Anschluss an die Betrachtung seines Lebens damit beginnen, nachzuforschen und um Erleuchtung bitten, in welchem Lebensberuf oder Stande seine göttliche Majestät sich unser bedienen will.

Und deshalb werden wir zu einiger Einführung hierzu in der folgenden ersten Übung die Absicht Christi unseres Herrn betrachten und auf der entgegengesetzten Seite die Absicht des Feindes der menschlichen Natur und dabei zusehen, wie wir uns vorbereiten müssen, um in jedem Stande oder Lebensberuf, den Gott unser Herr uns wählen lässt, zur Vollkommenheit zu gelangen.

Vierter Tag

Betrachtung über zwei Fahnen,
die eine Christi des obersten Heerführers und unseres Herrn,
die andere Luzifers, des Tod-feindes unserer menschlichen Natur.

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen Vorgang, hier: wie Christus alle unter seine Fahne ruft und sammeln will und Luzifer dagegen unter die seinige.

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier schaue man eine Ebene der gesamten Gegend von Jerusalem, wo als höchster, einziger Oberfeldherr der Guten Christus unser Herr steht; eine andere Ebene aber in der Gegend von Babylon, wo als Haupt der Feinde Luzifer auftritt.

3. Ich bitte um das, was ich begehre, und zwar werde ich hier bitten um Erkenntnis der Trugwerke des bösen Anführers und um Hilfe, damit ich mich davor bewahre, sowie um Erkenntnis des wahren Lebens (vgl. Joh 14, 6), das der höchste und wahre Heerführer (Mt 2,6; Mk 8, 31; Lk 9, 23; 1 Petr 2, 21) zeigt, und um die Gi;iäde, ihn nachzuahmen.

Erster Teil: Die Fahne Luzifers

Punkt 1. Ich stelle mir vor, ich. sähe den Anführer aller Feinde in jener großen Ebene von Babylon gleichsam auf einem hohen Stuhle von Feuer und Rauch sitzen (vgl. Is 14, 13) in schreckenerregender und furchtbarer Gestalt.

2. Man betrachte, wie er unzählige böse Geister zusammenruft und wie er sie aussprengt, die einen in diese Stadt und die anderen in eine andere und so über die ganze Welt hin, ohne irgend ein Land, einen Stand oder irgend einen Menschen im einzelnen zu übergehen.

3. Man betrachte die Ansprache, die er an sie hält, und wie er sie auffordert, Netze und Ketten (vgl. 1 Tim 3, 7; 6, 9) auszuwerfen, und zwar sollen sie die Menschen zuerst versuchen durch die Begierde nach Reichtümern, wie er es selbst bei den meisten zu tun pflegt, auf dass sie desto leichter zur eitlen Ehre der Welt und dann zu einem unbändigen Hochmut gelangen.

Demnach ergeben sich als erste Stufe die Reichtümer, als zweite die Ehre, als dritte der Hochmut und von diesen drei Stufen aus verführt Luzifer zu allen übrigen Lastern.

Zweiter Teil. Die Fahne Christi

In ähnlicher Weise soll man sich auf der ent-gegengesetzten Seite den höchsten und wahren Heerführer vorstellen, der da ist Christus unser Herr.

Punkt 1. Man betrachte, wie Christus unser Herr auf einer großen Ebene jener Umgegend von Jerusalem an einem einfachem Platze Stellung nimmt, schön und liebenswürdig (vgl. Ps 44, 3).

2. Man betrachte, wie der Herr der ganzen Welt so viele Personen auserwählt, Apostel, Jünger und so weiter, und sie über die ganze Welt hin entsendet (vgl. Mk 16, 15; Mt 28, 19; Apg 1, 8), auf dass sie den Samen seiner heiligen Lehre unter den Menschen aller Stände und in allen Lebenslagen ausstreuen.(vgl. Mt 13, 4 ff; Mk 4, 3 ff usw.)

3. Man betrachte die Ansprache, die Christus unser Herr an alle seine Diener und Freunde hält, die er zu solchem Unternehmen aussendet: wie er ihnen empfiehlt, sie möchten allen zu helfen suchen, indem sie dieselben zuerst zur größten geistlichen Armut (vgl. Mt 5, 3; Lk 6, 20) bewegen, und, wenn seine göttliche Majestät sich darin gefiele, und sie dazu auserwählen wollte, nicht minder auch zur wirklichen Armut (vgl. Mt19, 21-29; Mk 10, 21-30; Lk 18, 22-30); zweitens zum Verlangen nach Schmähungen und Verachtung (vgl Mt 5, 10-12; 10, 24-25; 11,29; Lk 6, 22-29.40; 9, 23; Gal 6, 14 usw.), weil aus diesen beiden Dingen, der Armut und Verachtung die Demut hervorgeht.

Es gibt demnach drei Stufen, erstens die Armut gegen den Reichtum, zweitens Schmach und Verachtung gegen die weltliche Ehre, drittens die Demut gegen den Hochmut; und von diesen drei Stufen aus sollen die Gesandten Christi die Menschen zu allen übrigen Tugenden anleiten.

Dann stelle ich ein Zwiegespräch an mit U.L. Frau, damit sie mir von ihrem Sohne und Herrn die Gnade erlange, unter sein Banner aufgenommen zu werden, und zwar zuerst in der größten geistlichen Armut und, wenn seine göttliche Majestät sich darin gefiele und mich dazu auserwählen und aufnehmen wollte, nicht minder auch in wirklicher Armut, zweitens im Ertragen von Schmähungen und Unbilden, um ihn hierin mehr nachzuahmen, wofern ich nur das erdulden kann ohne irgend eines Menschen Sünde und ohne Missfallen seiner göttlichen Majestät; hierauf ein Ave Maria.

Dasselbe erbitte ich vom Sohne, damit er es mir vom Vater erlange; darauf bete ich ein Anima Christi.

Und dasselbe erbitte ich auch vom Vater, dass er selbst es mir gewähre; dann bete ich ein Vaterunser.

Diese Übung soll um Mitternacht und dann ein zweites Mal am frühen Morgen vorgenommen werden. Über denselben Stoff sollen auch zwei Wiederholangen stattfinden, zur Zeit der Heiligen Messe und um die Stunde der Vesper; den Schluss bilden immer die drei Zwiegespräche mit U. L. Frau, mit dem Sohne und mit dem Vater. Die folgende Übung über die Menschenpaare halte man eine Stunde vor dem Abend essen

Betrachtung über drei Menschenpaare (12)

Am selben vierten Tag findet die Betrach-tung über drei Menschenpaare statt, damit man das Beste erwähle.

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen Gegenstand: es sind drei Menschenpaare, von denen jedes zehntausend Dukaten erworben hat, doch nicht rein und, wie es sollte, aus Liebe zu und sie alle wollen sich retten und in Frieden Gott unseren Herrn finden und daher die Last und das Hindernis von sich schütteln., die sie im Streben nach diesem Ziel in der Anhänglichkeit an das erworbene Gut wahrnehmen.

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier «oll ich mich selbst sehen, wie ich vor dem Angesichte Gottes unseres Herrn und aller seiner Heiligen stehe, um zu begehren und zu erkennen, was seiner göttlichen Güte wohlgefälliger ist.

3. Ich bitte um das, was ich begehre; hier soll ich um die Gnade flehen, dass ich das erwähle, was mehr zur Ehre seiner göttlichen Majestät und zum Heile meiner Seele gereicht.

Das erste Paar möchte sich der Neigung, die es zu dem erworbenen Gute hat, entledigen, um in Frieden Gott unseren Herrn zu finden und sein Seelenheil sichern zu können. Aber es wendet kein Mittel an bis zur Stunde des Todes.

Das zweite Paar will die Neigung aufgeben, aber es will sie nur so aufgeben, dass es im Besitze des erworbenen Gutes bleibe, so dass Gott dorthin kommen soll, wohin es selbst will; und es entschließt sich nicht, das Gut dranzugeben, um zu Gott zu gehen, obschon dies der beste Stand für es wäre.

Das dritte Paar will die Neigung beseitigen; aber es will sie so beseitigen, dass auch keine Vorliebe es bestimmt, das erworbene Gut zu behalten oder nicht zu behalten, sondern es ist entschlossen, nur dasselbe zu begehren oder nicht zu begehren, je nachdem Gott unser Herr es ihm in den Willen legt und es ihm selbst besser dünkt zum Dienste und Lobe seiner göttlichen Majestät. Und inzwischen will es sich so verhalten, als gebe es im Herzen alles dran (13), indem es nämlich seine Kraft aufbietet, um weder jenes noch irgend ein anderes Gut zu begehren, außer wenn es einzig, der Dienst Gottes unseres Herrn dazu bewegt; so dass nur der Wunsch, Gott unserem Herrn, besser dienen zu können, es zur Annahme des Gutes oder zum Verzicht darauf bestimmt.

Man stelle dann die nämlichen drei Zwiegespräche an, die in der vorhergehenden Betrachtung „Über zwei Fahnen gehalten wurden.

Bemerkung. Wenn wir eine Abneigung oder ein Widerstreben gegen die wirkliche Armut in uns wahrnehmen, wenn wir nicht gleichmütig gegen die Armut oder den Reichtum sind, so ist es zur einer solchen Ausrottung ungeordneten Neigung von großem Nutzen, in den Zwiegesprächen - auch wenn es gegen das Fleisch sein sollte darum zu bitten, der Herr möge einen zur wirklichen Armut auserwählen, und zu beteuern, man begehre, erbitte und erflehe dies, wenn es nur zum Dienste und Lobe seiner göttlichen Güte gereiche.

Fünfter Tag

Beschauung über die Reise Christi unseres Herrn von Nazareth an den Jordanfluss, und wie er getauft wurde.

s. unten S. 121

Diese Beschauung soll man einmal um Mitternacht und das zweite Mal am frühen Morgen anstellen und dann zwei Wiederholungen über sie zur Zeit der Heiligen Messe und der Vesper, und vor dem Abendtisch soll man die Anwendung der fünf Sinne vornehmen. Bei jeder von diesen fünf Übungen schicke man das gewöhnliche Vorbereitungsgebet und die drei Vorübungen vorauf, wie dies alles bei der Beschauung über die Menschwerdung und die Geburt erklärt worden ist. Man schließe mit den drei Zwiegesprächen aus der Betrachtung über "die drei Menschenpaare" oder gemäß der Bemerkung, die auf „die Menschenpaare" folgt.

Die besondere Gewissenserforschung nach dem Mittagessen und nach dem Abendtisch soll über die Fehler und Nachlässigkeiten angestellt werden, die man an diesem Tage in Bezug auf die Übungen und Zusätze begangen hat; und desgleichen an den folgenden Tagen.

Sechster Tag

Beschauung, wie Christus unser Herr vom Jordanfluss in die Wüste ging, diese mit eingeschlossen. Dabei beobachte man in allem dieselbe Weise wie am fünften Tage.

Siebenter Tag

Wie der heilige Andreas und andere Christus unserem Herrn folgten. siehe unten S. 122.

Achter Tag

Über die Bergpredigt, die von den acht Seligkeiten handelt. siehe unten S. 124.

Neunter Tag

Wie Christus unser Herr seinen Jüngern auf den Wogen des Meeres erschien. siehe unten S. 125.

Zehnter Tag

Wie der Herr im Tempel predigte (14). siehe unten S. 129.

Elfter Tag

Von der Auferstehung des Lazarus. siehe unten S. 128.

Zwölfter Tag

Von dem Palmtage. siehe unten S. 129.

'Bemerkungen

Bemerkung 1. Die Beschauungen dieser zweiten Woche kann man, je nachdem ein jeder Zeit darauf verwenden will oder je nachdem er Fortschritte macht, ausdehnen oder verkürzen.

Will man ausdehnen, so nehme man noch die Geheimnisse von der Heimsuchung U. L. Frau hei der heiligen Elisabeth, die Hirten, die Beschneidung des Jesuskindes und die drei Könige und so noch andere. Will man aber abkürzen, so lasse man auch von den angeführten Geheimnissen weg; denn in ihnen soll nur eine Einführung und Anleitung geboten werden, um später besser und vollständiger betrachten zu können.

2. Die Wahlangelegenheit beginnt gleich mit der Betrachtung über die Reise Christi von Nazareth an den Jordan, diesen mit eingeschlossen, das ist am fünften Tage, wie im folgenden dargelegt wird.

3. Bevor man in die Wahl eintritt, wird es, um sich, mit Liebe für die wahre Lehre Christi unseres Herrn zu erfüllen, sehr nützlich sein, dass man folgende drei Arten von Demut (15) erwägt und ins Auge fasst, indem man zu verschiedenen Zeiten während des ganzen Tages sie überdenkt und auch die Zwiegespräche anstellt, wie unten gezeigt werden soll.

Die erste Art von Demut ist notwendig zum ewigen Heil. Ich muss nämlich, soweit es von meiner Seite möglich ist, mich so erniedrigen und so demütigen, dass ich in allem dem Gesetze Gottes unseres Herrn gehorche, derart, dass ich auch wenn man mich zum Herrn aller geschaffenen Dinge auf dieser Welt machte oder um mein eigenes zeitliches Leben zu retten nicht einmal in Überlegung trete, ob ich irgendein Gebot, sei es ein göttliches oder ein menschliches, das mich unter einer Todsünde verpflichtet, übertreten wolle.

Die zweite Art von Demut ist vollkommener als die erste. Sie ist nämlich vorhanden, wenn ich mich in einer solchen Geistesverfassung befinde, dass ich nicht mehr danach verlange oder dazu hinneige, in Reichtum als in Armut zu leben, nach Ehre zu verlangen als nach Schmach, ein langes Leben zu begehren als ein kurzes, wenn nur dabei der Dienst Gottes unseres Herrn und das Heil meiner Seele gleich gefördert wird, und dass ich ferner weder um aller geschaffenen Dinge willen noch deshalb, weil man mir das Leben nehmen wollte, es auch nur in Überlegung ziehen würde, irgend eine lässliclie Sünde zu begehen.

Die dritte Art von Demut ist die vollkommenste, wenn ich nämlich die erste und zweite vorausgesetzt und sofern das Lob und die Ehre der göttlichen Majestät die gleiche sein würde -, um Christus unseren Herrn mehr nachzuahmen und um ihm in der Tat ähnlicher zu werden, eher mit dem armen Christus Armut will und wähle, als Reichtum, mit dem schmacherfüten Christus Schmach als Ehren, und eher danach verlange, für einfältig und töricht gehalten zu werden um Christi willen, der zuerst als solcher betrachtet wurde, als für weise und klug in dieser Welt.

Wer deshalb diese dritte Art von Demut erlangen will, dem ist es überaus nützlich, die drei Zwiegespräche aus der schon erwähnten Betrachtung über die Menschenpaare vorzunehmen und zu bitten, unser Herr möge ihn zu dieser dritten höheren und besseren Art von Demut auserwählen, auf dass er um so mehr ihn nachahme und ihm diene, wofern nur dabei der Dienst und das Lob seiner göttlichen Majestät gleich oder größer ist.

Die Wahl (16)

Einführung zur Vornahme der Wahl

Bei jeder guten Wahl muss, soweit es von uns abhängt, das Auge unserer Absicht einfältig (vgl. Mt 6, 22; Lk 11, 34) sein, indem es einzig auf das Ziel schaut, zu dem ich erschaffen bin, nämlich zum Lobe Gottes unseres Herrn und zum Heile meiner. Seele. Deshalb muss alles, was ich auch wähle, darauf gerichtet sein, dass es mir zum Ziele diene, zu dem ich erschaffen bin, so dass ich nicht das Ziel dem Mittel unterordne und anpasse, sondern das Mittel dem Ziele. So geschieht es zum Beispiel, dass viele zuerst sich entschließen, in die Ehe zu treten, was an sich ein Mittel ist, und dann an zweiter Stelle, im Ehestand Gott unserem Herrn zu dienen, während doch dieser Dienst Gottes das Ziel ist. Ebenso gibt es andere, die zuerst kirchliche Pfründen erlangen und dann erst Gott in denselben dienen wollen. Und so streben diese nicht geraden Wegs zu Gott, sondern sie wollen, dass Gott geraden Wegs ihren ungeordneten Neigungen entgegenkomme; und folglich machen sie aus dem Zweck ein Mittel und aus dem Mittel den Zweck, so dass sie das, was sie an die erste Stelle setzen sollten, an die letzte setzen; denn zuerst müssen wir uns vor Augen stellen, dass wir Gott dienen wollen, was das Ziel ist, und an zweiter Stelle, dass wir eine kirchliche Pfründe annehmen oder in die Ehe treten wollen - falls dies für mich besser ist - was das Mittel zum Zweck ist. So darf also nichts mich bewegen, dergleichen Mittel zu wählen oder sie je wieder aufzugeben, es sei denn allein der Dienst und der Lobpreis Gottes unseres Herrn und das ewige Heil meiner Seele.

Von den Gegenständen der Wahl

Erwägung zum Zweck, Kenntnis zu erhalten, über welche Gegenstände die Wahl stattfinden soIL Sie enthält vier Punkte und eine Bemerkung.

Punkt 1. Es ist notwendig, dass alle Dinge, über die wir eine Wahl anstellen wollen, an sich gleichgültig oder gut sind und im Bereich der heiligen Mutter, der hierarchischen Kirche, sich halten, nicht aber schlecht oder ihr widerstreitend.

2. Es gibt Dinge, die unter eine unabänderliche Wahl fallen, wie z. B. das Priestertum, die Ehe und so weiter; es gibt andere Dinge, die unter eine veränderliche Wahl fallen, wie z. B. kirchliche Pfründen annehmen oder solche verlassen, zeitliche Güter annehmen oder solche drangeben.

3. Bei der unabänderlichen Wahl, die bereits einmal als Wahl getroffen wurde, bleibt nichts mehr zu wählen übrig, da sie nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, wie z. B. bei der beim Priestertum und so weiter. Es ist nur dies zu bemerken: hat man eine solche Wahl nicht in rechter und geordneter Weise, d, h, nicht ohne den Einfluss ungeordneter Neigungen getroffen, so soll man dies bereuen und danach trachten, in seinem gewählten Stand ein gutes Leben zu führen. Eine solche Wahl aber scheint, da sie eine ungeordnete und verkehrte Wahl war, kein göttlicher Beruf zu sein, wie viele in dieser Beziehung irrig meinen, indem sie aus einer verkehrten oder aus einer schlechten Wahl einen göttlichen Beruf machen; denn jeder göttliche Beruf ist stets lauter und rein ohne Beimischung des Fleisches oder irgend einer anderen ungeordneten Neigung.

4. Hat jemand die Wahl auf rechte und geordnete Weise in Dingen getroffen, die einer veränderlichen Wahl unterliegen und ohne dem Fleische und der Welt zu folgen, so ist kein Grund vorhanden, eine neue Wahl zu treffen, er soll vielmehr innerhalb jener sich vervollkommnen, soweit er vermag.

Bemerkung. Wurde eine solche veränderliche Wahl nicht in reiner Absicht und in wohlgeordneter Weise getroffen, so ist es ersprießlich, die Wahl jetzt auf rechte Weise vorzunehmen, wenn anders man wünscht, ausgezeichnete und Gott unserem Herrn sehr wohlgefällige Früchte hervorzubringen.

Drei Zeiten, in deren jeder eine richtige und gute Wahl sich treffen lässt

Der erste Zeitpunkt ist vorhanden, wenn Gott unser Herr den Willen so bewegt und anzieht, dass eine solche fromme Seele, ohne zu zweifeln oder auch nur zweifeln zu können, dem folgt, was ihr gezeigt worden, wie es der heilige Paulus (vgl. Apg 9, 1-18; 22, 4-16; 26, 9-20) und der heilige Matthäus (vgl. Mt 9, 9; M 2, 14; Lk 5, 27-28) taten, als sie Christus unserem Herrn folgten.

Die zweite Zeit ist vorhanden, wenn man viel Klarheit und Erkenntnis empfängt auf Grund der Erfahrung von Tröstungen und Trostlosigkeiten sowie auf Grund der Erfahrung in der Unterscheidung der verschiedenen Geister.

Die dritte Zeit ist ruhiger Art: man erwägt da erst, wozu der Mensch geboren ist, nämlich um Gott unseren Herrn zu loben und seine Seele zu retten ; und vom Verlangen nach diesem Ziele beseelt, wählt man dann als Mittel eine Lebensweise oder einen Stand innerhalb der von der Kirche gesetzten Grenzen, um im Dienste seines Herrn und im Wirken für das Heil seiner Seele gefördert zu werden.

Ich nannte die Zeit ruhig, wenn nämlich die Seele nicht von verschiedenen Geistern bewegt wird und sich ihrer natürlichen Kräfte frei und ruhig bedient.

Geht die Wahl nicht in der ersten oder zweiten Zeit vor sich, so folgen für die dritte Zeit zwei Weisen, um sie so vorzunehmen.

Zwei Wahlarten
Erste Art, eine richtige und gute Wahl zu treffen

Sie enthält sechs Punkte:

Punkt 1. Ich stelle mir den Gegenstand, über den ich die Wahl treffen will, vor Augen, so z. B. ein Amt oder eine fründe, die ich annehmen oder aufgeben soll, oder [irgendwelchen anderen Gegenstand, der einer veränderlichen Wahl unterliegt.

2. Es ist notwendig, das Ziel vor Augen zu halten, für das ich geschaffen bin, nämlich, um Gott unseren Herrn zu loben und meine Seele zu retten, und mich dabei gleichmütig zu verhalten ohne irgend eine ungeordnete Neigung, so dass ich nicht mehr geneigt und gestimmt bin, die vorliegende Sache anzunehmen, als sie aufzugeben, und nicht mehr, sie aufzugeben, als sie anzunehmen, sondern dass ich mich sozusagen im Gleichgewicht befinde, um dem zu folgen, was meinem Urteil nach mehr zur Ehre und zum Lobe Gottes und zur Rettung meiner Seele gereicht.

3. Ich bitte Gott unseren Herrn, er wolle meinen Willen bewegen und mir das in die Seele legen, was ich in der vorliegenden Sache tun soll, das mehr zu seinem Lobe und zu seiner Ehre gereiche; also, dass ich gut und redlich mit meinem Verstande überlege und gemäß seinem heiligsten und wohlgefälligen Willen (vgl. Rom 12, 2) wähle.

4. Ich erwäge und überlege, wie viel Vorteil und Nutzen mir erwachsen, wenn ich das in Frage stehende Amt oder die Pfründe besitze, einzig zum Lobe unseres Herrn und zum Heile meiner Seele. Und umgekehrt erwäge ich ebenso die Nachteile und Gefahren, die im Besitze derselben liegen. Genau so verfahre ich im zweiten Teil: ich betraecte nämlich die Vorteile und den Nutzen ihres Nichtbesitzes und ebenso umgekehrt die Nachteile und Gefahren des gleichen Nichtbesitzes.

5. Nachdem ich auf diese Weise den vorliegenden Gegenstand überdacht und nach allen Seiten erwogen habe, schaue ich, nach welcher Seite die Vernunft mehr hinneigt, und so muss man nach dem stärkeren Antrieb der Vernunft und nicht nach irgend einem sinnlichen Antrieb die Entscheidung über den vorgelegten Gegenstand treffen.

6. Ist eine solche Wahl oder Entscheidung vorgenommen worden, so muss derjenige, der sie getroffen hat, mit vielem Eifer sich ins Gebet vor Gott unserem Herrn begeben und ihm diese Wahl darbieten, auf dass seine göttliche Majestät sie annehmen und bestätigen wolle, wofern es zu ihrem größeren Dienst und Lobe gereiche.

Zweite Art, eine richtige und gute Wahl zu treffen

Sie enthält vier Regeln und eine Bemerkung.

Regel 1. Jene Liebe, die mich bewegt und mich antreibt, gerade diese Sache zu wählen, muss von oben herab aus der Gottesliebe herabsteigen; so muss der Wählende vorerst in sich wahrnehmen, seine größere oder geringere Vorliebe für den Gegenstand, den er erwählt, ziele einzig auf seinen Schöpfer und Herrn.

2. Ich stelle mir einen Menschen vor, den ich nie gesehen oder gekannt habe, und, indem ich ihm alle Vollkommenheit wünsche, überlege ich, was ich ihm anraten würde, zur größeren Ehre Gottes unseres Herrn und zur größeren Vollkommenheit seiner Seele zu tun und zu wählen. Und mir selbst gegenüber ebenso handelnd, will ich die Regel einhalten, die ich für den anderen aufstelle.

3. Gleich als befände ich mich in der Todesstunde, erwäge ich die Form und das Maß, die ich dann bei der Art und Weise der gegenwärtigen Wahl eingehalten zu haben wünschte. Und indem ich mich danach richte, will ich jetzt ganz und gar meine Entscheidung treffen.

4. Ich bedenke und erwäge, wie mir am Tage des Gerichtes zu Mute sein wird, und überlege, welchen Entschluss ich dann in Bezug auf diese gegenwärtige Angelegenheit gefasst zu haben wünschte, und die Regel, die ich dann befolgt haben möchte, die will ich jetzt wählen, damit ich mich in jener Stunde von Wonne und Freude erfüllt finde.

Bemerkung. Nachdem ich die vorhin genannten Regeln zu meinem ewigen Heil und Frieden mir zur Richtschnur genommen habe, will ich meine Wahl treffen und meine Aufopferung vor Gott dem Herrn vollziehen gemäß dem sechsten Punkt der ersten Wahlart.

Bemerkungen für die Besserung und Neugestaltung des eigenen Lebens und Standes

Es ist folgendes zu beachten: Für solche, die eine kirchliche Würde bekleiden oder im Ehestande leben, - mögen sie jetzt an zeitlichen Gütern Überfluss haben oder nicht - ist es, falls sie keine Gelegenheit haben oder keine große Willensbereitschaft, eine Wahl über Dinge zu treffen, die einer veränderlichen Wahl unterliegen, von großem Nutzen, wenn man an Stelle der Wahl eine Art und Weise vorlegt, wie jeder von ihnen sein eigenes Leben und seinen besonderen Stand bessern und umgestalten könne. Er muss nämlich das Ziel seines Daseins, Lebens und Standes, die Ehre und das Lob Gottes unseres Herrn und die Rettung seiner eigenen Seele fest vor Augen halten. Damit er nun zu diesem Ziele gelange und es erreiche, muss er mittels der Übungen und der Wahlarten, wie dies erklärt wurde, viel darüber nachdenken und nachsinnen, ein wie großes Haus er führen und eine wie große Dienerschaft er halten, wie er sie lenken und leiten, wie er sie durch Wort und durch Beispiel belehren soll; ebenso bezüglich seines Vermögens, wie viel er hiervon für seine Familie und sein Haus bestimmen, und wie viel er an die Armen und zu anderen frommen Zwecken verteilen will ; so zwar, dass er nichts anderes will und sucht, als in allem und durch alles das größere Lob und die größere Ehre Gottes unseres Herrn. Denn das soll ein jeder bedenken, dass er in allen geistlichen Dingen nur insoweit Fortschritte machen wird, als er er aus seiner Eigenliebe, seinem Eigenwillen und seiner Eigensucht herausgeht.

Dritte Woche

Erster Tag

Erste Beschauung: Letztes Abendmahl

Um Mitternacht. Christus unser Herr geht von Bethanien nach Jerusalem zum letzten Abendmahl.

siehe unten S. 129.

Die Beschauung enthält in sich das Vorbereitungsgebet, drei Vorübungen, sechs Punkte und ein Zwiegespräch.

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Man führe sich den geschichtlichen Vorgang (vgl. Mt 26, 17-29; Mk 14, 12-25; Lk 22, 7-38; Job 13, 17) vor, hier: wie Christus unser Herr von Bethanien aus zwei Jünger nach Jerusalem sandte, um das Abendmahl zu bereiten, und dann selbst mit den übrigen Jüngern sich dazu begab, und wie er, nachdem er das Osterlamm gegessen und das Abendmahl genossen, ihnen die Füße wusch und seinen heiligsten Leib und sein kostbares Blut seinen Jüngern reichte und eine Ansprache an sie hielt, nachdem Judas fortgegangen war, um seinen Herrn zu verkaufen.

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; ich soll hier den Weg von Bethanien nach Jerusalem betrachten, ob er breit, ob eng, ob er eben ist und so fort; ebenso den Ort des Abendmahles, ob er geräumig, ob er klein ist, ob er dieses oder jenes Aussehen hat.

3. Ich bitte um das, was ich begehre: hier soll es Schmerz, Leid und Beschämung sein, weil um meiner Sünden willen der Herr zum Leiden geht.

Punkt 1. Ich schaue die Personen beim Abendmahl, und indem ich die Gedanken auf mich wende, suche ich irgend einen Gewinn daraus zu ziehen.

2. Ich höre, was sie sprechen, und suche desgleichen irgend einen Nutzen daraus zu gewinnen.

3. Ich habe auf das acht, was sIe tun, und suche irgend eine Frucht daraus zu ziehen.

4. Ich erwäge, was Christus unser Herr an seiner Menschheit leidet oder leiden will, je nach dem Abschnitt, den ich gerade betrachte. Und hier soll ich mit starkem Aufgebot meiner Kräfte einsetzen und mich anstrengen, um mit zu leiden, zu trauern und zu weinen. Und auf die nämliche Weise soll ich bei den übrigen folgenden Punkten mir Mühe geben.

5. Ich erwäge, wie die Gottheit sich verbirgt, wie sie nämlich ihre Feinde vernichten könnte und es doch nicht tut, und wie sie zulässt, dass die heiligste Menschheit so überaus grausam leidet.

6. Ich erwäge, wie Christus alles dieses meiner Sünden wegen leidet und so weiter, und was ich für ihn tun und leiden soll.

Zum Schluß verrichte man ein Zwiegespräch mit Christus unserem Herrn und zuletzt bete man ein Vaterunser.

Hier ist zu bemerken, wie bereits früher ge sagt und zum Teil erklärt wurde, dass wir in den Zwiegesprächen je nach den jeweiligen Umständen unsere Ansprachen und Bitten einrichten müssen, nämlich je nachdem ich mich versucht oder getröstet finde und je nachdem ich die eine oder andere Tugend zu besitzen wünsche, je nachdem ich über mich nach der einen oder anderen Seite hin verfügen will, je nachdem ich über den Gegenstand, den ich betrachte, Schmerz oder Freude empfinden will. Schließlich soll ich um das bitten, was ich bezüglich einiger besonderer Anliegen nachdrücklicher begehre.

Somit kann man nur ein Zwiegespräch mit Christus unserem Herrn halten oder, falls der Gegenstand oder die Andacht einen dazu bewegen, kann man auch drei Zwiegespräche anstellen, eines mit der Mutter, ein anderes mit dem Sohne, ein weiteres mit dem Vater auf dieselbe; Weise, wie dies in der zweiten Woche bei der Betrachtung über "die drei Menschenpaare" (1) und auch in der Bemerkung, die auf die „Menschenpaare" folgt, erklärt wurde.

Zweite Beschauung: Im Garten Gethsemani

Morgens. Vom Abendmahl an bis zum Garten ein-schliefelich.

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen Vorgang, (vgl. Mt 26, 30-56; Mk 14, 26-52; Lk 22, 39-54; Joh 18, 1-13) und zwar hier: wie Christus unser Herr mit seinen elf Jüngern vom Berge Sion, wo er das Abendmahl gehalten hatte, zum Tale Josaphat hinabstieg, acht von ihnen an einem Orte des Tales und die übrigen drei an einer Stelle des Gartens zurückließt, sich hierauf zum Gebete begab und Schweiß wie Blutstropfen vergoss, wie er sodann dreimal ein Gebet an den Vater richtete und seine drei Jünger aus dem Schlafe aufweckte, wie dann vor seiner Stimme die Feinde zu Boden stürzten, Judas ihm den Friedenskuss gab, der heilige Petrus Malchus das Ohr abhieb und Christus dasselbe wieder an seine Stelle setzte; wie er hierauf wie ein Übeltäter gefangen genommen wird und sie ihn durch das Tal hinab und dann wieder über den Hügel hinauf zum Hause des Annas schleppen.

2. Veranschaulichung des Ortes; hier betrachte ich den Weg vom Berge Sion zum Tale Josaphat und ebenso den Garten, ob er weit, ob er lang, ob er so oder anders beschaffen.

3. Ich bitte um das, was ich begehre, nämlich um das, was man während des Leidens eigentlich erflehen soll: Schmerz mit dem schmerzerfüllten Christus, um Zerschlagenheit mit dem zerschlagenen Christus, um Tränen, um innere Pein über die so große Pein, die Christus für mich gelitten hat.

Bemerkungen

In dieser zweiten Beschauung soll man nach Verrichtung des Vorbereitungsgebetes sowie der drei bereits angeführten Vorübungen in Bezug auf die Punkte und das Zwiegespräch auf dieselbe Weise verfahren, die man in der ersten Betrachtung vom Abendmahl befolgte. Und zur Zeit der Heiligen Messe und der Vesper sollen zwei Wiederholungen über die erste und zweite Beschauung stattfinden und dann vor dem Abendessen soll die Anwendung der Sinne auf die beiden vorhin genannten Beschauungen vorgenom-men werden, wobei man stets das Vorbereitungsgebet nebst den drei Vorübungen je nach dem vorliegenden Gegenstand vorausschickt, auf dieselbe Weise, wie dies in der zweiten Woche bemerkt und erklärt wurde.

Je nachdem das Alter, der Gesundheitszustand, die körperliche Beschaffenheit es dem Exerzitanden empfehlen, soll er jeden Tag die genannten fünf Übungen oder weniger vornehmen.

In dieser dritten Woche werden der zweite und der sechste Zusatz zum Teil geändert.

Der zweite wird lauten: Gleich wenn ich erwache, soll ich mir vor Augen stellen, wohin ich mich begebe und wozu. Dann soll ich die Beschauung, die ich anstellen will, kurz im Geiste überblicken und je nach Art des Geheimnisses mich bemühen, während des Aufstehens und Ankleidens Trauer und Schmerz über den großen Schmerz und die so große Pein Christi unseres Herrn zu empfinden. Der sechste wird also geändert: Ich will keine frohen Gedanken, seien sie auch gut und heilig, wie z. B. an die Auferstehung und das Paradies, wachrufen, sondern vielmehr mich selbst zu Schmerz und zu Leid und Betrübnis anregen, indem ich mir häufig die Beschwerden, Mühsal und Schmerzen Christi unseres Herrn vors Gedächtnis führe, die er vom Augenblick seiner Geburt an bis zum Geheimnisse des Leidens, bei dem ich jetzt stehe, erduldet hat.

Die besondere Gewissenserforschung über die Übungen und jetzt obwaltenden Zusätze soll so angestellt werden, wie es in der vorhergehenden Woche geschah.

Zweiter Tag

Um Mitternacht soll die Beschauung über das angestellt werden, was vom Garten ab bis zum Hause des Annas einschließlich vorfiel (siehe unten S. 131), und am Morgen über das, was vom Hause des Annas bis zum Hause des Kaiphas einschließlich geschah (siehe unten S. 132). Später finden die beiden Wiederholungen und die Anwendung der Sinne statt, auf dieselbe Weise, wie es vorhin erklärt wurde.

Dritter Tag

Um Mitternacht: vom Haus des Kaiphas bis zu Pilatus einschließlich (siehe unten S. 132); morgens: von Pilatus bis Herodes einschließlich, dann die Wiederholungen und die Anwendung der Sinne in derselben Weise, wie es schon bemerkt wurde.

Vierter Tag

Um Mitternacht: von Herodes bis Pilatus (siehe unten S. 133), so dass man die Geheimnisse im selben Hause des Pilatus nur bis zur Hälfte vornimmt und betrachtet, dann in der Übung am Morgen die anderen noch übrig gebliebenen Geheimnisse, die sich in diesem Hause abspielten; hierauf die Wiederholungen und die Anwendung der Sinne, wie dargelegt worden.

Fünfter Tag

Um Mitternacht: vom Hause des Pilatus bis zur Kreuzigung des Herrn (siehe unten S. 134), am Morgen: von seiner Erhöhung am Kreuze, bis er seinen Geist aufgab (siehe unten S. 134); dann die zwei Wiederholungen und die Anwendung der Sinne.

Sechster Tag

Um Mitternacht : von der Kreuzabnahme bis zum Grabe ausschließlich; und am Morgen: vom Grabe einschließlich bis zum Hause, in das U. L. Frau sich zurückzog, nachdem ihr Sohn begraben war.

Siebenter Tag

Betrachtang des ganzen Leidens insgesamt in der Übung um Mitternacht und am Morgen. An Stelle der beiden Wiederholungen und der Anwendung der Sinne soll man an diesem ganzen Tage so. oft, als es geschehen kann, betrachten, wie der heiligste Leib Christi unseres Herrn von der Seele gelöst und getrennt blieb, und wo und wie er begraben wurde. Desgleichen betrachte man die Vereinsamung U. L. Frau bei so großem Schmerz und Leid, dann auf der anderen Seite die der Jünger.

Bemerkung

Wer beim Leiden länger verweilen will, soll bei jeder Beschauung weniger Geheimnisse vornehmen, nämlich in der ersten Beschauung nur das Abendmahl, in der zweiten die Fußwaschung, in der dritten die Darreichung des heiligsten Sakramentes an die Jünger, in der vierten die Rede, die Christus ihnen hielt; und so fort bei den übrigen Beschauungen und Geheimnissen.

In gleicher Weise nehme man, nachdem das Leiden durchbetrachtet ist, einen vollen Tag die Hälfte des ganzen Leidens und am zweiten Tag die andere Hälfte und am dritten Tag das ganze Leiden.

Wer hingegen beim Leiden abkürzen will, nehme um Mitternacht das Abendmahl und am Morgen den Garten, zur Zeit der heiligen Messe das Haus des Annas, zur Zeit der Vesper das Haus des Kaiphas und für die Stunde vor dem Abendtisch das Haus des Pilatus.

Ohne also die Wiederholungen oder die Anwendung der Sinne anzustellen, nehme er jeden Tag fünf verscMedene Übungen vor und betrachte in einer jeden Übung ein eigenes Geheimnis Christi unseres Herrn, Nachdem er auf diese Weise das ganze Leiden bis zu Ende durchgegangen ist, kann er an einem anderen Tage das ganze Leiden auf einmal in einer oder in mehreren Übungen betrachten, je nachdem er meint, er könne einen größeren Nutzen daraus ziehen.

Regeln für das Verhalten beim Essen

Regeln, um für die Zukunft beim Essen die rechte Ordnung zu beobachten.

Regel 1. Vom Brote braucht man sich weniger zu enthalten, weil es keine Speise ist, bei der die Esslust sich in so ungeordneter Weise zu äußern pflegt oder zu der die Versuchung so anreizt, wie zu den übrigen Speisen.

2. In Bezug auf das Getränk scheint die Enthaltsamkeit zweckmäßiger zu sein, als in Bezug auf den Genuss des Brotes. Es soll deshalb ernstlich erwogen werden, was nützlich ist, damit es zugelassen, und was Schaden bringt, damit es entfernt werde.

3. In Bezug auf die anderen Speisen muss man die höchste und eine möglichst vollkommene Enthaltsamkeit beobachten, weil in dieser Hinsicht sowohl die Esslust dazu neigt, das rechte Maß zu überschreiten, als auch die Versuchung mehr anreizt, solche Speisen aufzusuchen. Die Enthaltsamkeit in Bezug auf Speisen kann man deshalb, um eine Unordnung zu meiden, auf zweierlei Weise üben: erstens, indem man sich gewöhnt, gröbere Speisen zu sich zu nehmen, zweitens, wenn man feine Speisen nur in geringem Maß genießt. -

4. Je mehr jemand - vorausgesetzt, dass er sich hütet, in eine Krankheit zu fallen - sich vom Zukömmlichen entzieht, desto schneller gelangt er zum richtigen Mittelmaß, das er beim Essen und Trinken einhalten soll, und dies aus zwei Gründen: erstens, weil er, durch solches Verfahren unterstützt und vorbereitet, die inneren Erkenntnisse, Tröstungen und göttlichen Einsprechungen oftmals besser wahrnehmen wird, die ihm das gerade für ihn passende Mittelmaß zeigen sollen; zweitens, wenn jemand bei solchem Abbruch sich nicht im Besitze von soviel Körperkräften und Gesundheit sieht, um die geistlichen Übungen verrichten zu können, wird er leicht dahin kommen, zu beurteilen, was für den Unterhalt seines Leibes angemessener ist.

5. Während man Speise zu sich nimmt, stelle man sich vor, als sehe man Christus unseren Herrn mit seinen Aposteln essen, und wie er trinkt und wie er um sich blickt und wie er spricht, und bemühe sich, ihn nachzuahmen. So sei der Verstand zum besseren Teil mit der Betrachtung unseres Herrn, zum minderen aber mit dem Unterhalt des Leibes beschäftigt, damit man so bezüglich der Art, wie man sich benehmen und beherrschen soll, ein größeres Gleichmaß und eine größere Ordnung gewinne.

6. Man kann auch sonst während des Essens eine andere Erwägung vornehmen, entweder über das Leben der Heiligen oder über irgend einen frommen Betrachtungsstoff oder über irgend eine geistliche Angelegenheit, die man auszuführen hat. Richtet man nämlich seine Aufmerksamkeit auf einen solchen Gegenstand, so wird man weniger Lust und Sinnengenuss aus der leiblichen Speise schöpfen.

7. Vor allem hüte man sich, dass nicht der ganze Sinn auf das gerichtet sei, was man zu sich nimmt, und dass man beim Essen nicht vor Begierde zu hastig vorangehe, sondern Herr seiner selbst bleibe sowohl bezüglich der Art zu essen, als auch bezüglich des Maßes, das man nimmt.

8. Um alle Unordnung abzulegen, ist es sehr ersprießlich, nach dem Mittag- oder Abendtisch oder zu einer Stunde, da man keine Esslust empfindet, bei sich für die zunächst kommende Mittag- oder Abendmahlzeit und so fort Tag für Tag das Maß zu bestimmen, das man füglich nehmen kann, über das man weder ob irgend welcher Esslust noch ob irgend einer Versuchung hinausgehen soll. Man soll vielmehr im Gegenteil, um jede ungeordnete Esslust und Versuchung des bösen Feindes eher zu überwinden, falls man versucht wird, mehr zu essen, gerade weniger zu sich nehmen.

Vierte Woche

Erste Beschauung: Christus unser Herr erscheint U. L. Frau (4)

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen Vorgang, also hier: nachdem Christus am Kreuze seinen Geist aufgegeben und sein Leib von der Seele getrennt blieb, während die Gottheit stets mit ihm vereint war, stieg die glorreiche Seele, gleichfalls mit der Gottheit vereint, in die Unterwelt hinab, befreite hier die Seelen der Gerechten (vgl. Ps 15, 10; Sach 9, 11; Mt 12, 40; Apg 2, 31; 13, 35; Eph 4, 8-9; 1 Petr 3, 18-19) und kehrte zum Grabe zurück. Dann stand er auf und erschien mit Leib und Seele seiner gebenedeiten Mutter.

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier soll man schauen die Anlage des heiligen Grabes und die Wohnung oder das Haus U. L. Frau, wobei man dessen Teile im einzelnen besichtige, so das Zimmer, die Gebetskammer und so fort.

3. Ich bitte um das, was ich begehre, und zwar soll ich hier um die Gnade flehen, mich innig zu freuen und zu frohlocken über die so große Herrlichkeit und Freude Christi unseres Herrn.

Punkt 1, 2 und 3 seien die gleichen gewohnten, die wir auch heim Abendmahl Christi unseres Herrn hatten.

4. Ich betrachte, wie die Gottheit, die sich während des Leidens zu verbergen schien, jetzt so wunderbar bei der hochheiligen Auferstehung erscheint und sich offenbart durch ihre wahren und heiligsten Wirkungen.

5. Ich betrachte das Trösteramt, das Christus unser Herr ausübt, und vergleiche dabei, wie Freunde einander zu trösten pflegen.

Man schließe mit einem oder auch mehreren Zwiegesprächen je nach den vorliegenden Stoffe und mit einem Vaterunser.

Bemerkungen

Bemerkung 1. Bei den folgenden Beschauungen soll man alle Geheimnisse der Auferstehung in der unten folgenden Weise durchgehen bis zur Himmelfahrt einschließlich, wobei man im übrigen in der ganzen Auferstehungswoche dieselbe Form und Art anwendet und beobachtet, die während der ganzen Leidenswoche eingehalten wurde. Deshalb richte man sich nach dieser ersten Beschauung über die Auferstehung: was die Vorübungen betrifft, so stelle man sie an je nach dem vorliegenden Stoffe, und was die fünf Punkte betrifft, so seien sie dieselben; auch die Zusätze, die sich weiter unten finden, seien die nämlichen. Und so kann man sich in allem übrigen nach der Weise der Leidenswoche richten, wie in den Wiederliolungen, in der Anwendung der fünf Sinne, im Abkürzen oder Ausdehnen;der Geheimnisse und so fort.

2. Gewöhnlich ist es in dieser vierten Woche angemessener als in den anderen drei vergangenen, nur vier Übungen und nicht fünf anzustellen: die erste gleich nach dem Aufstehen am Morgen, die zweite zur Zeit der Heiligen Messe oder vor dem Mittagessen anstelle der ersten Wiederholung, die dritte zur Zeit der Vesper anstatt der zweiten Wiederholung, die vierte vor dem Abendtisch, indem man die fünf Sinne auf die drei Übungen desselben Tages anwendet und dabei die vorzüglicheren Teile sowie jene, bei denen man stärkere Anregungen und größeren geistlichen Genuss empfand, besonders beachtet und sich länger dabei aufhält.

3. Obschon bei allen Beschauungen eine be- stimmte Zahl von Punkten vorgelegt wird, wie z. B. drei oder fünf und so weiter, so kann doch der Betrachtende mehr oder weniger Punkte fest- setzen, je nachdem er es für besser halten sollte. Dazu ist es sehr förderlich, dass man vor dem Eintreten in die Betrachtung die Punkte,, die man in bestimmter Zahl nehmen soll, von ungefähr vorsieht und festlegt.

4. In dieser vierten Woche müssen von allen zehn Zusätzen der zweite, der sechste, der siebente und der zehnte geändert werden.

Der zweite wird lauten: sobald ich erwache, will ich mir die Beschauung, die ich vorzunehmen habe, vor Augen führen und danach verlangen, Mitgefühl zu erwecken und mich zu freuen über die so große Wonne und Freude Christi unseres Herrn.

Der sechste: ich will Gedächtnis und Verstand mit Dingen beschäftigen, die zu innerer Wonne, zu Frohsinn und geistlicher Freude anregen, wie z. B. mit dem Paradies.

Der siebente: ich will die Helle genießen oder die Annehmlichkeiten der Jahreszeit, wie z. B. zur wärmeren Zeit, deren Reize und zur Winterszeit den Sonnenschein oder die Feuerwärme, insoweit die Seele glaubt oder vermutet, dies könnte ihr dienlich sein, um sich in ihrem Schöpfer und Erlöser zu freuen.

Der zehnte: statt der Buße achte man auf die Mäßigkeit und das rechte Mittelmaß in allen Dingen, es sei denn, man befinde sich in einer Zeit, wo Fasten oder Enthaltung gemäß der Anordnung der Kirche vorgeschrieben sind. Denn diese Gebote müssen immer erfüllt werden, wenn nicht ein rechtmäßiges Hindernis vorliegt.

Beschauung zur Erlangung der Liebe

Vorerst ist es gut, auf zweierlei zu achten.

Erstens: die Liebe muss mehr in die Werke als in die Worte gesetzt werden; zweitens: die Liebe besteht in der beiderseitigen Mitteilung, indem nämlich der Liebende dem Geliebten das gibt und mitteilt, was er hat, oder von dem, was er hat oder vermag, und ebenso umgekehrt der Geliebte dem Liebenden. Hat also der eine Wissenschaft, so teilt er sie dem mit, der sie nicht besitzt, und ebenso wenn er Ehren, wenn er Reichtümer besitzt, und so gibt immer einer dem andern.

Das Gebet wie gewöhnlich.

Vorübung 1. Sie besteht in der Vorstellung des Ortes; hier soll ich Sehauen, wie ich dastehe vor dem Angesichte Gottes unseres Herrn, der Engel, der Heiligen, die für mich Fürbitte einlegen.

2. Ich bitte um das, was ich begehre; hier soll ich bitten um innere Erkenntnis so großer Güter, die ich von Gott empfangen habe, auf dass ich ganz dankbaren Sinnes (7) in allem seine göttliche Majestät lieben und ihr dienen kann.

Punkt 1. Ich rufe mir ins Gedächtnis die erhaltenen Wohltaten der Erschaffung, der Erlösung und die besonderen Gaben und dabei betrachte ich mit großer Innigkeit, wie viel Gott unser Herr für mich getan hat und wie viel er mir von dem gegeben, was er besitzt, und weiterhin wie sehr derselbe Herr verlangt, sich selbst mir mitzuteilen, so weit er gemäß seiner göttlichen Anordnung es vermag. Und dann lenke ich die Gedanken auf mich selbst und erwäge eindringlich nach Vernunft und Gerechtigkeit, was ich von meiner Seite seiner göttlichen Majestät anbieten und geben muss, nämlich all das Meinige und mich selbst dazu, wie einer, der etwas mit viel Innigkeit anbietet:

„Nimm hin, o Herr, und nimm auf alle meine Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, alles, was ich habe und was ich besitze; du hast mir dies gegeben, dir, Herr, erstatte ich es zurück; alles ist dein, verfüge ganz nach deinem Willen. Gib mir nur deine Liebe und Gnade; denn das, ist mir genug."

2. Ich betrachte, wie Gott in, den Geschöpfen wohnt: in den Elementen, indem er ihnen das Dasein gibt, in den Pflanzen, indem er ihnen das Leben schenkt, in den Tieren, indem er ihnen Wahrnehmung mitteilt, in den Menschen, indem er ihnen Denken verleiht; und wie er auch in mir wohnt, indem er mir Dasein, Leben, Wahrnehmung verleiht und mich denken lässt und mich gleichfalls zu seinem Tempel macht, da ich nach dem Gleichnis und Bilde seiner göttlichen Majestät (vgl. Gen 1, 26; 5, 1; Weish 2, 23; Jak 3, 9 usw.) geschaffen bin. Dann wieder soll ich die Gedanken auf mich selbst richten auf die Weise, wie es im ersten Punkt bemerkt wurde, oder auf eine andere, die ich für besser halten sollte. Auf dieselbe Weise verfahre man bei jedem nachfolgenden Punkte.

3. Ich erwäge, wie Gott um meinetwillen in allen geschaffenen Dingen auf dem Angesicht der Erde wirkt und arbeitet, d. h. sich verhält wie einer, der arbeitet, so z. B. an den Himmeln, in den Elementen, Pflanzen, Früchten, Herden und so weiter, indem er Dasein, Fortbestand, Leben und Wahrnehmung verleiht und so fort. Hierauf richte ich die Gedanken auf mich selbst.

4. Ich betrachte, wie alle Güter und Gaben von oben herabsteigen (Jak 1, 17), sowie auch meine beschränkte Kraft von jener höchsten und unendlichen dort oben; und so auch die Gerechtigkeit, die Güte, die Frömmigkeit, die Barmherzigkeit und so fort, gleichwie von der Sonne die Strahlen ausgehen, von der Quelle die Wasser und so weiter. Dann lenke ich zum Schluss, wie gesagt worden, die Gedanken auf mich selbst.

Ich schließe mit einem Zwiegespräch und einem Vaterunser.

Drei Gebetsweisen

Erste Gebetsweise
1. Über die zehn Gebote

Die erste Gebetsweise betrifft die zehn Gebote, die sieben Todsünden (8), die drei Seelenkräfte und die fünf Sinne des Körpers. Diese Gebetsart soll eher eine Form, Weise und gewisse Übungen an die Hand geben, damit so die Seele sich auf die eigentlichen geistlichen Übungen vorbereite und in ihnen Fortschritte mache und damit das Gebet Gott wohlgefällig sei; sie soll aber weniger eine bestimmte Form und Weise des eigentlichen Gebetes bieten.

Zuerst soll ein Zusatz beobachtet werden, der dem zweiten Zusatz der zweiten Woche gleichwertig ist (9): bevor ich in das Gebet eintrete, sammle sich der Geist ein wenig in Ruhe, indem ich sitzend oder auf- und abgehend, wie es mir besser scheinen wird, erwäge, wohin und zu was ich mich begebe. Dieser gleiche Zusatz soll zu Beginn einer jeden der Gebetsweisen beobachtet werden.

Dann verrichte ich irgend ein Vorbereitungsgebet, z. B. ich bitte Gott unseren Herrn um Gnade, auf dass ich zu erkennen vermöge, worin ich bezüglich der zehn Gebote gefehlt habe, und ich bitte desgleichen um Gnade und Beistand, um mich in Zukunft zu bessern, und dazu flehe ich um ein vollkommenes Verständnis der Gebote, auf dass ich sie besser beobachte und zur größeren Ehre und zum größeren Lobe seiner göttlichen Majestät.

Für die erste Gebetsweise ist es nötig, beim ersten Gebot zu erwägen und zu bedenken, wie ich dasselbe beobachtet und worin ich gefehlt habe; und hierbei beobachte ich als Regel, so lange Zeit dabei zu verweilen, als jemand braucht, um drei Vaterunser und drei Ave Maria zu beten. Finde ich in dieser Zeit Fehler bei mir, so bitte ich um Verzeihung und Nachlassung derselben und dann bete ich ein Vaterunser. Auf eben diese Weise verfahre man bei einem jeden von den zehn Geboten.

Bemerkung. Gelangt jemand beim Nach- denken zu irgend einem Gebot (10), bei dem er findet, dass er keine Gewohnheit hat, dagegen zu sündigen, so ist es nicht nötig, so lange Zeit sich dabei aufzuhalten, sondern je nachdem jemand bei sich findet, dass er mehr oder weniger gegen jenes Gebot verstößt, soll er auch mehr oder weniger bei der Betrachtung und Erforschung desselben verweilen. Und das Gleiche werde auch bei den „Todsünden" beobachtet.

Sobald die genannte Erwägung über alle Gebote beendet ist, soll ich mich in betreff derselben anklagen und um Gnade und Beistand bitten, mich in Zukunft zu bessern; dann soll zum Schluss je nach dem vorliegenden Gegenstand ein Zwiegespräch mit Gott unserem Herrn folgen.

2. Über die sieben Todsünden (11)

Bei der Erwägung über die sieben Todsünden verrichte man nach dem obigen Zusatz das Vorbereitungsgebet auf die besagte Weise mit der Veränderung, dass hier der Gegenstand die Sünden sind, die man meiden muss, während es vorhin die Gebote waren, die zu beobachten sind. In gleicher Weise soll man auch die schon erwähnte Ordnung und Regel sowie das Zwiegespräch beibehalten.

Um bei den Todsünden die begangenen Fehler besser zu erkennen, erwäge man ihre Gegensätze. Und ebenso soll man, um sie besser zu meiden, sich vornehmen und trachten, durch heilige Übungen die sieben ihnen entgegengesetzten Tugenden zu erwerben und zu besitzen.

3. Über die Seelenkräfte

Bezüglich der drei Seelenkräfte beobachte man die nämliche Ordnung und Regel, wie bei den Geboten, so dass man entsprechend den Zusatz befolgt, das Vorbereitungsgebet und das Zwiegespräch vorrichtet.

4. Über die fünf Sinne des Leibes

Bezüglich der fünf Sinne des Leibes halte man stets die nämliche Ordnung ein und ändere da bei nur den Gegenstand.

Wenn jemand im Gebrauche seiner Sinne Christus unseren Herrn nachahmen will, empfehle er sich im Vorbereitungsgebet seiner göttliche] Majestät und, nachdem er einen jeden Sinn betrachtet hat, bete er ein Ave Maria oder ein Vaterunser. Und wer wünschen sollte, im Gebrauche der Sinne U. L. Frau nachzuahmen, der empfehle sich ihr im Vorbereitungsgebet, auf dass sie ihm von ihrem Sohne und Herrn die Gnade hierzu erlange, und nachdem er einen je den Sinn betrachtet, bete er ein Ave Maria.

Zweite Gebetsweise

Sie besteht darin, dass man die Bedeutung eine jeden Wortes des Gebetes betrachtet.

Derselbe Zusatz, der bei der ersten Gebetsweise befolgt wurde, soll auch für diese zweite gelten.

Das Vorbereitungsgebet soll entsprechend der Person, an die das zu betrachtende Gebet sich richtet, angestellt werden.

Die zweite Gebetsart vollzieht sich so: man kniee oder sitze, je nachdem sich jemand mehr zu einem gestimmt fühlt und je nachdem für ihn mehr Andacht damit verbunden ist; die Äugen halte man geschlossen oder auf eine bestimmte Stelle gerichtet, ohne sie dahin und dorthin zu wenden; dann spreche man „Vater"' und verweile bei der Betrachtung dieses Wortes so lange Zeit, als man verschiedene Bedeutungen, Gleichnisse, Genuss und Tröstung bei den auf dieses Wort bezüglichen Erwägungen findet. Und auf gleiche Weise verfahre man bei jedem Wort des Vaterunsers oder jedes anderen Gebetes, das man nach dieser Gebetsweise etwa verrichten will.

Regel 1. Man verweile auf die besagte Weise eine Stunde beim ganzen Vaterunser. Ist es beendet, so bete man ein Ave Maria, ein Credo, ein Änima Christi und ein Salve Regina mit dem Munde oder im Geiste in der gewöhnlichen Weise.

2. Wenn der, der das Vaterunser betrachtet, in einem Worte oder in zweien reichlichen Stoff zum Nachdenken und geistlichen Genuss und Trost findet, so sei er nicht besorgt, weiter zu gehen, auch wenn die Stunde mit dem, was er findet, zu Ende geht. Und ist sie zu Ende, so bete er den übrigen Teil des Vaterunsers auf die gewöhnliche Weise.

3. Hat jemand bei einem Wort oder zweien des Vaterunsers während einer ganzen Stunde verweilt, so bete er an einem anderen Tage, wenn er zu demselben Gebet zurückkehren will, das besagte Wort oder jene beiden in der gewöhnlichen Weise und fange dann bei dem unmittelbar folgenden Wort zu betrachten an auf dieselbe Weise, wie in der zweiten Regel bemerkt wurde.

Bemerkung 1. Ist das Vaterunser an einem oder innerhalb mehrerer Tage beendet, so soll das nämliche mit dem Ave Maria und nachher mit den übrigen Gebeten geschehen, so dass man eine Zeit lang sich stets an einem derselben übt.

2. Ist das Gebet zu Ende, so soll man sich an die Person, zu der man gebetet hat, wenden und mit wenigen Worten um die Tugenden oder Gnaden bitten, deren man sich mehr bedürftig fühlt.

Dritte Gebetsweise

Sie geschieht nach einem bestimmten Zeitmaß (17).

Der Zusatz ist der nämliche wie bei der ersten und zweiten Gebetsweise.

Das Vorbereitungsgebet ist wie bei der zweiten Gebetsweise.

Die dritte Gebetsweise besteht darin, dass man zu jedem Atemzug oder Atemholen innerlich betet, während man ein Wort des Vaterunsers ausspricht oder eines anderen Gebetes, das gerade verrichtet wird, so dass zwischen einem und dem anderen Atemzug nur ein Wort gesprochen wird, in der Zwischenzeit aber von einem Atemholen zum anderen die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Bedeutung dieses Wortes gelenkt wird oder auf die Person, zu der man betet, oder auf die eigene Niedrigkeit oder den Abstand zwischen der so großen Hoheit und der so großen eigenen Niedrigkeit. Und nach derselben Weise und Regel verfahre man bei den übrigen Worten des Vaterunsers, die anderen Gebete aber, wie das Ave Maria, das Anima Christi, das Credo und das Salve Regina verrichte man in der gewöhnlichen Weise.

Regel 1. Am anderen Tage oder zu einer anderen Stunde, da man so beten will, bete man das Ave Maria nach dem Zeitmaß, die übrigen Gebete aber auf gewöhnliche Weise, und ebenso verfahre man weiterhin der Reihe nach mit den anderen Gebeten.

2. Wer mehr Zeit auf das Gebet nach dem Zeitmaß verwenden will, kann alle oben genannten Gebete oder einen Teil derselben so beten, indem er dieselbe durch das Atemholen bedingte Ordnung nach dem Zeitmaß befolgt, wie es erklärt wurde.

((↓ S. 116))

Die Geheimnisse des Lebens, Christi unseres Herrn (1)

Bei allen folgenden Geheimnissen ist zu beachten, dass alle Worte, die in Klammern stehen, aus dem Evangelium selbst stammen, nicht aber jene, die außerhalb der Klammern stehen. Bei jedem Geheimnis wird man meistens drei Punkte finden, um nach denselben die Betrachtung und Beschauung mit größerer Leichtigkeit verrichten zu können (Wir setzen bei den Sohrifttexten, die wir der geschichtlichen Treue wegen in der Fassung des hl. Ignatius bieten, Anführungszeichen statt Klammern).

Zweite Woche
Die Verkündigung U.L. Frau
(Lk 1, 26-38).

Punkt 1. Der Engel, der heilige Gabriel, grüßt U. L. Frau und verkündet ihr die Empfängnis Christi unseres Herrn. „Es trat der Engel herein zu Maria, grüßte sie und sprach zu ihr: ,Gegrüßet seist du, voll der Gnaden; du wirst empfangen in deinem Leibe und einen Sohn gebären' ".

((↓ S. 117))

2. Es bestätigt der Engel das, was er U.L.Frau gesagt, indem, er ihr die Empfängnis, des heiligen Johannes des Täufers verkündet und zu ihr spricht: „Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, hat einen Sohn in ihrem Alter empfangen.

3. Es antwortete dem Engel U. L. Frau: "Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte".

Die Heimsuchung U. L. Frau bei Elisabeth
(Lk 1, 39-56).

1. Als U. L. Frau Elisabeth besuchte, erkannte der heilige Johannes, noch im Schoße seiner Mutter, den Besuch U, L. Frau. „Und als Elisabeth den Gruß U. L. Frau vernahm, da frohlockte das Kind freudig in ihrem Schoße und voll des Heiligen Geistes, rief Elisabeth mit lauter Stimme aus und sprach : ,Gebenedeit seist du unter den Frauen und gebenedeit sei die Frucht: deines Leibes' ".

2. U. L. Frau singt den Lbgesang und spricht: "Hoch preist meine Seele den Herrn".

3. „Maria blieb bei Elisabeth etwa drei Monate und dann kehrte sie in ihr Haus zurück".

Die Geburt Christi unseres Herrn
(Lk 2, 1-14; Mt 1, 18-25).

1. U. L. Frau und ihr Bräutigam, der heilige Joseph, ziehen von Nazareth nach Bethlehem. „Es reiste Joseph von Galiläa nach Bethlehem hinauf mit Maria, seiner ihm verlobten Frau, ((↓ S. 118)) die gesegneten Leibes war, um seine Unterwürfigkeit unter den Kaiser zu bezeigen" (2).

2. „Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe".

3. "Es erschien eine Menge himmlischer Heerscharen, welche sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe!"(3)

Die Hirten
(Lk 2, 8-20).

1. Die Geburt Christi unseres Herrn wird den Hirten durch den Engel verkündet. „Ich verkünde euch eine große Freude; denn heute ist geboren der Heiland der Welt".

2. Die Hirten eilen nach Bethlehem. kamen eilends und sie fanden Maria und Joseph und das Kind in der Krippe liegend".

3. „Es kehrten die Hirten heim und sie priesen und lobten den Herrn".

Die Beschneidung
(Lk 2, 21).

1. Sie beschnitten den Knaben Jesus.

2. „Es ward sein Name Jesus genannt, wie er schon vom Engel genannt worden, bevor er im Mutterschoße empfangen ward".

3. Man gibt den Knaben seiner Mutter zurück, die Mitleid fühlte wegen des Blutes, das von ihrem Sohne vergossen wurde.

((↓ S. 119))

Die drei weisen Könige
(Mt 2, 1-12).

1. Die drei weisen Könige, der Leitung des Sternes folgend, kamen, um Jesus anzubeten, und sagten: „Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten".

2. Sie beteten ihn an und brachten ihm Geschenke dar. „Sie fielen nieder auf die Erde, beteten ihn an und brachten ihm Geschenke dar, Gold, Weihrauch und Myrrhe".

3. „Sie erhielten im Schlafe die Antwort, nicht zu Herodes zurückzugehen, und sie kehrten auf einem anderen Wege heim in ihr Land".

Die Reinignng U. L. Frau und die Darstellung des Knaben Jesus
(Lk 2, 22-39).

1. Sie bringen den Knaben Jesus zum Tempel, auf dass er dem Herrn als Erstgeborener dargestellt werde, und opfern für ihn ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

2. Als Simeon in den Tempel kam, „nahm er ihn in seine Arme" und sprach : „Nun entlassest du, Herr, deinen Diener in Frieden".

3. Anna „kam hinzu und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Israels harrten".

Die Flucht nach Ägypten
(Mt 2, 13-18).

1. Herodes wollte den Knaben Jesus töten und ließ deshalb die unschuldigen Kinder morden.

((↓ S. 120))

Vor deren Ermordung mahnte ein Engel Joseph, er solle nach Ägypten fliehen. „Stehe auf und nimm den Knaben und seine Mutter und fliehe nach Ägypten".

2. Er brach nach Ägypten auf. „Er stand auf in der Nacht und zog fort nach Ägypten".

3. „Er blieb daselbst bis zum Tode, des Herodes".

Die Rückkehr Christi unseres Herrn aus Ägypten
(Mt 2,19-23).

1. Der Engel mahnt Joseph, er solle nach Israel zurückkehren. "Stehe auf und nimm das Kind und seine Mutter und ziehe in das Land Israel".

2. "Da stand er auf und kam in das Land Israel.

3. Weil Archelaus, der Sohn des Herodes, in Judäa herrschte, zog er sich nach Nazareth zurück.

Das Leben Christi unseres Herrn vom zwölften bis zum dreißigsten Lebensjahr
(Lk 2, 51-52; Mk 6, 3).

' 1. Er war gehorsam seinen Eltern.

2. "Er nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade."

3. Er scheint das Handwerk eines Zimmermanns ausgeübt zu haben, wie im sechsten Kapitel der heilige Markus andeutet: "Ist er nicht der Zimmermann?"(6)

((↓ S. 121))

Das Auftreten des zwölfjährigen Christus im Tempel
(Lk 2, 41-50).

1. Da Christus unser Herr zwölf Jahre alt war, zog er von Nazareth hinauf nach Jerusalem.

2. Christus unser Herr blieb in Jerusalem und seine Eltern wussten es nicht.

3. Nach Ablauf von drei Tagen fanden sie ihn im Tempel in Wechselrede, mitten unter den Lehrern sitzend. Und als seine Eltern ihn fragten, wo er gewesen sei, gab er zur Antwort: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?"

Die Taufe Christi
(Mt 3, 13-17; Mk 1, 9-12).

1. Nachdem Christus unser Herr von seiner gebenedeiten Mutter Abschied genommen hatte, kam er von Nazareth an den Jordanfluss, wo der heilige Johannes der Täufer sich befand.

2. Der heilige Johannes taufte Christus unseren Herrn und als jener sich entschuldigen wollte, weil er sich für unwürdig hielt, ihn zu taufen, spricht Christus zu ihm: „Lass es jetzt nur geschehen; denn so geziemt es sich für uns, dass wir alle Gerechtigkeit erfüllen".

3. Es stieg der Heilige Geist herab und die Stimme des Vaters bezeugte vom Himmel : „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe".

((↓ S. 122))

Die Versuchung Christi
(Lk 4, 1-18; Mt 4, 1-11; Mk 1, 12-13).

1. Nachdem Christus getauft war, zog er in die Wüste, wo er vierzig Tage und vierzig Nächte fastete.

2. Er wurde vom Feinde dreimal versucht. „Es trat der Versucher an ihn heran und sprach zu ihm: ,Wenn du der Sohn Gottes bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden; stürze dich von hier hinab; alles das, was du siehst, will ich dir geben, wenn du zur Erde niederfällst und mich anbetest'".

3. „Es traten die Engel hinzu und dienten ihm".

Die Berufung der Apostel
(Mt 4, 18-22; 9, 9; 10, 1-4; Mk 1, 16-20; 3,13-19; 2, 13-14; Lk 5, 1-11. 27-32; 6, 12-16; Joh 1, 35-51).

1. Dreimal scheinen der heilige Petrus und der heilige Andreas berufen worden zu sein : das erste Mal, um mit dem Herrn in etwa bekannt zu werden, das erhellt aus dem ersten Kapitel des heiligen Johannes; das zweite Mal, um Christus einigermaßen nachzufolgen mit dem Vorsatz, wieder zum Besitz dessen, was sie verlassen hatten, zurückzukehren, wie der heilige Lukas im fünften Kapitel erzählt; das dritte Mal, um Christus unserem Herrn auf immer zu folgen, so der heilige Matthäus im vierten und der heilige Markus im ersten Kapitel.(7)

((↓ S. 123))

2. Er berief Philippus, wie im ersten Kapitel des heiligen Johannes mitgeteilt ist, und Matthäus, wie Matthäus selbst im neunten Kapitel erzählt.(8)

3. Er berief die übrigen Apostel, deren besondere Berufung aber das Evangelium nicht erwähnt. Dazu sind noch drei andere Dinge zu erwägen:
erstens, dass die Apostel von ungebildetem und niedrigem Stande waren;
zweitens die Würde, zu der sie so liebevoll berufen wurden:
drittens die Gaben und Gnaden, zu denen sie über alle Väter des Neuen und Alten Testamentes erhoben wurden.

Das erste Wunder auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa
(Joh 2, 1-11).

1. Christus unser Herr war mit seinen Jüngern zur Hochzeit geladen.

2. Die Mutter macht den Sohn auf den Mangel an Wein aufmerksam, indem sie spricht: „Sie haben keinen Wein mehr" und sie trug den Dienern auf: „Tut, was immer er euch sagen wird".

3. „Er verwandelte das Wasser in Wein, und er offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn".

Christus treibt die Verkäufer aus dem Tempel
(Joh 2, 13-21).

1. Er trieb alle, die feilhielten, mit einer aus Stricken geflochtenen Geißel zum Tempel hinaus.

((↓ S. 124))

2. Er stützte die Tische und die Geldhaufen der reichen Wechsler um, die da im Tempel waren.

3. Zu den Armen, die Tauben verkauften, sagte er sanft: „Schaffet diese Dinge fort von hier und machet nicht mein Haus zu einem Kaufhaus".

Die Bergpredigt Christi
(Mt 5, 1-12; 16. 44; Lk 6, 17-49).

1. Zu seinen geliebten Jüngern im besonderen spricht er von den acht Seligkeiten: "Selig die Armen im Geiste, die Sanftmütigen, die Barmherzigen, die Trauernden, die, welche Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit haben, die reinen Herzens sind, die Friedfertigen und die, welche Verfolgung leiden".

2. Er ermahnt sie, ihre Talente gut zu ge- brauchen: ,,So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, auf dass sie euere guten Werke sehen und eueren Vater preisen, der im^ Himmel ist".

3. Er erweist sich nicht als Übertreter des Gesetzes, sondern als Vollender, indem er das Gebot, nicht zu töten, nicht Ehebruch zu begehen, keinen Meineid zu schwören und die Feinde zu lieben, erklärt: „Ich sage euch, liebet, euere Feinde und tuet Gutes denen, die euch hassen".

Christus stillt den Meeressturm
(Mt 8, 23-27; Mk 4, 35-40; Lk 8, 22-26).

1. Während Christus unser Herr auf dem Meere schlief, erhob sich ein heftiger Sturm.

((↓ S. 125))

2. Seine Jünger, von Schrecken erfasst, weckten ihn auf. Er tadelt sie wegen des geringen Glaubens, den sie hatten, und spricht zu ihnen: "Was seid ihr denn ihr so furchtsam, ihr Kleinmütigen?

3. Er gebot den Winden und dem Meere, dass sie stille seien. Und da nun jene aufhörten, ward das Meer ruhig, worüber sich die Menschen wunderten, indem sie sprachen: "Wer ist der, dass ihm der Wind und das Meer gehorchen?"

</center>Christus wandelt auf dem Meer
(Mt 14, 22-23; Mk 6, 45-52; Joh 6, 15-21).</center>

1. Als Christus unser Herr auf dem Berge weilte, ließ er seine Jünger in das Schifflein steigen. "Und als die Menge entlassen war, begann er allein zu beten".

2. Das Schifflein wurde von den Wellen hin und hergeworfen, da kommt Christus auf dem Wasser wandelnd auf dasselbe zu; die Jünger aber glaubten, es sei ein Gespenst.

3. Als Christus zu ihnen sprach: "Ich bin es, fürchtet euch nicht!", kam der heilige Petrus auf sein Geheiß auf dem Meere wandelnd zu ihm; als er jedoch zweifelte, begann er zur sinken, aber Christus unser Herr rettete ihn und verwies ihm seinen geringen Glauben. Und wie er darauf das Schifflein bestieg, legte sich der Wind,

Die Aussendung der Apostel zum Predigen
Mt 10, 1-42; 11, 1; Mk 6, 7-13; Lk 9, 1-6).

Christus ruft seine geliebten Jünger und gibt ihnen die Macht, die bösen Geister aus den ((↓ S. 126)) Leibern der Menschen auszutreiben und alle Krankheiten zu heilen.

2. Er belehrt sie über die Klugheit und die Geduld: "Sehet, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe. Darum seid klug wie Schlangen und einfältig wie Tauben".

3. Er unterweist sie über die Art, wie sie reisen sollen: „Ihr sollt weder Gold noch Silber besitzen; was ihr umsonst empfanget, gebet umsonst wieder hin". Auch gab er ihnen den Gegenstand an, über den sie predigen sollten: "Gehet und predigt und sagt: Das Himmelreich ist bereits nahe gekommen".

Die Bekehrung Magdalenas
(Lk 7, 36-50).

1. Als Christus unser Herr zu Tische saß im Hause des Pharisäers, tritt Magdalena dort ein; sie trägt ein Alabastergefäß voll von SailDe.

2. Sie trat hinter den Herrn zu seinen Füßen und begann sie mit Tränen zu benetzen und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes und sie küßte seine Füße und salbte sie mit der Salbe.

3. Als der Pharisäer Magdalena beschuldigte, da spricht Christus zu ihrer Verteidigung die Worte: "Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat; und er sagte zu der Frau: ,Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin in Frieden' ".

((↓ S. 127))

Christus unser Herr speist fünftausend Menschen
(Mt 14, 13-21; Mk 6, 30-44; Lk 9, 10-17; Joh 6, 1-13).

1. Als es bereits spät wurde, bitten die Jünger Christus, dass er die Menge der Leute, die um ihn waren, entlasse.

2. Christus unser Herr ließ Brot bringen und er gebot, dass die Leute sich zum Essen lagerten. Und er segnete die Brote, brach sie und gag sie seinen Jüngern und die Jünger gaben sie der Menge.

3. "Sie aßen und wurden satt und es blieben noch zwölf Körbe Brotes übrig".

Die Verklärung Christi'
(Mt 17, 1-9; Mk 9, 1-8; Lk 9, 28-36; 2 Petr 1, 16-18).

1. Christus unser Herr nahm als seine Begleiter seine geliebten Jünger Petrus, Jakobus und Johannes und „er wurde verklärt und sein Antlitz leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wie der Schnee".

2. Er redete mit Moses und Elias.

3. Als der heilige Petrus sagte, man solle drei Hütten bauen, erscholl eine Stimme vom Himmel, die sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören"; als seine Jünger diese Stimme vernahmen, fielen sie vor Furcht auf ihr Antlitz; Christus unser Herr aber berührte sie und sprach zu ihnen: „Steht auf und habet keine

((↓ S. 128))

Furcht. Saget niemand dieses Gesicht, bis der Menschensohn aufersteht".

Die Auferstehung des Lazarus
(Joh 11, 1-45).

1. Martha und Maria geben Christus unserem Herrn Nachricht von der Krankheit des Lazarus. Als er sie vernommen, blieb er noch zwei Tage zurück, damit das Wundei* um so offenbarer sei.

2. Bevor er ihn auferweckt, fordert er von jeder der beiden Schwestern (10), dass sie glauben, indem er spricht: "Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird, auch wenn er gestorben ist, leben".

3. Nachdem er geweint und gebetet, weckt er ihn auf. Die Art aber, wie er ihn auferweckte, war, dass er befahl: ,,Lazarus, komm heraus!"

Die Mahlzeit in Bethanien
(Mt 26, 6-10; Mk 14, 3-6; Joh 12, 1-8).

1. Der Herr nimmt im Hause Simons des Aussätzigen zusammen mit Lazarus ein Abendmahl.

2. Maria gießt die Salbe über das Haupt Christi aus.

3. Judas murrt und sagt: "Wozu diese Vergeudung der Salbe?" Aber Christus entschuldigt ein zweites Mal Magdalena, indem er spricht: "Warum behelligt ihr diese Frau, da sie ein gutes Werk an mir getan?'"

((↓ S. 129))

Palmsonntag
(Mt 21, 1-17; Mk 11, l-10; Lk 19, 29-38; Joh 12, 12-19).

1. Der Herr sendet seine Jünger, dass sie die Eselin und das Füllen herbeiführen, indem er sagt: „Löset sie los und führet sie zu mir; und wenn jemand euch etwas sagen sollte, so sprechet: ,Der Herr braucht sie, und sogleich wird er sie ziehen lassen".

2. Er bestieg die Eselin, welche mit den Kleidern der Apostel bedeckt war.

3. Die Leute ziehen aus, um ihn zu empfangen, und sie breiten ihre Kleider und Zweige von den Bäumen auf dem Wege aus und rufen: "Rette uns, Sohn Davids! gebenedeit, der da kommt im Namen des Herrn; rette uns in der Höhe!" (11)

Die Predigt im Tempel
(Lk 19, 47-48; 21, 37; 22, 53; Mk 11, 11)

1, Er lehrte täglich im Tempel.

2. Nach Beendigung der Predigt ging er nach Bethanien zurück, weil niemand war, der ihn in Jerusalem aufgenommen hätte.

Dritte Woche
Das letzte Abendmahl
(Mt 26, 17-30; Joh 13, 1-38; Mk 14, 12-26; Lk 22, 7 -38)

1. Er aß das Abendmahl mit seinen zwölf Aposteln und sagte ihnen seinen Tod voraus:

((↓ S. 130))

"In Wahrheit sage ich euch, einer wird mich verkaufen".

1. Er wusch seinen Jüngern und auch dem Judas die Füße. Er fing bei Petrus an, der beim Gedanken an die Majestät des Herrn und seine eigene Niedrigkeit es nicht zulassen wollte und sagte: "Herr, du wäschest mir die Füße?" Aber Petrus wusste nicht, dass der Herr hierin ein Beispiel der Demut gab und deshalb sagte der Herr: "lch habe euch ein Beispiel gegeben, auf dass ihr tuet, wie ich getan habe".

3. Er setzte das hochheilige Opfer der Eucharistie als größtes Zeichen seiner Liebe ein, indem er sprach: "Nehmet hin und esset". Als das Abendmahl beendet war, geht Judas hinaus, um Christus unseren Herrn zu verkaufen.

Die Geheimnisse vom Abendmahl bis zum Garten einschließlich
(Mt 26 30-46; Mk 14, 26-42; Lk 22, 39- 46; Joh 18, 1).

1. Als das Abendmahl beendet war und der Herr den Lobgesang gebetet, ging er mit seinen Jüngern, die voll Furcht waren, hinaus zum Ölberg, und ließ acht von ihnen in Gethsemani zurück mit den Worten: "Setzt euch hier nieder, indes ich dorthin gehe, um zu beten".

2. Begleitet vom heiligen Petrus, dem heiligen Jakobus und dem heiligen Johannes betete er dreimal zum Herrn, indem er sprach:„Vater, wenn es geschehen kann, so gehe dieser Kelch ((↓ S. 131)) an mir vorüber; gleichwohl geschehe nicht mein Wille, sondern der deine"; und als er in Todesangst geriet, betete er länger.

3. Er kam in so große Furcht, dass er sprach: "Traurig ist meine Seele bis zum Tode"(12). Und er schwitzte so reichlich Blut, dass der heilige Lukas sagt: „Sein Schweiß war wie Blutstropfen, die auf die Erde rannen*', was schon voraussetzt, dass seine Kleider voll Blut waren.

Die Geheimnisse vom Garten bis zum Hause des Annas einschließlich
(Mt 26, 47-58. 69-70; Lk 22, 47-57; Mk 14, 48-54; Joh 18, 2-23).

1. Der Herr lässt sich von Judas küssen und von den Schergen wie einen Räuber gefangen nehmen und er sprach zu ihnen: ,jWie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Knütteln und Waffen, um mich gefangen zu nehmen, während ich Tag für Tag bei euch im Tempel saß und lehrte, und da habt ihr mich nicht ergriffen". Und als er ihnen sagte: "Wen suchet ihr?", da fielen die Feinde zur Erde.

2. Der heilige Petrus verwundete einen Knecht des Hohepriesters. Der sanfte Herr aber sagte zu ihm: "Stecke dein Schwert an seinen Platz" und er heilte die Wunde des Knechtes.

3. Verlassen von seinen Jüngern wird er zu Annas geschleppt, wo der heilige Petrus, der ihm von weitem gefolgt war, ihn einmal verleugnete; und Christus erhielt einen Backenstreich

((↓ S. 132))

von einem, der zu ihm sprach: "So antwortest du dem Hohepriester?"

Die Geheimnisse vom Hause des Annas bis zum Hause des Kaiphas einschließlich
(Mt 26, 57-75; Mk 14, 53-72; Lk 22, 54- 65; Joh 18, 24-27).

1. Sie schleppen ihn gebunden vom Hause des Annas zum Hause des Kaiphas, wo der heilige Petrus ihn zweimal verleugnete, aber von einem Blicke des Herrn getroffen "ging er hinaus und weinte bitterlich".

2. Jesus blieb jene ganze Nacht gebunden.

3. Überdies verhöhnten ihn die, welche ihn gefangen hielten, und schlugen ihn und verhüllten ihm das Antlitz und gaben ihm Backenstreiche; und sie fragten ihn: "Weissage uns, wer ist es, der dich geschlagen hat? und ähnliche Lästerungen stießen sie gegen ihn aus".

Die Geheimnisse vom Hause des Kaiphas bis zu dem des Pilatus einschließlich
(Mt 27, 1-2. 11-26; Lk 23, 1-5, 13-25; Mk 15, 1-15; Joh 18, 28-40)

1. Die ganze Volksmenge der Juden schleppt ihn zu Pilatus und vor diesem klagen sie ihn an mit den Worten: „Diesen haben wir dabei betroffen, wie er unser Volk zu verderben suchte und verbot, dem Kaiser Steuern zu entrichten".

2. Nachdem Pilatus ihn wiederholt verhört hatte, spricht er: „Ich finde keine Schuld".

((↓ S. 133))

3. Es wurde ihm Barrabas der Räuber vorgezogen. „Sie schrieen alle und riefen: ,Nicht diesen gib frei, sondern den BarrabasI' ".

Die Geheimnisse vom Hanse des Pilatus bis zu dem des Herodes
(Lk 23, 6-10)

1. Pilatus schickte Jesus als Galiläer zu Herodes, dem Vierfürsten von Galiläa.

2. Herodes fragte ihn in seiner Neugierde vieles. Er aber antwortete ihm nichts, obgleich die Schriftgelehrten und Priester ihn beständig beschuldigten.

3. Herodes ließ ihm ein weißes Kleid anziehen und verspottete ihn mit seinem Gefolge.

Die Geheimnisse vom Hanse des Herodes bis zu dem des Pilatus
(Mt 27, 26-30; Lk 23, 12. 16-22; Mk 15, 15-19; Job 19, 1-6)

1. Herodes sendet ihn zurück zu Pilatus, weshalb sie Freunde wurden, die zuvor Feinde waren.

2. Pilatus ließ Jesus ergreifen und ihn geißeln. Die Soldaten flochten eine Dornenkrone, und setzten sie auf sein Haupt. Und sie bekleideten ihn mit Purpur und traten zu ihm und sprachen: "Sei gegrüßt, König der Juden!, und sie gaben ihm Backenstreiche.

3. Er führte ihn heraus vor aller Augen. „Jesus ging also heraus mit der Dornenkrone und dem Purpurmantel. Und es sprach Pilatus

((↓ S. 134))

zu ihnen: , Sehet, welch ein Mensch!' " und als die Hohepriester ihn sahen, schrieen sie und riefen: „Kreuzige, kreuzige ihn!".

Die Geheimnisse vom Hause des Pilatus bis

zum Kreuze einschließlich

(Joh 19, 13-22; Mt 27, 26. 31-33; Mk 15, 20-22. 26-28; Lk 23, 24-26. 32. 33. 38)

1. Pilatus, zu Grerichte sitzend, überlieferte ihnen Jesus, auf dass sie ihn kreuzigten; die Juden hatten ihn nämlich vorher als König verleugnet, indem sie riefen: "Wir haben keinen König als den Kaiser.

2. Er trug das Kreuz auf den Schultern und, da er es nicht zu tragen vermochte, wurde Simon von Cyrene gezwungen, es hinter Jesus herzutragen.

3. Sie kreuzigten ihn in der Mitte zweier Räuber und hefteten diese Aufschrift an: "Jesus von Nazareth, König der Juden".

Die Geheimnisse am Kreuze (13)
(Joh 19, 23-37; Mt 27, 35-59; Mk 15, 24-38; Lk 23, 34-46).

1. Er sprach die sieben Worte am Kreuze; er bat für die, die ihn kreuzigten; er vergab dem Schächer, er empfahl dem heiligen Johannes seine Mutter und der Mutter den heiligen Johannes; er rief mit lauter Stimme: "Ich dürste" und sie reichten ihm Galle und Essig; er sagte, dass er verlassen sei; er sprach: "Es ist vollbracht"; er rief: "Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist".

((↓ S. 135))

2. Die Sonne ward verfinstert, die Felsen spalteten sich, die Gräber öffneten sich, der Vorhang des Tempels riss von oben nach unten entzwei.

3. Sie lästerten ihn und sprachen: "Du bist es also, der den Tempel Gottes zerstört ; steige vom Kreuze herab !" Es wurden seine Kleider verteilt und seine Seite mit der Lanze durchstochen, und es floß Wasser und Blut heraus.

Die Geheimnisse vom Kreuz bis zum Grabe einschließlich
(Joh 19, 38-42; Mt 27, 67-66; Mk 15, 42-47; Lk 23, 50-56).

1. Er ward vom Kreuze herabgenommen durch Joseph und Nikodemus, vor den Augen seiner schmerzerfüllten Mutter (14).

2. Sein Leib wurde zum Grabe gebracht, gesalbt und begraben.

3. Es wurden Wächter aufgestellt.

Vierte Woche
Die Auferstehung Christi unseres Herrn

Seine erste Erscheinung

Zuerst erschien er der Jungfrau Maria.Obgleich dies nicht in der Heiligen Schrift ausdrücklich gesagt wird, so betrachtet man es doch als mitgesagt, da berichtet wird, er sei so vielen anderen erschienen (vgl. Apg 1, 2-3; 1 Kor 15, 4-8). Denn die Schrift setzt voraus, dass wir verständige Einsicht haben, wie geschrieben steht: "Seid auch ihr ohne Einsicht?" (vgl. Mt 15, 16)

Zweite Erscheinung
(Mk 16, 1-11 ; Mt 28, 1-7; Lk 24, 1-8; Joh 20, 1. 11-18),

1. Sehr früh am Morgen gehen Maria Magdalena. Maria, des Jakobus Mutter und Salome zum Grabmal und sagen: „Wer wird uns den Stein vom Eingange zur Grabstätte wegwälzen?"

2. Sie sehen den Stein weggewälzt und den Engel, der spricht: "Ihr suchet Jesus von Nazareth? er ist bereits auferstanden, er ist nicht hier".

3. Er erschien der Maria, die beim Grab blieb, als die anderen weggegangen waren.

Dritte Erscheinung
(Mt 28, 8-10; Mk 16, 1-8 Lk 24, 9-11. 22-23).

1. Die beiden Maria gehen mit Furcht und großer Freude vom Grabe weg, da sie den Jüngern die Auferstehung des Herrn verkünden wollen.

2. Christus unser Herr erschien ihnen auf dem Wege und sagte zu ihnen: "Seid gegrüßt!" und sie traten hinzu, fielen nieder zu seinen Füßen und beteten ihn an.

3. Jesus spricht zu ihnen : „Fürchtet euch nicht ! Gehet hin und verkündet es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen; denn dort werden sie mich sehen".

Vierte Erscheinung
(Lk 24, 12. 33-34; Joh 20, 1-10; 1 Kor 15, 5).

1. Als der heilige Petrus von den Frauen gehört hatte, Christus sei auferstanden, ging er eilends zum Grabe.

2. Als er in das Grab trat, sah er nur die Linnen, in die der Leib Christi unseres Herrn eingehüllt war, und sonst nichts.

3. Als der heilige Petrus über diese Dinge nachsann, erschien ihm Christus und darum sagten die Apostel: "Der Herr ist wahrhaft auferstanden und dem Simon erschienen".

Fünfte Erscheinung
(Lk 24, 13-35; Mk 16, 12-13)

1. Er erscheint den Jüngern, die nach Em-maus gingen und von Christus sprachen.

2. Er weist sie zurecht und zeigt ihnen aus der Schrift, dass Christus sterben Und auferstehen musste. "O ihr Unverständigen, wie zaghaften Herzens seid ihr, um all das zu glauben, was die Propheten verkündet haben I Musste nicht Christus leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?"

3. Auf ihre Bitten bleibt er dort zurück und weilte mit ihnen, bis er ihnen die Kommunion reichte und verschwand. Sie aber kehrten zurück und erzählten den Jüngern, wie sie ihn bei der heiligen Kommunion erkannt hätten.

Sechste Erscheinung
(Job 20, 19-23; Mk 16, 14; Lk 24, 36-45; Apg 10, 40-41; 1 Kor 15, 5)

1. Die Jünger waren versammelt aus Furcht vor den Juden mit Ausnahme des heiligen Thomas.

2. Jesus erschien ihnen, während die Türen verschlossen waren, und indem er mitten unter ihnen steht, spricht er: "Der Friede sei mit euch".

3. Er teilt ihnen den Heiligen Geist mit, indem er zu ihnen pricht: "Empfanget den Heiligen Geist; denen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen."

Siebente Erscheinung
(Job 20, 24-29)

1. Da der heilige Thomas bei der vorigen Erscheinung abwesend war, ist er ungläubig und sagt: "Wenn ich es nicht gesehen habe, werde ich es nicht glauben".

2. Jesus erscheint ihnen acht Tage danach bei verschlossenen Türen und er sagt zum heiligen Thomas: "Lege deinen Finger her und siehe die Wahrheit und sei nicht ungläubig, sondern gläubig".

3. Der heilige Thomas glaubte und rief: "Mein Herr und mein Gott!" Und Christus sagte zu ihm: "Selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben".

Achte Erscheinung
(Joh 21, 1-17)

1. Jesus erscheint sieben seiner Jünger, die am Fischen waren und die ganze Nacht nichts gefangen hatten. Als sie aber auf sein Geheiß das Netz auswarfen, „konnten sie es nicht ziehen vor der Menge der Fische.

2. An diesem Wunder erkannte ihn der heilige Johannes und er sagte zum heiligen Petrus: „Es ist der Herr und jener warf sich ins Meer und kam zu Christus.

3. Er gab ihnen ein Stück von einem gebratenen Fisch und eine Honigscheibe (15) zu essen. Und er empfahl dem heiligen Petrus seine Schafe, nachdem er dreimal die Frage gestellt, ob er ihn liebe, und er spricht zu ihm: "Weide meine Schafe".

Neunte Erscheinung
(Mt 28, 16-20; Mk 16, 15-18; Lk 24, 46-49)

1. Die Jünger begeben sich auf des Herrn Geheiß auf den Berg Thabor (16).

2. Christus erscheint ihnen und sagt: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.

3. Er sandte sie in die ganze Welt, um zu predigen, indem er sagte: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes".

Zehnte Erscheiniing
(1 Kor 15, 6).

"Danach wurde er gesehen von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal".

Elfte Erscheinung
(1 Kor 15, 7).

„Er erschien danach dem heiligen Jakobus".

Zwölfte Erscheinung
Er erschien dem Joseph von Arimathäa, wie frommerweise betrachtet und im Leben der Heiligen gelesen wird.

Dreizehnte Erscheinung
(1 Kor 15, 8; Eph 4, 8-9; 1 Petr 3, 18-20; Apg 1, 3)

Er erschien dem heiligen Paulus nach der Himmelfahrt. "Zuletzt erschien er auch mir wie einer unzeitigen Geburt". Er erschien in seiner Seele auch den heiligen Vätern der Vorhölle. Und nachdem er sie von dort fortgeführt und seinen Leib wieder angenommen hatte, erschien er zu vielen Malen den Jüngern und verkehrte mit ihnen (17).

Bis Himmelfahrt unseres Herrn
(Apg 1, 1-12; Mk 16, 19-20; Lk 24, 46-52; 1 Petr 3, 22)

1. Nachdem er während des Zeitraumes von vierzig Tagen den Aposteln erschienen war und viele Beweise und Zeichen gegeben und vom Reiche Gottes gesprochen hatte, trug er ihnen auf, zu Jerusalem den verheißenen Heiligen Geist zu erwarten.

2. Er führte sie auf den Ölberg „und in ihrer Gegenwart wurde er erhoben und eine Wolke entzog ihn ihren Augen".

3. Während sie zum Himmel hinaufschauen, sprachen die Engel zu ihnen: "Männer von Galiläa, was stehet ihr da und schauet auf zum Himmel? Dieser Jesus, der aufgenommen ist vor eueren Augen zum Himmel, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn sahet auffahren zum Himmel".

Regeln für die Unterscheidung der Geister (1)

Regeln, um einigermaßen die verschiedenen Regungen, die in der Seele hervorgerufen werden, zu gewahren und zu erkennen : die guten, um sie zuzulassen, die schlechten, um sie abzuweisen. Die Regeln sind mehr geeignet für die erste Woche.

Regel 1. Denen, die von einer Todsünde zur anderen schreiten, pflegt der böse Feind gewöhnlich scheinbare Freuden vor Augen zu führen, indem er bewirkt, dass sie sich sinnliche Genüsse und Lüste vorstellen, damit er sie um so mehr in ihren Lastern und Sünden erhalte und weiter führe. Der gute Geist hingegen befolgt bei solchen Personen das entgegengesetzte Verfahren, indem er sie ständig beunruhigt und ihnen durch die innere Stimme der Vernunft Gewissensbisse erregt.

2. Bei denen, die eifrig bestrebt sind, sich von ihren Sünden zu reinigen und im Dienste Gottes unseres Herrn vom Guten zum Besseren aufzusteigen, ist die Art des Verfahrens der in der ersten Regel beschriebenen Art entgegengesetzt. Dann ist es nämlich dem bösen Feind eigen, Gewissensangst zu erregen, traurig zu stimmen und Hindernisse zu bereiten, indem er die Seele durch Scheingründe beunruhigt, damit sie nicht weiter voranschreite. Dem guten Geist hingegen ist es eigen, der Seele Mut und Kraft, Tröstungen, Tränen, Anregungen und Herzensruhe zu spenden, indem er alles leicht macht und alle Hindernisse entfernt, damit sie im Gutestun immer weiter fortschreite.

3. Vom geistlichen Troste (2). Trost nenne ich es, wenn in der Seele eine innere Regung geweckt wird, wodurch die Seele in der Liebe ihres Schöpfers und Herrn zu entbrennen beginnt und wenn sie demzufolge kein geschaffenes Wesen auf dem Antlitz der Erde um seiner selbst willen, sondern nur im Schöpfer aller Dinge zu lieben vermag. Desgleichen, wenn der Mensch Tränen vergießt, die ihn zur Liebe seines Herrn anregen, sei es nun aus Schmerz über seine Sünden oder über das Leiden Christi unseres Herrn oder über andere Dinge, die sich unmittelbar auf den Dienst und das Lob Gottes beziehen. Schließlich nenne ich Trost jeden Zuwachs an Hoffnung, Glaube und Liebe und jede innere Freude, die den Menschen zu den himmlischen Dingen und zum Wirken an seinem eigenen Seelenheil hinruft und hinzieht, indem sie der Seele Ruhe und Friede in ihrem Schöpfer und Herrn spendet.

4. Von der geistlichen Trostlosigkeit. Ich heiße Trostlosigkeit alles, was dem in der dritten Regel Gesagten entgegengesetzt ist, wie Finsternis der Seele, Verwirrung in ihr, Hinneigung zu niedrigen und irdischen Dingen, Unruhe infolge verschiedener Aufregungen und Versuchungen, die zum Misstrauen ohne Hoffnung, ohne Liebe hintreiben, wobei sich die Seele ganz träge, lau, traurig und gleichsam von ihrem Schöpfer und Herrn losgetrennt fühlt. Denn wie der Trost das Gegenteil der Trostlosigkeit bildet, so sind auch die Gedanken, die aus dem Troste hervorgehen, den Gedanken, die aus der Trostlosigkeit entstehen, entgegengesetzt.

5. Zur Zeit der Trostlosigkeit soll man niemals eine Änderung treffen, sondern fest und beharrlich bei seinen Vorsätzen und der Willensentschließung bleiben, die man an dem der Trostlosigkeit vorhergehenden Tage getroffen hatte, oder auch bei der Willensentschließung, die man zur Zeit des voraufgegangenen Trostes gefasst hatte (3). Denn gleichwie uns zur Zeit des Trostes mehr der gute Geist führt und berät, so zur Zeit der Trostlosigkeit der böse Geist, auf dessen Ratschläge hin wir nie den Weg finden können, um recht zu handeln.

6. Obschon wir zur Zeit der Trostlosigkeit die früheren Vorsätze nicht ändern dürfen, so ist es doch sehr ersprießlich, unser Verhalten entschieden zu ändern, indem wir gegen die Trostlosigkeit selbst vorgehen, z. B. dadurch, dass wir eifriger das Gebet, die Betrachtung pflegen, uns viel erforschen und in angemessener Weise etwas mehr an Buße tun.

7. Wer sich in Trostlosigkeit befindet, soll bedenken, wie der Herr ihn der Prüfung halber bei seinen natürlichen Kräften belassen hat, damit er auch so den verschiedenen Anreizungen und Versuchungen des Feindes widerstehe. Dies vermag er nämlich mit dem göttlichen Beistand, der ihm immer verbleibt, wenn er denselben auch nicht offenbar fühlt, da ihm der Herr zwar seinen, starken Eifer, die große fühlbare Liebe und die überreiche Gnade entzogen hat, jedoch so, dass ihm die zum ewigen Heil ausreichende Gnade verbleibt.

8. Wer sich in der Trostlosigkeit befindet, soll sich mühen, in Geduld auszuharren, die den über ihn hereinbrechenden Heimsuchungen entgegenwirkt, und er möge bedenken, dass er bald wieder des Trostes teilhaftig werde, dabei aber auch die Maßregeln gegen derartige Trostlosigkeit anwenden, wie es in der sechsten Regel angegeben wurde.

9. Es sind besonders drei Ursachen, derentwegen wir uns in Trostlosigkeit finden. Erstens, weil wir lau, träge und nachlässig in unseren geistlichen Übungen sind, und so wegen unserer Fehler der geistliche Trost uns fern bleibt. Zweitens, damit uns Gott prüfe, wie viel wir vermögen und wie weit wir in seinem Dienste und seinem Lobe voranschreiten ohne eine so große Belohnung von Tröstungen und besonderen Gnadenerweisen. Drittens, weil Gott uns eine wahre Einsicht und Erkenntnis verleihen will, auf dass wir recht innewerden, es stehe nicht in unserer Macht, große Andacht, überwallende Liebe, Tränen oder irgend eine andere geistliche Tröstung zu erlangen oder zu bewahren, sondern es sei alles nur ein Geschenk und eine Gnade Gottes unseres Herrn, und damit wir nicht sozusagen unser Nest auf fremdem Boden bauen (4), indem wir uns im Geiste zu irgendwelchem Stolze (5) oder zu eitler Ehrsucht erheben und die Andacht oder die anderen Wirkungen des geistlichen Trostes uns selbst zuschreiben.

10. Wer sich im Zustande des Trostes befindet, möge erwägen, wie er sich zur Zeit der Trostlosigkeit, die später über ihn hereinbrechen wird, verhalten werde, und für jene Zeit neue Kräfte sammeln.

11. Wer sich des Trostes erfreut, sei bestrebt, sich zu demütigen und sich zu erniedrigen, so viel er vermag, indem er bedenkt, wie wenig er zur Zeit der Trostlosigkeit vermag ohne solch eine besondere Gnade oder Tröstung. Wer sich dagegen in Trostlosigkeit befindet, soll bedenken, dass er viel vermag mit der Gnade, die hinreichend ist, allen seinen Feinden zu widerstehen, indem er nämlich die Kräfte findet bei seinem Schöpfer und Herrn (6).

12. Der böse Feind benimmt sich wie eine Frau, insofern er schwach ist bei fremder Gewalt und stark bei freiem Willen (7). Denn gleichwie es der Frau, wenn es mit dem Mann streitet, eigen ist, den Mut zu verlieren und die Flucht zu ergreifen, sobald der Mann ihm fest die Stirne zeigt, und wie umgekehrt, wenn der Mann anfängt, den Mut zu verlieren und zu fliehen, der Zorn, die Rachsucht und die Wut der Frau sich steigern, und geradezu maßlos werden, so ist es auch dem bösen Feinde eigen, schwach zu werden und den Mut zu verlieren - so dass seine Versuchungen die Flucht ergreifen - wenn derjenige, der den geistlichen Übungen obliegt, diesen Versuchungen fest die Stirne zeigt, und das gerade Gegenteil tut von dem, wozu sie anreizen. Wenn dagegen der, welcher sich den geistlichen Übungen widmet, inmitten der Versuchungen anfängt, sich zu fürchten und den Mut zu verlieren, so gibt es auf der ganzen Erde kein so wildes Tier, wie der Feind der menschlichen Natur es ist in der mit überaus großer Bosheit unternommenen' Verfolgung seiner verworfenen Absichten.

13. Desgleichen benimmt er sich wie ein falscher Liebhaber, insofern er verborgen bleiben und nicht entdeckt werden will. Denn gleichwie ein solch falscher Mensch, der mit seinen Zureden die Tochter eines braven Vaters oder die Gattin eines braven Ehegatten zu verführen sucht, seine Worte und Einflüsterungen geheim gehalten wissen will und gleichwie es ihm dagegen sehr missfällt, wenn die Tochter dem Vater oder die Gattin dem Ehegatten seine heuchlerischen Worte und seine schlechte Absicht aufdeckt - weil er leicht ersieht, dass er mit dem begonnenen Vorhaben nicht zum Ziele kommen kann, so will und wünscht auch der Feind der menschlichen Natur, wenn er seine trügerischen Vorstellungen und Vorschläge der gerechten Seele einflüstert, dass sie insgeheim aufgenommen werden und geheim bleiben. Wenn aber die Seele dieselben ihrem kundigen Beichtvater oder einer anderen in geistlichen Dingen erfahrenen Person aufdeckt, die seine Verführungskünste und boshaften Anschläge durchschaut, so grämt ihn das sehr; denn daraus entnimmt er, dass er mit seinem schon begonnenen Anschlag nicht zum Ziel kommen kann, da seine Betrügereien offen zu Tage liegen.

14. Er benimmt sich auch wie ein Heerführer, um den Platz, den er nehmen will, zu bezwingen und auszurauben. Denn gleichwie ein Befehlshaber und Kriegsführer erst sein Lager aufschlägt und die Befestigungen oder den Verteidigungszustand einer Burg ausspäht und sie dann an der schwächsten Seite angreift, so sucht auch der Feind der menschlichen Natur auf Schleichwegen von allen Seiten alle unsere Tugenden auszukundschaften, die theologischen, die Haupttugenden und die sittlichen. Und wo er uns schwächer findet und hilfsbedürftiger hinsichtlich unseres ewigen Heiles, da greift er uns an und sucht uns zu überwältigen.

Regeln zu demselben Zwecke, die zu einer genaueren Unterscheidung der Geister (vgl 1 Joh 4, 1) dienen und mehr der zweiten Woche entsprechen (8).

Regel 1. Es ist Gott und seinen Engeln bei ihren Anregungen eigen, wahre Fröhlichkeit und geistliche Freude mitzuteilen und alle Traurigkeit und Verwirrung, die der böse Feind der Seele einflößt, zu verbannen. Diesem dagegen ist es eigen, gegen solche Fröhlichkeit und geistliche Tröstung anzukämpfen, indem er Scheingründe, Spitzfindigkeiten und unablässige Täu-schungen anwendet.

2. Gott unserem Herrn allein kommt es zu, der Seele ohne vorausgehende Ursache Trost zu spenden. Denn nur dem Schöpfer ist es eigen, in der Seele ein- und auszugehen und in ihr seine Anregungen zu bewirken, indem er sie ganz zur Liebe seiner göttlichen Majestät hinzieht. Ich sage "ohne Ursache" d. h. ohne irgend welche vorhergehende Wahrnehmung oder Erkenntnis eines Gegenstandes, wodurch eine derartige Tröstung, ihr mittels der eigenen Verstandes- und Willensakte zuteil werde.

3. Mittels einer vorhergehenden Ursache vermag ebenso der gute Engel wie der böse die Seele trösten, jedoch zu entgegengesetzten Zwecken: der gute Engel zum Fortschritt der Seele, auf dass sie wachse und vom Guten zum Besseren aufsteige, der böse Engel zum Gegenteil und damit er sie schließlich zu seiner verworfenen Absicht und Bosheit hinzerre.

4. Dem bösen Engel, der sich in einen Engel des Lichtes umwandelt (vgl. 2 Kor 11, 14), ist es eigen, mit der frommen Seele einzutreten und mit sich selbst wieder auszutreten (9), das heißt, er pflegt erst gute und heilige Gedanken, die einer solchen gerechten Seele entsprechen, einzuflößen und dann versucht er allmählich davonzuschleichen und dabei die Seele in seine versteckten Trügereien und schlechten Absichten hineinzuziehen.

5. Wir müssen sehr acht haben auf den Verlauf unserer Gedanken; sind der Anfang, die Mitte und das Ende durchaus gut und auf etwas völlig Gutes gerichtet, so ist dies ein Kennzeichen des guten Engels. Wenn es aber im Verlauf der Gedanken, die er einflößt, auf etwas Schlechtes oder Ablenkendes hinausläuft oder auf etwas, das minder gut ist, als was die Seele vorher zu tun beabsichtigt hatte, oder wenn es die Seele schwächt oder beunruhigt oder verwirrt, indem es ihr den Frieden, die Ruhe und die Stille benimmt, die sie zwar besaß, so ist das ein klares Zeichen, dass es vom bösen Geist, dem Feinde unseres Fortschrittes und ewigen Heiles, herkommt.

6. Hat man den Feind der menschlichen Natur an seinem Schlangenschweif und an dem schlechten Zweck, zu dem er zu verleiten sucht, wahrgenommen und erkannt, so ist es für den, der von ihm versucht wurde, von Nutzen, nachher den Verlauf der guten Gedanken, die er eingab, zu überdenken, sowohl deren Anfang als auch, wie er sich bemühte, ihn von dem Zustand der inneren Wonne und geistlichen Freude, in derer sich befand, ganz allmählich herabsteigen zu lassen, bis er ihn schließlich zu seinem schlechten Vorhaben hinabzog. Im Besitze der so gewonnenen und beherzigten Erfahrung sei er künftig auf der Hut vor dessen gewohnten Trugkünsten.

7. Bei denen, die vom Guten zum Besseren voranschreiten, berührt der gute Engel die Seele sanft, gelind und mild, wie ein Wassertropfen, der in einen Schwamm eindringt; der böse Engel hingegen berührt sie scharf, laut und geräuschvoll, wie wenn ein Wassertropfen auf hartes Gestein fällt; diejenigen aber, die vom Bösen zum Schlechteren voranschreiten, werden von den vorhin genannten Geistern auf die entgegengesetzte Weise berührt. Der Grund hiervon liegt darin, dass die Verfassung der Seele den erwähnten Engetn entweder entgegengesetzt oder gleichartig ist. Ist sie nämlich entgegengesetzt, so dringen die Geister mit Geräusch und Lärm ein, so dass man sie leicht gewahren kann; ist sie aber ähnlich, so tritt der Geist in aller Stille ein, so wie in sein eigenes Haus bei offener Türe.

8. Erfolgt die Tröstung ohne vorausgehende Ursache, so unterliegt ihr zwar kein Trug, weil sie ja - wie gesagt wurde - nur von Gott unserem Herrn herrührt. Gleichwohl muss die dem geistlichen Leben zugewandte Person, der Gott eine solche Tröstung mitteilt, mit großer Wachsamkeit und Aufmerksamkeit auf die eigentliche Zeit einer solchen wirklichen Tröstung achten und sie wohl unterscheiden von der nachfolgenden Zeit, in der die Seele noch erwärmt bleibt und beglückt durch die Gunsterweisung und die Nachwirkungen der vorausgehenden Tröstung; denn oft bildet sie in dieser zweiten Zeit durch eigenes Nachdenken aus den Beziehungen (10) und den Folgen der Begriffe und Urteile, unter dem Einfluß des guten oder des bösen Geistes verschiedene Vorsätze und Meinungen, die nicht unmittelbar von Gott unserem Herrn eingegeben sind und deshalb sehr genau geprüft werden müssen, ehe man ihnen seine volle Zustimmung erteilt oder sie in die Tat umsetzt.

Regeln für die Almosenverteilung (11)

Im Dienste der Almosenverteilung sollen folgende Regeln beobachtet werden.

Regel 1. Wenn ich Almosen verteile an Verwandte oder an Freunde oder an Personen, zu denen ich eine Zuneigung habe, so muss ich vier Stücke beachten, von denen zum Teil schon beim Gegenstand der "Wahl" die Rede gewesen ist. Erstens muss die Liebe, die mich zum Almosengeben bewegt und antreibt, von oben her aus der Liebe zu Gott unserem Herrn stammen, so dass ich zunächst in mir wahrnehme, die Liebe, die ich mehr oder weniger zu solchen Personen trage, ziele auf Gott, und dass im Beweggrunde, dessentwegen ich sie mehr liebe, Gott selbst entgegenleuchte.

2. Ich will mir einen Menschen vorstellen, den ich niemals gesehen oder gekannt habe und dem ich in dem Amte und dem Stande, worin er sich befindet, alle Vollkommenheit wünsche. Und nach jenem Maße, nach dem ich ihn bei seiner Art der Almosenverteilung gern die rechte Mitte halten sähe zur größeren Ehre Gottes unseres Herrn und zur größeren Vollkommenheit seiner Seele, nach eben diesem Maße werde ich selbst es tun, nicht mehr und nicht weniger, und ich werde mich an dieselbe Regel und Maßbestimmung halten, die ich gern dem anderen wünsche, und die ich als recht erachte. *

3. Ich will, gleich als befände ich mich bereits in der Todesstunde, die Form- und das Maß erwägen, die ich dann wünschen würde im Dienste meiner Vermögensverwaltung eingehalten zu haben, und danach mich richtend werde ich bei der Ausübung der Almosenverteilung vorangehen.

4. Ich will mir vorstellen, wie mir am Tage des Gerichtes zu mute sein wird, und gut überlegen, wie ich dann wünschen werde, dieses Amt und den Dienst dieser Verwaltung benützt zu haben. Und die Regel, die ich dann eingehalten zu haben wünsche, werde ich jetzt befolgen.

5. Wenn jemand merkt, dass er zu gewissen Personen, denen er Almosen austeilen will, eine besondere Zuneigung und eine Anhänglichkeit an sie hat, so soll er vorläufig warten und inzwischen die vier oben genannten Regeln genau überdenken und nach ihnen seine Zuneigung abwägen und prüfen. Und er soll das Almosen nicht, spenden, bis er entsprechend jenen Regeln seine ungeordnete Neigung ganz abgelegt und entfernt bat.

6. Wenn es auch keine Sünde ist, die Güter Gottes unseres Herrn anzunehmen, um sie auszuteilen, falls einer von unserem Gott und Herrn zu solchem Dienste berufen ist, so entsteht doch in Bezug auf das Wieviel und das Maß dessen, was jemand von den Gütern, die er besitzt, um sie anderen zu geben, für sich selber nehmen und verwenden darf, leicht ein Zweifel, ob man nicht fehle und über das rechte Maß hinausgehe. Insofern kann man daher innerhalb seiner Lebensverhältnisse und seines Standes vermittels der oben angeführten Regeln eine Verbesserung vornehmen.

7. Aus den bereits erwähnten und vielen anderen Gründen handelt man um so besser und sicherer, je mehr man sich in allem, was die eigene Person und den eigenen Haushalt anbelangt, einschränkt und seine Aufwendungen herabsetzt, und je mehr man unserem Hohepriester (Hebr 2, 17; 3, 1 usw.), unserem Vorbild und unserer Richtschnur (vgl. Mt 8, 19: 16, 24; Joh 8, 12; 13, 15; 1 Petr 2, 21 usw.), der da ist Christus unser Herr, näher kommt.

Dementsprechend bestimmt und verordnet die dritte Kirchenversammlüng von Karthago (12), bei der der heilige Augustinus anwesend war, dass die Hauseinrichtung des Bischofs gering an Wert und ärmlich sei. Dieselbe Regel soll man bei jeder Lebensweise beachten; doch muß man die Lebenslage und den Stand der Personen berücksichtigen und ihnen sein Verhalten anpassen: so haben wir für den Ehestand das Vorbild des heiligen Joachim und der heiligen Anna, die ihr Vermögen in drei Teile teilten und den ersten den Armen gaben, den zweiten für die Verwaltung und den Dienst des Tempels bestimmten und den dritten zu ihrem und ihrer Familie unterhält verwandten (13).

Bemerkungen über die Skrupeln

Um die Skrupeln und die Einflüsterungen unseres Feindes wahrzunehmen und zu erkennen, sind folgende Bemerkungen dienlich.

Bemerkung 1. Man nennt gemeiniglich Skrupel etwas, das aus unserem eigenen Urteil und freien Ermessen hervorgeht: wenn ich nämlich aus freiem Ermessen das Urteil bilde, es sei etwas Sünde, was keine Sünde ist, wie es z. B. vorkommen kann, dass jemand, nachdem er zufällig auf ein aus Strohhalmen gebildetes Kreuz getreten, sich aus eigenem Ermessen das Urteil bildet, er habe gesündigt. Doch ist dies in Wahrheit nur ein irriges Urteil, nicht aber ein eigentlicher Skrupel.

2. Nachdem ich auf jenes Kreuz getreten bin oder nachdem ich irgend etwas anderes gedacht oder gesprochen oder getan habe, kommt mir von außen der Gedanke, ich hätte gesündigt, anderseits scheint es mir, ich hätte nicht gesündigt und doch fühle ich dabei Unruhe, insofern ich nämlich zweifle und insofern ich auch nicht zweifle. Dies ist nun ein Skrupel im eigentlichen Sinne und eine Versuchung, die der böse Feind bewirkt.

3. Der erste Skrupel, wie er in der ersten Bemerkung beschrieben wurde ist durchaus zu verachten, weil er gänzlich Irrtum ist. Dagegen ist der zweite Skrupel, der in der zweiten Bemerkung erwähnt wurde, einige Zeit hindurch für die Seele, die sich geistlichen Übungen hingibt, nicht wenig nützlich. Ja er reinigt und läutert eine solche Seele in hohem Maße, indem er sie auch von jedem Scheine der Sünde weit entfernt, nach dem Ausspruche des heiligen Gregor: es ist guten Gemütern eigen, dort eine Schuld zu erkennen, wo keine Schuld ist (14).

4. Der böse Feind achtet sehr darauf, ob eine Seele ein grobes oder ein zartes Gewissen hat. Hat sie ein zartes Gewissen, dann bemüht er sich, es immer noch zarter zu machen bis zum Übermaß, um sie leichter in Unruhe und Verwirrung zu stürzen. Wenn er z. B. sieht, dass eine Seele keine Sünde zulässt, weder eine schwere noch eine lässliche, noch irgend einen Schein überlegter Sünde, so sucht der böse Feind, da er sie nicht in etwas, was auch nur den Anschein von Sünde hat, hineinzustürzen vermag, sie wenigstens zu dem Urteil zu bringen, es sei eine Sünde, wo keine Sünde ist, wie z. B. bei irgend einem Wort oder bei einem ganz geringen Gedanken. Hat die Seele aber ein grobes Gewissen, so sucht der böse Feind es noch gröber zu machen. Achtete sie z. B. früher die lässlichen Sünden für nichts, so wird er dahin trachten, dass sie auch aus den Todsünden sich nur wenig mache, und wenn sie vorher noch etwas Scheu vor den lässlichen Sünden hatte, dass sie jetzt viel weniger oder überhaupt gar nichts mehr sich daraus mache.

5. Die Seele, die im geistlichen Leben voranzuschreiten wünscht, muss stets ein Verfahren einhalten, das dem vom bösen Feind befolgten entgegengesetzt ist. Versucht nämlich der böse Feind, das Gewissen der Seele abzustumpfen, so soll sie sich der Zartheit des Gewissens befleißigen. Ebenso, wenn der böse Feind dahin trachtet, das Gewissen überzart zu machen, um es zum Äußersten zu treiben, so bemühe sich die Seele, sich fest in der. rechten Mitte zu halten, um ganz zur Ruhe zu gelangen.

6. Wenn eine solche gutgesinnte Seele etwas sagen oder tun will, was dem Geiste der Kirche und der Auffassung unserer Vorfahren entspricht und was zur Ehre Gottes unseres Herrn gereichen soll, und wenn dann ein Gedanke oder eine Versuchung von außen an sie herantritt, solches nicht zu sagen oder zu tun, und ihr mit Scheingründen. eitle Ehrsucht oder eine andere unlautere Absicht unterschiebt usw., so soll sie den Geist zu ihrem Schöpfer und Herrn erheben. Und wenn sie sieht, dass jenes Vorhaben zu dem ihm schuldigen Dienst gereicht oder wenigstens nicht dagegen verstößt, dann soll sie jener Versuchung geradezu entgegenhandeln, sowie der heilige Bernhard dem Versucher antwortet: „Deinetwegen habe ich nicht begonnen und deinetwegen werde ich auch nicht aufhören" (15).

Regeln über die kirchliche Gesinnung (16)

Um die rechte Gesinnung, die wir in der streitenden Kirche hegen sollen, zu erlangen, sind folgende Regeln zu beobachten.

Regel 1. Indem wir jedes eigene Urteil beiseite setzen, müssen wir unseren Geist bereit und willig halten, in allem der wahren Braut Christi unseres Herrn zu gehorchen, die da ist unsere heilige Mutter, die hierarchische Kirche.

2. Man empfehle die vor dem Priester abgelegte Beichte und den Empfang des allerheiligsten Sakramentes einmal im Jahre und noch viel mehr, wenn dies alle Monate geschieht, und viel besser noch ist es, wenn alle, acht Tage, immer die vorgeschriebenen und erforderlichen Bedingungen vorausgesetzt.

3. Man empfehle die häufige Anhörung der Heiligen Messe sowie die Gesänge, die Psalmen und lange Gebete in und außerhalb der Kirche, desgleichen die zur bestimmten Zeit für jeden Gottesdienst und für jede Andacht angeordneten Stunden wie auch alle kirchlichen Tageszeiten.

4. Man lobe sehr die geistlichen Orden, die Jungfräulichkeit und die Enthaltsamkeit, die Ehe hingegen nicht so sehr wie irgend einen der genannten Stände.

5. Man lobe die Ordensgelübde des Gehorsams, der Armut, der Keuschheit mit das Gelöbnis anderer zur Vollkommenheit gehörender Werke der Übergebühr. Dabei ist aber dies zu bemerken: da das Gelübde Dinge, betrifft, die der evangelischen Vollkommenheit nahe kommen, so darf man sich nicht durch ein Gelübde zu solchen Sachen verpflichten, die sich von dieser Vollkommenheit entfernen, wie etwa zum Kaufmannsstand oder zum Ehestand usw.

6. Man schätze wert die Reliquien der Heiligen, indem man ihnen Verehrung erzeigt, und an die Heiligen Gebete richtet. Man lobe den Besuch der Stationskirchen (17), die Wallfahrten, die Ablässe, die Jubiläen, die Kreuzzugsbullen (18) und das Anzünden von Kerzen in den Kirchen.

7. Man lobe die Verordnungen der Kirche in Bezug auf die Fast- und Abstinenztage, wie in der Fastenzeit, an den Quatembertagen, an den Vigilien (19), am Freitag und am Samstag, ebenso die Bußwerke und zwar nicht nur die inneren, sondern auch die äußeren.

8. Man lobe Kirchenschmuck und Kirchenbauten; desgleichen die Bilder und die Verehrung derselben mit Rücksicht auf das, was sie darstellen.

9. Man lobe endlich alle Gebote der Kirche und sei stets bereit, Gründe zu deren Verteidigung aufzusuchen, keineswegs aber zu ihrer Bekämpfung.

10. Wir müssen eher bereit sein, sowohl die Anordnungen und Weisungen wie auch die Sitten unserer Vorgesetzten zu billigen und zu loben, als zu tadeln. Denn wenn auch einige nicht lobenswert sind oder waren, so würden doch, spräche man dagegen, sei es in öffentlichen Predigten oder in Äußerungen vor dem gewöhnlichen Volke, dies eher Murren und Ärgernis als Nutzen bewirken. Und so würde das Volk nur gegen seine Vorgesetzten, weltliche oder geistliche, unwillig werden. Doch wie es Schäden bringt, von den Vorgesetzten in deren Abwesenheit vor dem gewöhnlichen Volke übel zu reden, so kann es nur von Nutzen sein, von den schlechten Sitten mit eben jenen Personen zu sprechen, die ihnen abhelfen können.

11. Man lobe die positive und scholastische Lehre. Denn gleichwie es den positiven Lehrern, wie dem heiligen Hieronymus, dem heiligen Augustinus, dem heiligen Gregor und anderen mehr eigen ist, das Herz anzuregen, um in allem Gott unseren Herrn zu lieben und ihm zu dienen, ebenso ist es den Scholastikern, wie dem heiligen Thomas, dem heiligen Bonaventura, dem Sentenzenmeister (20) und anderen mehr eigentümlich, die zum ewigen Heil notwendigen Dinge zu umgrenzen oder entsprechend unseren Zeitverhältnissen zu erläutern, sowie auch alle Irrtümer und trügerischen Lehren mehr zu bekämpfen und aufzudecken. Denn da die; scholastischen Lehrer der neueren Zeit angehören, so ziehen sie einerseits Nutzen aus dem richtigen Verständnis der Heiligen Schrift und den positiven heiligen Lehrern, und finden anderseits, da sie auch selbst durch göttliche Kraft erleuchtet und aufgeklärt sind, Hilfe in den Konzilsentscheidungen, den Satzungen und Bestimmungen unserer heiligen Mutter der Kirche.

12. Wir müssen uns hüten, zwischen uns, die wir noch leben, und den Seligen, die bereits von hinnen geschieden sind, Vergleiche anzustellen, weil man sich hierin nicht wenig täuschen kann, z. B. wenn man sägt: Dieser weiß mehr als der heilige Augustinus; er ist ein anderer heiliger Franziskus oder noch größer; er ist ein zweiter heiliger Paulus an Tugend und Heiligkeit usw.

13. Wir müssen,, um in allem sicher zu gehen, stets festhalten: was meinen Augen weiß er-scheint, halte ich für schwarz, wenn die hierarchische Kirche so entscheidet (21), überzeugt, dass zwischen Christus unserem Herrn, dem Bräutigam, und der Kirche, seiner Braut, derselbe Geist waltet, der uns zum Heile unserer Seelen leitet und lenkt; denn durch denselben Geist und unseren Herrn, der die zehn Geböte gab, wird auch unsere heilige Mutter, die Kirche, gelenkt und geleitet.

14. Obgleich es vollkommen wahr ist, dass niemand selig werden kann, der nicht vorherbestimmt ist und der nicht den Glauben und die Heiligmachende Gnade besitzt, so muss man sich doch in der Art und Weise, wie man über, alle-diese Dinge redet und sich bespricht (22), sehr in acht nehmen (23).

15. Wir sollen von der Vorherbestimmung nicht viel gewohnheitsmäßig sprechen. Wenn aber irgendwie und bisweilen die Rede darauf kommt, spreche man so darüber, dass das gewöhnliche Volk nicht in einen Irrtum gerate und, wie es bisweilen zu geschehen pflegt, sage: Ob ich selig oder verdammt werden soll, ist schon bestimmt, und wegen meiner guten oder schlechten Werke kann es nicht anders sein; weshalb dann solche Leute in ihren guten Werken, die zum Heile und zum geistlichen Fortschritt ihrer Seelen dienen, träge und lässig werden.

16. Ebenso muss man darauf achten, dass man nicht viel und mit großem Nachdruck vom Glauben spreche ohne irgend welche Unterscheidung und Erklärung, damit dadurch dem Volke nicht Anlass gegeben werde, in der Verrichtung guter Werke lau und träge zu werden, sei es, dass dieselben dem von der Liebe belebten Glauben vorangehen oder folgen.

17. Desgleichen dürfen wir nicht so ausgiebig mit besonderem Nachdruck von der Gnade sprechen, dass dadurch das Gift einer Lehre erzeugt werde, die die Willensfreiheit aufheben möchte. Vom Glauben, und von der Gnade darf man deshalb reden, so weit es mit dem Beistand Gottes möglich ist, zum größeren Lob seiner göttlichen Majestät, aber nicht auf solche Art noch auf solche Weisen - besonders in unseren so gefährlichen Zeiten - , dass dabei die guten Werke und der freie Wille irgendwie Einbuße erleiden oder für nichts geachtet werden.

18. Obschon man es über alles wertschätzen soll, Gott unserem Herrn aus reiner Liebe eifrig zu dienen, so müssen wir doch auch die Furcht vor seiner göttlichen Majestät sehr loben; denn nicht allein die kindliche Furcht ist etwas Frommes und sehr Heiliges, sondern auch die knechtliche Furcht; wo also der Mensch nichts anderes Besseres und Nützlicheres erreicht, verhilft sie viel dazu, dass er aus der Todsünde herauskomme; und hat er sich einmal daraus befreit, so gelangt er leicht zur kindlichen Furcht, die Gott unserem Herrn ganz angenehm und wohlgefällig ist, weil untrennbar vereint mit der göttlichen Liebe.(24)

Ende

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